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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Getreidegasse 2, 9232 Rosegg/Rožek
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich vertieft mit der lokalen Geschichte des Nationalsozialismus in der Gemeinde Rosegg auseinander und lernen die Opfer des NS-Systems kennen. Darüber hinaus befassen sie sich mit der Entwicklung der österreichischen Erinnerungskulturen und deren Konfliktlinien.
Ort: Gemeinde Rosegg – am Platz vor der Kirche
Zeitbedarf: flexibel gestaltbar, von 2 Unterrichtseinheiten bis zu 4 Unterrichtseinheiten (1UE pro Teil)
Alter: ab 13 Jahren
Vermittlungsort: außerschulischer Lernort Rosegg (Teil 2) und ortsungebunden im Klassenzimmer (Teil 1, Teil 3-5)


Verbundene Orte:




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Das Denkmal in Rosegg wurde im Gedenken an die NS-Opfer aus der Gemeinde errichtet und soll die Erinnerung an die acht Menschen, die im Zuge des NS-Terrors ihr Leben verloren haben, hochhalten. Die meisten der Rosegger Opfer wurden inhaftiert, weil sie wie etwa Rozalia Sovdat und Hermann Pischelsberger den Widerstand unterstützten oder eine andere politische Meinung vertraten so wie Valentin Kargel . Zwei von den acht Ermordeten – Alois Morokutti und Paul Resetschnig – fielen der Aktion T4 zum Opfer. Über das Denkmal Das Denkmal wurde 2011 vom Verein Erinnern Rosegg/Rožek se spominja errichtet. Zunächst wirkt das eiserne würfelförmige Denkmal auf die Betrachtenden hart, kalt und unnahbar. Diese Wirkung ist jedoch Absicht: „Das Maß, die Symmetrie, das Material und die Fertigung sollen die brutale und unüberwindbare Härte des nationalsozialistischen Systems, die kategorische Ausschließung der Vielfalt, also von allem und allen Andersartigen darstellen.“ (Verein Rosegg 2011). Die sechs Seitenflächen des Würfels sind in der Mitte ausgeschnitten, damit man ins Innere des Würfels hineinsehen kann. Das stellt einerseits die Überwindung des Systems der Nationalsozialisten dar, andererseits bekommt man dadurch Einblicke in den Kern des Systems – so das Konzept der zwei Künstler Peter Meisterl und Rudi Melcher. Die Abmessungen des Denkmals ermöglichen eine allseitige Betrachtung der Durchbrüche. Schaut man durch die Durchbrüche ins Zentrum des Würfels, verneigt man sich unweigerlich vor den Opfern (vgl. ebd.). In der Mitte des Würfels befindet sich ein Buchstabenhaufen, der die Auflösung und Auslöschung der Namen und somit der Menschen und Identitäten symbolisiert und auf die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten hinweist. Am äußersten Rand der Seiten sind die Namen der acht Ermordeten angebracht. Damit wird symbolisch dargestellt, dass die Opfer durch das NS-System an den äußersten Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Mit dem performativen Akt der Nennung wird aber auch die Würde der Opfer wiederhergestellt, ihr Leid und das Unrecht, das ihnen angetan wurde, wird ins kollektive Bewusstsein zurückgeholt. Rosegg im Zweiten Weltkrieg. Historische Kontextualisierung (vgl. Koroschitz 2010, 9-27) Die Gemeinde Rosegg galt bereits seit Anfang der 1920er Jahre als Hochburg der Kärntner Nationalsozialisten. Deutschnational ausgerichtete Vereine waren hier bereits vor dem so genannten Anschluss (1938) aktiv und übten Propagandatätigkeiten aus, die sich auch gegen Kärntner SlowenInnen richteten. Selbst das Betätigungsverbot für die NSDAP durch die Dollfuß-Regierung 1933 konnte die seither illegal agierenden NationalsozialistInnen nicht aufhalten. Die Kärntner NSDAP entwickelte sich zu einer starken Untergrundbewegung mit zahlreichen Sabotage- und Gewaltaktionen. Die Lage verschlechtere sich für politisch Andersdenkende , rassistisch Verfolgte und Kärntner SlowenInnen mit Hitlers Machtergreifung in Österreich schlagartig. Bereits unmittelbar nach dem so genannten Anschluss im März 1938 wurden die ersten Kärntner Slowenen verhaftet und Zweisprachigkeit wurde bekämpft. Mit dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Jugoslawiens 1941 verschärfte sich der Terror gegenüber der slowenischen Bevölkerung in Kärnten: Kärntnerslowenische Geistliche wurden von der Gestapo festgenommen, in Konzentrationslager gebracht, wo sie den Tod fanden. Gleichzeitig begannen auch die zwangsweisen Aussiedlungen und Deportationen der slowenischen Bevölkerung. Aus den besetzten Gebieten in Slowenien wurden von 1941 bis 1945 63 000 Slowenen deportiert. Da die Nationalsozialisten deutschsprachige Volksgruppen, die außerhalb des Reichsgebietes lebten, „heim ins Reich“ holen wollten, wurden die slowenischsprachige Bevölkerung enteignet und ausgesiedelt, auch im Gemeindegebiet von Rosegg. Der NS-Terror, der sich somit auch gegen die zivile Bevölkerung richtete, führte in Kärnten zur bewaffneten Partisanenbewegung , zu der sich nicht nur Deserteure , sondern zunehmend auch Frauen anschlossen (vgl. Koroschitz 2010, 22-23). Der Widerstand der Kärntner PartisanInnen zählte zu den wirksamsten Aktionen gegen Nazideutschland. Ihm kam letztendlich auch beim Zustandekommen des Staatsvertrages eine wichtige Rolle zu, zumal in der Moskauer Erklärung von 1943 die Alliierten Österreich aufforderten, einen eigenen Beitrag zu seiner Befreiung zu leisten. Diese Eigenleistung wäre ohne die Partisanenbewegung undenkbar gewesen. Konkurrierende Erinnerungen. Der erinnerungspolitische Kontext Obwohl die Kärntner Partisanenbewegung essentiell für die Befreiung des Landes (1945) und die Wiedererlangung der Unabhängigkeit mit dem Staatsvertrag (1955) war, hatte die österreichische Mehrheitsgesellschaft wie auch die Politik wenig Interesse an der Lage der zurückgekehrten, ausgesiedelten Kärntner SlowenInnen und noch weniger Dank für die PartisanInnen. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste zwar der Widerstand zur Inszenierung eines neuen Österreich-Bildes im Sinne des Antifaschismus herhalten. Das Hochhalten der Erinnerung an den Widerstand stimmte aber keineswegs mit dem Selbstverständnis des Großteils der Bevölkerung überein, der nach wie vor Sympathien für das nationalsozialistische Regime hegte und den Widerstand ablehnte. Mit der Etablierung der Opferthese (Opfermythos) und mit der Rehabilitierung der Wehrmachtssoldaten als „Heimatverteidiger“ wurde schließlich der Widerstand gegen das NS-Regime als „Verrat“ und „Aufruhr“ interpretiert (Uhl 2006, 308). Als Opfer galten nunmehr alle Wehrmachtssoldaten, die für die Heimat starben, Kriegsheimkehrer, die die Gefangenschaft bei den Alliierten überlebten, sowie jene aus der Zivilbevölkerung, die bei den Bombenangriffen ums Leben kamen. Die von dem NS-System Verfolgten und Ermordeten – Juden und Jüdinnen, Roma/Romni und Sinti/Sintizas, Menschen, die der Euthanasie zum Opfer fielen, sowie Kärntner SlowenInnen und Kärntner PartisanInnen – wurden lange Zeit aus dem kollektiven Gedächtnis und aus der offiziellen Erinnerungspolitik Österreichs ausgeblendet, die an ihnen verübten Gewaltgeschichten wurden verharmlost oder verschwiegen. Das Denkmal für die NS-Opfer in Rosegg hat in diesem Sinne das Ziel, auch diese Opfer und ihre vergessene Geschichte sichtbar zu machen und zum integrativen Bestandteil österreichischer Erinnerung zu machen. Julia Hammer und Hajnalka Nagy



Literatur

  • Werner Koroschitz, Zum Schweigen verurteilt, in: Verein Erinnern Rosegg - Rožek se spominja (Hg.), Zeichen setzen. NS-Opfer der Marktgemeinde Rosegg. / Obudimo sponim. Na žrtve nacionalnega socializma tržne občine Rožek, Klagenfurt 2010, 9-27.
  • Heidemarie Uhl, Der „österreichische Freiheitskampf“. Zu den Transformationen und zum Verblassen eines Gedächtnisortes, in: Helmut Kramer/Karin Liebhart/Friedrich Stadler (Hg.), Österreichische Nation – Kultur – Exil und Widerstand. In memoriam Felix Kreissler, Münster 2006, 303–311. Verein Erinnern Rosegg - Rožek se spominja (Hg.), Zeichen setzen. NS-Opfer der Marktgemeinde Rosegg, Klagenfurt 2010.
  • Verein Erinnern Rosegg - Rožek se spominja (Hg.), Erinnern. Denkmal für die Rosegger Opfer des Nationalsozialismus, Klagenfurt 2011.