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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Flughafenstraße 7, 9020 Klagenfurt/Celovec
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich vertieft mit einem der zentralen Zeugen der nationalsozialistischen Vergangenheit in Klagenfurt auseinander und lernen die Erinnerungsarbeit lokaler Gedenkinitiativen kennen. Zudem erarbeiten sie die Gewaltgeschichte von Orten und Menschen anhand eines Quellentextes.
Ort: Hauptallee des Friedhofs Annabichl, Flughafenstraße 7, 9020 Klagenfurt/Wörthersee
Zeitbedarf: Teil 1: 15 Min.; Teil 2: 20 Minuten, Teil 3: 45-60 Min., Teil 4: 30 Minuten, Teil 5: 45 Min.
Alter: ab 13 Jahren
Vermittlungsort: außerschulischer Lernort Annabichl und ortsungebunden im Klassenzimmer


Verbundene Orte:




Mehr Erfahren

Wenn man die Topographie der nationalsozialistischen Verbrechen in Klagenfurt erstellen möchte, kommt – laut Nadja Danglmaier – dem Friedhof Annabichl eine zentrale Bedeutung zu (vgl. Danglmaier 2009, 23). Der Großteil der Opfer des nationalsozialistischen Klagenfurts wurde nämlich an diesem Friedhof begraben. Besonders viele Opfer liegen in den Feldern I und XV, da hier während des Zweiten Weltkrieges die Armengräber angelegt wurden. Seit 1948 gibt es in Österreich zwei Gesetze, die sicherstellen sollen, dass die Gräber sämtlicher Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen dauerhaft und in würdiger Form erhalten bleiben. Dasselbe gilt auch für die Gräber der in Österreich umgekommenen Militärangehörigen der beiden Weltkriege, unabhängig davon, auf welcher Seite sie gekämpft haben. Somit fungieren Friedhöfe nicht nur als wichtige Zeugen der Vergangenheit, sondern auch als letzte Ruhestätte für die durch Gewalt Umgekommenen. Nicht zuletzt erlauben sie – wie Helge Stromberger formuliert – die „Wahrnehmung der Vernichteten“, d.h. die Sichtbarmachung der Abwesenden in der vermittelten Form eines Mahnmals (Stromberger 2009, 30). Die Entstehung des ersten Mahnmals und die Weiterentwicklung zur heutigen Gedenkanlage Das Mahnmal, gewidmet „Den Opfern für ein freies Österreich 1938-1945“, wurde bereits Mitte der 1960er-Jahre in der Hauptallee des Friedhofes errichtet. Es entstand unter Federführung des 1945 aus dem KZ Dachau heimgekehrten Landeshauptmannes Ferdinand Wedenig, dem slowenischen Kärntner Künstler Valentin Oman und dem Architekten DI Rudolf Nitsch (vgl. Memorial Kärnten–Koroška 2009, 11). Es handelt sich hierbei um ein mit einem Bronzerelief versehenes Kenotaph, d.h. um ein leeres Grab, was auch Ehrengrabmal genannt wird. Anlass zur Neugestaltung des Mahnmals gab die bedauerliche Entdeckung, dass die Stadt Klagenfurt über Jahrzehnte hinweg die zuvor genannten ‚Kriegsgräberfürsorgegesetze‘ missachtete und viele Gräber von NS-Opfern neu belegte. Damit wurden nicht nur die Gräber geschändet, sondern auch die Ruhe und Würde der Toten gestört (Stromberger 2009, 34-35). Die Versäumnisse der Erinnerungspolitik der Stadt Klagenfurt veranlassten schließlich einige Kärntner NS-Opferverbände und Erinnerungsinitiativen zur Neugestaltung der „Landesgedächtnisstätte für ein freies Österreich“. Die Verbände gründeten die Plattform Memorial Kärnten–Koroška (MKK), um die Neugestaltung sowie die Recherchearbeiten zu den NS-Opfern aus und in Kärnten voranzutreiben. 2003 wurde das Mahnmal mit einem temporären Denkmal erweitert. Durch die Erweiterung wurden 1000 Namen von den Opfern des Nationalsozialismus in Kärnten auf eine Glas-Stahlkonstruktion angebracht. Dies ermöglichte zum ersten Mal die Personalisierung der Erinnerung an die Opfer. Nachdem das gläserne Denkmal 2004 durch Vandalismus zerstört wurde, begann man 2006 mit dem Konzept der Neugestaltung der gesamten Gedenkanlage (vgl. Memorial Kärnten–Koroška 2009, 12). Diese Arbeiten liefen zwischen 2015-2017. Das Konzept entwarfen der Künstler Valentin Oman, Architekt Klaus Holler und der Kulturwissenschaftler Helge Stromberger. Über die neue Landesgedenkstätte Klagenfurt-Annabichl (vgl. Holler 2016) Nach der Neugestaltung des Mahnmals entstand eine komplexe Gedenkanlage, die sich über den gesamten Friedhof erstreckt. Bei der Umgestaltung wurde das Kenotaph von Valentin Oman restauriert und ergänzt. Daneben finden sich Stahlbetonbänder, auf denen die beidseitig beschrifteten Namenstafeln aus Verbundsicherheitsglas montiert wurde. Diese enthalten insgesamt 3175 Namen mitsamt Geburts- und Sterbejahr. Die Zwischenräume zwischen den Tafeln laden die Betrachtenden ein, über die Opferschicksale nachzudenken (vgl. ebd., 10). In diesem Bereich gibt es noch ausreichend Platz für weitere Namenstafeln. Dies soll signalisieren, dass die Opfer- und Namensforschung noch nicht abgeschlossen ist. Gleich in der Hauptallee befindet sich auch ein Granitblock als Informationsträger. Am Rand der Gedenkanlange steht ein Würfel, aus dem 17 Gedenksteine herausgeschnitten wurden. Diese sind verstreut auf dem Friedhofsgelände zu finden. „Auf dem Steinkubus ist ein schematisch dargestellter Friedhofsplan [eingearbeitet], aus dem jene Gräberfelder (Sektoren) lesbar werden, in welchen hunderte NS-Opfer ohne Kennzeichnung vergraben liegen.“ (ebd.) Wie bereits erwähnt, wurden nach 1945 einige Grabstätten neu belegt, die Gebeine der vorher dort liegenden Toten tiefergelegt, um darüber neue Gräber zu errichten und die Gräber gewinnbringender zu verpachten. Um diese NS-Opfer, deren Gräber auf diese Weise zerstört wurden, nicht zu vergessen, wurden kleine Granitblöcke auf dem Friedhofgelände aufgestellt. Sie geben Auskunft über die jeweilige Opferanzahl von nicht gekennzeichneten Grabstätten. Die kleinen Granitblöcke sind bei den Sektorenbezeichnungen zu finden. Verantwortung nachkommender Generationen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Das Projekt der Neugestaltung der Landesgedenkstätte ist von einer wissenschaftlichen Dokumentations- und Forschungsarbeit begleitet, deren Ziel es ist, nicht nur zu den in der Stadt begrabenen Naziopfern zu recherchieren, sondern auch die Gesamtzahl und die Namen der Opfer in und aus Kärnten zu eruieren. Diese Zahl liegt nach Stand des Jahres 2009 bei 10 000 Ermordeten (Stromberger 2009, 38). Das Mahnmal und das Projekt machen somit deutlich, wie heutige Generationen auf verschiedenen Ebenen – im öffentlichen Raum einerseits und im wissenschaftlichen Feld andererseits – Verantwortung für die Bewahrung der Erinnerung an die Opfer und auf diese Weise auch für eine friedvolle Gegenwart und Zukunft übernehmen können. Julia Hammer



Literatur

  • Nadja Danglmaier, Versuch einer Topographie der nationalsozialistischen Gewalt in Klagenfurt, in: Memorial Kärnten-Koroška (Hg.), Die Gedenkanlage in Annabichl neu gestalten! Klagenfurt 2009, 17-29.
  • Klaus Holler, Neugestaltung der Landesgedenkstätte der Opfer für ein freies Österreich auf dem Friedhof Klagenfurt-Annabichl, in: Memorial Kärnten-Koroška (Hg.), Die Gedenkanlage in Annabichl neu gestalten! Klagenfurt 2009, 55-66.
  • Klaus Holler, Den Opfern für ein freies Österreich, in: Vinzenz Jobst (Hg.), Erneuerung der Gedenkstätte in Klagenfurt-Annabichl. Ein Zwischenbericht im Oktober 2016. URL: URL: https://memorial.at/memorial/assets/files/Gedenkst%C3%A4tte%20Annabichl.pdf (abgerufen am 22.8.2022).
  • Memorial Kärnten–Koroška, Einleitung, in: Dass. (Hg.), Die Gedenkanlage in Annabichl neu gestalten! Klagenfurt 2009, 11-16.
  • Helge Stromberger, Die Wahrnehmung der Vernichteten ermöglichen, in: Memorial Kärnten-Koroška (Hg.), Die Gedenkanlage in Annabichl neu gestalten! Klagenfurt 2009, 30-54.