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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
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Hopfengasse 12, 1210 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen beschäftigen sich ausgehend von der Gedenktafel, die an das KZ-Außenlager Floridsdorf erinnert, mit der Geschichte dieses KZ. Dabei können sie Überlegungen zu einer weiteren Gestaltung dieses Ortes einbringen. Durch unterschiedliche Quellen setzen sich die SchülerInnen auch damit auseinander, dass viele ÖsterreicherInnen nach 1945 behaupteten, nichts von KZ und NS-Zwangsarbeit gewusst zu haben.
Ort: 1210 Wien
Zeitbedarf: 50–100 Minuten
Alter: 13–19 Jahre
Vermittlungsort: Klassenzimmer bzw. öffentlicher Raum


Verbundene Orte:




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Die Gedenktafel am ehemaligen Eingangstor des KZ-Außenlagers Floridsdorf erinnert im Stadtteil Jedlesee daran, dass es auch in Wien nationalsozialistische Konzentrationslager gab. Dies ist bis heute einem Großteil der Wiener Bevölkerung völlig unbekannt. Spuren der ehemaligen Außenlager des KZ Mauthausen auf Wiener Stadtgebiet sind vor allem in Floridsdorf zu erkennen. Das KZ-Außenlager in Floridsdorf befand sich zum größten Teil in heute nicht mehr existierenden Brauereikellern, die sich gegenüber dem teilweise erhaltenen Eingangstor des KZ befanden. Die Baracken der „KZ-Häftlinge“ und der ZwangsarbeiterInnen standen auf den dahinter liegenden, damals oder auch heute noch freien Flächen. Bei der Errichtung von Konzentrationslagern in Wien ist das KZ Mauthausen von großer Bedeutung. Es ist die Zentrale eines weitläufigen Systems von KZ-Außenlagern, das sich über weite Teile des heutigen Österreich erstreckt. Es bestehen auf dem Gebiet von Wien ab dem Sommer 1944 drei KZ-Außenlager: KZ-Außenlager Simmering, KZ-Außenlager Floridsdorf und KZ-Außenlager Schönbrunn sowie ein KZ-Unterkommando, ebenfalls in Floridsdorf. Wegen schwerer Luftangriffe im April und Juli 1944 auf den Schwechater Betrieb der Firma Ernst Heinkel AG, der „KZ-Häftlinge“ im KZ-Außenlager Schwechat ausbeutet, verlegt dieser die Produktion an fünf Standorte in Groß-Wien . Die zentrale Verwaltung aller fünf KZ-Lager befindet sich anfangs in der Hopfengasse, am Gelände der Mautner-Markhofschen Bierbrauerei in Floridsdorf. Ab Mai 1944 arbeiten ungefähr 200 „KZ-Häftlinge“ aus dem KZ-Außenlager Schwechat an der Reinigung und Vorbereitung der Brauereikeller für die Flugzeugproduktion. Gleichzeitig errichten Zwangsarbeiter auf dem Gelände des Fußballvereins FAC in unmittelbarer Nähe Barackenunterkünfte für das zukünftige KZ-Außenlager. Am 13. Juli 1944 erfolgt die Verlegung des KZ-Außenlagers Schwechat nach Floridsdorf. 1.993 „KZ-Häftlinge“ befinden sich kurze Zeit in der Hopfengasse, ehe sie zum Teil auf die weiteren Standorte der Firma Heinkel AG in Groß-Wien verteilt werden. Die Bewachung der Häftlinge erfolgt Großteils durch Angehörige der Luftwaffe, die zum Teil unfreiwillig zur SS überstellt werden. Lagerkommandant ist SS-Untersturmführer Anton Streitwieser. Er gilt unter den Häftlingen als äußerst brutal und hetzt mehrmals seinen scharfen Hund auf sie. Streitwieser kann nach 1945 unter einem falschen Namen in Deutschland untertauchen, wird aber später enttarnt und vor Gericht gestellt. Er ist einer der wenigen Mörder in SS-Uniform, der nach 1945 vor Gericht gestellt wird. 1967 verurteilt das Landesgericht Köln Streitwieser zu lebenslanger Haft. Er stirbt 1972 im Haftkrankenhaus Bochum. Die Sterblichkeitsrate der Häftlinge im KZ-Außenlager Floridsdorf sinkt im Vergleich zum früher bestehenden KZ-Außenlager Schwechat. Vermutlich hat die Firma Heinkel Probleme, von der SS fachlich qualifizierte „KZ-Häftlinge“ zu bekommen, sodass sie deshalb auf eine leicht verbesserte Versorgung mit Lebensmitteln achtet. Die SS räumt Ende März 1945 wegen der herannahenden Roten Armee die Produktionsstätten in Groß-Wien und treibt die „KZ-Häftlinge“ auf Todesmärschen Richtung KZ Mauthausen. Von über 800 Häftlingen kommen dabei mindestens 121 ums Leben.



Literatur

  • Roman Fröhlich, Außenlager des KZ Mauthausen in Wien an den Standorten der Ernst Heinkel Aktiengesellschaft. Eine Bestandsaufnahme. In: KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Mauthausen Memorial 2012. Hrsg. v. Bundesministerium für Inneres, o.O. 2012, 31–42.
  • Winfried R. Garscha, Ein „strammer und schneidiger Gefolgsmann“: Anton Streitwieser und der Kölner Mauthausen-Prozess. In: Georg Holzinger (Hg.), Die zweite Reihe. Täterbiografien aus dem Konzentrationslager Mauthausen (= Mauthausen Studien, Bd. 10). Wien 2016, 276–294.
  • Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien. Opfer – Täter – Gegner. Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 279–303.
  • Bertrand Perz, Wien (Saurerwerke), Wien-Floridsdorf, Wien-Floridsdorf (AFA-Werke), Wien Schönbrunn. In: Wolfgang Benz/Barbara Distl, Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Bd. 4: Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück. München 2006, 445–457.