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Zu: Platz des Gedenkens in Bleiburg/Pliberk

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Über die Entstehung des Platzes des Gedenkens und des Denkmals für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus Das Denkmal für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus der Gemeinde Bleiburg wurde im Zuge der Neugestaltung des Platzes des Gedenkens am Bleiburger Friedhof 2020 errichtet. Das Projekt war im Kontext von CARINTHIja 2020 verortet, einer Veranstaltungsreihe anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Volksabstimmung über die Grenzziehung zum Nachbarland Jugoslawien am 10. Oktober 1920 in Kärnten. Den Platz des Gedenkens, der am 21. September 2020 eröffnet wurde, gestaltete das Künstlerduo zwein-topf. Ursprünglich stand der Platz vor der Aufbahrungshalle des Friedhofs leer und zwei der vier Denkmäler befanden sich im Stadtpark: das im Jahre 1954 errichtete Namensdenkmal für die gefallenen Soldaten des 1. und 2. Weltkrieges und für jene Menschen, die von Partisanen rund um das Kriegsende verschleppt wurden, sowie der 1966 errichte Gedenkstein der „Kärntner Freiwilligen Schützen“ (1. Weltkrieg). Diese Denkmäler wurden im Zuge der Umbauarbeiten auf den Stadtfriedhof Bleiburg verlegt und mit zwei Erinnerungszeichen ergänzt: dem neuen Denkmal für die ausgesiedelten kärntnerslowenischen Familien und andere Opfer des Nationalsozialismus sowie dem Kupferblech-Kreuz „Unseren Helden 1914-1920“. Ziel der Neupositionierung war es im Bereich des Stadtparks einen neuen „Ort der Begegnung“ der Generationen und am Friedhof einen gemeinsamen Ort des Gedenkens entstehen zu lassen. Das Künstlerduo wollte mit der Zusammenführung der Denkmäler die gemeinsame Erinnerung an alle Opfer von Krieg und Gewalt ermöglichen (vgl. Künstlerteam zweintopf o.J.). Da die Mahnmale in Größe und Höhe unterschiedlich waren, wurden sie durch Sockel einander angeglichen, um mit Hierarchisierungen und mit symbolischen Konkurrenzen zwischen den Kriegsopfern zu brechen. Neben den vier Erinnerungszeichen stehen vier weitere leere Sockel, die als Mahnung für nachkommende Generationen gelten, Krieg und Gewalt in der Zukunft zu verhindern: „Diese vier Sockel sind leer und es liegt an uns als Gesellschaft, dass sie leer bleiben können.“ (Ebd.) Über das Mahnmal der Opfer der NS-Zeit Das Mahnmal für die ausgesiedelten kärntnerslowenischen Familien und Opfer des Nationalsozialismus wurde vom Künstlerduo zweintopf ganz neu konzipiert und gestaltet. Das Denkmal erinnert zum ersten Mal offiziell an das Schicksal jener BleiburgerInnen, die aus ihren eigenen Häusern vertrieben und in Zwangsarbeiterlager deportiert wurden. Das Objekt neigt sich leicht nach vorne, um die „Fragilität und Unsicherheit“ (vgl. Red, Kärnten ORF 2020) der NS-Opfer zu veranschaulichen. Die Schrift des Denkmals ist nicht – wie sonst üblich – auf das Objekt aufgedruckt, sondern wurde aus dem Material herausgeschnitten, so dass man durch die Buchstaben hindurchsehen kann. Das soll den Schmerz, den die ausgesiedelten und verfolgten Menschen auf sich genommen haben, symbolisieren (vgl. ebd.). Kritische Betrachtung. Der Platz des Gedenkens im Kontext des österreichischen Opfernarrativs Obwohl der neue Platz des Gedenkens mit den leeren Sockeln einen zukunftsweisenden Anstoß im Zeichen des Friedens aufweist, soll hier angemerkt werden, dass Frieden keineswegs so entstehen kann, dass man Täter und Opfer angleicht und ihre Rollen verdeckt. Damit wird die Abwehr der historischen Verantwortung der österreichischen Bevölkerung gefördert und der Opfermythos gestärkt, der lange Jahrzehnte den offiziellen Umgang Österreichs mit der NS-Zeit bestimmte. Der Opfermythos ermöglichte der österreichischen Gesellschaft die Verleugnung von Schuld und Verantwortung wie auch die Verwendung des Begriffs ‚Opfer‘ für viele unterschiedliche Menschengruppen (vgl. Lehnguth 2010, 119). Demnach galten nicht nur sämtliche zivile Opfer der Bombenangriffe als Kriegsopfer, sondern auch die Wehrmachtssoldaten, die ihr Leben als Kriegshelden für das nationalsozialistische Reich ‚geopfert‘ hatten (vgl. ebd.) oder aber jene NationalsozialistInnen, die von Partisanen verschleppt wurden. Auf diese Weise wurden tatsächliche Opfer der NS-Verfolgung bis in die 1980er Jahre aus dem österreichischen Gedächtnis getilgt. Erst Mitte der 1980er Jahre begann die Nachkriegsgeneration kritische Fragen nach dem Handeln ihrer Eltern während des Nationalsozialismus zu stellen. Langsam änderte sich die Sicht auf die Vergangenheit, mehr und mehr Menschen wurde die Mitverantwortung von ÖsterreicherInnen für die NS-Verbrechen bewusst. Obwohl das Opfernarrativ allmählich von einem kritischen Tätergedächtnis abgelöst wurde, sind alte Gedächtnisformationen teilweise heute noch wirksam – wie dies auch am Beispiel des Platzes des Gedenkens ersichtlich ist. Die Zusammenführung der verschiedenen Denkmäler an diesem einen Platz muss kritisch diskutiert werden, zum Beispiel weil die Gefallenendenkmäler den Umstand verschleiern, auf welcher Seite und für welche Ideologie die Menschen starben (auf der der NationalsozialistInnen oder eben gegen sie). Julia Hammer und Hajnalka Nagy