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Zu: Gedenktafel in Erinnerung an die Häftlinge der Loibl-KZs

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Schritte zum Loibltunnel – Schritte zum Loibl-KZ Im Mai 1941 begannen die Nationalsozialisten mit konkreten Vorbereitungen für den Bau eines Tunnels am Loiblpass, der die Verkehrsverbindung an den Balkan erleichtern sollte. Die zentrale Nord-Süd-Verbindung über den Alten Loibl/Stari Ljubelj war steil und kurvenreich und für Fahrzeuge nur schwer passierbar. In der Nähe von Sveta Ana im heutigen Podljubelj/Slowenien wurden im Mai 1941 erste Barackenunterkünfte und ein Umspannwerk von der Klagenfurter Firma Ing. Raubal errichtet. Diese ersten Schritte zur Errichtung des Loibltunnels wurden sogleich vom Widerstand sabotiert : Am 30. Juni 1942 brannten PartisanInnen die Baracken in Sveta Ana nieder. In dem Gebiet der Karawanken gab es zu dieser Zeit nämlich bereits stärker werdenden Widerstand . Die Planung und Ausführung des Tunnelbaus wurde Anfang 1943 der Firma „Universale Hoch- und Tiefbau AG“ übertragen, ihr Hauptbüro befand sich im heutigen Diözesanhaus in der Klagenfurter Tarviserstraße. Das Umspannwerk sowie die Barackenunterkünfte für Zivilarbeiter auf der Südseite des geplanten Tunnels wurden im Frühjahr 1943 erneut errichtet – gemeinsam mit dem sogenannten Arbeitslager der Waffen-SS , wie das KZ-Nebenlager damals von den Nationalsozialisten genannt wurde. Dem vorausgehend wurden Anfang 1943 Verträge zwischen der Universale Hoch- und Tiefbau AG und der SS-Organisation Todt – der im Verlauf des Kriegs sämtliche militärische Bauvorhaben der Nationalsozialisten unterstellt werden sollten – über die Bereitstellung von KZ-Häftlingen für den Tunnelbau abgeschlossen. Erste Häftlinge kamen am 4. Juni 1943 in das Südlager und im Oktober 1943 in das Nordlager, das bis zu diesem Zeitpunkt nur provisorisch geführt wurde. Bereits am 4. Dezember 1943 erfolgte unter Anwesenheit von Gauleiter Friedrich Rainer der Durchbruch des 1542 Meter langen Tunnels, doch erst ein Jahr später, im Dezember 1944 wurde er von ersten Wehrmachtsfahrzeugen befahren. Der Tunnel wurde nach belgischer Bauweise gebaut: Zwei übereinander liegende Stollen wurden zeitweise versetzt gesprengt, der Schutt dem einhergehend weggeräumt. So war es möglich, ununterbrochen in Schichten zu 24 Stunden zu graben. Die Häftlinge arbeiteten dabei in Schichten zu je 12 Stunden. Trotz dieser unmenschlichen Bedingungen war die Arbeitszeit im Tunnel für die Internierten jene, in der sie zumindest von der SS verschont waren: Diese fürchtete mögliche Übergriffe im Dunkeln und betrat den Tunnel nicht – der Tunnel wurde rein von sogenannten Kapos , selbst Häftlingen, beaufsichtigt. Zudem herrschte im Berginneren selbst im tiefsten Winter eine konstante Temperatur, was sich bei größtenteils ungeheizten Häftlingsbaracken und einfachster Häftlingskleidung lebensrettend erweisen konnte. Das KZ Loibl als Außenlager des KZ Mauthausen Ungeachtet dessen, dass der Loibltunnel von Nord- als auch Südseite zugleich gegraben wurde und somit von einem Nord- und Südlager gesprochen wird, gelten beide KZs am Loibl/Ljubelj als eines der insgesamt 49 Nebenlager von Mauthausen . Die Häftlinge wurden nach einer Selektion nach körperlicher Konstitution und beruflicher Angaben in Mauthausen auf den Loibl/Ljubelj gesendet. Der Großteil der Häftlinge war als politisch eingestuft und kam aus Frankreich, es waren aber auch viele aus Polen, Russland und Jugoslawien. Insgesamt waren 1.650 Häftlinge interniert, der Höchststand betrug im August 1944 ca. 1.300. „Die beiden Konzentrationslager am Loiblpass hatten als Zwillingslager zwar eine geografische Sonderstellung, waren aber in der NS-Kategorie Lagerstufe III dem Stammlager gleichgestellt – das hieß Rückkehr unerwünscht“. Das Nordlager war aufgrund der extremen klimatischen Bedingungen sowohl für die KZ-Aufseher als auch die Internierten im Vergleich zum KZ Loibl im Süden eine Art Straflager – für letztere nicht zuletzt aufgrund der brutaleren Aufseher, die ihren Ärger über den schlechteren Standort und gewiss auch ihre Furcht vor möglichen PartisanInnenangriffen (die im Norden deutlich schwerer vorauszusehen waren) unmittelbar an den Häftlingen ausließen. „Die Misshandlungen, die Arbeit, das Wetter, dieser Wind, alles war im Norden noch unbarmherziger als im Süden“, erinnert sich René Bernard, ein ehemaliger Häftling. Unter den Internierten besonders gefürchtet war die sogenannte „Corrida“, verordnete und bewusste Ausschreitungen der Aufseher mit eigens dafür präparierten Gummischläuchen. „Zu der Zeit, wo Ludolph Lagerführer war, wurden die Häftlinge derart geschlagen, dass sie arbeitsunfähig wurden. Schließlich beschwerten sich die Ingenieure der Baufirma über die körperliche Schwächung der Häftlinge durch diese Behandlung. Demzufolge wurde Ludolph nach Mauthausen versetzt und durch Winkler ersetzt“. Die Wachmannschaften bestanden aus Polizei, Gendarmerie sowie der 33. SS-Sturmkompanie Mauthausen. Akribischen Recherchen zufolge fanden 36 Häftlinge direkt am KZ Loibl den Tod, sie wurden in einem der beiden Krematorien im Norden und Süden verbrannt. Drei Häftlinge starben kurz nach der Befreiung. Über 300 schwache, kranke Häftlinge wurden nach Mauthausen zurück verfrachtet und dort umgebracht. Fluchten aus dem KZ am Loibl/Ljubelj Von insgesamt 26 Fluchten gelangen 21. Mit der Zeit entwickelte sich nämlich ein ausgeklügeltes, geheimes Nachrichtensystem im Lager: an der Baustelle beschäftige, ortskundige, beim Tunnelbau eingesetzte zivile Techniker wie bspw. der Slowene Janko Tišler unterhielten bereits seit der Gründung des KZs Kontakt zum Widerstand in der Region. Im Tunnel wurden in unbeobachteten Momenten so beispielsweise Briefe an vereinbarten Orten hinterlegt, die zivile Arbeiter aus dem Lager schmuggeln und zur Poststelle im nahe gelegenen Tržič (zu ebenfalls mit dem Widerstand im Kontakt stehenden Postbeamten) bringen konnten. Einige der Häftlinge konnten so insgeheim Kontakt zu ihren Familien halten. Janko Tišler als Widerständigem gelang selbst in wortwörtlich letzter Minute die Flucht, wie auch eindringend im realistisch-bedrückenden Theaterstück Loibl-Saga dargestellt wird. Nur etwa 15 Minuten Vorsprung reichten aus, um in der Dämmerung im umliegenden Gebirgswald unterzutauchen und zu den PartisanInnen stoßen zu können. Die SS gab angesichts der nahenden Dunkelheit und drohender Übergriffe die Verfolgung schnell auf. Die Zurückgebliebenen hingegen erwartete bei gelungenen Fluchten naturgemäß ein wahrhafter Terror. Die Nachkriegsgeschichte Aufgrund anhaltender und verstärkter Aktivitäten der PartisanInnen wurde das KZ Loibl Nord am 14. April 1945 geschlossen, die Gefangenen wurden in das Südlager verlegt. Von diesen letzten Tagen im nördlichen KZ zeugen noch heute die Schützengräben am Areal der ehemaligen zivilen Baracken. Am 8. Mai 1945 wurden die Häftlinge von PartisanInnen befreit. Ein alliiertes Militärgericht verurteilte 1947 zwei der KZ-Hauptverantwortlichen zum Tode. Die übrigen KZ-Schergen erhielten langjährige Haftstrafen. Alle wurden noch vor 1955 vorzeitig aus der Haft entlassen. Die meisten Täter blieben jedoch unbehelligt. Nach dem alliierten Kriegsverbrecherprozess von 1947 in Klagenfurt verschwand die Geschichte des Loibl-KZ-Nord im dunklen Loch des Kollektivgedächtnisses . Erst 1995 wurde auf Betreiben des privaten Vereins Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška unter der Leitung von Peter Gstettner zwei weitere, gut sichtbare und zugänglichere Informationstafeln über das ehemalige KZ Loibl Nord errichtet. Mit jährlichen Gedenkveranstaltungen versucht der Verein seitdem, das Bewusstsein für diesen Ort zu stärken. Zusätzlich bildet das Mauthausen Komitee Österreich sogenannte „Loibl-Guides“ aus, die interessierte Schulklassen vor Ort informieren. Das Areal innerhalb des ehemaligen Stacheldrahtzauns des Lagers Nord wurde 2004 unter Denkmalschutz gestellt (nicht aber beispielsweise das Areal der ehemaligen Wachtürme, der zivilen Baracken oder des Krematoriums). 2008 schloss das Innenministerium einen Pachtvertrag ab, der Gedenkstättenplanung erst ermöglichte. 2009 folgten Rodungen, um das Gelände vom Bauchwuchs zu befreien. Ein grundlegendes Gedenkstättenkonzept für das ehemalige KZ Loibl Nord steht auch gegenwärtig aus, die private Initiative Mauthausen Komitees Kärnten/Koroška scheint nach wie vor der innovativste und öffentlich sichtbarste Player zu sein.