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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Koprein Petzen/Pod Peco 3, 9135 Bad Eisenkappel/Železna Kapla
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich vertieft mit der Geschichte des zweisprachigen Kärnten/Koroška auseinander, erlangen Wissen über die Kärntner SlowenInnen, erarbeiten sich vertiefendes Wissen über den Widerstand im Nationalsozialismus (dabei insbesondere über die Kärntner PartisanInnen) und verstehen die Bedeutung des Widerstands für die Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus.
Ort: Koprein Petzen 3, 9135 Bad Eisenkappel/Železna Kapla
Zeitbedarf: flexibel gestaltbar, von zwei Unterrichtsstunden bis zu einem Projekttag
Alter: ab 14 Jahren
Vermittlungsort: Außerschulischer Lernort Peršmanhof oder Klassenzimmer


Verbundene Orte:




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Vom Erinnerungsort zum Lernort Am 25. April 1945 – kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs – kam es am Peršmanhof, einem Bergbauernhof in Bad Eisenkappel/Železna Kapla, zu einem der letzten NS-Massaker an Zivilbevölkerung in der Region. Männer des SS-Polizei-Regiments 13 griffen das Gehöft an und ermordeten die Mitglieder der Familie Sadovnik: Fünf Personen töteten sie im Hof, sechs Personen verbrannten nach ihrer Erschießung im Bereich des Wohnhauses. Nur drei Kinder überlebten. Nach dem Kriegsende hat sich das Massaker am Peršmanhof im kollektiven Gedächtnis der slowenischsprachigen Kärntner Bevölkerung eingeprägt. Es wurde zum Symbol für die gemeinsamen Leiderfahrungen während des Nationalsozialismus. 1965 wurde am Wohnhaus des Peršmanhofs eine Gedenktafel in Erinnerung an das Verbrechen angebracht. Am Vorplatz der Gedenkstätte wurde das erste Kärntner PartisanInnendenkmal, das ursprünglich 1947 in Völkermarkt errichtet und 1953 dort gesprengt worden war, wieder aufgestellt. Seit den 1980er Jahren finden regelmäßig Gedenkveranstaltungen am Peršmanhof statt. Seit 1982 beherbergt das Haus am Peršmanhof das nach wie vor einzige Museum des antifaschistischen Widerstands in Kärnten/Koroška, das auch die Geschichte der Kärntner SlowenInnen detailliert beleuchtet. Ein historischer Überblick Im Jahr 1880 war etwa ein Drittel der damaligen Kärntner Bevölkerung slowenischsprachig. Zwischen Österreich und dem nach dem Ersten Weltkrieg neu gegründeten SHS-Königreich (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) kam es zu bewaffneten Grenzkonflikten, die in Slowenien als Kampf um die Nordgrenze, in Kärnten als Abwehrkampf bezeichnet werden. Mit der am 10. Oktober 1920 abgehaltenen Volksabstimmung wurde Südkärnten ein Teil Österreichs. Damit einhergehende Versprechungen gegenüber der slowenischsprachigen Bevölkerung – immerhin rund 70 % der Stimmberechtigten von 1920 – wurden allerdings nicht eingehalten. Der Nationalsozialismus Nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland kam es mit der Eindeutschungspolitik auch zu Inhaftierungen führender Kärntner SlowenInnen und zur Bespitzelung der Bevölkerung. Da Priester damals einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der slowenischen Sprache und Kultur lieferten, galt die Repression zunächst besonders ihnen. Die Eindeutschungspolitik beinhaltete auch Änderungen im Schulwesen: das zweisprachige Schulwesen wurde abgeschafft, slowenische Schulbücher wurden vernichtet, slowenischsprachige LehrerInnen in rein deutschsprachige Regionen versetzt. Es kam aber auch zu Einschränkungen im Alltag der Kärntner SlowenInnen: Die Verwendung der slowenischen Sprache wurde in der Öffentlichkeit zunehmend gefährlich, das slowenische Kulturleben wurde komplett eingestellt, zudem wurden slowenischsprachige Lieder und Literatur verboten und slowenische Namen und Ortsbezeichnungen eingedeutscht. Die antislowenischen Maßnahmen wurden nach dem Überfall der Nazis auf Jugoslawien im Jahr 1941 nochmals schlagartig verschärft. Es regte sich aber auch zunehmend Widerstand in der Bevölkerung. Der Widerstand PartisanInnen versteckten sich in den Wäldern Südkärntens. Vor allem rund um Bad Eisenkappel/Železna Kapla und Zell/Sele entstanden erste Zellen des Widerstands (die sogenannten Grünen Kader). Der Widerstandsbewegung schlossen sich neben SlowenInnen auch vereinzelt deutschsprachige KärntnerInnen und geflohene ZwangsarbeiterInnen aus verschiedenen Nationen an. Die folgenden Jahre waren geprägt von größeren Schlachten, kleineren Gefechten, Sabotageakten, Spionage und Hinterhalten. Die PartisanInnen waren auf die Unterstützung der Zivilbevölkerung angewiesen. Sie brauchten Nahrung, Medikamente und vor allem Informationen über die Tätigkeiten der Nationalsozialisten, da sie die meiste Zeit im Wald verbrachten und dadurch von der Außenwelt abgeschnitten waren. Neben den bewaffneten Konflikten mit den NS-Soldaten fanden viele PartisanInnen den Tod durch Verletzungen, Kälte, schlechte hygienische Zustände und Unterernährung. Frauen und Männer waren in den Strukturen der PartisanInnen gleichberechtigt. Alle erhielten zunächst eine militärische Grundausbildung. Auch für die Kinder der PartisanInnen war das Leben mit großen Gefahren verbunden, ihnen drohten Verschleppung und Deportation . Nach dem Nationalsozialismus Obwohl der PartisanInnenwiderstand als der bedeutsamste organisierte Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Österreich gilt, wurden die PartisanInnen auch lange nach dem Krieg abwertend als „Banditen“ bzw. „Banden“ bezeichnet und erhielten keine Würdigung. Nirgendwo in Österreich formierte sich ein ähnlicher, militärisch wirksamer Widerstand, der fast geschlossen ein Gebiet umfasste. In Kärnten/Koroška wurde der Widerstand der Kärntner SlowenInnen bald als „Heimatverrat“ betitelt. Ehemalige Nationalsozialisten begannen sich in „heimattreuen“ Vereinen und Verbänden neu zu formieren und erneut gegen SlowenInnen und andere Minderheiten zu hetzen. Das Massaker am Peršmanhof Zwei Wochen vor Kriegsende, am 25. April 1945, befanden sich über 100 PartisanInnen am Hof. Die Familie Sadovnik unterstützte den Widerstand gegen das NS-Regime und erlaubte den PartisanInnen den Hof als Stützpunkt zu nutzen. Gerade fand die Essensausgabe statt, da griff das etwa 70 Mann starke SS-Polizei-Regiment 13 an. Rund 30 Männer des Regiments attackierten die PartisanInnen, während die übrigen das Gelände vom benachbarten Riepl-Hof ausgehend sicherten. Einige PartisanInnen konnten in die Wälder flüchten, die Familie Sadovnik versteckte sich im Keller. Die Männer des SS-Polizei-Regiments 13 konnten sich ohne eigene Verluste zurückziehen. Jedoch kehrten mutmaßlich bis zu sieben Männer nochmals zurück zum Hof und zwei von ihnen erschossen die Familienmitglieder. Fünf Personen ermordeten sie im Hof, sechs Personen verbrannten nach ihrer Erschießung im Bereich des Wohnhauses. Nur drei Kinder überlebten das Massaker: Die beiden Mädchen Ana und Amalja Sadovnik erlitten Streifschüsse und überlebten nur, da sie von den Tätern bereits für tot gehalten wurden. Ciril Sadovnik, der Neffe des Hofbauern, blieb als Einziger körperlich unversehrt, da er sich rechtzeitig verstecken konnte. Ebenso überlebte Luka Sadovnik, der älteste Sohn der Familie, der an diesem Tag nicht zu Hause war. Ermittlungen in den Jahren 1945/1955 und in den 1960er Jahren blieben ergebnislos, die Täter wurden für das Massaker nie zur Verantwortung gezogen. Das Museum am Peršmanhof Am 25. April 1965 fand mit der Enthüllung einer Gedenktafel die erste Gedenkfeier am Peršmanhof statt, aber erst ab den 1980er Jahren kam es zu regelmäßigen Veranstaltungen. Im Zuge der Renovierung des Wohnhauses im April 1982 wurde die erste Dauerausstellung eröffnet. Nach einer räumlichen Erweiterung wurde der Peršmanhof im Jahr 2012 zu einem modernen, zeitgeschichtlichen Museum ausgebaut und inhaltlich neu gestaltet. Über 100 Quadratmeter Ausstellungsfläche widmen sich dem Schwerpunktthema Verfolgung und Widerstand der slowenischsprachigen Kärntner Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs unter besonderer Berücksichtigung der am Peršmanhof ansässigen Familie Sadovnik und ihrer Ermordung. Die gesamte Ausstellung ist zweisprachig (Slowenisch und Deutsch). Hörstationen, Filmbeiträge und biografische Fallbeispiele bringen regionale und lokale Geschichte nahe. Erinnerungskultur in Kärnten/Koroška Bis zum Jahr 2012 wurde kein Denkmal seitens des Landes Kärnten oder einer Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung errichtet, mit dem die Verfolgung der Kärntner SlowenInnen offiziell anerkannt und ihr Widerstand gewürdigt würde. Das Denkmal der Kärntner PartisanInnen im Vorhof des Peršmanhofs wurde in den 1970er Jahren von Unbekannten gesprengt und am Peršmanhof erneut aufgebaut. Eine Aufarbeitung des Nationalsozialismus ist in der Region bis heute vielfach nicht geschehen. Der Verein/Društvo Peršman Der Društvo/Verein Peršman wurde 2001 in Klagenfurt/Celovec gegründet um an den österreichischen, insbesondere an den Kärntner slowenischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu erinnern und ihn zu erforschen. Der Verein ist für die Betreuung der MuseumsbesucherInnen zuständig und unterstützt den Betrieb des Museums und der Gedenkstätte Peršmanhof in Bad Eisenkappel/Železna Kapla. Darüber hinaus beteiligt sich der Društvo/Verein Peršman an der Auseinandersetzung mit der NS- und Widerstandsgeschichte und steht in Kontakt zu Gedenkstätten weltweit. Mittels vielfältiger Projekte verfolgt er zudem das Ziel, Zivilcourage in unserer heutigen Gesellschaft zu stärken und sich gegen rechtsextreme wie faschistische Tendenzen in der Gegenwart einzusetzen. Ein besonderes Anliegen sind dem Verein auch Workshops für Schulen .



Literatur

  • Lisa Rettl/Gudrun Blohberger (Hg.) (2014), Peršman. Herausgegeben mit dem Zveza koroških partizanov/Verband der Kärntner Partisanen und dem Društvo/Verein Peršman. Göttingen: Wallstein.