Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich

[33]

Grätz.

Ich wählte, von dieser fünfstündigen Fahrt mich zu restaurieren, den angerühmten wilden Mann in der Schmidtgasse. Wenn ein Gasthaus einer Provinzial- stadt den meisten in der Residenz als Muster belobt zu werden verdient, so ists der wilde Mann zu Grätz. Lange Jahre glänzt dem braven Gastgeber und Haus- besitzer dieses Lob, und es wird fortwähren, so lange diese Reinlichkeit, wohlzugerichtete Speisen, unver- fälschte Getränke, muntere Bedienung und herrliche Tischgesellschaft, Magen und Gemüth des Gastes würzen; für welche auserwählte Erquickung noch über- dieß eine billige Zeche abverlangt wird.

Grätz zu beschreiben wäre von mir Uebermuth, da ich in sechs Tagen gewiß nicht dasjenige auffassen, noch weniger aber überbiethen kann, was vor mir würdige Schilderer durch mehrjährigen Aufenthalt da-hier entdeckt und dargestellt haben. Nur was sich seit jenen wohlverfaßten Beschreibungen in einem Zeit- raume von sechzehn Jahren wesentlich hier verändert, erlaube man mir anzuführen.

[34]

Grätz ist ebenfalls eine von den Damen die sich im Alter zu schmücken anfangen, um noch neue An- bether zuzulocken. Ich beginne vom Fusse, weil das Pflaster eine Hauptbeziehung auf den gehenden Beob- achter hat, der seine Beine auch noch für andere Ex- kursionen ganz behalten will. Dieses ist nun nach Ver- sicherung der Einwohner gegen frühere Jahre merklich verbessert; und zum Theile zeigen auch die am Haupt- und Jakomini-Platze, so wie in der Herrn-, Rau-ber- und einigen anderen Gässen angebrachten Trot-toire vor den Häusern, die Möglichkeit, wenn auch nicht guten Willen der übrigen Hauseigenthümer, ge-eignete Steine herbeizuschaffen. Man gewinnt bei die- ser weisen Nachlässigkeit den Vortheil, daß man von seiner Wohnung weg die Stadt in allen Gäßchen durchschreitend, sich ebenso ermüdet auf den Stuhl hinwirft, als nach einer Wanderung vom entlegenen Scheckel *); wo Sturm und Regen den Pilger leicht überfallen und seiner Gesundheit schaden können; was für herrlicher Vortheil! – Will man aber durchaus (besonders bei Regenwetter) ohne sich die Füsse aus- zutreten Besuche machen, oder in Geschäften herum- gelangen: so sind zur Bequemlichkeit des Publikums wohlbespannte Fiakreswägen bereit, dem Befehle zu willfahren. Es sind deren 20, und wenn die Wege nicht so schlecht wären, so könnten sich (nach der Fuß- kraft der Grätzer zu urtheilen) bei 38,000 Einwoh-nern kaum diese erhalten.

*(Berg, 4800 Fuß über der Meeresfläche erhaben, wird von Grätzern häufig der schönen Aussicht wegen bestiegen.) [35]

Nun zum Körper: Die Stadt mit ihren schönen Kirchen, Rath- und ehrwürdigen Landhause, Burg, herrschaftlichen Palais, Säulen auf den Plätzen u. ist noch, einige moderne Ziegeldächer ausgenommen, genau wie sie Dr. Sartori treffend beschrieb; nur Taliens Tempel (in der Hofgasse) hat sich verschö-nert dem vertilgenden Brande entwunden, er prangt im angenehmen Style, das Herz durch die Form schon einladend. Der Raum zur Zu- und Abfahrt ist ziemlich geengt, doch ist zu wünschen, daß er nie breit genug scheinen möge. Gegenwärtig war das Dach noch nicht vollendet; Seine Majestät beehrten aber dennoch den Musentempel mit höchst Dero Be-sichtigung.

Ein höherer, ja unvergeßlicher Genuß, wird jedoch jedem gebildeten Reisenden die Prüfung und Durchwanderung des weit berühmten Johanneums seyn; welches Sonntags von 12 bis 3 Uhr für Jeder-mann, in Wochentagen aber Naturkundigen auf An-suchen geöffnet wird. Groß ist die Erwartung, grös-ser wird sie bey Besichtigung des prächtigen, alle hei- mischen Merkwürdigkeiten einschliessenden Palastes, (in der Raubergasse) doch übertroffen wird sie beim Ein- tritt. Ich fühlte an meinem Pulse das zehnfache Ent-zücken, welches einen Kenner beim Durchwandern die-ser Heiligthümer ergreifen und fesseln muß, maß diese Wonne mit jener der Stifter – und meine Feder ver-stummt! Jedes Kunst- und Naturprodukt, jedes aufbewahrte Kleinod, sind eben so viele Trophäen zur Verewigung der Stände, und ihres würdigen Ober-hauptes Erzherzogs Johann. Tage, Wochen, ja Monate könnte man verweilen, und Bruchstücke würde [36] man nur vom Unermeßlichen bewundert haben. Mein zagender Fuß stritt mit dem hundertfach gefesselten Auge; vielfach wollte sich der Blick verschärfen, um Neues zu sehen, und doch nimmer das Gesehene ver-lassen.

Vier Zimmer sind für das Thierreich; als: Fische, Vögel, vierfüssige Thiere und Insekten bestimmt; dann andere vier Zimmer, worin die seltsamsten Mineralien, Versteinerungen, Kristallisationen, dann alle Holzgat- tungen in Bücherform, woran die Rinde den Ueber- zug, das gehobelte Holz die Schatulle, und die Blätter, Blüthe, Samen und Wurzeltheile das Ein- geweide ausmachen, aufbewahret werden. Das Her- barium, welches sämmtlichen kostbaren Schätzen wür- dig sich anreiht, läßt nichts zu wünschen übrig. Alle diese Naturerzeugnisse und eine ungeheuere Menge von aus Wachs kunstreich nachgemachten Obstgattungen jeder Art, sind innländischen Ursprungs. Das neunte Zimmer endlich oder vielmehr der Saal, enthält physi- kalische Instrumente und Apparate, nebst verschiede- nen Modellen von Maschinen, u. d. gl.

Ich durchschritt zaudernd die herrlichen Gemächer, als ginge ich zum gezwungenen Grabe, und kam doch zu neuen und bezaubernden Schönheiten! Die Eisen- blüthe, deren groteskeste Gebilde ich bewunderte, ver- drängte der Anblick eines prächtigen Königsadlers, diesen ein sonderbarer Bergkristall aus dem Palten- thale, jenen ein ungeheuerer Bär u. s. w. man sieht umher, wohl überzeugt, zuviel für den Augenblick, zu wenig für die Zukunft gesehen zu haben; doch wird sich der Zoologe schwerlich eines lauten Ausrufs des [37] Erstaunens entziehen können. Das Antiken- und Münzkabinet verdient nicht minder die Aufmerksam- keit des Besuchers, wenn er auch jenes zu Wien schon gesehen hätte. Der Garten, welcher in botanischer Hin- sicht erst im Aufkeimen ist, läßt viel erwarten; die Bildergalerie aber, welche sich in der Neugasse befin-det, wird gewiß Niemand unbefriediget verlassen. Neben den Johanneum wird gegenwärtig ein neues großes Gebäude für die schöne Bibliothek ein- gerichtet.

Jeder wißbegierige Reisende wird sich überdieß durch die Gefälligkeit, Unterweisung, Humanität und tiefgewurzelte Kenntniß der dortigen Herrn Custoden auf das Angenehmste überrascht finden. – Wohl dem Schiffe, das mit solchen Leitern und Rudern ausgerü- stet ist! was mangelt ihm noch, das Ziel zu erreichen? und es hat solches errungen, und zwar eher, als sel- bes erreicht zu seyn schien! – Doch wohin treibt mich meine Phantasie? ich will eine Reise, und keine psychologische Abhandlung entwerfen.

Das Haupt von Grätz, ich meine den Schloß-berg, hat durch die bitteren Wunden des Jahres 1809 sein früheres Antlitz ganz verloren; doch gewinnt die Stadt durch dessen gemilderte Miene an Freundlich- keit ungemein.

Wenn ich auch annehme, daß es jammerschade ist, den Zeugen der Tapferkeit und Vaterlandsliebe treuer Unterthanen von übermüthigen Feinden rach- lustig zerstören zu lassen; so wird mir doch Jeder bei- stimmen: daß es gewiß zur Seelenerheiterung dient, statt denen mit Unglücksmenschen, welche Erziehung [38] und Schicksal zu Verbrechen geleitet, angefüllten Ba-stionen, nunmehr zierliche Gärten zu sehen, auf de-ren Höhe Grätz ihr Gutes und Angenehmes dem Be-sucher so gerne enthüllt. Kein Stöhnen und Ketten-gerassel der Arrestanten *), bannet den sanfteren Men-schen, Musik und muntere Ansprache bei erquickendem Getränke ladet auf der Höhe zum Frohsinn. Statt Palisaden reihen sich Obstbäume, statt Bajonetten- Blumenkohl. Schattige Rebengewölbe laden zur Kühle, wo einstens Batterien erhitzten. Kanonen sind zwar noch vorhanden, von der Bürgermiliz bewacht, zu besonderen Feierlichkeiten oder Anzeige eines Feueraus- bruchs in der Umgebung bestimmt; aber keine Kugeln drohen über der friedliebenden Stadt, außer welche geübte Spieler mit kräftiger Faust dem Kegelbahn- Ziele hinsenden. Die Festung der Grätzer ist also da- hin, aber die Einwohner haben sich jeder einzeln im Herzen eine Schanze erbaut, die kein Feind der Welt su besiegen vermag. Der runde Glockenthurm, dessen Verschonung die Bürgerschaft denen Franzosen abkau-fen mußte, und nun wie der Wiener Stephanshurm zur Feuerwache bestimmt ist, nebst einer geräumigen Zisterne, dem Häuschen für den Schanzwachmeister, und dem tiefer unten befindlichen viereckigen Uhrthurme, sind die einzigen Mauerwerke auf der breiten Berghöhe.

Gerne verweilt der Fuß, um den Auge seinen schö- nen Tribut hier zu gönnen: Ringsherum an den Schloßberg Stadt und Vorstädte in holder Eintracht *(Zucht- und Strafhaus befindet sich gegenwärtig in der Karlau, südlich Grätz.) [39] gedrängt;das frischgrüne Glacis durch gesunde Ka- stanienalleen in kleinere Felder zierlich getheilt, und westlich die dunkel hinströmende Mur, sind die Punkte, auf denen der Blick, von den bunten Ziegeldächern er-müdet, angenehm ausruht. Diesen nahen in paradie-sischer Runde gutmüthige Dörfchen, bewinzerte Hü-gel und Meiereien mit Küchen und Obstgärten, dann schwere Kornfelder auf gedehnter Fläche bis zum Schloß Wildon im lachenden Süden, um ihren Reichthum der älter geborenen Freundin anzubiethen. Ueber alle diese Braven spricht die erhabene Wall-fahrtskirche Maria Trost den Segen aus freund-lichem Osten. Diesen zu sichern, Kraft und Würde zu verkünden, steht östlicher die kampflustige Heldin, Veste Riegersburg *). Vom Fuß bis zum hohen Scheitel wohl gepanzert, trägt sie die Waffen aus ent- wichenen Jahrhunderten, um noch die Feinde der Nach- welt zu erschüttern! – Weiterhin drängen sich ber- gige Wälder zusamm, frisch und mächtig, unwillkom-menen Besuchern die Wege zu hemmen. Alles in der Ferne schon zu erspähen, erhebt nördlich sein Haupt zur Sonne der hochgeachtete Scheckel. Die Ruine Gösting hingegen, da Kraft und Jugend entschwand. *(Eine der festesten Bergschlösser des Alterthums und ge- wesene Schutzfestung gegen Ungarn, zwischen Feldbach und Fürstenfeld befindlich; wurde durch Katharina Gal-ler Wittwe, geborne Wechsler und Freifrau zu Rie- gersburg 1597 im Baue angefangen, und in sechzehn Jahren vollendet. Sieben Thore, deren jedes einzelne eine Festung vorstellt, machte dieses Schloß in damali-gen Zeiten unüberwindlich – Milde denken die Frauen, doch in männlicher Entschlossenheit gebähren die Riesen!) [40] will nun nimmer um irdische Reize sich kümmern; wild über den Undank der Menschen, welche die alte Gränzhütherin nicht mehr benöthigen und zu vergessen scheinen, erhebt sie die Reste ihres zerstümmelten Kör-pers bleich aus waldigem Dunkel auf felsiger Spitze im Westen.

Ich bin zu schwach, die Eindrücke alle zu entwer-fen, welche auf dieser unbedeutenden Höhe so hochbe-geisternd sich entwickeln, und überlasse es jedem Ge- fühlvollen, sich selbst eine Zaubergruppe davon auszu-schmücken. - Nur dem Kapuzinerberge bei Salzburg der noch einen besonderen Vortheil besizt, muß ich den Vorzug über diesen, und den ersten Platz unter Oesterreichs preiswürdigsten Hügeln einräumen; doch davon später.

Besonders erfreute mich zu Grätz der in Haupt-städten jetzt beinahe ganz vernachlässigte Unterschied der Trachten; wovon aber auch hier die Phrynen, welche auf das Allgemeine ohnedieß keinen Bezug ha- ben, auszunehmen sind. Bescheiden hüllt sich das Bürgermädchen in die lieblich sie formende einfache Korsette, weißen Rock mit schwarz seidenem Vortuche, und eine sammtene Kappe oder gothische Haube deckt das geflochtene üppig sich hervordrängende Haar, ohne bei dieser einfachen Kleidung dem Anspruche auf den Rang einer Grazie gleich denen schimmernden Damen zu entsagen. Lieblich schweben sie daher die munteren frischwangigen blonden oder brünneten Mädchen, ohne von einer Städterin eine andere Spur, als die ihrer Bildung zu zeigen. Die Männer sind bei all ihrer Knochenstärke artig im Benehmen; bescheiden, Neuig- [41] keiten zu erfahren, quälen sie Niemanden mit Fragen zu Tode, sondern überlassen es der Fremden Will- kühr, zu sprechen, und dagegen – zu erfahren. Die feine und gebildete Welt mag sich wohl überall ziem- lich gleich bleiben, nur fand ich hier weniger lächer- liche Modesucht, und einen seltsamen Wunsch sich lästigen Höflichkeiten zu entziehen. Ein Beweis von letzteren mag der Befehl seyn, welchen eine Tafel auf der ständischen Allee (Glacis nächst dem eisernen Thore, von dem nun die Werke abgetragen und der Stadtgraben zugeschüttet wird, enthält, alles Hut- abnehmen daselbst zu unterlassen.

Ein anderer Prome-nadeort ist der Merscheingarten, ein flacher Platz mit großen Lindenalleen durchflochten, der mir jedoch keinen Beifall abgewinnen konnte. Besser gefiel mir der Rosenhain, dessen zunehmendes Alter ihn nun schö- ner kleidet, als da er zwanzig Jahre jünger gewesen, wo er von Reisebeschreibern sehr getadelt wurde.

Ungemein angenehm, besonders für Fremde, ist ein Spaziergang auf der gedeckten Murbrücke *), welche auf drei hölzernen und einem steinernen Pfeiler (Joche) ruht. Bei Tage, und Abends mit guter Beleuchtung, passieren hier immer Menschen; viele kaufen etwas von den in eng angereihten Hüttchen hier feilgebothe- nen Waaren, andere gehen in Geschäften nach Stadt *(Leider ist jene durch die im Frühjahre 1827 stattgehabte furchtbare Wasserfluth sammt den aus festen Quadern sie stützenden Ufersaume abgerissen, und nur einstweilen durch eine schlichte Nothbrücke ersetzt worden. Noch ist unge- - wiß, ob und was für eine andere Brücke für die Zukunft das Lob der vorigen erringen wird.) [42] oder Vorstadt. Ich glaube, man könnte hier in einem Tage die Hälfte aller Einwohner von Grätz ersehen, was besonders bei regnerischem Wetter, wo der Fremde bloß auf Kaffeh - oder Wirthshäuser gebunden wäre, nicht unwillkommen ist. Mitten auf der Brücke sind zwei Altanen zum Ueberblick der reissenden Mur, an deren Ufern sich die thätigen Hände der Gärber, Fär-ber und Schiffsleute, welche ein- und auspacken, recht lebhaft darstellen.

Weiter unten befindet sich die unge- deckte oder sogenannte Neuebrücke, welche die Jako- mini-Vorstadt mit dem Gries verbindet. Die Mur-vorstadt ist zwar die belebteste, aber gewiß nicht die solideste.

Nun wandere ich zum Kalvarienberg, westlich von Grätz auf einem pyramidenförmig isolierten Fels knapp an der Mur befindlich. Der Weg sowohl als der 125 Fuß hohe Berg sind herrlich, und geschaffen, das Ge-müth des Wanderers zu sanften Gesinnungen zu stimmen.

Einstens soll dieser Fels einen Wartthurm getra-gen haben, 1606 aber errichtete Bernhard Wal-ter, Oberststallmeister des Erzherzogs Maximi-Ilian Ernest, zuerst ein Kreuz darauf; 1764 warf es der Blitz herab; darauf bekam das wieder-errichtete, gegenwärtiges Cronographicum: FVLMEN DEIE CIT CONGREGATIO REPARAVIT. Sonntags den 21. August war Feuerwerk im Pum-perwaldel, (Prater, der aber mit jenem zu Wien gar keine Aehnlichkeit hat, außer daß einige Bierschenken [43] und Kegelbahnen vorhanden sind); ich besah es, konnte mich aber nicht wie Tags vorher im Grätzer-Aushülfs-theater (in der landständischen Reitschule) der aufge-opferten Zeit erfreuen.

Die Tage flohen wie herrliche Stunden; Freunde und Gefilde täuschten mich herzlich; deren Wonne- gaben verkostend hätte ich bald jeder ferneren Reise entsagt: hätte nicht ein Blick auf die mitgenommene topographische Karte meinen schlummernden Willen erweckt, und schnell mich zur Abreise gerüstet. Ein herrlicher Morgen vergoldete mir die Hoffnung einer lieblichen Wanderung; Grätz schlummerte noch, schlum- merte wie das edle unschuldige Mädchen – schmuck- los in höchster Pracht, ohne Arglist von Feinden zu besorgen. Ausgebreitet lag es harmonisch auf herrli- cher Flur, von den spähenden Thürmen und grünen- den Bergen begrüßt; kein neidischer Nebel entzog et- was der reizenden Gestalt, noch suchte schwelgerischer Rauch zu verbergen, was es so liebenswürdig macht. Gesunde Luft spielte fanft mit den Blättern der Bäu- me, als wären sie Locken der Schönen, damit dieser anmuthige Wirbeltanz höheren Schmuck noch verleihe, Die immer wachsame Mur durchlief die Stadt mit zunehmender Schnelligkeit, als wollte sie Versäumtes ereilen, oder den Weg verkürzen. Geschäftige Schwal-ben umzogen sie neugierig, um eigene Schönheit im wässrigen Morgenspiegel zu schauen; erfreut ob schmei-chelnder Empfindung, zollten sie singend dem Schö-pfer freudigen Dank. Es war ein Bild zum Entzü- cken, welches nur die Erinnerung von wahrer Selig-keit trennte; daß nicht alles Beglückende ewig dauere, [44] und nur öfter so ein ähnlicher Augenblick mondenlange Schwermuth versüße, um bald wieder neues Miß- geschick erträglich zu machen. »Lebe wohl, geliebte Freistadt des Vergnügens und der Anmuth! lebe wohl, du neueres Eden! lebet wohl, ihr selbes bewohnen- den Seelen!« sprach ich innigst gerührt den stummen verlasenen Städtchen, und zwang den unwilli- gen Fuß, Gösting's Höh zu erreichen;