Vermittlungsangebot
Zu: Gedenktafel zur Erinnerung an das KZ-Außenlager Hallein

Mehr Erfahren
Was sind Außenkommandos? Außenkommandos waren Arbeitskommandos von KZ-Häftlingen außerhalb der KZ-Stammlager (hier Dachau). Sie hatten keine eigene Lagerverwaltung wie Kommandantur, Revier oder Postzensur; geführt wurden sie vor Ort von einem SS-Kommandoführer mit meist kleiner Wachmannschaft, die Verwaltung lief weiterhin über das Stammlager. Unterkünfte waren meist provisorisch (Keller, Fabrikräume, Holzhütten; nicht immer Stacheldraht/Wachtürme). Als Richtgröße galten Einsätze unter 250 Häftlingen als Außenkommando, größere und stärker verselbstständigte Einheiten wurden als Außenlager geführt. Das KZ Dachau war der größte und am weitesten verzweigte Lagerkomplex der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Zwischen 1933 und 1945 gab es 140 Standorte mit externer Unterbringung: 94 Außenkommandos und 46 Außenlager, oft in oder nahe SS-Einrichtungen bzw. in der Rüstungswirtschaft. Ab 1942 stieg der Einsatz stark an; die Bedingungen verschlechterten sich und die Sterblichkeit der hier Eingesperrten nahm zu. Im April 1945 begann die Räumung vieler Außenstellen in Richtung Stammlager; insgesamt starben bis zur Befreiung des KZ Dachau am 29. April 1945 rund 41.500 der mindestens 200.000 Dachauer Häftlinge. Außenkommando Hallein: Lage, Arbeit, Lebensbedingungen und Nachwirkungen Das Außenkommando Hallein bestand 1943 bis 1945 und war dem KZ Dachau unterstellt. Die Häftlinge waren in einem Steinbruch an der Straße nach Adnet untergebracht (ca. 3 km außerhalb der Stadt) – ein zu drei Seiten von Felsen umschlossenes, mit Stacheldraht gesichertes Gelände mit Holzbaracken aus der Vorkriegszeit. Die ersten 30 Häftlinge wurden am 1. September 1943 überstellt; später stieg die Zahl auf etwa 90. In Hallein selbst war gleichzeitig eine SS-Gebirgsjäger-Kaserne mit 1.500 bis 2.000 Mann stationiert, u. a. zur Nahkampfausbildung. Einheiten der Gebirgstruppe überwachten die bei Zwangsarbeiten eingesetzten Häftlinge. Einsatzorte waren u. a. der SS-Kaserne, der Schießplatz bzw. das Nahkampfdorf sowie vermutlich der „Grillstollen“ (Untertage-Verlagerung der Eugen-Grill-Werke). Die Versorgung war mangelhaft: Berichte nennen Schläge, Schikanen und willkürliche Erschießungen im Bereich des Schießplatzes. „Arbeitsunfähige“ wurden nach Dachau zurückgebracht und „ausgetauscht“. Kriegsende und Nachwirkungen: Bis April 1945 sank die Belegung auf ca. 55 Häftlinge; es herrschte große Unklarheit, ob das Lager evakuiert werden würde bzw. was mit den Häftlingen geschehen würde. Nach einer Intervention der Halleiner Widerständigen Agnes Primocic (in Rotkreuz-Uniform) wurden die Häftlinge abends in Baracken in Hallein untergebracht. Am 5. Mai 1945 trafen US-Truppen ein. Noch 2001 wurde die Existenz des Lagers vor Ort öffentlich bestritten. Am 18. Jänner 2012 enthüllte Deisl-Beton am ehemaligen Lagerstandort – einem Steinbruch rund drei Kilometer außerhalb Halleins – eine Gedenktafel; Eigentümer Manfred Deisl stellte Grund und Material, die Tafel erinnert auch an die Intervention von Agnes Primocic. Kommunistischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Österreich Obwohl die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) bereits seit 1933 verboten war, stellte der kommunistische Widerstand in Österreich den zahlenmäßig stärksten Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime dar. Trotz dieses Verbots setzten viele Kommunist*innen ihren Widerstand fort und trugen aktiv zum Kampf gegen das NS-Regime bei. Bereits am 12. März 1938, dem Tag des sogenannten „Anschlusses“ Österreichs an Nazi-Deutschland, rief die KPÖ zur aktiven Widerstandshandlung auf. Ihr Ziel war es, die Unabhängigkeit Österreichs wiederherzustellen und die nationalsozialistische Besatzung zu bekämpfen. Von 1938 bis Ende 1943 verzeichnete ein Bericht der Gestapo in der sogenannten „Ostmark“ insgesamt 6.300 verhaftete Kommunist*innen. Von diesen wurden fast 300 Menschen zum Tode verurteilt und ermordet. Die Mitglieder des kommunistischen Widerstands im Untergrund verfolgten unterschiedliche Taktiken: Sie infiltrierten NS-Organisationen, verbreiteten illegale Schriften, betrieben Propaganda in den Betrieben und unterstützten Deserteure und verhaftete Genoss*innen. Ihre Aktionen waren trotz ständiger Bedrohung durch die Gestapo von entscheidender Bedeutung für den Widerstand gegen das NS-Regime. [Text von Laura Szentivanyi]