Neuester Fremdenführer von Graz und Steiermark

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Graz,

in veralteter Schreibart, um deren willen seinerzeit ein heftiger Federkrieg geführt wurde - auch Gratz und Grätz, ist die Hauptstadt des Kronlandes Steiermark, und liegt unter 47° 4' g nördl. Breite, 13° 7' östl. Länge. 1075 Fuss über dem Meeresspiegel, im sogenannten Grazer Felde, so ziemlich in Mitte des Landes. Der Flächenraum ihres Weichbildes beträgt beilänfig 3, Quadratmeilen. Auf diesem Raume befinden sich nahezu 4000 Häuser mit 90.000 Einwohnern, einschliesslich der Garnison.

Die Stadt wird durch die Mur in zwei ungleiche Theile getrennt: die eigentliche Stadt oder den I. Bezirk, den II. Bezirk Jakomini, den III. Bezirk Geidorf auf dem linken, - den IV. Bezirk Lend und den V. Bezirk Gries auf dem rechten Flussufer, welche durch zwei Ketten- und zwei Holzbrücken mit einander verbunden sind. Graz ist der Sitz des Statthalters für Steiermark, Kärnten und Krain, des steier. Landtages, eines General-Commandos, des Fürstbischofes von Seckau, eines Oberlandesgerichtes 1. s. w. (Ueber Eintheilung, Benennung der Plätze und Gassen siehe das alphabetisch geordnete Verzeichniss auf dem Stadtplan.)

Die Mur liefert ausschliesslich sowohl für die Hausbrunnen als auch für die Wasserleitung, deren Netz die ganze Stadt durchzieht, das erforderliche Trink- und Nutzwasser.

Kurzgefasste Chronik. Die Stadt ist unzweifelhaft sehr alten Ursprunges; schon die Römer hatten an dieser Stelle ihren Wohnsitz. Im 6. Jahrhunderte setzten sich in der südlichen Gegend der heutigen Steiermark Slaven fest, doch wurden sie nach blutigen Kriegen durch die im nördlichen Theile des Landes wohnenden Avaren verdrängt; aber auch diese mussten einem celtisch-germanischen Volksstamme weichen.

Als Karl der Grosse gegen Ende des 8. Jahrhunderts alle diese Völker unterworfen hatte, theilte er das Land in Gaue und liess es durch verschiedene Markgrafen und Grenz- [2] grafen verwalten; auch sandte er baierische Colonisten in die entvölkerte Gegend, liess ein Grenzschloss erbauen, legte eine Besatzung hinein und stellte sie unter einen eigenen Grenzgrafen. Wir können daher mit Fug die Baiern als die Gründer von Stadt und Schloss Graz betrachten.

Im Jahre 881 wird Graz – als „ein bekannter angesehener Ort“ zum ersten Male urkundlich erwähnt, 900 von den Ungarn zerstört, 907 nach Verjagung des Baiervherzogs machen sie sich fast ganz Steierinark zinsbar. Beiläufig um 1127 verlegte Markgraf Leopold der Traungauer seinen Regierungssitz in die Burg von Graz. 1180 wurde Steiermark von Kaiser Friedrich I. zum Herzogthum erhoben. 1192 kommt die Steiermark nach Aussterben der Traungauer an Herzog Leopold von Oesterreich, welcher zwei Jahre später bei einem grossen Turniere auf dem Tummelplatz zu Graz durch einen Sturz den Fuss brach und in Folge verunglückter Operation starb. Unter den rasch folgenden Regenten nahmen die Ritter von Graz (ein Geschlecht, das die Burg auf dem Schlossberge inne hatte) vielfach Partei für und wider dieselben, bis Herzog Friedrich, nachdem der deutsche Kaiser die über ihn verhängte Reichsacht wieder aufgehoben hatte, jene ihrer Treulosigkeit wegen vertrieb. 1246 fiel Herzog Friedrich in einer Schlacht wider die Ungarn, mit ihm erlosch der Stamm der Babenberger. Durch 10 Jahre blieb nun die Steiermark reichsunmittelbar und wurde durch kaiserl. Statthalter verwaltet, dabei hart bedrückt und den steten Verwüstungen der Ungarn preisgegeben, so dass die Steiermärker den Böhmenkönig zu ihrem Fürsten ausriefen, der aber gleichfalls das Land durch Statthalter regieren liess, wodurch es nur vom Regen in die Traufe kam. Kaiser Rudolf's l. gewaltige Hand machte endlich dem Unwesen ein Ende, welcher 1281 seinen Sohn Albrecht mit Steiermark belehnte.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Graz die Re-sidenz der innerösterr. Linie des Hauses Habsburg. Kaiser Friedrich IV. schlug längere Zeit seinen Wohnsitz hier auf. 1550 erbaute er die heutige Domkirche, 1553 bezog er mit seinein ganzen Hofstaate, worunter auch sein Geheimschreiber Aeneas Sylvius, nachmaliger Papst Pius II., die von ihm neuerbaute Burg. Zugleich versah`er die Stadt mit feste- [3] ren Mauern und Schanzgräben, erbaute das Vicedomhaus und mehrere andere Gebäude, welche er mit den symbolischen Buchstaben A, E, I, O, U, denen die Schmeichelei wie die Satyre allerband Auslegungen gab, versehen liess.

1471 liess Kaiser Friedrich IV. unter dem Murthore (1835 abgetragen) in Graz die beiden steierischen Ritter Andreas Baumkircher und A. Greisenegger wegen Hochverrathes enthaupten. Baumkircher hatte Kaiser Friedrich wiederholt aus grosser Feindesnoth befreit, auch dem stets Geldbedürftigen ansehuliche Summen vorgestreckt und war dafür durch mancherlei Würden und einträgliche Gerechtsame geJohnt worden. Noch jetzt gilt Baumkircher als steierischer Nationalheld, obgleich neuere Geschichtsforscher den Lorbeer der tollkühnen Recken bedenklich entblättert haben und Baumkircher als einen höchst gewaltthätigen und eigennützigen Charakter hinstellen. Gleichwohl bleibt diese Handlungsweise Friedrich's IV. eme hinterlistige, und sein späteres Verfahren gegen seinen ehemaligen Münzmeister Balthasar Eggenberger * berechtigt zu dem Schlusse, dass nicht die Staatsraison, sondern weit eher schmutzige Habsucht das Motiv dieser Execution war.

1480 streifen Ungarn und Türken verheerend bis an die Thore von Graz. 1483 stirbt Kaiser Friedrich in Linz, nachdein er Steiermark 69 Jahre lang beherrscht. Ihm folgte sein Sohn Maximilian I., „der letzte Ritter“, welcher 1496 nach dem allgemeinen Wunsche der Steiermärker die Juden „auf ewige Zeiten“ aus Graz und Steiermark verbannt, wofür die Stände 38.000 A. an die Regierung zahlen.

1516 Aufstand der Windischen Bauern (stara bravda). Landeshauptmann Sigmund v. Dietrichstein schlägt endlich die Bauern bei Pettau auf's Haupt, lässt gegen 200 der gefangenen Aufrührer in Graz köpfen und „gründet“ darauf den Orden des heil. Christof gegen das damals so häufige Laster des Trinkens und Fluchens.

Weniger glücklich war Dietrichstein in Bekämpfung des 1525 in Obersteier ausgebrochenen Banernaufstandes ; er mochte dies auch geahnt haben, denn nur widerstrebend() [4] nahm der alte, gichtbrüchige Mann die Führung an. Die Ritterschaft zeigte sich schwierig zur Heer folge, die geworbenen löhmischen Stückknechte und deutschen Lanzknechte ,fielen un“, als sie mit den Bauern ziisaminentrafen und gingen zu diesen über. Im Städtchen Schladming, das er hesetzt hielt, wurde er von den Bauern überfallen, gefangen und nach Werfen im Salzburgischen in vitterliche Haft gebiracht, bis der Türkentödter Niklas Silin die Bauern zu Paaren trieb und ihn befreite. Die Bauern aber, und namentlich die Schladminger, hatten nichts zu lachen. Salm liess sie in ihre Hütten treiben und diese über ihren Köpfen anzunden.

Unter Erzherzog Ferdinand I. fängt das Lutherthum an, in Sieiermark sich auszubreiten. 1532 kommen die Türken auf ihrem Rückzuge von Güns nach Graz, besetzen die Stadt, können aber der Feste auf dem Schlossberge nichts annaben und ziehen desshalb sengend und brennend wieder ab. Auf dem Fernitzer Felde werden sie von einem kleinen steirischen Kriegsleere eingeholt und nahezu vernichtet.

1540 widmete Jakob von Eggenberg seinen Garten nebst einem schönen Hause (jetzt Paradeis) zur Errichtung einer protestantischen landständischen Schule, Stift genannt. Die Stände und der Adel Steiermarks waren überhaupt eifrige Förderer des Lutherthums.

1560 trat die Pest in Graz auf, drei Jahre später starb Ferdinand I., ihm folgte sein Sohn, Erzherzog Karl II., und Graz ward nun wieder ständiger Regierungssitz. Der nelle Regent führte allerhand Neuerungen ein zur Wohlfahrt des Landes, unter Anderem die Polizei iud - die Jesuiten, denen er die Schulen und die heutige Domkirche übergab und die Herstellung der alten Kirchenordnung in seinen Landen anheimstellte. Der „thätige" Orden ermangelte nicht, den auf ilin gesetzten Hoffnungen in entsprechen, Erzherzog Karl wollte auch, dass der Unterschied der Stände schon äusserlich deutlich gekennzeichnet sei und erliess desshalb eine Kleiderordnung. Die Bauern durften keinerlei Geschmeide von Gold oder Silber tragen, die „gemeinen“ Bürger höchstens zwei Ringe etc.

Wenn die Protestanten Steiermarks trotz der getroffenen Einleitungen vorläufig noch in der ungestörten Ausübung [5]ihres Glaubens verblieben, so hatten sie dies nur den wiederholten „Einfällen“ der Türken zu verdanken Der Erzherzog ging nun eifriger an die Vermehrung und Verstärkung der Festungswerke von Graz und beschleunigte auch den Bau des Jesuiten-Collegiums, um es mit Protestanten und Türken zugleich aufnehmen zu können. Die Stände hatten inzwischen den ausgetretenen Jesuiten-Magister Kratzer zum Vicerector ihrer Schule gemacht, der Erzherzog verwies ihn jedoch sammt seiner Frau des Landes und gebot bei den fortdauernden Glaubensstreitigkeiten, dass die protestantische Religion nur im Landhause zu Graz allein geübt werden dürfe, und dass die öffentliche protestantische Schule in Graz geschlossen werde. Zugleich wurden dem Rath und der Bürgerschaft von Graz Winkelzusammenkünfte und die Theilnahme am lutherischen Gottesdienste untersagt. Aus Anlass dessen errichteten die deutschen Ritter am Leech zu Graz (Zinzendorfgasse Nr. 3 nächst der Leechkirche) eine allgemeine Frei- und Zufluchtsstätte.

1586 schuf Erzherzog Karl zu Graz eine Art Universität und übergab sie natürlich den Jesuiten, worauf sie von den Päpsten Sixtus V. und Gregor XIII. bestätigt ward. Nun wurde wieder nach Kräften katholisirt und als Bürgermeister, Richter und Räthe ausschliesslich Katholiken eingesetzt. Wegen diesen Massregeln entstanden bedenkliche Unruhen in Graz. Der päpstliche Nuntius Malaspina entrann mit knapper Noth den Fäusten des erbitterten Volkes und barg seine kostbare Haut durch längere Zeit im Kloster der Dominikaner. Den Aufruhr zu dämpfen, eilte Erzherzog Karl von Bid Männersdorf nach Graz, wo er ankam, um zu sterben.

1596 lezeichnete sein Solin, der Jesuitenzögling Ferdinand II., seinen Regierungsantritt mit einem Decret, dass die Stiftsschule in Graz und aller protestantische Unterricht aufzuhören und die lutherischen Prediger binnen acht Tagen die erzherzoglichen Länder zu verlassen hätten. Eine eigene Reformirungs-Commission wurde ernannt und begann sofort ihre Arbeit. Rath und Bürgerschaft mussten den Eid auf die katholische Religion ablegen, die Jutherische Kirche und Stiftsschule wurden in ein Kloster verwandelt und die lutherischen Schriften öffentlich verbrannt.

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1607 brannte auch der ganze dritte Sack ab. 1671 ward Regierungsrath Graf Tattenbach wegen Hochverrathes vor dem Rathhause in Graz enthauptet. Kaiser Leopold stiftete für das Seelenheil des Gerichteten 6000 Messen.

Von den Annehmlichkeiten des dreissigjährigen Krieges blieb Steiermark direct verschont, jedoch Rüchteten 1683 die Bewohner von Graz in's Gebirge, weil sie von einer „Annäherung“ der Türken nicht viel Gutes erwarteten.

Die bürgerliche Unabhängigkeit ist seit einem Jahrhundert völlig erstorben; Landtage wurden nur mehr abgehalten, wenn es sich um Bewilligung von Summen für Geburtsoder Hochzeitsfeierlichkeiten eines Gliedes der Regentenfamilie handelte. Am 6. Juli 1728 fand die Huldigung an Kaiser Karl VI. in Graz statt, welche darum merkwürdig ist, weil sie die letzte Feierlichkeit dieser Art war.

Auch der siebenjährige Krieg wäre an Graz spurlos vorübergegangen, ohne die unfreiwillige Ankunft einiger hoher Persönlichkeiten, so des Generals v. Seckendorf, welchen Hofintriguen in's Staatsgefängniss auf den Schlossberg brachten, und der Kaiserin-Wittwe Elisabeth nebst der Erzherzogin Marianne, welche sich vor den bösen Preussen flüchteten.

1773 hob die grosse Kaiserin Maria Theresia die Jesuiten und die Folter auf. Die Güter der ersteren wurden zu Gunsten des Studienfondes eingezogen.

Der „Schätzer der Menschheit“, der unsterbliche Kaiser Josef II., gestattete im Jahre 1781 den Juden, die Grazer Jahrmärkte besuchen zu dürfen, damit war der Bann wieder gebrochen, welchen Kaiser Maximilian I. im Jahre 1496 über diese geborenen Gründer“ auf „ewige Zeiten“ verhängt hatte.

1785 erblickte die „Grazer Zeitung“ das Licht der Welt und Kaspar von Jakomini begann den Bau der Vorstadt, die heute noch seinen Namen führt. In dem grössten dieser Häuser, das Jakominihaus geheissen, befindet sich die k. k. Post.

Am 10. April 1797 besetzten die Franzosen nach dem Vorfrieden von Leoben zum erstenmale Graz. General Bonaparte bezog das Haus Nr. 13 in der Herrengasse. Die Bedingungen des Waffenstillstandes von Leoben entfernten die ungebetenen Gäste wieder aus dem Lande.

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14. November 1805 rückten die Franzosen zum zweitenmale in Graz ein, das sie nach siebenwöchentlicher Besetzung wieder verliessen und am 30. April 1809 zum dritten male besetzten, diesmal nach einem blutigen Gefechte mit den Oesterreichern unter Giulay in der Vorstadt St. Leonhard und den benachbarten Anhöhen. Des Schlossberges vermochten sie sich niemals zu bemächtigen; erst der Wiener Frieden räumte ihnen dessen Besitz ein, wobei sie nicht ermangelten, ausser der Zerstörung der Befestigungswerke auch Privatgebäuden, Kunstdenkmalen (Thomaskapelle), den möglichsten Schaden zuzufügen. Bei diesen drei Einfällen erhoben die Franzosen in Steiermark allein bei 50 Millionen an Contribution, der bedeutenden Lieferungen an Naturalien und Kleidungsstücken gar nicht zu gedenken.

Ausser diesen fremden Erpressungen musste aber das Land auch noch für die eigene Dynastie bedeutende „freiwillige Opfer zur Führung des Krieges bringen, so dass die gesegnete Steiermark noch Jahre hindurch, nachdem der Weltkampf gegen den kleinen Corsen glücklich ausgekämpft war, an ihren Wunden blutete.

Im Jahre 1811 schenkte Erzherzog Johann den Ständen alle seine auf mehrjährigen Forschungsreisen mit grosser Mühe und bedeutendem Geldaufwande gesammelten naturhistorischen Schätze mit der Widmung: „dass dieses hiemit gegründete Nationalmuseum zur Geistesbildung der Jugend und Erweiterung der Kenntnisse und Betriebsamkeit der Bewohner Steiermarks überhaupt verwendet und für kommende Geschlechter in gutem Stande erhalten werde“. Zur Unterbringung dieses Nationalmuseums kauften die Stände den Leslie'schen Herrenhof in der Raubergasse und gaben der neuen Bildungsanstalt den Namen „Jo a n neu m“.

1819 gründete Erzherzog Johann die steierm. Landwirthschaftsgesellschaft, und die Stände kauften über seine Anregung eine Liegenschaft mit ausgedehnten Garten- und Ackergründen zur Errichtung eines Versuchs- und Musterhofes, wo im Jahre 1870 eine sehr gelungene Industrie- und Landwirthschafts-Ausstellung stattfand. Heute ist der Versuchshof in Privathände übergegangen und wird verbaut. Als Ersatz in erweitertem Massstabe diente die landschaftl. Ackerbauschule in Grottenhof. (Siehe dieselbe.).

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In der Christnacht des Jahres 1822 brannte das Landestheater sammt Nebengebäuden vollständig nieder, um sich an derselben Stelle vergrössert wieder zu erheben. 1836 wurde die obere Kettenbrücke erbaut, welche die Keplerstrasse init der Wickenburggasse verbindet; 9 Jahre später jene, welche vom Murplatz direct in die Stadt führt. 1839 legte Feldmarschall-Lieutenant Baron Welden den Ständen einen Plan vor, der von ihnen käuflich erworbenen Schlossberg mit parkartigen Anlagen zu versehen, welcher auch unter Leitung des Genannten ausgeführt wurde. Hier hat sich Welden den Lorbeer selber gepflanzt, den er später vergeblich „auf dem Felde der Ehre“ suchte. 1842 errichteten die Stände das Thierspital nebst der Hufbeschlagslehranstalt zur Verbreitung thierärztlicher Kenntnisse. 1843 entstand der historische Verein für Steiermark.

Die Märztage 1848 gingen auch an Graz nicht spurlos vorüber; als am 15. März in Wien die Verleihung der Constitution verkündigt wurde, herrschte auch in Graz grosser Jubel, und die Landstände sowie die zahlreich erschienenen Vertreter der Städte und Märkte traten zu einem Landtage zusammen. In diesen Tagen wurden auch die Jesuiten, welche sich unter der Regierung Kaisers Franz I. wieder angesiedelt hatten, aus ihrem Kloster im Münzgraben vertrieben. Graz hatte seine Nationalgarde, seine Bürgerwehr, seine akademische Legion und seine Arbeitervereine; auch seine kleinen Krawalle, Verbründerungsfeste, Illuminationen, festlichen Theatervorstellungen und - Katzenmusiken gleich Wien.

Im August 1848 verliess Erzherzog Johann sein trautes Heim, um als Verweser des deutschen Reiches nach Frankfurt a. M. zu ziehen. Mit grösserer und aufrichtigerer Begeisterung wurde kaum je ein Fürst empfangen, als Prinz Johann in der alten Reichsstadt, und seine Popularität stieg auf's Höchste, als er beim Festbankett den Trinkspruch brachte: „Kein Preussen, kein Desterreich mehr, sondern ein einiges Deutschland!“ Nur zu bald fühlte indess Erzherzog Johann seine Ohnmacht und bereute, im Enthusiasmus für eine grosse Sache den Widerstand und die Ränke der Gewaltigen übersehen zu haben.

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Traute Büchse, hätt' ich nimmer Mit dein Scepter dich vertauscht; Hätte nie der Krone Schimmer Meinen schlichten Sinn berauscht; Hätt' ich nimmer dich geseh'n, Holde Reichs verweserei - Lass' den Kelch vorübergeh'n, Sonst ist es mit mir vorbei.

Und er ging vorüber, dafür sorgten die Parteien in der Paulskirche selbst. Nach Omonatlicher Abwesenheit kehrte Erzherzog Johann wieder in seine Berge zurück, um die geliebte Steiermark mit Werken des Friedens zu schmücken, die dem edlen Manne das unvergänglichste aller Denkmäler aufrichteten. - Inmitten der nun auch in Oesterreich hereingebrochenen Reaction kam in den Fünfziger - Jahren ein Meisterwerk der Eisenbahntechnik zu Stande: die Semmeringbahn. 1857 wurde mit der Stadterweiterung begonnen und die Umfassungsmauern vom Eisernen Thorne bis zum Burgthore abgebrochen, an deren Stelle sich die stattliche Häuserreihe der verlängerten Herrengasse und des KarlLudwig-Ring erhebt. Der Krieg von 1859 unterbrach für kurze Zeit diese Arbeiten, während demselhen starb Erzherzog Johann. 1860 wurde die Graz-Köflacher Eisenbahn eröffnet, das Eiserne Thor abgetragen. 1862 wurde die im ersten Viertel dieses Jahrhunderts von Kaiser Franz I. wieder hergestellte Karl-Franzens-Universität durch die medicinische Facultät vervollständigt.

Mit der Wiedereinführung der Constitution erblühte in der ganzen Monarchie ein neues reges Leben; Handel und Industrie nahmen einen ungeahnten Aufschwung mit den vermehrten Verkehrswegen und dein gehobenen Credite des Staates, selbst in dem sonst nur als Pensionistensitz bekannten Graz, das seit dieser Zeit um einen Viertheil an Ausdehnung und Bewohnern gewonnen hat. Gewiss ein leuchtender Fingerzeig dem Monarchen für die einzig richtige Politik

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Passwesen. Ausländer bedürfen bei ihrem Eintritte in die österr. Staaten nur eines mit dem österr. Gesandtschaftsvisa versehenen Passes; das Vidiren innerhalb der Grenzen der Monarchie ist aufgehoben.

Verkehrsanstalten. Südbahn; Bahnhof im Westen der Stadt. Graz - Köflacher Bahn; Bahnhof im Steinfelde, unweit dem der Südbahn. Graz-Raaber Bahn; Bahnhof in der Schönau, Südende der Stadt. Die Verbindung zwischen den Bahnhöfen und der Stadt vermitteln zweispännige Lohnwägen zwischen Südbahnhof und dem IV. oder V. Bezirk um die Taxe von 80 kr., zwischen Südbahnhof und I. Bezirk von 1 f., zwischen Südbahnhof und II. oder III. Bezirk 1 fl. 3: kr. ; Einspänner-Taxe um 30, resp. 40 kr. niedriger als vorige; Omnibusse, Fahrpreis 10 kr. die Person.

Bei anderen Touren mittelst Lohnwagen sichert sich der Fahrgast am besten vor Uebervortheilung, indem er sich vom betreffenden Kutscher selbst den Fahrtarif vorweisen lässt, wornach er die Entlohnung richtet. Nach amtlicher Vorschrift muss überdies in jedem Lohnwagen ein solcher Tarif angebracht sein.

Telegraphenamt. I. Bezirk, Paradeis. Gebühr: Depeschen von 20 Worten auf 10 Meilen Entfernung 40 kr., darüber 60 kr., innerhalb der Monarchie.

Postamt. (Fahr- und Briefpost.) II. Bezirk, Jakominiplatz 16. - Filialen bestehen am Süd- und Raaber Bahnhof, sowie in allen übrigen Stadtbezirken.

Hotels. „Elefant“, Murplatz. „Erzherzog Johann“, Sackstrasse. „Florian“, Nikolaiquais. , ,Stadt Triest', Jakominiplatz. „Oesterreichischer Hof", Annenstrasse. „Goldenes Ross", Mariahilfergasse. „Drei Raben“, Annenstrasse. „Birn“, Leonhardgasse. Zimmer von 80 kr. bis f. 5.

Kaiserkrone“, Färbergasse. „Ungarische Krone“, Landhausgässchen. „Goldener Engel“, Griesgasse. „Goldene Sonne“ und „Goldener Löwe“, Mariahilfergasse. „Goldener Ochse“, Griesgasse. „Schwarzer Adler“, Griesplatz. "Zimmer von 50 kr. bis fl. 3.

Fremde, welche Hunde mit sich führen, müssen für die Dauer ihres Aufenthaltes eine Marke lösen.

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Hotel Florian, Fronten nach der Griesgasse und dem Nikolaiquai. Eleganter Neubau mit 90 Passagierzimmern. 1 Speisesalon, 1 Biersalon. Schauklokalitäten, Douche- und Wannenbädern, Wasserleitung und Telegraph durch's ganze Etablissement. Der eigene Omnibus verkehrt zwischen den Bahnhöfen und dem Hotel.

Gasthäuser (Speisehäuser) und Bierhäuser. Die bereits genannten Hotels haben ihre Speisesäle, worin nach der Karte gespeist wird und führen auch gute Getränke. Aus der reichen Zahl der Gasthäuser sind zu empfehlen: "Bierjackl", Sackstrasse; "Pastete", obere Sporgasse; "Bierquelle", Badgasse; "Altgraz", Burggasse; "Neugraz", Realschulgasse; "Stadttheater-Restauration", Karl-Ludwig-Ring; "zum wilden Mann", Jakominigasse; "Sonnhammer", Korösistrasse; "Milchmariandl" (Café-Restaurant), Zinzendorfgasse; "Puntigamer Bierhalle", Jakobigasse; "Schreiner's Bierhalle", nächst dem Südbahnhofe.

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Weinhäuser. Hanninger's Sohn, Hof-Weinlieferant, Hofgasse; besondere Curiosität: Admonterhof, Admontergasse; F. Reinschmidt zum römischen König“, Sporgasse; G. Reinschmidt „zum wilden Mann“, Jakominigasse; Kodolitsch, Bürgergasse.

Kaffeehäuser. , 'Europa“, Herrengasse. ,,Schuster", Karl-Ludwig-Ring. ,,Seidel“, Glacisstrasse. ,,Nordstern“, Sackstrasse. „Merkur", Hauptplatz. ,, Theurer“, Neuthorgasse. „Meran“, Murplatz. „Englischer Huf“, Murplatz. „Oesterr. Hof“, Annenstrasse. „Café zum Merangarten“, Neuthorbastei. „Weltin“ (zugleich Restauration) mit schönem Gastgarten, Annenstrasse nächst dem Südbahnhofe.

Charcuterien u. Delicatessen-Handlungen. Stücker, Herrengasse; Fitz, Herrengasse; Plenker, Stempfergasse; Steiner, Murgasse; Seiner, Bürgergasse; Kronaus, Murplatz.

Zucker- u. Pasteten-Bäcker. Hasserück, Franzensplatz (im Landestheater); Payer, Burggasse; Bernatz, Albrechtgasse; Schochi, Sporgasse; Thaller, Murplatz; Scherer, Herrengasse.

Luxus u. Zwieback-Bäcker. Straff. Jakominiplatz; Funder, Frauengasse; Sorger, Murplatz; Mader, Hofgasse; Habisch, Annenstrasse; Spreng, Burggasse; Baumeister, Glacisstrasse.

Der Grazer Zwieback geniesst gleich dem Pressburger eines guten Rufes.

Bade-Anstalten. Dampf- und Wannenbäder: „Zur Sonne“, Lederergasse; Leistentritt, Sackstrasse. Wannenbäder: Förster, Brandhofgasse; Franzensbad („Flossmeister“). Schwimmbäder: Militär - Schwimwschule, Rauch, Lammer (ausschliesslich für Damen, alle drei in der Körösistrasse.

Wannenbäder kosten von 30 kr. aufwärts; Dampfläder inclusive Trinkgeld 1 A.; Schwimmbäder 1.5-20 kr. sammt Badewäsche.

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Kunst, kunstgewerbliche und wissenschaftliche Sammlungen.

Antiken- II. Münzencabinet im Joanneum, enthält Funde von den ältesten Zeiten der Menschheit, der Stein-, Bronzezeit, den Mittelalter und der Neuzeit, darunter den sogenannten Judenburger Wagen, ein Unicum, und eine Siegelpresse von 1741. Die Münzsammlung enthält über 30.000 Stücke griechischer, römischer, koitischer, darunter äusserst seltene Exemplare. (Täglich Vormittags geöffnet.)

Archäologisches Cabinet der k. k. Universität, besteht erst seit 1860 und ist die einzige Sammlung dieser Art an den österreichischen Universitäten. Ausser Gypsabgüssen von Münzen enthält es zahlreiche ('opien antiker Kunst,

Archiv im Gehäude der landschaftl. Oberrealschule, musterhaft angelegt, ist entstanden durch die Vereinigung des historischen Joanneums-Archives mit dem Landes-Archive. Es ist reich an Originalurkunden, Handschriften und Copien, enthält auch eine Saumlung von Ansichten aus älterer und neuerer Zeit von Graz und Steiermark, sowie von Siegeln, Wappen und Stempeln.

Bibliothek des Joanneums zählt 70.000 Bände meist technischen, naturwissenschaftlichen und geschichtlichen Inhaltes; auch eine besondere Sammlung von Werken von Steiermärkern verfasst, dieses Land betreffend und ebenda gedruckt.

Bibliothek der Universität zählt über 80.000 Bände und bei 4300 Handschriften, zum Theil auf Pergament. Besonders bemerkenswerth Gesetzbücher in's 9. Jahrhundert zurückreichend, eine deutsche Bibel von 1466, ein Abdruck des Triumphzuges Maximilian's I., ein Theyerdank von 1577 ete. Der grosse Bibliothekssaal ist mit Fresken geschmückt.

Bildergalerie, landschaftl., in der Neugasse. Unter den in 8 Zimmern vertheilten Gemälden sind einige von Breughl, Bassano, Tintoretto, Carlo Veronese, Caracci, Tizian, auch von Albrecht Dürer und Lucas Cranach; die Mehrzahl [14]jedoch sind nur mittelmässige Copien aller möglichen Meister. Besondere Anzichung, obgleich höchst unverdient, übte vor Jahren das grösste Bild der Gallerie: Andreas Baumkircher vor Wiener Neustadt.

(Sonn- und Feiertag Vormittags freier Eintritt, zu anderen Zeiten gegen Anmeldung beim Galeriedirector.) In diesen Räumen finden auch mehrmals des Jahres die Ausstellungen des steier. Kunstvereines statt.

Botanischer Garten (siehe Joanneumgarten unter Anlagen und öffentliche Gärten).

Mineraliencabinet im Joanneum enthält über 16.000 Stücke und ist eines der bestgeordneten in Oesterreich. Damit in Verbindung steht eine krystall-modell Sam mlung und eine geognostisch-paläontologische Sammelung, welch' Jetztere wieder eine speciell steirische Abtheilung enthält. An Thierversteinerungen finden sich bei 200 Nummern, darunter der Schädel eines urweltlichen Rindes, Zähne von Dinotherium giganteum und Elephas primi generis.

Physikalisches Cabinet im 2. Stocke der Universität. Die Sammlung enthält über 1000 Stücke, theils Instrumente, theils physikalisch - chemische Apparate. Das physikalische Cabinet des Joanncums, weniger umfangreich und vorzugsweise für den Unterricht bestimmt.

Physiologisches Institut, Harrachgasse 21.

Zeughaus, landschaftl., in der Herrengasse, im südlichen Theile des Landhauses, das wappengeschmückte Portale zeigt die Jahreszahl 1644, in Nischen links und rechts desselben sind die Standbilder des Mars und der Bellona angebracht. In vier übereinander liegenden niedrigen Stockwerken, deren Räume an die Verdecke von Kriegsschiffen erinnern, ist eine unühersehbare Menge von Rüstungen älterer Art, besonders gewaltige Schwerter (Beidehänder), Harnische, Helme, Panzerhemden, Hellebarden, Streitkolben, Morgensterne 11. s. w. aufgestellt. Vor Allem sehenswürdig sind die türkischen Fahnen und Waffen ; ein eigenthümlicher Wagen mit Bathory'schein Wappen, die (angebliche) Rüstung des Erzherzogs Kari Il. und seine Prachtsense u. s. w. Auch die plastische Darstellung des ehemaligen Castells auf dem Schlossberge. (Es gab eine Zeit, wo die Stände Steiermarks eine Armee von 30.000 Mann auszurüsten vermochten; noch [15] heute unterhält die Landschaft cine kleine Artillerietruppe, welche die Feuerwache auf dein Schlussberge versieht und ihre Allarmkanonen bedient.) – Ein Antrag auf Ausmusterung hat nenester Zeit wieder das Interesse, namentlich der Fachmänner, für diese leider wenig bekannte und desshalb selten besuchte Waffènkamniner erregt, und Director Essenwein in Nürnberg hat ein warmes Wort für Erhaltung des gegenwärtigen, besonderes historisches Interesse erregenden Bestandes eingelegt. (Anmelden wegen Besichtigung bei der Baudirection im 2. Hofe des Landhauses.)

Zoologisches Cabinet im Joanneum. In der in fünf Zimmern vertheilten Sammlung sind besonders die Vögel und in neuester Zeit auch die Schwämme reichlich vertreten.

Industrielle Etablissements, durch die Gattung des Fabrikats hervorragend :

Eisengiesserei und Maschinenfabrik Körösi auf der Andritz.

Grazer Waggon-, Maschinenbau- und Stahlwerks-Actiengesellschaft, Eggenbergerstrasse.

Fabrik ätherischer Oele von Engelhofer & Kundegraber, Hafnerriegel.

Glycerin-, Kerzen- und Seifenfabrik Hofmann, Eggenbergerstrasse.

Walzwerk der Südbahngesellschaft; am Ende des Südbahnhofes.

Zuckerraffinerie, Heinrichstrasse.

Anlagen und öffentliche Gärten.

Es war ein höchst dankenswerthes Unternehmen der steierm. Stände, dass sie, auf die Vorschläge des General-Gärtners oder Gärtner-Generals v. Welden eingehend, den Schlossberg mit Anlagen ausstatteten und dieselben fortan treulich pflegten; es war nicht minder verdienstlich von der nichts weniger als reichen Gemeinde Graz, als sie, un- [16]terstützt von opferwilligen Bewohnen, den Hilmerteicli erwarh, und es gehührt endlich alle Anerkennung jenen Wackeren, welche den Stadtverschönerungsverein gründeten, wie überhaupt Allen, die, ob gross oder klein, ihr Schärflein dessen Wirken widmeten. Denn so herrlicher Umgebungen sich Graz erfreut, es ist arm an öffentlichen Gärten. Die Schaffung des Stadtparkes hat dem zum grossen Theile abgeholfen, das müssen selbst Diejenigen gestehen, die anfangs dessen heftige Gegner gewesen. Es lässt sich da nur Eines vermissen: ein sprudelnder Quell, ein munter plätschernder Springbrunnen! Gewiss, der Stadtverschönerungsverein, der mit den geringen ihm zu Gebote stehenden Mitteln in kurzer Zeit so viel Gutes uud Schönes geschaffen, wird sicher auch diesen Mangel heheben.

Der Stadtpark ist hergestellt worden aus den vormaligen Glacisgründen, welche in einer Ansdehnung von beiläufig 22 Joch von dem früheren Eisenthore bis zur Grabenstrasse sich erstreckten und die Stadt von den Vorstädten schieden. Der östliche grösste Theil, dem Militärärar gehörig, musste diesem von der Gemeinde abgelöst werden, welche ihn daun dem eben zu Stande gekommenen Stadtverschönerungsvereine anheimgab; die Landschaft überliess die ihr eigenthümlichen Grundtheile sammt dem Schlossberge unentgeltlich demselben Zwecke. Der Verein ging nun unverweilt an's Werk und schuf unter Aufrechthaltung der schon bestandenen prächtigen Baumreihen der Dammallee die gegenwärtigen Anlagen.

Obwohl gegenwärtig nur mehr einen Bestandtheil des Stadtparkes bildend, muss hier der Schilleranlage desshalb Erwähnung geschehen, weil sie gleichfalls der Pietät einiger Bewohner entsprungen ist und gewissermassen den Stadtpark eingeleitet hat. Den Namen hat die Anlage von dem dort aufgestellten Denkmal Schiller's.

Eine öffentliche Gartenanlage kleiner Art befindet sich zwischen der Burg und dem Landestheater, der Domkirche gegenüber und von der Strasse durch ein Eisengitter abgegrenzt.

Der Joanneumgarten, als botanischer Garten zum Joanneum gehörig, steht gleichfalls dem Publikum offen und werden seine schönen Anlagen auch viel besucht; er enthält [16.1] [16.2] [17] mehr denn 8000 Pflanzenarten (wer sich mit der Flora Steiermarks genauer bekannt machen will, dem sei die Besichtigung des Herbariums im Joanneum empfohlen); auch finden sich hier einige Beete mit Alpenpflanzen vor. Die neue Eintheilung und Aufstellung, welche erst jüngst durchgeführt wurde, muss jedem Pflanzenfreund höchst willkommen sein. Im nördlichen Theile zwischen den beiden für das Publikum benützbaren Garteneingängen (das Gitterthor in der Neuthorgasse und der Eingang durch's Hauptgebäude in der Raubergasse) steht die bronzene Büste des berühmten Mineralogen Mohs; auch soll hier ein Denkmal für den berühmten Botaniker Dr. Unger seine Aufstellung finden. Der südliche, um's Doppelte grössere Theil liegt eine Klafter tiefer; er wurde durch Anschüttung des Stadtgrabens gewonnen.

Vom Joanneumgarten südlich, durch ein Eisengitter und einen Graben getrennt, befindet sich das sogenannte kleine Glacis mit offenen Baumalleen. Diese sowohl wie der vorgenannte Garten dürften in naher Zeit der Stadterweiterung zum Opfer fallen.

In nächster Nachbarschaft, mit dem einen Eingang dem Joanneum gegenüber, befindet sich auf der Neuthorbastei der Merangarten, zugleich als Kaffeegarten ein beliebter Unterhaltungsort. Nach Westen hin geniesst man da eine reizende Aussicht. Auch diesem Garten steht die Demolirung bevor, da auf seiner Stelle die neue polytechnische Schule sich crheben soll.

Unmittelbar an diesem Garten vorüber, von der Radetzky bis zur Kettenbrücke, ziehen sich die Anlagen des Stadtquai's, die stets von Spaziergängern belebt sind.

Hilmteichanlagen, beiläufig in 20 Minuten vom Stadtparke, am besten durch die Elisabeth- oder die Zinzendorfgasse zu erreichen. Vor 15 Jahren noch nur aus dem Teiche und einem unscheinbaren Gebäude bestehend, wurde die Liegenschaft von einer Actiengesellschaft angekauft, entsprechend erweitert, mit einem eleganten Restaurationsgebäude, einem Schweizerhause und entsprechenden Parkanlagen versehen und so einer der anmuthigsten und besuchtesten Erholungsorte geschaffen. Eine kleine Flottille tummelt sich im Gewässer und die Baumriesen des die Gegend überragen [18] den Nadelwaldes werfen ihre Schatten auf den Wasserspiegel, während von der Terrasse die Klänge einer Musikkapelle oder der harmonische Vierklang eines Gesangschores herüberschallen. Und wenn der Frost die ruhige Fläche mit einer Eisdecke überzieht, so ist hier wiederum das Stelldichein der Schlittschuhläufer. Seit einigen Jahren ist die Stadtgemeinde, freilich unter Ausgabe von Antheilscheinen, Besitzerin der Hilmerteich-Realität, für deren Verschönerung ein eigener Ausschuss des Gemeinderathes bestens besorgt ist.

"Koch’scher Garten", am Fusse des Rosenberges, obgleich Privateigenthum des Herrn Kaufmanns Koch, muss gleichwohl hier aufgeführt werden, da der Besitzer mit rühmenswerther Liberalität den Besuch desselben gestattet. Fast alljährlich veranstaltet dieser hochgeschätzte Blumenmäcen auch allda zu wohlthätigen Zwecken eine Ausstellung seines herrlichen Blumenflors.

Der Schlossberg,

wohl das Juwel von Graz, könnte für dessen Bewohner als eigentliche Sommerfrische dienen, und man darf sich füglich wundern, ihn selbst an günstigen Tagen so wenig besucht zu finden. Das Räthsel ist bald gelöst: der Grazer ist zwar stolz auf die Naturschönheiten seiner Heimat, aber kümmert sich sonst im Grunde genommen blutwenig um dieselben; es bedarf immer einer äusseren Anregung, um ihn zu vermögen, sich ein paar Fuss über seinen gewöhnlichen Gesichtskreis zu erheben, ohne etwas anderes zu geniessen, als - Natur. Selbstverständlich ist dies im Allgemeinen gesprochen; haben wir ja doch unseren ,,Steirischen Gebirgsverein !“ – 400 Fuss hoch, 1474 Fuss über'm Meeresspiegel ist das Plateau des Schlossberges für einen leidlichen Fussgeher in einem halben Stündchen zu gewinnen. Drei Wege führen hinauf: von der Stadt durch den Thorbogen eines Hauses auf dem Karmeliterplatz, vom Stadtparke (links beim Paulusthor) und von der Wickenburggasse aus. Der erstgenannte ist der kürzeste. Der zweite der anmuthigste. Der erste und letzte Aufsteig haben auch Fahrwege; wem das Gehen zu beschwerlich ist, mag einen Wagen benützen. Wir wählen der Annehmlichkeit wegen den Aufgang vom Stadtparke aus [19] und gelangen alsbald zum ersten Aussichtspunkte, dem Parapluie; von da verfolgen wir den Weg über eine etwas steile Treppe und gelangen auf die ausgedehnte Terrasse vor dem Schweizerhause, wohin mehrere Wegweiser die Richtung angeben. Das hier befindliche Café-Restaurant genügt billigen Anforderungen. Inmitten dieser Terrasse erhebt sich, mit der Front gegen den Stadtpark, das Standbild des Schöpfers dieser Anlagen, des Generals v. Welden ; dieser Punkt ist unstreitig einer der schönsten des Schlossberges, er gewährt die lieblichsten Fernsichten in nördlicher und östlicher Richtung. Von den nahen, mit Landhäuschen übersäeten Hügeln überragt einer den andern, im Hintergrunde erhebt sich der gewaltige Schöckel; aus dunklem Waldesgrün, rechts von der Platte, blinken uns die weissen Thürme der Wallfahrtskirche Maria-Trost entgegen, der Mariatroster Wald, die Riess, der St. Leonharder Wald mit dem Lustbühel, der Ruckerlberg mit den Petersbergen begrenzen, wie in eine einzige Kette verschlungen, als anmuthigster Rahmen das nach dieser Seite immer dichter anschwellende Häusermeer der Stadt.

Von der Terrasse führen zwei Fusspfade auf den höchisten Punkt des Berges; hier entwickelt sich die Nordseite der Umgebung, ohne Zweifel die grossartigste Partie. Zwischen bewaldeten Gebirgsrücken, coulissenartig in einander gerückt und nur in weiter Ferne von den schneeigen Häuptern der Glein-, Polster- und Bruckeralpe überragt, rauscht in vielfachen Krümmungen der Murfluss daher, knapp daneben schnaubt das Dampfross über seine Eisenschienen durch das enge Thal. Diesseits der Mur gewahrt man St. Gotthard, auf einem Rasenhügel die freundliche Kirche St. Veit, die grosse Giesserei und Eisenwaaren-Fabrik Körösi, die Papierfabrik Kranz, den Rosenkogel, auf einer Insel der Mur das Dampfpumpwerk der Wasserleitung, die Militärschwimmschule und die obere Kettenbrücke. Jenseits über den zwerghaften Zwillingsbruder des Schlossberges, den Kalvarienberg, - nächst welchem eine Fähre die Murufer verbindet, hinüber erblicken wir auf stolzer Höhe die Ruinen der Burg Gösting mit dem vorliegenden Jungfernsprung, weiter nach Westen den Plawutsch, auf dessen südlicher Fortsetzung das Kirchlein St. Johann und Paul, den Buchkogel, Schloss und [20] Kirche St. Martin auf einem niederen Gebirgsvorsprung, den Florianiberg mit seinem Kirchlein, und die nun in weitem Bogen zurücktretenden bewaldeten Höhen bis zum Wildoner Berge, als Hintergrund die hohen Kämme der Schwanberger Alpen. In der weiten Ehene aber sehen wir die qualmenden Schlote des Walzwerkes beim Südbahnhofe, der Hofmann'schen Stearinfabrik, der Liqueurfabrik von Eduard Fünck, der Steinfelder Brauerei, der Grazer Waggon- und der Leitner'schen Surrogatfabrik u. v. a.

Wir schreiten nun auf dem nach Süden abfallenden Plateau an der Cisterne vorbei über einen Bogen, unter welchem wir zum Theile die Reste der Casematten, jetzt als Keller dienend, bemerken, und gelangen zum ältesten Denkmal des Schlossberges, zum Thurme der ehemaligen Thomaskirche mit seiner 160 Centner schweren Glocke. Hier ist gleichfalls ein Gasthaus. Seitwärts vom Thurme führt eine Allee zu einer noch theilweise erhaltenen Bastei mit der Alarmbatterie; sie enthält sechs Kanonen, mit welchen bei ausbrechendem Feuer die Nothsignale gegeben werden. Von beiden Seiten durch Gebäude eingeengt, bietet diese Stelle nur eine beschränkte Aussicht und so senkt sich der forschende Blick bald vor sich nieder und gewahrt die sog. Pergola oder die Weinlauben nebst dem Türkenbrunnen. Wir schreiten nun, die Allarm batterie verlassend, eine bequeme Kastanienallee abwärts und gelangen noch vor deren Ende durch ein offenes Gitterthor in den kleinen Weinberg, zu dem erwähnten, bei 50 Klafter tiefen Türkenbrunnen, der Riesenarbeit gefangener Muselmänner, zum Winzerhause, und falls der Weg hierzu nicht abgesperrt ist – zu dem unter der Mündung der Kanonen liegenden, durch seine Gestaltung merkwürdigen Eingangsthor in die Casematten. — Ein Modell des ehemaligen Schlossberg-Castells befindet sich im landschaftl. Zeughause.

Von den Weinlauben selber geniesst man wieder die reizendsten Aussichten nach Westen und Süden. Von den Dächern der engen Sackstrasse folgt der Blick den Windungen der Mur, welche im Weichbilde der Stadt noch von der unteren Ketten-, der Albrechts-, Radetzky-und Raaber Eisenbahnbrücke überwölbt wird. Links von der letzteren liegt der Graz-Raaber Bahnhof, an seinem rohen Ziegelbau er- [21] kenntlich; rechts über der Mur das Zellengefängniss Karlau mit ockergelbem Anstrich; weiter südlich, inmitten des Grazer Feldes, zeigen sich die weissen Linien des neuen Irrenhauses, rechts am Fusse des Floriani berges das alte Strassgang, links an der Mur die grosse Brauerei Puntigam.

Unsere Wanderung fortsetzend, verlassen wir den Weinberg wieder durch das nämliche Gitterthor und gelangen zum Uhrthurm, wo wir neuerdings Gelegenheit haben, das prächtige Landschaftsbild von Osten, Süden und Westen in uns aufzunehmen. Die Uhr ist das verdienstliche Werk eines Grazers; wegen des Eintrittes in den Uhrthurm wolle man sich an den Wächter wenden. – Das Häuschen nächst dem Uhrthurm ist die Geburtsstätte des berühmten Mimen Brockmann. - Von hier abwärts einige Windungen des Weges und wir befinden uns wieder am Fusse des Schlossberges, inmitten der Stadt.

Denkmäler

besitzt Graz nur wenige. Beginnen wir mit jenen der Kirche und nennen die Dreifaltigkeitssäule am Eingang der Sackstrasse vom Hauptplatze. Sie ist aus getriebenem Kupfer und gut vergoldet, nach beendeter Pest 1680 von Kaiser Leopold I. errichtet, weshalb sie auch „Pestsäule“ heisst. Gute Katholiken schreiben ihr das Verdienst zu, die Stadt für immer von der Pest befreit zu haben und stellen noch alljährlich eine Procession dahin an; gegenwärtig kann sie vornehmlich als Verkehrshinderniss gelten.

Die Mariensäule auf dem Jakominiplatz, errichtet zum Andenken an den Sieg Montecuculi's über die Türken bei St. Gotthard.

Die Dreifaltigkeitssäule bei der Schlegelbrücke über den Grazbach verdankt ihre Entstehung einem Gelübde der Gemeinde ebenfalls zur Abwendung der Pest.

Die Denksäule auf dem Lendplatz und jene auf dem Griesplatz gleichen Ursprungs.

[22]

Das Denkmal Kaisers Franz I., auf dem Franzensplatze, aus Erz und mit mächtigem Sockel. Das Ganze ist Mailänder Arbeit.

Das Weldendenkmal auf der Terrasse des Schlossbergs vor dem Schweizerhause, nach einem Modell Gassers in Erz gegossen.

Das Denkmal des Mineralogen Mohs im Joanneamgarten, gleichfalls aus Erz.

Das Schillerdenkmal in der Schilleranlage des Stadtparks, von Gasser sehr gelungen in Marmor ausgeführt.

Noch eines anderen Denkmals sei schliesslich gedacht; schlicht wie der Mann, dessen Namen es trägt, aber auch kühn und unverzagt wie er, nicht von Stein und Erz, aber darum von nicht minderer Dauer, ein Denkmal, das alljährlich im eigenen neuen Schmucke prangt: der Franckeiche im Rundell des Stadtparkes an der Biegung der Glacis- und der Leonhardstrasse.

Theater und sonstige öffentliche Unterhaltungsorte.

Landestheater auf dem Franzensplatze, 1825 neu aufgebaut, repräsentirt sich in seiner äusseren Form nichts weniger als vortheilhaft und leidet auch im Inneren an manchen Fehlern, wie mangelhafte Akustik und unzweckmässige Eintheilung des Zuschauerraumes, der beiläufig 1500 Personen fasst. Grosse Oper, Drama, Lustspiel, Operette und Posse stehen abwechselnd auf dem Repertoire. Das darstellende Personal besteht aus 57, das Orchester aus 35 engagirten Mitgliedern. Unter der gegenwärtigen ebenso verständnissvollen als energischen Leitung des Hrn. Directors Eduard Kreibig hat das Landestheater – jedenfalls eine der besten Provinzbühnen – seinen Höhenpunkt erreicht. Welch' geschickte Hand Herr Kreibig in Auswahl seiner Kräfte besitzt, beweist hinlänglich der Umstand, dass sich die meisten deutschen Hoftheater an unserem Landestheater [23] ergänzen. Es sei nur erinnert an Frl. Ehun und Herrn Hablawetz am Wiener Hofoperntheater, Frl. Brand und Hrn. Woworski ain Berliner, Frl. Klettner am Stuttgarter, Frl. Erhart am Dresdner, Hrn. Lehmann am Coburger Hoftheater und Hrn. Link an jenem von Hannover. – Das Theater ist Landeseigenthum und wird massgebenden Orts beabsichtigt, dasselbe zu verkaufen. Die Theaterfreunde sehen mit Besorgniss einem Directionswechsel entgegen.

Stadttheater, am Karl-Ludwig-Ring, Eigenthum des Stadtarme fondes. Das Theater sammt seinem ganzen Gebäudecomplexe, obwohl aus neuester Zeit herrührend, ist wohl die grösste architektonische Verirrung, die Graz aufweist. Bühne und Zuschauerraum - dieser ist amphitheatralisch und kann in einen Circus verwandelt werden :sind grösser wie im Landestheater ; auch ist die Akustik und namentlich die Ventilation besser als im Landestheater. Seinem Repertoire fehlt die Oper, dafür ist es dem anderen um das Ballet voraus. Im Publikum erfreut sich das Stadttheater ganz besonderer Beliebtheit, was dem strebsamen Hrn. Director Müller um so mehr zu statten kommen möge, als er bei Uebernahme des Pachtes sich keinem kleinen Risico aussetzte.

Reitschule, landschaftl., Grazbachgasse, wird ausser zum Reitunterricht, auch zur Aufführung öffentlicher costumirter Carroussels und Kunstreiter-Vorstellungen benutzt.

Redoute, im I. Stocke des Landestheaters, hat recht schmucke Räumlichkeiten, die alle untereinander und mit dem Hauptsaal mittelst Galerien und Corridoren in bequemer, offener Verbindung stehen. Der Hauptsaal selbst ist reich mit Säulen und Spiegeln versehen und niedlich ausgemalt. Die Localitäten der Redoute fassen bei 2000 Personen und werden fast ausschliesslich zu Bällen, namentlich während des Faschings zu Masken bällen benützt.

Hilmerteich (s. a. öffentl. Anlagen), der idyllischste unserer Unterhaltungsorte, der uns im Sommer wie im Winter zu seinen gesunden, unschuldigen Vergnüglingen einladet. Den Bedürfnissen des Magens und der Kehle sind die Café- und Restaurations-Localitäten in befriedigendster Weise nachzukommen betiissen.

[24]

Puntigamer Bierhalle. „Grösstes Etablissement in Graz", wie der Pächter selbstgefällig sich auszudrücken beliebt, hat in der That geräumige und schöne Localitäten, wie nicht minder einen hübschen schattigen Garten. Es finden da allwöchentlich vielbesuchte Militärconcerte statt.

Schiessstätte. Eigenthum einer Actiengesellschaft, war vor 10 Jahren noch der Sammelpunkt des Bürgerthums, eine Art Casino. Manch’ ungezwungen heiterer Ball, manch' fröhliches Vereinsfest wurde hier abgehalten; gegenwärtig ist sie nur noch der Uebungsplatz einer Gesellschaft Grazer Scheibenschützen.

Schreiner's Bierhalle nächst dem Südbahnhofe, räumlich beschränkter wie die Puntigamer, bietet sie im Uebrigen das Nämliche.

Weltin, Café-Restaurant, ebenfalls dem Südbahnhofe benachbart, das letzte Haus der Annenstrasse, hübsches Local, freundlicher Garten, hält meist Frühconcerte.

Kaltenbrunn, eine freundliche Sommerwirthschaft unweit Mariagrün im Thalgrunde gelegen, wo besonders das junge Volk bei Musik, Tanz und allerlei Spielen sich lustig macht.

Bemerkenswerthe öffentliche und Privatgebäude.

Admonterhof, ein dem Benedictinerstifte Admont gehöriges Gebäude, das trotz seiner Weitläufigkeit fast gänzlich versteckt ist, und dessen einziger Eingang in dem vom Bad- und Admontergässchen gebildeten Winkel liegt. Er soll in der Prälatur und im Refectorium bemerkenswerthe Gemälde bergen. Einheimische wie Fremde rühmen aber vor Allem mit Recht den köstlichen Rebensaft, welcher dort ausgeschänkt wird. Die Admonter sind im Besitze der besten Weingelände Steiermarks.

Attems'sches Palais in der Sackstrasse, ein alterthümliches, aber in einheitlichem Style durchgeführtes grossarti [25]ges Gebäude. Es enthält Sammlungen von Gemälden, Waffen und anderen Kunstgegenständen, meist Prachtstücke. Die Attems sind ein uraltes Geschlecht, vielverdient um Fürst und Volk; seinen Gliedern gilt zum besonderen Ruhm, dass sie wacker mit dem Zeitgeist schreiten.

Auersperg'sches Palais mit schönem Parke, an der Ecke der Elisabethstrasse und der Brandhofgasse. In geschmackvollem, edlem Style gehalten, ist es erst vor wenigen Jahren erstanden. Wem in unserer politisch entwickelten Žeit der Name des Erbauers, des liberalen Herrenhausmitgliedes Grafen Anton Auersperg, nicht bekannt geworden wäre, der hat gewiss von dem Dichter Anastasius Grün gehört. Beide sind zwar eine Person, aber mächtiger dennoch schlägt unser Herz dem Zweiten entgegen.

Bischöfl. Palais auf dem Bischofplatz, geräumiges, wenig ansehnliches Gebäude, das nur durch Einfahrt und Stiegenhaus einigermassen palastartig wird, ist die Residenz der Fürstbischöfe von Seckau. Es enthält auch eine Kapelle, die mit guten Bildern geschmückt ist. Der dazu gehörige Garten ist selbst für einen Küchengarten zu vernachlässigt.

Burg, das mit Nr. 1 bezeichnete Haus in der Hofgasse, ist ein altes, weitläufiges, aus verschiedenen Zeiten stammendes Bauwerk, dient dem Kaiser zum Absteigquartier und dem Statthalter zur Wohnung. Sie war ehedem um vieles grösser, doch musste ein Flügel, der an Stelle des heutigen Theatergartens stand und von dem das jetzt noch stehende Thor als Einfahrt dient, wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Die Hauptfront der Burg ist dem Walle zugekehrt und durch die Baumgruppen des ausgedehnten Burggartens dem Auge entzogen, wobei man indessen nichts verliert, da dem Gebäude jedes architektonische Gepränge fehlt. Der erwähnte Burggarten hat auch einen Eingang vor dem Burgthore neben dem Café Promenade, ist aber dem Publikum für gewöhnlich nicht zugänglich.

Burgthor, wohl noch älter als die Burg selbst, dient in seinem wenig erhabenen Spitzbogen als Stützpunkt für zwei übereinander liegende, von der Burg in die Statthalterei-Abtheilungskanzleien führende Gänge. Für die Stadt selbst ist es ein hervorragendes Verkehrshinderniss. Etwas Beachtenswerthes bietet es in baulicher Hinsicht nicht.

[26]

Deutsch-Ordenshaus, bildet die Ecke der Spor- und Hofgasse, ein alterthümliches Gebäude, zur Zeit die Kanzlei der hiesigen Ordenscommende.

Gemaltes Haus, eine besondere Merkwürdigkeit in der Herrengasse (Nr. 3), zur Zeit Maximilians I. Maximilianshof geheissen; 1742 liess es der damalige Besitzer von dem genialen steierischen Maler Joh. Mayer mit den noch sichtbaren meisterhaften Fresken schmücken. Sie stellen römische Feldherren zu Ross, in den kühnsten und gelungensten Stellungen ihrer musterhaft gezeichneten Pferde, dann Krieger mit Adlern, Trompeter, Waffentrophäen und architektonischen Schmuck aller Art dar.

Generalcommando, Bürgergasse, neben dem Mausoleum. Ueber dem Portal des ansehnlichen Gebäudes befindet sich zwischen den Genien der Religion und der Kunst das steinerne Brustbild des Erbauers, Erzherzog Karl II.

Jakominihaus, auf dem Jakominiplatze, nach seinem Erbauer und Gründer dieses Stadttheiles so genannt, ist ein stattliches, jetzt dem Banquier Greinitz gehöriges Gebäude, in dessen ebenerdigen Räumen sich die k. k. Post befindet.

Landhaus, Herrengasse 16, ein altes, ehrwürdiges Gebäude, das nicht nur durch seine Geschichte, sondern auch durch seine Architektonik hervorragt. Seine altersgrauen Mauern, die unsymmetrische Stellung der beiden Thore, von denen nur eines wirklich ein solches ist, seine über dem Haupteingange zusammengedrängten Rundbogenfenster, der eingedachte, schwerfällige Steinbalkon, der sich über dem Thorbogen vor den Fenstern des zweiten Stockwerkes hinzieht; die offenen schwarzen Fensterhöhlungen des dritten Halbstockes; das kleine mit Windfahnen verzierte Uhrthürmchen am hohen Firste; der düstere Ernst des ganzen Baues erinnern so recht an die aufgeregten Zeiten des 16. und 17. Jahrhunderts. Das Erdgeschoss wurde vor fünf Jahren in Verkaufsgewölbe umgestaltet. Das Innere des Hauses ist auch nicht ohne Sehenswürdigkeiten, wie z. B. die an zwei Seiten des ersten Hofes dreifach übereinander gestellten Reihen von Bogengängen; die eiserne Brunnenlaube, das einzige öffentliche Kunstwerk von Graz aus älterer Zeit. Auch die Stiege, welche zum Rittersaale führt, ist beachtenswerth. Veher dem [27] Thorbogen in den zweiten Hof ist eine marmorne Gedenktafel an Joh. Kepler eingemauert. Andere hier aufbewahrte Raritäten, wie der steirische Herzogshut, der kunstvoll gearbeitete Pocal, genannt Landschadenbund, werden nur Auserwählten gezeigt (Siehe auch Zeughaus). Hier tagt der Landtag und sind die Kanzleien der verschiedenen landschaftl. Aemter.

Luegg, auch Lugeck, bildet die Ecke der Sporgasse und des Hauptplatzes, das einzige Haus in Graz mit sog. Lauben, wie sie in alten deutschen und Schweizer Städten (Bern) so häufig sind. Die Aussenseite des Hauses ist ganz mit Stuccaturarbeit überdeckt, Früchte, Blumenguirlanden u. dgl. darstellend.

Neuthor, inmitten der gleichnamigen Gasse und zwischen dem Joanneum- und Merangarten gelegen, ist das grösste und festeste unter den drei noch bestehenden Thoren. Ueber seinem dumpfen, rauchgeschwärzten Gewölbe erheben sich zwei ansehnliche Stockwerke, die bewohnt sind. Es ist zur Demolirung bestimmt.

Paulusthor am Fusse des Schlossberges, durch das man vom Karmeliterplatz in den Stadtpark gelangt, wäre ohne die überall wahrnehmbare Verwahrlosung das schmuckste unter seinesgleichen. Es dient noch als Stabsstockhaus; auch seine Abtragung steht demnächst bevor.

Palais Meran wurde von dem unvergesslichen Erzherzog Johann 1841 als Wohnsitz erbaut. Es liegt auf einer sanften Anhöhe, von einem hübschen kleinen Parke umgeben, Anfangs der Leonhardgasse.

Palais Sauran in der Sporgasse, ist vornehmlich bemerkenswerth durch den aus einem runden Fensterchen unter dem Dachgesimse herausschauenden, mit Schwert und Schild bewehrten Türken. Als 1532 ein Schwarm von 4000 Muselmännern in Graz eindrang, soll ihr Führer Ibrahim Pascha in diesem Gebäude sein Quartier aufgeschlagen haben, ihm jedoch der Aufenthalt durch eine vom Schlossberge abgefeuerte Kanonenkugel, die ihm den Braten aus der Schüssel warf, verleidet worden sein.

Paradeis, ein mächtiges, jedoch gleich dem ihm benachbarten Admonterhof ziemlich verstecktes Gebäude mit drei Zugängen: von dem Paradeisgässchen, vom Badgässchen [28] und vom Hafnerplatz, das eine wechselvolle Geschichte hat. Im Anfange des 16. Jahrhunderts dem Geschlechte der Eggenberger gehörig, widmeten es diese der Gründung einer evangelischen Schule, „Stift“ genannt, an welcher in der Folge eine Reihe gelehrter Männer, unter Anderen auch der berühmte Johannes Kepler, Tehrten. Der damalige Landesregent Erzherzog Karl II. rief bald hernach die Jesuiten in's Land und gründete mit diesen eine eigene Schule, die Universität, als Gegengewicht. Sein Nachfolger, der glaubensstarke Kaiser Ferdinand II., verfuhr kürzer: er vertrieb die Lehrer, schloss die Schule für alle Zeiten und übergab das Gebäude den Clarisser-Nonnen. Seine Mutter, die HerzoginWittwe, suchte und fand hier ihr Ableben. 1782 wurde das Kloster wieder aufgehoben und das Gebäude an Private verkauft. Heute befindet sich in demselben die k. k. Telegraphen-Direction.

Rathhaus, sowohl seiner Lage als seiner Bauart nach das schönste der öffentlichen Gebäude von Graz. Es ist drei Stockwerke hoch, über deren erstem in der Mitte und zu beiden Seiten mit Wandpfeilern jonischer Ordnung geschmückt, die am Fries mit schönen Arabesken verziert sind. Das dritte Stockwerk ist von einer steinernen Ballustrade gekrönt, deren Mitte eine transparente, Nachtsbeleuchtete Uhr schmückt, über welcher sich als städtisches Wappen das Panterthier (auch Landeswappen) erhebt; daneben stehen die Statuen der Gerechtigkeit und des Gesetzes, an den Endpunkten Gruppen von Genien, die Bestrafung und Begnadigung versinnlichend, eine tüchtige Bildhauerarbeit. Das Rathhaus hat zwei Thore, das Hauptthor an der Fronte auf dem Hauptplatz, das Seitenthor in die Herrengasse. Ueber dem ersteren tritt ein auf acht gepaarten Säulen ruhender grosser Balkon weit vor die Fronte heraus. Es ist Sitz des Bürgermeisters, Stadt- und Gemeinderathes, der städtischen Aemter, der Localpolizei, der städt. Sparkasse; auch die Handelskammer hat darin ihre Kanzleien. An Sehenswürdigkei-' ten enthält das Rathhaus im Innern wenig.

Zellengefängniss Karlau, am südlichsten Endpunkte des V. Bezirkes, dereinst ein stolzes Jagdschloss des Erzherzogs Karl II., verdient desshalb hier Erwähnung, weil es das einzige Gefängniss dieser Art in der Monarchie ist.

[29]

Seine Einrichtung nach den besten Vorbildern wird als eine sehr gelungene bezeichnet.

Schmucke Privatgebäude und Familiensitze weist Graz ausserdem noch eine grosse Anzahl auf in seinen neuen Stadttheilen, in der Elisabethstrasse, Beethovengasse, Lessing-, Mandell-, Rechbauer-, Schiller-, Goethestrasse u. S. W.

Oeffentliche Unterrichtsanstalten.

Ackerbauschule in Grottenhof, am Fusse des Buchkogels, 1 Stunde von Graz, wird vom Lande erhalten und ist zur Heranziehung tüchtiger Landwirthe bestimmt. Sie ist mit allen Werkzeugen und Maschinen, welche der rationeile Betrieb der Landwirthschaft erfordert, ausgestattet. Seit zwei Jahren ist ein hier fabrizirtes Produkt unter dem Namen Romaturkäse im Handel.

Akademie für Handel und Industrie, im eigenen Hause auf dem Neuthorplatze sehr günstig untergebracht, ist 1863 durch die Opferwilligkeit des hiesigen Handelsstandes in's Leben gerufen worden und hat schon nach wenig Jahren, gestützt auf einen tüchtigen Lehrkörper, einen überraschenden Aufschwung gewonnen. Die Anstalt ist reich an Lehrmitteln, darunter ein chemisches Laboratorium und eine mechanische Werkstätte.

Alumnat, siehe Priesterhaus.

Augustineum, Grabenstrasse, eine Erziehungsanstalt für Knaben, welche sich dem geistlichen Stande widmen.

Bürgerschule, im sog. Ferdinandeum in der Färbergasse, besteht erst seit zwei Jahren und beschränkt sich vorläufig auf zwei Classen.

Fechtschule im Gebäude der Bildergalerie (Neugasse) ebenerdig.

Gewerbeschule im Schiessstattgebäude, eben erst in's Leben getreten.

Gymnasium I., Bürgergasse 2, leitet seinen Ursprung auf die im Jahre 1378 an der Leechkirche durch [30] Kaiser Rudolf I. gegründete Schule zurück, geniesst des besten Rufes und zählt trotz der Concurrenz des zweiten Gymnasiums über 500 Schüler. Die Anstalt besitzt eine eigene Bibliothek

Gymnasium II., Griesgasse. Vor wenigen Jahren erst wegen Ueberfüllung des vorigen in's Leben gerufen, erfreut es sich bei seiner ungünstigen Lage nur eines geringen Zuspruches.

Joanneum als technische Hochschule, in der Raubergasse, ein stattliches grosses Gebäude, auf dem Platze eines ehemals den Freiherren von Rauber gehörenden Hofes, woher auch der Name der Gasse. Bereits 1592 hatten es die dem Protestantismus zugethanen Stände erworben, da sich die protestant. Stiftsschule im Paradeis unzureichend erwies, die grosse Zahl lernbegieriger Jünglinge zu fassen, und widmeten es demselben Zwecke. Doch kaum eröffnet, verjagte der eben zur Gewalt gelangte kaiserliche Jesuitenzögling Ferdinand II. Lehrer wie Schüler. 1811 erwarben es die Stände neuerdings zur Aufnahme der von Erzherzog Johann gespendeten Sammlungen und der Unterrichtsanstalt für naturgeschichtliche Fächer und Technologie. 1863 wurde diese Anstalt zur technischen Hochschule erhoben und geniesst dieselbe eines wohlbegründeten Rufes. 25 Professoren und Assistenten wirken an derselben und muss leider in Folge gesteigerter Frequenz ein Theil der Vorträge in anderen entlegenen Localitäten gehalten werden. Die Landschaft hat in Folge dessen einen Neubau beschlossen und die erforderlichen Baugründe (Neuthor und Merangarten) bereits angekauft. Die Anstalt verursacht dem Lande einen Kostenaufwand von über 100.000 fl. jährlich.

Normalhauptschule, ein neues schmuckes Gebäude in der Burggasse, das sich aber leider bald für die Anstalten, die es fassen sollte, zu klein erwies. Es befinden sich darin: eine mehrclassige Knaben- und Mädchenschule, eine Lehrer-, Lehrerinnen- und Kindergärtnerinnen-Bildungsanstalt nebst einem Kindergarten.

Realschule, landschaftl., in der Realschulgasse, eine bewährte Lehranstalt, die sich bei ihrem ausgezeichneten Lehrkörper einer übermässigen Frequenz rühmen kann.

[31]

Realschule, städtische, in der sog. Waisenhauskaserne (Grenadiergasse), erst im October 1872 anlässlich der übergrussen Schülerzahl der vorigen in den zwei unteren Classen eröffnet.

Reitschule, Grazbachgasse 10, Eigenthum der Landschaft und früher von dieser bestallt, ist jetzt an einen Unternehmer verpachtet, der sowohl Reitunterricht ertheilt, als auch Pferde auf beliebige Fristen vermiethet.

Priesterhaus (Alumnat und Convict), Bürgergasse Nr. 2 im Universitätsgebäude, von dem es einen grossen Theil occupirt.

Schwimmschule in der Körösistrasse, oberhalb der ersten Kettenbrücke auf der Murinsel gelegen, gehört dem Militärärar.

Turnschule in einer eigens von der Landschaft erbauten, in der Jahngasse am Fusse des Schlossberges gelegenen prächtigen Turnhalle. Der akademische Turnverein hält seine Uebungen ebenda, der allgemeine Turnverein in der Sackstrasse 10.

Universität (Karl-Franzens-), Bürgergasse 2, schon von Kaiser Rudolf I. gegründet und dem deutschen Orden als Freischule übergeben, kam sie jedoch im Laufe der Zeit völlig herab, so dass Erzherzog Karl II., dem als treuem Sohne der römischen Kirche das Aufblühen der unter'm Schutze der Stände stehenden evangel. Schule begreiflichen Aerger bereitete – die Jesuiten zur Reform der Freischule berief und sie gleichzeitig zur Hochschule machte. Diese besass jedoch bis 1779 nur zwei Facultäten: die katholisch-theologische und die philosophische; nach Aufhebung der Jesuiten kam eine juridische und erst 1862 auch noch die medicinische Facultät hinzu, zu deren Errichtung, resp. Erhaltung die Landschaft sowohl wie die Gemeinde Graz bedeutende Beiträge leisten. Auch der Hochschule gebricht es, da das im Universitätsgebäude untergebrachte Priesterseminar unverhältnissmässigeu Raum in Anspruch nimmt, an den nöthigen Localitäten. Die Regierung lässt desshalb bereits im IV. Bezirk, Harrachgasse, neben dem neuen physiologischen Institute einen Neubau aufführen. Die Sammlungen sind unter den einschlägigen Rubriken aufgeführt.

[32]

Zeichnungsakademie, im Gebäude der Bildergalerie untergebracht, ist auch Landesanstalt. Sie besitzt eine reiche Sammlung mitunter ausgezeichneter Kupferstiche, Radirungen, Lithographien, sowie plastische Darstellungen von Büsten und Statuen. Die Anstalt ist in der Reorganisation begriffen.

Ausser diesen höheren Unterrichtsanstalten unterhält die Gemeinde in jedem ihrer Bezirke eine oder mehrere öffentliche Volksschulen.

Krankenhäuser.

Allgemeines Krankenhaus in der Paulusthurgasse, von Kaiser Josef II. gegründet, gehört jetzt der Landschaft, welche es seitdem, den Bedürfnissen entsprechend, bedeutend vergrösserte, so dass es fast die ganze Paulusthorgasse einnimmt und vom Karmeliterplatz bis zum Paulusthor reicht; die Front sieht gegen den Schlossberg, die Rückseite gegen den eigenen Garten und nach dem Stadtpark. Die Säle sind hell und leidlich luftig. Behandlung wie Verpflegung sind lobenswerth. Erstere wird von Professoren der medicinischen Facultät, welcher die Anstalt als Klinik dient, geleitet; letztere von barmherzigen Schwestern, die nebenan ihr Ordenshaus haben, besorgt. Das anatomischpathologische Institut befindet sich im Hause selbst, das erst in Errichtung begriffene anatomisch - physiologische in dem eigens gebauten villaartigen Hause in der Harrachgasse, neben welches das neue Universitätsgebäude zu stehen kommt. Auf einer Terrasse des Schlossberges, dem Krankenhause gegenüber und zur Anstalt gehörig, befindet sich das Gebär- und Findelhaus, sowie das alte Irrenhaus, welch’ letzteres seit seine unglücklichen Bewohner im Neugebäude auf dem Feldhofe untergebracht sind, als Blatternspital benützt wird.

Barmherzigen-Spital, im IV. Bezirk, Annenstrasse, im Klostergebäude selbst; die Krankenpflege besorgen die Ordensbrüder ausschliesslich, die chirurgischen Ver- [33]richtungen Oberärzte und geprüfte Chirurgen aus dem Orden. Die tägliche Ordination hält ein vom Convent entlohnter CivilArzt. Die Anstalt hat eine eigene Apotheke und ein Reconvalescentenhaus, letzteres in Algersdorf bei Graz.

Elisabethinerinnen - Spital, im V. Bezirk, nimmt nur weibliche Kranke auf, die meist der ärmeren Bevölkerung angehören, und wirkt in dieser Hinsicht höchst wohlthätig.

Kinder-Spital. Villefortgasse, von einem Vereine unter der Schutzfrau Gräfin Anna Meran, Wittwe des unvergesslichen Erzherzogs Johann, in's Leben gerufen und unterhalten, nimmt Kinder der ärmeren Classen in unentgeltliche Pflege und Behandlung, und entwickelt eine höchst erspriessliche Wirksamkeit. – Durch das Entgegenkommen des um das Unterrichtswesen in Oesterreich hochverdienten Ministers Stremayr wird an diesem Spitale eine besondere Klinik errichtet und der Verein so mit staatlicher Unterstützung in die längst ersehnte Lage kommen, ein eigenes Gebäude für die Heilung kranker Kinder aufführen zu können.

Militär-Spital auf dem Karmeliterplatz, im ehemaligen Karmeliterkloster, vermag in seine weiten Räume an 400 Kranke aufzunehmen.

Städtisches Krankenhaus, Armenhausgasse Nr. 22, ein abgesonderter Tract des Armen- und Siechenhauses, ist am zweckmässigsten von allen gelegen und erfreut sich einer besonders günstigen Lüftung. Es ist Eigenthum der Gemeinde, welche die ordinirenden Aerzte ernennt und die ganze Verwaltung besorgt.

Kirchen und Klöster.

Augustinerkirche, angeblich die älteste in Graz, einst St. Paul im Walde geheissen, mitten in der linkseitigen Häuserreihe der Sporgasse gelegen, äusserlich als Kirche nicht erkennbar, ist das Gebäude äusserlich nur durch die Säulentreppen auffällig, und desshalb auch gemeiniglich [34] Stiegenkirche genannt. Ein dabei bestandenes Augustinerkloster ist längst aufgehoben. Zeitweilig hielten die Protestanten dort ihren Gottesdienst; gegenwärtig dient sie dem akademischen Gymnasium (1) zu diesem Zwecke.

Barmherzigen-Kirche, Kloster und Spital, Annenstrasse, auf der Stelle des früheren Richtplatzes 1615 gegründet; zugleich Garnisonskirche. Ein Christus am Kreuze, von einem protestantischen Bildhauer herrührend, der hier Aufnahme fand, wird seiner richtigen Anatomie wegen gerühmt. Im Spitale finden Kranke aller Confessionen Aufnahme und liebevolle Pflege.

Barmh. Schwestern vom heil. Vincenz de Paula, Mariengasse, Filiale in der Paulusthorgasse, besorgt die Krankenpflege im allgem. Krankenhause. Ihre zweithürmige Kirche ist meist geschlossen.

Damenstift, adeliges, Tummelplatz, nach manchen Wandlungen 1784 seiner gegenwärtigen Bestimmung zugeführt, enthält nur wenige Stiftsdamen. Kapelle nicht bemerkenswerth.

Dominikaner-Kirche, auch Pfarrkirche St. Anna im Münzgraben, sammt Kloster, einst den Jesuiten, jetzt den Dominikanern zugehörig, mit Bildern steir. Maler, über deren Werth sich streiten lässt.

Domkirche, auch St. Aegydi, Hofgasse, ohne architektonischen Styl, noch Schmuck. Gerühmt werden die Altarbilder, mehr noch die Reliquienschreine im Seitenschiffe zu beiden Seiten des Chores. Papst Paul V. machte damit dem Erzherzog Ferdinand II. ein Geschenk, welcher sie 1617 hier aufstellen liess; Beachtung verdienen noch die unter einer Wölbung angebrachten Fresken, welche die Drangsale Steiermarks im Jahre 1480 versinnbildlichen. Vor etlichen Jahren wurden sie von einem hiesigen Künstler restaurirt.

Elisabethinerinnen-Kirche und Kloster, Elisabethinergasse, bestimmt zur Aufnahme von weiblichen Kranken bei unentgeldlicher Pflege. Die Kirche schmückt ein schönes Madonnenbild.

Franziskaner-Kirche und Kloster, Franziskanerplatz, ein gleichfalls verunglücktes Denkmal der Baukunst. Zwischen seinen Aussenpfeilern kleben eine Anzahl Verkaufsbuden. Das Kloster, eines der ältesten der Stadt, [35]birgt angeblich die Gebeine der enthaupteten Ritter Baumkircher und Greisenegger.

Graben-Kirche zum heil. Johann, hat ein gutes Altarbild von Jandel, in der Sakristei ein Ecce homo von Pomis und die linksseitige Kapelle einen Christus von Wonsiedler. Das Gebäude nebenan ,war Kapuzinerkloster, 1783 wurde der Orden aufgehoben und nicht wieder eingeführt.

Herz-Jesu-Damen. Weitläufiges Gebäude in der Petersgasse. Die Bewohnerinnen, meist Französinnen, haben sich unter hoher Protection ganz im Stillen hier ansässig gemacht und befassen sich mit der Erziehung von Mädchen ausschliesslich reicher Familien.

Israelitisches Bethaus, im II. Bezirk, Zimmerplatzgasse.

Kalvarien-Kirche, im IV. Bezirke, dem nördlichsten, völlig ländlichen Theile der Stadt, auf einem Thonschieferhügel, genannt Kalvarienberg, nach Muster der Grabkapelle zu Jerusalem erbaut. Von Gemälden ist eine gute Copie nach Van Dyk's Madonna bemerkenswerth. Die breite Stiege zur Kirche hinan soll nur knieend von Stufe zu Stufe zurückgelegt werden.

Karlauer-Kirche zur heil. Dreifaltigkeit. Ein neugebautes, kleines, doch niedliches Gotteshaus. Das beste Bild darin ist eine Grablegung Christi aus der älteren Florentiner Schule.

Karmeliter- und Karmeliterinnen-Kirche und Kloster, beide in der Grabenstrasse, ain Fusse des Rosenberges gelegen; das Nonnenkloster 1836, die Kirche 1828 erbaut. Das Mönchskloster ist noch neueren Datums; die Kirche Maria-Schnee, im Hofe gelegen, enthält nichts von Bedeutung.

Leech-Kirche, alte Kirche der Deutsch-OrdensCommende am Leech, auf einer kleinen Anhöhe, der Sage nach die Stadtpfarrkirche von Ur-Graz. Im 13. Jahrhundert befand sich dabei eine freie Schule, im 16. ein Asylhaus, worauf die noch heute am Hause daneben (Zinzendorfgasse 3) befindliche Tafel hinweist. Angebliche Kenner wollen an der Kirche den alten gothischen Styl „in seiner Reinheit“ entdecken. Bemerkenswerth ist das Sakramentshäuschen und die [36] alten Glasgemälde, sowie unter den Denksteinen jener des steiermärkischen Dichters Johann v. Kalchberg.

St. Leonhard Kirche und Friedhof im II. Bezirk, vom Stadtparke aus gesehen, schliesst sie die Elisabethstrasse ab. Obgleich sehr alt, gehört sie doch zu den besseren kirchlichen Baudenkmalen von Graz.

Mariahilf, Kirche und Kloster der Minoriten, im IV. Bezirke auf dem Mariahilferplatze. In einheitlichem Style erbaut, ist sie sowohl im Aeusseren als Inneren die schmuckste unter den Grazer Kirchen. Das Innere weist reiche Vergoldung und Wand- und Deckengemälde. Das Hochaltarbild und jenes in der Schatzkammer" genannten Kapelle sind von Pomis. Erwähnenswerth ist der im Klosterhofe stehende Kastanienbaum, dessen Aeste den ganzen weiten Hofraum beschatten.

Marien-Kirche, in der Mariengasse, IV. Bezirk, erst 1865 vom Wiener Dombaumeister Schmidt im gothischen Style erbaut, ringt mit der vorigen um die Palme. Ihr Inneres ist reich ornamentirt; sie gehört den Lazaristen.

Mausoleum. Nächst der Domkirche, mit der Front nach der Bürgergasse, zeigt dieses auffallende Gebäude mit seinem minaretartigen Thurme an seiner Vorderseite die Prunksucht und den schlechten Geschmack der Glanzzeit der Jesuiten. Ferdinand II. liess es als letzte Ruhestätte für sich und seine Familie erbauen. Noch vor Vollendung des Gebäudes wurde darin sein kaiserlicher Erbauer, seine beiden Frauen und sein Sohn beigesetzt. Kaiser Leopold I. vollendete dasselbe, der Fürstbischof von Seckau weihte es 1714 als Kirche ein. 1805 wurde die Gräfin v. Artois hier bestattet und von 1859–69 die Leiche Erzherzog Johann's darin aufgestellt bis zur Vollendung der Gruftkapelle auf Schloss Schönach bei Meran in Tirol. Auf dem Giebel der Hauptfaçade steht die Statue der heil. Katharina, zwei Engel ihr zu Seiten halten in hoch erhobener Hand einen Siegerkranz. Das Innere, in der Form eines lat. Kreuzes, ist ganz darnach angethan, eine tiefernste Stimmung im Besucher zu erwecken. Der Fussboden besteht aus schwarzen und weissen Marmortafeln, das Gewölbe ist durch eine Reihe allegorischer Darstellungen geschmückt. Ueber eine Steinstiege gelangt man in den dämmerigen Raum der Gruft, in welcher schwarze [37] Marmortafeln die Stellen bezeichnen, wo die Reste Ferdinand's II., seiner Gemahlinnen und seines Sohnes eingemauert sind. Inmitten der Gruft steht ein marmorner Sarkophag, dessen Deckel die Figuren Erzherzog Karl's II. und seiner Gemahlin zeigt. Eine der Mauernischen enthält hinter einem Eisengitter sieben kupferne Gefässe, welche einst die Herzen der Vorgenannten enthielten, aber längst leer sind. Auch am Aeusseren dieser prunkhaften Todtenhalle richtete der Zahn der Zeit schon bedenkliche Verheerungen an. - Während sämmtliche Kirchen von Graz zu jeder Tageszeit offen stehen, ist das Mausoleum fast ausnahmslos geschlossen ; wegen seiner Besichtigung wende man sich an den Messner der Domkirche.

Protestantische Kirche, auf dem Holzplatze, nur als Bethaus erbaut, wurde der protestantischen Gemeinde in den Fünfziger Jahren die Aufführung eines Thurmes und der Gebrauch der Glocken gestattet. Der gegenwärtige orthodoxe Pfarrer macht der mehr fortschrittlich gesinnten Gemeinde viel zu schaffen.

Stadtpfarre zum heil. Blut, in der Herrengasse, ist alten Ursprunges, was trotz ihres neueren Aufputzes, einer gefälligeren Façade und des schlanken Thurmes vielfach genug wahrnehmbar ist. Der Hochaltar weist in der Himmelfahrt und Krönung Mariä ein Gemälde von wirklichem Kunstwerth aus dem Pinsel Tintoretto's.

Ursuliner-Kirche und Kloster, in der Sackstrasse. Die Kirche zeigt eine keineswegs geschmackvolle Fronte, ist aber im Innern licht und freundlich. Gerühmt wird das Gemälde des zweiten linken Seitenaltars, sowie ein in der dritten Kapelle unter Glas verwahrtes Oelbild. Die Nonnen beschäftigen sich mit Erziehung und Unterrichtung der weiblichen Jugend; in der neuesten Zeit musste ihrer Schule das Oeffentlichkeitsrecht entzogen werden.

Welsche Kirche zum heil. Franz v. Paula, V. Bezirk, Griesplatz, hat ihren Namen daher, weil in früheren Zeiten die Italiener dort ihren Gottesdienst hatten. Sie besitzt einige gute Bildwerke, besonders aus dein Leben ihres Patrones.

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Friedhöfe

St. Leonhard, hinter der gleichnamigen Kirche an der östlichen Grenze der Stadt; für den III. Bezirk. Er ist der kleinste der drei katholischen Friedhöfe; unter seinen Grabmälern ragen besonders hervor das des Feldzeugmeister's Haynau und das der Familie Prokesch.

St. Peter, in der Petersgasse, noch im Weichbilde der Stadt, für den I. und II. Bezirk. Hier finden sich prunkvolle Monumente und Todtengrüfte in grosser Zahl; erwähnt sei nur der bescheidene Denkstein des letzten Sprossen des gefürchteten Hussitenführers Ziška.

Protestanten - Friedhof, angrenzend an den vorigen, der schönste von allen, ein wahrer Todtengarten. Erwähnenswerth die Grabkapelle der Familie Reiningshaus und das Grabmal des Feldzeugmeisters Schönhals.

Steinfeld, an der Westseite der Stadt, für den IV. und V. Bezirk. Die Grabmäler sind hier weniger zahlreich und einfacher, als auf den vorigen; Beachtung verdient ein Kruzifix, dessen Christus eine gute Arbeit des hiesigen Bildhauers Gschiel ist. Dem Steinfelder benachbart ist der

Israelitische Friedhof.

Die Umgebungen von Graz.

Andritz, St. Veit, Ursprung. Für den Fussgänger empfiehlt sich der staubfreie Weg der Mur entlang von der Schwimmschule aus, am Maschinenhaus der Wasserleitung vorüber; zu Wagen benützt man die Grabenstrasse, wo sich dann die Landschaft gewissermassen erst beim Steinbruch entwickelt. Nach einer Stunde Weges stossen wir auf die grosse renommirte Eisengiesserei und Maschinenfabrik Körösi, deren liebenswürdiger Besitzer seinen Besuchern gerne selbst als Führer dient. Links gegen die Mur liegt die Papierfabrik Krantz. Bei der Körösischen Fabrik scheiden sich die Wege: links gelangen wir nach St. Veit, dessen weisses Kirchlein auf dem grünen Rasenhügel wir schon vom Schlossberge aus wahrgenommen haben. Wir verfolgen den Weg nach rechts, der uns den Tempel der Natur – das Andritzthal - erschliesst, das mit Recht als einer der reizendsten Ausflugspunkte von Graz gilt. Dem Bache entlang schreitend, der uns entgegenrauscht, gelangen wir bald zu dessen Ursprung. Krystallhell bricht die Quelle aus einer Felsspalte hervor und sammelt sich in einem Becken, das seinen vielen kaltblütigen Bewohnern – den Forellen – zuliebe ummauert ist. Die Quelle, die beträchtlichste in der Umgebung von Graz, liefert in der Secunde gegen 8 Kubikfuss Wasser mit einer stets gleichbleibenden Temperatur von 8° R. Diese unveränderte Temperatur mag Ursache sein, dass der Boden des Quellenbeckens, wie das Rinnsal des Baches das ganze Jahr hindurch von einer höchst eigenthümlichen üppigen Vegetation überwuchert ist. Von der Quelle führt ein angenehmer Fusspfad zu Huber's Gasthaus, wo man anständige Bewirthung findet. Von Graz bis Ursprung sind 2 schwache Wegstunden.

Verfolgen wir den Weg links von St. Veit, indem wir uns wieder der Mur nähern, so erreichen wir, deren Ufer folgend, auf angenehmem Fusspfade in weniger als einer halben Stunde das Schloss St. Gotthard. An dieses schliesst sich ein hübscher Park mit schattigen Wegen, Lusthäuschen auf gewählten Punkten des bewaldeten Felsengrundes. Der Botaniker wie der Geognost möge nicht versäumen, diese Felspartien zu besuchen; für Letzteren dürfte namentlich ein Gang durch den hinter St. Gotthard befindlichen Tollgraben und nach Schattleiten lohnend sein.

Brünnel, St. Martin, Buchkogel. Von der Stadt bis zur Lazarethlinie, wo wir unter einem Viadukt der Eisenbahn hindurchschreiten, gibt es viel Staub, und wir schlagen desshalb gerne an den Pulverthürmen vorbei einen Feldweg ein. Man kann dabei kaum fehlgehen, wenn man die auf einem vorspringenden Hügel liegende, weithin sichtbare Kirche im Auge behält. Wir kommen zunächst zum Wirthshause und den Teichen, die wir umgehen, und schon nach wenigen Schritten erreichen wir die Grotte und [40]das im tiefen Waldesschatten liegende Brünnlein, umgeben von einem aus Rasenstufen hergestellten Amphitheater; ein Plätzchen, so wohlig, dass wir gerne ein Stündchen hier verträumen. Wir verfolgen nun die Anlagen bis zum Schlosse hinauf, wobei sich uns freilich die Wahrnehmung aufdrängt, dass die Herrschaft - das Stift Admont – die Sorge der Erhaltung so ziemlich dem lieben Herrgott überlassen hat. Das Schloss - ein regelmässiges Viereck mit Thürmchen an den Ecken – ist von alterthümlichem Aussehen. Einige Schritte höher liegt die kleine Kirche mit bemerkenswerthem Schnitzwerk und einem guten Bilde des heil. Martin im Innern. Von hier gelangt man bequem auf den bei 2000 Fuss hohen Buchkogel, von dessen Aussichtshütte man eine entzückende Fernsicht geniesst. Den Schlüssel zu dieser Hütte erhält man in dem am Wege auf die Höhe liegenden Bauernhofe. Bis Brünnl 1, von da auf den Buchkogel wieder eine Stunde.

Eggenberg gehört zu den grössten und schönsten Schlössern Steiermarks; es liegt im Westen von Graz am Fusse des Plawutsch, eine gute Stunde von der Stadt, mit welcher es durch eine hübsche Kastanienallee verbunden ist. Das Geschlecht der Eggenberger, noch um die Mitte des 15. Jahrhunderts einfache Bürger und Handelsleute von Graz, hat sich bis zum Beginne des 18. Jahrhunderts zu den höchsten Aemtern des Reiches und zur Fürstenwürde em porgeschwungen. Das gegenwärtige Schloss rührt aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts; hundert Jahre später erlosch der Stamm der Eggenberger und der Stammsitz ging an den Reichsgrafen von Herberstein über, in dessen Besitz er noch ist. Das imposante Schloss hat mehrere Stockwerke, drei Hofräume und ist von einem tiefen Graben umgeben, in dem sich ein kleiner Wildstand von Rehen und Hirschen aufhält. 1673 feierte in Eggenberg Kaiser Leopold I. seine Vermählung mit Erzherzogin Claudia Felice. Von der Pracht und Herrlichkeit dieses Festes ist Einiges bis auf unsere Zeit erhalten und erregt noch jetzt die Bewunderung. 1817 wohnte hier Exkönig Hieronymus Bonaparte. In der Schlosskapelle befindet sich ein Grabmal aus carrarischem Marmor von Canova. Der ausgedehnte Park hat angenehme Spaziergänge.

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Einöde, Grottenhof, St. Johann u. Paul. Links von Eggenberg, am Fusse des Geisberges bis nach Grottenhof trägt die Gegend den Namen Einöde. Eine lieblichere Einöde wird sich nicht leicht finden. Weinpflanzungen mit Obstbäumen untermischt bis zur Hälfte des Berges hinan, und eine Menge der niedlichsten Landhäuser zeigen, welche Bewandtniss es mit jener Benennung hat. Eine der schönsten Besitzungen dieser Gegend ist der Grottenhof, der gar traulich an den Busen einer Gebirgsnische sich anschmiegt, während seine üppigen Saatfelder in weiten Flächen sich vor ihm ausdehnen. Seit einigen Jahren ist der Grottenhof im Besitze der Landschaft und befindet sich da die Ackerbauschule. Auf der Spitze des Berges, gerade über Grottenhof, schaut ein kleines Kirchlein zwischen den Wipfeln der Bäume hervor: es ist St. Johann und Paul. Man gelangt am bequemsten durch die Einöde auf dem zwischen den Landhäusern in die Höhe führenden Fusspfade dahin. Wegen der schönen Aussicht, die man hier geniesst, ist Johann und Paul häufig besucht. Gleichwie auf den Plawutsch zieht auch hierher den Pflanzenliebhaber eine hübsche Waldflora.

Gösting, die Ruine und das neue Schloss. Wo das enge Murthal sich zur Grazer Ebene erweitert, erhebt sich auf dem rechten Ufer der Mur über den grauen bewaldeten Felsen eines von Westen nach Osten sich erstreckenden Gebirgsarmes die Ruine Gösting. Die Zeit der Entstehung der Burg ist unbekannt. Die Sage von dem Erlöschen des Geschlechtes lebt noch im Munde des Volkes und ist auch dramatisch behandelt. Ein reicher Ritter habe sich um die Hand der Erbin, der schönen Anna von Gösting, beworben, deren Herz aber für einen Anderen schlug. Im Zweikampf, der über den Besitz entscheiden sollte, erlag der Geliebte, Anna stürzte sich in Verzweiflung über den Ausgang von der nahen Felsenspitze in die Tiefe. Beim Anblick des zerschmetterten Leichnam's sank der Vater, vom Schlage gerührt, todt zur Erde. Noch heute heisst jene Felsenspitze der „Jungfernsprung“. Nach wechselndem Besitze kam die Burg an die Grafen Attems, die der grösseren Bequemlichkeit wegen am Fusse des Berges das neue Schloss bauten. Der hübschen Fernsicht wegen wird die Ruine häufig [42] besucht, doch ist bei der grossen Baufälligkeit höchste Vorsicht nöthig. Ein Fahrweg schlängelt sich vom östlichen Fusse des Berges an Weingärten und Bauernhöfen vorüber bis man den Wald betritt, der sich über den Rücken des Berges hinzieht und die ganze nördliche Seite desselben bedeckt. Wenige Schritte von der Burg ragt der Jungfernsprung empor, der nach Norden schroff abstürzt, ein nicht ungefährlicher Fusspfad führt zu seinem äussersten Rande. Hier überblickt man die letzten Krümmungen der Mur und der Strassenzüge in dem engen Felsenthale, begrenzt von dem herrlichen Gebirgspanorama der obersteirischen Alpen. Eine ernste Stille herrscht auf dieser schönen luftigen Höhe, nur von dem Rauschen der nahen Mur unterbrochen. – Das neue Schloss ist im Renaissance-Style erbaut und würde in einer weniger ungünstigen Lage ungleich mehr Effect machen. Ein hübscher Park umgibt dasselbe, an welchen sich die Häuser des Dorfes Gösting reihen. Von hier führt der Weg nach dem vielbesuchten Thal (siehe dasselbe), oder man wendet sich rechts nach der Weinzettelbrücke und St. Gotthard. Im Sommer unternimmt man der Hitze und des Staubes wegen diese Partie im Anschlusse von Thal in der Frühe, oder des Abends in Verbindung mit St. Gotthard.

Liebenau, Dorf, 1 Stunde südlich von Graz, nur im Frühjahre oder Herbst ein angenehmer Spaziergang durch die Neuholdau an der Mur entlang, hat ein schönes Schloss, das gegenwärtig als Kaserne verwendet wird, mit hübschen, aber wenig schattigen Gartenanlagen. Besonders bemerkenswerth ist hier die Musterwirthschaft des Herrn Arnold Plankensteiner, der, ein Volksmann in des Wortes bester Bedeutung, nach Zurücklegung seiner rühmlich vertretenen Vertrauensämter als Reichsrath, Landtagsabgeordneter und Landes-Ausschuss nun ganz der Landwirthschaft lebt. - Eine Brücke hinter dem Schlossgarten verbindet Liebenau mit dem rechten Murufer und führt gerade auf Puntigam, renommirte Brauerei und erste Station der Südbahn.

Mariagrün ist eines jener traulichen Plätzchen, die man so gerne aufsucht, um im Schosse der Natur sich geselligem Vergnügen hinzugeben. Ein kleines Kirchlein, der Muttergottes geweiht, als selbstverständlich ein anständiges Gasthaus mit freundlichem Garten und einige Landhäus [43]chen im schattigen Thalgrunde machen den von den Grazern wie nicht minder auch von Fremden so gerne besuchten Ort aus. Anastasius Grün, Castelli, Saphir haben den lieblichen Ort besungen; ihre Gedichte finden sich auf Marmortafeln an der Wand des Gasthauses. Sowohl über die schönen Fusspfade des Rosenberges wie den Fahrwegen über den Hilmerteich oder durch die Heinrichstrasse nach ist Mariagrün gemächlich in 11%, Stunden erreicht. Je nach dem Hinweg und der Tageszeit richtet man den Heimweg ein. Empfehlenswerth ist die Strecke über den Stoffbauer, den Grat des Berges entlang, beim Kreuzwirth vorbei, wenn thunlich nach Ulrichsbrunn.

Mariatrost liegt ungefähr in derselben Richtung von der Stadt aus wie Mariagrün, im Hintergrunde eines schmalen, aber lieblichen Thales. Die ansehnliche, mit zwei Thürmen geschmückte Kirche, deren Façade nach Westen schaut, gewinnt durch ihre Lage auf einem bewaldeten Felsenhügel nicht wenig an Anmuth und Erhabenheit des Charakters. Eine gute Strasse zieht sich das Thal entlang; doch ist für Spaziergänger der etwas weitere Weg durch den St. Leonharder Wald vorzuziehen.

Oswald St. Offener, lieblicher wird nicht bald ein Ort gelegen sein, wie dieser, und wer sich einmal die Wonne verschaffen will, stundenlang von den Blüthen der Obstbäume beschneit zu werden, der wandle an einem schönen Maitage hinaus in diese paradiesische Gegend. Der Wege führen mehrere dahin: über die Steinberge, über Thal, mit der Südbahn über Gratwein und Rein, oder Judendorf und Plankenwarth. Der letztere Weg empfiehlt sich, weil wir dabei das Schloss Plankenwarth berühren, von dessen Fenstern aus ein Panorama genossen werden kann, das zu den grossartigsten des Landes gehört.

Peter St., Dorf, am Abhange der östl. Hügelkette gelegen, gewährt besonders die alte, wie es scheint ehemals befestigte Kirche einen recht hübschen Punkt, von wo aus man die ganze Ebene und die ferne Alpenkette übersehen kann.

Platte. Von Mariagrün aufwärts beim Stoffbauer vorüber, erreicht man auf sanftansteigendem Wege in einer guten Stunde ohne Anstrengung den Höhenpunkt dieses etwa 2000 Fuss hohen Berges. Im nahegelegenen Bauernhause hole [44]man sich den Schlüssel zur Warte, von welcher aus man eine herrliche Rundsicht geniesst. Nach Süden überblickt man das Grazerfeld mit all seinen Dörfern, Kirchen, Schlössern und die hintereinander laufenden Höhenzüge des Sausal- und Bachergebirges. Gegen Osten dehnt sich ein Hügelmeer aus, in welchem sich deutlich die Gleichenberge und die Riegersburg durch ihre Höhe und Form unterscheiden lassen. Nach Nordost und Nordwest sind die Berge und Schluchten uns hier so nahe gerückt, dass wir uns mitten in das Hochgebirge versetzt glauben. Prächtig nimmt sich hier das tiefer liegende Mariatrost aus.

Plawutsch heisst der im Westen der Stadt zwischen Gösting und Eggenberg steil aufstrebende Gebirgsrücken, den bis zum Gipfel ein dichter Buchenwald bedeckt. Der Botaniker findet eine hübsche Vegetation kalksteter Pflanzen und darunter sogar einige Seltenheiten. Der Berg hat eine Höhe von 2300 Fuss; eine gemauerte Erhöhung, die Fürstenwarte genannt, ermöglicht eine Rundschau, grossartiger als jene von der Platte, weil sie das ganze gewaltige Gebirgspanorama vom Norden, Nordwesten und Westen umfasst. Ein steiler, aber grösstentheils schattiger Fusspfad bringt uns entweder von Eggenberg aus über den Vorderplawutsch oder vom Gasthause zur Flasche“ in einer Stunde unmittelbar auf die Spitze des Berges.

Premstätten, Ober- und Unter-, ein Dorf 2 Stunden von Graz, 2. Station der Köflacher Bahn, mit einem schönen Schlosse der Grafen Saurau. Die Station befindet sich mitten im Walde; nach links gelangt man durch den Schlosspark nach dem Dorfe; rechts führt der Weg durch einen duftigen Nadelwald nach Tobelbad.

Riess, Stifting- und Ragnitzthal. Die Riess, hinter St. Leonhard aufsteigend, bildet einerseits mit dem bewaldeten Leonharder Bergrücken das Stifting-, andererseits mit dem Lustbühel das Ragnitzthal. Beide Thäler, wie die Riess nicht minder, sind vielbesuchte Spaziergänge. Durch den Leonharder Wald erreicht man bei Sonnenbrand ohne Beschwerde Mariatrost.

Rosenberg, Ulrichsbrunn. Die Hügelkette, welche die Stadt im Norden umgibt und einzelne Ausläufer bis in die Strassen niedersenkt, trägt den lieblichen Namen [45] Rosenberg. Der malerische Wechsel von Bergrücken, Gehängen und Schluchten, und die Mannigfaltigkeit in der Vertheilung von Wiesen, Feldern, Obstgärten, Weinpflanzungen machen ihn vor Allem zum angenehmen Sommeraufenthalte wie geschaffen. So schmücken denn auch eine Menge der hübschesten Landhäuser dessen Hänge und Höhen, oder bergen sich in der Verschwiegenheit seiner Thäler. Zahlreiche Fusspfade und auch Fahrwege bieten Gelegenheit, den Rosenberg nach allen Richtungen zu durchstreifen. Die Rosenberggasse führt am Reservoir der Wasserleitung und am Panoramahof vorüber zum Minoritenschlösschen, durch dieses hindurch links nach Mariagrün. Andere Wege sind die Charlottendorfgasse, der Lindweg, Zuserthalgasse, der Grabenhofweg. Prächtige Aussichtspunkte sind beim Panoramahof, bei der Rose, beim Stoffbauer, beim Kreuzwirth, vom Rosenkogel und von seiner grössten Erhebung auf der Westseite: vom Reinerkogel aus. Die Aussicht von hier ist durch den Contrast eigenthümlich, der sich da dem Auge bietet : einerseits die bewegte geräuschvolle Stadt mit ihrem Häusermeere, anderseits die feierliche Stille, die über der bewaldeten Gebirgsgegend herrscht. In neuester Zeit wurde diesem Punkte durch einige Naturfreund eine besondere Pflege zu Theil. - Folgt man dem abwärts verlaufenden Fuspfade, so gelangt man in eine Schlucht, in deren Hintergrund eine von hohen Buchen überschattete Kapelle liegt, es ist Ulrichsbrunn. Neben der Thür des schmucklosen Gotteshauses rieselt eine spärliche Quelle von 8° R. aus einer Röhre. Vor der Kapelle breitet sich eine Rasenterrasse aus, mit Ruhebänkchen eingesäumt. Kein Laut unterbricht die heilige Stille des Ortes, der gefeit ist gegen die zudringlichen Strahlen der Sonne.

Ruckerlberg, im südöstlichen Theile von Graz, ein Concurrent des Rosenberges; wie dieser ist er mit zahlreichen Villen und Wirthshäusern bedeckt, ladet den Städter zu ländlicher Ruhe und zum geräuschvollen Sonntagsvergnügen. Am schnellsten erreicht man ihn von St. Leonhard, gemächlicher und 'angenehmer durch die Schützenhofgasse und von Waltendorf. Wunderlieblich, mit der Fronte gegen die Stadt liegt auf der Höhe des Berges das Gasthaus zur schönen Aussicht. Von hier führt ein bequemer Weg nach [46]dem Lustbühel und dessen die Gegend beherrschenden Schlösschen. Verfolgen wir den Weg dem Gebirgsrücken entlang nach links, so gelangen wir in beiläufig zwei Stunden in's Hönigthal. Den Rückweg nimmt man am angenehmsten durch das Ragnitzthal.

Strassengel, Rein. An Gösting vorüber an der Berglehne, angenehmer dem Murufer entlang, wenn man die Eisenbahn nicht benützen will, gelangt man nach 2 Stunden (von Graz aus) nach der Südbahnstation Judendorf. Von hier aus, wo das Murthal wieder eine ansehnliche Breite gewinnt, erblickt man auf einem vorspringenden mit Nadelholz bestockten Hügel die zierliche Gnidenkirche Strassengel. Ihr Ursprung fällt mit jenem der nahen Abtei Rein zusammen und reicht in die älteste Geschichte des Landes zurück. Die Kirche ist im gothischen Style erbaut und ihr schlanker Thurm, ein Miniaturbild des Wiener Stefansthurmes, hat mit diesem auch den Meister gemein. Eine Ringmauer umgibt die Kirche, über welche hinweg man die reizenden Ansichten des Thales von Gratwein und der umliegenden Gebirge geniesst. - Eine Stunde von Strassengel, in der Richtung nach Nordwest, liegt der freundliche Markt Gratwein, Station der Südbahn, mit einer Papierfabrik; diesem gegenüber jenseits der Mur St. Stefan. Beiläufig eine Stunde von Gratwein, im Hintergrunde eines überaus freundlichen Kesselthales befindet sich die ihrer Grösse wie ihrem Alter nach gleich ausgezeichnete Cisterzienser-Abtei Rein, ihrer Lage nach so ganz geeignet, für fromme Selbstbetrachtung. Neben dem Stifte liegt das dazu gehörige geräumige Wirthshaus sammt Gastgarten, welches nicht selten Sommerfrischlinge aus Graz beherbergt. Die prächtige Natur und die köstlichen Vorräthe des Stiftskellers entschädigen reichlich für den zeitweiligen Verzicht auf die gesellschaftlichen Genüsse. Die Abtei selbst besteht aus einem sehr umfangreichen Gebäude mit fünf Höfen und weist, trotz seinen in längeren Zwischenräumen entstandenen Zubauten, eine ziemlich einheitliche Construction. Im neuesten und schönsten Theile, der nördlichen und östlichen Fronte des ersten Hofes, befinden sich die Prälatur, die Refectorien, die Gast- und Conversationszimmer und die Räume für die Naturaliensammlung. Das Archiv ist reich an Urkunden. Im Kreuzgange [47] befinden sich die Porträts von 45 verstorbenen Aebten. Besondere Beachtung verdient die grosse prächtige Stiftskirche. Beim Hochaltar gelangt man in eine kleine Kapelle, welche die Gebeine mehrerer steirischer Herzoge enthält. Von Rein aus kann in zwei Stunden der Pleschkogel (3336 Fuss) erreicht werden. Die Besteigung ist leicht, die Aussicht lohnend; der Rückweg nach Graz kann auch über St. Oswald oder Stiboll genommen werden.

Strassgang, St. Florian. Wir nehmen den gleichen Weg wie nach dem Brünnel, richten uns aber etwas südlicher und gelangen am neuen Irrenhause auf dem Feldhofe vorüber binnen 5/2 Stunden nach dem alten Strassgang. Es ist ein uralter Ort, besonders interessant durch seine vielen inschriftlichen und plastischen Römerdenkmale, welche, wie auch der Name „Stratta publica“, auf römische Ansiedlungen an diesem Orte hinweisen. Gleich an der Südseite der Kirche findet sich ein solcher Römerstein. - An der Kirche vorüber führt ein ziemlich steiler Weg zur Filialkirche auf dem Florianiberge, wo alljährlich in den ersten Tagen des Mai das Patronatsfest gefeiert wird, das bei gutem Wetter eine nach Tausenden zählende Menschenmenge versammelt und zum förmlichen Volksfeste wird. Strassgang ist die 1. Station der Graz-Köflacher Bahn.

Thal (die Ruine und das neue Schloss). Schon auf halber Bergeshöhe nach der Ruine Gösting schaut in nicht gar grosser Entfernung, südlich, aus dunklem Waldesgrün das verfallene Gemäuer der ehemaligen Thalburg hervor. Vom Dorfe Gösting aus schlängelt sich der Weg durch eine enge Bergschlucht wohl eine Stunde lang einem murmelnden Bächlein entlang. Anfangs noch durch einige Bauernhütten belebt, wird die Landschaft immer einsamer, je näher wir der Ruine kommen. Von der Burg sind nur mehr der zerbröckelnde Thurm und einige Mauernreste sichtbar, von üppigem Gehölze überwuchert. Unfern der Ruine sind einige Häuser, das Gasthaus zum Kirchenmichel und die Kirche zum heil. Jakob; westwärts in der Thalweitung erhebt sich das neue Schloss, Eigenthum des Barons Walterskirchen. Ein Fussweg führt über den Gaisberg und Baierdorf nach Graz zurück.

Ulrichsbrunn, s. Rosenberg.

St. Veit, s. Andritz

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