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Zu: Gedenkort Winterantwort

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Schwedenbrücke, 1010 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich anhand eines Informationstextes, Originalquellen und lebensgeschichtlichen literarischen Texten Ilse Aichingers mit dem Thema „Arisierung“ von Wohnungen in Wien und Delogierung von Jüdinnen und Juden auseinander, wobei der Schwerpunkt auf „Sammelwohnungen“ liegt. Diese sind – vor der Überstellung in „Sammellager“ – die ersten Zwischenstationen der jüdischen Bevölkerung vor der Deportation in KZ und Vernichtungslager. Der „gedenkort winterantwort“ für Ilse Aichinger auf der Schwedenbrücke verbindet die Themen „Sammelwohnung“, „Sammellager“ und Deportation miteinander.
Ort: Schwedenbrücke, 1010/1020 Wien
Zeitbedarf: 50–100 Minuten
Alter: 13–19 Jahre
Vermittlungsort: Klassenraum. Es bietet sich ergänzend eine Besichtigung des „gedenkorts winterantwort“ sowie der ehemaligen Adresse Aichingers (Marc-Aurel-Straße 9) an, eventuell verknüpft mit dem Besuch der Gedenkstätte Salztorgasse.




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„Sammelwohnungen“ als Zwischenstationen der jüdischen Bevölkerung vor der Deportation Gleich nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde mit der „Arisierung“ von Wohnungen begonnen und jüdische MieterInnen zugunsten neuer „arischen“ MieterInnen vertrieben. Das geschah innerhalb des ersten Jahres bei rund 40.000 Mietwohnungen. Diese Kündigungen jüdischer MieterInnen durch „arische“ WohnungseigentümerInnen fanden durch eine NS-Verordnung eine gesetzliche Grundlage. Das städtische Wohnungsamt forderte HauseigentümerInnen zwar dazu auf, ein Zwang zur Auflösung des Mietverhältnisses mit Jüdinnen und Juden bestand allerdings nie. Den Mieterschutz verloren Jüdinnen und Juden aber im September 1940, als ein entsprechendes Reichsgesetz eingeführt wurde. Jüdischen Menschen, die nach ihrer Delogierung nicht fliehen konnten, wurden Wohnungen zugewiesen. Sie mussten ihre Unterkunft häufig wechseln und in „Sammelwohnungen“ ziehen, deren jüdische BesitzerInnen zur Aufnahme der neuen MitbewohnerInnen verpflichtet waren. Die Wohnsituation in solchen Wohnungen war furchtbar – mehrere Familien hausten auf engstem Raum zusammen. Zeitgleich mit den ersten großen Deportationen im Februar und März 1941 wurde von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ eine großangelegte Zwangsumsiedlung von Jüdinnen und Juden durchgeführt, bei der Jüdinnen und Juden in „Sammelwohnungen“ im 2., 9. und 20. Bezirk umziehen mussten. Auch im Salzgries, einer Gegend im 1. Bezirk nahe des Donaukanals, wurden „Sammelwohnungen“ eingerichtet. Nicht mehr der Raub von Wohnungen jüdischer BesitzerInnen war nun Grund für die Zwangsumsiedlung, sondern dadurch sollten zukünftige Deportationen erleichtert werden. Dazu wurden Jüdinnen und Juden von der SS aus den „Sammelwohnungen“ in „Sammellager“ im 2. Bezirk getrieben. Das war ihr letzter Aufenthaltsort vor der Deportation, die vom Aspangbahnhof in die Tötungsstätten erfolgte. Im Zeitraum von März 1938 bis Oktober 1942 wurden aus fast 70.000 Wohnungen in Wien jüdische WohnungseigentümerInnen und MieterInnen vertrieben.



Literatur

  • Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien. Opfer-Täter-Gegner, Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 239-278.
  • Lydia Marinelli [Hg.]: Freuds verschwundene Nachbarn, Wien 2003.
  • Philipp Mettauer, Die „Judenumsiedlung“ in Wiener Sammelwohnungen 1939-1942, in: Wiener Geschichtsblätter 73 (1/2018), 1-21.
  • Michaela Raggam-Blesch, „Sammelwohnungen“ für Jüdinnen und Juden als Zwischenstation vor der Deportation, Wien 1938-1942, in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes [Hg.]: Forschungen zu Vertreibung und Holocaust (Jahrbuch 2018), 81-100.
  • Michaela Raggam-Blesch, Alsergrund und Leopoldstadt: „Sammelwohnungen“ als Zwischenstation, in: Dieter H. Hecht/Eleonore Lappin-Eppel/Michaela Raggam-Blesch [Hg.]: Topographie der Shoah. Gedächtnisorte des zerstörten jüdischen Wien, Wien 2017, 395-409.