DERLA |

VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Maria-Theresien-Straße 21, 6020 Innsbruck
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich mithilfe eines Kurzfilms mit der Lebensgeschichte von Dorli Neale auseinander. Sie wuchs in der Zwischenkriegszeit in Innsbruck auf. Die Nationalsozialisten verfolgten Dorli aufgrund ihres jüdischen Familienhintergrunds. Das Vermittlungsangebot ermöglicht einen ersten Zugang zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust für den Volksschulbereich.
Ort: Innsbruck (PLZ 6020), Bezirk Innsbruck-Stadt
Zeitbedarf: je nach Einsatz 250 bis 350 Minuten
Alter: 10 Jahre
Vermittlungsort: Klassenraum und öffentlicher Raum


Verbundene Orte:




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Dorlis Leben. Kindheit, Flucht und Neuanfang – Filmtext Das ist unsere Schule in Innsbruck. Und das sind wir in unserer Klasse. Wir beschäftigen uns im Unterricht gerade mit der Geschichte von Dorli. Sie lebte vor etwa 100 Jahren in Tirol – genauer gesagt in Innsbruck. Als Jugendliche musste sie nach England fliehen. Wie es dazu kam, möchten wir dir jetzt erzählen. Kindheit vor 1938 Dorli ist 1923 in Innsbruck geboren. Sie hat zwei ältere Schwestern, Trude und Ilse. Gemeinsam erleben sie eine schöne Kindheit in Tirol. Hören wir uns einmal an, wie sich Dorli an ihre Kindheit erinnert: O-Ton Die Sommermonate verbringt sie auf dem Bauernhof der Familie Spörr außerhalb Innsbrucks. An diese Zeit denkt sie gerne zurück: O-Ton Dorlis Eltern, Friedrich und Rosa Pasch, führen in der Maria-Theresien-Straße ein Kleidergeschäft. Sie arbeiten viel, nehmen sich aber genügend Zeit für die Familie. Dorli liebt ihre Eltern über alles: O-Ton Sie geht gerne zur Schule, auch wenn sie nicht die fleißigste ist: O-Ton Flucht 1938 Sie lebt damals ein Leben wie viele andere Kinder auch. Außergewöhnlich ist nur ihre jüdische Herkunft. Zunächst hat das noch keine große Bedeutung. Ab 1938 dann schon. Dorli ist gerade einmal 14 Jahre alt, da kommen die Nationalsozialisten an die Macht. Das Leben Dorlis ändert sich schlagartig von heute auf morgen. In der Schule hat sie plötzlich keine Freunde mehr, sie wird ausgegrenzt: O-Ton Die Nationalsozialisten wollen, dass niemand mehr im Bekleidungsgeschäft Pasch einkauft. Zuerst beschmieren sie die Schaufenster. Dann steht ein Mann vor dem Eingang, um die Kundinnen und Kunden einzuschüchtern. Viele Menschen finden es falsch, sagen aber nichts und schauen zu. Andere freuen sich darüber. Es gibt auch Leute, die weiter bei Dorlis Eltern einkaufen. Viele sind es nicht. Der Alltag jüdischer Kinder, ihr Schulleben und ihre Freizeitmöglichkeiten ändern sich nach 1938 radikal. Die Nationalsozialisten schließen jüdische Menschen aus der Gesellschaft aus. Sie dürfen nicht mehr ins Kino gehen. Sie werden aus Sportvereinen ausgeschlossen. Bus fahren, ist für sie verboten. Sie müssen aus den Schulen raus und schließlich Tirol verlassen. Wer nicht fliehen kann, wird ermordet. Dorli gelingt die Flucht. Sie fährt nach England: in einem Kindertransport, ohne Eltern. An die Verabschiedung kann sie sich noch ganz genau erinnern. Jedes Mal, wenn Dorli über diesen Augenblick spricht, muss sie weinen: O-Ton Neuanfang 1939 Dorli hat Glück. Ihrer gesamten Familie gelingt die Flucht. Alle sehen sich in England wieder. In ihrer neuen Heimat fühlt sich Dorli wohl. Sie heiratet früh, bekommt zwei Söhne und hat fünf Enkelkinder. Auch die Arbeit bedeutet ihr viel. Sie eröffnet mit ihrem Mann eine Bar. Später leitet sie ein Altersheim für Menschen, die so wie sie fliehen mussten. Drei Gegenstände erinnern Dorli an die die glückliche Zeit ihrer Kindheit in Innsbruck: die Schultasche, ein Poesiealbum und das Kochbuch ihrer Mutter. Es dauert viele Jahre, bis Dorli nach dem Krieg wieder Tirol besucht. Die Erinnerung an die Vertreibung und den Verlust des Geschäfts der Eltern schmerzt. Es fällt ihr schwer, den Menschen zu verzeihen.



Literatur

  • Horst Schreiber, Gedächtnislandschaft Tirol. Zeichen der Erinnerung an Widerstand, Verfolgung und Befreiung 1938–1945 (Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge 68/Tiroler Studien zu Geschichte und Politik 24), Innsbruck/Wien/Bozen 2019.