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Zu: Denkmal am Ort des jüdischen Bethauses

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Jüdisches Leben in Kärnten im Lauf der Jahrhunderte In Kärnten lebten seit dem 12. Jahrhundert Menschen jüdischen Glaubens, was etwa ein jüdischer Grabstein aus dem Jahr 1120 in Völkermarkt beweist. Die Jüdinnen und Juden lebten allerorts in eigenen Wohnbezirken, die christliche Bevölkerung mied Kontakt zu ihnen, nützte jedoch sehr wohl ihre Leistungen. So waren etwa jüdische Ärzte sehr beliebt und wurden sogar von Kärntner Herzögen extra ins Land geholt. Nachdem Jüdinnen und Juden in ihrer Berufswahl stark eingeschränkt waren, wurden sie ins Kreditgeschäft gedrängt – eine Sparte, in der man sich unweigerlich unbeliebt macht. Wirtschaftliche Stereotype von den Juden als reiche Wucherer breiteten sich rasch aus. Dazu kam christlich, religiös motivierte Judenfeindschaft, genannt Antijudaismus. Jüdische Menschen wurden als Kindermörder und Hostienschänder dargestellt und dämonisiert. Die antijüdische Hetze hatte dramatische Folgen: Nachdem 1338 den Wolfsberger Juden vorgeworfen wurde Hostien geschändet zu haben, wurden Dutzende Jüdinnen und Juden gelyncht. Das jüdische Bethaus in Klagenfurt Jüdische Gottesdienste fanden in privaten Räumlichkeiten statt, erst 1905 konnte ein Wohnhaus in der Klagenfurter Platzgasse gekauft und in ein jüdisches Bethaus umfunktioniert werden. Im Untergeschoß befand sich der Gebetsraum, im Obergeschoß die Wohnung des Rabbiners (siehe Fotos Bildquellen). Das Bethaus wurde zu einem zentralen Ort der Zusammenkunft, des Feierns und des Betens, insbesondere für religiöse Familien war es von großer Bedeutung. Die jüdischen BürgerInnen lebten zu dieser Zeit als vor dem Gesetz gleichberechtigte BürgerInnen, Antisemitismus , also rassisch motivierter Judenhass breitete sich jedoch zunehmend aus. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1938 endete die Gleichstellung der Jüdinnen und Juden schlagartig. Antisemitismus war nun nicht mehr auf Anfeindungen und Diskriminierung beschränkt, die totale Ausgrenzung begann. Als am 9. November 1938 zu gewaltsamen Vorgehen gegen die jüdischen BürgerInnen im gesamten Deutschen Reich aufgerufen wurde, kam es auch in Kärnten zu Ausschreitungen. Im Rahmen des sogenannten Novemberpogroms wurde das Bethaus in der Klagenfurter Platzgasse verwüstet und die heiligen Thora-Rollen auf der Straße verbrannt. Spätestens jetzt erkannten alle Jüdinnen und Juden den Ernst der Lage und versuchten fieberhaft, eine Möglichkeit zur Flucht vor den Nationalsozialisten zu finden. Ein spätes Denkmal, das sich verändert Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde das verwüstete jüdische Bethaus in Klagenfurt vorübergehend als Wohnhaus und Autowerkstätte benutzt, später schließlich abgerissen. Kärnten erhielt nie wieder ein jüdisches Bethaus, die Mehrzahl der geflüchteten jüdischen BürgerInnen, die ihr Leben während des Nationalsozialismus retten konnten, kehrte nie mehr hierher zurück. Nachdem die Vernichtung der jüdischen Gemeinde Kärntens mehrere Jahrzehnte lang beschwiegen wurde, formierte sich 1987 eine Gruppe von Menschen, die ein Zeichen der Erinnerung setzen wollten. Nach langem Zögern unterstützte die Stadt Klagenfurt das Projekt und enthüllte am 50. Jahrestag des Novemberpogroms 1988 einen Gedenkstein am Ort des jüdischen Bethauses. 2015 wurden in einer Denkmalserweiterung links und rechts des Steins zwei Stelen mit Fotos und Informationen hinzufügt und zur besseren Sichtbarkeit ein Platz vor dem Denkmal angelegt, in dessen Mitte am Boden ein Davidstern eingelassen ist.