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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Ballhausplatz, 1010 Wien
Beschreibung: Durch den Besuch und die Beschäftigung mit dem Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Ballhausplatz setzen sich die SchülerInnen mit dem komplexen Erinnern an Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz auseinander. Die biografische und gestalterische Auseinandersetzung mit der Geschichte von David Holzer steht stellvertretend für das Schicksal vieler Menschen, die verfolgt, vergessen und erst spät gewürdigt wurden.
Ort: 1010 Wien, Ballhausplatz 2
Zeitbedarf: ca. 3 Doppelstunden
Alter: 14–19 Jahre
Vermittlungsort: Außerschulischer Lernort und Klassenraum


Verbundene Orte:




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Das Denkmal, das oft „Deserteursdenkmal“ genannt wird, erinnert an Menschen, die von der nationalsozialistischen Militärjustiz verfolgt wurden. Dazu gehörten Soldaten, die sich weigerten zu kämpfen (Deserteure) , sowie andere, die als „Wehrkraftzersetzer “ galten. Während des Zweiten Weltkriegs verhängte die NS-Militärjustiz mehr als 30.000 Todesurteile – gegen eigene Soldaten, Kriegsgefangene und ZivilistInnen. Viele weitere wurden zu Strafbataillonen geschickt, wo sie unter extrem gefährlichen Bedingungen kämpfen mussten und dabei oft starben. Lange Zeit glaubten viele Menschen in Österreich, das Land sei 1938 das „erste Opfer“ der NationalsozialistInnnen gewesen. Doch viele Österreicher kämpften in der Wehrmacht mit, und ihr Dienst wurde oft als Pflicht oder sogar als heldenhaft angesehen. Die Gründe, warum Menschen verfolgt wurden, waren unterschiedlich. Manche waren überzeugte GegnerInnen des Nationalsozialismus. Andere suchten einfach nach Wegen, sich den strengen Regeln zu entziehen. Auch Menschen, die Deserteuren halfen, wurden bestraft. Jede Form von Widerstand konnte als Verbrechen gewertet und hart bestraft werden. Nach dem Krieg wurden die Überlebenden dieser Verfolgung lange Zeit ausgegrenzt. Erst um das Jahr 2000 begann sich die Gesellschaft stärker mit dem Thema auseinanderzusetzen. 2009 erkannte der österreichische Nationalrat offiziell an, dass Desertion ein Akt des Widerstands gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime war. Das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Ballhausplatz wurde vom deutschen Künstler Olaf Nicolai (*1962 in Halle/Saale) entworfen und ist so gestaltet, dass es verschiedene Wahrnehmungs- und Interpretationsmöglichkeiten eröffnet, die stark von der Entfernung beim Betrachten abhängen. Es besteht aus einer Betonskulptur in Form eines liegenden „X“. Das „X“ kann als Symbol für das Unbekannte stehen – beispielsweise für die vielen vergessenen Opfer. Von Weitem wirkt es wie ein leerer Sockel, als würde etwas fehlen. Das kann darauf hinweisen, dass die Verfolgten lange nicht anerkannt wurden. Erst wenn man näherkommt, erkennt man die Form des „X“. Auf der obersten Ebene des Denkmals steht die Inschrift „all alone“ („ganz allein“). Diese Worte stammen vom schottischen Dichter Ian Hamilton Finlay (1925 – 2006). Man kann sie einzeln oder zusammen lesen, wodurch verschiedene Bedeutungen entstehen. Das Denkmal erinnert also nicht an eine einzelne Person, sondern an das Schicksal vieler Menschen, die verfolgt, vergessen und lange nicht gewürdigt wurden.



Literatur

  • Juliane Alton/Thomas Geldmacher/Magnus Koch/Hannes Metzler (Hg.), "Verliehen für die Flucht vor den Fahnen...". Das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz in Wien, Göttingen 2016.
  • Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz, URL: https://www.koer.or.at/projekte/denkmal-fuer-die-verfolgten-der-ns-militaerjustiz/ (abgerufen 1.4.2025).
  • Kunst im öffentlichen Raum GmbH (Hg.), Kunst im öffentlichen Raum Wien 4. 2014-2016, Wien 2017, 202-207.
  • Peter Pirker/Johannes Kramer, From Traitors to Role Models? Rehabilitation and Memorialization of Wehrmacht Deserters in Austria, in: Eleonora Narvselius/Gelinada Grinchenko (Hg.), Formulas for Betrayal: Traitors, Collaborators and Deserters in Contemporary European Politics of Memory, Basingstoke 2017, 59-85.