DERLA |

VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Bahnhofstraße 121, 9762 Greifenburg
Beschreibung: Anhand dieser Gedenkstätte setzen sich die SchülerInnen mit verschiedenen Opfergruppen im Oberen Drautal auseinander und können auch die Entstehung einer solchen Gedenkstätte verfolgen. Durch die vertiefte Beschäftigung mit den Biografien einiger Opfer lernen sie verschiedene Opferschicksale und Stätten des Terrors kennen.
Ort: Bahnhofstraße, 9762 Greifenburg
Zeitbedarf: 3mal 45 Minuten und 30 Minuten vor Ort
Alter: ab 14 Jahren
Vermittlungsort: Klassenzimmer und vor Ort in Greifenburg


Verbundene Orte:




Mehr Erfahren

Lange Zeit wurde in Österreich die Mitverantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus abgelehnt. Die Geschichte der Opfer im und aus dem Oberen Drautal lässt erkennen, dass der Nationalsozialismus in den Dörfern zahlreiche Anhänger gefunden und die Verfolgung von politischen GegnerInnen, Menschen aus als minderwertig bezeichneten Volksgruppen und Menschen mit Krankheiten und Behinderungen auch hier stattgefunden hat. Auch hier kamen Personen, die zum (politischen) Widerstand gehörten, den Widerstandskämpfern und Partisanen halfen oder eine andere (politische) Meinung vertraten, in polizeiliche Sicherheitsverwahrung. Sinti/Sintizas und Roma/Romnija wurden aus rassistischen Gründen verfolgt. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurden in den Konzentrationslagern sogenannte "Zigeunerlager" eingerichtet. Diesem rassistischen Vernichtungswahn fielen mehr als 500.000 Sinti/Sintizas und Roma/Romnija zum Opfer, darunter auch mindestens eine Frau aus dem Oberen Drautal. Schließlich fielen im Zuge der Aktion T4 kranke Menschen und Menschen mit Behinderung zwischen Jänner 1940 und August 1941 einer systematischen Vernichtung zum Opfer. Die Morde fanden in Österreich in der Vernichtungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz statt. Das Denkmal ist all diesen Opfergruppen aus dem Oberen Drautal gewidmet. Die Entstehung des Denkmals Schon seit 1996 arbeitet der Verein kuland an dem Projekt „Aus dem Gedächtnis in die Erinnerung. Die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal“. Im Laufe der Jahre gelang es dem Projektteam unter der Leitung von Peter Pirker die Biografien von 39 NS-Opfer zu rekonstruieren. Viele von ihnen stammten aus dem Oberen Drautal, einige wurden in den Dörfern getötet, manche wurden in die Konzentrationslager deportiert und von einigen hat man bis heute keine Informationen hinsichtlich ihrer Todesumstände (vgl. Verein Aegide). 2008 beauftrage der Verein den Bildhauer Hans-Peter Profunser mit dem Entwurf der Gedenkstätte. Nachdem im Mai und Juni 2011 das Modell der Bevölkerung präsentiert wurde, konnte er mit dem Bau der Gedenkstätte beginnen. Im Oktober 2012 wurde das Denkmal an seinen Standort in der Nähe des Bahnhofes transportiert und aufgestellt. Der Standort des Mahnmals ist selbst historisch belastet. Im Jahr 1934 fanden am Bahnhof beispielsweise während des NS-Putschversuches bewaffnete Kämpfe zwischen lokalen Nationalsozialisten und Bundesheersoldaten statt (vgl. erinnern.at). Der Bahnhof war aber auch Schauplatz von Erschießungen, Festnahmen und Deportationen. Über das Denkmal (vgl. Homepage des Denkmals) Das Denkmal ist 20 Meter lang, zweieinhalb Meter hoch, drei Meter breit und ist begehbar. Als Hauptmaterial wurde Eisen verwendet, daneben besteht es aus Glas und Bronze. Die verwendeten Materialien haben – wie der Künstler Profunser erklärt – jeweils eine ganz eigene symbolische Bedeutung. Das Eisen steht für die Brutalität der NS-Zeit, wobei das Anrosten des Eisens sowohl für die Stärke als auch für die Vergänglichkeit des NS-Systems steht. Bronze gilt wiederum als das edelste Metall, das Künstler verwenden und soll unterstreichen, dass sich dahinter etwas besonders Wertvolles verbirgt. Das Glas – auf dem die Namen der Opfer steht – ist Symbol für die Zerbrechlichkeit der Opfer (Pirker/Profunser 2012, 85). Der äußere, oben offene Körper aus Eisenstäben symbolisiert das „Gehege des Nationalsozialismus“ (ebd.), in dem unter Zwang Menschen eingesperrt und ermordet wurden. Das Denkmal ist an seinen Enden gebrochen – dies ist ein Hinweis darauf, dass die Geschichte dieser NS-Opfer nur in Bruchstücken vorhanden ist. Die Frontseite ist aufgerissen, dies bedeutet, dass es sogar in diesem starren System möglich war, Widerstand zu leisten. Im begehbaren Inneren sind insgesamt 41 Glasscheiben versenkt: „Die Laden bilden einen symbolischen Schutzraum für die Verfolgten, den sie bislang nicht erhalten haben.“ (Ebd.) Das Herausziehen dieser Läden versinnbildlicht, dass Erinnern eine aktive und bewusste Tätigkeit ist: „Ziel des Denkmals ist es, die Menschen vom passiven Umgang hin zu einem aktiven zu führen, die Menschen weg vom Zuschauen oder vom Wegschauen hin zu eigenen Aktivitäten zu bringen, eine Schulung der eigenen Wachsamkeit zu erreichen.“ (Ebd.) Der Leitsatz des Projektes „Aus dem Gedächtnis in die Erinnerung“ spielt ebenfalls auf diesen Unterschied zwischen passiver „Bewahrung“ von ‚Informationen‘ und aktivem Vorgang der Vergegenwärtigung an. In die Glasscheiben sind Name, Geburts- und Todesdaten der Opfer eingraviert. Ergänzt werden diese Angaben mit einem Zitat von einem/einer Schriftsteller/Schriftstellerin oder aus der Biografie des betreffenden Menschen. Neben den beschrifteten Glasscheiben gibt es auch leere Kassetten – diese stehen für jene Ermordeten, deren Namen noch nicht eruiert werden konnten. Die Erinnerungsarbeit des Vereins aegide und kuland Die Vereine aegide und kuland arbeiten seit Jahrzehnten daran, die Geschichte des Nationalsozialismus im Oberen Drautal aufzuarbeiten, die Biografien der Ermordeten und Verfolgten zu rekonstruieren und die Erinnerung an diese Opfer hochzuhalten. Zur Erinnerungsstätte wurde auch ein Begleitbuch "Aus dem Gedächtnis in die Erinnerung. Die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal" publiziert, in dem man sich über die lokale NS-Herrschaft und deren Funktionsweise informieren kann. Das Buch dokumentiert auch die Biographien von 39 ums Leben gebrachten Verfolgten und Widerständigen. Zudem sind im Buch Essays, Gedichte, Geschichten, Reflexionen von bekannten und lokalen Autoren und Autorinnen enthalten. Wer sich also näher mit dem Schicksal der Verfolgten und Ermordeten beschäftigen möchte, wird in diesem Buch reiches Material finden. Julia Hammer und Hajnalka Nagy



Literatur

  • Verein Aegide, Die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal, URL: NS-Opfer im Oberen Drautal | Gedenkstätte (aegide.at) (abgerufen am 23.3.2022).
  • Erinnern.at, Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal, URL: Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal — ERINNERN: NATIONALSOZIALISMUS UND HOLOCAUST (abgerufen am 23.3.2022).
  • Peter Pirker/Anita Profunser (Hg.), Aus dem Gedächtnis in die Erinnerung. Die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal. Klagenfurt/Wörthersee 2012.