Ilustrierter Führer durch die steiermärkische Landeshauptstadt Graz

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Praktische Zeiteinteilung.

Wer sich in Graz nur einen Tag aufhalten kann, begibt sich vormittags vor allem auf den Schloßberg (Elektrische Seilbahn, I., Kaiser Franz Josef-Kai 40, siehe S. 18), dessen Besuch kein Fremder unterlassen darf (Mindestzeitaufwand 1 Stunde); daran schließt sich ein Gang durch den Stadtpark (S. 27) und ein Rundgang durch die innere Stadt (S. 30). Nachmittags pflegt man einen Ausflug zum Hilmteich (S. 78) zu machen; von der Hilmwarte herrliche Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebung; wenn es dem Fremden paßt, läßt sich im Anschlüsse daran mit Benützung der elektrischen Bahn auch Maria-Trost (S. 78) besuchen. Für den Abend sind vielleicht noch die Vorstellungen des auch verwöhnten Anforderungen entsprechenden Stadttheaters (S. 10) zu empfehlen.

Wer zwei oder mehr Tage bleibt, kann den nächsten Vormittag einer eingehenderen Besichtigung der inneren Stadt und der Museen, des Landhauses, Landes-Zeughauses und Joanneums widmen. Wanderungen durch die Vorstädte siehe S. 61. Von interessanten Halbtagspartien sind ferner zu nennen: Über den Rosenberg zum Stoffbauer und über die Platte nach Maria-Trost, Andritz, Eggenberg - Plabutsch, Ruckerlberg - Laßnitz (S. 80), Ausflugsorte der Wiener Strecke der Südbahn (S. 86) u. a. - Freunde guten Stoffes werden ins Bierdorf Puntigam (S. 86) fahren. Touristen lieben die Tagespartie auf den Schöckel (S. 83), zum Lurloch (S. 88), auf den Hochlantsch (S. 88), allenfalls auf den eigenartig schönen Erzberg (S. 89).

Zur Orientierung

ziehe man vor allem den beigehefteten Stadtplan zu Rate.

Graz liegt an der österreichischen Südbahn (Linie Wien - Triest). Der für alle ankommenden und abgehenden Züge [2] eingerichtete große Südbahnhof(Hauptbahnhof) befindet sich im Westen der Stadt. Graz besitzt außerdem im Südosten der Stadt, am Ende der Jakominigasse, den Staatsbahnhof der k. k. österreichischen Staatsbahnen (Ungarische Westbahn, Züge nach Gleisdorf-Weiz, Fehring - Fürstenfeld - Bierbaum - Neudau, Fehring - Hartberg - Friedberg, von 1911 an über den Wechsel nach Aspang und Wien, Fehring - Budapest), der mit dem Südbahnhof durch einen großen um den West- und Südteil der Stadt und über die Mur führenden Bahnbogen in Verbindung steht, ferner in engem Zusammenhänge mit dem Südbahnhof, südwestlich bei der Eggenbergerstraße, den Köflacher Bahnhof (Graz - Voitsberg - Köflach, Lieboch - Deutschlandsberg - Wies, Lieboch - Preding - Stainz).

Der Südbahnhof vermittelt die bequemste Verbindung mit der Stadt. Der nächste Weg in die innere Stadt, in der sich das Wahrzeichen von Graz, der Schloßberg mit dem Uhrturm, erhebt, führt durch die Annenstraße (elektrische Straßenbahn, Lohnwagen) über den Murplatz und die Franz Karl-Brücke am linken (Ost-) Ufer des Flusses in die Murgasse und auf den Hauptplatz. Auf diesem Platz, in der auf ihn einmündenden, nach Südosten ziehenden Herrengasse und auf dem Jakominiplatze sowie in der Sporgasse und der Sackstraße im Nordwesten spielt sich der Hauptverkehr ab.

Graz zerfällt in sechs Bezirke: I. Stadt, II. Leonhard, III. Geidorf, IV. Lend, V. Gries, VI. Jakomini. Auf dem linken Ufer der Mur liegt die eigentliche oder innere Stadt (I.), die sich um den Schloßberg herumzieht und von dem Stadtpark (ehemals Glacis) und den Kais an der Mur umgeben ist. Auf demselben Ufer liegt ferner Geidorf (III., gegen Norden und Nordosten, geht in die Anlagen am Hilmteich und auf den Rosenberg über), Leonhard (II., im Osten gegen den Ruckerlberg hin, zwischen Elisabethstraße, Schörgel- und Schörgel- und Petersgasse) und Jakomini (VI., im Süden). - Auf dem rechten Ufer liegen die übrigen zwei Bezirke, nördlich von der Annenstraße Lend (IV.), südlich von derselben Gries (V.).

Brücken. Über die Mur führen 7 Brücken, 4 eiserne und 2 hölzerne Fahrbrücken, ferner eine Eisenbahnbrücke. - Die Franz Karl-Brücke, die am reichsten gezierte Brücke von Graz, verbindet die innere Stadt (I., Murgasse) mit dem Murplatz (Annenstraße, IV. und V. Bezirk); die in der Mitte der 1890/91 [3]erbauten, nach Bakalowits’ Entwürfen dekorierten Eisenbrücke emporragenden Obelisken sind von den beiden Bronzefiguren der „Austria“ und „Styria“ (vom Grazer Bildhauer Brandstetter) gekrönt. - Weiter nördlich verbindet die eiserne Ferdinandsbrücke die Wickenburggasse (I. und III. Bezirk) mit der Keplerstraße (IV., Lend). - Ganz im Norden verbindet die Kalvarienbrücke, eine hölzerne Jochbrücke, die Bezirke Geidorf (III.) und Lend (IV.). - Von der Franz Karl-Brücke südwärts findet sich die eiserne Albrechtsbrücke vor (zwischen I., Albrechtsgasse, und V., Tegetthoffstraße), noch weiter gegen Süden (zwischen I. und VI., Radetzkystraße, und V., Brückenkopfgasse) die 1898 erbaute eiserne Radetzkybrücke. - Ganz im Süden befinden sich dicht nebeneinander die hölzerne Schlachthausbrücke (zwischen VI., Schönaugürtel, und V., Karlauergürtel) und die eiserne Staatsbahnbrücke.

Lokale Verkehrsgelegenheiten, öffentliche Anstalten und Geschäfte.

Elektrische Straßenbahn. Linien: 1. Südbahnhof - Hauptplatz - Jakominiplatz - Hilmteich (Stirnscheibe und Lichter weiß, alle 6 Minuten ein Wagen); 2. Südbahnhof - Hauptplatz - Jakominiplatz - Geidorfplatz - Keplerstraße - Südbahnhof (Rundfahrt, Ringlinie, weiß-rot, alle 6 Minuten ein Wagen); 3. Schillerplatz - Jakominiplatz - Griesplatz - Lendplatz - Gösting (grün, alle 7 Minuten ein Wagen); 4. Staatsbahnhof - Jakominiplatz - Hauptplatz - Sackstraße - Körösistraße - Andritz (rot, alle 7 Minuten ein Wagen); 5. Leonhardkaserne - St. Leonhard-Maut (gelb, vormittags alle 12 Minuten, nachmittags alle 6 Minuten ein Wagen); 6. Griesplatz - Puntigam (weiß-blau, alle 12 Minuten ein Wagen); 7. Kurhaus Eggenberg - Annenstraße - Jakominiplatz - St. Peter (blau, alle 10 Minuten ein Wagen); 8. Annenstraße (Eggenbergergürtel) - Wetzeisdorf (weiß-gelb, alle 10 Minuten ein Wagen). Beginn des Verkehres durchschnittlich um 6 Uhr morgens, Schluß für die Außenlinien gegen 10 Uhr nachts, für den Verkehr vom Südbahnhof um 11 Uhr (Sommer halb 12 Uhr) nachts. - Für längeren Aufenthalt empfiehlt sich Abonnement.

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Elektrische Kleinbahn Graz - Maria-Trost. Anfangsstation in der an den Stadtpark grenzenden Zinzendorfgasse (III. Bezirk). Fahrtdauer 25 Minuten, alle 12 Minuten ein Zug (36 /?).

Schloßbergbahn. Elektrisch betriebene Seilbahn. Station Kaiser Franz Josef-Kai 40; 15 Minuten-Verkehr, Bergfahrt 40 h, Talfahrt 20 h.

Ein- und Zweispänner-Lohnwagen.

1. Fahrten im Stadtgebiete. A. Zeitfahrten: 1. Für die erste Viertelstunde Einspänner 60 h. 2. Für die erste halbe Stunde Einsp. 1 K, Zweispänner 1 K 20 h. 3. Für dreiviertel Stunden Einsp. 1 K 40 h. 4. Für eine Stunde Einsp. 1 K 60 h, Zweisp. 2 K; mit zweispännigem Gummiwagen 3 K. 5. Für jede weitere Viertelstunde Einsp. 40 h. 6. Für jede weitere halbe Stunde Zweisp. 1 K. 7. Für den halben Tag, u. zw. von 6 Uhr früh bis 12 Uhr mittags Einsp. 5 K, Zweisp. 6 K, von 2 Uhr nachmittags bis 9 Uhr abends Einsp. 6 K, Zweisp. 8 K. 8. Für den ganzen Tag Einsp. IOK', Zweisp. 14 K. Bei Nachtfahrten, d. i. von 9 Uhr abends bis 6 früh, ist für die Nachtzeit um die Hälfte der obigen Taxe mehr zu entrichten.

B. Tourfahrten: 1. Vom oder zum Südbahnhof bei Tages- oder Nachtzeit mit Ausnahme der beiden Nacht-Eilzüge: a) in oder von den Bezirken Lend (IV.) und Gries (V.) Einsp. 1 K, Zweisp. 1 K 60 h; b) in oder von dem Bezirke Stadt (I.) Einsp. 1 K 40 h, Zweisp. 2 K; c) in oder von den Bezirken St. Leonhard (II.), Jakomini (VI.) und Geidorf (III.) Einsp. 1 K 80 h, Zweisp. 2 K 60 h. 2. Vom oder zum Südbahnhof zu den beiden Nacht-Eilzügen : a) für die Bezirke Lend (IV.) und Gries (V.) Einsp. 2 K, Zweisp. 2 K 40 h; b) für den Stadtbezirk (I.) Einsp. 2 K 20 h, Zweisp. 3 K; c) für die Bezirke Jakomini (V.), St. Leonhard (II.) und Geidorf (III.) Einsp. 2 K 60 h, Zweisp. 3 K 60 7?.

3. Vom oder zum Staatsbahnhof bei Tages- oder Nachtzeit: a) in oder von den Bezirken Stadt (I.), Jakomini (VI.) und St. Leonhard (II.) Einsp. 1 K 60 h, Zweisp. 2 K; b) in oder von den Bezirken Gries (V.), Lend (IV.) und Geidorf (III.) Einsp. 2 K, Zweisp. 2 K 60 h; c) zum Südbahnhof und umgekehrt Einsp. 2 K 40 h, Zweisp. 3 K 20 h.

Bei den Bahnhoffahrten ist für das Gepäck, welches im Wagen untergebracht werden kann, nichts zu bezahlen; für [5]das Gepäck jedoch, welches auf dem Kutscherbocke oder rückwärts am Wagen untergebracht werden muß, darf der Lohnkutscher eine Gebühr von 40 h ohne Rücksicht auf die Anzahl der Gepäckstücke beanspruchen.

Obige Taxen für die Bahnhoffahrten finden jedoch dann keine Anwendung, wenn der Wagen zugleich für andere Zeit- oder Tourfahrten gemietet wurde.

4. Von oder zu den Theatern oder Unterhaltungen in öffentlichen Lokalitäten, ohne Rücksicht auf die Tageszeit: a) in demselben Bezirke Einsp. 1 K 20 h, Zweisp. 1 K 60 h; b) in einem andern Bezirke Einsp. 1 K 60 h, Zweisp. 2 K.

5. Vom oder zum Hilmteich Einsp. 1 K 60 h, Zweisp. 2 K.

6. Auf den Rosenberg bis zur Grenze des Stadtgebietes und bis zum „Stoffbauer“ Einsp. 3 K, Zweisp. 4 K.

7. Auf den Schloßberg: a) bis zum Uhrturm Zweisp. 4 K, b) bis auf das Plateau Zweisp. 6 K.

II. Fahrten in die Umgebung von Graz. A. Zeitfahrten: In die im Umkreise von 7-5 km gelegenen Ortschaften, als: Andritz, Bründl bei St. Martin, Einöde, Eggenberg, Gösting, St. Gotthard, Liebenau, Maria-Grün, Maria-Trost, St. Peter, Puntigam, innere Ragnitz, Ruckerlberg, Seiersberg, Straßgang, St. Veit, a) für den halben Tag, u. zw. von 6 Uhr früh bis 12 Uhr mittags Einsp. 5 K, Zweisp. 6 K, von 2 Uhr nachmittags bis 9 Uhr abends Einsp. 6 K, Zweisp. 8 K; b) für den ganzen Tag Einsp. 10 K, Zweisp. 14 K.

In die weiteren im Umkreise von 15 km gelegenen Ortschaften, als: Andritz-Ursprung, Tobelbad, Gratwein, Judendorf, Lustbühel, Premstätten, äußere Ragnitz, Rein, Stiftingtal, Thal, a) für den halben Tag, u. zw. von 6 Uhr früh bis 12 Uhr mittags Einsp. 6 K, Zweisp. 8 K, von 2 Uhr nachmittags bis 9 Uhr abends Einsp. 7 K, Zweisp. 10 K; b) für den ganzen Tag Einsp. 11 K, Zweisp. 16 K. Bei Nachtfahrten, d. i. von 9 Uhr abends bis 6 Uhr früh, ist für die Nachtzeit um die Hälfte der obigen Taxe mehr zu entrichten.

B. Tourfahrten: 1. Eggenberg, Einöde, St. Peter: Einsp. 2K, Zweisp. 3 K. 2. Unter-Andritz, Gösting, St. Gotthard, Liebenau, Maria-Grün, Maria-Trost, St. Martin (Bründl), Puntigam, innere Ragnitz, Ruckerlberg, Straßgang, St. Veit: Einsp. 3 K, Zweisp. 4 K.

Die Fahrgäste werden im eigenen und im Interesse der Aufrechterhaltung der Ordnung ersucht, alle Übertretungsfälle bei [6]dem Stadtrat als Sicherheitsbehörde, I., Schmiedgasse 26 (Amtshaus), mündlich oder schriftlich, in diesem Falle unter Angabe des Namens und der Wohnung, anzuzeigen.

Miet-Automobile: Josef Strohmaier, I., Jungferngasse 10 und Frauengasse 2. - Franz Hold, IV., Fellingergasse 10. Otto Hemetsberger, V., Idlhofgasse 48.

Dienstmänner. Zwei Anstalten: „Union“ und „Verein der Grazer Dienstmänner“. Maximaltarif: A. Botengänge: Für einen Gang mit mündlichen Aufträgen oder Paketen bis zum Gewichte von 5 kg innerhalb desselben Bezirkes 40 h, in einen angrenzenden Bezirk 60 h, in jeden andern Bezirk 80 h. B. Bahnhofdienst: a) zum Süd- oder Staatsbahnhof mit Ausnahme der Frachtenmagazine für einen Gang mit mündlichen Aufträgen oder Paketen bis zum Gewichte von 5 kg, wenn der Bahnhof im gleichen Bezirke liegt, 50 h, wenn im angrenzenden, 70 h, wenn in einem nicht angrenzenden, 90 h; b) zu den Frachtenmagazinen der Bahnhöfe bei derselben Zoneneinteilung 1 K, 1 K 20 h und 1 K 40 h. Für einen Gang mit Paketen im Gewichte über 5 kg bis 20 kg gelten jedesmal die doppelten Tarifsätze. - Jeder Dienstmann ist verpflichtet, den Tarif bei sich zu tragen und über Verlangen dem Auftraggeber vorzuzeigen.

Post, Telegraph und Telephon. Haupt-Post- und Telegraphenamt: I., Neutorgasse 46 (Briefpostaufgabe vom 1. April bis 30. September von 7 Uhr früh bis 8 Uhr abends, im Winter von 8 Uhr früh an. Telegraphen- und Telephondienst Tag und Nacht, auch an Sonn- und Feiertagen, dagegen Briefpost (poste restante) an Sonn- und Feiertagen nur von 8 Uhr 30 Minuten bis 10 Uhr 30 Minuten im Sommer, von 9 bis 11 Uhr im Winter. Ferner 14 Filial-Post- und Telegraphenämter: Südbahnhof, Staatsbahnhof, Murvorstadt (Annenstraße 19), Gries (Brückenkopfgasse 9), Jakomini (Schlögelgasse 9), Elisabethstraße 4, Sackstraße 18, Beethovenstraße 28, Sparbersbachgasse 46, Brockmanngasse 76 (Finanz-Zentralgebäude), Heinrichstraße 9, Grabenstraße 18, Wienerstraße 2, Karlauerplatz 9.

Hotels ersten Ranges. Am rechten Murufer (Südbahnhofseite): Hotel Elefant, V., Murplatz 13, feines Haus, schöner Speisesaal, Sommerterrasse und Garten. - Hotel Daniel, unmittelbar am Bahnhof, mit Restaurant und Cafe. - Grand [7] Hotel Wiesler, V., Griesgasse 5 und Grieskai 4, vornehmes, neu erbautes Haus (Architekt M. Kammerer, Wien). - Hotel Florian, V., Griesgasse 15 und Grieskai 12 (letztere beide an der Mur gelegen, Ausblick auf den Schloßberg). - Am linken Murufer (Schloßbergseite): Hotel Erzherzog Johann, I., Sackstraße 5, renommiertes Haus, gute Küche, im Sommer Hofsalon. - Hotel Goldene Birne, II., Leonhardstraße 8, in der Nähe des Stadtparkes, gute Küche, schöne Zimmer, besonders für längere Dauer empfohlen. - Grand Hotel Steirerhof, Jakominiplatz 12, bequeme Lage, gute Küche und Getränke, schöne Zimmer, auch für längere Dauer.

Andere gute Hotels. Am rechten Murufer: Drei Raben, Annenstraße 43. - Goldene Sonne, Mariahilferstraße 12. - Goldenes Roß, Mariahilferstraße 9. - Goldener Löwe, Mariahilferstraße 4. - Am linken Murufer: Hotel Kaiserkrone, Färbergasse 6. - Schimmel, Reitschulgasse 31. - Für bescheidenere Ansprüche gibt es noch eine Reihe Einkehrgasthäuser, wie Schütz, Elisabethinergasse 12. - Schwan, Annenstraße 3. - Brauner Hirsch, Münzgrabenstraße 1. - Drei Hacken, V., Schulgasse 13. - Goldener Engel, IV., Lendplatz 1.

Pensionen: Plentl, III., Goethestraße 3. - „Iris“, III., Bergmanngasse 10. - Torggler, III., Beethovenstraße 5. - Villa Erika, III., Johann Fux-Gasse 27. - Schwarzmann & Glogau, I., Hamerlinggasse 6. - Grabenhofen, am Rosenberg, Hochsteingasse 59. - Prohaska, am Rosenberg. - Landrichter, Ruckerlberg. - „Gesundbrunn“, IV., Wienerstraße 182.

Restaurants und Bierhäuser. Stadttheater-Restauration mit Terrasse und Sitzen im Freien, neben dem neuen Stadttheater in der Nähe der Herrengasse, empfehlenswerte Küche; feines Publikum. - Schwechater Bierhalle, Herrengasse 13 (Neubau vom Architekten J. Hötzl). - Liebls Restauration „Zur Stadt Neugraz“, Ecke der Hamerling- und Hans Sachs-Gasse, vorzügliches Pilsener Bier. - Budweiser Bierhalle, Jungferngasse 3. - Nußdorfer Hofbräu (Kohl), Kaiserfeldgasse 3. - Puntigamer BierhalleZum wilden Mann“, Jakominigasse 3 (Neubau vom Architekten Fr. Hofmann, im Märchensaale Fries vom Professor A. v. Schrötter). - Restauration „Zur Technischen Hochschule“, Rechbauerstraße 19. - Berger Eduard, Grabenstraße 12, mit Garten, Münchener Spatenbräu. - „Zum Stern“, gegenüber der [8] Herz Jesu - Kirche, mit Garten. - Rohrers Gasthaus, Körösistraße 18, mit Garten. - Deutingers Gasthaus, Elisabethinergasse, mit Garten u. s. w. - Ein Automaten-Büfett in der Murgasse 3. - Ferner haben sämtliche Hotels gute Restaurationen; die heimischen Reininghauser und Puntigamer Biere sind sehr beliebt.

Große Bierhallen. Im Sommer Gartenkonzerte: Annensäle, gleich am Südbahnhof, Annenstraße 72. - Orpheum (im Winter Variete-Theater, im Sommer Vorstellungen auf der Gartenbühne) vorzügliches Restaurant, Jakobigasse. - Steinfelder Bierhalle, Münzgrabenstraße 10. - Hier wäre auch zu nennen die Restauration „Zur Schloßbergbahn“ auf dem oberen Schloßbergplateau (auch hier Konzerte im Freien). - Brauhausrestaurationen in Gösting und Puntigam, zweimal wöchentlich Konzerte.

Weinstuben. Altdeutsche Weinstube, Herrengasse 13 (Champagner- und Flaschenweinverkauf der Firma Kleinoscheg, deren steirische Schaumweine hochberühmt sind, Herrengasse 18). - Landhauskeller im Landhaus (steirische Weine). - Weinstube der Steiermärkischen Sparkasse, Stainzerhofgasse 1 (Sparkassagebäude). - Tiroler Weinstube, Prokopigasse.

Grazer Spezialitätengeschäfte. Grazer Zwieback (Kakes, Biskuite) bei Fridolin Spreng, Bürgergasse 7 (nahe der Domkirche). - Steirische Hüte bei Anton Pichler, Fabrik in der Karlauerstraße 26, Niederlagen Murplatz 9 und im neuen Thonethof, Herrengasse. - Josef Pichler & Söhne, Fabrik Körösistraße, Niederlage Murgasse 10. - Steirischer Loden: Fabrik Rathleitner & Sohn, Lendplatz 40; Handlung Vinzenz Oblack, Hoflieferant, Murgasse 9, und R. Rollet, k. k. Hof-Tuchhändler, Murgasse 14. - Steirische Schaumweine: Kleinoscheg, Geiling, Kieslinger etc. - Steirische Kapaune: G. Dolenz, Landhausgasse. - Verkaufsstände am Kapaunplatze nächst dem Hauptplatze.

Vegetarisches Speisehaus „Zur Wohlfahrt“, Hauptplatz 13.

Cafes ersten Ranges (in denen Zeitungen des In- und Auslandes am zahlreichsten aufliegen): Kaiserhof, Bismarckplatz 10. - Thonethof, Herrengasse 16. - Europa, Herrengasse 7. - Union, II., Lichtenfelsgasse 21. - Cafe Humboldt, III., Ecke Bergmanngasse und Humboldtstraße. - Cafe Pietzsch im Stadtpark (sehr oft Konzerte im Freien), im Sommer einzig schöner Frühstückplatz. (Diese sämtlich am linken Murufer.)

Kaffeehäuser (in denen gleichfalls viele Zeitungen aufliegen): Am rechten Ufer: Cafe Daniel in der Nähe des Süd- [9] bahnhofes. - Österreichischer Hof, Annenstraße 10. - Helm, Murplatz 16. - Am linken Ufer: Nordstern, Sackstraße 2. - Promenade, Erzherzog Johann-Allee (am Burgtor), Plätze im Freien. - Stadttheater, Karl Ludwig-Ring 20. - Krentschker (vorm. Cafe Seidl), Glacisstraße 43. - Central, Sackstraße 9. - Universität, Heinrichstraße 21. - Post, Neutorgasse, gegenüber dem Museum. - Wien, Rechbauerstraße 12. - Austria, Sparbersbachgasse 63.

Badeanstalten. Dr. Justs Licht- und Wasserheilanstalt „Jungborn“ (Heißluftbäder u. s. f.), II., Brandhofgasse 17 und 19. - Höflers Sommervollbad, Lichtenfelsgasse 9. - Bad „Zur Sonne“ (Bäder aller Art, Dampfbad, Schwimmanstalt), V., Tegetthoffgasse 13 und 15. - Badeanstalt „Gesundbrunn“ (Licht-, Luft- und Sonnenbäder, Kastendampfbäder u. s. w.), IV., Wienerstraße 182. - Städtisches Volksbad (Brause- und Wannenbäder), IV., Gabelsbergerstraße 3, und VI., Friedrichgasse 41. - Flußbäder und Schwimmanstalten: Militärschwimmschule (für Herren und Damen), III., Körösistraße und Schwimmschulkai 12, ferner Schwimmanstalten in der Körösistraße 42 und Körösistraße 58 (III. Bezirk).

Bankgeschäfte (Wechselstuben). Filiale Graz der Österreichisch-Ungarischen Bank, Schmiedgasse 35. - K. k. priv. Steierin. Escompte-Bank, Herrengasse 13. - Wiener Bankverein, Filiale Graz (vorm. Neuhold), Herrengasse 9. - Filiale der K. k. priv. Österr. Länderbank (vorm. Mayer & Co.), Herrengasse 1. - Filiale der Anglo-Österreichischen Bank, Joanneumring 3. - K. k. priv. Böhmische Union-Bank, Filiale Graz, Bismarckplatz 1. - Zentralbank der Deutschen Sparkassen, Zweiganstalt Graz, Hauptplatz 16 und 17. - Südmärkische Volksbank, VI., Radetzkystraße 1. - K. k. priv. Allgemeine Verkehrsbank, Filiale Graz, Bismarckplatz 3. - Alpenländische Escompte-Gesellschaft (Tomaschek & Jungl), IV., Annenstraße 10.

Reise-Auskunftsbureaus. Auskunftstelle des Landesverbandes für Fremdenverkehr in Steiermark, I., Hauptplatz 3, I. Stock. - Franz Kloibers Söhne, I., Neutorgasse 42. - Tomaschek & Jungl, IV., Annenstraße 10. - S. Schwarz, V., Annenstraße 61.

Buchhandlungen (woselbst auch Auskünfte jeder Art bereitwilligst erteilt werden): Ulrich Mosers Hof-Buch- und Kunsthandlung (J. Meyerhoff), I., Herrengasse 23, im Stadtpfarrhof. - Ferner Leuschner & Lubensky, Sporgasse 11. - Franz Pechei, [10] Herrengasse 3. - Buchhandlung „Styria“, Albrechtgasse 5. - M. Pock, Hauptplatz. - Georg Piesch, II., Leonhardstraße 8.

Antiquariate. Bartsch, Schmiedgasse 13. - Budinsky, Reitschulgasse 10. - Cieslar, Hamerlinggasse 1. - August Seelig, Bismarckplatz 2. - Erber, Murgasse 12.

Kunsthandlungen. Ulrich Mosers Kunsthandlung, Herrengasse 23. - Karl Tendier, Herrengasse 7.

Musikalienhandlungen. Franz Pechei, Herrengasse 3. - M. Pock, Hauptplatz (Rathaus). - August Seelig, Bismarckplatz 2. - Karl Tendier, Herrengasse 7.

Theater und Vergnügungsorte.

Stadttheater am Karl Ludwig-Ring, für große Oper, Operette, Schauspiel, Lustspiel, täglich Vorstellung. -Theater am Franzensplatz (ehemals Landestheater) für Schauspiele u. s. w. Spielzeit beider unter einer Direktion vereinigten städtischen Bühnen vom 1. September bis 31. Mai. - Grazer Orpheum (Variete), IV., Jakobigasse (Bier- und Rauchtheater), gute Kräfte, Vorstellungen in den Wintermonaten im Saal, im Sommer im Freien. - Industriehalle (größter Saal der Stadt), im Winter Bälle und Konzerte; hübsche Gartenanlagen, Trabrennbahn, VI., Jakominigasse. - Großer Stephaniensaal (Konzertsaal mit herrlicher Orgel von Walcker in Ludwigsburg), Kammermusiksaal, Haupteingang und Zufahrt Ecke der Landhaus- und Stainzerhofgasse (I.). - Landschaftlicher Rittersaal im Landhause (Konzerte). - Schließlich gibt es Garten- und Salonkonzerte in den Annensälen (IV., Annenstraße), in der Schwechater Bierhalle (Herrengasse 13) und in der Steinfelder Bierhalle (VI., Schießstattgasse 2). - Schloßbergrestauration etc. siehe unter Bierhallen.

Panorama International, I., Jungferngasse 2.

Bioskope: Grazer Bioskop, VI., Jakominigasse 104. - Bioskoptheater Annenhof, V., Annenstraße 29. - Stadtbio, I., Joanneumring, beim Kriegerdenkmal.

Denkmale.

Brunnendenkmal für Erzherzog Johann (Hauptplatz); Pönninger, 1878. Standbild des Kaisers Franz I. (Franzensplatz); Marchesi, 1841. Standbild Anastasius Grüns (Stadtpark); Kundmann, 1887. Standbild des Stadtparkbegründers [11]Ritter v. Franck (Stadtpark); Hellmer, 1900. - Waldlilie (Stadtpark); Brandstetter, 1885. - Hamerling-Denkmal (Stadtpark); Kundmann, 1904. - Schillerbüste (Stadtpark); Hans Gasser. - Büste Kaiser Josefs II. (Karl Ludwig-Ring); Peckary, 1887. -Denkmal des Feldzeugmeisters Wilhelm Herzog von Württemberg (am Stadtkai bei der Radetzkybrücke); Winkler, 1907. Jahn-Denkmal (bei der Landesturnhalle); Schneiber, 1902. Denkmal des Feldmarschall-Leutnants Freiherrn v. Weiden (Schloßberg); Gasser, 1859. - Hackher-Denkmal (Schloßberg); .Jarl, 1909. - Kriegerdenkmal für 1878 (Joanneumring); seit 1902. - Büste des Mineralogen Mohs (Joanneumshof). -Morre-Denkmal (Volksgarten); Brandstetter.

Epitaph für Kaiserin Elisabeth (1899); Kriegerdenkmal für 1864 (1889). Beide in der Barmherzigenkirche (Annenstraße). - Epitaph für den Prälaten Hebenstreit (Chorschluß der Domkirche); Brandstetter, 1903.

Gedenktafeln.

Robert Hamerling (I., Hamerlinggasse 6). J. B. Fischer v. Erlach (I., Pfarrgasse 4). - Franz Schubert (I., Herrengasse 16, Generalihof). Kajetan Sweth, Schreiber Andreas Hofers (I., Sporgasse 14). - I. Schrötter Ritter v. Kristelli (I., Sporgasse 32). - Karl v. Strehmayer (I., Karmeliterplatz 2). Anastasius Grün (II., Elisabethstraße 5). Adolf Jensen (II., Maiffredygasse 2). - Martin Teimer, Tiroler Freiheitskämpfer (III., Grabenstraße 30). - Leopold Auenbrugger (V., Murplatz 5). - L. K. Seydler, Komponist des Dachsteinliedes (Mesnerhaus zu St. Leonhard). - Anna Gräfin Buttler-Stubenberg, Komponistin (Bürgergasse 20).

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Das Stadtbild.

Je nach der Richtung, in der man sich der Stadt nähert, ändert sich auch das Bild ihrer Lage in der Landschaft.

Der Eindruck, den das Auge beim Verlassen der Göstinger Enge empfängt, ist unvergeßlich; nach Norden und Osten weichen die höheren Bergzüge zurück und erschließen den Formenreichtum ihrer Vorstufen; im Westen bleiben sie mit ihren schattigen Wäldern noch nahe und wirken im Gegensätze durch das unmittelbare Aufsteigen aus der Ebene. Man folgt dem lichten Laufe der Mur und sieht auf einmal mitten aus der Weite den Schloßberg über Gärten und Häuser emporragen. Ohne jede Verbindung steht er beherrschend am Rande des Flusses und diese Unmittelbarkeit ist Beweis genug dafür, warum gerade hier eine Siedlung entstand.

Wie anders ist das Bild, wenn man sich vom Süden her der Stadt nähert (siehe Titelbild)! Durch Äcker, Wiesen und leichte Waldbestände läuft der Schienenweg. Bald nach Wildon sieht man das ruhige Massiv des Schöckels beherrschend am nördlichen Horizont emporsteigen; allmählich treten auch die Vorberge und die Höhen des Westens deutlicher heraus und knapp vor der Einfahrt in die Station sieht man die Stadt vor sich liegen, mitten in den Bergen und Hügeln, beschützt von den großen Erhebungen im Norden und Westen. Einer Warte gleich ragt der Schloßberg aus den Häusermassen empor.

Am reizvollsten vielleicht wirkt das Gesamtbild der Stadt in späten Nachmittagsstunden, von den östlichen Hügeln gesehen; wenn im Frühjahre die Obstbäume ihre Blüten aufschließen, die zarten Birken das erste Grün ansetzen und die Äcker bestellt werden, vergißt man die Nähe einer großen Stadt, so sehr verbirgt sie sich unter dem Grün ihrer Gärten. In tiefem Schatten liegen die westlichen Höhen und der Schloßberg, aber die weite Ebene und die östlichen Hügel sind von dem warmen Licht erfüllt, dessen tägliches Verschwinden oft wundervolle Farbenspiele entstehen läßt.

Wer Graz kennen lernen will, sollte sich Zeit lassen, um alle Reize seiner Lage und seiner Umgebungen in sich aufzunehmen, um in weiten Talgründen, in stillen Nadel- und Laubwäldern, auf den Höhenstraßen oder auf den Rücken der Berge [18] zu wandern; er findet nicht überwältigende Größe, wohl aber vielfachen Anlaß zu ruhigem Genüsse.

Wem aber Hast und Eile längeres Verweilen versagen, dem gibt die Besteigung des Schloßberges Gelegenheit, in Kürze einen unvergeßlichen Überblick über die Stadt und ihre Lage zu gewinnen.

Der Schloßberg.

Hart am Laufe der Mur steigen die schroffen Felsen der Westseite empor, die gleich dem steilen Abfalle der Nordseite den Zugang erschweren; nach Süden und Osten senkt sich der Berg allmählich ab und gestattet dort mehrere bequeme Aufstiege. (1. Zufahrtstraße von Südosten durch den Bogen des Hauses Paulustorgasse 1, rascher, leichter Zugang, der nach wenigen Schritten weite Fernblicke über die Dächer des Krankenhauses hinweg nach Osten eröffnet; an der Kehre das sogenannte Franzosenkreuz, Blick gegen Maria-Trost. 2. Promenadeweg in unmittelbarer Verbindung mit dem Stadtpark im Nordosten, gleich außerhalb des Paulustores, am >Jahn-Denkmal vorbei. 3. Fußwege von der Wickenburggasse im Norden, einer davon der „Major Hackher-Weg“, mit schönen Blicken auf Rosenberg, Platte und Rainerkogel sowie auf die Murenge; auch Zufahrt, die beim Schweizerhaus die früher genannte Straße trifft. Die felsige Westseite entbehrt noch eines [bereits geplanten] direkten Aufstieges von der Sackstraße aus; doch stellen hier mehrere Wege in verschiedenen Höhenlagen die Verbindung zwischen der Südost- und Nordseite des Berges her. Am bequemsten ist die Benützung der Schloßbergbahn [Fußstation Kaiser Franz Josef-Kai 40]. Diese heute elektrisch betriebene Seilbahn wurde 1893/94 vom Ingenieur Ludwig Schmidt erbaut und führt in einer leichten Kurve mit einer Steigung von 60 Prozent auf das Plateau. - Neben der Kopfstation befindet sich das Restaurant „Schloßbergbahn“.)

Bis in das erste Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts diente der Schloßberg als Festung, wozu ihn die isolierte Lage in der Ebene am Flusse sowie der steile Abfall der Nord- und Westseite geschaffen hatte. Wann zuerst eine solche errichtet ward, ist ungewiß, nach manchen Spuren vielleicht schon in römischer Zeit. Aus verschiedenen Perioden des Mittelalters [19] hören wir von den Befestigungswerken und von Arbeiten an ihnen. Bedeutend verstärkt und ausgebaut wurden sie um die Mitte des 15. Jahrhunderts unter Friedrich III., um gegen die fortwährend drohenden Türkeneinfälle Schutz zu bieten. In den Jahren 1544 bis 1559 erfolgte die Modernisierung der Schloßbergfestung. Erst das Kriegsjahr 1809 bewies deren Stärke: der Major des Geniekorps Franz Hackher zu Hart, unterstützt vom Ingenieur-Hauptmann Karl Freiherrn von Cerrini, verteidigte sie mit 896 Mann Besatzung und 26 Geschützen so tapfer gegen die französische Übermacht unter Broussier, daß die durch den Znaimer Waffenstillstand vereinbarte Räumung der Festung unter militärischen Ehren erfolgte. Im Spätherbste des Jahres schleiften die Franzosen nach den Bedingungen des Wiener Friedens die Werke. Den Uhrturm und den Glockenturm hatte sich die Bürgerschaft durch schwere Geldopfer gerettet.

Sieben Jahre später kauften die Stände den total verwüsteten Berg dem Ärar ab und veräußerten einige kleine Teile an Privatleute. Aber erst das Jahr 1839 bedeutet in der Geschichte einen Wendepunkt: Der damalige Divisionär Ludwig Freiherr v. Weiden legte den Ständen den Plan vor, den fast kahlen Felsenhügel in einen Park zu verwandeln. Der Vorschlag wurde sofort angenommen und Weiden mit der Oberleitung der Arbeiten betraut. So entstanden die herrlichen Anlagen auf den Hängen und Plattformen des Berges, die in ihrem reichen Gedeihen kaum mehr dessen frühere Bestimmung ahnen lassen. Man hat der Natur wieder gegeben, was ihr einst die Furcht vor feindlichen Überfällen genommen hatte. Große Tannen und Fichten stehen dunkel unter wirrem Birkengeäst, wilder Wein überzieht die Basteien und über dem Ganzen ruht erfrischende Stille; wenige Schritte entführen den Ermüdeten aus dem Treiben der Stadt in die freie, luftige Höhe.

Dort nun eröffnet sich nach allen Seiten ein herrlicher Rundblick auf die gegensatzreiche Landschaft, deren Aufbau sich erst hier völlig erfassen läßt. Den nordwestlichen Horizont schließt der in seinen Linien einfache Zug der Stub- und Glein-alpe; an ihn reiht sich im Westen die langgestreckte Koralpe. Während genau im Süden der tafelförmige Wildonerberg sich wie ein Riegel vorschiebt, sieht man zwischen ihm und dem Koralpenzug die Höhen des Poßruck, bei klarem Wetter auch die des Bachergebirges emporsteigen. Vor diesen ferneren Ketten stehen [20] die Vorberge, welche unmittelbar zur Grazer Ebene abfallen, so im Westen der lange, kräftig gegliederte Kamm mit dem Buchkogel und dem Plabutsch; am nördlichen Talschlusse die Erhebungen mit der Cholerakapelle und der Ruine Gösting. Klare Frühlings- oder Herbstnachmittage verleihen diesem Teile besonderen Reiz; das Sonnenlicht zeichnet die Silhouetten der den Lauf der Mur bestimmenden Ketten in feinen Earbenabstufungen gegeneinander ab. In unmittelbare Nähe rücken die Berge im Norden und Nordosten. Der Schöckel als höchste Erhebung beherrscht sie alle; sein allmähliches Emporsteigen läßt sich an den Ausläufern verfolgen, die im Rosenberg und Rainerkogel bis ins Weichbild der Stadt reichen. Die östlichen Hügel schließlich wirken durch die Gleichmäßigkeit ihrer Erhebungen und durch den sanften Verlauf, mit dem sie sich in der Ferne verlieren. Gegen den Wildonerberg hin treten sie näher an die Mur und schließen in weiter Perspektive den südlichen Teil des Horizontes.

In dem Bilde, das sich da vor uns ausbreitet, ist für die Ebene und die Vorberge des Ostens ein helles, frohes Grün in mancherlei Abstufungen Hauptfarbe; dunkle Nadelwälder bedecken die nördlichen und westlichen Höhen. Das Ganze belebt der Lauf der Mur mit ihren sanften Bogen im Norden und dem regulierten Bette im enger bebauten Stadtgebiete, während ihre südlichen Windungen durch prächtige Auen nur da und dort im Lichte aufblitzen.

Nicht minder reizvoll als die Fernsicht auf die Hügel und Berge der Umgebung ist ein Blick auf die Stadt selbst und ihre Anlage (Abb. S. 21).

Dicht an den Schloßberg schmiegt sich, durch malerische Dächer und eine reiche Massenentwicklung sofort erkennbar, die Altstadt Graz; ihre Westgrenze bildet die Mur, im Norden, Osten und Süden umfängt sie der auf den Glacis angelegte Stadtpark. Größere Reste der Festung stehen beim Burgund Paulustore, die Gräben sind seit längerer Zeit verschüttet und auf den Wällen waren schon 1787 Alleen angelegt worden.

Zwei uralte Straßenzüge begleiten den westlichen Steilabhang des Schloßberges und dessen sanfteren Abfall im Südosten, die Sporgasse und die Sackstraße, die heute großenteils in einen Kai umgestaltet ist; einst war die eine Häuserreihe dicht an die Mur geschoben und bot mit ihren Gängen und Stützmauern ein malerisches Bild.

[21] [22]

Wo Sporgasse und Sackstraße Zusammentreffen, liegt der dreieckige Hauptplatz, der Mittelpunkt von Graz. Er entsendet nach Süden zwei einander parallele Straßenzüge, die Herren- und die Schmiedgasse. Die Häusergruppen westlich von ihm werden von der schräggestellten Franziskanerkirche beherrscht; was östlich gebaut ist, gipfelt in der reichen Gruppe der Domkirche und der Mausoleumskuppeln sowie der Burg. Im Süden hebt sich der Turm der Stadtpfarrkirche über die Dächer empor.

Zwischen diesen Linien und Gruppen stellen enge Gassen und weitere Plätze bequeme Verbindungen her; auch sie tragen durch die Bewegung und Verschiebung der Baumassen, die sich in einer reichen Dachentwicklung äußert, zur Belebung des Gesamtbildes bei. Stellenweise erscheint selbst hier mitten in den Höfen belebendes Grün.

Weit freier und ungezwungener konnten sich die Vorstädte entwickeln, deren Verbindung mit der Stadt der Überblick sehr deutlich zeigt. So vor allem die Stadtteile auf dem rechten Murufer, die sich um die alte „Murvorstadt“ gruppieren. Für ihre Bebauung war die westöstliche Verbindungsstraße zur Hauptbrücke und der Längszug der Reichsstraße (Wienerstraße, Lendplatz, Mariahilferstraße, Griesgasse und Griesplatz, Karlauer- und Triesterstraße) maßgebend. Erst die Verlegung der Eisenbahn an die westliche Grenze der Stadt hat zur Anlage neuer und zur Fortsetzung alter Querstraßen geführt. Dagegen macht sich nur ein alter diagonaler Straßenzug geltend, dessen südwestlicher Verlauf vom Schloßberg aus sich gut beobachten läßt.

Noch reizvoller sind die alten Verkehrswege der Vorstädte auf dem linken Murufer, die Adern gleich das formenreiche Gelände durchziehen und großenteils in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten sind; stufenweise nimmt die sie begleitende Bebauung an Höhe ab und ist mit dem saftigen Grün alter, großer Hausgärten untermischt. Gerade diese machen den Ausblick vom Schloßberge so erfrischend und abwechslungsreich und lassen keine Gedanken an großstädtische Bevölkerungsdichte aufkommen. Doch schieben sich nun zwischen jene alten natürlichen Verkehrswege die schematisch und langweilig angelegten neuen Quartiere mit ihren gleichförmigen Straßen, die sich nur hin und wieder durch einen zufälligen Abschluß voneinander unterscheiden lassen. Man empfindet das vielleicht am stärksten in der Gegend am Fuße des Rosenberges, wo durch das Ein- [23]schneiden des Hügels der verfügbare Flächenraum ziemlich beengt wird und die Rechtecke der neuen Häuserblöcke dem Boden direkt aufgezwungen sind; oder beim weiten Blicke nach Norden, wo die unerbittliche Gerade der Theodor Körner - Straße den Vergleich mit dem alten Verkehrswege der Körösistraße herausfordert: diese folgt in natürlichen Krümmungen dem Laufe des Mühlganges, die neue Straße aber verläuft so lange gerade, bis sie durch die Nähe der Hügel zu einer Wendung gezwungen wird. Auch die alte Grabenstraße schließt sich in Biegungen dem Fuße der Hügel an.

Der die Stadt umgebende Gebirgsrahmen prägte auch die Eigenart ihrer einzelnen Teile: Der aufgeschlossene Osten ist infolge günstiger Windrichtungen und seiner Sonnigkeit das vornehme Wohnviertel. Im Westen aber, wo die Berge ohne überleitende Stufen direkt vom Tale zu ziemlich bedeutender relativer Höhe aufsteigen, herrscht der Schatten vor; dort sind im Zusammenhänge mit der Eisenbahn die großen Fabriksanlagen entstanden ; die niedrigeren Grundpreise begünstigten die Erbauung von Kasernen und ärmlicheren Wohnstätten. Doch entstand in den letzten Jahren auch hier schon manches Landhaus, das, am Saume oder auf dem Hange der Hügel gelegen, sich der Nachbarschaft alter Nadel- und Laubwälder und weiter Ausblicke auf die Stadt erfreut.

Große unbebaute Flächen von Gärten, Wiesen und Ackerland zwischen den alten Verkehrswegen ermöglichen die Bauentwicklung auf Jahrzehnte hinaus, so daß Graz ohne Erweiterung seines Gemeindegebietes fast die zehnfache Anzahl Bewohner zu fassen vermag.

Nicht nur die herrliche Fernsicht vom Schloßberge verdient Aufmerksamkeit, auch die auf ihm errichteten Bauten und Anlagen können sie mit Recht beanspruchen.

Wenn man den Aufstieg vom Stadtpark aus am Jahn-Denkmal beginnt, erreicht man ungefähr auf halber Höhe die Terrasse der Ostseite, auf welcher das Schweizerhaus (Restaurant) erbaut ist; von hier aus gesehen, wirkt der Schöckel sehr imposant, die östlichen Hügel und der Rosenberg entfalten ihre trauliche Schönheit. Vor dem Schweizerhaus erhebt sich das 1859 enthüllte Standbild des Freiherrn v. Weiden, des Schöpfers der Schloßberganlagen, hervorgegangen aus der Werkstätte des Kärntner Bildhauers Hans Gasser.

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Die Erinnerung an die heldenmütige Verteidigung des Schloßberges im Jahre 1809 hält das im Oktober 1909 errichtete Hackher- Denkmal fest (Bildhauer Jarl in Wien); sein Standort ist der nördlichste Vorsprung des Hauptplateaus, von dem aus man den früher geschilderten Ausblick auf die Murenge am besten genießen kann. Hohe Laub- und Nadelbäume umgeben die in der Mitte des Plateaus im Jahre 1544 von Domenico dell’Allio erbaute Zisterne, welche seit dem Jahre 1897 durch eine schmiedeeiserne Brunnenlaube geschmückt ist.

An vier Stellen der ehemaligen Basteibrüstung sind marmorne Orientierungstafeln angebracht; auf ihnen sind die Namen der von dort aus sichtbaren Höhen, Ortschaften und Schlösser sowie die Entfernungen der europäischen Hauptstädte verzeichnet.

Ein Bogen führt über die malerischen Reste der Kasematten auf das untere Plateau zur Endstation der Schloßbergbahn (Restaurant) und zum Glockenturm. „Der weithin sichtbare, die Stadt und das Murtal beherrschende Turm bildet heute das Wahrzeichen von Graz“ (Wastler); einst stand neben ihm eine romanische Rundkapelle zum heil. Thomas, die erst nach der Zerstörung der Festung durch die Franzosen zu Grunde gegangen ist. Der 1588 unter Erzherzog Karl II. erbaute Turm hat achteckigen Grundriß und erreicht eine Höhe von 35 Metern; die drei unteren Geschosse haben kleine Fenster und wurden als Gefängnisse benutzt, die Schallöffnungen der Glockenstube weisen das für die steirische Lokalschule charakteristische Doppelfenster auf. Fast vertrauter als der Turm ist dem Grazer die darin befindliche große Glocke, die sogenannte „Liesl“, welche dreimal des Tages, um 7 Uhr morgens, um 12 Uhr mittags und um 7 Uhr abends geläutet wird (je 101 Schläge). Der Sachse Martin Hilger hat die 828 Zentner schwere Glocke, die reiche Verzierungen und Inschriften schmücken, 1587 gegossen.

Am Südende des Plateaus blieb der größte Rest der Befestigungswerke, die sogenannte Stallbastei, erhalten; sie trägt heute die Gebäude der Feuerwache und die Kanonenhütte. Von der Plattform der Bastei sieht man auf die steilen Terrassen des Berges und auf die Häuser der alten Sackstraße hinab. Die Anlagen am Fuße der Stallbastei, der ein merkwürdiges Steinportal (vom Anfänge des 19. Jahrhunderts) vorgelegt ist, überraschen im Frühjahre durch eine fast südliche Farbenpracht der Blüten; auch [25] [26] der Herbst, welcher den wilden Wein in ein sattes, leuchtendes Rot verwandelt, verleiht dieser Partie einen eindringlichen Zauber.

Wenige Schritte führen von hier zum „Türkenbrunnen“, einer 94 m tief in den Felsen gegrabenen Zisterne, die deutsche Bergknappen während der Jahre 1554-1558 geschaffen haben; in der Nachbarschaft des Brunnens steht das gotische Winzerhäuschen (Abb. S. 25); seit mehreren Jahrzehnten wird es während der Sommermonate von dem Dresdener Hofschauspieler Gustav Starcke bewohnt, der als langjähriges früheres Mitglied der Grazer Bühnen sich vieler Sympathien erfreut Auf den schmalen Terrassen, die von steilen Mauern getragen werden und mit großem Geschick dem Felsen abgerungen sind, gedeihen Weinstöcke in der Fülle des Sonnenlichtes, Strauchwerk breitet sich zwischen ihnen aus und freudige Blumen schmücken diesen gesegneten Fleck. Wenn hier im Frühjahre die Obstbäume blühen und weit draußen am Horizonte die obersteirischen Berge noch im Schnee erglänzen, drängt sich eine stille Freude in das Herz des Spaziergängers und bringt ihm wohltätige Erfrischung. - Man sollte auch nicht versäumen, von hier aus einen der Wege der Westseite zu begehen, deren unterster knapp an den Hausgärten der alten Sackstraße vorbeiführt (siehe S. 58).

Im Süden fällt der Schloßberg in zwei Stufen zur Altstadt ab: die höhere trägt den 28 Meter hohen Uhrturm. Dieser bildet durch seine eigenartige Gestalt ein charakteristisches Wahrzeichen von Graz. Die gewaltige, 1712 von Silvester Funk verfertigte Turmuhr verbesserte 1822 der Grazer Uhrmacher Johann Geist durch einen Übertragungsmechanismus, der mit einer astronomischen Pendeluhr verbunden ist. Die auf einer Gedenktafel am Turm angebrachte Meldung, daß der berühmte Schauspieler Brockmann daselbst als Sohn eines Turmwächters geboren worden sei, beruht auf einem Irrtum. Am Fuße des Turmes lehnt ein großes steinernes Wappen vom alten Festungstore, das den einköpfigen deutschen Reichsadler und die Jahreszahl 1552 zeigt. - Wegen Eintrittes in den Uhrturm wendet man sich an den Wächter.

In dem Garten des Hauses an der Brüstung erhebt sich ein Pfeiler mit einem steinernen Hund, der zur Erinnerung an einen glücklich vereitelten Anschlag auf Friedrichs III. Tochter Kunigunde errichtet worden ist.

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Die niedrigere, von den mächtigen Mauern der Bürgerbastei gestützte Stufe trägt heute Wein- und Obstpflanzungen; von ihr aus hat man den schönsten Blick auf die Dächer und Türme der Altstadt.

Der Stadtpark.

Andere Städte haben die Glacis der Befestigungswerke in Prunkstraßen umgewandelt und dichter Verbauung zugeführt, in Graz aber regte 1869 der Bürgermeister Moritz Ritter v. Franck die Schaffung eines großen Parkes im englischen Stile an. Der Anfang dazu war eigentlich schon am Ende des 18. Jahrhunderts gemacht worden, als die Stände die Festungswälle mit Bäumen bepflanzen ließen und so die heutige „Dammallee“ begründeten, die vom Paulustor an mit einer größeren Unterbrechung bis zum Stadttheater reicht. Wie die Anlagen des Schloßberges haben auch die des Stadtparkes heute den Charakter ungezwungener Natürlichkeit und erfreuen sich sorgfältiger Pflege durch den Stadtverschönerungsverein. Prächtige Wiesen breiten sich zwischen den gut verteilten Gruppen von Laub- und Nadelbäumen aus, große Fliedergebüsche tragen im Frühjahre eine seltene Blütenfülle und manche Stellen, besonders die zwei kleinen Birkenhaine, entbehren nicht eines stillen Zaubers. Wie überhaupt Vorfrühling und Herbst zu den schönsten Jahreszeiten des Landes gehören, so verleihen sie auch dem Stadtpark einen Reiz, der in den Vormittagsstunden mit voller Kraft waltet. Tausende von Singvögeln, darunter besonders Finken und Amseln, beleben diesen großen Garten. Neuerdings haben sich auch Eichhörnchen angesiedelt, die zu den Stammbesuchern ein anmutiges Zutrauen hegen und vergnügt über die Fußwege hüpfen.

Der Stadtpark steht mit den Anlagen des Schloßberges im Nordosten in unmittelbarer Verbindung und zieht sich in einem weiten Bogen bis zum Bismarckplatze hin; der Wagenverkehr wird an den äußeren Grenzen (Ringstraße und Glacisstraße) vorübergeleitet. Erst im unteren Drittel durchschneiden ihn die Erzherzog Johann-Allee (vom Burgtor zur Leonhardstraße), von welcher die zur Elisabethstraße führende Elisabethallee abzweigt, die Theaterallee und die Girardigasse.

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Im nördlichen Teile des Stadtparkes steht das Denkmal des Dichters Anastasius Grün (Alexander Grafen v. Auersperg), aus weißem Tiroler Marmor von Kundmann (Wien) ausgeführt und 1887 enthüllt, auf der großen Wiese nahe davor die noch junge Bismarckeiche.

Ungefähr in der Mitte des Parkes befindet sich unweit des Cafe Pietzsch (Musikpavillon) der von der Wiener Weltausstellung stammende Franz Josef-Brunnen aus Gußeisen von Durenne (Paris), ein Geschenk Grazer Bürger an die Stadt. - Gleich dabei das Denkmal des Schöpfers des Parkes, Franck, aus weißem Laaser Marmor von Hellmer (Wien) und eine seit 1885 aufgestellte Bronzestatue, ein junges Mädchen mit einem Reh darstellend. Dieses anmutige Werk des heimischen Bildhauers Brandstetter verkörpert die „Waldlilie“, eine Figur aus dem „Waldschulmeister“ Roseggers.

[29]

Zwischen der Elisabeth- und Erzherzog Johann-Allee steht die Franckeiche, gleichfalls zum Andenken an den Bürgermeister Franck gepflanzt. Rechter Hand von der Erzherzog Johann-Allee erhebt sich vor einer großen, reich geformten Silberpappel das Denkmal Kundmanns für Robert Hamerling (enthüllt 1904), weiter südlich das Wetterhäuschen mit meteorologischen Instrumenten.

An der Ecke des Burg- und Karl Ludwig-Rings ist am Fuße der Dammallee Hans Gassers Schillerbüste aufgestellt.

Von hier aus hat man den besten Blick auf das neue im Jahre 1899 eröffnete Stadttheater (Abb. S. 28). Der von den Wiener Theaterbaupraktikern Fellner und Helmer ausgeführte Bau faßt 1800 Personen. Er leidet unter einer Überfülle figuralen Schmuckes, der trotz des kurzen Bestehens schon stark beschädigt ist; auch das Innere möchte man sich etwas stimmungsvoller wünschen.

Jenseits der Glacisstraße, am Kaiser Josef-Platz, steht die evangelische Kirche. Das im Jahre 1824 als Bethaus errichtete Gebäude wurde 1858 zu einer Kirche umgestaltet. Der Turm stammt aus dem Jahre 1854. Das Altarbild „Christus am Kreuz“ hat Josef Wonsidler gemalt.

Von hier führt die Girardigasse zurück auf den Karl Ludwig-Ring, in dessen südlichen Gartenanlagen die von Karl v. Stradiot gestiftete und nach Peckarys Modell ausgeführte Bronzebüste Kaiser Josefs II. im Jahre 1887 aufgestellt worden ist.

Die gute Anlage der Ringstraße, deren Bauten sich durchweg in bescheidenen Formen halten, geht auf den Baudirektor Martin Kink zurück, der in den Jahren 1853 bis 1869 in Graz tätig war.

Der Stadtpark endigt mit dem Karl Ludwig-Ring am Bismarckplatz (siehe S. 41).

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Rundgänge durch die innere Stadt.

Hauptplatz.

Der Hauptplatz ist der Mittelpunkt der Stadt, auf dem sich auch ein lebhaftes Markttreiben abspielt. Hier münden die Hauptverkehrsadern ein. Durch die Murgasse und die Franz Karl-Brücke ist im Westen die Verbindung mit dem rechten Flußufer und dem Südbahnhof hergestellt, im Südosten mündet die vornehme und belebte Herrengasse ein, im Nordosten die Sporgasse und nordwestlich die Sackstraße.

Für die Gestalt des dreieckigen Platzes war das Zusammentreffen dieser wichtigen Straßenzüge maßgebend, die überall so geführt sind, daß sich stets ein völlig geschlossener Raum ergibt. Den schönsten Überblick auf das Ganze genießt man an der südwestlichen Ecke vom Eingang in die Schmiedgasse (Abb. S. 31). Ungestört durch stillose Neubauten erheben sich die alten Häuser mit ihren vielgestaltigen Dächern zu wechselnder Höhe, besonders reich an der Westseite, wo zwei enge Gäßchen und Durchgänge zur Franziskaner-Kirche führen. Im Norden schließt die gekrümmte rechte Häuserwand der Sackstraße den Blick und wie eine Vorstufe zu dem das Ganze krönenden Schloßberg wirkt das massige Eckhaus in der Sporgasse.

Diesem gegenüber fällt das Luegg auf, dessen heutige Gestalt der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstammt. Laubengänge auf gedrungenen Pfeilern tragen die oberen Geschosse; die Außenwände überspinnen mächtige Stuckornamente: Muscheln und Kartuschen, Vasen und schwere Fruchtgehänge. Auch die übrigen Privathäuser bieten manche wertvolle Einzelheit, so das Haus Nr. 6 „Zum großen Christoph“ (Fresko von Flurer[?], restauriert von P. Scholz), dann das Eckhaus in die „Neue Welt-Gasse“ (Nr. 4) mit einem geräumigen, auf Säulen ruhenden Erker, und das 1710 vollendete „Weiß’sche Haus“ (Nr. 3).

Die Mitte des Platzes nimmt das Brunnendenkmal des Erzherzogs Johann ein (enthüllt 1878). Der nach Pönningers Modell ausgeführte Erzguß stellt den unvergeßlichen Freund und Förderer der Steiermark dar; die einspringenden Ecken des Aufbaues zwischen den breiten Steinstufen tragen vier sitzende allegorische Frauengestalten, Verkörperungen der vier steiermärkischen Flüsse: Enns, Drau, Mur und Save.

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Der 1892 erfolgte Umbau des Rathauses, der an die Stelle einer guten, schlichten Architektur vom Anfänge des 19. Jahrhunderts eine üppige Renaissancefassade mit hochragenden Kuppeln setzte, hat die Einheitlichkeit des Platzbildes ziemlich beeinträchtigt (Pläne von Wielemans und Reuter); am günstigsten wirkt die abgeschrägte Ecke gegen die Schmiedgasse (siehe Abb.). Standbilder und Reliefköpfe von Männern, die für die Stadtgeschichte bedeutend waren, zieren besondere Punkte des Gebäudes. Doch kommen sie in der verwirrenden Menge schmückender Elemente nicht recht zur Geltung. In dem Stiegenhause des südlichen, der Landhausgasse zugekehrten Traktes befindet sich ein Freskogemälde von Scholz, Graz im Jahre 1635 darstellend. Das Rathaus ist der Sitz des Bürgermeisters, der Gemeindevertretung, der Gemeindesparkasse und der Gemeindeämter, soweit sie nicht in dem im Jahre 1904 eröffneten Amtsgebäude in der Schmiedgasse (S. 42) untergebracht sind.

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Das „Kälberne Viertel“.

Mit diesem von den zahlreichen Fleischerständchen herstammenden Namen bezeichnet der Volksmund noch heute jenen Teil der Altstadt, der sich westlich vom Hauptplatze zwischen der Albrechtgasse, der Murgasse und dem Flusse zusammendrängt. Man betritt das „Kälberne Viertel“ am besten entweder gleich am linken Brückenköpfe der Franz Karl-Brücke oder durch eines der alten Gäßchen (Franziskaner-, bzw. Neue Welt-Gasse vom Hauptplatze, Stainzergasse von der Albrechtgasse oder Nürnbergergasse von der Murgasse aus).

Gleich bei der Einfahrt in die Murgasse fällt der Blick auf den Turm der Franziskanerkirche, der mächtig aus dem Gewirre alter, malerischer Dächer emporsteigt. Die Kirche nimmt in diesem Komplexe eine merkwürdig schräge Stellung ein, die dadurch begründet ist, daß der Bau dem von der Mur weg schräg verlaufenden mittelalterlichen Mauerzuge folgen mußte.

Kleine Verkaufsgewölbe und Magazine sind an die Nord- und Ostseite der Kirche angebaut; die stark vorspringenden Streben des Chores forderten fast dazu heraus, die Fläche zwischen ihnen auszunützen. Noch legte keine „Restaurierung“ Hand an diese malerischen Zutaten, welche die Kirche zu mächtiger Größe ansteigen lassen. Daß verschiedene Zeiten an ihr gearbeitet haben, erkennt man beim Eintritt in das Innere: der hohe, hell erleuchtete Chor mit einfachem Kreuzgewölbe schließt an eine niedrigere, ziemlich düstere dreischiffige Halle, die mit einem spätgotischen Netzgewölbe gedeckt ist. Man setzt die Entstehung des Chores noch in das Ende des 13. Jahrhunderts; das Langhaus hat wohl zu Ende des 15. Jahrhunderts einen älteren Bau ersetzt. Bei der 1882 erfolgten Regotisierung der Kirche erhielt das Hochaltarbild von Johann Veit Hauck, „Himmelfahrt Mariä“ (1718), einen Platz an der südwestlichen Wand des Langhauses. Der in den unteren Geschossen quadratische, darüber achteckige Turm mit Zwiebelhaube, der in seiner Gestalt an schwäbische Vorbilder erinnert, entstand 1639 bis 1645 und diente auch zu Verteidigungszwecken.

An die Südseite der Kirche ist der unregelmäßige gotische Kreuzgang des Franziskanerklosters angebaut; man betritt ihn von der Kirche oder vom Franziskanerplatz aus. Grabdenkmäler aus verschiedenen Perioden schmücken die Wände. Der Kreuz- [34]gang enthält auch den einzigen Zugang zur St. Jakobs - Kapelle (Anfang des 13. Jahrhunderts), deren dreiseitiger Chorschluß mitten aus den angebauten Verkaufsgewölben emporsteigt und das Bild des kräftigen Ostabschlusses der Kirche durch den Gegensatz der Massen bereichert (siehe das Umschlagbild).

Innerhalb des Häusergewirres der Ostseite des Franziskanerplatzes überraschen einige schöne Raumgruppen. Auch die engen Durchgänge auf den Hauptplatz haben ihren Reiz gleich dem alten Teile der Neutorgasse, wo an den niedrigen Giebelhäusern noch primitive Laubengänge aus Holz vorkommen. Jedenfalls gehört dieses Viertel zu den Teilen der Altstadt, die ihr Gepräge seit Jahrhunderten bewahrt haben; an anderen Plätzen wichen die Bürgerhäuser stattlichen Barockpalästen, hier berührte sie nicht das Getriebe einer andern Zeit.

Herrengasse. Landhaus.

Die östliche Häuserreihe des Hauptplatzes geht ohne Unterbrechung in die Herrengasse über; die stattlichen Fronten des 17. und 18. Jahrhunderts bestimmen trotz mancher Zutaten ihren Charakter. Während die rechte Seite der Herrengasse gerade verläuft, nähert sich ihr die linke allmählich bis zur Stadtpfarrkirche, wodurch die einzelnen Häuser besser sichtbar werden. Im Norden wirkt außer dem vortretenden Luegg das hohe Eckhaus in die Sporgasse als Abschluß, im Süden die den Bismarckplatz vom Jakominiplatz trennenden niederen Bauten.

Gleich am Eingänge der Herrengasse (Nr. 3), dem Rathaus gegenüber, steht das sogenannte „Gemalte Haus“ (Abb. S. 35). Die ganze Außenseite des Gebäudes ist mit Fresken des steiermärkischen Malers Johann Mayer (1742) geschmückt. Leider fügte der ungünstige Einfluß der Witterung den Malereien, dem einzigen in Graz erhaltenen Beispiele ihrer Art, solchen Schaden zu, daß von den Darstellungen nur noch wenig erkennbar ist: antik gekleidete Krieger auf mächtigen Pferden in kühnen Verkürzungen, Trophäen, Architekturen mit Reliefschmuck. Noch leuchten am höchsten Stockwerke, geschützt durch das vorspringende Dach, Farbreste von Blau, Gelb und Rot, welche die ursprüngliche Lebhaftigkeit und Kraft der Dekoration wenigstens ahnen lassen. Die anschließenden Gebäude sind reichhaltig im Aufbaue ihrer Fassaden; einige haben schöne Arkadenhöfe (besonders Nr. 7 und Nr. 9).

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Den architektonischen Höhepunkt der Herrengasse und der Stadt überhaupt bedeutet das Landhaus (Abb. S. 37). Durch die Landhausgasse vom Rathause getrennt, erstreckt es sich bis an die Schmiedgasse und überrascht neben dessen verwirrender Architektur doppelt durch die Vornehmheit seiner Gliederung. Mehr als zwei Jahrhunderte haben an dem Baue gearbeitet, deren verschiedene Formensprache die 1886 bis 1890 durchgeführte Restaurierung in mustergültiger Weise und frei von puristischen Tendenzen schonte.

Der Bau begann am Anfänge des 16. Jahrhunderts in der Schmiedgasse (schlichtes Steinportal); nach zwei Jahrzehnten folgte der Rittersaaltrakt in der Landhausgasse (Wappen der steirischen Städte). Erst 1556 bis 1563 entstand nach den Plänen des Festungsbaumeisters Domenico dell’Allio der Hauptbau in der Herrengasse. Vorbilder venezianischer Frührenaissance waren für die Gliederung der Fassade maßgebend, an der fast nur das verschieden kombinierte Motiv des Doppelfensters mit Säule und Rundbogen verwertet ist; die an dell’Allio anschließende steirische Lokalschule des 16. Jahrhunderts hat es mit Vorliebe an allen ihren Bauten angebracht. Auf die Hauptachse der Front verlegte dell’Allio den größten Nachdruck: hier vermittelt das kräftig gegliederte Steinportal den Zugang zum Hofe und zu den Treppen, die Vorhalle des ersten Stockes öffnet sich mit einer rhythmischen Kombination jener typischen Fenster (dreiteilig in der Mitte, zweiteilig zu beiden Seiten), während im zweiten Geschoß ein Balkon mit dem dreimal sich wiederholenden Fenstermotive vorgekragt ist. Der das steile Dach in derselben Achse krönende Dachreiter mit Uhr entstand 1586 anläßlich mehrfacher Umbauten und war, wie alte Stiche lehren, einst bemalt.

Durch die gewölbte Halle des Erdgeschosses gelangt man in den herrlichen Arkadenhof (Abb. S. 39), über den sich der Zauber intensiver künstlerischer Wirkung ausbreitet. In drei Reihen sind an der Nord- und Ostseite die Rundbogengänge übereinandergestellt. An der Nordwestecke vermittelt eine 1630 erbaute Freitreppe, welche sich an die Landhauskapelle anlehnt, den Zugang zu dem der Schmiedgasse zugekehrten Rittersaale. Die Westseite des Hofes nimmt der Mitteltrakt mit der Landstube, dem Sitzungssaale des Landtages, ein; sechs große Fenster mit vornehmer Rokokoeinrahmung in Stuck gliedern die von einem Mansarden- [37] [38]dache gekrönte Fassade des Saalbaues, dessen heutige Gestalt uni 1740 geschaffen wurde. Die Innendekoration weist reiche Stuckornamente an der Decke und zwei prächtige Riesenöfen mit Vergoldung auf. An der Südseite wird der Hof durch einen zweigeschossigen Arkadengang wirksam abgeschlossen, der erst 1890 anläßlich der großen Restaurierung entstand. Eine Hauptzierde des Hofes bildet die bronzene Brunnenlaube von 1589, ein Werk der damals in Graz tätigen Gießer Thomas Auer und Marx Wening; mit staunenswertem technischen Geschicke und gewähltem Geschmacke sind hier Anregungen von ähnlichen Arbeiten in Schmiedeeisen verwertet. Im Hofe sind außerdem bemerkenswert: Die Gedenktafel für Johannes Kepler, der 1594 bis 1600 in Graz tätig war (am Landstubentrakte), und in der Südostecke der Arkaden das Epitaph für den heimischen Dichter Karl Gottfried Ritter v. Leitner (1800 bis 1890) von Brandstetter. Die heute Amtszwecken dienenden Innenräume des Landhauses enthalten noch viele Einzelheiten aus verschiedenen Zeiten, z. B. Öfen. Die Amtsstube des Landeshauptmannes ist nach dem Vorbilde des Weizersaales im Museum getäfelt (Entwürfe von Lacher) und gibt ungefähr eine Vorstellung davon, wie die erste innere Ausstattung des Baues im 16. Jahrhundert ausgesehen hat; deutsche Handwerker richteten nach ihrer Auffassung den nach italienischen Vorbildern von einem Italiener ausgeführten Bau ein.

Der Bau dell’Allios umfaßte ursprünglich nur je drei Fensterachsen zu beiden Seiten der Fassadenmitte; er wurde 1581 bis 1584 im gleichen Stile nach Süden fortgesetzt. Als 1644 das Zeughaus (siehe das Folgende) vollendet war, fügte man noch eine Fensterachse mit Torbogen im Erdgeschosse hinzu, um beide Bauten zu verbinden.

Die zum Landhause gehörigen Erweiterungsbauten in der Schmiedgasse (zugänglich durch die Nebenhöfe) wurden im Zusammenhang mit der von Scanzoni geleiteten Restaurierung in den Jahren 1889 und 1890 errichtet und beherbergen auch den Landhauskeller (siehe S. 8).

Unmittelbar an das Landhaus schließt sich das Landes-Zeughaus (Herrengasse 16) an (täglich von 10 bis 1 Uhr geöffnet, Eintritt 60 h, Kinder die Hälfte, Sonntag frei; gedruckter Führer von Direktor Karl Lacher 30 h). Das Zeughaus wurde in den Jahren 1642 bis 1644 im Stile der deutschen Renaissance von Adam Wund- [39] [40]egger an das Landhaus angebaut (Abb. S. 37). Das schöne Hauptportal ist mit den Statuen der Kriegsgötter Mars und Bellona und mit den Wappen der Verordneten sowie dem steirischen Panther geschmückt. - Das Zeughaus birgt eine reichhaltige Waffensammlung (gegen 30.000 Stück), eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Der erste Stock enthält vorwiegend Geschütze, Musketen, Landsknechtharnische, der zweite Reiterrüstungen und Reiterpistolen, der dritte Stock die hervorragenderen Harnische (Maximilian-Harnische und eine prächtig geätzte Harnischgarnitur des Obersten Vels vom Jahre 1560 u. s. w.) und leichte Feuerwaffen, der vierte Stock endlich beherbergt Stangenwaffen, Seitenwehre und Schilde, darunter sehr seltene Haudegen und Zweihänder. Daselbst hat auch das interessante Modell des Schloßberges vor der Schleifung der Befestigungswerke, angefertigt vom ständischen Kanonier Siegl, Platz gefunden.

Im südlichen Teile der Herrengasse riefen die Neubauten der beiden Thonethöfe (jetzt im Besitze der Assicurazionigenerali) ziemliche Veränderungen hervor, zu denen das im Stile dem benachbarten Landhause folgende Gebäude der K.k. priv. wechselseitigen Brandschadenversicherungsanstalt (Architekt Leopold Theyer) gut überleitet. Ihm gegenüber erhebt sich der neue Prunkbau der K.k. priv. Steiermärkischen Escomptebank (Architekt J. Hötzl).

Dort, wo die linke Seite der Herrengasse der rechten am nächsten kommt, wendet die Stadtpfarrkirche zum „Heiligen Blut“ die Westseite der Straße zu; an der nördlichen Längsseite führt das enge, durch kleine Gärten malerische Mesnergäßchen vorüber, an die südliche schließt sich der alte, heute nur schwer erkennbare Kreuzgang und der Stadtpfarrhof an. Im Stadt- und Straßenbilde kommt die Kirche vor allem durch ihren Turm zur Geltung (Abb. S. 41). Über das große Dach des Schiffes steigt das hohe Glockengeschoß empor, vor dessen abgeschrägten Ecken mächtige korinthische Säulen als Träger des bewegten Kranzgesimses stehen; ein kupfergedeckter Helm mit reicher Formenentwicklung krönt das Ganze. Turm und Fassade gehören dem 18. Jahrhundert an (Jahreszahl 1781 oberhalb des Portales) und sind einer spätgotischen Hallenkirche vorgeblendet, die nach Jahreszahlen an verschiedenen Stellen der Gewölbe um 1519 vollendet war. Offene Arkaden am südlichen Seitenschiffe verbinden einen niedrigen, schiffähnlichen Zubau mit dem Hauptbau zu [41] einer Raumeinheit; nach der Form der Gewölbe ist der westliche Teil dieses vierten Schiffes der ältere und gehört wohl dem 14. Jahrhundert an, der östliche (Netzgewölbe) wird von der erst 1741 erbauten Johanniskapelle wirkungsvoll abgeschlossen. Die heutige Gestalt und Stimmung des Inneren ergab die in den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts vorgenommene Regotisierung, die alle stilfremden Einbauten beseitigte und das Tintoretto zugeschriebene Hochaltarbild „Die Himmelfahrt Mariä“ auf einen weniger günstigen Platz an der Nordwand des Chores verwies. Den unteren Teil des Bildes nehmen die lebhaft um den Sarkophag bewegten Apostel ein; der aus gebirgiger Landschaft sich erhebende Kirchturm führt in die obere Hälfte, einer kühn schwebenden Christus und Dort kniet Maria auf durch den Raum Engelwolke, um von Gott Vater die Krone zu empfangen; über allen schwebt die Taube. Der Kruzifixus am neuen Hochaltar ist ein Werk des steirischen Bildhauers Jakob Gschiel.

Wo früher das „Eiserne Tor“ den Festungsgürtel durchbrach, breitet sich jetzt am Ende der Herrengasse der Bismarckplatz mit dem Auerspergbrunnen aus. (Gebäude der Sparkasse des Bezirkes Umgebung Graz.)

Einige Schritte südlich entlang des Straßenbahngeleises kommt man auf den an der Grenze des I. und VI. Bezirkes liegenden Jakominiplatz mit der Mariensäule. Dieses Denkmal ist zur Erinnerung an den am 1. August 1664 bei St. Gotthard errungenen Sieg Montecuccolis über die Türken auf dem Karmeliterplatz aufgestellt und 1796 auf den heutigen Standort über [42]tragen worden. Der Jakominiplatz ist das Verkehrszentrum der Straßenbahn und wird sich voraussichtlich zu einem Geschäftsmittelpunkte entwickeln. Beachtung verdient das Haus Nr. 16, die alte Post, mit einem Giebelrelief und einem schönen Hofe; das meiste an dem um 1780 gegründeten Baue rührt von einer 1825 vorgenommenen Erneuerung her; an der Ecke in die Klosterwiesgasse das Haus „Zum eisernen Mann“, an der Ecke in die Jakominigasse das Haus „Zum Herkules“ und, an dieses angebaut, das Haus „Zum scharfen Eck“. Am neuerbauten „Englischen Haus“ vorüber auf den Karl Ludwig-Ring. (Siehe S. 29.)

Schmiedgasse, Raubergasse, Joanneum.

An der Südwestecke des Hauptplatzes zweigt die zur Herrengasse parallele Schmiedgasse ab; ihr erster Teil enthält außer dem Rathause auch das Gebäude der Steiermärkischen Sparkasse mit den beiden Konzertsälen. Der größte Teil des Baues entstand 1882 bis 1885 nach den Plänen des Architekten Matthias Seidl; erst 1905 bis 1908 wurde der ganze Komplex vollendet (Pläne von Professor Theyer) und bei dieser Gelegenheit nicht nur der große Stephaniensaal (Orgel von Walcker) umgebaut, sondern der Kammermusiksaal (Gemälde in drei Lünetten von Professor Julius Schmid in Wien) und die prunkvolle Haupttreppe mit einem Beethovendenkmale von Johannes Benk in Wien neu geschaffen; unter den weiten Nebenräumen verdient das Foyer im ersten Stock (Gemälde von Professor Alfred v. Schrötter in Graz) besondere Erwähnung.

Der weitere Verlauf der Schmiedgasse hat noch viel von seinem alten Reiz an sich; abgesehen von der einfachen Fassade der Landhauszubauten kommen hier besonders an der rechten Seite jene alten Häuser zur Geltung, die mit der schmalen Giebelfront der Straße zugewendet sind. So entsteht ein wechselvolles Spiel der Massen, wie es ähnlich nur Teile der Sackstraße bieten. Erst vom städtischen Amtshause (Nr. 26) an herrscht die bekannte neuzeitliche Eintönigkeit. Ihm gegenüber erhebt sich das Haus Nr. 25, das im Jahre 1642 erbaut wurde. Die Fassade schmücken zwei auf Säulen ruhende Erker und eine reiche Wappentafel; auch der Hof ist sehenswert.

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Überquert man in der Richtung der Landhausgasse die Schmiedgasse, so gelangt man linker Hand in die nach Süden in Krümmungen verlaufende Raubergasse, in der sich das alte Joanneumgebäude befindet. Dieses ursprünglich dem altsteirischen Geschlechte der Freiherrn v. Räuber gehörige Gebäude wurde schließlich im Jahre 1811 von den steiermärkischen Ständen zur Unterbringung der dem Lande vom Erzherzog Johann geschenkten Sammlungen angekauft.

Im ersten Stockwerke des alten Baues ist das Antiken-und Münzenkabinett sowie die geologische Sammlung untergebracht. Unter den Beständen der Antikenabteilung darf wohl auf den Judenburger oder Strettweger Opferwagen (etruskische oder keltische Arbeit) und auf die reichen Grabungsfunde römischer Zeit hingewiesen werden; in der Münzensammlung verdienen die steirischen Prägungen besondere Beachtung. Die geologische Abteilung richtet natürlich auf die heimischen Verhältnisse ihr Hauptaugenmerk. Die naturhistorischen Abteilungen füllen mit ihrem Reichtum das zweite Stockwerk bis auf den letzten Platz. Sie beginnen mit der zoologischen Sammlung, die den meisten Raum beansprucht; ihr folgt die mineralogische mit Prachtstücken in sehr geschmackvoller Anordnung. Die Mitte des Saales, der die steirische Mineraliensammlung enthält, nimmt die große Reliefkarte der Steiermark ein, ein Werk des Juweliers Kienzle in Leoben. Die phytopaläontologische und botanische Abteilung sind wegen der Sammlung fossiler Pflanzen heimischer Herkunft und wegen des steirischen Herbars interessant.

Diese im alten Gebäude untergebrachten Sammlungen sind täglich mit Ausnahme von Montag von 10 bis 12 Uhr gegen 40 h Eintrittsgebühr (Kinder die Hälfte) zugänglich; an Sonntagen von 9 bis 12 Uhr ist der Eintritt frei.

Die kleine Tür im Flur rechts führt in die Joanneumskapelle, deren Decke reiche Stuckverzierungen mit Medaillons in Fresko überziehen.

Im Hofe des Joanneums erinnert die Büste des Mineralogen Mohs (f 1839) an die Wirksamkeit des Gelehrten an dieser Anstalt.

An den Pfeilern der Hofarkaden sind Steinmedaillons römischer Zeit eingemauert; diese stammen fast alle aus Solva (dem heutigen Leibnitz) und fallen durch die gute Charakteristik der [44] Bildnisse auf. In der Südwestecke des ersten Hofes befindet sich der Zugang zum Lapidarium (Sammlung von Steindenkmälern römischer Zeit aus steirischen Fundstätten, interessante Beispiele provinzieller Kunstbetätigung; Mosaikfußböden). Im zweiten Hofe liegen unter Schutzdächern Überreste von abgetragenen Grazer Bauten, so z. B. spätgotische Teile aus der Burg, Wappen u. s. w.

Ein im Barockstil ausgeführter Zubau enthält die jedermann frei zugängliche Landesbibliothek. Als Vorstand derselben wirkt der Dichter Wilhelm Fischer.

An das alte Joanneum schließt sich das neue Museumsgebäude an. Eingang Neutorgasse. Dieses Gebäude wurde vom Lande Steiermark in den Jahren 1890 bis 1895 im Barockstile nach den Plänen von August Gunolt aufgeführt und enthält das kulturhistorische und Kunstgewerbemuseum, die Gemäldegalerie und Kupferstichsammlung und Räume für vorübergehende Ausstellungen von Werken der bildenden Kunst und des Kunstgewerbes sowie eine ständige Ausstellungs- und Verkaufshalle für das moderne steirische Kunstgewerbe.

Die kulturhistorische Abteilung beginnt im Erdgeschosse links mit der Sammlung steirischer Öfen und erreicht ihren Höhepunkt in dem durch das Zimmer der Rechtsdenkmäler zugänglichen Prunksaal aus dem Schlosse Radmannsdorf in Weiz vom Jahre 1563, dessen Getäfel (reich intarsierte Türen) mit der ursprünglichen Fensterumrahmung übertragen wurde und so eine gute Vorstellung von der damaligen Geschmackshöhe gibt. Der Südausgang des Saales führt in die Sammlung historischer Gegenstände der Steiermark (zwei geätzte Tischplatten aus Kehl-heimerstein von 1589, Wagen Friedrichs III., Leichenzug Erzherzog Karls II. 1590, bemalter Kupferstich).

Das Treppenhaus schmücken vier Gemälde von Francesco di Mura „Die Auffindung des Moses“, „Urteil des Salomon“, „Besuch der Königin von Saba bei Salomon“ und „Vertreibung der Hirten durch Moses“ und eine Gedenktafel an die 1895 durch den Kaiser vollzogene Eröffnung. Saal 11 mit Mobiliar und Wohnräumen der Steiermark (Empirezimmer; Rokokozimmer aus einem Grazer Bürgerhause von 1782, in der Wandtäfelung chinesische Drucke); auschließend daran zwei vollständig getäfelte Stuben, eine von 1607 aus der Gegend von Neumarkt, die zweite eine Wirtsstube von 1577 aus Mösna im Groß-Sölktale. Durch Raum 14 mit Denkmälern des steirischen Zunftwesens zum Saal 16 (bürger- [45]liches Wohnen der Steiermark von der Barockzeit bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts) und zur reichhaltigen kirchlichen Abteilung (Glasgemälde aus Gratwein und Maria-Straß-engel, Flügelaltäre verschiedener Zeiten, darunter der gotische Altaraufsatz aus Groß-Reifling vom Jahre 1518; weitere Angaben im „Führer“). Die Galerie mit der reichen Sammlung steirischer Kunstschmiedearbeiten führt zum Kuppelsaale, in dem das Kleinod des Museums, der große „Landschadenbund-Becher“ (Augsburger Arbeit vom Ende des 16. Jahrhunderts) und seit kurzer Zeit der steirische Herzogshut sowie andere wertvolle Arbeiten in Edelmetall und Legierungen verwahrt werden. Rechter Hand leitet die Galerie (Fortsetzung der Eisensammlung) zur kunstgewerblichen Mustersammlung über, die in Materialgruppen geordnet ist und bedeutende Arbeiten enthält. Um zur Fortsetzung der kulturhistorischen Sammlungen zu gelangen, muß man zurück durch den Saal 11 und Gang 14 zur Seitenstiege 26 in den zweiten Stock. Von Raum 28 aus (Kostüme, Trachtenbilder, Hausindustrie) zur vollständig getäfelten Stube aus Schönberg vom Jahre 1568 und zur Stube aus Geisttal von 1596, deren originelle Wandmalereien sorgfältig kopiert sind. Fortsetzung der Kostüme, Kostümfiguren; Saal 33, Bäuerliches Wohnen (Mobiliar aus Ramsau, verschiedene Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, altsteirische Rauchstube). - Über die Bestände gibt der von weiland Direktor Karl Lacher gearbeitete „Führer“ (Preis 40 h) erschöpfende Auskunft.

Das zweite Stockwerk des Museums enthält auch die Landes-Bildergalerie, welche durch die Nebenstiege 26 vom ersten Geschosse aus zugänglich ist. (Katalog von Karl Lacher, Preis 40 h.) Die allgemeine Sammlung beginnt mit den Werken deutscher Meister bis zum 18. Jahrhundert, dann folgen in gleicher Anordnung Niederländer, Franzosen, Spanier und Italiener, den Abschluß bilden Werke des 19. Jahrhunderts (Oberlichtsaal); an die allgemeine Gemäldesammlung schließt sich die steirische Malerei an. Als letzte Gruppen erscheinen die Widmungen Sai11er und Benedek (gesondert numeriert).

Auf den letzten Saal der Galerie folgen die Ausstellungs- und Sammlungsräume des Kupferstichkabinettes (reichhaltige Sammlung, als Grundstock das Heintlsche Legat).

Eintritt ins Museum und in die Galerie: Sonntag von 10 bis 1 Uhr frei, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag von [46]9 bis 1 Uhr 50 h, Donnerstag von 10 bis 2 Uhr 1 K. Besuchszeit des Kupferstichkabinettes (Sammlungsraum) Montag von 9 bis 1 Uhr und Donnerstag von 2 bis 4 Uhr, frei. - Eintritt in die Ausstellungshalle frei.

Im Gartenhof zwischen dem alten und neuen Gebäude stehen seit einiger Zeit die um 1807 von A. Gagon gearbeiteten Attika-Figuren des alten Rathauses. Der im Norden an das Joanneum anstoßende hohe Neubau ist ein Landes-Amtsgebäude, enthält aber auch Teile der Sammlungen und die Landes-Kunstschule.

Südwestlich vom neuen Museumsgebäude, Ecke Neutor- und Kalchberggasse, steht das 1887 eröffnete k. k. Post- und Telegraphengebäude (Haupt-Post-, Telegraphen- und Telephonamt). Daneben, gegen die Mur hin mit der Hauptfront gegen den Stadtkai der nach Plänen von Wielemans erbaute Justizpalast, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft sich das Denkmal für Herzog Wilhelm von Württemberg (Bildhauer Winkler, 1907) erhebt. Die Südostecke der Kaiserfeld- und Neutorgasse nimmt das nach dem Vorbilde steirischer Renaissancebauten von Lacher entworfene Gebäude des Selbsthilfevereines ein.

Platzgruppen östlich von der Herrengasse.

Gegenüber dem Landhause mündet die stark gekrümmte Stempfergasse in die Herrengasse ein; wir benützen sie als Zugang zu einem andern interessanten Teile der Altstadt, der seine Wirkung wesentlich guten Straßenführungen und geschlossenen Plätzen verdankt. Noch in der Stempfergasse selbst lohnt sich ein Blick in den Hof des Hauses Nr. 6; man staunt über die Fülle malerischer Elemente - unregelmäßiger Grundriß, Bogengänge, von der Natur ornamentierte Dächer, ein von wildem Wein umrankter Holzbalkon. An ihrem Ende teilt sich die Stempfergasse in zwei Arme. Wir folgen zuerst dem linken und gelangen durch die Enge Gasse auf den Glockenspielplatz, eine ziemlich regelmäßige Anlage, deren eine Seite das Maurersche Glockenspielhaus einnimmt (spielt täglich um 11 Uhr vormittags und um 6 Uhr abends). Dieser Platz geht unmittelbar in den Mehlplatz über, den auf drei Seiten stattliche Bauten einrahmen. Das östliche Haus (Nr. 2) ist durch eine mächtige Einfahrt aus- [47]gezeichnet; an dem nördlichen (Nr. 1) wird die stattliche Wirkung durch den Gegensatz zwischen Fensterumrahmung und Wandfläche gehoben; die größte Feinheit der Dekoration hingegen weist Nr. 4 auf: über einem einfach gegliederten Erdgeschoß erheben sich zwei Stockwerke, welche durch schwach vortretende Halbpfeiler zusammengefaßt werden; von der Fensterbrüstung des zweiten Stockes hängen große Kartuschen gleich Teppichen über ein schmales Gesimsband. Die Stuckornamente hier und um das Madonnenrelief sind von ausgesuchter Reinheit. Die vorstehende [48]Abbildung gibt die westliche Ecke dieses Hauses und das Südende der Prokopigasse. Diese führt am Mehl- und Färberplatze vorüber und enthält mehrere „Durchhäuser“ in die Herrengasse; eines von diesen (Steinportal, Prokopigasse 10) heißt Glockenspieldurchgang und ist jetzt zu Reklamezwecken verwendet, über denen die schönen Arkadengänge von 1648 fast vergessen werden. Am Nordende der Prokopigasse vermittelt die altertümliche Pomeranzengasse, das engste Gäßchen der Stadt, eine Verbindung mit dem Hauptplatze.

Die östliche Begrenzung des Mehlplatzes geht in die Färbergasse über, welche zur Sporgasse (siehe S. 49) hinleitet; im Hause Färbergasse Nr. 9 Zugang zu dem „Blutgäßchen“, einer heute versperrten sogenannten „Reichen“, durch das die Verbrecher von den Gefängnissen des Schloßbergs auf den Hauptplatz zur Hinrichtung geführt wurden. Das früher genannte Haus Nr. 1 auf dem Mehlplatze trennt diesen von dem als Marktplatz benützten Färberplatze, der erst vor wenigen Jahren durch Abtragung einer alten Kaserne gewonnen wurde. - Wir gehen von hier wieder über den Glockenspielplatz (Haus Nr. 5 mit schöner Treppenanlage) und durch die Enge Gasse zurück auf den Bischofplatz.

Dieser hat seinen Namen von dem die Westseite einnehmenden Palais des Fürstbischofs von Seckau, das ein geräumiger Garten von dem wegen seiner Fassadengliederung und seiner geräumigen Erker beachtenswerten Eckhause Stempfergasse Nr. 1 trennt.

Man verläßt den in seiner Umrahmung reichen Bischofplatz durch die Bindergasse (östlich zur Bürgergasse) oder benützt den Durchgang durch das bischöfliche Palais zum Chore der Stadtpfarrkirche und zur Mesnergasse; die enge Schlossergasse stellt eine Verbindung mit der Hans Sachs-Gasse (durch diese auf den Bismarckplatz) her, in der die Paläste Nr. 3 und 7 (Palais Welsersheimb) wegen der Fassade, letzterer auch wegen seines prunkvoll stuckierten Treppenhauses Beachtung verdienen. Karl Ludwig-Ring und Hans Sachs-Gasse sind durch die Hamerlinggasse verbunden; am Hause Nr. 6 Gedenktafel an Robert Hamerling, der hier wohnte, im Hofe des Hauses Nr. 3 (Landes-Oberrealschule) das steiermärkische Landesarchiv (u. a. reiche Sammlung steirischer Ortsbilder).

[49]

Die nordöstliche Altstadt

Sporgasse, Franzensplatz, Dom, Burg u. a. Die südöstlichen Ausläufer des Schloßberges verursachen eine starke Verschiedenheit der Höhen in diesem Stadtteile. Mehrere Terrassen senken sich zur Ebene: die höchste liegt unmittelbar am Fuße des Schloßberges und entspricht dem Karmeliterplatze, die zweite etwas niedrigere dem Franzensplatze und der Hofgasse; eine dritte kleinere wird heute von der Domkirche und dem Mausoleum eingenommen und fällt ziemlich steil nach Süden ab; mit der zweiten hängt sie ohne Höhendifferenz zusammen.

An der Nordostecke des Hauptplatzes beginnt die ziemlich steile Sporgasse, die sich unmittelbar an die Berglehne anschließt. Von den zahlreichen älteren Bauten verdient das Haus zum römischen König (Nr. 13), einst ein Brauhaus, besondere Beachtung; während die Fenster der oberen Geschosse und das Steinportal der Einfahrt noch in ihrer ursprünglichen, dem 17. Jahrhundert angehörigen Form erhalten sind, wurden im Erdgeschosse vor nicht langer Zeit einschneidende Veränderungen vorgenommen, welche den Gesamteindruck empfindlich schädigten. Auch ein Blick in die malerisch verwahrlosten Höfe lohnt sich. Gegenüber diesem Hause mündet die früher genannte Färbergasse.

Im weiteren Verlaufe fällt auf der linken Seite ein Haus auf, dessen von außen sichtbare Treppenanlage den Zugang zur sogenannten „Stiegenkirche“ vermittelt; diese erhebt sich auf einer vorspringenden Terrasse des Schloßberges und ist von der Straße aus nur durch den über die Dächer ragenden Turm erkennbar. Die Kirche heißt eigentlich „Pauluskirche“ und ist an der Stelle errichtet, wo vorzeiten die älteste Kirche von Graz, „St. Paul im Walde“, stand. Der jetzige Bau rührt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts her.

An dieser Stelle teilt sich die Sporgasse; ihr weiterer Verlauf ist ungewöhnlich steil. Die nach Osten abzweigende Hofgasse führt zur Domkirche sowie zum Burgtore. An der Ecke der Spor- und Hofgasse das „Deutsche Haus“ (im Besitze des Deutschen Ritterordens) mit einem auf Säulen ruhenden Erker, guter Gliederung der Fassade und Steinportalen. Durch das große Einfahrtstor in der Sporgasse erfolgt der Zugang zum Hofe; die beiden unteren Bogengänge desselben gehören noch spätgotischer Zeit an, das oberste Geschoß wurde erst gegen Ende [50]des 17. Jahrhunderts aufgesetzt. Auch das linksseitige Eckhaus (1587) verdient seiner abschließenden Form wegen Erwähnung.

Im steilen Teile der Sporgasse ist das Haus Nr. 25, das Palais Saurau, bemerkenswert; das mächtige Einfahrtstor aus rustizierten Quadern mit Wappen (vom Jahre 1630) hat noch das Oberlichtgitter, eines der reichsten Beispiele seiner Art. Aus einer Luke unter dem Hauptgesimse schaut die buntbemalte Holzfigur eines mit Krummsäbel und Schild bewehrten Türken heraus, wohl ein Hauszeichen, an das sich sagenhafte Erinnerungen an die Zeiten drohender Türkengefahr geknüpft haben. Gegenüber das alte Wirtshaus „Zur Pastete“ mit einem kleinen Vorplatze; malerischer Blick auf die tiefer liegenden Häuser der Sporgasse.

Man geht von hier am besten in die Hofgasse zurück, am „Taubenkogel“ oder „Gymnasialstöckl“, Haus Nr. 9, einem schmalen vierstöckigen Gebäude von 1619, vorüber auf den regelmäßigen, allseitig geschlossenen Franzensplatz der erst 1824 entstand; ihn schmückt das Standbild des Kaisers Franz I. Das zu Mailand in Erz gegossene Werk Marchesis stellt den Kaiser in der reichen Ordenskleidung des goldenen Vlieses dar (enthüllt 1841).

Die Ostseite nimmt das städtische Theater am Franzensplatz ein, errichtet im Jahre 1825 an Stelle des früheren abgebrannten Gebäudes nach Plänen von Peter Nobile. Eine vor kurzer Zeit vorgenommene Erneuerung des Inneren sichert dem für Schauspiel und kleine Opern hervorragend geeigneten Bau (Fassungsraum rund 900 Personen) langen Bestand. Der der Hofgasse zugewendete Teil enthält den Redoutensaal mit seinen Nebenräumen, einen einfachen, aber vornehmen Ballsaal, der bisweilen auch zu Ausstellungen verwendet wird.

In dem großen Gebäudekomplexe gegenüber dem Theater, der sich auch in die Bürgergasse fortsetzt, war bis zum Jahre 1895 die 1585 als Jesuitenakademie gegründete Universität untergebracht; in der einspringenden Ecke am Anfänge der Bürgergasse links Zugang zum Priesterhause mit einem imposanten Hofe (erbaut 1573) rechts zur früheren Universitätsbibliothek, deren großer Saal, von Maria Theresia 1778 in die heutige Gestalt gebracht, nunmehr den Zwecken des k. k. Statthaltereiarchives dient. - Das Haus Bürgergasse 1 neben der breiten Stiege fällt durch seine gute Fenstergliederung auf. Durch ein mit Figuren [51] geschmücktes Steinportal des 18. Jahrhunderts gelangt man in die breite Einfahrt; in dieser führt linker Hand die Tür in eine Kapelle mit interessanten Fresken von Franz Janneck; schöner Hof mit figuralem Brunnen. Von den ansehnlichen Bauten der Bürgergasse ist das Haus Nr. 6 mit schönem, durch Ankündigungstafeln leider entstellten Portalbau erwähnenswert; auf der rechten Seite der Bürgergasse führen mehrere Zugänge zu den früher (siehe S. 46) geschilderten Plätzen: Glockenspielgasse, Bindergasse - Eckhaus mit guter Lösung - Durchgang im Hause Nr. 16 auf den Bischofplatz; am Ende der Bürgergasse rechts die Hans Sachs-Gasse zur Herrengasse, links der Tummelplatz zur Burg- und Normalschulgasse. Die Ecke der Bürgergasse und des Tummelplatzes bildet das k. k. I. Staatsgymnasium, erbaut an der Stelle des alten Leonhardklosters (zuletzt k. k. adeliges Damenstift), von dessen Kirche der Chorschluß mit Strebepfeilern noch erhalten ist; in der Burggasse Nr. 13 (früher k. k. Lehrerbildungsanstalt) das Steiermärkische Gewerbeförderungsinstitut (stän- [52]dige technologische Ausstellung, Einrichtungen für Arbeiterwohlfahrt, Bibliothek).

Auf jener Terrasse, die im Westen durch die Bürger-, im Osten durch die Burggasse begrenzt wird, erhebt sich die Domkirche zum heil. Agydius, ein dreischiffiger spätgotischer Bau mit überhöhtem, aber nicht selbständig beleuchtetem Mittelschiffe, so daß der Eindruck einer Hallenkirche entsteht. An die beiden Langseiten des Schiffes wurden im 17. Jahrhundert Kapellen angebaut, dem Chore legt sich nördlich das zweigeschossige Hoforatorium, südlich die 1615 erbaute Sakristei vor. Der kupferne Dachreiter gehört dem Jahre 1663 an. Die Bauzeit der Kirche erstreckt sich über die Jahre 1438 bis 1462. Die Gewölbe des Chores waren 1450 vollendet, das Westportal, im geschweiften Spitzbogen ausgeführt und mit vier Wappenschildern und dem Wahlspruche des Erbauers Friedrich III., A. E. I. 0. U. (Austria erit in orbe ultima), geschmückt, trägt die Jahreszahl 1456. - Sonst hält sich das Äußere in bescheidenen Formen; von dem Freskenschmucke daselbst sind nur mehr zwei Bilder erhalten, eine Dornenkrönung am Chorschlusse und das wertvolle große Gemälde an der Südseite; dieses entstand bald nach 1480 und schildert in einer großartigen Komposition die Not, welche damals die „drei Gotzplagen“, nämlich Türkeneinfälle, Heuschreckenschwärme und die Pest, hervorriefen. „Das Bild zerfällt in zwei Teile; der obere enthält die Mächte des Himmels und der Erde, der untere in drei Bildern das göttliche Strafgericht. Beide sind durch ein erklärendes Schriftband getrennt.“ Im oberen Teile war für die Komposition die Abgrenzung durch einen zwischen zwei Streben gespannten Stichbogen maßgebend: In erhabener Größe thronen die drei göttlichen Personen, vor denen Maria und Johannes der Täufer als Fürsprecher knien, links und rechts von der Mittelgruppe „scharen sich um sie die Erzväter, Patriarchen, Evangelisten und Hauptheiligen“; den Himmel trennt von der Erde ein zum Stichbogen paralleler Streifen, der aus den neun Chören der Engel zusammengesetzt ist. Die Mitte der irdischen Welt nimmt der Papst ein; beiderseits knien in Zellen der heil. Franziskus und der heil. Dominikus. Auf Franziskus folgen nach links die Vertreter der geistlichen Macht, auf Dominikus nach rechts die der Laienwelt. Der untere Streifen, in dem die Darstellung der Türkennot den überwiegenden [53]Raum zwischen der Heuschreckenplage (links) und der Pest (rechts) einnimmt, hat durch die Einflüsse der Witterung stark gelitten; er ist vor allem dadurch interessant, daß jedesmal Darstellungen von Graz als Hintergrund gewählt sind; das Mittelbild enthält die älteste Gesamtansicht der Stadt.

Die innere Architektur der Kirche ist mit einer weißen Kalktünche überzogen, unter der noch Reste der einstigen Bemalung verborgen liegen. Dafür entschädigt die Einrichtung durch ungewöhnlichen künstlerischen Reichtum. Kunstvolle Eisengitter trennen das Langhaus von den Kapellen; gleich diesen ist auch die Sakristei reich stuckiert. Am bedeutendsten scheint der 1730 bis 1733 errichtete Hochaltar; mit großem Geschicke ist der bis an das Gewölbe reichende Aufbau aus Marmor dem Chorabschluß eingefügt (Statuen von Schoy, Gemälde von Flurer); am Tische des Hochaltars wie der beiden an die ersten Pfeiler des Langhauses angelegten Altäre ist venezianisches Plattenmosaik verwertet.

Von den anderen Einrichtungs- und Schmuckstücken können nur folgende erwähnt werden: die rechts und links vom Choraufgange aufgestellten Reliquienschreine mit Elfenbeinreliefs von hohem Kunstwerte. Diese prächtigen italienischen Arbeiten stammen aus dem 16. Jahrhundert und stellen allegorische Figuren nach Petrarcas Gedicht „I trionfi“ dar. Die Reliquien sind Geschenke des Papstes Paul V. an Erzherzog Ferdinand (1617) und befanden sich ursprünglich in anderen Behältern. Die Schreine kamen aus dem Besitze des Hauses Gonzaga in Mantua wahrscheinlich mit Eleonore Gonzaga, der zweiten Frau Ferdinands, 1622 nach Graz. Dann das alte Hochaltarbild (das Grazer Dombild) vom Jahre 1457, das jetzt an der Nordwand des Chores hängt; es stellt die „Kreuzigung Christi“ in einer reichhaltigen Komposition dar und ist ein Werk des Salzburger Malers Konrad Laib. Schließlich das große, gegenüber aufgehängte Votivbild der Erzherzogin Maria zum Andenken an ihren Gemahl Erzherzog Karl II., gearbeitet 1591 bis 1593 von dem Maler Jakob de Monte.

Das an die Nordseite des Chores angebaute Hoforatorium (Abb. S. 51) besteht aus einer Doppelkapelle gotischen Stiles und einem von dell’Allio hinzugefügten Obergeschosse mit Doppelfenstern. Im ersten Stockwerke wird das Altarbild der 1853 demolierten Hofkapelle („Pieta“ von Giulio Licinio, ge [54]malt 1572) aufbewahrt; daselbst Glasgemälde vom Jahre 1449. Am Chorschluß neben der „Dornenkrönung“ Epitaph für den Prälaten Hebenstreit.

Ein schmaler Durchgang trennt die Domkirche vom Mausoleum Kaiser Ferdinands II. (Abb. S. 55). Die Stelle nahm bis zum Jahre 1613 eine der heil. Katharina geweihte Kapelle ein; Kaiser Ferdinand II. ließ den alten noch romanischen Bau bis auf die halbkreisförmige Apsismauer abtragen. Pietro de Pomis, der damalige Hofkünstler, ein Oberitaliener von Geburt (aus Lodi, ✝ 1633 in Graz), ist der Architekt dieses Barockbaues, der nächst dem Landhause wohl die meisten Ansprüche auf allgemeine Wertschätzung erheben kann. Der Hauptnachdruck ist auf die westliche Eingangsseite verlegt und macht sich hier mit einer unerhörten Kraftentwicklung geltend. Vier jonische Halbsäulen, welche die Wand gliedern und das durch einen Dreiecksgiebel sowie eine Schrifttafel hervorgehobene Hauptportal zwischen sich nehmen, tragen eine stark verkröpfte Attika; in diese schneidet der die mittleren Säulen überbrückende kleinere Segmentgiebel ein, welcher die Mitte des Baues stärker betont. Als Abschluß lastet ein großer Segmentgiebel, in den ein durch stark vorspringende Gesimsplatten in seiner Wirkung gehobener Dreiecksgiebel eingeschachtelt ist, mit Riesenkraft auf dem dieser Leistung kaum gewachsenen Frontbau. Ein fortwährendes Drücken und Gegenspannen macht sich in den Formen geltend und wird durch die Enge des Platzes noch stärker fühlbar. Fast flächenhaft ruhig erscheint dagegen die Dekoration der anderen Seiten.

Die reiche Massenerscheinung des Baues ist eine Folge seines Grundrisses: ein lateinisches Kreuz, mit dessen rechtem Querarme die ovale, durch eine besondere Kuppel gedeckte Gruftkapelle verbunden ist; über der Vierung erhebt sich eine kleinere, durch ihren hohen Tambour emporgehobene Kuppel. Die Apsis ist halbrund, die Sakristei legt sich parallel um sie; das Ende der Längsachse markiert der mit der Apsis verbundene Turm, welcher in mäßiger Verjüngung über alle anderen Bauteile emporsteigt (Abb. S. 51). Von der Innendekoration stammt nur die der Gruftkapelle von Pietro de Pomis; die des Schiffes, besonders aber der Reliefschmuck im Tambour, ist ein Werk des in Graz geborenen Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach (1687); an den Wölbungen symbolische Malereien. - Die Gruft birgt die Gräber Kaiser Ferdinands II., dessen Ge- [55] [56]mahlin Maria Anna u. a. Der große Sarkophag aus rotem Marmor gehört nicht zur ursprünglichen Einrichtung der Gruft. - Besichtigung aller Teile des Gebäudes gegen Anmeldung beim Mesner.

Am Ende der Hofgasse, nordöstlich vom Dome, breitet sich die Burg aus. Kein einheitlicher Plan liegt dem weitverzweigten Bau zu Grunde, den eine 1853 angeblich wegen Baufälligkeit erfolgte Abtragung fast um die Hälfte verkleinert hat. Das große rustizierte Portal (großes Wappen auf dem Tore, gemalt 1630) führt in den ersten Burghof und zu dem Treppenhause. Reste der 1853 gefallenen Prunkstiege, einem Werke dell’Allios, bemerkt man an der Rückseite des Torbaues (Archivolte, Wappen, Kränze [Abb. S. 51]); in der Nordwestecke des Hofes die gotische Doppeltreppe von 1500, eine technisch merkwürdige Anordnung zweier in jedem Geschoß einander treffender Wendelläufe. Der durch seine zahlreichen Rauchfänge auffällige Ostbau von 1570 wendet seine Hauptfront dem Burggarten zu. Die im Norden auf den ersten Hof folgenden Bauten stammen aus der Zeit Friedrichs III., der auch den demolierten Trakt in der Hofgasse erbaut hat (Mitte des 15. Jahrhunderts), der durch Arkaden bereicherte, nach Westen gerichtete Flügel aus dem Jahre 1600. Ein Gang durch die Höfe und den nördlichen Teil des sogenannten Theatergartens erschließt eine Fülle malerischer Blicke auf den Dom und das Mausoleum sowie auf das Gewirre alter Dächer und Bauteile der Burg selbst.

In unmittelbarem Zusammenhänge mit der Burg steht das alte Burgtor, der Rest eines auf vier Pfeilern sich erhebenden Torbaues spätgotischer Zeit; ostseitig verdeckt ein zweigeschossiger Bogengang die alten Formen. Auf der links vom Burgtor angelegten Bastei gedeiht seit 1596 der Burggarten, ein verschwiegener Park mit hohen Alleen und schönen Fernblicken auf die Stadt und ihre Umgebung, der nur bei Festlichkeiten allgemein zugänglich ist. Außerhalb des Burgtores, durch welches man in den Stadtpark gelangt, steht das 1837 als Torwachhaus erbaute Cafe Promenade.

In der Nordostecke des Franzensplatzes stellt die Hartiggasse eine Verbindung mit dem Karmeliterplatz her; seine Geschlossenheit gewinnt noch durch die Gestaltung der Westseite. Das große Haus Paulustorgasse 1 (Aufgang auf den Schloßberg) überragt der Schloßberg mit dem Uhrturme. Der Karmeliterplatz [57]ist der Standplatz der 1680 nach dem Erlöschen der Pest von Kaiser Leopold I. errichteten Dreifaltigkeitssäule; dieses Denkmal stand ursprünglich an der Ausmündung der Sackstraße in die Herrengasse und wurde erst 1876 auf seinen jetzigen Platz gebracht.

Gleich an der Ecke in die westlich vorbeiführende Paulustorgasse überrascht ein Fernblick auf den Schöckel; auch die von einer Böschungsmauer gestützte Rampe, deren Grenzlinie mehrere hohe Pappeln wirksam begleiten, lenkt das Augenmerk auf sich. Fast die ganze Ostseite der Paulustorgasse wird von den Gebäuden des Allgemeinen Krankenhauses eingenommen; unter diesen gebührt dem Hause Nr. 6 (Hauptgebäude) der Vorrang. Am Anfänge des 18. Jahrhunderts erbaut, gehörte es anfänglich der Familie Wildenstein, später dem Stifte St. Lambrecht und dient seit 1786 dem heutigen Zwecke. An der imposanten Palastfassade fällt außer dem als Hauptmotiv der Dekoration gebrauchten Flügel (dem Wappen der Wildenstein entnommen) die Teilung durch große Halbsäulen von elliptischem Querschnitte auf. Da das Krankenhaus lange nicht mehr allen Anforderungen genügt, so ist an der Peripherie der Stadt, gegenüber der St. Leonhard-Kirche eine ausgedehnte Neuanlage geschaffen worden, die in einigen Jahren der Benützung übergeben werden wird (siehe S. 68).

Schräg gegenüber führt eine Treppe zur kleinen Antoniuskirche (gegründet 1602 als Denkmal der Gegenreformation), die baukünstlerisch wenig bietet. Ihr Hochaltarbild stammt von Pietro de Pomis und ist eine figurenreiche Verherrlichung der Gegenreformation: Die Gestalt der Religion fordert Ferdinand II. zum Kampfe für die katholische Kirche auf. An der Nordwand des Schiffes hängt ein anderes Bild desselben Künstlers, welches ehemals den Hochaltar im Klarissinnenkloster „Zum Paradeis“ zierte.

Das die Gasse abschließende Paulustor (Abb. S. 63; erstes Viertel des 17. Jahrhunderts) weist stadtseitig in einfachen Formen auf; an der Außenseite aber ergibt die starke Rustizierung und das gute Verhältnis der Durchbrechungen eine stattliche Wirkung; die großen Marmorwappen über den Durchgängen für die Fußgeher bringen einen guten Kontrast in das Ganze. Heute dient das Torgebäude als Garnisonsarrest.

Außerhalb des Paulustores liegen die Vorstädte Graben und Geidorf.

[58]

Sackstraße. Rundgang um den Schloßberg.

Auch an die steile Westseite des Schloßberges schließt sich ein alter, malerischer Straßenzug, die Sackstraße. Einst führte die ganze, zwischen den Berg und die Mur eingeengte Straße diesen Namen, heute kommt er nur mehr dem südlichen, doppelseitig verbauten Teile zu; im nördlichen wurde durch Abtragung der murseitigen Häuserreihe, die dicht an den Fluß gerückt war, ein Kai geschaffen, der bei der Franz Karl-Brücke beginnt und bis zur Ferdinandsbrücke reicht. Das Bestreben, den am Abhange des Schloßbergs verfügbaren Raum durch tiefe Rückgebäude auszunützen, führte zu einer starken Bogenführung der rechten Seite, die vom Hauptplatz aus als guter Abschluß wirkt. Fast jedes Haus bietet eine Merkwürdigkeit: die ersten Bauten der rechten Seite wenden ihre schmale Giebelwand der Straße zu und haben dadurch eine bewegte Dachlinie; bei Nr. 10 Eingang in einen langen, schmalen Hof, dessen nördlicher Flügel mit Bogengängen versehen ist; reizvoller Blick auf den südlichsten Teil des Schloßbergs und ein altes Gartenhaus. Den schönsten aller Grazer Höfe nächst dem des Landhauses enthält das Haus Nr. 12 „Zum Krebsenkeller“. Man gelangt durch das große Haustor zuerst in einen schmalen Hof mit Arkadenstellungen am Nordflügel, dann durch einen unregelmäßigen, gewölbten Flur in den großen Hof, dessen Reichhaltigkeit genaueres Besehen lohnt. Der Westabschluß enthält das durch eine offene Loggia geschmückte Treppenhaus und läßt trotz mancher Änderungen doch erkennen, daß seine Fenster der steirischen Lokalschule vom Ende des 16. Jahrhunderts angehören (Abb. S. 59). Dagegen überraschen an der Ostseite ältere Bestände, so eine offene Halle mit vierfach geteiltem Bogenfenster und reichgewölbter Decke. Auch hier überragt der Schloßberg die Bauten und zeigt den Uhrturm.

Gegenüber dem mit feinem Stuckzierat geschmückten Hause Nr. 14 führt die schmale Admontergasse in einen interessanten Bautenkomplex, in das sogenannte „Paradeis“ und in den Admonterhof. Das Paradeis entstand in der heutigen Größe im Jahre 1568 als protestantische Lehranstalt, wurde 1602 anläßlich der Gegenreformation in ein Klarissinnenkloster umgewandelt und befindet sich seit dessen Aufhebung (1782) im Privat- [59] [60]besitze; die mit dem Stifte verbundene Kirche wurde damals abgetragen. (Ausgang durch die Paradeisgasse in die Murgasse.)

Der benachbarte Admonterhof gehört verschiedenen Zeitperioden an; größere Teile wurden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vom Architekten des Landhauses (dell’Allio) erbaut, Erweiterungen erfolgten im 17. und auch im 18. Jahrhundert ; an mehreren Stellen geben wappengeschmückte Tafeln und Jahreszahlen auf Architekturteilen Anhaltspunkte für die interessante Geschichte des Baues.

Im Palais Herberstein (Sackstraße Nr. 16) verdient vor allem das imposante Treppenhaus (zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts) mit dem Deckengemälde und bewegten Kinderfiguren als Laternenträger einen Besuch. Der weitläufige Bau enthält auch die ständige Lehrmittelausstellung.

Wenige Schritte nördlich erhebt sich auf der linken Seite das stattliche Palais Attems (Nr. 17) aus dem ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts; ein eigenartiges Relief konstruktiver und schmückender Glieder überzieht die Schauseiten gegen die Straße und den kleinen Ursulinerplatz. Das hohe Steinportal, überragt von einem bewegten Balkon, führt durch ein weites Vestibül mit zart stuckierter Decke in den stillen Hof, an dessen Seiten im allgemeinen die Architektur der Hauptfassade wiederkehrt. Einen merkwürdigen Reichtum in der Dekoration der Fassade wie besonders des Treppenhauses gewahrt man auch am Nebenhause Nr. 15.

Der Nordflügel des Palais Attems grenzt an den kleinen Ursulinerplatz, auf dessen Westseite sich die Kirche des abgebrochenen Ursulinenklosters (Ende des 17. Jahrhunderts) erhebt. Von dem zur Hälfte verbauten Äußeren ist nur die Eingangswand durch eine übersichtlich gegliederte Fassade ausgezeichnet. Das Innere ist einschiffig und durch Kapellennischen bereichert, welche, von Emporen überragt, durch Einziehung der Pfeiler nach innen entstanden; großer, statuengeschmückter Hochaltar, Kanzel mit Metallreliefs.

Nach Abbruch des alten Klosters wurde den neuen Baubedingungen entsprechend ein Gebäude für Kloster und Schule der Schulschwestern aufgeführt.

Von dem nördlichen Teile der Sackstraße ist durch die Regulierungen nur die rechte Seite übrig geblieben und hat den Namen Kaiser Franz Josef-Kai erhalten. Um diesen an den [61] Schloßberg sich schmiegenden Rest der Altstadt zu genießen, wählt man mit Vorteil den Weg längs der Brüstung der Kaimauer. Giebelbauten und Längshäuser verschiedener Höhe und reich an Dachformen treten mit den aus dem Grünen blickenden Felsen des Schloßberges in eine intensive Wechselwirkung, welche nur zwei Neubauten stören. Schmale Zwischenräume zwischen den einzelnen Häusergruppen zeigen die Terrassen der Hausgärten; diese steigen den Bergabhang hinan und erschließen über Dächer und Türme weg ungeahnte Blicke auf die Berge im Norden und Westen.

Ein dem Mühlgange folgender Straßenarm verbindet den Kai mit der Wickenburggasse, deren eine Seite vom Schloßberge begrenzt wird (Fahrstraße, Major Hackher-Weg auf den Berg). Aus der Wickenburggasse durch die Jahngasse (Landesturnhalle mit großem Spielplatz) zum Jahn-Denkmal (Schloßbergweg); sowie durch die Maria Theresia - Allee zum Paulustore; von da über den Parkring, in dessen Verlaufe die Bautengruppe der Burg und der Domkirche sowie des Mausoleums günstig zur Geltung kommt, zum Burgtor, zum Stadtpark.

Die Vorstädte.

Außerhalb des Festungsgürtels der Altstadt Graz entwickelten sich schon früh auf beiden Murufern Vorstädte, denen die verschiedene Umgebung den Reiz reicher Abwechslung verlieh. Sie sind mit der eigentlichen Stadt durch alte Verkehrswege verbunden, welche die Bebauung und mit ihr das Gesamtbild bestimmten; an diesen findet der Freund traulicher Häuser und Gärten manches Denkmal einer heute verlorenen künstlerischen Gestaltungskraft. Denn die Erweiterungen der letzten Jahrzehnte griffen diese Straßen wenig an, die noch jetzt einen großen Teil des Lastenverkehres übernehmen müssen. Wohl aber fiel den Forderungen neuer Zeit mancher alte Park zum Opfer, Wasserläufe erhielten einen andern Weg vorgezeichnet und kleinere Verschiedenheiten der Bodenerhebung verschwanden. In erster Linie wurden die großen Flächen zwischen den Verkehrswegen von diesen Änderungen getroffen, die einst fast an jedem Punkt einen Blick auf die umliegenden Berge zuließen, heute aber mit geraden, eintönigen Straßen gesegnet sind. Die [62]fortschreitende Bauentwicklung bringt es mit sich, daß der abgesehen von der Murvorstadt fast ländliche Charakter der Vororte immer weiter vom Zentrum der Stadt an die Peripherie derselben abgedrängt wird.

Der den ersten Bezirk, die innere Stadt, umgebende Kreis der Vororte ist heute in fünf Bezirke eingeteilt, von denen drei (III., Geidorf, II., St. Leonhard, VI., Jakomini) auf dem linken, zwei (IV., Lend, V., Gries) auf dem rechten Murufer liegen. Die früher begründete Wichtigkeit der alten Hauptstraßen ist der Grund dafür, warum sie in der Schilderung besondere Berücksichtigung gefunden haben.

Die Vorstädte des linken Murufers.

Der dritte Bezirk Geidorf umfaßt das nördliche und nordöstliche Stadtgebiet von der Mur bis zur Elisabethstraße und wird von der inneren Stadt durch den nördlichen Abhang des Schloßberges und den großen Bogen des Stadtparkes getrennt; er ist am reichsten an freier Landschaft, denn zu ihm gehören große Teile des Rosenberges und des Rainerkogels. Nach der alten Einteilung zerfällt er in die „Viertel“ Geidorf und Graben.

Die Hauptstraße des Viertels Geidorf, die Heinrichstraße, beginnt am Paulustore (siehe S. 57) und ist der erste Teil der Reichsstraße nach Weiz; bis zur Liebiggasse herrscht geschlossene Verbauung aus neuerer Zeit. Nur das ihr zunächst (in der Mozartgasse) gelegene Meerscheinschloß verdient Beachtung, ein kleiner, schmucker Barockbau; zwei längere Flügel mit Eckpavillons erheben sich zu Seiten eines freskengeschmückten Mittelsaales. An den großen Park, der sich einst bis zum Geidorfplatz erstreckte und nach alten Bildern mit Statuen geschmückt war, erinnern einige mächtige Bäume in den geräumigen Hausgärten der Heinrich- und Goethestraße.

Östlich vom Rosenberggürtel überwiegt die auch für die Zukunft vorgeschriebene freie Bebauung. Bis an die Heinrichstraße reicht das den ganzen Südosten des Rosenberges einnehmende Gut Rosenhain mit seiner großen Allee, das aber nicht allgemein zugänglich ist.

In leichten Krümmungen, bald steigend, bald fallend, verläuft die Straße weiter gegen Nordosten und verläßt das Stadtgebiet wenige Schritte nach der Mautstation, in deren unmittel- [63]barer Nachbarschaft ein schlichtes Landhaus unter dunkeln Nadelbäumen traulich hervorblickt.

Vom Geidorfplatz aus zieht sich ein anderer alter Weg, die Körblergasse, am südwestlichen Fuße des Rosenberges hin; sie gehört zu jenen Stellen unserer Stadt, wo reiche Gärten und ein fast ungestörter Fernblick nach Westen und Norden die Nähe einer großen Häuser- und Menschenansammlung vergessen lassen. Von ihr zweigen die Hauptzugänge auf den Rosenberg ab, über die noch im letzten Abschnitte gesprochen wird, und ihr ver- [64]wandte Quergassen, welche die Verbindung mit dem Grabenviertel herstellen.

Diesen Teil des dritten Bezirkes durchziehen zwei alte Hauptstraßen in nordsüdlicher Richtung. Die eine derselben, die Körösistraße, beginnt nächst der Ferdinandsbrücke und dem Kaiser Franz Josef-Kai und war einst durch das dritte Sacktor von der Stadt aus erreichbar; sie folgt dem Laufe des Mühlganges. Niedere alte Häuschen, von wildem Wein umsponnen und von sauber gepflegten Gärten umgeben, begleiten den abwechslungsreichen Verlauf der infolge des Mühlganges industriereichen Straße; Weiden wachsen am Rande des Wassers bisweilen zu erheblicher Höhe empor und umrahmen gleich anderen mächtigen Bäumen malerische Ausblicke auf die Gegend des Rosenberges und auf die westlichen Höhen. Unter den älteren Industriebauten ist der massige, mit hohen Giebeln gekrönte Bau der Rottalmühle beachtenswert, den hohe Pappeln besondersauffällig machen.

Der andere Verkehrsweg, die Grabenstraße, schließt sich an den Westrand der Hügelgruppe des Rosenberges und des Rainerkogels. Im ersten Teile zweigt rechter Hand die Kirchengasse ab, an deren Ende die in der Mitte des 17. Jahrhunderts erbaute Pfarrkirche zum heil. Johannes Baptist steht. Von der Langen Gasse an, die zur Theodor Körner - Straße und zur neuen Lehrerbildungsanstalt führt, überwiegt abgesehen von den großen Bauten geistlicher Institute (u. a. Fürstbischöfliches Knabenseminar, Gymnasium, Privatrealschule der Marienbrüder) der landschaftliche Charakter und eine ihm angemessene freie Bebauung.

Obstreiche Gärten und Wiesen wechseln an der Westseite der Straße miteinander ab; der Ostseite nähern sich vom Lindweg an immer mehr die Ausläufer des Rosenberges und des Rainerkogels. Oberhalb der Hochsteinstraße beginnen die auf den sonnigen Südhängen angelegten Weingärten, die in das Bild einen eigentümlichen Ton hineinbringen. An größeren Bauten begegnet man hier dem Kloster der Karmeliterinnen mit einer 1836 erbauten Kirche und weiter nördlich dem Kloster der Karmeliter; die unter Klausur stehende Kirche führt den Namen Maria-Schnee und gehört in ihrer heutigen Gestalt dem 18. Jahrhundert an. Ein Flügel des Klosters erstreckt sich auch längs des Grabenhofweges, der die Talung zwischen Rainerkogel [65]und Rosenberg benützt und in seiner Stille zu den reizvollsten Spazierwegen zählt; man erreicht auf ihm die Höhen zwischen Rosenberg und Rainerkogel (siehe S. 82). An der Steinbruchmaut (Straßenbahn nach Andritz) vereinigt sich die Grabenstraße mit der Körösistraße und setzt sich in die den Schöckelbach entlang laufende Straße nach Andritz fort.

In den letzten Jahrzehnten entstanden auf den Flächen zwischen diesen Hauptstraßen und kleineren alten Wegen neue Wohnviertel, bei deren Anlage die Umgebung leider nur wenig berücksichtigt wurde.

Der südöstliche Teil des dritten Stadtbezirkes breitet sich zwischen Heinrich- und Elisabethstraße aus und ist seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts der dichteren Bebauung erschlossen. Von der Glacisstraße, welche im Osten den Stadtpark begrenzt, gelangt man durch die schmale Rittergasse zu der nach 1280 vollendeten Leechkirche (Kommende des Deutschen Ritterordens). Auf einer kleinen, einst rings freistehenden Anhöhe erbaut, wendet sie die schlichte zweitürmige Westfassade der Glacisstraße zu; die Südseite ragt über den kleinen Garten des Benefiziatenhauses an der Zinzendorfgasse empor und zeigt die großen, durch reiches Maßwerk geteilten Fenster. Um die Chor- und Nordseite zieht sich der kleine Kirchgarten, der ehemalige Friedhof, herum.

Beim Eintritte durch das Hauptportal überrascht die Größe des ungeteilten Innenraumes, der sich über drei Gewölbejoche erstreckt und in einem vieleckigen Chorschluß endigt. Die Einfachheit der aufgewendeten Mittel für Konstruktion und Schmuck mag ein Grund dafür sein, warum wir diesen Raum als das schönste Beispiel gotischer Raumkunst in unserer Stadt bezeichnen. Die Kirche erhält ihr Licht durch die Fenster der Südseite und des Chores, die der Nordseite sind heute zugemauert; ihr schönster Schmuck sind die teilweise noch ins 13. Jahrhundert gehörigen, in tiefen, satten Farben leuchtenden Glasgemälde. Links von dem barocken Hochaltar, auf dem eine Marienstatue vom Ende des 15. Jahrhunderts steht, ist ein Tabernakel mit reich verziertem Gitter in die Wand eingelassen, das die Jahreszahl 1499 und ein Steinmetzzeichen trägt. Von dem sonstigen Inventar der Kirche verdienen mehrere Tafelgemälde Interesse, so ein in der Musikempore hängendes Bild der Heiligsten Dreifaltigkeit; dann das Votivbild des Komturs Konrad v. Stuch- [66]witz (1499) an der Nordwand und gegenüber ein der Kölnischen Schule entstammendes dreiteiliges Altarbild, darstellend im Mittelstücke die heil. Margarete, im linken Flügel die heil. Katharina, im rechten die heil. Barbara. Auch die zu beiden Seiten des Chores angebrachten Fahnen Deutscher Ordensritter sowie mehrere Grabdenkmäler sind nicht zu übersehen.

Die heutige Form der Westfassade geht auf einen im Jahre 1500 erfolgten Umbau zurück; im Giebelfelde des Portals dient ein Fresko mit Schriftband (darauf die Jahreszahl 1500) einer konsolenähnlich angebrachten thronenden Madonna mit Kind als Hintergrund. An der südlichen Außenseite der Kirche befindet sich die Grabstätte des steiermärkischen Dichters Johann Ritter v. Kalchberg (f 1827), an der nördlichen eine Erinnerungstafel an den 1819 in Wien gestorbenen Grazer Lyriker Karl Schröekinger. Das kleine, zur Kommende gehörige Benefiziatenhaus an der Zinzendorfgasse war nach der Gedenktafel aus dem Jahre 1583 einst eine Asyl- und Zufluchtstätte; der Asylstein liegt noch heute neben der vom Wappen des Ordens überragten kleinen Eingangstür.

Durch die Zinzendorf- oder Harrachgasse kommt man zu den neuen Gebäuden der k. k. Karl Franzens-Universität. Das 1890 bis 1894 nach Plänen von Rezori erbaute Hauptgebäude wendet seine mit Statuen geschmückte Eingangsfront dem an der Halbärthgasse gelegenen Universitätsplatze zu und wird im Norden vom physikalischen, im Süden vom chemischen Institute flankiert; hinter ihm befindet sich in einem besonderen Gebäude die Universitätsbibliothek. Die Bibliothek enthält gegen 130.000 Bände, Druckwerke und mehrere tausend Handschriften, darunter kostbare Prachtwerke, Manuskripte mit prächtigen Initialen, so z. B. die von Erasmus Stratter geschriebene Bibel von 1469. - Eintritt während der Lesestunden (von 8, resp. 9 bis 1 Uhr vormittags und von 3, resp. 4 bis 7 Uhr nachmittags) frei.

Hinter dem chemischen Institut steht das Gebäude der naturwissenschaftlichen Institute, hinter dem physikalischen das der medizinischen Institute mit der staatlichen Untersuchungsanstalt für Lebensmittel. Die Institute für Anatomie und Physiologie sind in dem großen Gebäude westlich vom Universitätsplatz an der Harrachgasse und Goethestraße untergebracht. Der botanische Garten mit dem Palmenhaus und dem Institutsgebäude liegt nächst dem Hilmteich an der villenartig verbauten [67] Schubertstraße, welche gleich der älteren Leechgasse die Zinzendorfgasse fortsetzt und zum Hilmteich führt (siehe S. 78).

Die Grenze zwischen dem dritten und zweiten Stadtbezirk (St. Leonhard) wird durch die nicht weit außerhalb des Burgtores beginnende Elisabethstraße gebildet; sie ist in gerader Linie auf ihr Ziel, den Turm der St. Leonhard-Kirche, gerichtet und entstand im Jahre 1841. Die geschlossene Verbauung erstreckt sich auf die stadtseitige Hälfte der Straße, die andere ist von vornehmen Villen begleitet und durch große Alleebäume geschmückt. An der Ecke der Glacisstraße erhebt sich das imposante Gebäude des k. u. k. Korpskommandos, ein palastartiger Bau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, an der linken Ecke der Beethovenstraße das Palais Kottulinsky (heutige Gestalt von Gunolt). Den Hauptverkehr des zweiten Bezirkes vermittelt die krümmungsreiche Leonhardstraße; wenn auch die Elisabethstraße heute als erster Teil der alten Reichsstraße über die Ries nach Gleisdorf und Ungarn erklärt ist, so blieb doch der Lastenverkehr in zäher Gewohnheit der Leonhardstraße treu und wurde nur durch die Anlage der elektrischen Straßenbahn auf den andern Weg gezwungen. Von den Bauten der Leonhardstraße nennen wir: das „Grünangerhaus“ an der Ecke der Glacisstraße, welches 1797 erbaut wurde und einst eine Brauerei enthielt, das Palais Meran (gegenüber dem Hotel „Zur goldenen Birne“), 1841 bis 1843 von Erzherzog Johann erbaut, das Palais Herberstein mit großem Park und das neue Klostergebäude der Ursulinen. Weiter östlich zweigen von der Straße die verschiedenen Wege auf den Ruckerlberg ab (siehe den folgenden Abschnitt).

Elisabeth- und Leonhardstraße treffen vor der Leonhardkirche zusammen. Den mit alten Bäumen bestandenen Kirchplatz betritt man durch ein der Mauer eingefügtes schmiedeeisernes Gittertor. Die 1433 geweihte Kirche weist in ihrem Grundriß einige Verwandtschaft mit der Leechkirche auf; der einschiffige Innenraum ist durch ein spätgotisches Netzgewölbe überdeckt. Dem Äußeren legen sich mehrere Anbauten, darunter der in Barockformen errichtete Turm, vor. Die Kirche schließt sich mit dem Pfarr- und Mesnerhaus (an diesem Gedenktafel für L. K. Seydler, den Komponisten des Dachsteinliedes) zu einem malerischen Gesamtbilde zusammen. Hinter ihr erstreckt sich der Leonhardfriedhof bis an den Leonhardbach; er enthält außer dem Grabe des Admirals Tegetthoff auch Hamerlings [68] Ruhestätte, geschmückt durch Brandstätters sinniges Grabdenkmal. Die Terrasse auf der linken Seite der Riesstraße trägt seit mehreren Jahren die große Anlage des neuen, noch nicht eröffneten Landes-Krankenhauses.

Der südlich von der Leonhardstraße gelegene Teil des zweiten Bezirkes ist bis an die Sparbersbachgasse, den überwölbten Lauf des Sparbersbaches, dicht verbaut; wenn wir auch größeren Gärten begegnen, so ist doch vom ländlichen Reize, den noch vor zwei Jahrzehnten die Morellenfeldgasse ausübte, heute bis auf geringe Reste kaum etwas zu fühlen. Zu den neueren Straßen daselbst gehört die am Glacis beginnende Rechbauerstraße; dort, wo sich einst der Mandellsche Garten mit seinem zierlichen Schlößchen auf dem welligen Boden ausbreitete, steht seit 1888 das große Gebäude der k. k. Technischen Hochschule, ein Werk der Professoren Wist und Horky.

Das fürs Stadtbild bedeutendste Bauwerk des zweiten Bezirkes ist die Herz Jesu-Kirche; auf einem allseitig freien Platz erbaut, wendet sie die Hauptfront nach Westen der Naglergasse zu (Haltestelle der Straßenbahn zum Schillerplatz). Sie wurde 1881 bis 1891 nach den Plänen des in München tätigen Architekten Georg Hauberisser (geb. 1841 in Graz) anschließend an Vorbilder frühgotischen Stiles in Ziegelrohbau errichtet und ist die größte Kirche von Graz. Den besten Überblick über die Nord- und Westseite hat man von der Ecke der Sparbersbach- und Naglergasse; der Chorbau und die reiche Südfront kommen an der Ecke der Nibelungengasse und Schillerstraße am besten zur Geltung. Der nach der Mitte zu sich stark senkende Platz nötigte zur Anlage einer Unterkirche, welche den Bau mächtig emporhebt; die Oberkirche ist als einheitliches Schiff mit beiderseitigen Kapellen durchgeführt. Außer den durchweg gut gearbeiteten Altarbauten schmücken großzügige Fresken von Karger und Goldfeld den Raum an mehreren Stellen: im Chor, an den Westwänden der Kapellen (in diesen die Kreuzwegbilder von Kastner) und in zyklischer Folge als Friesband unter den Fenstern des Hochschiffes. Die mächtige Orgel ist ein Werk von Walcker in Ludwigsburg. In der Unterkirche ruht links vom Eingänge zu Füßen einer Passionsstatue Christi von Trenkwalder der Bauherr der Kirche, Fürstbischof Dr. Johannes Zwerger (Grabdenkmal von Brandstetter). Die Abbildung auf Seite 69 gibt einen malerischen Überblick auf die Kirche durch Gärten.

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Schörgel- und Petersgasse (Kloster der Herz Jesu-Damen) begrenzen im Südosten den zweiten Bezirk und führen an bescheidenen Häusern vorbei zu dem 1787 errichteten St. Peter-Friedhof. Hier finden Freunde schlichter Friedhofkunst gute Formen alter Grabsteine; der Friedhof enthält u. a. die Gräber des Freiherrn v. We1den, des Dichters Karl Gottfried Ritter v. Leitner, des Geschichtschreibers Zwiedineck (Grabdenkmal von August Rantz). An ihn schließt sich nördlich der evangelische Friedhof, eine schöne Anlage nach Art eines Gartens mit prunkhaften Familiengrabstätten und künstlerischen Denkmälern. Beide Friedhöfe gewähren prächtige Ausblicke auf den Schöckel und auf die nahen östlichen Hügel.

Der sechste Bezirk Jakomini umfaßt den südlichen Teil des linken Murufers und ist nach Kaspar Andrä v. Jakomini benannt, der am Ende des 18. Jahrhunderts durch eine rege Bautätigkeit diese Vorstadt begründete; von dem bedeutendsten seiner Bauten, dem alten Postgebäude, war bereits S. 42 die Rede. Nach der heutigen Abgrenzung erstreckt sich der Bezirk östlich bis an die Schörgel- und Petersgasse, nördlich bis an die Radetzkystraße. Schon vor der Gründung durch Jakomini durchzogen mehrere alte Straßen die weiten Flächen außerhalb des Eisentores, so östlich die Münzgrabenstraße, westlich die untere Schönaugasse. Der Münzgrabenstraße blieb noch viel von der alten vorstädtischen Bebauung mit niedrigen, ab und zu von anmutigen Gärten unter- [70]brochenen Häusern. An der linken Seite (Straßenbahnlinie nach St. Peter) erhebt sich die zweitürmige Münzgrabenkirche zur heil. Anna aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, ein in der Raumgliederung übersichtlicher einschiffiger Bau mit Kapellen zwischen den eingezogenen Pfeilern. Das an die Kirche stoßende Kloster mit einem alten Parke gehörte einst den unbeschuhten Augustinermönchen, als deren erster Prior in Graz der berühmte P. Abraham a Santa Clara wirkte, später den Jesuiten und ist heute im Besitze der Dominikaner. Ein verschwiegener Weg, der Hafnerriegel, führt nördlich vom Kloster an dessen Mauer entlang zur Petersgasse; kleine Häuser begleiten die eine Seite und lassen zwischen sich Ausblicke auf große Gärten frei, deren Blütenpracht nun bald durch die fortschreitende „Zerschönerung“ vernichtet werden wird.

Die meisten Straßenanlagen südlich von der Grazbachgasse (überwölbter Lauf des Grazbaches) entstanden erst in den letzten Jahrzehnten und sind von eintöniger Gleichförmigkeit. Die Jakominigasse als Hauptstraße führt zum Staatsbahnhof; an ihrem Verlauf erheben sich mehrere öffentliche Gebäude, so das k. k. Finanz-Zentralgebäude, ihm gegenüber, durch Miethäuser verdeckt, die k. k. Staats-Gewerbeschule (Eingang Pfeifengasse), weiter südlich das Gebäude des Landes- als Strafgerichtes und nicht weit vom Staatsbahnhofe die Industriehalle (für Feste und Ausstellungen, Platz der Herbstmesse), an die sich ein großer Park und der Rennplatz anschließen; dieser grenzt an das mitten, im Grünen auf einer Terrasse stehende Münzgrabenschlößchen. Einen großen Platz an der Ecke der Schönaugasse und des Schönaugürtels nimmt die neu erbaute Pfarrkirche zu In heil. Josef ein.

Der Mur entlang, zwischen dem neuen und alten Laufe des Grazbaches (Neuholdaugasse), breitet sich der städtische Augarten oder Ohmeyer-Park aus; herrliche Bäume, die zu gewaltiger Größe gediehen sind, stehen auf weiten Wiesenflächen, Weidengebüsche begleiten das Ufer des Flusses - eine Vorahnung der ausgedehnten Murauen im Süden der Stadt.

Die Bebauung der noch freien Gründe schreitet seit der Eröffnung des Gebäudes der k. k. Handelsakademie (Grazbachgasse) rasch vorwärts und schließt allmählich das eintönige System einander rechtwinklig kreuzender, gerader Straßen, denen bisweilen der Schloßberg einen unbeabsichtigten monumentalen Abschluß verleiht.

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Die Vorstädte des rechten Murufers.

Die alte Murvorstadt, die sich geschlossener entwickelte als die Vorstädte des linken Murufers, wird heute durch die zum Südbahnhofe führende Annenstraße in die zwei Bezirke Lend (IV.) und Gries (V.), geteilt.

Der vierte Bezirk Lend. Gleich nach dem Überschreiten der Franz Karl-Brücke gelangt man am „Eisernen Haus“ vorüber auf den Murplatz; die alten Häuser auf der rechten Seite kehren meist ihre Giebelseite dem Platze zu, doch erscheinen nur mehr einzelne von ihnen in der ursprünglichen Form. Das Eckhaus Nr. 6 verdient seiner guten Barockformen wegen Beachtung, ebenso das Haus Nr. 2 am Anfang der Mariahilferstraße, die als Teil eines alten Verkehrsweges ihr Gepräge behielt und an stattlichen Steinportalen und sonstigen Beispielen bürgerlicher Bauweise reich ist. Den Murplatz schließt im Westen die einspringende Ecke in die Feuerbachgasse und die Längsseite eines hohen Giebelhauses in guter Massenentwicklung ab.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Murplatzes liegen zwei große Klosterbauten mit ihren Kirchen: das Kloster und Spital der Barmherzigen Brüder und jenes der Minoriten zu „Maria-Hilf“.

Die Barmherzigenkirche ist ähnlich der Stadtpfarrkirche in die Häuserreihe am Anfang der Annenstraße eingebaut und wendet der Straße die in einem zierlichen Barock gegliederte Westfront zu, über der sich ein Turm erhebt. Das Innere der 1632 begründeten, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in die heutige Form gebrachten Kirche überrascht durch Weiträumigkeit, die dadurch erzielt ist, daß die Seitenkapellen zwischen den eingezogenen Pfeilern angeordnet wurden. Die Kapellenwände sind durch kühn gemalte Architekturstücke (Säulenhallen, Tore u. dgl.) scheinbar durchbrochen; diese Fresken stammen größtenteils von dem Künstler des „gemalten Hauses“, Johann Meyer. Den ersten Seitenaltar rechts nächst dem Hauptaltare schmückt ein eindrucksvoller Kruzifixus des Nürnberger Bildhauers Georg Schweigger vom Jahre 1633. Nächst dem reich ausgestatteten Hochaltäre befindet sich ein Epitaph für die 1898 ermordete Kaiserin Elisabeth und ein Denkmal für die 1864 in Schleswig-Holstein gefallenen steirischen Krieger.

Die Kirche zu Maria-Hilf erhebt sich mit der doppeltürmigen Ostfront an dem gegen die Mur offenen Mariahilferplatze. Mit [72]dem Baue dieser Kirche, der 1607 bis 1611 auf Veranlassung des Fürsten Johann Ulrich von Eggenberg erfolgte, ist der Name des als Architekten des Mausoleums bereits angeführten Pietro de Pomis verbunden; doch wurde die von ihm nach venezianischen Vorbildern entworfene Fassade im Jahre 1742 durch den heutigen skulpturengeschmückten Bau ersetzt. Weite Rundbogen verbinden im Inneren die beiden Seitenschiffe mit dem tonnenüberwölbten Hauptschiff; von der einst reichen Fresko-dekoration der Gewölbe (ausgeführt zwischen 1770 und 1773 durch Josef Adam Ritter v. Mölk) blieben nur wenige Reste erhalten. Eine weite Berühmtheit als „Gnadenbild“ genießt das 1611 von Pietro de Pomis gemalte Hochaltarbild „Maria-Hilf“; es stellt dar, wie Kranke und andere Unglückliche die Hilfe der in den Wolken thronenden Maria mit dem Kinde erflehen. Der am 6. März 1633 gestorbene Künstler ist, wie es die erneuerte Grabtafel angibt, in der Kirche am vordersten linken Pfeiler beigesetzt. An die Südseite der Kirche schließt sich das ausgedehnte Kloster, in dessen ersten Hof man durch das Haus Mariahilferplatz 3 gelangt. Hier breitet eine riesige Kastanie ihre weiten Äste über den stillen Raum.

Friedrich Hebbel schreibt über diesen Hof in seinem Tagebuche von 1847: „Ich trat in einen Klosterhof, in dem der Friede selbst seine Hütte erbaut zu haben schien. In der Mitte erhob sich ein Kastanienbaum, der vielleicht nicht seinesgleichen auf der Welt hat; seine Zweige breiteten sich wie Arme über den ganzen großen Raum aus, und wie jetzt vor dem Regen, der ihm nur die Krone netzte, wird er den Platz an den heißen Tagen vor der Sonnenglut schützen. Genug, es war ein Baum, der mir den Eindruck eines lebendigen Wesens machte, der mir eine wahre Ehrfurcht einflößte.“ Die Westseite des zweiten Hofes nimmt das stattliche 1690 erbaute Sommerrefektorium ein; es ist mit Deckenfresken und Ölbildern geschmückt.

Die Mariahilferstraße, in der schräg gegenüber der Kirche das schloßähnliche Mariahilferhaus auffällt, erweitert sich nördlich zum langgestreckten Lendplatze, dessen bescheidene Häuser der Schloßberg überragt. Am Nordende des Platzes beginnt die alte Reichstraße nach Wien; man begegnet an ihrem Verlaufe vielfach älteren Wohn- und Industriebauten.

Vom Lendplatze zweigt an der Pestsäule die Volksgartenstraße ab, deren Westseite der Volksgarten, die einzige [73] [74]öffentliche Anlage des Bezirkes, einnimmt; er wird von dem raschen Mühlgange durchflossen und ist reich an schönen großen Bäumen. In der Mitte der Anlage erhebt sich das Denkmal des steirischen Volksdichters Karl Morre von Brandstetter. Inder nächsten Umgebung des Volksgartens, besonders den Mühlgang entlang, stehen kleine ländliche Häuschen. Manche Bauten der älteren Nebengassen (Josefi-, Straucher-, Marschallgasse) sind gute Beispiele einfacher Bürgerhäuser. Ein Schmuckstück aber ist das reizende Mühlschlößchen (Minoritenschlößchen) vom Anfänge des 17. Jahrhunderts (Abb. auf S. 73); es ist ein Rest jener Landgüter, welche sich einst in ziemlicher Anzahl auf der weiten Fläche der Murvorstadt ausgebreitet haben.

In der Mariengasse, die ungefähr in der Mitte der Annenstraße ihren Anfang nimmt, erhebt sich nördlich von ihrer Kreuzung mit der Keplerstraße, der zweiten Zufahrtsstraße zum Südbahnhofe, die gotische Marienkirche der Lazaristen, ein Rohziegelbau vornehmer Haltung, im Jahre 1865 vom Wiener Dombaumeister Schmidt erbaut; neben ihr befindet sich die unter Klausur stehende zweitürmige Kirche und das Kloster der Barmherzigen Schwestern vom heil. Vinzenz von Paul.

Noch breitet sich zu beiden Seiten der Mariengasse viel freies Gelände aus; hier sieht man ein Stück jener durch einen alten Lauf der Mur enstandenen Terrassenstufe, welche im Volksmunde „Riegel“ genannt wird und sich durch das ganze westliche Stadtgebiet hinzieht.

Nicht weit vom Südbahnhofe verbindet die Babenbergerstraße die Annenstraße mit der Keplerstraße; ein alter Park umschließt hier den großen Mettahof, in dessen Umgebung manches schlichte Giebelhäuschen (z. B. in der Rebengasse) daran erinnert, wie weit einst diese Gefilde von der eigentlichen Stadt entfernt waren.

Der nördlichste Teil des vierten Bezirkes zwischen Kalvariengürtel und Stadtgrenze ist fast unbebaut; mit seinen Feldern und Gärten, in die nur einzelne Häuser verstreut sind, macht er einen ländlichen Eindruck. Wo die Mur im Norden das Stadtgebiet betritt, ragt hart an ihrem rechten Ufer ein Tonschieferfelsen empor, der einst den Namen Austein hatte. Seit dem Jahre 1606 wurde dieser allmählich in einen Kalvarienberg umgewandelt, wie man ihn wirkungsvoller kaum irgendwo sehen kann. Am Fuße des Berges steht die Pfarrkirche mit der heiligen [75]Stiege; in dem Chor derselben reicht der nackte Fels herein, auf dem man die Gefangennahme Christi am Ölberge aufgestellt hat. Die große Kirchenterrasse trägt die Figuren der Verspottung Christi - fast nach Art der alten Passionsspiele, die einen weit umschriebenen Schauplatz der Handlung liebten. Schmale Treppen führen an den interessanten Kapellen der Kreuzwegstationen vorbei auf die oberste Plattform des Berges; behält man die Namen der Evangelien bei, so müßte man sie Golgatha nennen, denn hier erheben sich die großen Kreuze. Von diesem Punkt aus eröffnet sich ein weiter Blick auf die Göstinger Au, den nördlichen Lauf der Mur und auf die Reihen der den Horizont abschließenden Berge; auch der Blick auf die Stadt ist interessant.

Der fünfte Bezirk Gries hat mit dem vierten seiner Entstehung nach die südlich vom Murplatze und der unteren Annenstraße gelegenen alten Teile gemeinsam. Seine Hauptstraße ist die von Norden nach Süden verlaufende Griesgasse (später Karlauer- und Triesterstraße), die unmittelbare Fortsetzung der Mariahilferstraße. Weiter westlich erscheinen noch mehrere andere alte Verkehrswege, welche nach den am Rande des Grazer Feldes gelegenen Ortschaften führen (Niesenberger-, Idlhof- und Lazarettgasse).

Am Ende der Schulgasse (Fortsetzung der Tegetthoffgasse) grenzt die 1624 bis 1627 erbaute Pfarrkirche St. Andrä mit ihren Längsseiten zwei Plätze ab, von denen der östliche regelmäßig (er war ursprünglich ein Friedhof), der westliche aber durch das Einschneiden mehrerer Straßenzüge freier gestaltet ist. Vollständige Zurückhaltung in der Form des Äußeren begegnet an dem durch seine Stellung im Straßenbilde ausgezeichneten Baue; nur der östlich angebaute Turm betont die Höhenentwicklung. Dafür überrascht die Lösung des Inneren: Schlank aufsteigende achteckige Pfeiler teilen den gut beleuchteten Raum nach dem Vorbild einer gotischen Hallenkirche in drei fast gleich hohe Schiffe. Die Altarbauten fügen sich dem Ganzen vorzüglich ein. - In die östliche Außenwand sind mehrere interessante Grabsteine eingelassen; auch fand hier eine früher an der Radetzkybrücke aufgestellte große Kreuzgruppe einen günstigen Platz. Die an die Kirche sich anschließenden Bauten beherbergten einst das Kloster der Dominikaner und werden heute als Kaserne verwendet.

Gegenüber dem Haupteingang in die Kirche führt die alte Dominikanergasse schräg zur Annenstrasse. An ihr erhebt sich [76]das weitläufige Gebäude des Bürgerspitals mit einer gotischen Kapelle zum Heiligen Geist aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der einfache Bau wendet den Chorschluß der Gasse zu; nicht zu übersehen ist die in der Außenkapelle aufgestellte Pieta des steirischen Bildhauers Johann Jakob Schoy (f 1733).

Den offen fließenden Mühlgang entlang verläuft südlich von der Annenstraße weg die Elisabethinergasse (Fortsetzung der Volksgartenstraße, Straßenbahn zum Griesplatz); im ersten Teile derselben stehen Kirche, Kloster und Spital der Elisabethinerinnen; das weitläufige Gebäude macht eine Ecke in die alte ziemlich ansteigende Prankergasse, welche auf das Prankerschlößchen gerichtet ist; auch hier breiteten sich einst große Gärten aus.

Bei der platzähnlichen Erweiterung am Ende der Elisabethinergasse zweigen die Lazarett- und die Rösselmühlgasse ab; jene führt rückwärts am Neubaue des zweiten Staatsgymnasiums vorbei zu großen Kasernenbauten und dann hinaus ins Grazer Feld, diese aber östlich auf den langgestreckten Griesplatz. In den älteren Seitengassen (z. B. in der Sterngasse) begegnet man manch schönem Steinportal; auch die meist barocken Heiligenstatuen an Hausecken u. dgl. sind nicht zu übersehen.

Der Griesplatz ist gleich dem Lendplatz eine Ausweitung der Hauptverkehrsstraße des rechten Murufers und sieht fast noch ländlicher aus als jener. Dazu trägt bei, daß auf ihm die großen Wochenmärkte abgehalten werden. Kaum hebt sich aus den Häusern der Westseite die außen schlichte Welsche Kirche heraus, die im Jahre 1723 von der welschen Bruderschaft zum heil. Franz de Paula erbaut wurde. Das Innere der nur in den Morgenstunden geöffneten Kirche überrascht durch die eigenartige Raumlösung (sie ist als Saal mit Spiegelgewölbe und deutlich getrenntem Altarraume gestaltet) und durch die reichhaltige Dekoration mit Fresken, die von zierlichen Stuckornamenten eingefaßt und umsponnen werden.

Die kleinen Gassen hinter dieser Kirche führen zum Städtischen Kranken- und Versorgungshaus in der Armenhausgasse, einer ausgedehnten Anlage, die zum Teile der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angehört; in dem großen von mächtigen Bäumen überschatteten Hof erhebt sich die Spitalskirche.

Der Griesplatz ist mit der Radetzkybrücke durch die Brückenkopfgasse verbunden; am östlichen Ende derselben verdienen [77]zwei Bürgerhäuser vom Anfänge des 19. Jahrhunderts (Haus-Nr. 2 und 7) Beachtung.

Unweit davon, am Grieskai, Ecke Zweigelgasse, besteht seit 1892 die Synagoge der israelitischen Kultusgemeinde; der Friedhof derselben liegt außerhalb der Stadt an der südwestlichen Grenze des Bezirkes (alte Poststraße) und hat durch den kürzlich vollendeten Bau einer Zeremonienhalle einen angemessenen Schmuck erhalten.

Nach Süden setzt sich der Griesplatz in die Karlauerstraße fort (Straßenbahn nach Puntigam). Bescheidene Bauten begleiten ihren Verlauf; auch die schlichte Pfarrkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit (aus der Mitte des 18. Jahrhunderts) fällt infolge ihrer bescheidenen Architektur kaum auf. Am Karlauerplatze, nächst einer Votivgruppe, teilt sich der Weg in die Triesterstraße und Herrgottwiesgasse. In dieser stehen die Strafanstalt Karlau und das städtische Schlachthaus einander gegenüber. Die Strafanstalt schließt sich an das 1570 erbaute Jagdschloß Karlau des Erzherzogs Karl II.; natürlich haben zahlreiche Umbauten wenig von der ursprünglichen Anlage übrig gelassen.

Der fünfte Stadtbezirk enthält zwei Friedhöfe: nächst dem Köflacher- und Südbahnhofe den alten Steinfeldfriedhof, der noch manches schlichte Grabdenkmal aus den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts enthält, und den 1888 bis 1892 errichteten Zentralfriedhof im Süden des Bezirkes (Haltestelle der Straßenbahn nach Puntigam). Er ist der einzige architektonisch (Pläne von Lauzil) angelegte Friedhof, dessen Mittelpunkt die große, in gotischen Formen gehaltene Einsegnungskapelle bildet. An der Nordmauer steht der erste Teil einer um den ganzen Friedhof geplanten Arkadenhalle; in dieser hat auch die einst an der alten Karlauerbrücke aufgestellte Votivgruppe (heil. Johann Nepomuk), von J. J. Schoy gearbeitet, Platz gefunden. Manche künstlerisch wertvolle Grabdenkmäler schmücken die wohlgepflegte Totenstätte, welcher der Ausblick auf die Berge im Norden und Westen eine stimmungsvolle Weihe verleihen.

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Spaziergänge und Ausflüge.

Es ist sicher einer der größten Vorzüge von Graz, daß ein kurzer Spaziergang hinreicht, um aus den dichter bebauten Stadtteilen in die freie Landschaft zu gelangen. Schloßberg und Stadtpark bringen wenigstens zu gewissen Tageszeiten die ersehnte Stille, wenn man es nicht vorzieht, die wenig begangenen Wege zu wählen. Auch in den einzelnen Vorstädten entdeckt ein Aufmerksamer bald trauliche Spaziergänge, ohne daß er vorläufig an entferntere Ziele denken muß.

Am häufigsten besuchen die Grazer die Hilmteichanlagen am Ende der Leechgasse und Schubertstraße (zu Fuß eine halbe Stunde vom Stadtpark aus, Straßenbahn Jakominiplatz - Leonhardstraße - Hilmteich oder Maria Troster-Bahn durch die Zinzendorfgasse und Schubertstraße). Der Hilmteich liegt am Fuße eines bewaldeten Hügels und dient im Sommer dem Kahnfahrt-, im Winter dem Eislaufsporte. Hier beginnen auch größere Waldwege, die fast alle an der zehn Minuten weit vom Teich erbauten Hilmwarte vorbeiführen; diese erhebt sich auf der Höhe des Waldhügels und gewährt einen prächtigen Rundblick auf die Stadt und ihre Umgebung. Man kann den Wald nächst dem Hilmteiche zum Ausgangspunkt eines längeren Höhenweges (Dauer rund l 1/2 Stunden) nach der Wallfahrtskirche Maria-Trost [79]wählen; durch duftende Wälder zieht sich der Pfad zu dem Kalkfelsen, welcher die zweitürmige barocke Kirche trägt. Sie entstammt der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (1714 bis 1746) und ist im Inneren durch reiche Kuppelfresken und Marmoraltäre geschmückt. Es ist nicht uninteressant zu erfahren, daß hier im Jahre 1811 der Dichter Zacharias Werner seinen Übertritt zum Katholizismus vollzog. Von der weithin sichtbaren Kirche führt eine Steintreppe und ein von barocken Heiligenstatuen begleiteter steiler Fahrweg hinab ins Tal zur Endstation der elektrischen Kleinbahn.

Beim Kreuze nächst der Kirche zweigt in nordöstlicher Richtung der prächtige Höhenweg „Zum alten Fassel“ (Gasthaus) ab; fast zwei Stunden lang genießt der Wanderer den Blick auf den mächtig emporragenden Schöckel oder über die ganze Grazer Bucht bis an die nördlichen und westlichen Gebirgszüge. Ries (siehe unten) und Maria-Trost sind durch den Reindlweg verbunden, der sich bald hinter Maria-Trost zum Talschlusse des Stiftingtales senkt, dann in Windungen wieder zur Höhe des Hügelzuges ansteigt und beim „Bäckenpeter“ nicht weit von Hönigtal mit der Riesstraße zusammentrifft.

Seit einigen Jahren sind die Hilmteichanlagen durch den ausgedehnten Besitz Leechwald bedeutend vergrößert. Von der Hilmteichstraße führt ein breiter, schön angelegter Fahrweg zur Villa; er macht einen großen Bogen durch den Wald, den gärtnerische Tüchtigkeit in einen abwechslungsreichen Park verwandelt hat.

Die Hilmteichstraße stellt auch eine Verbindung mit der Vorstadt St. Leonhard her (siehe S. 67). Außer dem neuen Krankenhause stehen hier das Blindeninstitut am Ende der Leonhardstraße, das städtische Waisenhaus am Eingang in das Stiftingtal und das Haus der Barmherzigkeit am Anfang der Riesstraße (Reichsstraße nach Gleisdorf).

Östlich von der Leonhardkirche beginnt bereits das ausgedehnte Hügel vorland der Oststeiermark; in starker Biegung nimmt die Straße rasch die Höhe der Ries und verläuft dann stundenlang auf den Rücken der anschließenden Ketten. Zu beiden Seiten der Straße blickt man in fruchtbare Täler hinab, die im Frühjahr eine bezaubernde Blütenpracht anlegen (Blick auf Schloß Kainbach). Reine Tage verleihen den näheren und weiteren Bergen unendlich feine Abstufungen von Blau und erweitern noch den großen Gesichtskreis.

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Zwischen dem hinter dem Hilmteich sich erhebenden Waldrücken und der freien, sonnigen Ries zieht sich das anmutige Stiftingtal weit nach Nordosten; nächst dem Gasthause „Zum schwarzen Hund“ steht das hinter Bäumen verborgene Stiftinghaus, die wichtigste der Grazer Hamerling-Gedenkstätten.

Ein ähnlich frohes Tal ist auch das Ragnitztal an der Südseite der Ries. In allmählicher Steigung verläuft die Straße bis an den weit entfernten Fuß der Hügel und erhebt sich dann mitten im Walde durch mehrere Serpentinen zur Höhe, von der aus man einen ähnlichen Fernblick genießt wie von der Ries. Die Ortschaft Hönigtal liegt nur ein kurzes Stück Weges südlich von der Riesstraße; es bedarf von da an eines nicht ganz einstündigen Marsches, um die hoch gelegene Kuranstalt Laßnitzhöhe zu erreichen (Rückfahrt mit der Staatsbahn, gleichnamige Station am Ende des Schemerltunnels).

Jenseits des Ragnitztales steigt südöstlich von der Stadt der Ruckerlberg an (II., Leonhard, Zugänge von der Nibelungen- und Schützenhofgasse aus nächst der Herz Jesu-Kirche; Straßenbahn zum Schillerplatz; Seitengassen der Leonhardstraße). Infolge der eng aneinandergerückten Villen auf den der Stadt zugekehrten Abhängen bietet erst der gegen Osten verlaufende Rücken die Vorteile des allseitig freien Spazierweges; ein prächtiger Blick auf das Schöckelgebiet und die Berge der Murenge entlohnt reichlich für den etwas gleichförmigen Aufstieg. Nahe am Schlößchen Lustbühel zweigt eine bequeme Straße zur Staatsbahnstation Autal ab. Auch der Zug des Ruckerlberges strebt schließlich der Ries zu und erreicht diese bei Hönigthal, wo die Höhe das Ragnitztal sperrt.

Auf einem der stadtseitigen Ausläufer des Ruckerlberges steht das Hallerschloß (einst Sparbersbach genannt), ein älterer turmgeschmückter Bau inmitten eines großen Parkes. An ihm vorüber führt der Weg südöstlich in einen kleinen, einsamen Talkessel, dem die stillen Flächen der Waltendorfer Teiche einen eigentümlichen Ausdruck verleihen. Von der jenseits ansteigenden Waltendorfer Straße aus sieht man die Stadt mitten in den Gärten und Bergen liegen (siehe S. 17).

Große Ziegeleien und ausgedehnte Lehmlager verändern teilweise den Charakter der Landschaft nächst St. Peter (Endpunkt der Straßenbahn), wo die waldreichen Petersberge etwas zurückweichen. Unter den vielen Spaziergängen daselbst, die [81]hauptsächlich zur Zeit der Obstblüte viel Freude bereiten, läßt keiner die Eigentümlichkeit der Bodengestaltung so fühlen als der von St. Peter nach Lustbühel. St. Peter empfiehlt sich auch als Ausgangspunkt für Wanderungen durch das Grazer Feld: über einen Wiesenweg z. B. gelangt man an Liebenau (Infanterie-Kadettenschule) vorbei bis in die Murauen nächst Puntigam (siehe S. 86).

Größere Höhenunterschiede und tiefer eingeschnittene Täler sowie eine Neigung zur Kuppenbildung unterscheiden die weit in den dritten Bezirk hineinragenden Ausläufer des Schöckelgebietes von den sanften, gleichmäßigen Höhen und weiten Tälern des östlichen Hügelvorlandes.

Der inneren Stadt am nächsten liegt der 479 m hohe Rosenberg. Am beliebtesten ist der Aufstieg durch die Rosenberggasse, die man vom Geidorfplatz aus (siehe S. 63) durch die Körblergasse erreicht. Die Rosenberggasse nimmt die Höhe in rascher Steigung und trifft auf dem Rücken mit der Panoramagasse zusammen; ein lieblicher Fernblick zeigt hier die östlichen Wälder und Hügel in ihrer ganzen Ausdehnung bis zur Kirche von Maria-Trost. Am Hubertusschlößchen vorbei, durch dessen schmiedeeisernes Parktor man auf die Murenge sieht, kommt man, der Panoramagasse folgend, zu dem in den Jahren 1596 bis 1603 erbauten Minoritenschlößchen, heute Rosegg genannt. Der mit Ecktürmchen geschmückte Bau steht mitten in einem verschwiegenen Parke, geschützt durch die Riesenkrone einer alten Kastanie; seine Mauern überzieht wilder Wein, der sich im Herbste in leuchtendes Rot verfärbt. Auch am schmiedeeisernen Gittertore wächst dichtes Laub und läßt nur da und dort eine Lücke frei für einen Blick in dieses herrliche Anwesen. Die höchste Erhebung des Rosenberges liegt innerhalb des ausgedehnten Parkes.

Links vom Schlößchen verläuft die Quellengasse am Rande des zum Zusertal abfallenden Hanges, der durch Reichtum an Obst ausgezeichnet ist; hier erreicht auch die schmale Charlottendorfgasse (Beginn an der äußeren Körblergasse) die Höhe des Rosenberges. Die rechts am Minoritenschlößchen vorbeiführende Panoramagasse mündet in die Schönbrunnstraße, die außerhalb der Maut in der Heinrichstraße (siehe S. 62) beginnt. [82]Am Gasthause „Zur Rose“ treffen Schönbrunnstraße und Quellengasse zusammen.

Durch die Saumgasse gelangt man linker Hand von der „Rose“ zum Kreuzwirt, der sich auf einem schmalen, zum Rainerkogel überleitenden Rücken erhebt. Nordseitig fällt der Blick in das Tal gegen Andritz, auf der Südseite ins Zusertal; die Hochsteinstraße und die von ihr abzweigende Zusertalgasse vermitteln den stillen, schönen Zugang von der Grabenstraße aus.

Nicht weit vom Kreuzwirt beginnt der Aufstieg auf den 501 in hohen Rainerkogel (Aussichtswarte und kleine Gastwirtschaft auf dem bewaldeten Gipfel). Stadtseitig erreicht man den Berg, der eine viel gerühmte Aussicht auf die Stadt bietet, auf dem tief eingeschnittenen Grabenhofwege (siehe S. 65) oder auf dem weiteren „Weg zum Rainerkogel“ (Haltestelle der Straßenbahn nach Andritz). Die Nordseite des Rainerkogels fällt teilweise steil zum Andritzer Graben ab; dort steht mitten im Wald an einer Quelle die St. Ulrichs-Kapelle. Man wählt den Rückweg entweder zur Steinbruchmaut (siehe S. 65) oder durch einen zierlichen Wald junger Birken zurück auf den zur „Rose“ hinleitenden Rücken.

Unmittelbar hinter der „Rose“ steigt der Rosenberg wieder empor; die parkähnliche Anlage daselbst heißt Ferdinandshöhe und wird wegen der schönen Aussicht gern besucht. Der in nordöstlicher Richtung verlaufende, markierte Weg führt an dem einst sehr beliebten Gasthause „Zum Stoffbauer“ und am guten Gasthause „Zur schönen Aussicht“ vorbei auf der Höhe weiter bis zur Platte (651 m Seehöhe). Der Rundblick vom Gipfel oder von der Stephaniewarte (Schlüssel beim Plattenwirt) umfaßt nicht nur die nordwestlichen Alpenzüge, sondern reicht auch weit über das oststeirische Hügelland, aus dem die markanten Gleichenbergerkogel und der steile Felsen der Riegersburg emporragen. Abstiege sind in größerer Zahl möglich: in die nach Andritz leitenden, wenig begangenen westlichen Seitengräben (Weizberg u. s. f.), nördlich am Dörfchen Wenisbuch vorbei nach Maria-Trost; Waldweg am Ostabhange in die Rettenbachklamm zur Maria-Troster-Bahn, nach St. Johann oder nach Maria-Grün. Jenseits von Wenisbuch beginnt der Weg auf das Linneck; beim großen, von einer Riesen-Edelkastanie beschatteten Bauernhof auf der Nordseite eindrucksvoller Blick auf den hier mächtig emporstrebenden Schöckel und seine nächsten Vorstufen.

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In dem Talkessel, der beim Stoffbauer eingesenkt ist, liegt das Waldkirchlein Maria-Grün, eine fromme Stiftung vom Ende des 17. Jahrhunderts. Auf einem vor der Kirche errichteten Pfeiler sind die Gedichte verzeichnet, die Louis Bonaparte, der Exkönig von Holland, und andere Dichter dem traulichen Platze gewidmet haben. Den östlichen Ausläufer der Höhen, zwischen welche das zum Hilmteich führende Tal eingeschnitten ist, krönt das Schlößchen Kroisbach; am Südostabhange des Rosenberges nächst der Schönbrunnstraße steht das von Krafft-Ebing gegründete Sanatorium Maria-Grün.

Das nördlich von Graz gelegene Andritz (Straßenbahn) ist ein wichtiger Ausgangspunkt für zahlreiche Spaziergänge; so z. B. zu dem nordwestlich gelegenen Orte St. Veit mit schöner Barockkirche aus dem Jahre 1662 und zu dem nächst der Ortschaft Weinzöttl und der Mur erbauten Schlosse St. Gotthardt. Von hier aus besteigt man die aussichtsreiche Höhe der Kanzel (eigentlich Admonter Kogel), deren charakteristische Westseite wie ein Riegel das Grazer Feld gegen Norden sperrt. Ausblick auf das Murtal bei Judendorf und Gratwein. - Wenig begangene Wege führen östlich von Andritz talaufwärts auf den Rosenberg und die Platte.

Die größte Bedeutung aber hat Andritz als Eingang ins Schöckelgebiet. Langsam steigt das Tal des Andritzbaches gegen den Schöckel an; der romantische Andritz-Ursprung wird heute als Fischzuchtanstalt benützt und ist nicht allgemein zugänglich. Der das Tal abschließende Paß heißt die „Leber“; ihr zur Linken erhebt sich die Hohe Rannach, unter deren Gipfel sich eine wundervolle Waldwiese ausbreitet; der Weg führt jenseits des Passes zum Kesselfall (Gasthaus „Zum Sandwirt“), eine neue Straße nach Semriach („Sandwirt auf der Höh’“), vierstündiger Marsch. Von den beiden Rückwegen durch den Rötsch-graben nach Stübing oder über die Hügel nach Peggau (Station der Südbahn) verdient der zweite den Vorzug.

Die Besteigung des 1446 m hohen Schöckels bietet keinerlei Schwierigkeiten und beansprucht von Andritz aus ungefähr vier Stunden. Auf das Tal entfällt nur ein kurzer Teil des gut markierten Weges, der bei der Maschinenfabrik nächst dem Endpunkte der Straßenbahn beginnt. Auf der ersten Höhe steht der große Hof zum Kalkleitenmöstl. Von da an zieht sich der Rücken in kaum merklicher Steigung nach dem alten Flecken [84] Buch, wo sich der Weg teilt; der linke Arm stellt die Verbindung mit der Leber her, der rechte führt durch einen schönen Buchenwald zur Göstinger Hütte und über den Sattel auf die Höhe des Schöckels, die man von der Hütte aus auch auf dem den Südabhang emporsteigenden Karrenwege (längs der Telegraphenstangen) erreichen kann. Das unter dem Gipfel erbaute Stubenberghaus (seit 1891 eröffnet) bietet gute Unterkunft

Der überwältigende Rundblick reicht bei klarem Wetter von den nördlichen Kalkbergen Obersteiers nach Süden bis zum Triglav; gleich einer Landkarte breiten sich alle Bergketten zu unseren Füßen aus, wie ein bewegtes Meer wogen die Hügel der Oststeiermark und weit im Süden sieht man auch die Stadt und den aus ihr emporsteigenden Schloßberg. In klaren Nächten glänzen die Lichter von Graz aus dem Dunkel bis zur Höhe.

Als Rückweg von ungefähr gleicher Dauer empfiehlt sich der Abstieg entweder am Schöckelkreuze vorbei oder über den an der Südostseite des Berges angelegten Fahrweg nach Radegund, einem durch seine Kaltwasserheilanstalt bekannten Badeort. Ein interessantes Beispiel volkstümlicher Kunst ist der am Eingänge in den Ort angelegte Kalvarienberg mit plastischen Kreuzweggruppen in einzelnen Kapellen. Nach Maria-Trost gelangt man entweder auf der bequemen neuen Fahrstraße oder auf dem weit kürzeren Wiesenwege. Steiler ist der Abstieg auf dem durch die Felsen der Nordseite nach Semriach führenden „Jägersteig“.

Auf dem rechten Ufer der Mur bietet der Verlauf der westlichen Bergketten manche Wald- und Höhenwege, die dem Vergleiche mit den Spaziergängen auf den östlichen Hügeln standhalten und durch gegensatzreiche Fernblicke jene bisweilen sogar übertreffen. Die Vorortelinien der Straßenbahn führen rasch aus der Stadt an die Ausgangspunkte größerer oder kleinerer Ausflüge.

Eine mächtige Kastanienallee, die unmittelbar hinter der Eggenberger Durchfahrt des Südbahnhofes beginnt, verbindet die Stadt mit dem am Fuße des Gaisberges gelegenen Schloß Eggenberg (Straßenbahnlinie St. Peter - Eggenberg durch die innere Stadt). Inmitten eines ausgedehnten Parkes erhebt sich das mächtige in den Jahren 1630 bis 1633 von den Reichsfürsten von Eggenberg durch Pietro Valnegro und Johann Bapt. Nono errichtete Gebäude, das „ein gewaltiges Viereck mit Eckpavillons [85]bildet und außer dem ebenerdigen zwei Geschosse hat“. Den Mittelbau, dessen Achse hofseitig (Arkaden aus dem Jahre 1653 von Anton Pozzo) die Schloßkapelle betont, nimmt der Prunksaal ein, dessen reicher Gemäldeschmuck von Johann Adam Weißenkircher (1684) herrührt. Ein Graben ist rings um das Schloß gezogen; die Stützmauer der vorderen Seite desselben trägt vier Kolossalfiguren von Andreas Marx. Park und Schloß sind nur gegen Anmeldung beim Verwalter zugänglich. - Jenseits der an der Rückseite des Schlosses vorbeiführenden Straße liegt das sogenannte Schloß Alt-Eggenberg und am Abhange des Berges die Wasserheilanstalt Eggenberg. Zwischen der Stadtgrenze und dem Rande der Berge breitet sich der große Vorort Eggenberg mit seinen der jüngsten Vergangenheit entstammenden gleichförmigen Bauten aus.