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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



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Eduard-Wallnöfer-Platz, 6020 Innsbruck
Beschreibung: Du setzt dich mithilfe von Biografien einzelner Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen sowie aus verschiedenen Tiroler Bezirken mit dem Thema Widerstand auseinander. Gleichzeitig lernst du die Geschichte des Befreiungsdenkmals am Platz vor dem Tiroler Landhaus kennen und erfährst, wie man sich in der Nachkriegszeit an WiderstandskämpferInnen erinnert hat.
Ort: Innsbruck (PLZ 6020), Bezirk Innsbruck-Stadt
Zeitbedarf: je nach Einsatz 100 bis 250 Minuten
Alter: 15–18 Jahre
Vermittlungsort: Klassenraum


Verbundene Orte:




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Widerstand in der NS-Zeit Als die Nationalsozialisten 1938 in Österreich an die Macht kamen, beseitigten sie wie schon vorher in Deutschland alle demokratischen Rechte. Sie stärkten das Wir-Gefühl der Deutschen, indem sie Menschen aus der Gemeinschaft ausschlossen und sie zu Feindbildern machten, wie Jüdinnen und Juden oder Roma und Sinti. Alle KritikerInnen ihrer Maßnahmen verhafteten sie und verurteilten sie zu Haft in Konzentrationslagern oder bestraften sie sogar mit dem Tod. Widerstand in der Zeit des Nationalsozialismus war lebensgefährlich. Eine kritische Bemerkung oder das Hören von ausländischen Radiosendern konnte schon dazu führen, dass man schwer bestraft wurde. Daher blieb die Zahl der widerständigen Menschen klein. Aber trotz aller Verbote und ständiger Verfolgung gab es dennoch eine kleine Minderheit von mutigen Frauen, Männern und Jugendlichen, die sich der NS-Diktatur widersetzten. Der Widerstand hatte viele Gesichter: Es gab Leute, die ihren jüdischen Nachbarn versteckten, um zu verhindern, dass er beispielsweise nach Auschwitz deportiert wurde. Es gab Jugendliche, die nicht bereit waren, zur Hitler-Jugend zu gehen. Mitglieder der Kommunistischen und der Sozialdemokratischen Partei kämpften gegen die Nationalsozialisten, um wieder in Freiheit und Demokratie leben zu können. Es gab Soldaten, die Befehle verweigerten oder ihre Truppe verließen, weil sie sich nicht mehr an einem Krieg beteiligen wollten, den sie als unmenschlich und sinnlos empfanden. Es gab Menschen, die wegen ihrer christlichen Überzeugung gegen die Ermordung von Menschen mit Behinderung protestierten. Zahlreiche Priester und Ordensleute lehnten aus religiösen Gründen die Weltanschauung der Nationalsozialisten ab. Der Widerstand in Tirol trug nur einen kleinen Teil zum Sturz des Nationalsozialismus bei. Den Widerstandgruppen fehlte die Unterstützung der Tiroler Bevölkerung. Viele TirolerInnen standen auf der Seite der nationalsozialistischen Machthaber. Zudem hatte die Gestapo ein dichtes Netz an Spitzeln aufgebaut, mit deren Hilfe sie Widerstandsgruppen schnell aufdeckten. Nachdem sie 1942 linke Widerstandsgruppen im Tiroler Unterland enttarnt hatte, kam es zu mehreren Hinrichtungen. Es gehörte viel Mut dazu, sich trotz dieser Ereignisse weiterhin gegen das NS-Regime zu stellen. Erinnerung an den Widerstand In den ersten Jahren nach dem Krieg stellten Politiker in Österreich und so auch in Tirol den Widerstand viel größer und bedeutender dar, als er tatsächlich gewesen war. Sie wollten sich von Nazi-Deutschland abgrenzen und selbst als Opfer der NS-Politik darstellen. 1955 stimmten die Alliierten zu, dass Österreich die Unabhängigkeit erhielt. Nun war es nicht mehr nötig, die Widerständigkeit der Bevölkerung gegenüber dem NS-Regime zu betonen. Daher wurde in den nächsten drei Jahrzehnten wenig über die Leute gesprochen, die Widerstand geleistet hatten. Auch die Zahl der Gedenkzeichen, um sie zu ehren, blieb gering. Eine Ausnahme war das Befreiungsdenkmal gegenüber dem Landhaus in Innsbruck. Es wurde 1948 von der französischen Militärregierung errichtet und erinnert an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie die Befreiung durch die Alliierten. Die Inschrift „Pro libertate Austriae mortuis“ war jedoch nur für Menschen mit Lateinkenntnissen zu verstehen. Als der Eduard-Wallnöfer-Platz vor dem Landhaus 2011 neugestaltet wurde, ergänzte der Künstler Christopher Grüner mit Historikern das Befreiungsdenkmal. Auf den Schmalseiten übersetzten sie die Inschrift auf Deutsch und brachten die Namen der WiderstandskämpferInnen an, die für die Freiheit Österreichs gestorben sind. Seit den 1980er Jahren setzen sich Menschen, die an der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit interessiert sind, dafür ein, dass WiderstandskämpferInnen in ihrem Dorf oder ihrer Stadt, geehrt werden. Daher fordern sie, dass mit Gedenktafeln, Stolpersteinen, der Benennung eines Platzes oder einer Straße öffentlich an diese mutigen Menschen erinnert wird. Das führt bisweilen auch heute noch zu Diskussionen in der Bevölkerung, doch im Gegensatz zu früher wird das geforderte Gedenkzeichen zumeist errichtet.



Literatur

  • Gisela Hormayr, „Wenn ich wenigstens von euch Abschied nehmen könnte“. Letzte Briefe uns Aufzeichnungen von Tiroler NS-Opfern aus der Haft. Innsbruck/Wien/Bozen 2017.
  • Horst Schreiber, Nationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol. Opfer. Täter. Gegner (Tiroler Studien zu Geschichte und Politik 8), Innsbruck/Wien/Bozen 2008.
  • Horst Schreiber, Gedächtnislandschaft Tirol. Zeichen der Erinnerung an Widerstand, Verfolgung und Befreiung 1938–1945 (Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge 68/Tiroler Studien zu Geschichte und Politik 24), Innsbruck/Wien/Bozen 2019.