CoReMA

Cooking Recipes of the Middle Ages

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Overview

Collection: Wo3

Shelfmark: Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Handschriftenabteilung, Cod. Guelf. 78.1 Aug. 8°

Customary title: Ein Koch- und Arzneibuch

Material: paper

Number of folios: 192

Dimensions: 150mm x 105mm

Origin: place of origin unknown.

Dating: 15th c.

Languages: High German languages

Codicology

Number of folios: 192

Dimensions: 150mm x 105mm

Condition: insgesamt guter Erhaltungszustand. Das Papier ist an einigen Stellen abgegriffen und weist Gebrauchsspuren auf. Einige Blätter weisen einen leichten Wasserschaden im oberen Bereich auf.

Material: Papier

Foliation: durchgehende moderne Folierung mit Bleistift;
sporadische und inkonsistente originale Folioangaben in roter und schwarzer Tinte.

Collation: Jede Lage weist in der Mitte einen dünnen Pergamentstreifen auf, um die Bindung zu stabilisieren und die Lagen von einander zu trennen. Die Lagenwechsel korrelieren mit dem Beginn neuer Texte. Die regelmäßigen Lagen weisen auf ein einheitliches Erstellungskonzept hin.

Formula: (VIII-1)^15 + VI^27 + VI^39 + (VII-1)^52 + VI^64 + VI^76 + VIII^92 + VI^104 + VI^116 + VI^128 + (VI-1)^139 + VI^151 + (VI-1)^162 + VI^174 + VI^186 + III192

Hands: Die Handschrift weist drei Schreibhände auf, die auch innerhalb der Texte und Textabschnitte mitunter mehrfach wechseln.
Hand 2: fol. 7r, 8r-9r, 27r-29v, 35r-64v.
Hand 2, die sich an zahlreichen Stellen nachweisen lässt, ist für den überwiegenden Teil des Kochrezepttextes verantwortlich sowie für die Rezepte von fol. 7r bis 9r.
Hand 3: fol. 16r-26v, 30r-34v.
Hand 3 lässt sich am Beginn des Kochrezepttextes sowie an einer weiteren Stelle nachweisen.

Script (fol. 7r, 8r-9r, 27r-29v, 35r-64v): klare Struktur, Satzspiegel kompakt und dicht beschrieben; geringer Zeilenabstand. toggle details

Duktus: geübte Hand, sauberes und gleichmäßiges Schriftbild; breites Mittelband, Ober- und Unterlängen im Vergleich dazu wenig ausgeprägt; breite, rundliche Buchstaben, die geschlossenen Punzen sind groß und ausgeprägt; Anfangsbuchstaben sind vergrößert, bleiben aber innerhalb einer Zeile.Leitbuchstabe <a>: einstöckiges <a>.Leitbuchstabe <l>: <l> durchwegs geschlossen, meist mit einem sichtbar dünneren Haarstrich. Die Schleife tendiert nach rechts, sodass der Buchstabe rundlich wirkt. Die Schleife zeigt Ecken und tendiert zur Dreiecksform. Der untere Bogen hebt sich Richtung Schleife.Leitbuchstabe <g>: <g> bis auf wenige Ausnahmen mit geschlossener Schleife. Die untere Punze weist einen relativ senkrechten Abstrich auf. Die Schleife schließt bündig am oberen Bogen der oberen Punze. In etwa einem Drittel der Fälle weist das <g> ein mehr oder weniger ausgeprägtes waagrechtes Fähnchen auf. Die Schleife ist überwiegend eckig.Leitbuchstabe <e>: überwiegend weit offenes, halbkreisförmiges <e>. Der untere Bogen ist teilweise gebrochen, der obere Bogen bis auf wenige Ausnahmen neu angesetzt. Geschlossenes <e> tritt selten auf.Leitbuchstabe <m>, <n>: <m> und <n> wirken oft leicht rundlich, ihre Bögen sind durchwegs spitz, gebrochen und durch Haarstriche verbunden. In finaler Position weist der letzte Abstrich oft eine leichte Unterlänge mit einer Krümmung nach links auf. <m> in initialer Position mit verlängertem Aufstrich, der zur Ausbildung einer Schleife tendiert.Langschäfte <b>, <d>, <h>, <k>, <l>: Alle Langschäfte weisen durchwegs geschlossene Schleifen auf, überwiegend hakenförmig und mit einem Haarstrich zum Dreieck geschlossen. Der Stamm ist meist deutlich gekrümmt, bei <d> nach links, bei <b>, <h>, <k>, <l> hingegen nach rechts. <f>, Schaft-s Unterlänge: <f> und Schaft-s weisen eine ‚normale‘ Unterlänge auf. Ihr Schaft ist oft verdickt, vereinzelt ist eine Schaftdopplung erkennbar. Die Oberlängen sind eher schwach ausgeprägt. Die Bögen sind teilweise offen teilweise geschlossen. Verschiedene r-Formen: Überwiegend gerades <r>, initial mit einem bis zur Grundlinie hinabreichenden Anstrich; Rundes <r> regelmäßig nach dem <o> im Wort „mörser“ sowie vereinzelt nach <u>, <a> und <o>.Verschiedene z-Formen: Überwiegend geschwänztes <z>, daneben (vor allem initial) auch rundes <z>. Initial weisen beide Formen einen ausgeprägten bogenförmigen Anstrich auf. Das geschwänzte <z> in medialer und finaler Position gleicht der Form nach einer 3 mit eckiger oberer Hälfte und leicht runder unterer Hälfte. Die Unterlänge ist dabei wenig ausgeprägt. Bögen/Unterlänge von <h>, <y> und geschwänztem <z>: Die Unterlängen sind wenig ausgeprägt und leicht nach links gekrümmt. Verwendung von Schaft-s und rundem <s>: Schaft-s an initialer und medialer Position, final nur in Kombination mit geschwänztem <z>. Rundes <s> überwiegt in finaler Position.Verwendung von geradem und rundem <d>: überwiegend rundes, nach links gekrümmtes <d> mit geschlossener Punze; vereinzelt gerades <d> mit nach links geneigtem Schaft.i-Markierung: i-Markierung teilweise vorhanden; regelmäßig keine i-Markierung bei Wörtern mit Kürzungsstrich.Besonderheiten anderer Grapheme: Schlaufen-wZahlzeichen: gekreuztes <i> mit Schlaufe für 1/2Majuskeln (Verwendung): gelegentliche Verwendung von Majuskeln, stets in Rezepttiteln, an Rezeptanfängen oder an Zeilenanfängen.Verzierungen: leicht vergrößerte Initialbuchstaben an den Rezeptanfängen.Rubrizierung: - Diakritika: Doppelpunkt auf <u>, <a>, <y>, <o>; einmal <e> superscriptum über <a>.Abbreviaturen: Zahlreiche ein bis zwei Buchstaben umfassende Abkürzungen; meist Kürzungsstrich und -haken, selten „lb“ für Pfund, etc. sowie er-Kürzung in Kombination mit Schaft-s; einmal <p> mit durchkreuztem Schaft für „per-„; schlaufenförmiges Universalkürzungszeichen ersetzt eine oder mehrere Silben: R(ecipe), vir(dung), geschr(ieben).Interpunktion: überwiegend keine Interpunktion. Vereinzelt markiert eine Virgel den Beginn eines neuen Satzes.Terminatoren: Das Rezeptende markiert entweder ein etc.-Zeichen oder Terminatoren, sowohl in Form einer Virgel als auch in Hakenfom (nach oben geschwungene Virgel).Worttrennung: vereinzelt Worttrennung durch einen einzelnen waagrechten Strich. Korrekturen: einige kleinere Streichungen und Einfügungen. Offensichtliche Schreiberwechsel: Mehrfacher Wechsel mit Hand 3.

Script (fol. 16r-26v, 30r-34v): klare Struktur, Satzspiegel kompakt und dicht beschrieben; geringer Zeilenabstand; Zeilen weisen eine leichte Tendenz nach rechts unten auf; mehrfach größere freie Flächen; auf der linken Seite bündiger Rand, rechts dagegen unregelmäßiger; ausladende und lange Kürzungsstriche; zu Beginn bei zwei Rezeptanfängen Aussparungen für mögliche Initialen; vereinzelt Paragraphenzeichen und Markierungen einzelner Passagen mit einem X bzw. einzelner Rezepte mit einer aufwärts weisenden Pfeilspitze. toggle details

Duktus: geübte Hand, konsistente Buchstabenformen, Schriftbild wirkt jedoch unruhiger, flüchtiger und weniger kalligraphisch als bei Hand 2; schmales, sehr kompaktes Mittelband, Unterlänge deutlich stärker ausgeprägt als Oberlänge; die Schrift wirkt kursiver als jene von Hand 2.Leitbuchstabe <a>: einstöckiges <a>.Leitbuchstabe <l>: <l> meist als leicht nach rechts geneigter senkrechter Schaft mit einem kleinen Fuß; initial auch mit einem leichten Anstrich. In einigen wenigen Fällen ist eine Krümmung nach rechts und eine Verdickung sichtbar, die eine Schlaufe andeutet, sowie noch seltener eine kleine ovale Punze.Leitbuchstabe <g>: überwiegend mit geschlossener Schleife. Die untere Punze weist einen relativ senkrechten Abstrich auf. Die Schleife schließt bündig am oberen Bogen der oberen Punze. In etwa einem Drittel der Fälle weist das <g> ein mehr oder weniger ausgeprägtes waagrechtes Fähnchen auf.Leitbuchstabe <e>: offenes, halbkreisförmiges <e>.Leitbuchstabe <m>, <n>: zackig und spitz und in der Höhe oft nur minimal ausgeprägt; keine Brechungen erkennbar; die Bögen wirken kursiv. In finaler Position weist der letzte Abstrich oft eine deutliche Unterlänge mit einer Krümmung nach links auf. Daneben sind an dieser Position auch <m> und <n> ohne einen verlängerten Abstrich bzw. mit einem geschwungenen Füßchen möglich. <m> und <n> in initialer Position mit verlängertem Aufstrich, der zur Ausbildung einer Schleife tendiert.Langschäfte <b>, <d>, <h>, <k>, <l>: <d> durchwegs rund mit geschlossener Schlaufe und nach links gekrümmt; bei <l> überwiegt der lediglich leicht gekrümmte Schaft; bei <h> sowohl leicht gekrümmter Schaft als aus kleine geschlossene und deutlich nach rechts geneigte Schlaufe; bei <b> sowohl leicht gekrümmter Schaft mit kleiner runder Punze als auch kleine Schlaufe; bei <k> überwiegt der leicht gekrümmte Schaft mit kleiner offener Punze; <k> mit einer kleinen Schlaufe kommt vereinzelt vor.<f>, Schaft-s Unterlänge: <f> und Schaft-s weisen eine ausgeprägte Unterlänge auf. Ihr Schaft ist oft verdickt, vereinzelt ist eine Schaftdopplung erkennbar. Die Oberlängen sind im Vergleich dazu schwach ausgeprägt. Die Bögen sind teilweise offen, teilweise geschlossen. Verschiedene r-Formen: überwiegend gerades <r>, initial mit einem bis zur Grundlinie hinabreichenden Anstrich; vereinzelt rundes <r> an allen Positionen.Verschiedene z-Formen: geschwänztes <z>, initial mit einem ausgeprägten bogenförmigen Anstrich. Das geschwänzte <z> in medialer und finaler Position gleicht der Form nach einer 3 mit eckiger oberer Hälfte und leicht runder unterer Hälfte. Die Unterlänge ist dabei wenig ausgeprägt. Bögen/Unterlänge von <h>, <y> und geschwänztem <z>: Die Unterlängen sind mäßig bis stark ausgeprägt und leicht nach links gekrümmt. Verwendung von Schaft-s und rundem <s>: Schaft-s initial und medial, final nur in Kombination mit geschwänztem <z>; reicht oft nicht in die Oberlage. Rundes <s> überwiegt in finaler Position, hier sowohl zweistöckiges <s> als auch Sigmaform; Letzteres oft mit einem ausladenden Haken: Verwendung von geradem und rundem <d>: rundes, teilweise stark links gekrümmtes <d>.i-Markierung: i-Markierung teilweise vorhanden.Besonderheiten anderer Grapheme: Schaft-s mit <y> ligiert.Zahlzeichen: gekreuztes <i> mit Schlaufe für 1/2.Majuskeln (Verwendung): gelegentliche Verwendung von Majuskeln, stets in Rezepttiteln, an Rezeptanfängen oder an Zeilenanfängen.Verzierungen: eine Zeigehand auf fol. 20v: Rubrizierung: - Diakritika: Doppelpunkt auf <u>, <y>, <o>; <e> superscriptum über <a>, <o>, <u>; <o> superscriptum über <a>.Abbreviaturen: immer wieder ein bis zwei Buchstaben umfassende Abkürzungen; meist Kürzungsstrich und -haken, selten eine er-Kürzung in Kombination mit Schaft-s.Interpunktion: überwiegend keine Interpunktion; vereinzelter Gebrauch der Virgel; einmal Doppelvirgel.Terminatoren: Rezeptende ist überwiegend unmarkiert, jedoch vereinzelt markiert mit etc-Zeichen.Worttrennung: zwei Beispiele von Worttrennungen durch Doppelstrich. Korrekturen: einige kleinere Streichungen und Einfügungen. Offensichtliche Schreiberwechsel: mehrfacher Wechsel mit Hand 2.

Layout

Measure: 80-90 x 110-120 mm

Textblock: einspaltig

Text: Die Blätter weisen überwiegend Hilfslinien zur Markierung des Schriftblocks auf, die mitunter sehr schwungvoll und mit freier Hand gezeichnet zu sein scheinen: Teilweise ist nur der linke Rand markiert, teilweise der linke und der rechte Rand, teilweise das ganze Textfeld mit vier Linien. Auf fol. 97 sind auch die Zeilen durch Hilfslinien eingezeichnet. In einem mittleren Abschnitt der Handschrift (fol. 121r, 122v, 123r, 126v) finden sich mehrere unterschiedliche Zeigehände. Über die ganze Handschrift verteilt dienen Kreuze als Randmarkierungen.

Cover

Condition: guter Erhaltungszustand; Pergamenteinband wirkt abgegriffen und fleckig; an der Außenseite glatt und dunkel und innen rau und heller.

Covering: in eine überschlagende Pergamentdecke geheftet; mit Bindfaden zum Zubinden; Rücken aus braunem Leder mit Rosetten zum Befestigen der Bindfäden.

History

Origin: Entstehungsort unbekannt.

Provenance: Auf dem vorderen Innendeckel findet sich der Name "Jeorg Asperger" und darunter "Ante Jhesum duo CC minus uno milia quinque". Auf dem hinteren Innendeckel kehrt noch einmal der Name "Georgius" wieder, darunter ein Rezept und vier Hausmarken.

Dating: 15. Jh.

How to cite

Denicolò, B. (2021). Wo3, Codicology. In H. W. Klug (Ed.), CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages. Corpus - Analysis - Visualisation. With the help of A. Böhm and C. Steiner. http://hdl.handle.net/11471/562.10.4835 (GAMS. 562.10.4835) (Accessed 2022-11-28)

Sources

Heiles, M. (2020) Handschriftencensus | Wolfenbüttel, Herzog August Bibl., Cod. 78.1 Aug. 8°, Handschriftencensus. Available at: https://handschriftencensus.de/16657 (Accessed: 24 March 2021). Heinemann, O. von (1966) Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Zweite Abtheilung: Die Augusteischen Handschriften V, Wolfenbüttel 1903 (Nachdruck unter dem Titel: Die Augusteischen Handschriften, Bd. 5: Codex Guelferbytanus 34.1 Augusteus 4° bis 117 Augusteus 4°). Frankfurt a. M.: Klostermann (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel. 8.), cf. p. 148. Available at: http://diglib.hab.de/drucke/f4f-539-8/start.htm?image=00160.


HAB – Handschriftendatenbank – Handschrift 78-1-aug-8f (no date) Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel Handschriftendatenbank. Available at: http://diglib.hab.de/mss/78-1-aug-8f/start.htm (Accessed: 25 March 2021).


Giese, M. (2005). 'Das 'Pelzbuch' Gottfrieds von Franken. Stand und Perspektiven der Forschung' In Zeitschrift für deutsches Altertum, 134, pp. 294-335, cf. p. 325.


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