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Direkt neben dem Friedhof in Pöttsching befindet sich die Gedächtnisstätte für zivile Opfer der Gewaltherrschaften , die Teil des Pöttschinger Gedächtnisweges ist, der Kriegerdenkmal, Friedhof und Gedenkstätte verbindet. Auf Initiative des aus Pöttsching stammenden und dort lebenden Bildhauers Karl Prantl und der Gemeinde Pöttsching wurde die Gedächtnisstätte 2008 umgesetzt. Die feierliche Einweihung fand am 12. März 2008 anlässlich des 70. Jahrestages des „Anschlusses“ Österreichs an Deutschland mittels einer Gedenkfeier, die den Titel „Den Opfern Stimme geben“ trug, statt. Die Gedächtnisstätte besteht aus mehreren Objekten. Zur Ausgestaltung des Gedächtnisweges stellte Karl Prantl drei graue Granitplatten, die ursprünglich vom Aufmarschplatz des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg stammten, zur Verfügung. Diese verlegten Steinplatten, die von Häftlingen aus den Konzentrationslagern mühsam händisch geschaffen worden waren, sollen sinnbildlich für das menschliche Leid stehen, aber auch für die vielen jungen, ahnungslosen Menschen, die in Massen zum Gelände gebracht wurden. Sie marschierten nach Ansicht des Künstlers, dort zu Ehren des Regimes und wurden danach erneut in den Krieg geschickt, um wieder zu marschieren – in den Tod oder in die Gefangenschaft. Neben den drei Gesteinsplatten besteht die Gedenkstätte aus einem Gedenkstein, auf dem sich zwei Inschriften befinden, einerseits ein Zitat des österreichischen Lyrikers Erich Fried: „Es ist geschehen und es geschieht nach wie vor und es wird weiter geschehen, wenn nichts dagegen geschieht“ , anderseits der Satz: „Diese 3 von 70.000 Steinplatten stammen vom Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Jeder Stein ist ein Fingerabdruck eines missbrauchten und geschundenen Menschen. Pöttsching 2007“ . In der Nähe der äußeren Friedhofsmauer steht eine Informations- bzw. Gedenktafel , auf der die Opfer aus Pöttsching in Gruppen genannt werden. Auf der Gedenktafel werden 16 politische Opfer aus Pöttsching angeführt, die während der Diktaturen zwischen 1934 und 1945 inhaftiert wurden. 13 Männer und eine Frau leisteten gegen das austrofaschistische Regime Widerstand. Sie weigerten sich, Waffen und Munition abzuliefern, verbreiteten verbotene Zeitungen bzw. waren Mitglieder illegaler sozialistischer Verbände. Der inhaftierte Alexander Völkl verstarb in der Gefangenschaft. Zwei Pöttschinger wurden auf Grund ihrer politischen Gegnerschaft zum NS-Regime arretiert, wobei Leopold Stricker kurz vor Kriegsende 1945 erschossen wurde. Beim „Anschluss“ an das Deutsche Reich im März 1938 lebten zwei jüdische Familien in Pöttsching. Während der Familie Molnar die Auswanderung gelang, wurden fünf Angehörige der Familie Gleissner und Max Kopfstein ins Ghetto Kielce bei Krakau deportiert und 1941 bzw. 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Mindestens neun Opfer der NS-Euthanasie hat Pöttsching zu beklagen. Sie wurden in Hartheim , Gugging und Mauer-Öhling umgebracht. Zudem gedenkt die Gemeinde den zivilen Opfern, die in den letzten Kriegstagen, am 2. April 1945 erreichten die ersten Soldaten der Roten Armee Pöttsching, durch Gewaltakte den Tod fanden.