Steirische Wanderbücher

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Zur Orientirung.

Graz liegt an beiden Ufern der Mur, über welche fünf Brücken gespannt sind. Die eigentliche innere Stadt (I. Stadtbezirk) liegt am linken Ufer des Flusses, desgleichen die Vorstadtbezirke II (Jakomini) und III (Geidorf), welche von der inneren Stadt durch den Stadtpark getrennt sind. Am rechten Ufer liegen die Bezirke IV (Lend) und V (Gries), welche beide insgemein auch die Murvorstadt genannt werden. Der Südbahnhof, welcher für alle nach Graz führenden Bahnen als Centralbahnhof dient, ist durch die Annenstrasse, Murplatz, Kettenbrücke und die enge Murgasse in fast gerader Richtung mit dem das Centrum der Stadt bildenden Hauptplatz verbunden. Von hier aus führt die Herrengasse auf den Jakominiplatz als Centrum des II. Bezirkes und die steile Sporgasse durch die Paulusthorgasse und das Paulusthor nach dem III. Bezirke. Im oberen Theile der Sporgasse zweigt sich rechts die Hofgasse ab, die durch das Burgthor mitten in den Stadtpark und jenseits desselben durch die Elisabethstrasse zwischen den beiden östlichen Vorstädten in gerader Richtung nach St. Leonhard führt. Der in den meisten Theilen der Stadt sichtbare Schlossberg kann sehr gut zur Orientirung benützt werden, wenn [23] man sich gegenwärtig hält, dass das Centrum der Stadt am südlichen Fusse des Berges (unter dem Urthurme) liegt.

Ein sehr zweckmässiges und sicheres Orientirungsmittel bilden auch die Tafeln der Strassennamen und Hausnummern. Die Tafeln des ersten Bezirkes (innere Stadt) haben rothen Rand, jene des zweiten (Jakomini) gelben, jene des dritten (Geidorf) blauen, jene des vierten (Lend) braunen und jene des fünften Bezirkes (Gries) grünen Rand. Weiters ist zu merken, dass sämmtliche nach dem Stadtcentrum gerichtete Strassen viereckige Tafeln und sämmtliche Querstrassen ovale Tafeln haben. Die Hausnummern beginnen in jeder Strasse an dem der inneren Stadt näher gelegenen Ende links mit 1 und es folgen auf dieser Strasse alle ungeraden und auf der rechten Seite alle geraden Nummern.

Nachdem häufig noch die alten Stadtviertel-Bezeichnungen im Volksmunde gebraucht werden, so sei hier angeführt, dass die Viertel: Burg, Landhaus und Joanneum die innere Stadt, — die Viertel Jakomini, Schörgel-gasse, Grazbach und St. Leonhard den zweiten Bezirk, — die Viertel Geidorf und Graben den dritten Bezirk, — die Viertel Lend, Mariahilf und Calvarie den vierten Bezirk, — die Viertel Gries, Elisabeth und Karlau den fünften Bezirk bilden.

Lohnfuhrwerk.

Zweispänner und Einspänner. Die Zweispänner (Fiacres, Droschken erster Classe) und die Einspänner (Comfortables, Droschken zweiter Classe) haben in allen Theilen der Stadt behördlich angewiesene Standplätze. Dem Fremden ist es zu empfehlen, bei Fahrten in der Stadt nach dem Tarif für Zeitfahrten und bei Ausflügen in die nähere Umgebung nach jenem für Tourfahrten zu bezahlen. Letzteres ist dem Kutscher vor der Fahrt ausdrücklich mitzutheilen. In jedem Wagen muss der Tarif zu [24] finden sein. Beschwerden bringe man beim nächsten Wachmann (Schutzmann) an oder lasse sich zum Polizeibureau (Hauptplatz) fahren.

Tabelle nicht transkribiert [25] [26]

Nähere Bestimmungen zum Fahrtarife.

Die Fahrtaxen sind für alle Tage ohne Ausnahme (daher auch für Sonn- und Feiertage) für jede Jahreszeit, und Witterung giltig und bleiben dieselben, ob eine oder mehrere [27]Personen fahren, jedoch ist der Einspänner-Lohnkutscher nicht mehr als drei und der Zweispänner nicht mehr als fünf Pesonen aufzunehmen verpflichtet.

Die Verköstigung der Pferde und des Kutschers, dann die Beleuchtung des Wagens hat der Lohnkutscher aus Eigenem zu bestreiten; die Weg-, Brücken- und Pflaster-Mauthg eb ü hren treffen jedoch den Fahrgast, auch dann, wenn der Wagen zur Rückfahrt nicht benützt wird.

Post-Stellwägen.

Von Graz nach Weiz, Anger, Birkfeld, täglich um */812 Uhr Mittag vom Gasthof „zum goldenen Engel“, Griesgasse.

Von Graz nach Radegund täglich vom Gasthofe „zum Brandhof“, Gleisdorfergasse Nr. 10, präcis 8 Uhr Früh; Ankunft in Radegund um 11 Uhr Vormittag.

Von Radegund nach Graz täglich um 23/4 Uhr Nachmittag; Ankunft in Graz, um 5 Uhr 20 M. im Gasthofe „zum Brandhof'.

Tramway.

Preis einer Fahrkarte (mit Ausnahme der Fahrt nach der Industriehalle) ohne Rücksicht auf die Distanz 10 Kreuzer. Zur Industriehalle vom Hauptplatz 10 Kreuzer, von entfernteren Punkten 20 Kreuzer. (Abonnementskarten 12 Stück zu 1 fl. bei den Con-troloren und im Tabakverlag — Herrengasse 15 zu haben). Tramway-Fahrt vom Südbahnhofe (ein prächtiger, vom Baudirector Flattich ausgeführter Neubau) durch die gerade Annen-strasse. Bei der Haltstelle „Volksgarten“ links der Volksgarten, rechts in der Elisabethinergasse an der Ecke das Militär-Transporthaus, gegenüber am Mühlgange die Häuser des Bürgerspitales, und im Hintergründe das Elisabethinerkloster (siehe Seite 63), links Hotel „Oesterreichischer Hof“, links Kirche und Kloster der barmherzigen Brüder (siehe Seite 62), rechts Hotel "Elephant“, links das eiserne Haus, Kettenbrücke (links Ausblick auf den Schlossberg), enge Murgasse, Hauptplatz. Links Luegg (Eckhaus mit dem Laubengang), rechts Johann-Monument (siehe Seite 33), Rathhaus. In der Herrengasse links das „gemalte Haus“, rechts Landhaus und Landeszeughaus. Beim Auersperg-Brunnen Ausblick links in den Stadtpark, rechts in den botanischen Garten. Auf dem Jakominiplatz rechts Postgebäude und Hotel Riess. (Vom Jakominiplatz Zweiglinie rechts zur Industriehalle.) Auf dem Holzplatze links Stadttheater, [28] rechts protestantische Kirche. Von hier an bis zur Heinrichstrasse links fortwährend der Stadtpark. Rechts Rechbauerstrasse mit schönen Neubauten. Bei der Rechbauerstrasse wendet sich die Linie zum Hilmteich mit der Endstation Elisabethstrasse. Rechts Hotel „Goldene Birn“, links altes Palais Meran, rechts schräg einmündend die hübsche Schillerstrasse, links die Lichtenfelsgasse mit der Hirth-schen Schwimmanstalt, links die schöne Beethovengasse, rechts Reiterkaserne mit grosser Winterreitschule, Ausblick auf den Ruckerlberg. Elisabethstrasse. Zur Heinrichstrasse (bei der Rechbauerstrasse um-steigen): Links im Parke das Wetterhäuschen (siehe Seite 47), rechts Leonhardstrasse, links im Parke die Frankeiche, rechts General-Commando und schöne Elisabethstrasse. Rechts in der Rittergasse die alte Lechkirche (siehe Seite 55), links der obere Park mit dem grossen Brunnen, dem Musikpavillon und dem Cafe Wirth (siehe Seite 46): schöner Ausblick auf den Schlossberg. Heinrichstrasse.

Post und Telegraph.

Hauptpostamt, Jakominiplatz 16. Filialpostamt am Murplatz. Bahnhofpostamt (Südbahnhof). Postexpeditionen : Kapaunplatz 12, in der Elisabethstrasse, am Graben, Wickenburggasse 2, Heinrichstrasse 10. Die Postexpeditionen befassen sich mit dem Verschleisse von Briefmarken und Briefcouverten und sonstigen Post-Werthzeichen, dann der Aufnahme von recommandirten Briefen, Schriften, Geld- und Werthsendungen bis zum Werthbetrage von 2000 fl. nach den österreichischen und Postvereinsstaaten. Die Abholung der Briefe aus den in der Stadt und in den Vorstädten zur Hinterlegung von unrecommandirten Briefen aufgestellten 71 Briefsammelkästen, mit Einschluss der Briefsammelkästen bei den Postexpeditionen erfolgt viermal des Tages, und zwar: um 73/4 Uhr Früh, 12%, 3% und 6% Uhr Nachmittags. Aus den am Rathhausgebäude und am Hotel „Elefant“ angebrachten Briefsammelkästen werden die Briefe täglich zwölfmal ausgehoben, und zwar: um 5, 7%, 9, 11% Uhr Vormittags und 1, 3%, 4%, 5, 5%, 7, 7% und 8’/a Uhr Nachmittags. Telegraphenamt im Paradeis (Murgasse). Für gewöhnliche Telegramme wird ohne Rücksicht auf die Entfernung an Beförderungsgebühren erhoben: [29] eine Grundtaxe von 24 kr. ö. W. und eine Worttaxe von 2 kr. ö. W. für jedes Wort. Für Telegramme, welche bei solchen Eisenbahn-Telegrafenstationen zur Aufgabe gebracht werden, in deren Standort sich auch ein Staatstelegrafenamt befindet, ist vom Aufgeber ein Gebührenzuschlag von 1 kr. ö. W. für jedes Taxwort zu entrichten. Dieser Zuschlag kommt jedoch bei Localtelegrammen nicht zur Erhebung. Für vorauszubezahlende Antworttelegramme wird, wenn eine besondere Angabe über die Wortzahl nicht erfolgt, die Gebühr eines Telegrammes von 10 Worten erhoben. Soll eine grössere oder kleinere Wortzahl für die Antwort vorausbezahlt werden, so ist dieselbe im Eingänge des Ursprungstelegrammes anzugeben, und die dieser Wortzahl entsprechende Gebühr zu bezahlen. Mehr als 30 Worte dürfen nicht voraus bezahlt werden.

Für die Empfangsanzeige ist dieselbe Gebühr wie für ein gewöhnliches Telegramm von 10 Worten zu entrichten.

Hotels.

{„Elephant" (Murplatz, Tramway-Haltestelle). {„Erzherzog Johann" (im Centrum der Stadt, Anfangs der Sackstrasse). {Ries, Stadt Triest (auf dem Jakominiplatze, Tramway-Haltestelle). *„Florian" (am rechten Ufer der Mur, Griesgasse und Nikolai-quai). Hauptsächlich von Geschäftsleuten besucht. „Oesterreichischer Hof" (Annenstrasse). *„Goldenes Ross" (Mariahilferstrasse). „Kaiserkrone"(Färbergasse), „Ungarische Krone" (Landhausgässchen). „Goldene Birne" (Leonhardstrasee). {Hotel „Daniel" (Südbahnhof). Für geringere Ansprüche: „Goldene Sonne" (Mariahilferstrasse). „Goldener Engel" (Griesgasse). „Goldener Löwe" (Mariahilfergasse). „Drei Raben" (Annenstrasse, Tramway-Haltestelle).

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Restaurants.

Wie in anderen süddeutschen Städten führen auch in Graz alle Hotels gleichzeitig Restaurationen. Ausserdem sind als Bierhäuser empfehlenswert!!: *Daniels Bahnhofrestauration. Specialitäten: Seefische, gute italienische Weine; Pilsner und Schreiner’sches Grazer Bier. Zum Sandwirth (Herrengasse). Das niedrige und enge Locale ist Vormittags und Abends stets von Freunden des beliebten Grazer Sandwirthbieres vollständig besetzt. Grosse Bierquelle (Paradeisgasse 1). Puntigamer Bier. Stadt Neugraz (Realschulgasse 4). Pilsner und Steinfelder Bier. Stadt Altgraz (Bürgergasse). Schattiger Garten, Puntigamer Bier. *Stadttheater-Restauration mit Veranda und freiem Sitzgarten (im südlichsten Theile des Stadtparkes). Sandwirth- und Pilsner Bier. Bierjackl (Sackstrasse). Schreiner Bier. „Zum Grünen Anger“ (Glacisstrasse). Mit grossem schattigen Garten. (Sonntags Gartenconcert.) Japl’sches Grazer Bier. „Gösser Bierhalle“ (Leonhardstrasse, Tramway-Haltstelle). Schenkt das beliebte Bier aus Göss bei Leoben aus. Dreher’sche Bierhalle (Sackstrasse). Steinfelder Bierhalle (Münzgraben). Grosser schattiger Sitzgarten, grösster Saal für gesellige Abendunterhaltungen. Garten-Concerte. Puntigamer Bierhalle (Georgigasse, Tramway-Haltstelle beim „Oesterreichischen Hof“). Schattiger Sitzgarten, Glassalon und grosser Saal für gesellige Abendunterhaltungen, Garten-Concerte. Pilsner Keller (Ballhausgasse). Wilder Mann (Jakominigasse). Steirische Weine. Kaiserin von Oesterreich (Rosenberggasse). Garten, Puntigamer Bier. JapPsches Brauhaus (Griesplatz, Sterngasse). Schöner Sitzgarten.

Weinhäuser.

Diese Locale bieten meist sehr geringen Comfort, dafür aber echte Weine zu mässigen Preisen. Eine sehenswerthe Specialität ist der *Bacchuskeller (Stiegenkeller) unter der Stiegenkirche (Sporgasse). Das geräumige, in den Schlossbergfelsen gebaute Kellerlocale ist altdeutsch eingerichtet und bietet eine grosse Auswahl guter Weine der Weinhandlungs-Firma „Brünner & Urschler„ (Verkaufslocale in der Hofgasse).

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Einen unverfälschten vorzüglichen Tropfen findet man auch in der äusserlich unscheinbaren *W e i n s t u b e der renommirten Weinhandlungs-Firma Brüder Kleinoschegg“ (Herrengasse). Der vorzügliche steirische Champagner der Brüder Kleinoschegg hat sich bereits überseeische Exportwege eröffnet. „Zum römischen König“, altrenommirtes Weinhaus in der Sporgasse. Der Eigenbauschank des Ritter v. Ko dolitsch (Bürgergasse 3). Gute Weine in einem primitiven Locale. Der Murmayer’sche Eigenbauschank (Stiegengasse 1). Minoritenconvent (Mariahilferstrasse 15), Eigenbauschank. Kriehuber’sche Weinstube (Sackstrasse 18), untersteirische Weine. *Admonterhof (Badgasse oder Admontergasse). Ausgezeichnete steirische Weine aus den Stiftskellern.

Kaffeehäuser.

In der inneren Stadt: Europe (Herrengasse), mit grossem Balkon. *Nordstern (Hauptplatz). Pöll (Herrengasse). Zum Botanischen Garten (beim Auerspergbrunnen). Merkur (Hauptplatz). Theurer (Albrechtsgasse). Aufschläger (Paradeis). Spieler (Mehlplatz). Polarstern (Hofgasse). *Merangarten (Neuthorgasse oder Stadtquai). Hübscher Garten auf einer ehemaligen Bastion. Hasserük (Hofgasse), Theaterconditor.

Im Stadtpark: Wirth (beim grossen Brunnen). Auch kalte Küche, Flaschenbier und feine Weine. Wöchentlich zweimal Promenadeconcert. *Seidl (nächst dem Eingänge der Leonhardstrasse, Tramway-Haltestelle). *Cafe Promenade (beim Burgthor). *Schuster (am Carl Ludwig-Ring). Wien (in der Rechbauerstrasse). Am rechten Ufer der Mur: *Meran (im Eisernen Haus, Murplatz). Helm (Murplatz).

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Englischer Hof (Murplatz). *Oesterreichischer Hof (Annenstrasse, Tramway-Haltestelle). Drei Raaben (Annenstrasse, Tramway-Haltestelle). *Daniel (gegenüber dem Südbahnhofe), mit grossem Restaurations -garten.

Clubs und Lesevereine.

Ressource (Albrechtsgasse 3), Cafe-, Restaurations-, Spiel- und Conversationssäle. Fremde melden sich beim Secretär. Adeliges Casino (Herrengasse 9, Ecke der Stempfergasse). Anmeldung beim Secretär. Society francaise (Jakominiplatz, Postgebäude, 2. Stock). English Club (Jakominiplatz, Postgebäude, 2. Stock). Magyar olvaso kör(Frauengasse 3).

Theater.

Landestheater (Franzensplatz). Oper, Operette und Schauspiel. Täglich Vorstellung. Anfang 7 Uhr. Eintrittspreise (gewöhnliche): Loge im Parterre oder ersten Range 6 fl., im zweiten Range 5 fl., Logensitz 2 fl., Fauteuil im Parterre 1 fl. 30 kr., Sperrsitz im Parterre 1 fl., im dritten Stocke 60 kr., im vierten Stocke 40 kr., Entree ins Parterre 50 kr., in den dritten Stock 30 kr., in den vierten Stock 20 kr., Studentenkarten 30 kr. Erhöhte und Opernpreise. Loge im Parterre oder ersten Range 6 fl., im zweiten Range 5 fl. 50 kr., Logensitz 2 fl., Fauteuil im Parterre 1 fl. 50 kr., Sperrsitz im Parterre 1 fl. 30 kr., im dritten Stocke 80 kr., im vierten Stocke 50 kr., Entree ins Parterre 50 kr., in den dritten Stock 40 kr., in den vierten Stock 30 kr., Studentenkarten 30 kr.

Stadttheater (Ringstrasse). Eintrittspreise: Loge 5 fl., Logensitz 2 fl., Sitz in der Fremdenloge 2 fl., Sperrsitz im Parterre 1 fl., Cerclesitz oder Balkonsitz 60 kr., Enträe ins Farterre 50 kr., in die erste Gallerie 35 kr., in die zweite Gallerie 20 kr. Bei Novitäten, Operetten- und Opernvorstellungen werden die Preise für Sperrsitze auf 1 fl. 30 kr., für Cercle- oder Balkonsitze auf 80 kr. erhöht. Bei Novitäten, Opernvorstellungen oder dem Auftreten eines beliebten Gastes empfiehlt es sich, die Sitzkarten schon Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr an der Theatercasse zu lösen.

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Banquiers.

Neuhold (Herrengasse). Wer nach Italien reist, versorgt sich hier mit italienischer Valuta billiger als in Triest oder Venedig. Steirische Escomptebank (Herrengasse). Poldenig & Cernadak (Herrengasse).

Bäder.

Wastians Bade-Etablissement (hinter dem Hotel Elefant) mit eleganten Wannenbädern, comfortablem Dampf- und Douchebad und einem Schwimmbassin mit erwärmtem Wasser. Försters Bade-Etablissement (Brandhofgasse, Tramwayhaltstelle: „Maiffredygasse“), elegante Wannenbäder, gut eingerichtetes Dampfbad. Hirth’s Badeanstalt (Lichtenfelsgasse, Tramwayhaltstelle: „Schillerstrasse“), Schwimmbassins für Herren und für Damen mit erwärmtem Wasser. Restauration und Conditorei. Leistentritts Badeanstalt (Sackstrasse) Dampf- und Wannenbäder. Militärschwimmschule (Körösistrasse, nächst der nördlichen Brücke). Herren- und Damenabtheilung. Kaltwasser-Heilanstalt in Eggenberg (% Stunde von der Stadt, hinter dem Schlosse Eggenberg). Die junge Curanstalt wird durch den renommirten Kaltwasserarzt Dr. Schleicher rationell geleitet. (Ausführlicheres siehe S. 85.)

*Johann-Monument, Landhaus, «Zeughaus.

Den nicht sehr geräumigen Hauptplatz, das alte Centrum der Stadt, schmückt das dem volksfreundlichen, um das Land hochverdienten E r z he r z og e Jo h an n (gest. 1859) errichtete Denkmal, welches sich auf einer Brunnenterasse erhebt, deren Ecken die überlebensgrossen Bronzestatuen der Enns, Mur, Drau und Save zieren. Unter den Häusern dieses Platzes zeichnet sich das Luegg durch seine reiche Stuccoverzierung aus und das grosse Weiss’-sche Haus dadurch, dass jedes Stockwerk und jeder Tract einen anderen Besitzer hat.

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Das Rathhaus (D5) wurde 1807 an Stelle des alten durch den Zukauf zweier Häuser erweiterten Rathhauses erbaut, reicht aber jetzt schon nicht mehr zur Unterbringung aller commu-halen Kanzleien hin und soll demnächst einen Zubau gegen die Schmiedgasse erhalten. Im Sitzungssaale des Gemeinde-rathes befindet sich eine alte Eidestafel und im Stadtrathssaale ein Bild aus der altdeutschen Schule (von Niclas Strobel, 1478), die zu Gericht sitzende Stadtbehörde darstellend. In diesem Saale wird auch das alte Gerichtsschwert aufbewahrt, welches die Stadtrichter bei Amtsverrichtungen zu tragen pflegten. Das Schwert ist mit zahlreichen Inschriften bedeckt, deren älteste vom Jahre 1547 stammt und meldet, dass es durch Richter Job. Ch. Rothuet beschlagen worden sei Eine andere Inschrift lautet: „Als ich zum Richter ward elegirt — dies Gerichtsschwert hab’ renovirt — So mein Amt ist aus, ich’s niederleg — Hans Heinrich Hueber von Hubeg — Und ist geschehen den 1. August fürwahr — Als man zählt 1652 Jar“. Das gemalte Haus (in der Herrengasse), dessen ganze Aussenseite 1742 von dem steirischen Maler Johann Mayer mit meisterhaften Fresken geschmückt wurde, war einst der Lehenhof, in welchem die Kaiser seit dem 12. Jahrhunderte bei ihrer Anwesenheit in Graz Lehen zu ertheilen pflegten. Das Landhaus (D5) ist eines der ältesten und sehenswer-thesten Gebäude der Stadt. Es enthält die La n d st ub e, ein Saal, in welchem die Berathungen des Landtages stattfinden, den Ritter s aal, in welchem während der Wintersaison die Concerte abgehalten werden, und die Kanzleien der autonomen Landesverwaltung (Landesausschuss). Schon vor einem halben Jahrtausend stand nächst dem Landhausgässchen in der Herrengasse ein Gebäude, welches die „Kanzlei“ genannt wurde. Im Jahre 1494 wurde dieses Haus für Landeszwecke gekauft und durch Ankauf der benachbarten Häuser vergrössert. Der westliche Theil des gegenwärtigen Gebäudes scheint schon 1531 vollendet worden zu sein. Der Landtagssaal wurde erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut.

Im Landhause wird der alte steirische Herzogshut und der *„Landschadenbundbecher“, ein Meisterwerk der Gold [35] schmiedekunst aus dem 16. Jahrhundert, angeblich von Benvenuto Cellini, gezeigt. (Anmeldung beim Obereinnehmeramt im 1. Stock.)

Rechts vom Hauptportale des Landhauses befindet sich eine hölzerne Rupiortafel, welche das Datum vom 20. Februar 1588 und eine Kundmachung enthält, welche Jedermann „mit Strafe an Leib und Leben“ bedroht, der sich untersteht, „in diesem hochbefreiten Landhaus zu rumoren, die wöhr, Tolch oder Brodmesser zu zucken, zu balgen und zu schlagen, gleichfalls mit anderen Wöhren ungebührlich zu üben oder Maulstreich auszugeben!“ Daneben ist ein Schwert abgebildet. Eine ähnliche Tafel befindet sich an dem rückwärtigen Thore. Im Hofe schöne A r c a d e n und interessant geformte Wasserspeier. Die *eiserne Bruniienlaiibe ist ein Meisterwerk der Erzgiesskunst des 16. Jahrhunderts. Von Gnomen gestützt, erheben sich fünf schlanke, schön profilirte Säulchen, welche ein durchbrochenes Laubdach tragen, auf dessen Spitze ein Fahnenträger steht. Das Kunstwerk wurde 1590 von Thomas Auer und Maximilian Wening hergestellt. An der Wand ober dem Brunnen eine dem berühmten Astronomen Johannes Kepler gewidmete Gedenktafel. Kepler stand im Solde der Stände als „landschaftlicher Mathematikus“ und „Kalendermacher“. Durch das Landhaus gelangt man in das nebenstehende ^Zeughaus, 1644 erbaut. Zu beiden Seiten des Portales Mars und Bellona. In vier geräumigen Stockwerken sind die Waffen auf schwerfälligen Holzgestellen noch in derselben Ordnung aufgestellt und gelagert, wie vor mehr als zweihundert Jahren. Man hat kein zusammengetragenes Waffenmuseum, sondern ein wirkliches Zeughaus aus dem 17. Jahrhundert vor sich. (Anmeldung beim Portier des Landhauses.) Das Zeughaus enthält 28.000 Stück Söldnerwaflfen, 4300 Pistolen, 4000 Musketen und Karabiner mit Lunten und Radschlössern, ebensoviel Pulverhörner, 3000 Hellebarden, 2600 Helme, 2000 Brustharnische und eine grosse Zahl sonstiger Kriegsrequisiten, Trommeln, Zelte, Fahnen, Panzerhemden, Wallbüchsen, Schwerter, Zweihänder, Flammberge etc. etc. Aus diesem Zeughause konnten einst 30.000 Mann bewaffnet werden.

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An historischen Merkwürdigkeiten enthält das Zeughaus: Rüstungen des Siegfried von Dietrichstein, des Erzherzogs Karl (Vater Ferdinands H.), des Friedrich von Pettau, des Ottokar von Homeck (mit Stachelvisir), des Kulfing von Stubenberg (auf dessen ausgestopftem und mit dem Eisenpanzer versehenen Pferde), des Andreas Baumkircher, des Otto und Ulrich von Liechtenstein, der Veronika» von Cilli (leichte Frauenrüstung mit beweglichen Handschuhen): Prachtsense des Erzherzogs Karl II., Schlittenkorb des Kaisers Friedrich III. (gothische Schnitzarbeit, 15. Jahrhundert), Doppelsänfte des Grossfürsten Bäthory von Siebenbürgen (welcher zu Graz 1595 Maria Christine, Tochter des Erzherzogs Karl II. heiratete), eine plastische Darstellung des Schlossberges mit den alten Festungswerken, ein Modell der Cysterne am Schlossberge, eine Riesenschnell-wage mit 1500 Gentner Tragkraft etc Im rückwärtigen Zeughaushofe befindet sich die Central-Telegraphenstation der Grazer freiwilligen Feuerwehr, welche als ein Musterinstitut gilt.

Joanneum und botanischer Garten.

Vom rückwärtigen Thore des Landhauses gelangt man durch die Raubergasse (an dem Vorauer und Lambrechter Hof vorbei) zum Joanneum (E5), einem vom Erzherzoge Johann 1811 gestifteten, sehr reichhaltigen Landesmuseum, bestehend aus der Bibliothek, dem zoologischen Museum, dem Mineraliencabinet, dem Herbarium, dem Münzen-und Antikencabinet und dem botanischen Garten. Den ehemaligen Rauberhof (einst Besitzthum der Freiherren von Räuber) hatten die Stände schon 1592 für eine Unterrichtsanstalt erworben und die protestantische Stiftsschule aus dem Bara-radeis, welches für die aufblühende Anstalt schon zu eng geworden war, hieher verlegt. Aber schon nach drei Jahren fiel die schöne Schöpfung der Gegenreformation zum Opfer und 1620 finden wir das Gebäude im Besitze des katholischen Stiftes Lambrecht. Im Jahre 1811 brachten die Stände das Gebäude über Anregung des Erzherzogs Johann wieder an sich, errichteten eine technische Lehranstalt, welcher der Erzherzog Johann seine reichen, naturhisorischen Sammlungen schenkte und die Bibliothek begründete. Namhafte Gelehrte, wie Mohs, Unger u. s. w. wirkten an dieser Anstalt, welche nach der Uebergabe der technischen Hochschule in die Staatsverwaltung in ein Landesmuseum umgewandelt wurde.

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Die Joanneums-Bibliothek zählt gegen 80.000 Bände und besitzt eine reichhaltige Sammlung von Styriaca.

Das zoologische Museum ist in fünf Sälen des zweiten Stockwerkes untergebracht, enthält eine bedeutende Anzahl ausgestopfter Vögel, dann reiche Sammlungen von Conchylien, Insecten, 6000 europäischen Schmetterlingen, eine namhafte Käfersammlung, eine von Professor Oscar Schmidt gegründete Sammlung adriatischer Schwämme, Sammlungen von Skeletten, Säugethieren etc.

Das * Mineraliencabinet füllt vier geräumige Säle des zweiten Stockwerkes. In dem grössten dieser Säle steht die Büste des Erzherzogs Johann und neben derselben sind an der Wand zur Erinnerung an die deutschen Naturforscher-Versammlungen 1843 und 1875 Tafeln aus Pignolit-Magnesit, Geschenke des Stiftes Admont, eingefügt.

Das Cabinet enthält folgende Sammlungen:

1. Die eigentliche Mineraliensammlung, nach Mohs’schem System geordnet, ist in 33 Glasschränken mit circa 4400 Nummern und in 462 Laden mit über 12.000 Nummern untergebracht und füllt die beiden grössten Säle.

2. Die terminologischen Sammlungen, in der Mitte des ersten grossen Saales in sechs Pultkästen mit 539 Nummern.

3. Die geologischen Sammlungen, und zwar:

a) eine allgemeine geologische Sammlung, die wichtigsten Gesteine des Schiefer-, Massen- und Schichtgebirges darstellend, mit 600 Exemplaren (in der Mitte des ersten grossen Saales). b) eine allgemeine Petrefactensammlung mit 538 Nummern aus dem Thier- und 75 aus dem Pflanzenreiche; c) die steiermärkisch-geologische Sammlung mit über 1000 Nummern und den beiden geologischen Originalkarten von J. M. Anker und Th. von Zollikofer (im ersten kleineren Saale). d) die phytopaläontologischen Sammlungen mit 1200 Nummern (im zweiten kleineren Saale), die fossile Flora von Parschlag und von der Stangalpe in Steiermark, dann von Radoboj in Croatien darstellend, ein Werk des Prof. Franz Unger.

4. Die technologische Schausammlung in 18 Pultkästen des zweiten grösseren Saales. Sie enthält steiermärkische Mineralien, Gebirgsarten, daraus gewonnene Rohproducte der Landwirthschaft, [38] des Hüttenwesens, der Baukunst und der Töpferei, mineralische Farbstoffe, Salze, Stein- und Braunkohlen etc.

Das Herbarium (zwischen dem zoologischen und dem mineralogischen Cabinet) besteht aus dem Herbarium generale mit 11.000 Species, nach Endlichers genera plantarum geordnet, dem separaten Herbarium sty-riacum et austriacum und dem Forst-Her bar. Auch findet sich hier eine Sammlung von Vogeleiern. In diesem Saale ist die Marmorbüste des Naturforschers Dr. Fr. Unger aufgestellt. Das Münzen- und Antikencabiiiet ist in mehreren Localen des Parterres und des ersten Stockwerkes untergebracht.

Im ersten Stocke die egyptische, persisch-babylonische und die griechische Abtheilung, ferners Modelle eines Pfahlbaues, Streitbeile, Hämmer aus der mitteleuropäischen Vorzeit, aus der Bronzezeit Aexte, Ketten, Beile Streitmeissel, Morgensterne, Schwerter, Dolche, Schmuckgegenstände, Panzerstücke, Schilder, Votivhände etc. und als besonders interessant 9 grosse Helme aus Negau. Das wichtigste Stück dieser Sammlung ist der sogenannte * Judenburger Wagen, ein keltisches Opfergeräth (Rauchwagen) mit 13 Figuren (gefunden in Strettweg bei Judenburg).

Im römischen Saale Mosaik und Wandstücke aus Italien, Virunum in Kärnten, Cilli etc.; ausgewählte griechische Münzen, dann Schmuckgegenstände, Waffen und Geräthe, meist in Steiermark gefunden, Schalen, Tassen, Salbenflaschen, Glaspasten aus Pompeji, Intaglien, Cameen, Schalen aus Siegelerde, Lampen, Bronze-Statuetten, Gybsabgüsse der Trajanssäule in Rom etc.

Die Münzensammlung enthält 35.000 Stück, und zwar griechische 2120, römische 8000, aus der Mittel- und Neuzeit 24.000, Goldmünzen 830, Silbermünzen, 18.060, Bronze- und Kupfermünzen, 16.000 Stück. Sehenswerth ist die separate Sammlung seltener Venetianer Münzen (bei 2000 Stück).

Im römischen Steinsaale (Parterre befinden sich Inschriftsteine, Basreliefs und Statuen, welche fast durchgehends in Steiermark gefunden wurden, dann arabische, türkische, persische, hebräische, kufische und malabarische Handschriften, den Entwicklungsgang der Schriftformen darstellend, ferner eine Reihe von Malereien und Holztafelbildern. In der Abtheilung für das Mittelalter sechs Bilder, de Leichenzug des Erzherzogs Karl II. (1590) darstellend, Portrait steirischer Adelsfamilien, Sammlungen von Orts-, Bau- und Personen [39] bildern, Kupferstichen, 250 Stiftzeichnungen von Reichert, hebräische Inschriftsteine aus der Zeit der Judenansiedlung in Steiermark, architektonische Baustücke aus der alten demolirten) Burg, Grabdenkmal Ulrichs von Liechtenstein, Elfenbeinschnitzereien, Edelsteine, Pasten, Medaillen, Siegelstempel, die Siegelpresse der steirischen Ständeverordneten vom Jahre 1741 mit sechs Emailwappen und dem steirischen Panther aus ciselirtem Silber; Holzschnitzereien etc.

Im vorletzten Gemache Waffen und Rüstungen, Freimaurergewänder und symbolische Geräthe aus der 1785 in Graz bestand denen Loge, alte steirische und chinesische Hüte, Costüme, das. goldgestickte Fahnentuch der Murat’schen Freiwilligen in den Abruzzen etc. — Im letzten Gemache eine Kanone mit geschnitzter Lafette, Richträder und Folterwerkzeuge, Bussgürtel etc., ferner ein Tisch der herzoglichen Hofhaltung (1589) mit Jagdscenen. Im Hofe römische Grabdenkmale, welche auf dem Leibnitzer Felde und auf dem Draufeide gefunden wurden.

Der botanische Garten (durch das Joanneum oder von der Neuthorgasse aus zugänglich) enthält nach Endlicher’^ System geordnet circa 4000 Pflanzen, ferner eine ökonomischtechnische und eine medicinische Ahtheilung, und in einem grossen Bassin die wichtigsten einheimischen Wasserpflanzen. Den nordöstlichen Theil des Gartens nehmen prächtige Gruppen verschiedener Baumgattungen ein, worunter eine weitästige Pterocarya fraxinifolia von seltener Schönheit be-merkenswerth ist. Im Warmhause exotische Farne und Phanero-gamen, schöne Palmen, Orchideen, Selaginellen etc.

Nächst dem Warmhause befindet sich eine * Alpenanlage, welche die ganze Hochgebirgsflora Europa’s präsentirt.

Das am nördlichen Ende des Gartens befindliche Kalthaus enthält 2000 Arten.

Schlossberg und Stadtpark.

Mitten in der Stadt, als ein charakteristisches Merkmal von Graz, erhebt sich der Schlossberg. Die enge Sackstrasse zwängt sich zwischen seinem steilen, felsigen Westabhange und der Mur hindurch, im Norden liegt die stille Graben [40] Vorstadt zu seinen Füssen, im Osten verläuft das schattige Grün seiner Waldwege in den Stadtpark, mit diesem vereint eine der grössten Stadt-Parkanlagen Europas bildend. Der südliche Abhang des Schlossberges erstreckt sich in seinen letzten Ausläufern bis in die Spor-, Bürger- und Burggasse, welche zu dem ein Plateau bildenden Karmeliterplatze ansteigen, von wo aus der nächste Anstieg auf den Schlossberg durch den Thorbogen des Hauses Nr. 1 beginnt. Schöner ist der Anstieg vom Stadtparke aus auf dem nächst dem Paulus-thore beginnenden Wege. Von der Wickenburggasse (Grabenvorstadt) führt ein Fahrweg auf das Plateau des Berges, welches sich 126 Meter über den Murspiegel und 466 Meter über den Meeresspiegel erhebt.

Römerdenkmäler, die man auf dem Berge und in seiner Nähe fand, lassen annehmen, dass der Schlossberg einst ein römisches Castell getragen habe. Zur Zeit Karl’s des Grossen soll hier ein festes Schloss zur Vertheidigung gegen die Ungarn erbaut worden sein. Die steirischen Herzoge bauten das Schloss zu einer unüberwindlichen Veste aus, welche mit der Burg und der befestigten Stadt in Verbindung stand. Kaiser Ferdinand der III. barg im Schwedenkriege seine Familie und seine Schätze in dieser Bergveste, welche erst der französischen Invasion im Anfänge unseres Jahrhunderts zum Opfer fiel. Sie vertheidigte sich zwar unter dem österreichischen Major Hackher mit glänzendem Erfolge gegen die französischen Generäle Macdonald, Grouchy und Broussier, welche die Veste durch sieben Tage vergeblich mit Bomben bewarfen; in dem Friedensschlüsse ward jedoch ihre Demolirung zur Bedingung gemacht und am 23. Juli 1809 wurden die Festungswerke durch den österreichischen General Zach an Vandamme übergeben, welcher die Schleifung derselben überwachte. Nur der Glockenthurm, der Uhrthurm und einige kleinere Gebäude blieben verschont. Ein Holzmodell, welches den Schlossberg in jenem Zustande darstellt, in welchem er sich vor der Schleifung der Werke befand, wird im landschaftlichen Zeughause vorgewiesen. Im Jahre 1839 schuf Feldmarschalllieutenant Baron Weiden die Parkanlagen an der Ost- und Nordseite des Schlossberges auf Kosten des Landes. Die Westseite des Berges wurde im Jahre 1877 durch den Stadtverschönerungsverin mit Promenadewegen versehen. Der nächste Weg aus der inneren Stadt auf den Schlossberg ist, wie erwähnt, jener durch die ansteigende Sporgasse.

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In der Sporgasse ist das Saurau'sche Palais bemerkens-werth. Aus einem der obersten Fenster ragt die hölzerne Figur eines Türken heraus. Als der Schlossberg von den Türken belagert wurde, hat der Sage nach im Saurau’schen Palais der türkische Heerführer gewohnt. Das Oberlichtgitter am Thore ist als Meisterwerk mittelalterlicher Kunstschlosserei sehenswerth. Das dem Saurau’schen Palais gegenüberliegende Gebäude heisst der Eselsstall, weil in demselben ehemals die Maulthiere der steirischen Herzoge untergebracht waren.

Am Karmeliterplatze befindet sich das Militärspital in einem ehemaligen 1628, gestifteten und durch Kaiser Josef 1782 aufgehobenen Karmeliterkloster. Auf dem Platze steht eine „Dreifaltigkeitssäule“ aus Bronze und reich vergoldet, welche Kaiser Leopold 1680 nach beendeter Pestepidemie errichtete.

An der ersten Krümmung der auf den Schlossberg führenden Fahrstrasse bemerkt man ein eisernes Kreuz, an welches sich mehrere Sagen knüpfen. Es soll in seiner ursprünglichen Form von Einern Gefangenen errichtet worden sein, dem es gelang, aus dem Kassemattengefängnisse des Schlossberges zu entkommen und welcher an dieser Stelle seine Fesseln abstreifte. Später bezeichnete das Kreuz den Punkt, bis zu welchem die Angehörigen eines zur Festungshaft Verurtheilten diesen begleiten durften.

Wo sich der in Serpentinen ansteigende Fussweg mit dem Fahrwege wieder vereinigt, stand das äusserste Festungsthor.

Man gelangt nun zum *Uhrthurme, welcher als das älteste Gebäude von Graz gilt. Die Bastion, auf welcher er steht, heisst wegen ihrer wiederholten muthvollen Vertheidigung durch die Bürger von Graz die Bürgerbastei.

Die gegenwärtige Thurmuhr ist ein sinnreich con-struirtes Werk ohne Pendel aus dem Jahre 1822.

Ein Orgelwerk, das „steirische Horn“ genannt, welches sich einst in diesem Thurme befand und täglich Morgens und Abends gespielt wurde, ging bei der französischen Invasion verloren.

In dem Uhrthurme befindet sich seit Jahrhunderten die Wohnung des Feuerwächters. Der berühmte Schauspieler Joh. Franz Hieronymus Brockmann soll hier am 30. September 1745 das Licht der Welt erblickt haben. Die jetzige Feuerglocke wurde [42] früher bei Hinrichtungen angeschlagen und hiess diesshalb die „Armensünderglocke.“ Sie wurde 1382 gegossen. Sie begleitete die Hinrichtungen der Edelleute Baumkircher und Greissenegger am 23. April 1471, die Hinrichtung von 161 Anführern des Bauern-Aufstandes im Jahre 1516 und die Enthauptung des Gouverneurs Grafen Tattenbach am 1. December 1671 mit ihrem traurigen Geläute. Von 1820 bis 1849 wurde mit ihr täglich Abends 11 Uhr das Zeichen zum Sperren der Gast- und Kaffeehäuser gegeben, daher sie damals „Lumpenglocke“ genannt wurde.

Neben dem Thurme steht ein freundliches, von Reben umranktes Häuschen. Hier war einst die Schmiede, in welcher die zur Kerkerstrafe Verurtheilten in Fesseln geschlagen wurden.

Von der Bürgerbastei hat man einen interessanten Ueberblick über die innere Stadt. Auf einer Gartenmauer unterhalb der- Bastion sieht man das steinerne Bild eines schwarzen Hundes, an welches sich folgende Sage knüpft: Im Jahre 1479 verpflichteten sich zwei Dienstleute dei’ Schlossburg, Namens Grässl und Himmelfreund,) gegen eine grosse Summe Geldes, die feindlichen Ungarn unbemerkt in die Veste eindringen zu lassen um ihnen die Prinzessin Kunigunde, Kaiser Friedrichs’s III. Tochter zu überliefern. Der Ueberfall wurde jedoch durch das auffallende Gebell eines Hundes rechtzeitig aufgedeckt und vereitelt. Die beiden Verräther wurden hingerichtet und dem wachsamen Hunde setzte man dieses Denkmal.

Durch eine kleine, in der Mauerbrüstung angebrachte Pforte gelangt man in die neuen Anlagen auf der steilen Westseite des Berges, welche viele angenehme Ruheplätze und eine interessante Aussicht auf die westlichen Stadttheile bieten. Links von der in einer Kastanienalle aufwärts führenden Fahrstrasse auf einem Felsen eine Laube mit Sitzbänken. In der Nähe findet man eine Bank mit einem daran gelehnten behauenen Stein, auf welchem der greise Bischof Graf Nadasdy, als er nach vierzigjähriger Gefangenschaft im Jahre 1796 in Freiheit gesetzt wurde, ausruhte und dabei für immer entschlief. Die in den Stein gehauene Inschrift ist nicht mehr leserlich. Daneben gelangt man durch eine malerische, mit hundertjährigem Epheu geschmückte Arkade zum Türkenbrunnen. Er wurde vom Jahre 1550 bis 1558 durch gefangene Türken in den Felsen gemeisselt und mit Steinquadern ausgemauert. Der Denkstein worauf ein Kreuz eingemeisselt ist, trägt die Jahreszahl 1558.

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Der Brunnen hat eine Tiefe von 94 Meter und eine Lichten-' weite von 2x2 Meter. Das Wasser ist magnesiahältig, was dem Umstande zuzuschreiben ist, dass der Felsen aus Dolomit besteht. Das Wasser steigt und fällt mit dem Wasser der Mur, obgleich dieses nur aus Felsenspalten zufliesst. Von hier aus übersieht man die westlichen Anlagen des Schlossberges und blickt auf das im oberen Theile desselben stehende gothische Winzerhaus. Den am Winzerhaus vorbeiführenden, in den Felsen gehauenen Weg verfolgend, geniesst man einen prachtvollen Ausblick auf die Mur und die nordwestlichen Berghäupter und gelangt endlich durch ein gothisches Gartenthor und den aufwärts führenden Weg einschlagend, auf das Plateau des Schlossberges. Die Felsabhänge auf dieser Seite des Berges bilden mehrere natürliche Grotten, welche früher Einsiedlern zur Wohnung gedient haben sollen. Das gemeinschaftliche Oberhaupt der Eremiten von ganz Steiermark war der fromme Klausner zu Mariagrün, bei welchem sie jährlich einmal zusammenkamen, um ihre Angelegenheiten zu besprechen. Es gehörte zu den Pflichten der Schlosshauptleute, die Einsiedler des Berges strenge zu überwachen. Der letzte der Schlossberg-Eremiten hiess Macarius und hatte seine Zelle dort, wo jetzt das Haus Nr. 13 in der Wickenburggasse steht. Nach der Aufhebung des Eremitenordens im Jahre 1783 hielt Macarius noch mehrere Jahre einen kleinen Kramladen an der Stelle, wo er früher seine frommen Hebungen verrichtete. In der Mitte des oberen Plateau’s befindet sich eine grosse, aus Quadern erbaute Cisterne. Diese besteht aus dem mittleren Centralbrunnen, 14y2 Meter tief, 2*/2 Meter weit; aus fünf Sammelbrunnen, circa 3% Meter weit, welche 33/4 Meter unter dem Horizonte mit Quadern überwölbt und mit Sand beschüttet sind: endlich aus fünf Filterbrunnen, welche mit kleinen Kieselsteinen und Ziegelstücken angefüllt sind. In diese Filterschächte wird das Regen- und Schneewasser durch Zuleitungsgräben geführt und gelangt von da durch Seitenöffnungen und durch die Quaderfugen in den Centralbrunnen, aus welchem es durch ein eingesetztes Pumpwerk benützbar gemacht wird. Bei zu grosser Wasseransammlung fliesst das Wasser durch einen höher angebrachten [44]Canal in die tiefer liegende Löwengrubencisterne. Die Cisterne fasst 1200 Hektoliter Wasser und genügte für eine Besatzung von 200 Mann auf vier Wochen. Dieses Bauwerk dürfte älter sein, als der Türkenbrunnen, indem schon im Jahre 1300 ein befestigtes Schloss in Graz bestand und seither von dem Baue der Cisterne keine Erwähnung geschah. Die **Rundsicht von diesem Plateau aus ist ungemein lohnend. Mehrere, auf den Brustwehren des Plateaus angebrachte Orientirungstafeln enthalten die Namen und Entfernungen der Bergkuppen, Ortschaften, Schlösser u. s. w., welche von hier aus sichtbar sind. In den Kunsthandlungen findet man eine gute Darstellung der Rundsicht vom Schlossberge, ausgeführt vom Maler Carl Haas und herausgegeben vom Grazer Fremdenverkehrscomite. Ueber einen Brückenbogen gelangt man auf das südliche tiefer gelegene Plateau. Links sieht man vom Brückenbogen hinab auf die Reste des ehemaligen Kasemattengefängnisses. Dasselbe enthielt 40 finstere kleine Zellen. Geschichtlich bekannte Gefangene des Schlossberges waren: Niclas von Grottenhof 1407, welcher den Prinzen Ladislaus Posthumus auf einer Reise nach Neapel zur Flucht beredete. Der reiche Balthasar von Eggenberg, kaiserlicher Münzmeister 1486, weil er von dem stets geldbedürftigen Kaiser Friedrich IV. die Rückzahlung der dargeliehenen grossen Geldsumme forderte. Balthasar von Eggenberg glaubte sich dadurch, dass er dem Kaiser ein neues Darlehen von 34.000 fl. verschaffte, aus der Haft zu befreien, soll aber trotzdem 1493 durch die eiserne Jungfrau hingerichtet worden sein. Die ständischen Secretäre Kandelberger und Gabelhofer 1600, weil sie den Protestanten Vorschub leisteten. Ersterer wurde später enthauptet. Christoph und Friedrich von Windischgrätz zu Waldstein und Thal, deren Mutter Hyppolita und der Vogt des Schlosses Waldstein 1602, weil sie einen protestantischen Pastor nicht entliessen und dem Inquisitionsfähnlein Widerstand leisteten. Drei gefangene Schwedenoberste: Württemberg, Czerutin und Sandhof 1634. Statthalter Hans Erasmus Graf v. Tattenbach, welcher sich mit dem Palatin von Ungarn Grafen Franz Wesselenyi, Grafen Niclas Zrinyi, Christoph Grafen von Frangipani, Grafen Stefan Tököly und Grafen Nadasdy in eine Verschwörung gegen das Haus Habsburg einliess. Tattenbach wurde 1671 im Rathhause zu Graz [45] enthauptet. Anna Katharina Gräfin v. Zrinyi, Graf Nikolaus v» Zrinyi und Carl Caspar von Thum, Landeshauptmann von Görz, welche ebenfalls in Tattenbach’s Verschwörung verwickelt waren. Letztere zwei starben im Gefängnisse. Adam Graf Lamberg, weil er 1702 eine Prinzessin Liechtenstein entführte. Die jungen Prinzen von Baiern nach der Schlacht bei Hochstädt 1706 als Geisseln hiehergeführt und erst 1714 entlassen. Im Jahre 1713 der französische Emmissär Bronville. Im Jahre 1738 der kaiserliche Feldmarschall Friedrich Heinrich Reichsgraf von Seckendorf, weil er im Feldzuge gegen die Türken einige Schlappen erlitten. Im Jahre 1741 der spanische Emmissär Don Vincenzo Pachecco. Im Jahre 1744 französische Kriegsgefangene.

Der Glockenthurm enthält die 9143 Kilogramm schwere „alte Liesl,“ die grösste Glocke des Landes, welche dreimal des Tages, 7 Uhr Morgens, 12 Uhr Mittags und 7 Uhr Abends durch vier Männer geläutet wird. Im zweiten Stockwerke dieses Thurmes sass der Bischof Graf Nadasdy durch 40 Jahre als Gefangener. Unter dem Thurme befand sich das schwerste Gefängniss, die „Bassgeige“, dessen Eingang jetzt vermauert ist. Am südlichen Rande des Plateau’s befindet sich die Stallbatterie, in welcher sechs Geschütze zur Signalisirung grösserer Brände und viele alte Mörser aufgestellt sind. Unterhalb dieser Batterie waren früher grosse Gefängnisse und erfolgten die Hinrichtungen mit der eisernen Jungfrau. Auf einem Fusswege gelangt man zum Uhrthurme zurück, durchschreitet den gegen Norden führenden breiten schattigen Gang und gelangt auf die Weidenterasse. Die Stadtgemeinde hat hier dem Schöpfer der Schlossberganlagen, Feldzeugmeister Baron Weiden, durch den genialen Bildhauer Hans Gasser ein Denkmal aus Erz errichten lassen. Auf den vier Sockelfeldern sieht man das Wappen der Stadt, das Wappen der Familie Weiden und allegorische Darstellungen der Kriegskunst und der Stiftung des Welden-Invalidenfondes.

Der Abstieg führt entweder wieder auf den Karmeliterplatz oder in die Wickenburggasse oder direct in den Stadtpark. Vom Karmeliterplatz gelangt man durch die Paulusthor-gasse; links das Antoniuskirchlein (s. S. 59); ferner das [46] alte Irrenhaus, jetzt Gebähranstalt; rechts das allgemeine Krankenhaus, früher Lamprechterhof, von Kaiser Josef II, gegründet mit 760 Betten, durch das Paulusthor in den Stadtpark. Aus der Wickenburggasse geht man östlich durch die Jahngasse (rechts die landschaftl. Turnhalle) in den Park. Der Stadtpark wurde zu Anfang der siebziger Jahre auf den ehemaligen Glacisflächen im englischen Style und mit Einbeziehung der schon bestandenen prächtigen Kastanienalleen angelegt. Zur Anpflanzung wurden vornehmlich hochstämmige, breitkronige Bäume gewählt, die man in kleineren Gruppen vereinigte, auf dass nirgends der Durchblick behindert und die Aussicht auf die herrliche Einrahmung verkümmert werde, die hier der unmittelbar anschliessende Schlossberg gegen Westen, der Rosenberg gegen Nordosten und der zwischen beiden aus fernem Hintergründe nordwärts hereinragende Hochschöckel bilden — ein Rahmen, der den Eindruck einer natürlichen Fortsetzung der Parkanlagen macht, und diese in noch vergrössertem Massstabe erscheinen lässt. Man findet hier schöne Exemplare von Liriodendron tulipifera (Tulpen-bäum), Magnolia conspiqua (Schirmbaum), Rhus cotinus (Perückenbaum), Sophora japonica (japanesischer Schnurbaura) Pyrus Malus floribunda (der beerentragende Apfelbaum), Forsithia, Fortunei (Forsithin), Crataegus oxyacantha (roth-blühender Weissdorn) u. s. w. — An geeigneten Stellen sind in zierlichen Rabatten und farbenfrischer Zusammenstellung Teppichpflanzungen angebracht; an den Candelabern der Promenadewege ranken sich Schlingrosen empor und es ist auch dafür Sorge getragen, dass je nach der Blüthezeit Treibhauspflanzen in die Blumenbeete eingesetzt werden. Eine besondere Annehmlichkeit erhält der Park durch mehrere hundert bequeme eiserne Bänke und Fauteuils, welche in allen Theilen desselben aufgestellt sind. Das elegant eingerichtete und gut geleitetete Wirth’sche Etablissement im nördlichen Stadtparktheile ist der beliebteste [47] Vereinigungspunkt der gebildeten Classen der Bevölkerung; wer an schönen Sommertagen des Morgens oder Abends an dem luftigen Baue vorüberkommt, wo Damen und Herren, nicht selten nach Hunderten zählend, unter schattigen Bäumen ihren Kaffee oder ihr Eis nehmen, der muss sich in der That mitten in das Leben eines grösseren Curortes versetzt fühlen. Ein oder mehrmals in der Woche concertirt hier die Milititärcapelle in dem nebenstehenden zierlichen gusseisernen Musikpavillon. Die Mitte dieses Parktheiles nimmt der monumentale Franz Josefs-Brunnen ein. Derselbe ist aus der Erzgiesserei der Firma Anton Durenne in Paris hervorgegangen und hatte während der Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 eine Zierde der grossen Ausstellungsrotunde gebildet. Südlich der Burg-thoralle befindet sich ein gusseisernes Wetterhäuschen mit ringsumlaufender Orientirungstafel, welche die Lage und Entfernung der wichtigsten Städte Europas und speciell der Steiermark bezeichnet. Am Oberbau sind physikalische Instrumente und drei transparente Zifferblätter einer Uhr, sowie meteorologische Aufzeichnungen angebracht und wird das Ganze von einem kuppelförmigen Dache gekrönt, von dessen Spitze die vergoldete Wetterstange mit Windfahne und Orientirungspfeil sich erhebt. Weiter südlich in einer an die westliche Seite der Dammallee gelehnten reizenden Fichtenanlage steht die Schillerbüste, von Hans Gasser in weissem Marmor ausgeführt. Einen passenden Abschluss finden die südlichen Parkanlagen gegen den Eisenthorplatz durch den Hochstrahl-Brunnen, der den Namen des gefeierten Dichters und und Staatsmannes Anton Auersperg (Anastasius Grün) trägt. Doch für das Auge bilden die mächtigen Baumgruppen des Botanischen Gartens jenseits des Eisen-thorplatzes eine natürliche Fortsetzung des Parkes und einen effectvollen Hintergrund für den hochaufsteigenden Wasser [48] strahl. Schliesslich dürfen wir auch der gefiederten Sänger nicht vergessen, die den Schlossberg und den Stadtpark beleben und von thierfreundlichen Bewohnern reichlich mit Futter versehen werden. Man findet äusser Spatzen, Finken und Amseln auch die Kohlmeise, Blaumeise, Schopfmeise, Bachstelze, den Goldammer, das Rothkelchen, das Schwarzblättchen, die Grasmücke, den Zeisig, Grünling, Stieglitz, Krummschnabel, Kernbeisser, die Lerche, den Zaunkönig, Buntspechte, Baumläufer, Seidenschwanz, die Goldamsel, Dorndreher, Rauch- und Thurm schwalbe, Gimpel, im Ganzen also sechsundzwanzig Arten.

Universität, *Dom, Mausoleum.

Vom Hauptplatz durch die Sporgasse und Hofgasse auf den Franzensplatz, welchen ein dem Kaiser Franz I. im Jahre 1841 errichtetes Denkmal des Mailänder Bildhauer Pompeo Marchesi ziert.

Die östliche Seite des Platzes nimmt das Landestheater ein; Im Jahre 1825 von dem Hofbaurathe Peter Nobile erbaut, fasst es 1500 Personen. Der schmucklose Redoutensaal im Theatergebäude fasst 1800 Menschen.

Die Universität wurde 14. April 1586 durch ihren Stifter Erzherzog Karl eröffnet, welcher hier seinen erstge-bornen Sohn Ferdinand, nachmaligen deutschen Kaiser^ immatriculiren liess. Die Aussenseite des Gebäudes zeichnet sich nur durch die beiden grossen Wappenschilde des Erzherzogs Ferdinand II. und seiner ersten Gemalin aus.

Die Universitätsbibliothek in einem grossen mit Deckengemälden geschmückten Saal (ehemals Aula und unter den Jesuiten Universitätstheater) und mehreren Lesezimmern, ist mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage und der Universitätsferialzeit vom 1. August bis 1. October, im Sommer täglich von 8—1 Vormittags und von 4- 6 Uhr Nachmittags, im Winter aber von 9—4 Uhr ununterbrochen geöffnet und zugänglich. In der Universitätsferialzeit ist die Bibliothek nur am Dienstag und Freitag von 9—1 geöffnet. Auskünfte werden [49] durch den Vorstand der Anstalt aufs Bereitwilligste ertheilt. Die Bibliothek zählt gegenwärtig über 100.000 Bände an Druckwerken und gegen 3000 Handschriften, denen insbesondere bei der Klosteraufhebung durch Josef II. eine grosse Zahl sehr werthvoller, aus aufgehobenen geistlichen Stiften und Klöstern einverleibt wurde. Unter den Handschriften finden sich sehr werthvolle, alte, deutsche Gedichte, auf Papier und Pergament, einige Versionen der sogenannten Cillier Chronik, die Brücker Landtagsverhandlungen aus der Zeit der Religionskämpfe im Lande u. a. m. Von Prachthandschriften ist zu nennen eine deutsche Bibel auf 656 Pergamentblättern in Folio, beendet im Jahre 1469, welche „hat geschriben Erasm Stratter zu Saltzpurg“, wie die Schlussworte besagen. In Gold und Farben aufs Reichste ausgeführte Miniaturen und Arabesken zieren diese kostbare Handschrift. Ferner ist erwähnenswerth ein geschriebenes Missale auf Pergament, ebenfalls reich mit Miniaturen und Arabesken in besonders origineller, grotesker Form geschmückt. Von seltenen Druck- und Kunstwerken finden sich eine grosse Zahl Incunabeln, Hans Burgmairs Triumphzug des Kaisers Maximilian I. (von Makart als Vorwurf zu den Wagen und Kostümen des bekannten Festzuges benützt) in einem trefflich colorirten Exemplare, ein Pergamentdruck des Theuerdank von 1517, einige werthvolle alte Bibelausgaben, Classikerausgaben von Manuzzi, Giunti, Elzevir u. A., die Degen-sche Prachtausgabe der Werke von Uz und mehrere andere Prachtwerke Degens; von werthvollen Werken aus der neueren Zeit seien nur angeführt die Bänderreiche grossartige englische Sammlung: Berum britannicarum medii aevi scriptores. Das archäologische Cabinet enthält Gypsabgüsse antiker Sculpturen, egyptische, assyrisch-kleinasiatische, griechische, römische und keltische Alterthümer. Auch die neuesten Ausgrabungen von Olympia sind durch Gypsabgüsse der interessantesten Stücke vertreten : Die Siegesgöttin von Paionios, einem der Schule des Pheidias nahestehenden Künstler, und Hermes mit dem Dionysoskinde von Praxiteles. Beide sind Originalwerke der genannten Bildhauer, durch Inschrift und Nachrichten der Schriftsteller sicher bezeugt: das eine um das Jahr 425, das andere in der Mitte des vierten Jahrhunderts v. Chr. entstanden. Sie sind die wichtigsten Fundstücke der an bedeutenden Ergebnissen überreichen Ausgrabungen von Olympia und bezeichnen einen Wendepunkt für unsere Auffassung der attischen Kunst zur Zeit der grossen Meister. Ferner die Gruppe der Tyrannenmörder, ein Werk von strengerer, alterthümlicherer Formgebung aus der Zeit vor Pheidias, eine im Wesentlichen getreue Marmorcopie der berühmten Bronzestatuen, welche die dankbaren Athener im Jahre 476 v. Chr. aufstellten. Das numismatische Cabinet enthält 10.000 Stück Münzen.

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An die alte Universität stossend das dem Studienfond gehörige ehemalige Priesterhaus mit grossem schönen Hofe, einem zweiten Hofe mit Garten und Marmorbrunnen, enthaltend das Priesterseminar, das erste Staatsgymnasium und einen Theil der Universität. Bis zur Aufhebung des Jesuitenordens 1773 bestand hier ein Jesuitencollegium. Die Kap eile enthält Bilder von dem Jesuiten-Laienbruder Franz Stecher, dann tüchtige Arbeiten von Kollmann (Christus) und Tannhauser (Papst Gregor d. Gr.) Das grosse Refectorium ist im Barokstyle ausgeführt. Ein Theil der Universität ist bereits in den nächst der Schubertstrasse gelegenen Neubauten untergebracht. Das dem Priesterhause in der Bürgergasse gegenüberliegende Gebäude mit dem steinernen Brustbild seines Erbauers Erzherzog Karl II. ober dem Thore war früher ein Convict zur Heranbildung von Priestern. In der Hauscapelle Fresken von Franz Jannek. Im Hofe ein Herkules die Hydra tödtend, eine beliebte Anspielung der Ferdinandeischen Zeit auf den zu Boden geworfenen Protes-tantismus.

*Domkirche (D6), gothischer Bau aus dem 15. Jahrhundert, dreischiffig, mit reichgegliedertem Netzgewölbe, die Fenster mit einfachem Masswerk. Westportal mit geschweiftem Spitzbogen, Wappen, dem Wahlspruch (A. E. I. 0. U ) Friedrichs IV, und Jahreszahl 1456. Innen an der Evangelienseite des Chores das Hoforatorium. Decke und Wände im mittelalterlichen Style, alte Glasgemälde (1449) und eine Kreuzigung Christi auf Goldgrund (1477), wahrscheinlich von van der Wyden. In der zweiten Etage alte Deckenfresken. Hochaltar aus afrikanischem und französischem Marmor. Das grosse treffliche Altarbild (heil. Aegydius) und die beiden Seitenbilder von Josef Franz F1 u r e r. An der Kirchenwand Bilder von Johann Petrus de Pomis, Hofmaler Herzogs Karl II. (Portraits der erzherzoglichen Familie.) In dem engen, von der Strasse in die Sacristei führenden Gange, der Eingangs-

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thür gegenüber, ein Stein, unter welchem die Eingeweide Herzogs Karl beigesetzt sind.

An der gegen den Chor gelegenen Rückwand der beiden Seitenschiffe zwei *Reliquienschreine aus Ebenholz auf hohen Marmorpiedestalen und mit kunstvollen Elfenbeinreliefs, welche nach Petrarca’s Gedicht: „I trionfi“ die Triumphe der Liebe, der Unschuld, des Todes, des Ruhmes, der Ewigkeit und der Glückseligkeit im Glauben darstellen.

Der Schrein auf der Epistelseite enthält die Reste der Märtyrin Maxentia und einen Arm der heil. Agatha, der links die Märtyrer Martinus und Vincentins. Papst Paul V. liess diese Reliquien aus dem Friedhöfe der heil. Priscilla in Rom ausgraben und schenkte sie 1617 dem Erzherzoge Ferdinand.

Die neben den Reliquienschreinen befindlichen Altäre haben Bilder von Petrus de Pomis (heil. Ignaz und engl. Gruss). Nebenan beiderseits die Grabmäler des Sigmund Friedrich Grafen von Trauttmansdorff (1631) und Freiherrn Max Brenner (1635). Rechts am ersten Pfeiler rothes Marmordenkmal des ritterlichen Kaspar Brenner, Freiherrn von Stübing, Fladnitz und Rabenstein und seiner Gattin (1570). An den vordersten Pfeilern Altartische mit bemerkens-werther florentinischer Mosaik. Im Gange, gegenüber dem rechten Seitenaltar, Christus mit Veronika. In den linksseitigen Capellen gute Altarbilder, Kanzel mit Brustbildern, grosse Orgel.

An der Aussenseite des Chorschlusses über dem vergitterten Grufteingange das Denkmal des Wolfgang Schranz (1594), Hofkanzlers Karls II. und Seele der gegenreformatorischen und jesuitenfreundlichen Bestrebungen.

Zu beiden Seiten des Haupteinganges zwei restaurirte aber bereits wieder verwitterte Fresken aus der Zeit Albrecht Dürer’s mit Kaiser Max I. und einem Papste. An der südlichen Aussenwand ein interessantes altdeutsches Freskobild aus dem 15. Jahrhundert, das göttliche Strafgericht darstellend, welches in Gestalt von Heu [52]schrecken, Türken und der Pestkrankheit über Steiermark hereingebrochen war. Das Bild wurde vor einigen Jahren durch Heinrich Schwach restaurirt.

Südlich vom Dom das Mausoleum KaiserFerdinands II. (Man läute an der rückwärtigen Thüre des Gebäudes oder wende sich an den Obermessner, Burggasse 5.) Ein überladener Prachtbau aus dem 17. Jahrhundert, welcher an der Stelle errichtet ist, wo früher ein zur Zeit Leopold des Heiligen erbautes Kirchlein „zur heil. Katharina“ stand. Das ganze Gebäude ist aus behauenen Quadern erbaut, und mit Säulchen, Reliefs und Statuen bedeckt. Ueber dem kupfernen Kuppeldach erhebt sich ein runder Thurm.

Das Innere hat die Form eines Kreuzes und ist mit Stucco überzogen. Die Decke enthält bildliche Darstellungen der Tugenden und Thaten Ferdinands II. und die Wappen des Hauses Oesterreich. Der Fussboden ist mit schwarzem und weissen Marmor belegt. Auf dem Marienaltar links ein gutes Bild von Beluzzi. Durch die am rechten Arm der kreuzförmigen Kirche befindliche runde Halle gelangt man über eine steinerne Stiege in die Gruft.

In derselben links an der Wand eine ganz kleine Marmorplatte, die das Grab der 1805 in Graz verstorbenen Prinzessin Maria Theresia Gräfin Artois, Tochter des Königs Victor Amadeus IL von Savoyen und Mutter des Herzogs von Angouleme bezeichnet. In der Mitte der geräumigen Gruft der Sarkophag des Erzherzogs Karl und seiner Gemalin Maria von Baiern. Links neben dem Altar das Grab Ferdinands II. und gegenüber das seiner Gemalin Maria Anna. In der linken Nische hinter einem Eisengitter sieben kupferne Gefässe, welche einst die Herzen des Kaisers Ferdinand II., seiner ersten Gemalin, seines Sohnes des Erzherzogs Max Ernst und der Gräfin von Artois enthielten. Auch die Reste des volksfreundlichen Erzherzogs Johann waren durch einige Jahre hier beigesetzt.

Die Burg ist ein alter, weitläufiger, aus verschiedenen Zeiten stammender Bau. Von der ältesten steirischen Herzogsburg, welche die traungauischen Markgrafen 1056 —1120 erbauten, sind keine Ueberreste mehr vorhanden. Die ältesten Theile des gegenwärtigen Baues stammen aus dem Jahre [53] 1450 und ihre ersten Bewohner waren Kaiser Friedrich und sein Geheimschreiber Aeneas Sylvius (der nachmalige Papst Pius II.) Dieser Bau erstreckte sich früher bis zum Landestheater ; im Anfänge dieses Jahrhunderts wurde jedoch der nordwestliche Flügel und der zur Domkirche führende Bogengang demolirt. Gegenwärtig befinden sich in der Burg die Wohnung des Statthalters und Kanzleien der Statthalterei.

An Sehenswürdigkeiten enthält die Burg gegenwärtig sehr wenig. Im ersten Hofe eine gothische Doppelwendeltreppe aus dem Jahre 1500, mehrere Römersteine und nächst dem Brunnen ein in der Karlau ausgegrabener Grabstein des weisen Rabbi Nisim, Sohnes des Rabbi Aharon, gestorben laut der hebräischen Inschrift im Jahre 147 nach der kleinen Zahl, im sechstausendsten Jahr.

Die Burg war früher durch unterirdische Gänge mit dem Schlossberg und der Universität verbunden. Letzteren benützte Herzog Karl II. häufig, um sich mit den Jesuiten und seinem Kanzler Schranz über die Massregeln gegen den überhandnehmenden Protestantismus zu berathen.

Der auf der Bastion angelegte schöne Burggarten gewährt eine reizende Aussicht auf den Stadtpark und die nördlichen Bergketten.

Bildergallerie und Kupferstichsammlung.

Die Landesgallerie wurde im Jahre 1819 errichtet und zur Aufstellung das gräfl. Wildenstein’sche Haus in der Neugasse von den damaligen Ständen gekauft. Die Gallerie zählt über 600 Gemälde, und enthält vieles Interessante und Sehenswerthe. Vorzüglich sind es Werke der altdeutschen Schule neben vorzüglichen Bildern der Wiener Schule des vorigen Jahrhunderts, welche das Interesse fesseln; ausserdem findet der Besucher die italienische und niederländische Kunst, sowie die neuerer Zeit vertreten.

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Von deutschen Künstlern des 15. und 16. Jahrhunderts sind bemerkenswert!!: eine Madonna mit vier heil. Frauen (unbekannter Meister), bezeichnet mit: Herr Jörg v. Rottal, Freiherr zu Talberg, 1505. — Urtheil des Paris v. L. Kranach, Madonna mit dem Kinde (Schule Dürers), Kindermord (angeblich Wohlgemuth), vier Bilder vonM. Gruenwald, zwei interessante Flügelaltäre (Martyrium einiger Heiligen) und Maria Schutz, letzteres Bild aus dem Jahre 1475, Meister unbekannt. Ausserdem einige Porträts, darunter das der heil. Hemma, der Gründerin von Gurk und Admont. — Von Niederländern sind zu erwähnen: J. Asselyn (Reiter halten vor einer Schenke), ein Thierstück von Fyt (türkische Enten) und eine schöne Landschaft von Jak. van Artois. — Von der Wiener Schule des 18. Jahrhunderts und der neueren Zeit sind bemerkenswerth zwei schöne Reiterstücke von Querfurt, Architekturbilder mit Staffage von Bibi er a, die heil. Nacht von Sambach, acht Bilder von Mart. J. Schmidt (Kremser Schmidt), darunter die dramatisch bewegte Scene eines Kindermordes und eine Madonna mit dem schlafenden Christkinde, ausserdem Porträte von Meytens (Maria Theresia und Kaiser Franz L, ganze Figur), Kupetzki, Hi kl, H. Füger (Graf Saurau), mehrere Copien nach van Dyk und eine vorzügliche Copie der Teufelaustreibung von Rubens (Belvedergallerie), von Haubenstriker. Von Neueren: Historienbilder von A. Peter (Kaiser Max empfängt seine Braut Maria von Burgund) und Torquato Tasso im Kloster St. Onofrio von dem Belgier Ch. Larriviere. Ferner Danhauser (komische Scenen im Maleratelier), E. Moser (Porträt seiner Mutter), Landschaften von den Wienern Holzer und Seileny; eine Marine (Helgoland) v. Tissenhausen etc. — Von Italienern sind bemerkenswerth: Porträt eines venetian. Patriciers und Anbetung der Magier (Schule Tizian’s), Madonna mit der heil. Katharina und Antonia (Palma Vecchio), Grablegung Christi und ein todter Christus mit einem Engel von Palma G i o v., Anbetung der drei Weisen und Jakob segnet die Kinder Josefs von L. Giordano, die zwölf Glaubensartikel von dem Römer Ghisi, die heil. Barbara (Dominichino), Erzengel Gabriel (Trevisani), Taufe Christi (Schule Guido Reni’s), Erziehung Amors von Pietro Liberi, Galathea von Pietro da Contora, ein Porträt M. Angelo’s von Va sa ri, Spielende Kinder von G. Lazzarini, Rebecca empfängt die Brautgeschenke von Molinari, Charitas humana von C. Cignani, vier grosse Bilder im Decorationsstyl des 18. Jahrhunderts von dem Venetianer F. di Mura (Auffindung Mosis, Königin Saba vor Salamon, Moses vertreibt die Hirten vom Brunnen, das Urtheil Salamons) etc. etc. Das Kupferstichcahinet bildet einen Bestandtheil derLandes-gallerie und fiel im Jahre 1872 beim Hinscheiden des Gründers [55] Josef Ritter von Heintl in Wien durch testamentarische Anordnung dem Lande Steiermark zu Die Sammlung enthält 1121 Blätter, welche in Originalstiche und Radirungen und in Stiche nach Gemälden geordnet sind. Die Sammlung ist durch periodisch wechselnde Ausstellungen in einem eigens dazu eingerichteten Zimmer der Gallerie dem Publikum zugänglich. (Donnerstag von 11 — 1 Uhr, Sonntag von 10 — 1 Uhr. August und September geschlossen.) Neben den vorzüglichsten Blättern Albrecht Dürer’s (64 Stück) und Rembrandt’s (85 Stück) findet man die Schüler und Zeitgenossen Beider, sowie die besten Kupferstecher fast aller Nationen in selten schönen Exemplaren vertreten. Ausserdem ist die Sammlung durch eine-reiche Collection von Künstlerporträts (122 Stück) ausgezeichnet.

*Leehkirche, Institute der neuen Universität.

Vom Burgthore in nordöstlicher Richtung durch den Stadtpark gelangt man in die Zinzendorfgasse, in welcher man sogleich links halb hinter Häusern verborgen ein altes gothisches Kirchlein, die Leehkirche (B7) gewahr wird. An der Aussenwand der Kirche die Grabmäler der steirischen Dichter Johann von Kalchberg (1765—1827) und Karl Schröckinger (1821). Ober dem kleinen Hauptthore ein altes Marienbild. In der einschiffigen Kirche rechts vom Seiteneingange der Epistelseite zeigt ein hölzerner, d r e i-theiliger Flügelaltar die Bildnisse der hl. Maria, Barbara und Katharina mit äusserst anmuthigen Köpfen. Namentlich ist der Kopf der hl. Katharina (zur Linken der Madonna), einer der schönsten, welche die altdeutsche Schule geliefert hat. Sowohl der auf Leinwand gelegte Kreidegrund, als auch die eingedrückten Goldverzierungen deuten auf das hohe Alter des Bildes, der grossartig angelegte Faltenwurf und die richtige Zeichnung auf einen vorzüglichen Meister seiner Zeit. Die Decke besteht aus ein [56]fachen Kreuzgewölben, deren Gurten nur wenig vorspringen. Bemerkenswerth sind die mit verschiedenem Steinbildwerk verzierten, runden Schlusssteine. Die Gurten ruhen auf Wandpfeilern, welche aus Säulenstäben zusammengesetzt sind. Die Knäufe sind mit Thierfiguren, Menschenköpfen und Blattwerk verziert. In den Fenstern uralte Glasmalereien.

Dem Seiteneingange gegenüber das Grabmal des berühmten Arztes Fortunat Spöck. Um den Hochaltar die Paniere des deutschen Ordens, an den Wänden Wappenschilde. Der Musikchor auf acht eckigen Pfeilern ruhend, enthält mehrere altdeutsche, leider stark beschädigte Bilder. Das älteste, eine Dreifaltigkeit auf Goldgrund. Ein anderes be-merkenswerthes Bild ist das Votivbild des deutschen Ordens-comthur Conrad von Stuchwitz (1490). Der greise Ritter kniet vor dem Marienbilde; daneben die hl. Anna und der hl. Christoph. Ferners Madonna mit dem Kinde u. A.

Nach einer Sage war die Leehkirche die Stadtpfarrkirche des ältesten Graz. Schon 1202 stand auf diesem Hügel ein Kirchlein zu Ehren der hl. Kunigunde. 1233 wurde dasselbe dem deutschen Ritterorden übergeben und 1250 von den Ungarn zerstört. Die gegenwärtige Kirche wurde 1283 vom deutschen Ritterorden aufgebaut. Bis 1498 war mit der Kirche auch eine Ordensschule verbunden. Später, 1583, war das neben der Kirche (Zinzendorfgasse 3) befindliche Ordenshaus ein Asyl, wie aus einer an der Aussenseite des Hauses eingemauerten Tafel zu entnehmen.

Durch die Zinzendorfgasse gelangt man zur Schubert-Allee.

Auf einem grossen Bauterritorium, welches von der Schubertallee, der Halbärthgasse und der Heinrichstrasse begrenzt ist, stehen drei stattliche Neugebäude, welche einen Theil der Universität, nämlich das chemische Institut, das physikalische Institut und das physiologisch-anatomische Institut enthalten. Den grossen Raum zwischen den beiden erstgenannten Instituten soll das monumentale Hauptgebäude der neuen Universität einnehmen, dessen Pläne schon seit Jahren vollendet sind, dessen Ausführung sich aber leider wegen Mangels des nöthigen Baufonds verzögert.

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Das chemische Institut (B 8) ist von C. Stattler nach Angaben des Prof, von Pebal nach den neuesten Erfahrungen und Unterrichtsbedürfnissen auf das Zweckmässigste und Eleganteste eingerichtet, enthält einen sehenswerthen grossen Hörsaal für Experimentalchemie, einen kleineren Hörsaal, Laboratorien für den Professor und 100 Praktikanten, die Räume für die Sammlungen etc. Interessant sind auch die Heizungs- und Ventilations-Vorrichtungen. (Vorstand Prof. v. Pebal.)

Den rechten Flügel des zukünftigen Universitätsbaues bildet das physikalische Institut (B 7) nach Angaben des Prof. Töpler von Horky und Stattler erbaut. Es enthält eine mechanische Werkstätte mit Dampfmaschine, verschiedene Laboratorien, einen Raum für constante Temparaturen, ein grosses Auditorium für Experimentalphysik, das grosse physikalische Cabinet, Loboratorium für Optik, einen Raum zum Photographiren, eisenfreie Laboratorien, eine Terasse für meteorologische Instrumente nnd ein astrophysikalisches Observatorium. (Vorstand Prof. Boltzmann.)

Das Institut für Anatomie und Physiologie (B 7), nach Angaben der Professoren Planer und Rollet durch Schöbl und Bücher erbaut, enthält mehrere Secirsäle, ein anatomisches Theater, Museum für menschliche Anatomie und die Hörsäle und Arbeitszimmer des physiologischen Instituts.

Durch die Harrachgasse (rechts an der Ecke der Ville-fortgasse der Johannenhof, ein moderner Prachtbau des Baumeisters Ceconi) zurück in den Stadtpark oder durch die Halbärthgasse zurück in die Schubertallee, welche zum Hilmteich führt.

Kirchen und Kapellen.

Domkirche siehe Seite 50.

Leehkirche siehe Seite 55.

Stadtpfarrkirche (D 6), in der Herrengasse stammt aus dem Jahre 1466 und gehörte ursprünglich zu einem Dominikanerkloster, [58] das später den Jesuiten eingeräumt wurde. Bei einem grossen Aufstande, welcher 1590 wegen Einsetzung zweier katholischer Rathsherren ausbrach, musste sich der päpstliche Nuntius, Malaspina, in diese Kirche flüchten.

Die Kirche ist mit Ausnahme der Fassade und des Thurmes im spätgothischen Style erbaut, dreischiffig, mit überhöhtem Mittelschiff. Acht Pfeiler tragen das Netzgewölbe. Im südlichen Seitenschiffe eine Kapelle mit einfachem Kreuzgewölbe im Style des 14. Jahrhunderts. Das Innere der Kirche wurde im Jahre 1875 durch den Architekten Ortwein vollständig restaurirt. Die polychromirten Wände und Gewölbsfelder, die neuen, ebenfalls in reichem Farbenschmuck gehaltenen Altäre und die Glasmalereien in den Fenstern vereinigen sich zu einem stylvollen und harmonischen Gesammtbilde.

Die besten Bilder der Kirche sind die Himmelfahrt und die Krönung Maria’s von * Tintoretto und in der Johanneskapelle ein trefflicher Johann von Nepomuk. Nennenswerth sind noch ein hl. Franziskus Seraph, aus der Schule Caraccüs, ein kreuztragender Christus von Stark und in der Sacristei ein Ecce homo von einem unbekannten Meister.

Zwischen dem rechtseitigen Eingänge und dem Johannesaltar das Grabdenkmal des Priors und Ketzerrichiers Butzel (1502). Die neuitalienische Fa^ade, so wie der Thurm wurden im Jahre 1781 erbaut. An der Nordseite (Messnergasse) ein gothisches Portal.

Hinter der Stadtpfarrkirche (durch die Messnergasse) das schmucklose fürstbischöfliche Palais mit Kapelle, in welcher mehrere gute Bilder, u. A. ein Calvarienberg, eine Anbetung der Hirten und die Ankuft der drei Weisen von niederländischen Meistern.

Die Franziskanerkirche (D 5) am Franziskanerplatze (nächst der Murgasse) sammt Kloster. Die Kirche ist ein eigenartiger Bau, dessen einzelne Theile ein hohes Alter bekunden. Der Chor ist bedeutend höher als das Schiff; dieses hat Rundbogenfenster, während die Fenster am Chore im Spitzbogen gehalten sind. Der Thurm erhebt sich auf viereckiger Basis sechs Stockwerke hoch, ist in seinem oberen Theile achtseitig und trägt auf kupferner Kuppel eine altdeutsche Steinrose. Das Innere theilt sich in drei Schiffe, deren mittleres von ungewöhnlicher Breite ist. Sechs achtseitige, schlanke, weit auseinanderstehende Pfeiler tragen das Gewölbe, dessen Gurten sich ohne Sims in die Pfeiler verlieren. Der Spitzbogen ist sehr flach gehalten. In den Seitenschiffen gehen die Gurtenfortsetzungen an den Seitenwänden sehr tief herab und ruhen auf Kragsteinen, während sie im Chore auf eine selten vorkommende Art abgeschnitten, und unten rahmenartig eingefasst erscheinen.

Am Hochaltar ist das Altarbild „Himmelfahrt Mariä“ von Johann Veit Hauk bemerkenswerth. Von der Epistelseite gelangt [59] man in den alten spitzbogigen Kreuzgang des Klosters, und von diesem in die alte Jakobskapelle. Sie hat einfache Kreuzgewölbe, schmucklose Spitzbogenfenster und kunstlose Steinmetzarbeit an den Gurten und Schlusssteinen der Gewölbe. Der Bau dürfte dem 14. Jahrhunderte angehören.

Zuerst betritt man einen viereckigen Raum, der eine Art Schiff bildet, nie Fenster gehabt zu haben scheint und durch eine weite Spitzbogenöffnung in die chorartige Kapelle führt, welche die zwei einzigen ursprünglichen Fenster enthält. Die Rippen des Gewölbes sind etwas unterhalb ihres Vereinigungspunktes mit Laubwerk nach Art eines Knaufes geschmückt und ruhen auf einem stark ausladenden und von einer dünnen Rundsäule gestützten Simse. In der linken Seitenwand der Leichenstein aus rothem Marmor, des 1549 verstorbenen Ritters Christof von Windischgrätz zu Waldstein und seiner Gattin.

Das Franziskanerkloster ist eine der ältesten Stiftungen von Graz. Um das Jahr 1240 wurde an dieser Stelle, wo früher schon eines der ältesten Kirchlein von Graz, die Jakobskapelle stand, Kirche und Kloster zur „Maria Himmelfahrt an der Mur“ erbaut und den Minoriten eingeräumt, in deren Kloster 1471 auch die Leichen der im benachbarten Murthore enthaupteten Ritter Andreas Baumkircher und Greisenegger beigesetzt wurden. Später zogen Franziskaner in das Kloster.

Die Ursulinerkirche (C 5) in der Sackstrasse enthält eine hl. Ursula von Remp (links, zweiter Altar) und einen hl. Josef mit dem Kinde in der dritten Kapelle der rechten Seite, in der Manier des Carlo dolce.

Anton von Padua (C 6) in der Paulusthorgasse. Diese Kirche wurde zur Zeit der Gegenreformation als Kapuzinerkirche an jener Stelle erbaut, wo kurz vorher (8. August 1600) über 10.000 protestantische Bücher verbrannt wurden, und zwar, wie die Sage will, auf jener rohen Steinplatte, welche jetzt vor der ersten Altarstufe liegt. Das dazu gehörige Kloster wurde durch Kaiser Josef aufgehoben und in ein Irrenhaus umgewandelt. Gegenwärtig befindet sich in dem Klostergebäude die psychiatrische Klinik. Die Kirche enthält zwei Bilder von Petrus de Pomis, welche die Herstellung der Glaubenseinheit verherrlichen wollen. Ein drittes Bild, die vierzehn Nothhelfer, ist von Weisskircher.

Die Stiegenkirche (0 5) befindet sich am Fusse des Schlossberges hinter dem Hause Nr. 23 in der Sporgasse. Eine steinerne Stiege mit schönem Portale führt durch das Haus zu der kleinen Kirche, welche in alten Zeiten St. Paul im Walde hiess. Sie gilt als die älteste Kirche von Graz, wurde aber 1619 umgebaut. Das Haus [60] Nr. 23, nun Privathaus, war im 17. Jahrhundert ein Augustinerkloster. Der geräumige, in den Fels gehauene Keller, ist sehenswerth. (Siehe unter Weinhäuser: „Stiegenkeller“.)

St. Anna im Münzgraben, (G 8) ein einschiffiger, mit einem Tonnengewölbe gedeckter Bau aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Die Kirche enthält eine hl. Anna von Weisskircher (Hochaltar) und auf den zwei letzten Seitenaltären den hl. Cajetan und die hl. Magdalena von demselben Künstler. Die beiden mittleren Altäre haben Bilder von dem Jesuiten Frans Stecher. Hinter dem Hochaltäre hängt eines der besten Bilder der Kirche, ein englischer Gruss von einem älteren deutschen Meister, und im Klostergang findet sich ein grosses Votivgemälde, welches auf Kosten der Municipalität in Bologna ausgeführt wurde.

In dem Besitze der Kirche und des Klosters folgten einander die barfüssigen Augustiner, die Dominikaner und die Jesuiten, welche 1848 von dem Volke vertrieben wurden, worauf 1857 wieder die Dominikaner einzogen. Während des Ausbaues der Kirche predigte hier der bekannte urwüchsige Pater Abraham a Sancta Clara.

Die protestantische Kirche (E 7) auf dem Holzplatze, ein einfacher Bau aus dem Jahre 1824 (der Thurm wurde erst 1854 aufgesetzt). Neben derselben die protestantische Schule, welche einen vorzüglichen Ruf geniesst und auch von vielen Kindern katholischer Eltern besucht wird Auf dem geschmackvoll ausgeführten Altäre ein sterbender Christus von J. Wonsiedler.

Die Leonhardkirche (B 10) (am Endpunkte der Elisabethstrasse) im altdeutschen Style, jedoch mehrfach umgebaut. Von Aussen sind die alten Strebepfeiler am dreiseitigen Chorschlusse noch zu sehen. Die Kirche besteht aus einem Schiffe, hat rautenförmige Gewölbe, deren schwach hervortretende Gurten auf Wandpfeilern ruhen, welche die Form von Säulenbündeln haben. Säulenknäufe und Schlusssteine weisen Thier- und Pflanzenformen. Das Hochaltarblatt von A. Weisskircher, das Altarblatt am rechten Seitenaltar von Ritter von Molk, und ein Christus von Kupelwieser sind die bemerkenswerthesten Bilder. In der Seitenkapelle Reste alter Fresken und ein Ecce homo von Christof Schwarz.

Die Zeit, in welcher die Leonhardkirche erbaut wurde, kann nicht genau bestimmt werden. Im Jahre 1433 wurde sie schon als Pfarrkirche eingeweiht, nachdem sie vorher ein Vicariat der Grazer Stadtpfarre St. Aegydi bildete.

Die Klosterkirche der Carmeliter - Nonnen in der Grabenstrasse (1836 von Hauberisser erbaut) enthält ein Hochaltarbild von der Hand der Novicin Gräfin von Gilleis und auf den Seitenaltären Bilder von Wonsiedler.

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St. Johann Baptist am Graben (A 5) besitzt am Hochaltar ein gutes Bild von Anton Jandl und in der linken Seitenkapelle einen Christus von Wonsidler. Die Sacristei beherbergt einen beach-tenswerthen Ecce homo von Petrus de Pomis.

Die Kirche wurde sammt einem daranstossenden Kapuzinerkloster in der Mitte des 17. Jahrhunderts an der Stelle erbaut, wo sich zur Zeit Herzog Karl II. (1570) ein grosser, bis an den Fuss des Schlossberges reichender Thiergarten befand. Die Mönche dieses Klosters unterhielten eine Tuchfabrik, welche alle Klöster Innerösterreichs mit dem nöthigen Tuch versorgte und gaben einen sehr gesuchten „Grätzer Kalender“ heraus. 1783 wurde das Kloster aufgehoben.

Die * Mariahilferkirche (C4) (Mariahilferstrasse) stammt in ihrer gegenwärtigen Gestalt aus dem 18. Jahrhunderte. Fassade im neuitalienischen Style. Das Innere ist dreischiffig, die Seitenschiffe sind durch weite, auf niedrigen Pfeilern stehende Rundbogen vom Hauptschiffe getrennt. Gewölbe und Wände sind mit Fresken bedeckt, die mit Ausnahme jener an der Wölbung des Chores von der Hand des Ritters von Mölk stammen. In den Fresken, welche die Chorwölbung schmücken, sieht man das Bild Petrus de Pomis, welcher knieend eine Madonna malt. Das Hochaltarblatt ist eines der besten Werke dieses Künstlers. Auch der Christus am Kreuze am linken Seitenaltar ist von de Pomis, wurde jedoch bei der Restauration verdorben. Auf dem gegenüberstehenden Seitenaltare ein Bild vom Kremser Schmid. Neben diesem Altäre in einem niedrigen Gewölbe die Begräbnisstätte der Fürsten von Eggenberg und gegenüber der Kanzel das Grdb des Petrus de Pomis. — In der Seitenkapelle des rechten Schiffes ein hl. Anton, der an die Schule Caracci’s erinnert, an den Pfeilern Bilder von KoUmann. In der Sacristei ein Hieronymus von A. Weisskircher.

Die Schatzkammer enthält eine Madonna von Petrus de Pomis und Deckenfresken, in welchen Abbildungen der Stadt Graz und einiger Vorstädte vorkommen. In dem durch den Kreuzgang des Klosters gebildeten Hofe eine riesige Rosskastanie, welche mit ihren Zweigen den ganzen Hofraum beschattet. Im zweiten Hofe das grosse Sommerrefectorium, der schönste Speisesaal der Stadt, mit Deckenfresken, Boiserien und einem grossen Bilde von Rannacher.

Schon im Jahre 1515 räumte Seyfried Herr von Eggenberg den Minoriten sein Sommerhaus ein, in dessen Kapelle dieselben ihren Gottesdienst hielten. Im Anfang des 16. Jahrhunderts hatte der Orden Haus sammt Garten bereits in sein Eigenthum erworben und durch allmäligen Umbau entstand die gegenwärtige Kirche. — Die 1742 erbauten Thürme enthalten Glocken, welche aus türkischen Kanonen gegossen wurden.

[62]

Der Calvarienberg. Auf einem dicht an dem rechten Ufer der Mur, am nördlichen Ende der Stadt vereinzelt stehenden Felsen ist seit dem Jahre 1606 der in katholischen Ländern übliche „Berg Calvarie“, bestehend in einer Reihe von Kapellen, „Leidensstationen“ etc. und den drei Kreuzen auf der Spitze angelegt. Neben dem Berge steht die Grabkapelle, welche ganz nach dem Muster derjenigen in Jerusalem erbaut ist, und an den untersten Theil des Felsens lehnt sich die Pfarrkirche, welche eine Madonna nach van Dyk enthält. Vor der Kirche beginnt die „heilige Stiege“, welche von den Gläubigen auf den Knieen erstiegen zu werden pflegt. Die Christusstatue auf dem Altäre dieser Stiege ist von dem Bildhauer Schoy. An der westlichen Seite des Berges steht die ovale Dismas-Kapelle, deren Decke mit Fresken von Mathias Schiffer geziert ist. Was ein frommer Naturalismus sonst hier an Sculptur und Farbengebung geschaffen hat, ist von grotesker Wirkung.

Die Marienkirche (02) in der Mariengasse ist ein schönes Werk moderner Gothik, vom Dombaumeister Schmied 1865 erbaut, von Aussen im Ziegelrohbau ausgeführt und innen reich ornamentirt.

Die Kirche der Barmherzigen Brüder (D4) in der Annenstrasse stammt in ihrer jetzigen Gestalt aus dem Jahre 1777, einzelne Theile sind aber viel älter. Am Hochaltar ein guter englischer Gruss von einem unbekannten italienischen Meister, in den Seitenkapellen, mit Ausnahme der dem Kreuzaltare gegenüberstehenden, gute Fresken von dem jung verstorbenen Johann Mayer, welcher auch das gemalte Haus in der Herrengasse mit meisterhaften Fresken geschmückt hat. Am Altäre der ersten Seitenkapelle wird ein Christus am Kreuze ob der vollendeten Formen gerühmt und einem protestantischen Bildhauer zugeschrieben, welcher in dem Krankenhause der Ordensbrüder freundliche Pflege fand. — Im Refectorium des Klosters schöne Plafondgemälde von Maderno, die Bilder des Erzherzogs Max Ernst und des Ordensbruders Gabriel Ferrara und ein grosses Abendmahl von Martin Schmied. Kirche und Kloster wurden auf dem Platze erbaut, welcher ehemals als Richtstätte diente. Im Hintergründe des Klostergartens steht an der Mauer noch das Crucifix, vor welchem die Misse-thäter ihr letztes Gebet verrichteten. Das Kloster ist eine Stiftung des Kaisers Mathias, wozu der Erzherzog Max Ernst die Veranlassung gab. Dieser war nämlich in Gefahr, wegen eines unglücklichen Aderlasses den Arm zu verlieren und dem aus Wien berufenen Generalvicar der Barmherzigen Brüder, Gabriel Ferrara, welcher als Arzt einen bedeutenden Ruf hatte, gelang es, den Arm zu retten. Aus Dankbarkeit gründete der Erzherzog 1615 das Kloster, welches seit seiner Gründung ein Spital unterhält.

[63]

Die wällische Kirche (E4), (am Griesplatze) — so genannt, weil in früherer Zeit die Italiener hier ihren Gottesdienst hielten, enthält ein gut erhaltenes Bild von Remp, „Charitas,“ und Deckenfresken.

Die Karlauerkirche (G4), deren Pfarrhof früher ein Kloster der Weissspanier (Trinitarier) war, enthält eine Grablegung aus der älteren florentinischen Schule (Salimbeni?) dann eine Dreifaltigkeit von A. Weisskircher und eine Madonna von J. Wonsidler.

Die Klosterkirche der Elisabethinerinnen (D 3), (Elisabethiner-gasse) besitzt auf dem linken Seitenaltar eine ausgezeichnete * Madonna von Carlo Maratta (?).

Das zum Bürgerspital gehörige hl. Geist-Kirchlein (D 3) wurde im 15. Jahrhunderte erbaut und ist im Inneren ganz unverändert in seinem altdeutschen Style erhalten.

Die Pfarrkirche St. Andrä (D3) enthält nächst der linken Seitenkapelle eine Magdalena und am Hochaltar einen bis auf den Kopf durch den Restaurator verunstalteten Märtyrer Andreas, beide von J. Hackhofer, einem Schüler des Carlo Maratta.

Friedhöfe.

Die Friedhöfe der Stadt bieten mit Ausnahme des hübschen, mit Bäumen und Gebüschen bepflanzten protestantischen Gottesackers, in ihrer Anlage nichts Bemerkenswerthes. Der St. Peter Friedhof birgt die Reste des FZM. Baron Weiden, des Schöpfers der Schlossberganlagen; der Leonhardfriedhof enthält die Gräber des FZM. Haynau, der Familie Prokesch-Osten (schöne Grabkapelle im orientalischen Styl) und des Viceadmirals Tegetthoff.

Das Zellengefängniss in der Carlau.

In der südwestlichen, am rechten Murufer gelegenen Vorstadt Karlau befindet sich das Provinzial-Strafhaus und an dasselbe angebaut das Zellengefängniss mit 264 Einzelnzellen. Dieser 1872 ausgeführte Zubau besteht aus drei Flügeln, welche an einem Punkte sich vereinigen, von welchem aus man alle drei durch keine Etagen abgetheilten Innenräume auf einmal übersehen kann. Die dreistöckigen Flügel haben auf beiden Seiten Zellenreihen, welche durch eiserne Gallerien [64] mit einander verbunden sind. Durch diese Bauart ist die strengste Ueberwachung durch wenige Aufseher ermöglicht. Denn von dem früher erwähnten Centralpunkte kann man nach jeder einzelnen der 264 Zellenthüren blicken.

Die Anstalt besitzt Central-Luftheizung, Ventilation, eine mit Dampf betriebene Wasserleitung, eine Dampfwäscherei u. s. w.

In der Hauscapelle das Altarbild der ehemaligen Festungskirche am Schlossberge (heil. Thomas) und ein schönes Madonnenbild.

Im Mittelalter war in dieser Gegend das Quartier der Juden, welche ihre eigenen Richter und Obrigkeiten hatten. Sie betrieben Handel und Flussschifffahrt. Kaiser Maximilian verbannte die Juden „für immer“ aus Steiermark und Erzherzog Karl II. legte an der Stelle der Judenvorstadt 1570 einen Thiergarten an und erbaute ein Jagdschloss, welches 1769 in ein Arbeitshaus umgewandelt wurde, später als Kaserne (1794) zur Unterbringung der ersten französischen Kriegsgefangenen diente und dann seiner jetzigen Bestimmung als Strafanstalt zugeführt wurde. An der Stelle der Lusthaine, Fasanerien und Thiergärten sieht man jetzt Aecker und Wiesen.

Sonstige bemerkenswerthe Gebäude.

Das gräflich Attems’sche Palais in der Sackstrasse Nr. 17, in gutem Style des italienischen Rococo erbaut, enthält im zweiten Stockwerke eine nicht unbedeutende Gemäldegallerie von älteren Bildern fast aller Malerschulen und viele Raritäten der Kunstindustrie.

Das alte kaiserliche Münzhaus in der Sackstrasse Nr. 22, 1565 erbaut, jetzt Finanz-Bezirksdirection. Das alte Palais Meran in der Leonhardstrasse Nr. 5, mit schönem Park, 1843 vom Vater des Grafen Meran, Erzherzog Johann, erbaut. Das neue Palais Meran, Elisabethstrasse Nr. 16, ein stattlicher moderner Bau, wird als Zinshaus verwendet.

Der Johannenhof in der Villefortgasse, ein Prachtbau mit imposanter Fronte und Goldstuccaturen.

Die Industriehalle, ein im Jahre 1880 nach dem Entwürfe des Architekten Seidl ausgeführter Bau mit grossem Saale. Das Gebäude dient zur Veranstaltung von Ausstellungen, grösseren Festlichkeiten, Concerten, Bällen u. dgl.

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Das gräflich Stubenberg’sche Haus in der Herrengasse, in welchem Napoleon Bonaparte wohnte, als er am 10. April 1797 als Sieger in Graz seinen Einzug hielt. Das alte Gasthaus zum Lamm in der Schmiedgasse war das Absteigquartier Kaiser Josefs II.

Das wappengeschmückte alte Kollonitsch’sche Haus in der Schmiedgasse, 1642 erbaut.

Der Seckauerhof in der Raubergasse, früher dem Domstifte der regulirten Domherren zu Seckau gehörig, enthält jetzt die Kanzleien der Finanzlandes-Direction und die Magazine des k. k. Tabakamtes. Daneben, durch ein kleines Privathaus getrennt, der Vorauerhof, früher dem Stifte Vorau gehörig, jetzt die Landes-Hauptcasse enthaltend.

Das Paradeis in der Paradeisgasse, enthielt einst eine angesehene protestantische Lehranstalt, an welcher auch der grosse Astronom Johannes Kepler von 1594 bis zur Aufhebung der Anstalt als Lehrer der Mathematik wirkte. Später barg das Gebäude ein Kloster der Clarisserinnen, welches Kaiser Josef II. aufhob, worauf das Gebäude in Privathände überging, umgebaut und die Kirche de-molirt wurde.

Der Admonterhof, seit 1290 Eigenthum des Benediktinerstiftes Admont, das gegenwärtige Gebäude aus verschiedenen Zeiten; der linke Flügel trägt die Jahreszahl 1636.

Das adelige Damenstift in der Bürgergasse, ein sehr weitläufiges altes Haus mit Spuren eines Kreuzganges mit Spitzbogen. An der Hinterfronte, von der Salzamtsgasse aus, sind die Pfeiler der alten aufgelassenen Kirche zum heil. Leonhard sichtbar. Das Ordenszeichen der Stiftsdamen, deren gegenwärtig nur wenige das Haus bewohnen, ist ein Medaillon mit dem Bildnisse Christi und des heil. Josef, dann der Namenschiffre Kaiser Josefs II. im blauen Felde. Dasselbe wird an einem breiten rothen Bande von der linken Achsel zur rechten Hüfte getragen. Ursprünglich war das Gebäude ein Kloster der Franziskaner, welches Kaiser Friedrich 1463 stiftete. Im Jahre 1515 bezogen es die Dominikanerinnen, welche schon 1308 vor dem Eisenthore ein Kloster besassen, welches wegen einer drohenden Belagerung Seitens der Ungarn geschleift wurde. Im Jahre 1784 wurde das Kloster aufgehoben und in ein adeliges Damenstift für 18 Töchter erbländischer Familien umgewandelt.

Das Schienenwalzwerk der Südbahn in der Rosensteingasse mit Bessemerhütte und Martinhütte (letztere die älteste in Oesterreich). Dasselbe arbeitet mit zwei Walzenstrassen, zwei Walzenzug-Dampfmaschinen zu je 100 Pferdekraft, acht Schweissöfen, vier Puddelöfen, den verschiedenen Schneide-, Nuth- und Biege- [66] maschinen, einem Dampfhammer mit 100 Gentner Fallgewicht. Die Bessemerhütte mit einer Jahresleistung von 4000 Tons Ingotstahl arbeitet mit einer Gebläsmaschine von 200 Pferdekraft, zwei Retorten von je 4 Tons Einsatz und zwei Flammenöfen für Roheiseneinsatz. Zum Heben der Lasten dient ein hydraulischer Gusskrahn, ein hydraulischer Hebekrahn und ein hydraulischer Elevator. Die Martin-hütte hat eine Jahresleistung von 1700 Tons (34.000 Gentner) Stahl.

Thonwaaren- und Majo1ika - Fabrik von Franz Wudia, Griesgasse 16. Altrenommirtes Hafnergeschäft, von dem jetzigen Inhaber ganz den modernen kunstgewerblichen Bestrebungen entsprechend reorganisirt. Grosses Lager von imitirten altdeutschen Majolika-Oefen, sowie von Oefen, Kaminen, Wandbrunnen und keramischen Gegenständen nach neuen, im Style der deutschen Renaissance ausgeführten Modellen. — Bedeutender Export. Ausgezeichnet auf den Ausstellungen in München 1876, Graz 1877, Paris 1878 und der Weihnachtsaustelluug des k. k. österr. Museums für Kunst- und Industrie in Wien 1879.

Der Rosenberg.

Dieser mehrfach verzweigte Höhenzug enthält in malerischem Wechsel die anmuthigsten Spaziergänge und bietet die reizendsten landschaftlichen Ansichten in der Umgebung von Graz. Ein grosser Theil seiner sanften Abhänge gehört noch zum Gebiete der Stadt Graz und ist mit hübschen Villen bebaut. Liebliche Thäler sind das Zuserthal, Maria Grün und Ulrichsbrunn.

Der gewöhnlichste Weg auf den Rosenberg führt vom Hauptplatz durch das Burg- oder Paulusthor und den nördlichen Theil des Stadtparkes über den Geidorfplatz, links in die Körblergasse. Rechts mehrere hübsche Villen, namentlich jene des Infanten Don Alfonso, die Göthestrasse, theilweise mit freundlichen Vorgärten, nordöstlich davon die Mozartgasse mit dem Anna-Kinderspitale und dem alten Merscheinpalais im florentinischen Baustyle. Dieses stand früher in einem grossen Park, welcher der Stadterweiterung zum Opfer fiel und diente zur Zeit, als Graz die Residenz der Habsburger [67]war, dem päpstlichen Legaten zur Wohnung. Als Erbauer gilt der Nuntius Monsignore Malaspina (1590). Im Mittelsaale Deckengemälde von dem rühmlichst bekannten Maler Quälens. Links der Z s c h o ck’sche Garten, ein prächtiger ausgedehnter englischer Park, welcher jedoch sehr bald der Parcellirung zum Opfer fallen wird.

Von der Körblergasse rechts durch die Rosenberggasse führt der Weg zwischen Villen in mehreren Windungen aufsteigend und an mehreren Stellen wundervolle Ausblicke auf die Stadt und Umgebung gewährend, auf die Höhe des Rosenberges. An dem Vereinigungspunkte der Rosenberggasse mit der Panoramagasse Ausblick auf die Wallfahrtskirche Maria-Trost. Auf fast ganz ebenem Wege gegen Norden gelangt man zum alterthümlichen Minoritenschlössl mit einem riesigen Kastanienbaum, der so alt wie das Gebände sein mag. Hier theilt sich der Weg und führt rechts, wenn man sich in der Folge bergab hält, nach Mariagrün (siehe Seite 74), und bergauf zum Stoffbauer, einem ländlichen beliebten Gasthause mit schöner Aussicht auf die Murenge und die südlichen Hügelreihen. Der Weg links vom Minoritenschlösschen bietet eine entzückende Aussicht auf das Murthal und die Gleinalpe und führt zum freundlichen Gasthaus „zur Rose“.

Ein schöner Weg führt auch von der Grabenstrasse aus durch die Hochsteingasse an der Villa Stieglitz vorbei durch das liebliche Zuserthal auf den Rosenberg. In der Hochsteinstrasse der grosse Koch’sche Garten.

Auch durch die Heinrichstrasse (vom Geidorfplatze) kann man den Rosenberg besteigen. Vor Allem sei hier der Rosenhain (ehe man zur Zuckerraffinerie gelangt, links) erwähnt, ein prachtvoller, die Südwestlehne des Rosenberges einnehmender 47 Joch grosser englischer Park mit mächtigen Linden-, Kastanien- und Platanenalleen, dichten Wänden von Buchen, Teichen, Brücken. Im Waldesschatten das düstere verfallene Ordenshaus der Jesuiten, welchen dieses Gut früher gehörte. [68] Der gegenwärtige Besitzer ist die gräfl. Attems’sche Familie. Der Garten ist dem Publikum nicht geöffnet.

Der Weg auf den Rosenberg von der Heinrichstrasse aus führt durch die an der Stadtgrenze gelegene Schönbrunngasse. Unterwegs rechts in einem kleinen Gärtchen das zierliche Miniatur-Alpenhaus, welches sich ein alter Holzschnitzer selbst verfertigte und welches er auch bewohnt. Der immer freundliche und heitere Alte ist unter dem Namen „Der glücklichste Mensch“ bekannt. Er verfertigt hübsche Fächer aus Cedernholz sowie andere Schnitzereien und gestattet gerne die Besichtigung der inneren Einrichtung seines niedlichen Hauses.

Der Hilmteich.

Der Hilmteich mit den ihn umgebenden Park- und Waldanlagen ist einer der reizendsten und besuchtesten Erholungsorte. Man gelangt zu demselben in einer schwachen halben Stunde mit der Tramway oder zu Fuss entweder durch die Elisabethstrasse, indem man von der Allee links abbiegt, oder durch die Zinzendorfgasse und Schubertallee. In dem eleganten Restaurationsgebäude und in dem rechts auf der Berglehne malerisch hinter Bäumen versteckt gelegenen Schweizerhause erhält man kalte Küche und Erfrischungen. Für Wasserfahrten steht eine grosse Anzahl zierlicher Kähne zur Verfügung. Prächtige Waldwege führen zur Höhe empor, längs deren Rücken man zum „Häuserl im Wald“ gelangt, während der südöstliche Abstieg ins Stiftingthal zum Gasthaus zum „schwarzen Hund“ führt. (Nebenan das Wohnhaus des Dichters Robert Hamerling.)

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Ausflüge in die Umgebung.

Rainerkogel, Andritz, Andritzursprung, St. Gotthardt, St. Veit, Kanzel. Wer nicht Zeit und Lust besitzt zu einem grösseren Ausflüge und doch neben den Annehmlichkeiten reiner, guter Waldesluft eine jener Fernsichten geniessen will, an denen die Umgebung von Graz so reich ist, dem sei zunächst ein Spaziergang zum Rainerkogel empfohlen. Es führen mehrere Wege zu diesem einfachen, aber hübschen Punkte. Der weitere, aber interessantere umzieht den Rainerkogel in einem Bogen Er läuft durch die sogenannte Grabenstrasse bis zum Linienamte und biegt ausserhalb desselben rechts ab. Man gelangt zunächst zum Ulrichsbrunnen, einer Quelle mit einem Kirchlein im Walde, das sich von seiner grünen Umgebung ganz reizend abhebt. Der Ulrichsbrunnen ist der Zielpunkt mancher Wanderschaft und alljährlich am nächsten Sonntage nach dem St. Ulrichstage die Stätte eines Volksfestes. Von da führt der Weg links um den Wald herum und nach einer weiteren Biegung zum Fusse des Rainerkogels selbst, wo ein nett eingerichtetes Gasthaus bescheidenen Bedürfnissen genügt. Zur Spitze hinan geht es auf trefflichen, im Schatten des Föhrenwaldes angelegten gewundenen Pfaden ohne Mühsal. Die Gloriette auf der Spitze selbst ermöglicht eine recht hübsche Rundsicht und auch während des Aufstiegs gestatten einige der sehr zweckmässig angelegten Ruhebänke einen überaus hübschen Ausblick, insbesondere auf die Platte und den Schöckel. Die Tour zum Rainerkogel ist, wie erwähnt, Allen zu empfehlen, welche einen Theil der landschaftlichen Reize der Umgebung von Graz in sich aufnehmen wollen, ohne sich eine grössere Anstrengung oder einen bedeutenden Aufwand an Zeit zuzumuthen. Ein zweiter Weg zu diesem hübschen Punkte führt durch die Hochsteingasse, an dem sogenannten [70] Dianahofe und dem Gasthause zum Kreuz vorüber, ein dritter über den Rosenberg, an der „Rose“ vorbei, entweder rechts durch das Gehölz aufwärts und dann links (während rechts der Weg zum „Stoffbauer“ abbiegt), oder unmittelbar von der „Rose“ zur Linken. In beiden Fällen bieten sich hübsche Fernblicke auf den Schöckel, die Kanzel, die Göstinger Höhe mit den Ruinen und auf den im Hintergründe sich überaus plastisch vom Horizonte abhebenden gewaltigen Gleinalpenzug.

Gleichfalls durch die Grabenstrasse, aber geradewegs fort, gelangt man in etwa drei Viertelstunden in den freundlichen Industrieort Unter-Andritz mit der grossartigen Maschinenfabrik des Herrn V. Körösi und der Kranz’schen Papierfabrik. Die Ortschaft Andritz ist wendischen Ursprungs und soll noch im zwölften Jahrhunderte von Wenden bewohnt gewesen sein. Einige Villen in der nächsten Umgebung bekunden die Beliebtheit des Ortes als eines Sommeraufenthalts. Noch unvergleichlich lohnender ist aber der Ausflug in die sogenannte obere Andritz, eines sich bis an den Fuss des Schöckels hinziehenden Hochthales mit nahezu alpinem Charakter. Man wandelt ungefähr eine Stunde zwischen üppigen Feldern und blumigen Wiesen, stellenweise an der krystallklaren und for-rellenreichen Andritz vorüber zu einem Punkte, der allgemein unter dem Namen „Andritzursprung“ bekannt und sich seit vielen Jahren eines grossen Rufes erfreut. Die Quelle des hier entspringenden Andritzbaches bildet ein von Mauerwerk umgebenes Becken von solcher Klarheit des Wassers, wie sie in der Ebene fast niemals und auch im höheren Gebirge nur selten angetroffen wird. Wasserpflanzen von ausserordentlicher Ueppigkeit geben dem kleinen See einen schwer beschreiblichen Reiz. Vom Andritz-Ursprung gelangt man in wenigen Minuten zu dem Huber’schen Gasthause in Ober-Andritz, wo für leibliche Bedürfnisse so ziemlich gesorgt ist. Es wäre den Touristen jedoch zu rathen, ihren Ausflug dorthin so einzurichten, dass ihnen noch einige Zeit zur Verfügung bleibt, denn gerade ein Spa-[71]ziergang von dem Gasthause ab thalaufwärts bis unmittelbar an den Fuss der sogenannten Leber ist sehr lohnend. Es wehen bereits, wie einmal ein fremder Tourist in seinem Berichte an ein norddeutsches Blatt sich aussprach, in diesem Thale die Lüfte der höheren Bergregion und das Gemüth beschleicht eine Ahnung der Wonnen des Hochgebirges. Jedenfalls gehört ein Ausflug in die obere Andritz zu den em-pfehlenswerthesten Partien für Diejenigen, welche weniger auf weite Fernsicht (denn eine solche gibt es hier allerdings nicht), als vielmehr auf den mit möglichst geringer Mühe verbundenen Genuss von trefflicher kühler Berg- und Waldluft Werth legen. Der Ausflug in die obere Andritz wird ebenso häufig zu Wagen als zu Fuss gemacht und kann auch in dem letzteren Falle von halbwegs rüstigen Fussgängern ganz bequem als Nachmittagspartie vorgeuommen werden. Als Variante der eben genannten Tour wäre ein Ausflug Unterandritz-St. Gotthard zu erwähnen. Man biegt in diesem Falle unmittelbar vor der grossen Körösi’schen Fabrik, anstatt sich rechts zu wenden, links ab und gelangt in etwa einer halben Stunde zu dem Schlosse St. Gotthard, einer historisch nicht uninteressanten ehemaligen Besitzung des Benedictinerordens, gegenwärtig Eigenthum des als reformatorischen Landwirth unermüdlichen Freiherrn Oscar Ecker-Eckhofen. St. Gotthard bietet mit seinem Parke und den verschiedenen Aussichtspunkten in demselben, ein schönes landschaftliches Object. Auch in der Nachbarschaft gestatten einige Stellen eine hübsche Fernsicht, wobei insbesondere das Gasthaus zum „Marjörgl“ zu erwähnen wäre. Die Verpflegung genügt bescheideneren Ansprüchen, wer aber grössere Bedürfnisse hat, wird gut thun, sich selbst vorzusehen. Doch dürfte ein lebhafterer Fremdenbesuch auch in dieser Hinsicht sehr wohlthätig wirken. Seitlich von St. Gotthard, und noch vor demselben zu erreichen, liegt die an sich unbedeutende Ortschaft S t. V e i t, deren interessante Kirche aber die Mühe des kleinen Ausfluges dorthin nicht verloren erscheinen lässt. 72

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Von St. Gotthard aus sind mehrere Spaziergänge zu empfehlen. Zunächst ist ein Aufstieg auf die sogenannte Kanzel nennenswert!), einen dicht bewaldeten Berg von seltener Formation und netter Fernsicht, besonders auf die südliche Umgebung von Graz und deren landschaftliche Begrenzung. Oder es wäre ein Spaziergang zur Mur räthlich und aufwärts derselben, an der sogenannten Weinzettelbrücke mit ihrer gewaltigen Wehre vorüber in jenes reizende Thal, welches von den rechts und links aufragenden Bergrücken eingeschlossen wird. Auch der Ausflug Andritz-Gotthard ist ein halbtägiger. Wer aber gerade Lust besitzt, einen ganzen Tag daran zu wenden, und von St. Gotthard zu Fuss nach Judendorf oder Gratwein geht, dort einige Stunden verbringt und den Abendzug zur Rückfahrt nach Graz benützt, wird sicherlich auch nicht in die Lage kommen, diesen kleinen Aufwand an Zeit und Mühe zu bereuen. Stoffbauer, Platte, Linegger, Mariagrün mit Schloss Kroisbach, Kaltenbrunn.

Im Norden der Stadt Graz fällt ein abgegrenzter, all-mälig in breites Hügelland verlaufender Bergrücken in das Auge, welcher mit seinen grünen Matten den weit herabwallenden dunklen Wäldermantel und den aus dem Grün hervorschimmernden Häusern einen überaus lieblichen Anblick gewährt. Es ist dies die Platte. Sie ist ein Wahrzeichen der Umgebung von Graz, wie der Schlossberg ein solches für die Stadt selbst, und wer sich aus touristischen Gründen einige Tage in Graz aufgehalten hat, ohne die „Platte“ besucht zu haben, kann sich eines Versäumnisses beschuldigen. Die „Platte“ vereinigt alle jene Eigenschaften, welche man in der Nähe grösserer Städte an einen Vergnügungsort zu stellen pflegt. Leicht zugänglich, bedacht mit blühenden landschaftlichen Reizen und eine weite, schöne Fernsicht [73]bietend. Der Weg auf dieselbe ist ein Spaziergang und doch zugleich, was den lohnenden Erfolg betrifft, eine Gebirgspartie. Der Fremde, dessen Zeit knapp bemessen ist, vermag diesen Ausflug bequem an einem ’Vor- oder Nachmittage zu leisten. Besitzt er aber die nöthige Musse, so sei ihm gerathen, einen ganzen Tag daran zu wenden, und er wird dieses kleine Opfer schwerlich unbelohnt finden.

Der herkömmliche Weg aufwärts führt durch die Körblergasse über den Rosenberg zum Stoffbauer’schen Gasthause, welches einen angenehmen Ruhepunkt und gleichzeitig einen ungemein hübschen Halbrundblick gegen West und Nordwest bietet. Man versäume in diesem Falle auch nicht, das kleine Gehölz vor dem Hause zu betreten, denn hier vermag sich das Auge auch an den mannigfaltigen landschaftlichen Bildern zu laben, welche der Süden, Südosten und Osten bietet. Vom Stoffbauer führt der Weg in sanfter Steigung aufwärts, bald durch duftiges Föhrengehölz, bald an üppigen Wiesen vorüber, immer zur Linken die Ausschau auf den fernen Gleinalpenzug oder die gewaltige dunkle Masse des Schöckelgebirges. Nach etwa % Stunde gelangt man in das niedlich in eine Thalsenkung eingelagerte Gasthaus zum „Hofbauer“ und hier beginnt der Aufstieg zur eigentlichen „Platte“. Der Wege sind zwei: Der kürzere führt ziemlich steil durch waldloses Terrain gerade aufwärts, der längere umgeht in einem sanften Bogen die „Platte“ zur Linken und führt, fast ununterbrochen durch den Wald sich hinziehend, von Norden auf die Spitze. Eine Warte, vom steirischen Gebirgsvereine neu erbaut, ermöglicht eine Fernsicht (siehe Panorama), wie sie die Umgebung einer grösseren Stadt wohl selten bietet: Im Norden das bunte Gewirr der theilweise bis in den Hochsommer hinein schneebedeckten Gipfel der obersteirischen Alpen, im Westen die mächtigen steirisch-kärntnischen Grenzgebirge, im Südosten die Kette des Bachern, im Südosten und Osten das in den mannigfachsten Formen sich präsentirende waldige Mittelgebirge, welches gegen Ungarn hin.

[74] die innerösterreichische Alpenwelt abschliesst. Besonders sei hier auf den Kulm hei Weiz aufmerksam gemacht. Bei guter Witterung sind auch die Gleichenberge und die Riegersburg (siehe S. 134) sichtbar.’ Der Abstieg von der Platte kann in verschiedener Art vorgenommen werden. Ein Weg führt nach Mariatrost, der zweite zum sogenannten Fischerhofgasthause an der Mariatrosterstrasse; beide sind vom steirischen Gebirgsvereine markirt. Von den direct nach Graz zurückführenden Wegen biegt der eine von dem in der Nähe des Hofbauer’schen Gasthauses gelegenen Marienbilde links ab und durchziet ein nicht übles Thal, bietet aber keine nennenswerthe Fernsicht mehr und es entbehrt auch diese Strecke eines Gasthauses. Der gebräuchliche Rückweg, insbesondere für solche Plattenbesucher, welche den Mittagstisch im Freien einnehmen wollen, führt über Mariagrün. Man geht auf dem zuvor geschilderten prachtvollen Hinwege zurück und steigt entweder bei der Villa des Herrn Jungl oder unmittelbar vor dem Stoffbauer’schen Gasthause nach Mariagrün hinab, wo eine gut eingerichtete Restauration auch etwas grösseren Ansprüchen zu genügen vermag. Mariagrün ist ein von Dichtern viel besungenes lauschiges Waldplätzchen, das wie ein schimmerndes Juwel in das dunkelgrüne Becken eingebettet ist und in seiner hehren Ruhe den Eindruck eines weit, weit vom Getümmel der Welt abgeschiedenen Ruhepunktes macht. Es wird von Fremden aus aller Herren Länder besucht und es gehört seit Menschengedenken zum guten Ton, bei einem Aufenthalte in Graz auch des stillen Erdenwinkels nicht zu vergessen. Mariagrün war und ist heute noch ein besuchter Wallfahrtsort. Die Gründung der ersten Ansiedlung in dem dichten Urwalde gehört der Sage an. Festgestellt ist nur, dass die abgelegene Oede der Sitz eines Eremiten war, welcher eine Art Oberhoheit über seine Mitbrüder in der Steiermark ausübte. Die Capelle seitlich der Kirche wird als die Stätte genannt, in [75] welcher der Einsiedler seine Andacht verrichtete und die Gläubigen durch den Ton der Glocke zum Gebete rief. Die Kirche selbst wurde im Jahre 1668 gegründet und später bedeutend vergrössert. Sie weist unter Anderem ein Gemälde „Maria Heimsuchung* von E. Tunner auf und ausserhalb ihrer Mauern befindet sich eine sehenswerthe Marienstatue von V. Königen Die Kirche gehört zur Pfarre St. Leonhard in Graz und es werden die gottesdienstlichen Verrichtungen von einem Stationscaplan versehen. Nicht unbeträchtlich ist die Zahl der Poeten, welche den reizenden Ort besungen, darunter Namen von hervorragendem Klange, wie Anastasius Grün, Castelli, Saphir u. s. w. Die poetischen Widmungen der genannten und einiger Anderer sind an einem Denksteine angebracht, welcher den Gasthausgarten ziert. Ein Abdruck derselben ist auch um einige Kreuzer im Hause zu haben. Ein bezeichneter Verehrer von Mariagrün war insbesondere König Ludwig von Holland, der Vater des verstorbenen Franzosenkaisers Napoleon III., welcher nach seiner eigenen Schilderung ungezählte schöne Stunden dort verbrachte und dem Orte gleichfalls ein warm empfundenes und von tiefem Gemüth zeugendes Poem widmete. Sein Lieblingsruheplatz war der Wald, an dessen Stelle sich jetzt der sogenannte obere Garten befindet. Dort oblag er seinen schriftstellerischen Arbeiten und es verdanken insbesondere die Fragmente eines Romans dieser Stätte ihr Entstehen. Das Lieblingsplätzchen des königlichen Philosophen, der dem Throne entsagte, um Mensch nach seinem Sinne sein zu können, befand sich in dem heute sogenannten oberen Garten, damals ein dichtes Gehölz, wo noch heute eine verwitterte Hütte an den Aufenthalt des Napoleoniden erinnert. An dunklen Wäldern vorüber führt die Strasse nach Graz zurück. Links winkt von mächtigen Höhen herab Schloss Kroisbach, ein harmonischer Bau, von welchem eine gartenähnliche Abplattung einen entzückenden Ausblick über das Grazer Feld gewährt. Kroisbach besitzt ein stattliches

[76] Alter und wird urkundlich schon 1385 genannt. Es war früher ein adeliger Besitz und befindet sich erst seit etwa hundert Jahren in den Händen von Bürgerlichen. Der gegenwärtige Eigenthümer ist der Grazer Advokat Dr. Hans Bayer. Einige hundert Schritte vorwärts liegt seitlich, eingerahmt von dichtem Walde, das Gasthaus Kaltenbrunn, gleichfalls ein beliebter Ausflugsort für die Bewohner von Graz, und namentlich an Sonn- und Festtagen stark besucht. Selbstverständlich sind sonst Stoffbauer, als auch Mariagrün und Kaltenbrunn selbtständige Ausflugsziele und werden auch als solche fleissig benützt. Ein anderer Weg zur Platte und zurück führt übrigens über den Hilmerteich in die Mariagrüner Strasse, biegt in derselben bei dem Friedrichshofe rechts ab, zieht sich, den grossen Feitz-Matern’schen Kunstgarten und später Schloss Kroisbach zur Linken lassend, theils auf sanften Abhängen aufwärts, theils in hübschen Thalgründen dahin, und trifft das zuvor erwähnte Marienbild. Mitunter wird hier der Hinweg und nur der Rückweg über Stoffbauer und Mariagrün genommen. Wir können diesen kleinen Wegweiser für die Besucher der Platte nicht schliessen, ohne eines Seitenausfluges zu erwähnen, der zwar bedeutend mehr Zeit und Anstrengung erfordert, dafür aber noch wesentlich lohnender ist, als jener zur Platte. Es wäre dies eine Tour zum „Linegger“, einem jenseits des die Platte im Norden einsäumeuden Thales schon ziemlich hoch gelegenen Bauer. Der Besuch desselben verlangt einen Hinweg von 2%—3 Stunden und-einen ungefähr gleichen Zeitraum für die Rückkehr, nimmt also für schwächere Fussgänger und Familien einen ganzen Tag in Anspruch. Am räthlichsten wäre in diesem Falle zuerst ein Besuch der Platte, dann der Abstieg durch den Wald bis zur Bildsäule. Von da geht es zunächst thalabwärts, dann durch das Thal selbst und wieder aufwärts zu einer schwachen Einsattelung, von da in gerader Linie zum „Linegger“ selbst. Auch der Weg dorthin ist vom steirischen Gebirgsvereine [77] markirt.

Die landschaftlichen Reize des Punktes sind eigenartig und bedeutend. Aufmerksam gemacht sei auf den dort befindlichen Riesenbaum, einen edlen Kastanienbaum. Im Frühling balzt auf diesen Höhen bereits der Auerhahn.

Häuserl im Wald, Mariatrost, Schafberge. Ein bei Einheimischen und Fremden gleichmässig beliebter Ausflug ist jener nach dem Wallfahrtsorte Mariatrost, welcher an Einem Nachmittage bequem vorgenommen werden kann und zwar in zweifacher Art. Zwischen Graz und Mariatrost besteht seit einigen Jahren eine Stellwagenverbindung, welche den Besuch des hübschen Punktes ohne allzu grossen Zeitaufwand gestattet. Doch bleibt man in diesem Falle an die Fahrstrasse gebunden. Wer daher die landschaftlichen Genüsse dieses Ausfluges ganz ausnützen will, thut gut daran, den Hin- oder Rückweg (am Besten den Ersteren) zu Fuss über das sogenannte Häuserl am Wald zu machen, und nur für den Rückweg den Wagen zu benützen. Das „Häuserl im Wa1d“ ist ein ungemein hübsch am Walde gelegenes Gasthaus mit schönem Ausblick in das Mariatroster Thal und die hinter demselben liegenden Hügelpartien mit ihrer aus blauer Ferne herüberdämmernden gebirgigen Begrenzung. Es kann auch für sich als das Ziel einer Halbtagstour genommen werden und es führen aus Graz zwei Wege nach diesem Punkte, die sich oberhalb des Hilmteichs (siehe S. 68) treffen. Man geht entweder zum Hilmteich und schlägt jenseits desselben (rechts gegenüber der Restauration) einen der Waldpfade ein, die sämmtlich zu jenem Punte führen, an welchem eine Thüre aus der umzäunten Hilmteichrealität in den freien Wald leitet, oder man benützt die Leechgasse bis zu dem Punkte, an welchem sie links in den sogenannten Föhrenhain abbiegt und wählt den bergauf über die Strasse in den Wald führenden Pfad. Derselbe läuft immer hart an dem Zaune, der die Besitzung des Grafen [78] H. Attems-Petzenstein einschliesst, bis zu der vorerwähnten Stelle. Von da wandelt der Spaziergänger in einem überaus hübschen, stellenweise sehr alten und hochstämmigen Walde, an der rechts aus dem Dickicht blickenden Villa Aichelburg vorüber, etwa eine starke Viertelstunde in hübschen Windungen zu dem vorgenannten, kaum zu verfehlenden Gasthause. Auch auf dem Wege vom „Häuserl im Walde“ nach Mariatrost ist ein Irrthum nicht gut zu besorgen, wenn man die auf mässigem Hügel stolz aufragende zweithürmige Wallfahrtskirche im Auge behält und dabei nicht vergisst, dass der Weg zu derseben in einem weiten Bogen durch den Wald führt, so dass man von rückwärts auf die Kirche und das Kloster stösst. Schon dieser Weg ermöglicht stellenweise eine ungemein anregende Fernsicht, links auf den Schöckel und die rechts von demselben verlaufenden Hügelgruppen, rechts in das Stiftingthal und über dasselbe hinweg auf die obstreichen Gefilde des Ostlandes. Unvergleichlich lohnender ist der Ausblick von Mariatrost selbst, das auf einem weithin das Terrain beherrschenden Hügel aufgebaut ist. Mariatrost gehört zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten der Monarchie. Nicht allein die deutschen Kronländer, sondern auch Ungarn, Croatien und Krain stellen alljährlich ein stattliches Con-tingent von Andächtigen und zu gewissen Zeiten gleicht die Graz-Mariatrosterstrasse einem Heerlager. Der Ursprung des Gotteshauses verliert sich im Dunkel. Es soll bereits beim Beginne der Kreuzzüge eine viel besuchte Kirche hier gestanden haben, während jedoch nur sichergestellt ist, dass einige Jahrhunderte später ein Gotteshaus, in welchem man ein Stück von dem Kreuze Christi verehrte, sehr angesehen und „Heiligenkreuz zum Landestrost“ genannt wurde. Gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, als die Türkennoth über die Steiermark hereinbrach und unbeschreiblicher Jammer die herrlichen Alpenländer erfüllte, ward auch die Kirche nach tapferer Vertheidigung ein Opfer der Feinde und ging in Flammen auf. Erst ungefähr zwei Jahrhunderte später erhob sich auf der Stätte der Verwüstung wieder eine menschliche Ansiedlung, indem Freiherr von Wilfersdorf sich auf dem Berge ein Schlösslein erbaute und zugleich den Plan der Errichtung einer grösseren Kirche fasste, für welche er aus dem Stifte Rein (siehe S. 112) eine Marienstatue erhielt. Doch verzögerte sich aus verschiedenen Gründen der Bau und [79] man begnügte sich einstweilen mit der Vergrösserung der vorhandenen Capelle, welche als «Maria zum Landestrost“ bald eine solche Anziehungskraft auf die Gläubigen ausübte, dass nun ernstlich an den Bau einer grossen Kirche geschritten werden musste. Der Grundstein zur jetzigen Kirche wurde im Jahre 1714 gelegt, die Vollendung des Baues erfolgte im Jahre 1746. Die Seelsorge versahen früher Pauliner, jetzt Franziskaner. Die Kirche, deren Fresken ein Werk Schneids sind, enthält einen Haupt- und acht Seitenaltäre, jeder von einem anderen Freunde des Gotteshauses gestiftet. Die Wappen der betreffenden adeligen Häuser halten die Erinnerung an die Stifter lebendig. Die Kirche macht einen hübschen Eindruck und bietet viel Anregendes. Wem es nicht gerade widerstrebt, sich die Annehmlichkeiten eines Landausfluges durch die Erinnerung an Tod und Verwesung stören zu lassen, dem wäre ein Besuch der Klostergruft zu empfehlen, welche auf Verlangen anstandslos gezeigt wird. Die Gruft enthält eine grosse Anzahl Leichen, zumeist in offenen Särgen befindlich, im mumificirten Zustande. Die Mehrzahl derselben gehört ehemaligen Paulinerpriestern an, die hier gewirkt haben. Eine Riesengestalt von seltener Länge und Stärke soll der Leichnam eines im Wahnsinn verstorbenen Grafen Galier, ein schmächtiger Frauenleib, der Ueberrest einer Verwandten desselben sein. Auch Mitglieder anderer adeliger Familien haben hier ihre Ruhestätte gefunden. Für des Leibes Bedarf sorgen in Mariatrost drei Gasthäuser, von denen sich zwei oben auf dem Berge, das dritte am Fusse desselben befindet. Angenehmer ist der Aufenthalt in den zwei ersteren, von denen jenes des Herrn Sattler, vulgo Animae, wegen seines guten Weines bekannt ist. Wer aber Anspruch auf etwas Küche macht, dem ist die Einkehr bei Reismüller am Fusse des Berges zu empfehlen, wo wenigstens bescheidene Ansprüche in der Regel Befriedigung finden. Mariatrost ist, wie schon erwähnt, eine Halbtagspartie Findet aber Jemand gerade Lust, einen ganzen Tag an diese [80] hübsche Gegend zu wenden, so wird es ihm sicherlich nicht an Gelegenheit zu weiteren Ausflügen fehlen. So wäre zu nennen ein Spaziergang nach Wenisbach, in welchem Falle man nur die am Fusse des Mariatroster Berges vorüber führende Bezirksstrasse einige Hundert Schritte weit hinaus zu verfolgen braucht, um links in ein ganz reizendes, einige kleine Seen aufweisendes Seitenthal zu gelangen, an welches sich in seiner ganzen linken Breitseite ein Wald schliesst. Derselbe ist von guten Wegen durchschnitten und man gelangt auf denselben ohne Gefahr einer Verirrung in ein hübsches, von den Abhängen der Platte beherrschtes Thal, in dem die genannte Gemeinde liegt. Es ist dies ein Spaziergang ohne weiteres Ziel und Jenen zu empfehlen, die einige Stunden im Walde spazieren wollen. Noch lohnender ist der Weg in die sogenannten Schafberge. Man gelangt zu denselben auf jener Strasse, welche in dem schon erwähnten Bogen vom „Häuserl im Wald“ nach Mariatrost führt und zwar so, indem man eine ganz kurze Strecke vor dem Eingang in die Kirchenrunde rechts in die Waldstrasse abbiegt. Der Weg führt auf einem vielfach gekrümmten Bergrücken durch hübsche Waldpartien mit stellenweise sehr schöner Fernsicht und man kann nach Belieben den Spaziergang ausdehnen oder verkürzen, da der Abstieg zu der im Thale laufenden weithin sichtbaren Strasse an vielen Punkten möglich ist. Stiftingthal, Ragnitz, Riess.

Ein Spaziergang auf die Riess gehört zu den Lieblingsvergnügungen der Bevölkerung von Graz, allerdings zumeist im Frühling und Herbst, wenn die Sonne noch nicht, oder schon nicht heiss genug ihres Amtes waltet, da man im anderen Falle lieber schattigere Orte aufsucht. Doch ist die Tour an nicht allzu heissen Sommertagen noch immer räthlich und namentlich ein Frühaufsteher kann die ersten Morgen [81] stunden kaum besser verwenden, als zu einem Aufstieg zur Riess. Was derselben an Schatten mangelt, ersetzt sie durch eine desto reichlichere, nach allen Seiten ungehemmte Fernsicht. Der Weg zur Riess führt an dem Stiftingthale sowie an dem Ragnitzthale vorüber, welche beide auch dem, welcher die Riess selbst nicht besuchen will, Gelegenheit zu hübschen, angenehmen Spaziergängen bieten. Man geht zunächst durch die Elisabethstrasse, vorbei an der St. Leonharder Kirche. Beim Gasthause zum Kutscherwirth biegt der Weg links ab in das Stiftingthal, ein still romantisches Seitenthal mit einsamen Spaziergängen. Eines der hübschen Landhäuser ist das Eigenthum Robert Hamerling’s. Man gelangt auch aus dem Stiftingthale zum Hilmteich, indem man gegenüber dem Gasthause zum „schwarzen Hund“ links ansteigt und sich möglichst gerade hält. Wer aber nicht den Besuch des Stifting-, sondern des Ragnizthales oder der Riess beabsichtigt, geht an dem „Kutscherwirth“ rechts vorüber, bis an den Fuss der Anhöhe. Hier biegt zur Rechten der Weg in das Ragnitzthal ab.

Dasselbe ist ein hübsches, ziemlich breites Thal, gleichfalls geeignet für einen behaglichen Spaziergang. Etwa drei Viertelstunden vor der Wegscheide entfernt liegt die vor einigen Jahren angelegte Schiessstätte einer Grazer Schützengesellschaft. Um endlich auf die Riess zu gelangen, einem grössten-theils offenen Bergrücken, auf welchem die Verkehrsstrasse über Gleisdorf an die ungarische Grenze führt, steigt man an dem vorerwähnten Punkte mässig steil immer bergan, an den Gasthäusern „zum ersten Fuchswirth“ und zur „Spinnerin am Kreuz“ vorüber, in Windungen hinauf bis zum „Ladenwirth“, einem auf der Höhe gelegenen, durch eine weithin sichtbare Pappel gekennzeichneten Gasthause, mit welchem der Ausflug in der Regel abschliesst. Die Rundschau sowohl auf dem Wege bergan, als auch auf der vorgenannten höchsten Stelle ist ungemein mannigfaltig und bei hübscher Witterung entzückend.[82] In den Gasthäusern auf der Riess wird der steirische „Schilcher u zumeist in guten Sorten und unverfälscht ausgeschänkt. Indess muss mit dem „Ladenwirth“ ein Ausflug auf die Riess noch keineswegs beendigt werden. Die auf dem Rücken fortlaufende Strasse, zeitweilig vom Wald umschlossen, bietet noch eine Reihe hübscher Punkte und einige nicht uninteressante Variationen in Bezug auf die Fernsicht. Der Spaziergang lässt sich ausdehnen, soweit Zeit, Lust und Kraft reicht. An einigen Stellen ist auch ein Abstieg in das zur Linken laufende Stiftingthal, und durch dasselbe die Rückkehr nach Graz ermöglicht. Rüstige Fussgänger steigen sogar mitunter von der Riess hinab in das Stiftingthal und durch dasselbe wieder hinauf nach Mariatrost — eine Unternehmung, welche zwar viele Abwechslung gewährt, aber doch nur demjenigen gerathen werden kann, der mit einiger Kenntniss des Terrains eine gewisse Orientirungsgabe verbindet und schliesslich wegen etlicher Expeditionen durch pfadloses Gestrüpp, verbunden mit gelegentlichen Defecten an Kleidern und Haut noch nicht äusser sich geräth.

Eggenberg und „Thal“.

Etwa drei Viertelstunden von der inneren Stadt Graz liegt das Schloss Eggenberg, dreifach berühmt durch reizende Lage am Fusse waldumrauschter Berge, durch seine künstlerische Ausschmückung von hohem Werthe und durch seine geschichtliche Vergangenheit von seltener Bedeutung. Eggenberg war vormals der Sitz eines adeligen Geschlechtes, welches in ziemlich rascher Folge aus dem schlichten Bürgerstande zur Fürstenwürde emporstieg und Mitglieder zählte, welche als Staatsmänner und Militärs eine weit über die Grenzen der Habsburgischen Länder hinausgreifende Wirksamkeit entfalteten. Der Stammsitz ist übrigens nicht das heutige, circa 1630 begonnene und etwa ein Jahrzehnd später vollendete Hauptgebäude, sondern das ältere, weit geringere Schloss in Algersdorf, dessen Bau im Jahre 1490 begonnen wurde. [83] Um diese Zeit war nämlich die Familie der Eggenberge, welche um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts noch Handelsgeschäfte betrieb, geadelt worden.

Schon der erste adelige Spross dieses Hauses, Balthasar von Eggenberg, nahm eine hervorragende Stellung ein und fand ein tragisches Ende. Er war der Münzmeister des Kaisers Friedrich IV. und dessen Helfer bei den unausgesetzten Geldverlegenheiten des Monarchen. Aber das in ihn gesetzte Vertrauen sowie seine Unermüdlichkeit im Auffinden neuer Hilfsmittel sollte seinen Untergang herbeiführen. Friedrich IV. war ihm endlich so grosse Summen schuldig geworden, dass selbst der reiche Eggenberger ins Gedränge gerieth und dringend um Entlassung und Begleichung seiner Forderungen bat. Die Antwort bestand in seiner Haftung und der Festsetzung in Graz. Die Haft mag jedoch keine allzu strenge gewesen sein, denn sie ermöglichte es dem grossen Finanzmeister, noch einmal ein Darlehen für den verschuldeten Kaiser aufzutreiben. Schon seine beiden Söhne Wolfgang und Christoph machten sich auf anderem Gebiete als Edelleute bemerkbar, indem sie an der ersten Vertheidigung Wiens gegen die Türken einen ebenso rühmlichen als erfolgreichen Antheil nahmen. Der Sohn Christophs, der u. A. die Besitzungen der Eggenberge durch die damals sehr reiche Herrschaft Ehrenhausen vermehrte, war der berühmte Ruprecht von Eggenberg, einer der ersten Kriegsführer seiner Zeit. Er gewann die mörderische Schlacht an der Kulpa" (22. Juni 1593), in welcher die dreifach stärkeren Türken von den Oesterreichern in dem von der Save und Kulpa bei Sissek gebildeten Winkel vollständig geschlagen und die flüchtigen Trümmer der Osmanenarmee in die Kulpa gesprengt wurden, wo fast Alles bis auf den letzten Mann ertrank. Der siegreiche Führer stieg infolge dieser und anderer dem Kaiser geleisteten Dienste zu noch höheren militärischen Würden empor. Im Jahre 1548 wurden er und seine zwei Brüder in den Freiherrn stand erhoben. Bald darauf gelangte ein Vetter, welchem um dieselbe Zeit die gleiche Standes- 6* [84] erhöhung zu Theil wurde, im Civilstaatsdienste zu hohen Würden und bedeutendem Ansehen. Hans Freiherr v. Eggenberg ward unter Kaiser Ferdinand II. Kammerpräsident, Gesandter in Madrid und Rom, Statthalterderinnerösterreichischen Länder, Landeshauptmann der Steiermark, endlich Obersthofmeister des Kaisers. Freiherr Hans Ulrich von Eggenberg erlebte die seltene Genugthuung, dass ihm in seinem Leben zweimal die Standes-erhöhung widerfuhr, indem er neben vielen anderen Auszeichnungen auf dem Reichstage zu Regensburg am 31. August 1632 zum Reichsfürsten erhoben wurde. Neunzehn Jahre später erhob der Kaiser die Herrschaft Gradisca (nächst Görz) zur freien und gefürsteten Reichsgrafschaft und verlieh dieselbe mit allen Rechten, darunter auch dem Stimmrechte im Reichsfürstencollegium, an Hans Anton, den Sohn Ulrichs. Die späteren Häupter der fürstlichen Familie fanden zwar weniger Gelegenheit, sich durch besonders glänzende Leistungen im Kriege oder Frieden hervorzuthun, bekleideten aber hohe Staatsämter, welche von der nach wie vor hochangesehenen Stellung des fürstlichen Hauses Zeugniss geben. Im Jahre 1717 starb mit dem 13jährigen Johann Christian das Fürstengeschlecht aus. Die gefürstete Grafschaft Gradiska kam an den Kaiser, die Herrschaft Eggenberg mit dem inzwischen vollendeten neuen Schlose und einige andere Besitzungen fielen durch Heirat an die gräfliche Familie der Herbersteine, in deren Besitz es sich noch jetzt befindet. Das neue Schloss Eggenberg ist ein imposantes weitläufiges Gebäude mit so vielen Fenstern, als das Jahr Tage hat. Auf den vier Eckthürmen grüsst das Wappen der Eggenberger, deren Adler eine Krone trägt, welches vom Kaiser Friedrich IV. dem vorerwähnten Balthasar von Eggenberg verliehen wurde. Kostbare Werke der Kunst schmücken das Innere ; so enthält die Schlosscapelle ein Monument von Canova, von dem bekannten Könige Jerome in Westphalen, der sich nach seinem Sturze einige Monate hier aufhielt, der Gräfin [85] Henriette Herberstein errichtet. In der Schatzkammer befinden sich noch u. A. die golddurchwirkten Decken, mit denen bei der Vermälung des Kaisers Leopold mit der Tochter des Erzherzogs Ferdinand Karl von Tirol die Maulthiere geschmückt waren. Diese Hochzeit wurde im Jahre 1673 mit grossem Pompe gefeiert. Das Schlossgebäude ist von einem breiten und tiefen Graben umgeben, in welchem seit langer Zeit Hirsche gehalten werden. Besonders aufmerksam sei auf den prächtigen Park gemacht. Schloss Eggenberg liegt malerisch an die im Westen sich aufthürmenden Berge gelehnt und bietet auch Jenen, welche mit dem Besuche des interessanten Gebäudes und seiner Umgebung den Ausflug abschliessen wollen, noch Gelegenheit zu hübschen Spaziergängen. Erwähnt sei insbesondere die sogenannte Eremitage. Man gelangt zu der Eremitage, indem man an der voi’ einigen Jahren erbauten Wasserheilanstalt vorüber den Rand eines Waldes betritt, an welchem Tafeln und Farben die Wege bezeichnen. Man kann auch über die Eremitage den Ausflug ausdehnen bis zur Ludmillaruhe mit dem Pavillon, und von da sogar bis zum Gebirgskamm. Die Ludmillaruhe bietet einen prachtvollen Ausblick auf Graz und das Grazer Feld. Auf gebahnten Wegen gelangt man im Rundgang wieder zur Heilanstalt zurück. Die Restauration des Curhauses ist auch Fremden geöffnet. Südlich von Eggenberg, am Fusse des lang hingestreckten Plabutsch, liegt die Ortschaft Algersdorf mit dem Kloster der Schulschwestern, welche daselbst eine Erziehungsanstalt besitzen. Das stattliche Gebäude macht einen sehr guten Eindruck; die Anstalt ist das Mutterhaus des genannten Frauenordens und hat ihre Filialen in den verschiedenen Orten der Steiermark. Auch ein Reconvalescentenspital des Conventes der barmherzigen Brüder ist hier. Man schreibt der Ortschaft Algersdorf ein hohes Alter zu, da schon in Urkunden des Jahres 1256 das Gut genannt wird Ueber Eggenberg führt ein Fussweg in das sogenannte „Thal“, eine jenseits des Bergrückens des Plabutsch gelegene [86] sehr hübsche Einsenkung mit einer alterthümlichen Kirche, der Ruine des Schlosses Thal und der modern angelegten Besitzung des Freiherrn von Walterskirchen. Der Pfad führt über den sogenannten Geisberg, ist stellenweise ein wenig steil, aber nicht allzu beschwerlich und auch ohne zu grosse Mühe zu finden. Die Wanderung durch den bergigen Wald bietet namentlich Morgens und an Vormittagen sehr viel Hübsches, sowie auch an einigen Punkten eine reizende Aussicht über einzelne Partien des Grazer Feldes ermöglicht ist. Nach etwa einstündigem Emporsteigen ist der Sattel erreicht und es geht nun, immer durch Wald, über Wiesen, abwärts in das Thal selbst. Links befindet sich ein kleineres Gasthaus mit guter freundlicher Bedienung, doch ist für grössere Bedürfnisse das neben der Pfarrkirche gelegene, sogenannte Kirchenwirthshaus zu empfehlen. Was das „Thal“ zu einem angenehmen Ausflugsziele macht, ist der anziehende Hin- und Rückweg und nebst einigen, mit der Kirche und der alten Burg verknüpften historischen Erinnerungen, ein Besuch des Freiherr von Walters-kirchen’schen Schlosses. In dem letzteren ist insbesondere der geschmackvoll angelegte und trefflich gepflegte Garten er-wähnenswerth. Das alte Schloss Thal, jetzt Ruine, war einst der Sitz eines aus Baiern eingewanderten Rittergeschlechtes, welches bereits in den ersten Jahrzehnden des dreizehnten Jahrhunderts genannt wird. Später kam es in den Besitz der Windischgrätze und Eggenberge. Eine Oeffnung im Schlosskeller wird von der Sage als der Ausgangspunkt eines unterirdischen Ganges bezeichnet, welcher einst das Schloss Thal mit der Göstinger Burg verbunden haben soll. Der Rückweg von „Thal“ nach Graz wird gewöhnlich auf der Strasse genommen, welche, am Fusse des Göstinger Berges vorüber, längs der Mur in die Hauptstadt führt. Wem der Pfad über den Geisberg zu beschwerlich dünkt, kann auch die Strasse zum Hin- und Rückweg benützen, und wird noch immer des Lohnenden genug gefunden haben. Der Fussweg [87] auf der Strasse nimmt etwa 2 % Stunden in Anspruch. Uebrigens ist das Thal auch der Zielpunkt zahleicher Ausflüge zu Wagen.

Ortschaft und Ruine Gösting.

Eine Stunde nördlich von Graz, dort, wo von der alten Kaiserstrasse die Strasse nach dem lieblichen „Thal“ abbiegt, lehnt sich an einen mächtigen Gebirgsstock die malerisch gelegene Ortschaft Gösting, überragt von der Ruine Gösting, dem weithin sichtbaren Ueberreste einer Zeit voll Macht und Herrlichkeit. Gösting kann als das Ziel eines leichten, ganz und gar unbeschwerlichen Halbtagausfluges bezeichnet werden. Empfehlenswerth ist ein solcher namentlich für die Morgenstunden oder für kühlere Tage überhaupt, da der Weg auf der schattenlosen Heerstrasse bei grösserer Hitze nicht zu den angenehmsten gehört. Doch ist diesem Uebelstande theilweise durch eine Stellwagenverbindung abgeholfen. Die Ortschaft Gösting bietet an Sehenswürdigkeiten das im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts erbaute neue Schloss (Eigenthum de^ gräflich Attems’schen Concursmasse) und die Kleinoschegg’sche Champagnerfabrik sammt sehr ausgedehnten, von den Besitzern bereitwillig zur Besichtigung geöffneten Kellereien. Für leibliche Bedürfnisse ist in dem Brauhause ziemlich gut gesorgt. Der Aufstieg zu den Ruinen des alten Schlosses geschieht am besten von dem Platze aus, welcher sich vor dem neuen Schlosse befindet und es bietet der an Weinbergen vorüber und durch schöne Wälder führende Weg mannigfachen Reiz. Nach den vorhandenen Ueberresten zu schliessen, war Gösting in den Tagen seines Glanzes ein ebenso umfangreiches als starkes Gebäude, welches auch äusserlich der Rolle entsprach, die seine Eigenthümer in der vaterländischen Geschichte spielten. Die „Gestinker“ erscheinen bereits im zwölften Jahrhunderte als die Inhaber grosser Besitzungen und als ein [88] einflussreiches Geschlecht, das sich sowohl in den Geschäften des Krieges als auch des Friedens bedeutend hervorthat. Nicht lange jedoch gab es der Burg Namen und Ansehen; es erlosch mit Wülfing von Gestnik oder Gösting im Jahre 1260. Das Besitzthum wurde nun landesfürstlich und ging von der Hand eines adeligen Pflegers in die des Anderen, bis es im Jahre 1622 von dem mächtigen Geschlechte der Eggenberge (siehe S. 82) erworben wurde und einen Theil jenes grossen Fürstengutes bildete, das die letztgenannte Familie in verhältnissmässig kurzer Zeit zu gründen wusste. Im Jahre 1707 ward durch Kauf die gräfliche Familie Attems Eigen-thümerin des Gutes. Nicht der Zahn der Zeit hat die gewaltige Veste zerstört und nicht ein Feind sie in Trümmer gelegt, sondern es wurde dieselbe im Jahre 1723 vom Blitze getroffen und von einer verheerenden Feuersbrunst bis auf die heutigen Ueberreste verzehrt. Der damalige Eigenthümer Ignaz Maria Graf Attems fand es nicht für gut, sie wieder herzustellen, sondern erbaute am Fusse des Berges das sogenannte Schloss Neugösting. Das hervorragendste Ereigniss in der Geschichte der Burg Altgöstin£ ist, soviel bekannt, eine Türkenbelagerung im Jahre 1532, welche an dem tapferen Widerstande der Besatzung scheiterte. Auch in dem romantischen Reich der Sage hat übrigens Gösting sein Plätzchen gefunden. Anna von Gösting ist mehrfach der Gegenstand poetischer Bearbeitung geworden und der „Jungfernsprung“ gilt noch heute als eine Art Wahrzeichen der mittleren Steiermark. Wülfing von Gösting, so erzählt der Volksmund, sah sein Geschlecht im Aussterben begriffen und die letzte Hoffnung ruhte auf seiner Tochter Anna. Zwei Bewerber strebten nach des lieblichen Mägdleins Hand. Ein angesehener Ritter und ein unbekannter junger Mann, der Erstere des Vaters, der Letztere aber des Mädchens erkorner Günstling. Ein Zweikampf sollte entscheiden; er entschied gegen den Geliebten. Von Verzweiflung erfasst, eilte die Un [89] glückliche auf den Felsvorsprung, welcher sich weit hinaus in das Thal der Mur erstreckt und fand durch einen Sturz von demselben den gewünschten Tod. Noch Jahrhunderte hindurch soll ihre abgeschiedene Seele im Schlosse gesehen worden sein. So erzählt die vielbekannte Sage. Noch heute heisst die Stätte der „Jungfernsprung“. Und wer jemals an jener Stelle gestanden, an welcher selbst den nüchternen Sohn des neunzehnten Jahrhunderts unwiderstehlich der Zauber der Romantik erfasst, der mag das Entstehen dieser Sage und ihre unverwüstliche Lebenskraft wohl begreiflich finden. Der Göstinger Berg bietet eine zwar nicht allzu grossartige, aber ungemein liebliche Fernsicht. Wie der Berg und die auf dessen Gipfel thronende Ruine sich den schönsten Punkten der Umgebung von Graz auf das Imposanteste anschliessen, gestatten sie auch ihrerseits einen nahezu vollständigen Gesammtgenuss der an landschaftlichen Schönheiten so reichen Gegend. Von Gösting führt übrigens ein auch an anderer Stelle erwähnter Weg nach Judendorf. Buchkogel mit St. Johann und Paul.

Zu den hübschesten Punkten jener Gebirgskette, welche das Grazer Feld im Westen abschliesst, gehört der 2000 Fuss hohe Buchkogel mit der schönen, erst im Jahre 1879 vom steirischen Gebirgsvereine erbauten Kronprinz Rudolph-Gloriette. Drei Wege führen aus Graz zu derselben empor; der eine an dem Etablissement der Gebrüder Reininghaus vorüber, über Baierdorf, Krottendorf, Welsdorf und Webling; der zweite durch die Lazarethfeldgasse, an den kaiserlichen Pulvermagazinen vorbei, bei Wetzeisdorf in der erstgenannten einmündend; der dritte direct nach dem am Fusse des Buch-kogels liegenden St. Martin. Der kürzere Weg ist der erstgenannte, welcher eben den Vortheil bietet, dass an Sonn- und Feiertagen der Omnibus bis zum sogenannten Brünnl benützt werden kann. Der Weg über das Lazarethfeld und die Pulvermagazine zum Brünnl [90] beträgt etwa 1 % Stunden, jener an der Reininghaus’schen Brauerei vorüber ungefähr eine Viertelstunde mehr, Beide führen übrigens eine gute Strecke über schattenloses Feld, wesshalb sich im Allgemeinen die Besteigung des Buchkogel mehr im Frühling und Herbst, als im Hochsommer empfiehlt. Erst nachdem die Strasse gewonnen, welche am Fusse des Höhenzuges läuft und theilweise bereits vom Wald beschattet wird, gestaltet sich der Marsch angenehmer. Das „Brünnl“ selbst, ein an sich schon empfehlenswerthes Ausflugsziel, liegt am Fusse des Buchkogels und ist eine aus dem Berge kommende Quelle mit einer hübschen Grotte. Der Weg zu derselben führt an dem gleichbenannten Gasthause, welches gute Unterkunft bietet, seitlich über den Wiesengrund nach dem Gehölz. Zur Spitze des Buchkogels empor, dessen Gloriette bereits an dieser Stelle sichtbar wird, gelangt man in beiläufig 3/4 Stunden; der Weg führt an dem Schlosse St. Martin vorüber. St. Martin ist eines der ältesten Schlösser der Steiermark und hat im reichlichen Masse die mannigfaltigen Schicksale des Landes getheilt. Schon im elften Jahrhunderte erscheint es in der Geschichte; sein Eigenthümer, Bodo der Starke, gerieth mit seinem Bruder Aribo, Pfalzgrafen von Kärnten, in eine Verschwörung wider den Kaiser Heinrich HL Das Unternehmen fiel aber so unglücklich aus, dass Bodo in die Acht gerieth und seiner Besitzungen verlustig wurde. Die eine Hälfte gelangte 1055 an den Erzbischof von Salzburg, dessen Nachfolger es 1074 an das Stift Admont schenkte, die andere an den Patriachen von Aquileja. Letzterer belehnte mit seiner Hälfte die Herren von Andechs; aus den Händen derselben gelangte auch diese Hälfte sechzig Jahre später an das Stift. Dasselbe ist, eine kurze Episode abgerechnet, nachher unbestritten in dem Besitze geblieben. Das Schloss ist einfach aber regelmässig und hübsch gebaut und bietet einen prächtigen Ausblick. In der Kirche sind die hübschen Schnitzwerke von Thaddäus Stummel aus der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts erwähnenswerth. [91] Von St. Martin führt der Weg mässig ansteigend zur Gloriette; Anfangs auf offenem Terrain, bald aber vom Walde beschattet. Der Weg ist vom steirischen Gebirgsverein markirt. Die Aussicht von der Gloriette ist sehr lohnend, bei günstiger Witterung die obersteirische Bergkette und sogar den Hochschwab umfassend. Die eigenthümliche Lage des Buchkogels bringt es mit sich, dass insbesondere das Kainachthal mit den es im Westen begrenzenden Gebirgsspitzen auf wenigen Punkten der Umgebung von Graz so gut gesehen werden kann, als gerade an diesem. Mit der Abdachung des Buchkogels schliesst jener Höhenzug ab, welcher die Grazer Umgebung im Westen begrenzt. Das Thal, in das dieser Bergrücken südlich abfällt, besitzt eine grosse Schiessstätte, bekannt unter dem Namen der „Kehlberger Schiessstätte“, Eigenthum einer Grazer Schützengesellschaft. Der Rückweg nach Graz kann übrigens auch über St. Johann und Paul genommen werden. So nennt sich ein hochgelegenes Kirchlein, das, von der Gloriette gesehen, nördlich in stiller Waldeinsamkeit liegt. Der Weg nach demselben und von da hinab zur Strasse ist nicht schwer zu finden. Mit der Strasse steht das Kirchlein durch einen Waldweg in Verbindung, der bei der landschaftlichen Ackerbauschule Grottenhof einmündet. Wer gerade will, kann daher auch den Buchkogel über Grottenhof und St. Johann und Paul besteigen, oder das Letztere zum Ziele eines selbstständigen Ausfluges machen. Der Plawutsch oder Plabutsch. Von Eggenberg bis Gösting läuft ein langgestreckter, grossentheils noch mit üppigem Waldwuchs bedeckter Bergrücken, welcher das Gesichtsfeld von Graz gegen Westen abschliesst. Es ist diess der Plabutsch mit seinem höchsten Punkte, der Fürstenwarte, so genannt, weil an der Stelle, [92] II an welcher 1839 Kaiser Ferdinand die Aussicht bewunderte, ein Pavillon erbaut wurde, welcher die Rundschau erleichtert. Der gegen Graz zu ziemlich steil abfallende Plabutsch ist ein Kalkgebirge mit bemerkenswerthen Petrefacten und einer ziemlich reichhaltigen und originellen Flora, welche vom ersten Frühling bis zum späten Herbst Anregung und Ausbeute liefert. In der Nähe der Pyramide befindet sich eine sehr bemerkenswerthe Korallenbank. Am Fusse des Berges lief einst eine Römerstrasse. Seltene Alterthümer, welche dort gefunden wurden, eine keltische Streitkeile, Stücke von Schwertern, Dolchen, Sicheln u. s. w. befinden sich im Joanneum zu Graz. Der Plabutsch ist ein ziemlich unwirthlicher Berg und im Allgemeinen schwer zugänglich. Man steigt entweder von Eggenberg aus über den Vorderplabutsch oder von Osten auf jenem Pfade aufwärts, welcher bei dem Gasthause „zur Flasche“ beginnt. Der erstere Weg beträgt etwa zwei Stunden und ist schon ein wenig beschwerlich ; der letztere kann auf eine Stunde veranschlagt werden, aber auf eine Stunde ziemlich mühseliger Wanderung. Allerdings entschädigt die Aussicht für die aufgewandte Mühe. Sie hat Aehnlichkeit mit der Aussicht vom Buchkogel, ist aber reichhaltiger und origineller, da auch der Plabutsch etwas höher ist als sein südlicher Nachbar. Zu erwähnen wäre noch, dass von der Höhe des Plabutsch ein schattiger Fusspfad nach St. Johann und Paul und von da zum Buchkogel führt. Wer also grosse Spaziergänge auf waldiger Höhe liebt, kann den Plabutsch besteigen, von dort den Uebergang nach dem Buchkogel machen, und über das Brünnl nach Graz zurückkehren — aber auch umgekehrt. Der Schöckel mit Radegund. Nördlich von Graz erhebt sich auf breiter Grundlage der 4745 Fuss hohe Schöckel, nach Links allmählig verlaufend, nach Rechts steil gegen Radegund abfallend. Der [93] Schöckel ist der nächste grössere Berg in der Nähe von Graz und gewährt bei verhältnissmässig geringer Mühe die lohnendste Fernsicht. Der Aufstieg nimmt 4 1/2 Stunden, der Abstieg etwa 4 Stunden in Anspruch. An Selbstorientirungen gewöhnte Touristen bedürfen keines Führers, anderen ist ein solcher anzurathen. Der gebräuchlicheren Wege sind drei: Jener über den sogenannten Türkensimmerl, der zweite über die Andritz, der dritte über Radegund. Man kann a) über den „Türkensimmerl“ hinauf und über die Andritz zurückgehen und umgekehrt; b) auf einem der beiden Wege aufwärts und über Radegund zurück; c) aufwärts wieder auf den vorgenannten zwei Wegen und zurück über Semriach zur Südbahnstation Peggau; d) über Radegund aufwärts und auf einer der drei erwähnten Touren zurück. Um über den „Türkensimmerl“ auf den Schöckel zu gelangen, geht man durch die Grabenstrasse zum Kienreich’schen Gasthause in Unterandritz, verfolgt die zur Rechten fortlaufende Strasse nach Neustift und steigt bei dem ersten Bauernhause zur Linken (der Weg führt durch das Gehöft) empor. Theilweise durch schattige Wälder und an einigen Stellen bereits gelohnt durch hübsche Rückblicke gelangt man zum sogenannten Kalkleitenmöstl, wo sich eine der höchstgelegenen Schulen des Landes befindet. Von da führt der Weg zu der lieblich in das Hochthal eingebetteten Ortschaft Buch und durch dieselbe in das bereits eingefriedete Alpenrevier zur sogenannten Göstingerhütte. Hier wird gewöhnlich Rast gehalten. Ein mit der Bauern-wirthschaft verbundenes Gasthaus befriedigt sehr bescheidene Bedürfnisse. Der eigentliche Aufstieg zum Schöckel beginnt bei der Göstinger-Hütte. Ein Irrthum ist nicht leicht zu besorgen, wenn man sich an zweifelhaften Stellen rechts hält. Man gelangt auf diese Weise zu einer Einsattlung, in welcher ein Zaun zu übersteigen kommt und in verhältnissmässig kurzer Zeit auf die Höhe des Gebirges.