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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Töschling 21, 9210 Techelsberg am Wörthersee/Teholica ob Vrbskem jezeru
Beschreibung: Das Modul ermöglicht die Auseinandersetzung mit einer Opfergruppe des Nationalsozialismus über die es wenig Alltagswissen gibt. Die SchülerInnen erfahren dabei etwas über konkrete Biografien welche ihnen zusätzliche Perspektiven auf das historische Geschehen ermöglichen. Parallel werden unterschiedliche Phasen im Umgang mit der NS-Vergangenheit seit 1945 einer kritischen Reflexion unterzogen.
Ort: Töschling 21, 9210 Techelsberg am Wörthersee
Zeitbedarf: flexibel gestaltbar, von 1 Unterrichtsstunde bis zu einem Projekttag
Alter: ab 13 Jahren
Vermittlungsort: Im Klassenzimmer zu bearbeiten


Verbundene Orte:




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Das im Jahr 2017 enthüllte Erinnerungszeichen enthält fünf Namen von Zeugen Jehovas aus der Gemeinde Techelsberg, die aufgrund von Widerstandstätigkeit gegen die NS-Herrschaft zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. Bis 2017 befanden sich die Namen der fünf Hingerichteten auf dem Kriegerdenkmal der Gemeinde, wo sie als „vermisst“ in der Namenliste von gefallenen Wehrmachtssoldaten geführt wurden. Die ZeugInnen Jehovas im Nationalsozialismus Bis zum Jahr 1931 hieß die Glaubensgemeinschaft der ZeugInnen Jehovas „Bibelforscher“, benannt nach ihrem zentralen Anliegen, dem Beforschen und Studieren der Bibel. Auch nach der Namensänderung blieb die Bezeichnung „Bibelforscher“ umgangssprachlich genutzt. Den Nationalsozialisten war die Gruppe unliebsam, stellte sie sich doch gegen das zentrale Prinzip des Führergehorsams. Sie verweigerte jede Form von Ehrerweisung für Adolf Hitler , zum Beispiel in Form des verpflichtenden Hitlergrußes oder Beitritt der Kinder zur Hitler-Jugend . Als überzeugte Pazifisten, also Menschen die kriegerische Auseinandersetzungen ablehnen, verweigerten ZeugInnen Jehovas ebenso jede Form von Kriegsdienst oder Arbeit in kriegswichtigen Betrieben. Die Repressalien der Nationalsozialisten gegen ZeugInnen Jehovas waren vielfältig: Haftstrafen, Deportation in Konzentrationslager , Verlust des Sorgerechts für die eigenen Kinder und vieles mehr. Trotz der massiven Einschüchterungen und Zwangsmaßnahmen blieben fast alle ZeugInnen Jehovas ihrer Überzeugung treu und wichen nicht von ihrer Haltung ab. Viele bezahlten diese Stärke während des Nationalsozialismus mit dem Tod. Die große Mehrheit aller 550 in Österreich aktiven ZeugInnen Jehovas wurde verhaftet, zirka 150 davon überlebten den Nationalsozialismus nicht. (Garbe, 1999, 17.) Besonders massiv war die Gemeinde Techelsberg betroffen. Die örtliche Gruppe der ZeugInnen Jehovas verlor fünf Mitglieder durch die Nazis, viele weitere hatten mit viel Glück Konzentrationslagerhaft und andere Zwangsmaßnahmen überlebt. Dass ihre ermordeten Familienangehörigen auf Denkmälern unter die gefallenen Wehrmachtssoldaten gereiht wurden, schmerzte sie, denn dies wird der Erinnerung an ihre standhafte antinazistische Überzeugung nicht gerecht. Am Kriegerdenkmal in Techelsberg findet sich wie vielerorts die gängige Erzählung des Heldentodes: Soldaten, die in der treuen Pflichterfüllung im Krieg für ihre Heimat gefallen sind. Doch ebendiese treue Pflichterfüllung stand den ZeugInnen Jehovas fern, sie fühlten sich nicht Adolf Hitler , sondern einzig Gott verpflichtet und waren bereit dafür den Tod in Kauf zu nehmen. Sind alle Opfer gleich? Sind wir alle Opfer? Die Auflistung aller „Gefallenen“ auf Kriegerdenkmälern ohne Details zu ihrer Funktion und ihrem Rang während des Krieges macht alle zu den gleichen Opfern. Jede Form von Mitverantwortung wird damit weggewischt, alle starben für die Heimat und sind als Helden zu erinnern. Dem (sicherlich nicht einheitlichen) Soldatentod der Wehrmachtssoldaten wurde auf dem Kriegerdenkmal in Techelsberg bis 2017 auch der Hinrichtungstod der fünf Zeugen Jehovas gleichgesetzt. Doch sie hatten sich dem Regime,  dem die Soldaten gedient hatten, widersetzt. „Diese Gleichmacherei in der Erinnerungspolitik hatte das Vergessen der eigentlichen Opfer der Kriegsgräuel zur Folge,“ schreibt Peter Gstettner. (Gstettner, in: Gsell/Stocker/Wohlfahrt, 2017, 17.) In der Zeit, als allerorts in Österreich Kriegerdenkmäler entstanden, war in Österreich der Opfermythos weit verbreitet. So bezeichnet man die Sichtweise, Österreich sei 1938 von Nazi-Deutschland überfallen und zum Krieg gezwungen worden war – sei also das erste Opfer Hitlers. Fragen der Mitverantwortung wurden erst Jahrzehntes später gestellt. Und noch länger dauerte es, bis die Opfer der Nationalsozialisten andere, eigene Erinnerungsräume fanden und aus der unüberschaubaren Gruppe derer, die den „Heldentod“ starben, herausgelöst werden konnten. In Techelsberg gelang dies mit der Entfernung der fünf Namen vom Kriegerdenkmal und der Denkmalsetzung für die ermordeten Zeugen Jehovas 2017, an vielen anderen Orten ist dieser Schritt noch ausständig.



Literatur

  • Wilhelm Baum, Zum Tode verurteilt. NS-Justiz und Widerstand in Kärnten, Klagenfurt 2012.
  • Nadja Danglmaier/Werner Koroschitz, Nationalsozialismus in Kärnten. Opfer, Täter, Gegner, Innsbruck 2015.
  • Heide Gsell/Bernd Gsell/Peter Stocker/Greg Wohlfahrt (Hg.), Jehovas Zeugen in Techelsberg am Wörthersee während des Nationalsozialismus, Klagenfurt 2017.
  • Vinzenz Jobst, Anton Uran. Verfolgt, vergessen, hingerichtet, Klagenfurt 1997.
  • Gerti Malle, "Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht". Widerstand und Verfolgung der Zeugen Jehovas in der Zeit des Nationalsozialismus in Kärnten, Klagenfurt 2011.
  • Lieselotte Wölbitsch, In tiefer Nacht beginnt der Morgen: Franz Wohlfahrt überlebt den NS-Terror, Klagenfurt 2000.