Vermittlungsangebot
Zu: Gedenktafel an Kirchenmauer der Martinskirche in Deutsch Schützen

Mehr Erfahren
In der Gemeinde Deutsch Schützen wurden ab Dezember 1944 rund 500 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter für den Bau des „Südostwalls“ in zwei Getreidespeichern festgehalten. Während ihres Arbeitseinsatzes dürften sie keinen Übergriffen von Seiten der Wachmannschaft ausgesetzt gewesen sein. Kurz vor dem Eintreffen der Roten Armee erhielten am 29. März 1945 Angehörige der örtlichen Hitlerjugend von Alfred Weber, dem Leiter des Bauabschnittes, den Befehl, die Zwangsarbeiter in Gruppen von 20 bis 30 Personen in die Nähe der Martinskirche, östlich von Deutsch Schützen, zu führen. Dort wurden die ersten beiden Gruppen von drei Mitgliedern der Waffen-SS übernommen, zu einem Laufgraben im benachbarten Urbarialwald geführt und dort erschossen. Nach der Erschießung von rund 60 Männern wurde die Mordaktion abgebrochen und die Leichen mussten von Mitgliedern der Hitlerjugend verscharrt werden. Während etwa 400 bis 450 ungarische Zwangsarbeiter in Evakuierungsmärschen nach Westen getrieben wurden, gelang einigen die Flucht. Zwei Männer wurden mehrere Tage bis zum Eintreffen der Roten Armee vom Ortspfarrer versteckt. Bei einem Volksgerichtsprozess im Oktober 1946 wurden fünf HJ-Führer als Mitschuldige am Verbrechen in Deutsch Schützen zu Strafen zwischen 15 Monaten und drei Jahren Haft verurteilt. Der Lagerverantwortliche Alfred Weber konnte erst 1955 vor Gericht gestellt werden und wurde wegen fehlender Beweismittel, Zeugenbeeinflussung und Falschaussagen freigesprochen. Im Zuge eines Studienprojekts konnte 2008 der in Düsseldorf lebende Adolf Storms als einer der drei mordenden SS-Männer identifiziert werden. Er verstarb 91-jährig, bevor die Hauptverhandlung eröffnet werden konnte. Das Massengrab im Urbarialwald wurde 1945 zweimal von einer ungarischen Kommission im Auftrag der Roten Armee geöffnet, untersucht und 57 Leichen wurden aufgefunden. Im Jahr 1951 wurde die Gemeinde Deutsch Schützen von der Landesregierung aufgefordert, das Massengrab im Wald, das von Gestrüpp überwachsen und kaum auffindbar war, sofort in einen würdigen Zustand zu setzen. Der Aufforderung wurde nicht entsprochen und das Grab geriet immer mehr in Vergessenheit. In den 1990er Jahren bemühte sich der Überlebende Moshe Zeiri, einer der Juden, der im Pfarrhof versteckt worden war, um die Auffindung des Grabes. Mit Hilfe des Vereines „Shalom“ und der damaligen Studenten Harald Strassl und Wolfgang Vosko gelang es, im August 1995, das Massengrab zu lokalisieren. Nach der Öffnung des Grabes wurde von einer Umbettung abgesehen, da nicht gewährleistet werden konnte, dass alle Leichenteile geborgen werden konnten. Daraufhin wurde das Areal zu einer Grabstätte erklärt, das Massengrab mit einer Betondecke verschlossen, eingezäunt, mit einem Gedenkstein versehen und im Juni 1996 in einer religiösen Feier eingeweiht. Die Namen der zwölf, bisher namentlich bekannten Opfer des Massakers, János Földösi, Ferenc Haimann, György Klein, László Komlós, György Sárkány, György Schwimmer, Andor Sebestyén, József Sebestyén, Péter Szanto, Imre Wallerstein, József Weinberger und József Weisz, wurden trotz der Bitten ihrer Angehörigen nicht auf der Rückseite des Gedenksteines eingraviert. Gestaltet wurde das Grabmal von den jüdischen Gemeinden in Wien und Ungarn, errichtet vom Verein „Shalom“ und finanziert vom Bundesministerium für Inneres. Bereits im September 1995 erfolgte die Einweihung der vom österreichischen Botschafter in Israel, Dr. Herbert Kröll, finanzierten Gedenktafel an der Außenmauer der Martinskirche bei Deutsch Schützen. Die Enthüllungsfeierlichkeiten fanden unter anderem im Beisein von Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, dem ungarischen Oberrabbiner Kardos sowie dem Überlebenden Moshe Zeiri statt. Die Gedenktafel erinnert an die jüdischen Opfer, die im März 1945 im Urbarialwald erschossen wurden.