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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Eduard-Wallnöfer-Platz 3, 6020 Innsbruck
Beschreibung: Du setzt dich mithilfe eines Grundlagentextes mit der Geschichte des größten NS-Täterbaus in Tirol – dem Neuen Landhaus – auseinander. Du lernst unterschiedliche Formen und geschichtskulturelle Produkte des Gedenkens kennen und machst dir Gedanken über eine künstlerische Intervention, die auf die Geschichte des Neuen Landhauses aufmerksam macht.
Ort: Innsbruck (PLZ 6020), Bezirk Innsbruck-Stadt
Zeitbedarf: je nach Einsatz 100 bis 250 Minuten
Alter: 13–18 Jahre
Vermittlungsort: Klassenraum


Verbundene Orte:




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Die Geschichte des Gebäudes Vor dem Hintergrund der bestehenden Raumnot plante die Gauleitung ab Sommer 1938 eine umfassende Landhauserweiterung und wickelte sie in äußerst kurzer Zeit ab. Knapp über 200 Bauarbeiter aus Österreich, Deutschland und Italien arbeiteten ab Mitte Oktober 1938 über die Wintermonate fast rund um die Uhr. Bereits am 6. Mai 1939 fand die Firstfeier statt, drei Monate später übersiedelten die ersten Ämter in das Gebäude. Die NS-Propaganda vermarktete den Bau des Gauhauses als Aufbruch in eine neue Zeit und als Einlösung der Versprechungen des Nationalsozialismus. Die Verfolgungsmaschinerie des NS-Regimes prägten die Ereignisse rund um den Erweiterungsbau entscheidend mit. Zum einen kaufte die Gauleitung zusätzliche Gebäude, teilweise durch Tauschgeschäfte mit „ arisieren “ Immobilien. Zum anderen nutzte die Gauleitung den Vermögensentzug kirchlicher Einrichtungen zur Finanzierung des Projekts. Der Landhausblock entwickelte sich rasch zur Schaltzentrale der NS-Schreckensherrschaft. Hier liefen sämtliche Fäden der NS-Verbrechen zusammen, hier trafen die Machthaber Entscheidungen zur Ausführung umfassender Verfolgungsmaßnahmen und hier fand deren bürokratische Abwicklung statt. Etliche Abteilungen und Dienststellen waren an den Verbrechen beteiligt. Der Tiroler Landesregierung gelang es nach Kriegsende, die Vergangenheit des Gebäudes komplett umzuschreiben. Bis zur Umgestaltung des Landhausplatzes 2011 geriet der NS-Hintergrund des Neuen Landhauses nahezu in Vergessenheit. Die Tiroler Politik knüpfte nach dem Krieg räumlich an die Zeit vor 1938 an und verblieb im Alten Landhaus. Die Besatzungsmächte richteten ihren Stützpunkt im Neuen Landhaus ein, wie es unmittelbar nach Kriegsende genannt wurde. Dass die Errichtung des Regierungszentrums in Zusammenhang mit der NS-Zeit stand, stellte die Landesregierung in Abrede. Die Erinnerung Heute dient der Bau dem Land als Regierungsgebäude. Im Inneren sind nur noch das ehemalige Büro des Gauleiters und sein Sitzungszimmer im Original erhalten. Außen deuten nur noch, von der vermeintlichen NS-Herrschaftsarchitektur abgesehen, dass Nebeneinander der Wappen Tirols und Vorarlbergs an der Ostfassade auf den Entstehungshintergrund des Gebäudes hin. Die NS- Bürokratie schloss die beiden Bundesländer in einem gemeinsamen Gau zusammen. In der Mitte der Wappen, dort, wo sich heute eine Leerstelle befindet, thronte bis unmittelbar nach Kriegsende der NS-Parteiadler. Auf die fehlende Auseinandersetzung mit dem NS-Erbe wiesen HistorikerInnen erst in der jüngsten Vergangenheit hin. Es gibt unterschiedliche Meinungen, was den Umgang mit dem Gebäude betrifft. Aus Pietätsgründen gegenüber jenen, die unter der unmenschlichen Politik der damaligen Zeit zu leiden hatten, sollte das Gebäude unangetastet bleiben, meinen VertreterInnen des Denkmalschutzes. Andere fordern klar ersichtliche Eingriffe in die Bausubstanz, um gegen das Vergessen und Verdrängen anzukämpfen. Der Architekt Rainer Köberl schlug kurzerhand den Abriss des Gebäudes vor. Der Künstler Franz Wassermann plante 2018 die Aktion „Offizialdelikt Kreide“, scheiterte aber an der Genehmigung durch das Land. Ein Hakenkreuz aus Kreide auf der gläsernen Eingangstür sollte durch die Überschreibung mit Personennamen des Tiroler Widerstands zum Verschwinden gebracht werden. Zuletzt kritisierte Markus Wilhelm auf seinem Blog dietiwag.org die fehlende Zeichensetzung. Er forderte die Tiroler Landesregierung auf, erinnerungskulturelle Verantwortung für ihr Verwaltungsgebäude zu übernehmen. Eine eingerichtete Expertenkommission schlug daraufhin einen Maßnahmenkatalog vor, um auf die Vergangenheit des Gebäudes aufmerksam zu machen. Es entstand eine Publikation, welche die Bau- und Nutzungsgeschichte in der NS-Zeit beleuchtet, aber auch die Bedeutung des Gebäudes bis in die Gegenwart. Ein weiterer Vorschlag war die Durchführung einer künstlerischen Intervention am Gebäude. Um dieses Projekt geht es bei diesem Vermittlungsangebot.



Literatur

  • Christian Mathies/Hilde Strobl, Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte (Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchivs 23), Innsbruck 2021.
  • Horst Schreiber, Gedächtnislandschaft Tirol. Zeichen der Erinnerung an Widerstand, Verfolgung und Befreiung 1938–1945 (Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge 68/Tiroler Studien zu Geschichte und Politik 24), Innsbruck/Wien/Bozen 2019.