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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Aflenzer Straße, 8435 Wagna
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich vertieft mit der Geschichte des Lagers Aflenz und Fragen der Erinnerung an die Ereignisse auseinander.
Ort: Wagna (8435)
Zeitbedarf: 45 Minuten
Alter: 14-18 Jahre
Vermittlungsort: Klassenraum


Verbundene Orte:




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Von Februar 1944 bis April 1945 gab es in Aflenz an der Sulm ein KZ-Außenlager. Es war eines der drei großen steirischen Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen (Eisenerz und Peggau-Hinterberg) , die ab 1943 für die Rüstungsindustrie errichtet wurden. Nach 1945 wurde das Lager aus der Erinnerung gelöscht und mit Ausnahme der Überreste eines Wächterhauses für die KZ-Wachmannschaften blieben keine baulichen Überreste erhalten. Einzig die Erzählungen des langjährigen Landtagsabgeordneten und Bürgermeisters von Wagna, Franz Trampusch, hielten die Geschichte des Lagers lebendig. Trampusch wuchs in der Nähe des Lagers auf und war Zeuge der nationalsozialistischen Gräuel im Lager und widmete sich unter anderem als Zeitzeuge in Schulen der Erinnerung an das Außenlager Aflenz. Nicht zuletzt auf Grund seines Einsatzes wurden 1989 in Wagna , 1990 am Bahnhof in Leibnitz , 2009 im Auftrag von Kunst im öffentlichen Raum Steiermark das Gedenkprojekt „Wächterhaus“ und 2010 im Steinbruch Erinnerungszeichen an die ermordeten und Toten in Aflenz realisiert. Das Konzept stammt von Johanna und Helmut Kandl. Zum Lager Mit dem beginnenden Bombenkrieg und den ersten Luftangriffen der Alliierten auf steirische Industriestandorte im Raum Graz und in der Obersteiermark begannen die Nationalsozialisten damit, kriegswichtige Produktionsstätten unter Tag zu verlegen. Davon betroffen war auch das Kraftfahrzeug- und Rüstungsunternehmen Steyr-Daimler-Puch-AG (SDPAG) mit dem Werk Graz-Thondorf. Die SDPAG in Graz-Thondorf war mit der Produktion von Flugmotorenteilen und dem Bau von Teilen für die Panzerfertigung beschäftigt. Aufgrund der Rüstungsaufträge stieg die Beschäftigtenzahl des Konzerns von 7.000 im Jahr 1938 auf ca. 50.000 bis 1944, wobei rund die Hälfte davon ausländische Zwangsarbeiter waren. Zu diesen kamen noch tausenden KZ-Häftlinge, deren Arbeitskraft für die Interessen des Konzerns ausgebeutet wurde. Für das Werk Graz-Thondorf wurde mit dem Römersteinbruch in Aflenz ein unterirdischer Standort gefunden. Dort sollten Kurbelwellen und Getriebezahnräder gefertigt, sowie Motoren zusammengebaut und geprüft werden. Um die Produktion verlagern zu können, sollte im Römersteinbruch unter dem Tarnnamen „Kalksteinwerke“ 8.000 m² unterirdische Produktionsfläche bis Sommer 1944 geschaffen werden, wo etwa 2.000 Personen, darunter Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge arbeiten sollten. Weiters wurde auch ein zweiter Standort in Peggau-Hinterberg, nördlich von Graz, ins Auge gefasst und dort ab dem Sommer 1944 mit dem Ausbau der Stollenanlagen begonnen. Der erste Transport mit etwa 200 KZ-Häftlingen traf Anfang Februar 1944 in Aflenz ein. Die Häftlinge mussten auf einem von der SS-beschlagnahmten Acker ein Baracken-Lager für sich und die SS-Wachmannschaften (ca. 60 SS-Männer) errichten. Weiters wurden sie zum Ausbau der Stollenanlage gezwungen und später auch in der Produktion eingesetzt. Insgesamt wurden 1944/45 zwischen 901 und 920 KZ-Häftlinge ins Lager Aflenz eingewiesen. Die Mehrheit kam aus dem KZ-Mauthausen, 197 kamen aus dem Außenlager Wiener Neudorf und 66 aus dem Außenlager Peggau. Die Mehrzahl der Häftlinge kam aus folgenden Ländern: Sowjetunion (38,7 %), Polen (27,3 %), Deutsches Reich (14,4 %), Jugoslawien (8,5 %), Frankreich (4,6 %,), Spanien (2%), Tschechien (1 %), Griechenland (1%.) Im Lager Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren äußert schwierig. Schwere körperliche Arbeit, schlechte Lebensmittelversorgung und zudem brutale Misshandlungen durch die Wachmannschaften prägten das Leben der Menschen. Die schweren Bedingungen führten zum Tod von 78 Häftlingen. Das Lager selbst war nicht von der örtlichen Bevölkerung abgeschirmt. Zwar waren Kontakte mit den Häftlingen strengstens verboten, doch Häftlingen brachten unter Bewachung immer wieder Küchenabfälle zu Bauern, um diese gegen Milch einzutauschen. Weiters waren lokale Unternehmen am Aufbau des Lagers beteiligt und lieferten Baustoffe und Lebensmittel ins Lager. Zudem marschierten die Häftlinge am Weg zur Arbeit an einzelnen Bauernhöfen vorbei. Auflösung des Lagers Nachdem die Kriegslage immer aussichtloser wurde und die Niederlage absehbar war, löste man das Außenlager Aflenz Anfang April 1945 auf. Die 467 zu diesem Zeitpunkt noch im Lager anwesenden Häftlinge wurden auf sogenannten „Evakuierungsmärschen“ über Judenburg Richtung KZ-Ebensee getrieben, wobei mindestens acht von ihnen auf dem Weg ums Leben kamen. In der Nähe von Judenburg soll es zu einem Ausbruchversuch von rund 50 Häftlingen gekommen sein, wobei nicht bekannt ist, wie viele dabei getötet wurden. Am 18. April 1945 erreichten 407 Häftlinge aus Aflenz das Lager Ebensee.



Literatur

  • Heimo Halbrainer/Gerald Lamprecht, Nationalsozialismus in der Steiermark. Opfer – Täter – Gegner. Innsbruck 2015.
  • Bertrand Perz, Das Projekt „Quarz“. Der Bau einer unterirdischen Fabrik durch Häftlinge des KZ-Melk für die Steyr-Daimler-Puch AG 1944-1945, Innsbruck 2014.
  • Bertrand Perz, Leibnitz, in: Wolfgang BENZ / Barbara DISTEL (Hgg.), Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 4 (Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück). München 2005, 386–389.
  • Bertrand Perz, Das Außenlager Graz-Leibnitz des KZ Mauthausen in Aflenz an der Sulm für die Steyr-Daimler-Puch AG, in: Helmut und Johanna Kandl, Wächterhaus, Graz 2009.