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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Servitengasse 9, 1090 Wien
Beschreibung: Ausgehend von der künstlerischen Intervention „Schlüssel gegen das Vergessen“ begeben sich die SchülerInnen auf Spurensuche in die Servitengasse und kartografieren ihre Wahrnehmungen, Erfahrungen und Erkenntnisse (mental mapping). Anhand ihrer persönlichen Eindrücke beschäftigen sie sich anschließend mit Fragen der Sichtbarkeit bzw. Unsichtbarkeit des Gedenkens an die NS-Terrorzeit im öffentlichen Raum sowie des gesellschaftlichen Umgangs damit.
Ort: 1090 Wien, Servitengasse 9
Zeitbedarf: ca. eine Doppelstunde vor Ort (90 min.) + eine Doppelstunde zur Nachbereitung und Weiterarbeit in der Klasse, eignet sich auch gut für fächerübergreifenden Unterricht
Alter: 14–19 Jahre
Vermittlungsort: Außerschulischer Lernort und Klassenraum


Verbundene Orte:




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Unter einer in den Boden eingelassenen Glasplatte, befinden sich in Form einer Spirale ausgelegt 462 Schlüssel. Jeder davon ist mit einem Namensschild versehen. Die Schlüssel erinnern an 462 Menschen, die während der NS-Zeit als jüdisch verfolgt , vertrieben und ermordet worden sind und in der Servitengasse ihre letzte verzeichnete Wohnung hatten. Es handelt sich um eine künstlerische Intervention der Künstlerin Julia Schulz , die den Titel „Schlüssel gegen das Vergessen“ trägt. Das Erinnerungszeichen wurde am 8. April 2008 in der Servitengasse im 9. Wiener Gemeindebezirk enthüllt. Das Erinnerungszeichen trägt die Beschriftung „Im Gedenken an die als Juden und Jüdinnen Vertriebenen und Ermordeten, die in der Servitengasse wohnten, Geschäfte führten oder Häuser besaßen“. Die Schlüssel stehen als Zeichen für die Menschen, die hier einst ihr Zuhause und ihre Arbeit hatten, bevor sie gewaltsam vertrieben und aus dem Gedächtnis verdrängt wurden. Gleichzeitig erinnern sie daran, dass ihre Geschichten und Namen wiederentdeckt und bewahrt werden. Der Erinnerungsort befindet sich auf dem Servitenplatz, einem viel begangenen und sehr belebten Ort im 9. Bezirk. Die künstlerische Intervention ist in den Boden eingelassen, sie wird somit Teil des Platzes, Teil der Architektur, des öffentlichen Raums und des alltäglichen Lebens. Sie bietet dadurch auch die Möglichkeit, Steine zum Zeichen des Erinnerns abzulegen, wie es im Judentum beim Besuch von Gräbern üblich ist. Im 9. Bezirk, insbesondere im Servitenviertel, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine große jüdische Gemeinde ansässig, die das kulturelle und soziale Leben des Bezirks stark prägte. Während der NS-Zeit wurde die die jüdische Bevölkerung auf Basis der „Nürnberger Rassengesetze “ systematisch ausgegrenzt, verfolgt, vertrieben, deportiert und ermordet. Ab 1939 zwangen die NationalsozialistInnen die jüdische Bevölkerung durch massenhafte Umsiedlungen innerhalb Wiens, vorrangig entlang des Donaukanals, in sogenannte „Sammelwohnungen“ zu übersiedeln. In diesen „Sammelwohnungen “ mussten mehrere Familien auf engstem Raum zusammengedrängt leben, häufig wurden sie innerhalb weniger Monate auch mehrfach umgesiedelt. Diese Wohnungen waren sehr oft die letzten Wohnorte der als jüdisch verfolgten Personen, bevor sie in Konzentrationslager deportiert wurden. Auch in der Servitengasse gibt es mehrere Adressen, die als letzte bekannte Wohnorte dokumentiert sind. Vielfach stellen diese Adressangaben die letzte verfügbare Informationsquelle zum Schicksal der Betroffenen dar. Eine Option, die letzten Wohnorte als jüdisch verfolgter Personen in Wien zu recherchieren, bietet das Onlinetool Memento Wien , das speziell für Handys und Tablets entwickelt wurde. Es bietet die Möglichkeit über einen digitalen Stadtplan Informationen zu den letzten Wohnadressen der Opfer in Wien einzuholen, indem es die Entrechtung, Vertreibung und Ermordung österreichischer Jüdinnen und Juden virtuell sichtbar macht und Archivdokumente, Fotos zu Personen und Gebäuden zur Verfügung stellt. Ziel dieser Plattform ist es, die Geschichten einzelner Menschen in unmittelbarer Umgebung lebendig zu machen und ein Bewusstsein für die Vergangenheit zu schaffen. Sie soll ein lebendiges Archiv sein, auf welches interaktiv zugegriffen werden kann, um die Schicksale der Verfolgten nicht zu vergessen. Memento Wien wurde vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) und der Braintrust GmbH entwickelt und von verschiedenen staatlichen Stellen gefördert.



Literatur

  • Birgit Johler/Maria Fritsche (Hg.), 1938. Adresse: Servitengasse. Eine Nachbarschaft auf Spurensuche, Wien 2007.
  • Dieter J. Hecht/Michaela Raggam-Blesch/Heidemarie Uhl (Hg.), Letzte Orte. Die Wiener Sammellager und die Deportationen 1941/42, Wien 2023.
  • Verein Servitengasse 1938, URL: https://www.servitengasse1938.at/index.php?id=2 (abgerufen 25.1.2025).
  • Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), Memento Wien, URL: https://www.memento.wien/map/ (abgerufen 25.1.2025).
  • Wiener Stadt- und Landesarchiv (MA 8)/Wienbibliothek im Rathaus (MA 9), Geschichte Wiki Wien, Gedenksymbol Schlüssel gegen das Vergessen, URL: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Gedenksymbol_Schl%C3%BCssel_gegen_das_Vergessen (abgerufen 25.1.2025).