Vermittlungsangebot
Zu: Denkmal der Namen Villach/Beljak

Mehr Erfahren
Das Denkmal der Namen in der Villacher Innenstadt befindet sich gleich gegenüber dem Stadtmuseum und erinnert an die Frauen, Männer und Kinder aus dem Bezirk Villach, die während 1938 und 1945 von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Das Denkmal wurde 1999 mit dem Ziel errichtet, das öffentliche Erinnern an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft zu fördern, Bewusstsein für die verschiedenen Opfergruppen und ihre Schicksale zu schaffen und den Opfern ihre Würde zurückzugeben. Über Namensdenkmäler Die Entmenschlichung der Verfolgten und der Gefangenen der Konzentrationslager begann mit der Auslöschung ihrer Namen. Diese wurden durch in den Unterarm eingravierte Nummern ersetzt. Aus diesem Grund zielen Namensdenkmäler wie das Villacher Denkmal der Namen darauf ab, die Identität der Opfer wiederherzustellen und ihnen ein Gesicht mit einer individuellen Geschichte zu schenken. Wie Peter Gstettner in seiner Rede im Zuge einer Gedenkfeier im Jahr 2000 formuliert: „Ein ‚Denkmal der Namen‘ setzt den Menschen wieder in das Universum der Bedeutungen ein, die für ihn im endlichen Raum von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so etwas wie eine Sinn-Klammer darstellen.“ (Gstettner 2000) Weil die Ermordeten in oft bis heute unbekannte Massengräbern verscharrt wurden, erlaubt das Denkmal mit der Rekonstruktion der Namen und deren Sichtbarmachung durch die Schrift, Menschen mit ihren vergessenen und verdrängten Geschichten in die Erinnerung zurückzuholen. Zudem bietet es auch die Möglichkeit der Trauer und des Innehaltens für die zurückgeblieben Angehörigen an. Die Entstehung des Denkmals der Namen in Villach Das Denkmal blickt auf eine lange Geschichte zurück: Ein provisorisches Denkmal der Namen wurde 1995 im Rahmen eines Schulprojekts von der Klasse 6 D des Peraugymnasiums unter Leitung von Prof. Gernot Gurker und mit Unterstützung des damaligen Direktors Othmar Griesser auf dem Villacher Hauptplatz installiert. Die SchülerInnen schrieben auf Holzbrettern die Namen und die Todesdaten von NS-Opfern und WiderstandskämpferInnen. Aus diesen Brettern errichteten sie schließlich einen fünfzehneckigen Turm um die Dreifaltigkeitssäule. Ziel der SchülerInnen-Initiative war es, die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit, die lange Zeit im kollektiven Gedächtnis der VillacherInnen fehlte, zu fördern und somit auch zur Versöhnung beizutragen. (Vgl. Peraugymnasium 1997) Im Jahre 1999 wurde das offizielle Denkmal auf die Initiative des Vereins Erinnern unter Leitung von Hans Haider enthüllt, zunächst mit 64 Namen. Das Denkmal sollte der Erinnerungskultur der Stadt, in der bis zu diesem Zeitpunkt nur die gefallenen Wehrmachtsoldaten erinnert wurden, „eine andere Richtung […] geben“ (Schwinger 2016). 2008 erfolgte eine Neugestaltung des Denkmals, das nun mit 252 Namen neu eingeweiht wurde. Über das Denkmal Wie wir es der Webseite des Vereins Erinnern entnehmen können, hat die Form des Denkmals und seine räumliche Lage eine symbolische Bedeutung. Das Denkmal „besteht aus einer Metallsäule aus Edelstahl, geteilt durch die Schriftzüge ‚ERINNERN‘ und ‚AN DIE OPFER DER NATIONALSOZIALISTISCHEN GEWALT‘. Die Konstruktion ist von innen beleuchtet, sodass im austretenden Licht die Schriftzüge in der Nacht sichtbar sind. Seitlich davon sind auf durchsichtigen Glastafeln die eingravierten Namen der Opfer in einer gitterförmigen Stahlkonstruktion angeordnet. Die dahinter liegende Mauer bleibt sichtbar, sodass Mauer und Gitter symbolhaft an die beiden Metaphern ‚hinter Gittern‘ und ‚an die Wand stellen‘ erinnern.“ (Haider 2008a) Das Denkmal erinnert an Opfer, die aus verschiedenen Gründen von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden: an Jüdinnen, Juden, Sinti und Sintizas, ZeugInnen Jehovas, behinderte Menschen sowie Kärntner SlowenInnen , ZwangsarbeiterInnen und Widerständische . Auf den Glasscheiben sind nicht nur ihre Namen, ihre Geburts- und Todesjahre, sondern auch ihre Todesorte verzeichnet, sodass eine „Topographie des nationalsozialistischen Terrors“ (Haider 2008b) sichtbar wird. Das Denkmal kann dank seiner offenen Form immer wieder mit weiteren Namen ergänzt werden. Die Erforschung der Lebensdaten der Opfer sowie die Dokumentation der Gewaltherrschaft via Originaldokumente und ZeitzeugInnen-Interviews treibt ebenfalls der Verein Erinnern voran. Dank der Arbeit des Vereins und der jährlich von ihm organisierten Gedenkfeier und Veranstaltungen konnte eine lebendige Erinnerungskultur in Villach entstehen. Dass das Denkmal der Namen auch für Jugendliche viele Geschichten erzählt, davon zeugt auch ein schulisches Theaterprojekt aus dem Jahr 2013, im Rahmen dessen SchülerInnen des BG/BRG Perau, der Polytechnischen Schule und der Schreibwerkstatt im Villacher Jugendzentrum und mit Unterstützung des Villacher Theatervereins Special Symbiosis ein Theaterstück rund um das Thema Gewalt und Widerstand entwarfen und sich mit der Lebensgeschichte der NS-Opfer auseinandersetzten.