Gräz und seine Umgebungen, historisch-topographisch-statistisch dargestellt.

[84]

Beschreibung der Stadt.

G., enthält nach der neuesten Zählung 2638 Häu-ser; wovon 420 zur inneren Stadt, die übrigen aber zu vier großen Vorstädten gehören. Stadt und Vorstädte sind in 15 Viertel eingetheilt, denen eben so viele Viertelmeister, aus den angesehensten und bravsten Bürgern gewählet, vorstehen. Die innere Stadt ist von den Vorstädten theils durch die Mur, theils durch den Schloßberg, größtentheils aber durch die alten Festungswerke abgeschieden. Zwischen der Stadt und den Vorstädten breitet sich das Glacis, ein schöner Wiesengrund mit Alleen besetzt, auf der nördlichen, östlichen und südlichen Seite aus, dagegen auf der westlichen Seite die Stadt von der Murvorstadt nur durch den Fluß getrennet ist. Alle Gebäude, au-ßer den Kirchen, sind nummeriert und die Namen aller Gassen und Plätze sind, seit 1784, an den Ecken mit großen Buchstaben angeschrieben. Die Häuser in der Stadt und viele in den Vorstädten sind dauerhaft und fest, die neueren in gutem Geschmacke gebaut; sie ha-ben meistens zwei bis vier Stockwerke, steinerne Trep-pen, und in der Stadt durchaus Ziegel-, einige glasir-te Ziegel-Dächer. Auch in den Vorstädten darf, ver-mög allerhöchsten Verordnungen, kein neues Dach mit Holz oder Stroh gedeckt werden, wodurch die Feuers-gefahr sich immer mehr vermindert.

Das Pflaster ist noch immer ein Gegenstand allge-meiner Klage, obwohl, auf Vorsorge der hohen Landes-[85] stelle, mittelst Legung großer Steinplatten neben den Häusern (Trottoirs) schon einigermaßen Abhülfe gelei-stet worden ist. Eben so quälen den Fußgeher noch die Dachtraufen, die aber hoffentlich auch bald ganz ver-schwinden werden.

Der beste Standpunkt, in das Innere aller Gassen und Häuser, gleichsam in das Herz von Gräz zu se-hen, ist der Schloßberg; und da vorzüglich der Urthurm.

Nach dieser allgemeinen Andeutung wollen wir nun die ganze Stadt in ihren einzelnen Theilen beschauen, und zwar zuerst die innere Stadt und dann ihre Vorstädte.

A. Innere Stadt.

Eintheilung, Thore, öffentliche Plätze und Gassen, Kirchen, Klöster, Kapellen und andere Gebäu-de, Brunnen und Gärten.

In Osten, Süden und Westen umlagert die innere Stadt den Schloßberg mit einer Anzahl von 420 Häusern. Sie ist rings mit Mauern und Schanzen umgeben, die zuerst von Kaiser Friedrich III. 1493, dann unter Ferdinand I. von 1548 – 1562, endlich von Carl II. 1574, von Ferdinand II. 1625, und zuletzt noch 1675 nach den Grundsätzen der neueren Befestigungskunst gebauet, aber von Kaiser Joseph II. zum Eingehen bestimmt worden sind.

Die Stadt wird in drei Haupttheile oder soge-nannte Viertel eingetheilt. Das erste, das Burg-Viertel, umschließt die Nummern 1 – 141 ; Vier-telmeister ist Herr Juwelier Joseph Kern, wohnhaft in der >Bürgergasse Nro. 26. – Das zweite, das Landhaus-Viertel, zählt die Nnr. 141 – 289; Viertel-meister ist Herr Buchhändler Andreas Kienreich, am Hauptplatz Nro. 208. Zu dem dritten, dem Johan-neums-Viertel, gehören die Nrn. 289 – 420; Viertelmeister ist Herr Johann Strubel, in der Neu-thorgasse Nro. 387.

Im Ganzen bestehen noch 6 Thore: das Murthor, Neuthor, Eisenthor, Burgthor, Paulusthor und Sackthor.

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Das Murthor führt von der Murgasse über die gedeckte Brücke in die Murvorstadt. . . Es besteht aus zwei Thürmen, die einst bloß mit einer hohen Mauer verbunden waren, wovon man noch die Schießscharten in den Gewölben rechts ersehen kann. Der äußere Thurm soll noch ein Ueberrest der alten Stadtmauer seyn und (nach Mayer) die Jahreszahl 1065 tragen. Derselbe hatte sonst nach Außen eine große Aufziehbrücke, wodurch er mit der Murbrücke in Ver-bindung gesetzet wurde.

Dieses Thor ist besonders merkwürdig durch die zwischen den beiden Bögen erfolgte Hinrichtung des steyermärkischen Ritters Andreas Baumkircher. - Andreas Baumkircher, geboren in der Obersteyer-mark, wo noch der ihm eigen gewesene Baumkirchen-hof mit der Andreas- Capelle bei Weißkirchen im Ju-denburger-Kreise zu finden ist, war einer der größten Helden des steyermärkischen Mittelalters. Man nennt ihn gewöhnlich den steiermärkischent Horatius. Cocles, wegen seiner Vertheidigung des Ungarthores in der Neustadt am 29. August 1452, wodurch er Kaiser Frie-drich einen so wesentlichen Dienst gethan, daß er die Erlaubniß erhielt, sein Wapen mit der deutschen Kai-serkrone zu schmücken, und zum Obergespann des Preß-burger Komitats ernannt wurde. Später wurde er k. Feldobrist, erhielt die Herrschaft Schlaning im Eisen-burger Komitate, und endlich den Titel eines Freiherrn von Schlaning. So hatte Baumkircher durch Helden-thaten und Staatskunst sich nach und nach zu bedeuten-dem Ansehen und Würde empor geschwungen, nun aber nahte die Zeit seines Falles.

Er hatte dem Kaiser in früherer Zeit, mit Hülfe seiner Freunde, sehr bedeutende Summen Geldes vor-gestreckt. Er hoffte jetzt Bezahlung, jedoch vergebens. Da entwarf er endlich im Jahre 1469 mit seinem Schwiegersohne Johann von Stubenberg und seinen Freunden Christoph und Andrä Närringer, Ulrich Pös-nizer, Lorenz Haußner und dem alten Greifenegger den Plan, Kaiser Friedrich mit bewaffneter Hand zur [87]Rückzahlung zu zwingen. Er siegte zuerst am 19. Juli bei Fürstenfeld über die Kaiserlichen, eroberte dann im folgenden Jahre Leibnitz, und kam mit seinem Haufen nahe an Gräz. Nun ließ man sich mit ihm in Unter-handlungen ein, und der Kaiser verzieh sogar, in ei-ner Urkunde, ihm und seinen Verbündeten, und nahm sie zu Gnaden auf. Allein sehr bald begann der Kampf aufs neue. Weil es aber Baumkircher doch darum zu thun war, sich mit dem Kaiser zu versöhnen, suchte er sicheres Geleit nach, um sich zur Verantwortung in Gräz zu stellen. Es wurde ihm der 23. April 1471 bestimmt, an welchem Tage er auch in Gräz in der Burg erschien. Unter Streit und Gastgelage aber kam der Abend heran, ohne daß noch etwas entschieden ge-wesen wäre. Böses ahndend eilten endlich Baumkircher und Greisenegger in den Hof herab, und, weil sie hier ihre Knappen und Pferde nicht mehr fanden, zu Fuß dem Murthore zu. Indessen ward die Vesperglocke (dieselbe Glocke, die jetzt um 11 Uhr Nachts geläutet wird), das Zeichen des abgelaufenen freien Geleites, gezogen. Man ergriff beide, schloß die Thore und er-klärte ihnen, daß sie sterben müßten. Vergebens erboth sich Baumkircher, all seine Güter und eine Summe von 60000 Gulden für sein Leben abzutreten. Der Prie-ster und der Scharfrichter kamen, und sein und seines Freundes Haupt fiel, ehe noch der Stubenberger, der mit den übrigen Verschwornen zur Rettung herbei ge-eilet war, das Thor zu sprengen vermochte. Grei-feneggers Leichnam wurde in der heutigen Franziska-nerkirche begraben, wohin Baumkirchers Leiche kam, ist unbekannt. Vielleicht in jene oben berührte An-dreaskapelle. Dem Kaiser mochte diese allzu schnelle Hinrichtung unangenehm seyn, indem er der Witwe des Getödteten und seinen Kindern, in einer Urkunde vom Jahre 1472, wieder Gnade gewährte und ihnen erlaubte, die Schuldforderungen ihres Vaters einzu-treiben.

Der Stein, worauf die Enthauptung geschah, wird noch in einem benachbarten Hause aufgehoben.

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Das Neuthor, worauf später ein großes Ge- bäude aufgeführt wurde, unterhält die Verbindung zwi-schen dem Kälbernenviertel in der Stadt, der sogenann-ten kleinen Schanze, und der Murbrücke im Süden der Stadt, und wurde erst bei Anlegung der neuen Festungs-werke, bei welcher Gelegenheit man das Kälberne-viertel zur Stadt zog, erbauet.

Das Eisenthor, welches von der Herrengasse in die Jakomini- Vorstadt führt, wurde im Jahre 1575 von Erzherzog Carl II. erbaut, wie uns folgende, dar-auf befindliche Inschrift lehret: - D. O, M. A. - D. Carolo II. Archiduce Austriae, Duce Burgundiae, Styriae, Carinthiae Carnioliae Com. Tyrol. Goritiae etc. P. P. P. feliciter Regnante, auxiliantibus Pro-vinciallibus constructum, Anno a Christo nato MDLXXV. Dominus fortitudo mea. Fortes fortuna juvat.

Es erhielt wohl den Namen „das eiserne Thor” wegen seiner Stärke und Festigkeit, und ist besonders dar-um merkwürdig, weil vor demselben sonst die Landes-fürsten von den Landständen empfangen, und feierlich in das Landhaus zur Huldigung geleitet wurden. Als im Jahre 1278 Kaiser Rudolph von Habsburg vor dem-selben angekommen war, fand er es verschlossen. Der Abt Heinrich von Admont sprach eine feierliche Rede an den Kaiser, der, von allen Großen und Edlen dieses Landes umgeben, auf dem jetzt ganz bebauten Felde hielt, und, nachdem er den Ständen die Aufrechthal-tung ihrer Privilegien zugesagt hatte, unter dem Ju-bel des Volkes durch die nun geöffneten Pforten in die Stadt zog. Ober demselben befinden sich einige Gefängnisse für Inquisiten der Polizeidirection. Unten ist die Polizeiwachstube, so wie in dem neu angebauten Hause die Polizeicaserne. Die Brücke wurde im Jahre 1825 in einen Damm mit eisernem Geländer verwandelt.

Das Burgthor, welches von der Burg in die St. Leonhardter- Vorstadt führt, wurde wahrscheinlich [89] schon von den steyermärkischen Herzogen aus dem Hause Babenberg erbautet, wie noch das schöne, in Marmor gehauene östereichische und steyermärkische Wapen derselben an der inneren Seite des Thurmes anzeigt. Es bestand hier bis zum Jahre 1479 eine Brücke, von diesem Jahre aber bis 1787 führte in die Vorstadt kein Weg durch dieses Thor. Im gesagten Jahre wur-de es wieder geöffnet, und von dem Zimmermeister Christ. Ohmeyer jun. eine schöne Brücke über den, hier über 15 Klafter tiefen, Stadtgraben gebaut. Mit der Zeit wird diese Brücke ebenfalls durch einen Damm, wel-cher bereits begonnen wurde, und größtentheils aus dem Schutte des im Jahre 1825 abgebrannten Theaters entstanden ist, ersetzet werden.

Das Paulusthor, in das Geidorf führend, stand sonst in der Nähe des Saurau'schen Hauses und der einstmaligen Kirche des heil. Paulus (woher der Name) ; dort, wo noch der Bogen, einige Reste einer hohen Mauer und mehrere Thürme den alten Umfang der Stadt zeigen, und wurde erst durch Ferdinand II. 1625 errichtet, wie die Inschrift: Ferdinando et Mariae Annale Archiducibus Austriae etc. numinem hoc ad salutem Patriae, propagan-dam. ad hostium incursus voexoandos ed ad utrius-que nominis memoriam conservandam a fundamen-tis exstructum est, bezeugt. Ueber demselben besteht seit dem Jahre 1825 das Stabsstockhaus; es ist daher auch stark mit Wache be-setzt und gut erhalten.

Das Sackthor wurde im Jahre 1625 mit mehr-eren Basteien, zum Schutze der Stadt von der Nord- westseite, erbaut, und dient zur Verbindung der drei Säcke in der Stadt, mit dem am östlichen Ufer der Mur gelegenen Theile der Grabenvorstadt. - - Die Inschrift lautet: A. D. M, DC, XXV. Ferdinandus II. Rom, Imp, S. Aug. - T -

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Es bildet hier, zwischen den Fluß und den Schloß-berg hinein gedrängt, den einzig möglichen Zugang. Der Anblick desselben ist, in einer Entfernung von et-wa 100 Schritten, besonders mahlerisch.

Die Stadt zählt 11 Plätze und 45 Gassen, wor-unter sich durch Größe, Breite, merkwürdige oder schö-ne Gebäude, oder durch daran geknüpfte historische Er-innerungen vorzüglich auszeichnen:

Der Hauptwachplatz, als der größte unter den Plätzen dieser Stadt, mit dem imponierenden Rath-hausgebäude (worin die Hauptwache), dem Weiß'schen und anderen großen Häusern, zugleich der Mittelpunkt des Volksgetriebes, jährlich zwei Mal der Ort, worauf der große Jahrmarkt gehalten wird, und Mittwochs und Samstags der Ort für den Victualienhandel.

Der Franzensplatz, erst durch Hinwegräu-mung einiger alten Gebäude im Jahre 1824 entstan-den, und zum Andenken der höchst beglückenden An-wesenheit Sr. Majestät unser es aller gnädig-ist ein vielgeliebten Landesvaters, im August 1825 so genannt, an der Westseite des Theaters, Nachdem dieser Platz mit vielen Kosten geebnet worden, soll auf demselben eine metallene Statue Sr. Majes-tät des Kaisers aufgestellt werden.

Der Tummelplatz, einst der Turnierplatz steher-märkischer Ritter und Fürsten, auf welchem sich Herzog Leopold am 26. December 1194 ein Bein brach und dadurch das Leben verlor. Auch fand hier jener berühmte Sackkampf des Freiherrn Andreas Eberhard von Rau-ber mit dem nicht minder starken spanischen Ritter, um Helena, die schöne Tochter Maxim. II. von der Gräfin von Ostfriesland, statt, bei welchem Rauber seinen Gegner mit vieler Mühe, im Beiseyn des gan-zen Hofes, in einem Sack steckte, und zu den Füßen seiner dadurch errungenen Braut niederlegte.

Der Karmelitenplatz, in Hinsicht der Größe, der nächste nach dem Hauptplatze. Auf demselben ist das Garnisons-Spital, früher ein Karmeliten-Kloster, das gräfl. Bathianische und das gräfl. Herberstein'sche Haus etc.

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Der Ursulaplatz mit der Kirche und dem Klo-ster der Frauen der heil. Ursula, und mit dem sehr an-sehnlichen Gebäude Sr. Excellenz des Herrn Landes-Hauptmanns Grafen von Attems.

Die Herrengasse, die breiteste und schönste in der Stadt, die gerade vom Hauptwachplatze bis zum Eisenthore führt. In derselben befindet sich die schöne Fronte der Stadtpfarrkirche, die Hauptmauth, die Häuser des Freiherrn von Mandel, der Grafen Attems, das Landrecht, das ehrwürdige Landhaus, das ständ. Zeughaus, das Schuch'sche Haus, dessen Außenseite mit sehr merkwürdigen Frescogemählden bedeckt ist, und eine Seite des Rathhauses.

Die Bürgergasse, einst die Jesuitengasse genannt, mit dem adelichen Damenstifte, dem Ropini-schen Hause, dem Gebäude der berühmten Trautmanns-dorfe , dem fürstl. Schwarzenberg'schen Hause, dem Versatzamte, der Kriegskanzlei, dem Convicte und der Domkirche.

In der Hofgasse ist die k. k. Burg, eine Seite des Doms, das Theater- und Redoutengebäude, die Bibliothek, das k.k. Zeughaus, das Gymnasialgebäude u. s. w.

Die Paulusthorgasse mit dem Irrenhaus, dem Gebäude des Grafen von Herberstein, dem allge-meinen Krankenhaus, dem Gebär- und Findelhaus etc.

Im ersten Sacke sind die Wohngebäude der Grafen von Herberstein, Attems etc.

Zu Anfang des ersten Sackes steht eine Dreifal-tigkeitssäule, die 1680, wegen der Pest, errichtet, und früher mit 8 Statuen von Heiligen umgeben war.

Die Stempfergasse, die ihren Namen von einer bürgerl. Familie des sechzehnten Jahrhunderts hat, enthält ebenfalls schöne Gebäude, worunter die große Leykam'sche Buchdruckerey.

Die Neugasse, mit den Häusern der Grafen von Welfersheim und des Herrn von Seßler, dem Kreisamtsgebäude, der Bildergalerie und Zeichnungs-akademie ꝛc.

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Sie entstand, als im Jahre 1483 Math. Bischof von Seckau, den durch die Ungarn und Türken ver-triebenen Bewohnern von St. Leonhard, seinen großen Garten längs der Stadtmauer zu neuer Ansiedlung überließ.

Die Raubergasse, von dem ehemaligen Rau-berhof, dem jetzigen Johanneum, so genannt, mit dem Amtsgebäude des k. k. Tabakamts und dem Vorauer-hofe ꝛc.

Die Sporrgasse, schon im Jahre 1349 unter diesem Namen bekannt, gehört zu dem ältesten Theile der Stadt, und enthält unter andern das Gebäude der Grafen von Saurau, das ehemalige Augustinerkloster und den sogenannten Eselstall.

Das Pfarr- und Frauengäßchen, einst der Wohnort der Juden.

Vor etwa 40 Jahren zählte man in Gräz noch ein Mal so viele Kirchen und Klöster als jetzt, die meisten sind seitdem aufgehoben und zu anderen Zwecken verwendet worden.

Die innere Stadt umschließt jetzt 7 Kirchen, 7 Kapellen, 1 Mönchs- und 1 Nonnenkloster.

Der Dom, nahe am Burgthore, ist ein halb gothisches Gebäude aus dem fünfzehnten Jahrhunderte. Schon in der fränkischen Vorzeit fand auf diesem Platze ein Kirchlein zum heil. Aegydius (bekanntlich der Schutzpatron der Franken), durch mehrere Jahrhun-derte die Stadtpfarre. Kaiser Friedrich der Friedsame, dem Gräz so viele Verschönerungen verdankt, begann den Bau dieser neuen Kirche im Jahre 1450, und vollendete ihn in 6 Jahren. Er setzte zum Andenken über den Hochaltar die Jahreszahl IRUIO. und die Buchstaben A. E. I. O. U. *(A ustriae/lles E st/rdreich I mperare/st O rbi/estreich U niverso/nterthan. Von Anderen so ausgelegt: A ustriae/ller E stenditur/hren I n/st O rbem/estreich U niversum/voll.), über den Haupteingang das feyer, östr. kais. [93] und portugiesische Wapen (letzteres zu Ehren der Kai-serinn Eleonore, einer gebornen Prinzessinn von Portugal) und wieder jene symbolischen Buchstaben.

Die Kirche ist durchaus von gehauenen Steinen erbaut. Ihre Länge beträgt 192 Fuß, die Breite 89 und die Höhe 81. Sie ist durch 8 gothische Pfeiler in drei Schiffe getheilt; das Sacrarium ist um 4 Stu-fen erhöht, im Hintergrunde ruht ein großer Chor auf Pfeilern, und auf demselben befindet sich eine große vollstimmige Orgel. Der Fußboden ist ganz mit Marmor belegt.

Der Hochaltar wurde zuerst durch die Erzherzo-ginn Maria im Jahre 1602 von Holz ganz vergoldet, im Jahre 1733 aber ganz von Marmor erbaut. Den ersten Stein dazu legte der Rector Magnificus der Uni-versität, Franciscus Molindes, im Jahre 1730. Der Altar führt die Aufschrift: Hic Deum adora, enthält ein Altarblatt von J. F. P., darstellend den heil. Aegy-dius, Schutzpatron der Stadt, und ist mit mehreren guten, von italienischen Künstlern aus weißem Marmor gearbeiteten Statuen besetzt.

Hinter dem Hochaltar befinden sich die Eingeweide des Erzherzogs Carl mit der Aufschrift:

Anno MDLXXXX obit Serenissimus Archidux Carolus Austriae etc. cujus eorpus im Seccoviensi Ecclesia, Intestina vero hic condita fuere.

Links neben dem Hochaltar sind die Oratorien für den kaiserlichen Hof und die Hofbeamten. Gegenüber ein gutes Bild von Peter de Pomis, den gekreuzigten Heiland und die ganze Familie des Erzherzogs Carl um denselben darstellend, mit der Aufschrift:

Carolus Austriadum Dux, Bojorumque Maria, Hac cum Prole sibi te pie Christe, sacrat. Tuta tuis alis requies et sanguine sparso, His nive candidior, crescere vita potest, It Caelo cum fratre Parens, pars alltra Matrem Maestam, et juxta aras ilia pignus haben. [94]

Der Marien-Seitenaltar, in dessen Tabernackel das Allerheiligste aufbewahret wird, wurde von Sigm. Friedrich Grafen v. Trautmannsdorf 1631 errichtet, und enthält ein großes sehenswerthes Altarblatt, „den Gruß des Engels” von Peter de Pomis, und mehrere gute Statuen. In der Nähe desselben befindet sich auch das Grabmal des Stifters.

Der gegenüber stehende Altar, dem h. Ignaz und der h. Anna geweiht, wurde von Gottfried Freiherrn von Stadl im Jahre 1619 errichtet; er gleicht ganz dem vorbeschriebenen, und hat ebenfalls ein Bild von Peter de Pomis. Neben demselben befindet sich auch das Grabmonument des Stifters. An den beiden vor-dersten Pfeilern stehen die Altäre des h. Andreas und der h. Dreifaltigkeit, beide im Jahre 1620 am 2. Juli vom Bischof von Seckau Jacob II. eingeweiht. Die erste Kapelle links ist dem heiligen Rochus und Sebastian geweiht. Sie wurde, wie die Inschrift bezeugt, im Jahre 1621 von Thomas, Bischof von Lai-bach und Statthalter zu Gräz, dem Doctor Casp. Sitnick, des Erzh. Carl Regierungs- Rath, zu Ehren erbaut; im Jahre 1718 aber mit neuen Mahlereien geschmückt. Die gegenüber stehende Kapelle, den heil. Jung-frauen Apollonia und Margaretha geweiht, wurde im Jahre 1621 von Gißbert Voß von Vossenburg aus Amsterdam, des Kaisers Ferdinand II. Rath und Leib-arzt, erbaut, und für sich und seine Familie zur Grab-stätte bestimmt. Im Jahre 1695 wurde sie aber von Georg Herrn von Stubenberg, geheimen Rath und Landeshauptmann in Steyermark, erweitert und mit Statuen und Mahlerei geschmückt, vom Bischof von Seckau Graf von Thun der schmerzhaften Mutter Gottes geweiht, und zur Grabstätte des genannten Stubenberg und seiner Gattinn bestimmt. /

Die Kreuzkapelle wurde im Jahre 1667 von Abund Freih. v. Inzaghi erbaut, und im folgenden Jahre von Max. Gandolf, Bischof v. Seckau, aus den Grafen von Kuenburg, eingeweiht. Das darin stehende Kruzi-fix wird von den Kennern geschätzt.

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Die Kapelle des h. Franz Xav. wurde im Jahre 1659 durch Grafen Rudolph von Saurau, k. geheim. Rath, errichtet und am 25. Nov. von Joh. Markus, Bischof von Seckau, eingeweiht. Das Altarblatt soll von einem neapolitanischen Mahler herrühren.

In den beiden weißmarmornen Sarkophagen beim Aufgang zum Sacrarium befinden sich die von Papst Pius V. an Kaiser Ferdinand übersandten heil. Leiber der heil: Märtyrer Vincenz und Martin, und der heil. Maxentia, mit einem Arm der heil. Agatha, die am 7. Mai 1617 hier feierlichst beigesetzet wurden. Ueberdieß bewahret die Kirche noch mancherlei Reliquien und Kostbarkeiten.

Fast in der Mitte derselben erhebt sich die im Jahre 1710 erbaute Kanzel, von welcher am ersten Fastensonntage desselben Jahres der damalige Bischof von Seckau, Franz Anton Graf von Wagensberg, zum ersten Mal dem Volke das Wort Gottes verkündete.

Außer den schon berührten Grabmälern, befinden sich, sowohl in als um die Kirche, noch viele andere, wovon wir die wichtigsten nur kurz bezeichnen wollen.

Links vom Hochaltar, der Grabstein Caspar Freih. von Herberstein ꝛc., und seiner Frau Wandula, geb. von Monsdorf, vom Jahre 1576. In der Nähe des- selben, der des Rudolph Freih. von Par, Hartberg und Grottenstein ꝛc., vom Jahre 1626.

In der Nähe des Marienaltars, der Grabstein des Burggrafen Hermann Wilh. von Dona, vom Jahre 1637. In der Nähe des Ignazi- Altars, ein Monument aus schwarzem Marmor des Maximilian Breuner, Freih. in Stibing ꝛc., vom Jahre 1635.

An dem vordersten Pfeiler das Monument des Casp. Breuner, Freih. zu Stibing ꝛc., vom Jahre 1570.

Am dritten Pfeiler der nämlichen Seite das Epi- taphium des deutschen Ordensritters Joseph von Raus nach, vom Jahre 1571.

An dem zweiten Pfeiler der anderen Seite, Ka-tharina von Trautmannsdorf, geb. von Guttenberg, vom Jahre 1553.

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Außer der Kirche an der Mauer neben dem Haupt-eingange sieht man noch Spuren eines alten Gemähldes, unter welchem die Grabschrift des Ulrich Eggenberger und seiner Hausfrau Barbara in gothischer Schrift zu lesen war.

An der Mauer hinter dem Hochaltar befindet sich unter anderem auch die Gruft des Wolfgang Schranz von Schranzenegg, des Erzherzogs Carl Hofkanzler ꝛc., der im Jahre 1594 gestorben ist.

In der Mauer, welche den alten Friedhof um-gibt, der Grabstein des Hofbuchdruckers Georg Wid-manstetten, vom Jahre 1605.

An der Wand, zunächst dem rechten Seiteneingan-ge, sieht man unter andern auch ein leider sehr be-schädigtes Freskogemählde, worin sich die Darstellung des Raubzuges der Türken, durch die Steyermark im Jahre 1480 auszeichnet *(Siehe steyermärkische Zeitschrift, Heft 7. Seite 1 u. s. f.).

Erzherzog Carl erhob die Kirche im Jahre 1577, unter dem Pfarrer Ulrich Lang, mittelst einer eigenen Bulle des Papst Gregor XIII., zur Hofkirche, und über-gab sie den neu angekommenen Jesuiten. Die Stadt-pfarre ward, nach eingeholter Bewilligung des Erz-bischofs von Salzburg, zuerst in die darneben stehende Katharinenkapelle, und später in die Kirche zum heiligen Blut in der Herrengasse überlegt.

In den Händen der Jesuiten blieb die Kirche, bis nach Aufhebung derselben 1786, als Kaiser Joseph II. hier den Sitz des Seckauer- Domkapitels **(Siehe Verwaltungsbehörden C.)gründete, und eine eigene Dompfarre errichtete. Der Erste, der die Würde eines Dompfarrers bekleidete, war Herr Joseph Mar. von Heipl, Domherr und Confistorial- Rath; diesem folgte 1799 Mathias Jac. Winkhler, der Theo-logie Doctor, Domh. und Confist. Rath; 1810 Joseph Hasenhüttl, Domh. und Confist. Rath; endlich 1823 Herr Joseph Scheidele, Domh. und Confist. Rath. Als Hofkirche war sie auch oft der Schauplatz großer [97]Feierlichkeiten, als z. B. der Vermählung des Erzher-zogs Ferdinand mit der baierischen Prinzessinn Anna durch den Cardinal Franz von Dietrichstein am 23. April 1600, wobei Herzog Maximilian, Herzog Fer-dinand und Albert von Baiern, die Prinzessinnen Maxi-miliana und Magdalena, dann Erzherzog Mathias als Gesandter Kaiser Rudolphs II., die Gesandten von Spa-nien, Pohlen, Venedig, der Pfalz, Mantua, und viele andere Große und Adeliche zugegen waren; – dann der Vermählung der Erzherzoginn Magdalena mit dem Groß-herzog von Florenz, durch den päpstlichen Nuntius Selvago – endlich der Huldigung Kaiser Leopolds am 5. Juli 1660 u. s. w.

Der Gottesdienst wird in dieser Kirche gewöhnlich in folgender Ordnung gehal-ten: am Sonntagen ist die erste Messe im Sommer um halb 5 Uhr, im Winter um 6 Uhr; die erste Predigt um halb 7 Uhr, die Segenmesse um 7 Uhr, das Choral-amt um 9 Uhr, die spätere Predigt um halb 10 Uhr, und das Hochamt um 10 Uhr; die Vesper Nachmittags um 4 Uhr.

Das Mausoleum gleich neben dem Dome, leider ganz verborgen.

Hier stand einst eine alte kleine Kapelle der heil. Katharina, die man im Jahre 1614 abbrach, um einen geräumigen Platz für die neu zu errichtende Grabstätte Kaiser Ferdinands II zu erhalten. Als man zu gra-ben anfing, fand man mehrere Münzen vom Herzog Leopold dem Heiligen, woraus man schließen könnte, daß unter seiner Regierung die Kapelle war erbauet worden.

Das ganze Gebäude ist von gehauenen Quaderstü-cken im korinthischen Style erbaut. Die Fassade pran-get mit Säulen und Statuen, und man kann schon dar-aus auf das prächtige Innere schließen. Das Dach ist ganz mit Kupfer gedeckt, auf dem Thurme, von wel-chem man eine sehr hübsche Aussicht hat, befindet sich der kais. Scepter, auf der größeren Kuppel der Reichs-apfel mit dem Kreuze, auf der andern über der kais. Gruft der gekrönte Adler mit Schwert und Scepter, [98] alles sehr reich vergoldet. Ober dem Eingange stehen die Worte:

Caesareum Mausoleum Divi Ferdinandi II. Roman. Imper. Stae Catharinae Vs. M. Sacrum.

Das Innere hat die Form eines Kreuzes, ist ganz mit Stucco überzogen, und der Plafond mit bildlichen Darstellungen der Tugenden und Thaten Ferdinands, und mit den Wapen des Hauses Oestreich geschmückt. Der Fußboden ist von schwarzem und weißem Marmor. Der Hochaltar ist der heil. Martyrinn Katharina geweiht. Auf dem Marienaltare links sieht man ein sehr schönes Bild von Beluzzi.

Von dem rechten Arm der Kirche gelangt man in eine runde Halle, und von hier steigt man über eine steinerne Stiege in die Gruft hinab, welche folgende Aufschrift führt:

FerDInanDVs seCVnDVs pIe VIXIt, pIe obIIt.

Nachdem man die letzte Stufe hinab gekommen ist, sieht man links an der Mauer ein ganz kleines blecher-nes schwarzes Täfelchen, das die Ruhestätte der un-glücklichen Prinzessinn von Artois, Maria Theresia, be- zeichnet. Sie starb hier in Gräz am 2. Juni 1805 in ihrem fünfzigsten Jahre, und liegt in einem dreifach verschlossenen Sarge tief in der Mauer.

In der Mitte der geräumigen und schön gewölbten Gruft steht ein großer, roth marmorner Sarkophag mit den darauf ruhenden Statuen des Erzherzogs Carl und seiner Gemahlinn Maria von Bayern, in welchem der einst bei den Clarisserinnen beigesetzte Körper der letzt-genannten Erzherzoginn ruhet.

Links neben dem Altare liegen in der Mauer die Ueberreste des Stifters selbst.

Er starb am 15. Februar 1637 in Wien, und wurde am 21. März, unter Begleitung des Hofstaates und hundert Armen, bis an die Gränze der Steyer-mark geführt; hier empfingen ihn Maximilian von Herberstein, und Gottfried von Eibeswald im Namen [99] der steyerischen Stände. Der Fürst von Eggenberg be-gleitete denselben mit einem Gefolge von 30 Wägen, deren jeder mit sechs Trauerpferden bespannt war. Der Leichnam Ferdinands wurde von den nämlichen 6 Schim-meln gezogen, deren er sich in seinem Leben gewöhn-lich zu bedienen pflegte. Bei der Hofkirche in Gräz erwarteten ihn 8 Prälaten und 20 aus dem höchsten Adel, welche ihn übernahmen und in das Mausoleum trugen. Hier wurde er zuerst in einen Sarg von Holz, dann von Kupfer, und endlich von Zinn mit folgender Inschrift gelegt:

D. Ferdinandus, Romanorum Imperator Semper Augustus Germaniae, Ungariae, Bohemiae, Rex. Archi Dux Austriae. Dux Burgundiae, Styriae, Carinthiae, Carnioliae. Comes Tyrolis, Habsburgi et Goritiae etc.

Darauf wurde in der Hofkirche vom P. Math. Bastianchich, Kanzler der Universität zu Gräz, eine la-teinische, von dem Hofprediger Thomas Dueller eine deutsche, und von P. Leonhard Banhin eine italienische Trauerrede gehalten, und von dem Bischofe von Gurk die gewöhnlichen Ceremonien verrichtet.

Das Herz des Kaisers wurde in eine goldene Büchse verschlossen, und in der Kirche zu Allerheiligen der Asche seiner Mutter beigesetzt, woher es aber nach Aufhebung jener Kirche, so wie der Körper der Erz-herzoginn Maria, in das Mausoleum übertragen wurde. Die beiden schwarz marmornen Platken, welche die Ruhestätte des Kaisers bezeichnen, führen folgende Aufschriften:

Die obere: Divus Ferdinandus II. Roman. Imperator, Vitae et armorum sanctitate clarus, 9. Juli anno Christi 1578, Graecii mortalem vitam auspicatus finit Viennae , Exuvias suas hic locavit In patria mortali; Postquam ad immortalem transit, 15. Februarii anno Christi 1637. [100]Die untere: Semen ejus haereditabit terram: Psal. 24.

Diesem Grabmale gegenüber ruhet die sterbliche Hülle der am 8. März 1616 entschlafenen Gemahlinn Kaiser Ferdinands, Maria Anna. Die beiden Platten haben folgende Aufschriften:

Die obere: Maria Anna bavariae dux, Ferdinandi archi ducis Austriae Comjux lectissima; Quam pietas Clementia modestia Fecissent.immortalem, Nisi mortales essemus. Obit, die octawa Marti anno Christi 1616; Aunos mata 31 menses tres. Die untere: Anima ejus in bonis demorabitur. Psal. 24.

Näher an der Stiege liegt der 14jährige Erzherzog Johann Carl, der beiden Vorigen Sohn. Die ihn be-zeichnenden Platten führen folgende Aufschriften:

Die obere: Joannes Carolus archi, dux Austriae; Imperatoris Ferdinandi II Ex Maria Anna Filius; Utriusque virtutum haeres. In flore juventutis obit, Et meritis maturus. Natus est coelo Postridie natalis domini, Anno Christi 1619 Aetatis suae 14. Die untere: Consummatus in brevi Explevit tempora malta.

In einer Nische der Wand stehen hinter Eisengitter in goldenen und silbernen Gefäßen die Herzen Kaiser Ferdinands und seiner Gemahlinn, der Maria Anna, der Erzherzoginn Maria, des im Jahre 1616 gest. Erzher-zogs Max. Ernst, und des Erzherzogs Johann Carl; in [101] einem bleiernen aber das Herz der Prinzessinn von Artois. Auch befinden sich hier zwei ausgetrocknete Fin ger der Erzherzoginn Maria. Wer das Mausoleum, welches nur in der Charwoche, wo hier das heil Grab aufgerichtet wird, geöffnet ist, sehen will, muß mittelst der Glocke an der hintern Pforte den Kirchendiener herbei rufen.

Die Hauptstadtpfarre zum heil. Blut in der Herrengassee, nahe am Eisen-Thor, mit einer hübschen Fronte und dem schönsten Thurme in Gräz, der 1781 von Holz, jedoch ganz mit Kupfer und reichen Vergoldungen gedeckt, erbauet wurde. Sie erhielt ihre heutige Gestalt um das Jahr 1466.

Das Innere, durch große Pfeiler in drei Schiffe getheilt, ist einfach und nett. Das beste Bild darin ist das Hochaltarblatt von Tintoretto. Ueberdieß ent-hält Kirche ebenfalls mehrere Gräber altadelicher Familien.

Im Jahre 1577 wurde, wie schon gesagt, die Stadtpfarre aus der Katharinenkapelle hieher verlegt.

Es folgten sich seitdem als Stadtpfarrer: Andrä Payrer, 1614 Georg Frasner, 1628 Georg Hammer, 4641 Jacob Abbt, 1654 Jacob Kugler, 1664 Seba-stian Parth, 1684 Mathias Mejackh, 1705 Albert Thavonat, 1707 Andrä Kronawethvogel, 1722 Johann Kurzky, 1735 Balthasar Maring, 1742 Alois Berthold, 1757 Anton Khern, 1762 Joseph Aichmayer, 1784 Christoph Greiner, 1791 Joseph Guntschack, 1796 Jo-seph von Gröller, 1824 Herrmann Reismüller.

Der jeweilige Stadtpfarrer war früher zugleich Erzpriester des Viertels Vorau, und wurde von dem Rektor des Jesuitencollegiums ernannt, seit dem Jahre 1791 aber ist er insulirter Probst. Mit der Stadt-pfarre ist eine bedeutende Herrschaft verbunden, welche sich unter den früher hier bestandenen Dominikanern gebildet hat. Im Jahre 1466 nämlich wurde der Pre-digerorden vom Kaiser Friedrich nach Gräz gerufen, und ihm am Judenwege die Wohnung und Kapelle zum heil. Blute eingeräumt. Aus dieser Kapelle bauten sie [102] unter ihrem Prior P. Alexander Butzl die heutige Stadtpfarrkirche, und blieben hier bis zum Jahre 1586, wo sie nach St. Andrä, in der Murvorstadt, übersiedelten.

Der Gottesdienst in dieser Kirche wird in folgender Ordnung gehalten: Sonntags ist die erste Messe um halb 6 Uhr, das Hochamt um halb 10 Uhr, die Segenmesse um 11 Uhr, und die Vesper Nachmittags um 5 Uhr. An Wochentagen ist dieselbe Ordnung, nur ohne Hochamt.

Die Kirche zu Maria Himmelfahrt der P. P. Franziskaner, mit einem großen, jetzt wieder in Aufnahme sich befindenden Convente. Das Kloster gehörte seit dem Jahre 1221, wo Leopold III. es unter dem Namen „Maria Himmelfahrt an der Mur” erbaute, den Minoriten. Als aber Mathias von Ungarn Gräz mit einem Ueberfall bedrohte, und die in St. Leonhard wohnenden Dominikanerinnen die Franziskaner auf dem Tummelplatz aus ihrem Kloster verdrängten, mußten die Minoriten ihr Haus mit Letzteren theilen, und sich endlich zum Theil sogar gefallen lassen, auf den Vorschlag des Erzherzogs Maximilian und auf Be-fehl des Papst Alexander VI., seit 7. Mai 1515 die strengere Regel der Franziskaner anzunehmen. Dieser Orden war unter Kaiser Friedrich III. im Jahre 1463, durch die Bemühungen des berühmten Johann Capistran, nach St. Leonhard bei Gräz ge-kommen; im Jahre 1495 wurde er durch Kaiser Maxi-milian und die Kaiserinn Maria Blanka in die Stadt, in das nachherige Kloster der Dominikanerinnen auf dem Tummelplatz, und endlich in das heutige Klo-ster versetzt.

Die Kirche hat 12 Altäre und Kapellen, biethet aber wenig Merkwürdiges dar. Der Hochaltar, mit einem hübschen Bilde der Himmelfahrt Maria, wurde im Jahre 1614 erbaut, ebenso die Kapelle der heil. Anna, durch Johann Galler Freiherrn zu Schwanberg, als Begräbnißplatz für sich und seine Familie. Die Oehlbergkapelle errichtete 1645, und die Kapelle des heiligen Antonius von Padua, drei Jahre später, Johann von Kaltenhausen; die Kapelle der schmerzhaf- [103] ten Mutter Gottes, Johann Seiße, Landschafts- Se-kretär, im Jahre 1650. In letztere kam die gnadenrei-che Statue, welche Anna Maria, Mutter Kaiser Fer-dinands II, aus Baiern nach Gräz gebracht hatte. Im Kreuzgang befindet sich eine uralte Kapelle des heiligen Jakob, die schon lang vor dem Kloster hier soll gestan-den seyn.

Viele alte Grabsteine und Grüfte sind sowohl in der Kirche als in den Gängen zu finden. Zu dem Thurme wurde 1636 der Grund gelegt und 1645 derselbe vollendet. Er ist der größte der Stadt.

Pfarrer und zugleich Vorsteher der sämmtlichen Franziskaner- Convente ist jetzt der fromme, biedere P. Antonius Ortner. Die erste Messe ist hier um halb 5 Uhr; Frühpredigt um 6 Uhr; Segenmesse um 8 Uhr; Spätpredigt um 9 Uhr; das Hochamt um 10 Uhr; Vesper um 4 Uhr Nachmittags.

Die Kirche und das Kloster der F. F. Ursu-linerinnen befindet sich im zweiten Sacke.

Dieser fromme wohlthätige Convent soll um das Jahr 1686 gegründet worden seyn. Die ersten drei Jungfrauen wurden von Wien, andere von Görz geru-fen, und ihnen ein ganz einfaches Haus zur Wohnung angewiesen. Mehrere Wohlthäter, besonders eine Grä-finn von Leslie, geborne Fürstinn von Lichtenstein, und eine Gräfinn von Wagensperg machten bald einen grö-ßeren Bau möglich, wozu denn auch der Bischof von Seckau, Johann Ernst, den Grundstein legte. Im Jah-re 1706 wurde das Kloster durch das Testament der Marie Endres, gebornen von Riedenaus, mit 47614 Gulden besser fundiert, und seitdem, da man die Zweck-mäßigkeit desselben allgemein anerkennt, durch mannig-fache Unterstützung erhalten. Die Kirche hat eine hüb-sche Façade, ist zwar klein, zeigt aber überall weibli-che Nettigkeit und Reinlichkeit. Es ist an derselben ein Beneficiat, Herr Althamas Gerster.

Der Gottesdienst wird in folgender Ordnung ge-halten: erste Messe um 6 Uhr; Predigt um 10 Uhr; Segenmesse um halb 11 Uhr; Vesper um 4 Uhr.

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Der Convent zählt jetzt, nebst der Oberinn, Mater Coleta, 22 Frauen und 10 Schwestern, und beschäfti-get sich ausschließend mit der Erziehung und dem Un-terrichte der weiblichen Jugend in Gräz *(Siehe bei den Erziehungsanstalten.).

Die vormalige Augustinerkirche zum heil. Paul im gräfl. Saurauschen, jetzt Quenzler'schen Hause, in der Sporrgasse, soll nach der des heil. Thomas auf dem Schloßberge (die aber nun zerstört ist) die älteste Kirche in Gräz seyn. Wann diese Kirche gegründet worden, ist gänzlich unbekannt, doch ist es wahrschein-lich, daß hier zuerst, in der Nähe der Festung, eine Ka-pelle, und dann, bei größerer Bevölkerung der Stadt, eine Kirche, St. Paul im Walde genannt, erbaut wor-den sey. Nach Verbreitung des Lutherthums wurde sie eine Zeit lang von den lutherischen Bürgern zu ih-rer Kirche bestimmt, bis sie endlich 1588 Herzog Carl seinem Hofkaplan Pater Aurelius Mantianus, aus den Eremiten- Orden des heiligen Augustin, sammt dem daneben stehenden Hause schenkte. Aurelius nahm so-gleich mit einigen Genossen Besitz von der Kirche und dem Hause, und gründete ein Kloster, welches bald sich vergrößerte. In der Folge aber gerieth, gegen das Jahr 1601, dieser Convent abermals, durch die Zunahme des Lutherthums, in Verfall, bis Kaiser Ferdinand II. ihn um das Jahr 1620 mit 500 Gulden jährlicher Einnahme fundierte und so wieder in Aufnahme brachte. Im selbem Jahre ward der untere Theil der heutigen Kirche, zu wel-cher man auf einer schönen breiten Stiege von 60 Stufen gelangt, erbaut, und im Jahre 1621 vom Grafen von Lamberg, Bischof zu Seckau, eingeweiht. Nach Auf-hebung des Augustiner- Ordens bezogen 1789 die Kar-melliten das Kloster, und nachdem auch diese aufgehoben wurden, erkaufte es Sigmund Graf von Saurau um 7280 Gulden, und vereinte es mit dem nebenstehenden großen Palaste. Im Jahre 1821 wurde die Kirche der evangelischen Gemeinde in Gräz zum einstweiligen Bethhause, bis das neue gebaut war, übergeben.

Jetzt ist sie akademische Kirche geworden, und der Gottesdienst [105]wird hier Sonntags um 8 Uhr für die Schüler des Gymnasiums, und um halb 10 Uhr für die beiden phi-losophischen Jahrgänge der Universität durch die k. k. Professoren der Religionslehre besorgt.

Die ehemalige Kapuzinerkirche, zum heil. Anton von Padua, auf der Stiege in der Pau-lusthorgasse, wurde von Ferdinand II. erbaut, von dem Bischofe von Adria, dem Grafen Portia, 10. August 1600 der Grundstein gelegt, und von Martin Bischof zu Seckau den 2. October 1602 geweihet.

Das Kloster entstand durch Laurenz von Brundus, der sich diesen Platz von Kaiser Ferdinand erbeten hatte, und wurde bald der Sitz des Provinzials über die 35 Klöster von Inneröstreich; im Jahre 1788 aber zu ei-nem Irrenhaus verwendet.

Das Hochaltarblatt der Kirche ist von Peter de Pomis, das Allerheiligenbild von Weißkircher. Eine Cisterne im Kloster war sonst gewöhnlich, ihres trefflichen Wassers wegen, zum Ge-brauche des Hofes geschlossen. Auch hier ist ein Bene-fiziat, Herr Anton Stephanschitsch, angestellt, und der Gottesdienst wird in folgender Ordnung gehalten: täg-lich ist um 8 Uhr, am Sonntagen auch um 9 Uhr eine Messe, und die Vesper Nachmittags um 2 Uhr.

Die Kapelle in der Burg, ehemals zum Ge-brauche des hier wohnenden Hofes, besteht als solche gar nicht mehr.

Die Kapelle im k. k. Convicte ober dem Bogen in der Bürgergasse, durch welche der Verbin-dungsgang zwischen dem Priesterhause und den Orato-rien und Sakristei des Domes geht, dient noch zum Gebrauche der Seminaristen.

Die Kapelle im Kriegsgebäude, in der Bürgergasse, ist seit Aufhebung des alten Convictes ganz verlassen.

Im Damenstifte, dem ehemaligen Kloster der Dominikanerinnen, ist ebenfalls eine Kapelle, die noch zum Gebrauche der Stiftsdamen dienet.

Die Kapelle im Landhause ist zu klein, um die versammelten Stände zu fassen; daher bei den Land-

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tagen die feierliche Messe vom Erbhofkaplan, dem je-weiligen Prälaten von Rein, in dem daran stoßenden Saale abgehalten wird. In derselben feierten einst die protestantischen Landstände bei geschlossenen Thüren ihren Gottesdienst.

Die Kapelle im Johanneum, größer als die vorigen, war schon in früherer Zeit unter dem Namen der Leslie-Kapelle bekannt, und wird fortwäh-rend von den Bewohnern der benachbarten Häuser be-sucht. Sie enthält ein sehenswerthes Altarblatt, die Taufe Christi vorstellend, von dem Director der ständ. Zeichnungs- Akademie, J. Stark.

Der Gottesdienst wird täglich um 7 und 8 Uhr, Sonntags um 9 Uhr abgehalten.

Die Kapelle in der Residenz des Bi-schofs dient nur zum Privatgebrauche des fürstlichen Bewohners. Sie ist einfach, aber geschmackvoll.

Die k.k. Burg, ein alterthümliches, unregelmäßig gebautes Schloß, an dem östlichen Ende der Stadt.

Den ersten Grundstein zu dieser Burg legten höchst wahrscheinlich schon die alten Trungauer, und wohnten hier, wenn sie, vom Stammschlosse Steyer aus, eine Bereifung ihrer großen Markgrafschaft und der wichti-gen Besitzungen um Gräz vornahmen. In den Mauern dieser Burg walteten oft die tapfern und frommen Ba-benberger, als sie das reiche Erbe der Steyermark mit Oestreich vereinigt hatten. Hier hausten auch viele Söhne Habsburgs, denen die unerschütterliche Treue der Steyermark so oft in den gefahrvollsten Augen-blicken ihres Regentenlebens Hülfe und Trost gewährte. Sie ist die Wiege des durch Ferdinand II. erneuerten Regentenstammes aus dem Geschlechte der Habsburger; denn dieser Kaiser wurde am 9. Juli 1578 hier geboren. Aus ihr erhielten beinahe alle Thronen Europa's durch hier geborene Prinzessinnen neuen Glanz und neue Dauer. So wurde hier geboren: den 16. August 1573 Erzh. Anna, nachmalige Gemahlinn König Sigmunds von Pohlen; 10. November 1574 Erzh. Maria Chris-tina , nachherige Gemahlinn Sigmund Bathorys, [107]Fürsten von Siebenbürgen; 25. December 1584 Erzh. Margaretha, nachherige Gemahlinn König Philipps III. von Spanien; 7. October 1589 Erzh. Magdalena, nachherige Gemahlinn Kosmus III. von Toskana; 13. Juli 1610 Maria Anna, Gemahlinn Herzogs Maximi-lian von Baiern; 16. Juli 1611 Cäcilia Renate, nach-herige Gemahlinn Uladislaus IV. Königs von Pohlen ꝛc. Jetzt ist sie die Wohnung des Gouverneurs von Inneröstreich, gewöhnlich auch des allerhöchsten Hofes, wenn er hier anwesend ist, und der Sitz des Guber-niums, dann einiger demselben unterstehenden Behörden. Das Gebäude hat 4 Höfe, einen Thurm, einen großen Garten auf der Bastei, und ist mittelst gedeckter Gänge mit dem Burgthore, mit dem Dome und dem Theatergebäude in Verbindung gesetzt.

Einst führte von hier auch ein sicherer noch sicht-barer Gang auf das Bergschloß, und ein unterirdischer Gang in das Jesuitencollegium. Der Theil, worauf der Urthurm steht, möchte fast der älteste seyn. Die übrigen Gebäude sind, den Buchstaben A. E. I. O. U. und den Jahreszahlen 1450. 1455. 1458. *(1450. 1455. 1458.) zufolge, meist von Friedrich III. in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts erbaut. Jener Theil gegen die Bastei wurde später, nachdem er durch eine Feuersbrunst zer-stört worden war, nach neuerer Bauart hergestellt. An den inneren Mauern des großen Hofes findet man viele Denksteine und Inschriften von Kaiser Friedrich und feinem trefflichen Sohne Maximilian sowohl, als auch aus der römischen Vorzeit.

Zu den Ersteren gehöret ober dem Thore ein großer einfacher Adler; auf der Mauer unter dem Thurme das Monogramm Kaiser Friedrichs mit dem kais. und portug. Wapen; ein Stein mit folgender Inschrift:

Venerandae vetvstati Imp Caes Maximilian vs Aug. cineres. et ossa Rom. cum vitro integro avmis- mateq. antiqvo. apvd. Levbnicvm effossa hve, reponi ivssit. Anno M D. VI. XII. K. maii.

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Von römischen Denkmälern befinden sich folgende an den Mauern der Burg: zuerst in der Nähe voriger Inschrift eine große Steinplatte mit der Aufschrift:

T. Vario. Clementi. Ab. Epistvlis. Augustor. Proc. Provinciar. Belgice. et. utriusq. Germ. Raetiae. Mauret. Caesarens. Lusitaniae. Ciliciae. Praef. Equit. Al. Britannicae. Miliar. Praef. Auxiliorum. in. Maret. Tingitan. Ex. Hispania. Missorum. Praef. Aequit. Al. II. Pannoniorum. Trib. Leg. XXX. V. V. Praef. Coh. II. Gallorum. Macedonicae. Civitas. Treverorum. Praesidi. Optimo.

Weiter oben ein Grabstein, auf welchem das Brustbild eines Mannes, einer Frau und eines Kindes, mit der Aufschrift:

Candidus. Q. Morsi. Potentis, Titiani. Fr. Sibi. et. Suriae. con, Opt, Ann. XX. et.

der bei Erbauung der Festungswerke gefunden und hieher versetzt wurde.

Am Ende des Burghofes ober der schönen Wen-deltreppe befindet sich ein Grabstein, auf welchem die Brustbilder eines Mannes und einer Frau, mit der Inschrift:

C. Duronius.Martialis. V. F. sibi. et, Proculfiae. Proclae. Coni. Ann. XXX, et. C. Duron. Ursi. No. Fann. XX.

Endlich gerade unter dem Thurme ein Stein, auf [109] welchem ein Kopf mit Flügeln und auf beiden Seiten ein Vogel zu sehen ist, mit folgender Aufschrift: Bellatulo. Biraconis, F. Anm. LXX. et. Alte. onlatae Malsonis. F. Con. Ann. IX. et, Fevimae. F. Ann, XXX. Et, Claudiae. Ba. Nonae. Anm. VIII. H, F. C.

Eine Merkwürdigkeit des Burghofes, die aber mehr Aufsehen macht, als sie eigentlich verdient, ist der Stein nächst dem Brunnen mit einer hebräischen Inschrift, die ohne Abbreviatur mit der Punktierung auf folgende Weise lautet:

???? *(In den Fundgruben des Orients, B. 5, S. 96 findet sich folgende Übersetzung: Traurig tönt meine Cither, und die Stimme vertrocknet mir vor Schmerz über den Hintritt des Gerichtsvorste-hers und weisen Lehrers Rabl Misim des Sohnes Rabi Aharon, welcher in seine ewige Wohnung abging, den fünfzehnten Tag des Monats Juni im Jahre 147 nach de kleinen Zahl; im sechstausendsten Jahre. Seine Seele sey umschlungen mit den Banden des Lebens, Amen!) :

(Hebräischer Text nicht transkribiert)

Dieser Stein galt bisher für eins der ältesten Denkmale der Steyermark, indem man glaubte, daß er lange vor Christi Geburt gesetzt worden sey, und[110]man hielt ihn für den Grabstein eines Prinzen von Jerusalem. Aus der berührten Uebersetzung und Erklä-rung aber erhellet, daß er in das dreizehnhundert neun-undachtzigste Jahr der christlichen Zeitrechnung gehört, und nichts anderes als der Grabstein eines Vorstehers und Lehrers einer jüdischen Gemeinde ist. Er wurde nahe bei Gräz in der Carlau, wo be-kanntlich die Juden eine Stadt gegründet hatten, gefunden.

In der Burg befand sich sonst auch eine prächtige Bibliothek, in welcher viele kostbare Manuscripte auf-bewahrt wurden, die aber schon im Jahre 1745 nebst der gräfl. Stahrenbergischen nach Wien kam. Eben so ging es den Gemählden, welche sonst die Säle und Gänge schmückten, und worunter viele von berühmten Meistern sollen gewesen seyn. Aus der alten Kunst- und Waffenkammer führte man nur die besten Stücke nach Wien; alles Uebrige wurde im Jahre 1765 öffent-lich versteigert.

Auf jeden Fall bleibt dieser alte Fürstensitz höchst interessant, und es ist nur Schade, daß darüber so wenig historisch Begründetes aufzufinden war.

Die zunächst an der Burg liegenden Häuser in der Burggasse gehörten einst ebenfalls dazu, und standen mit ihr in unmittelbarer Verbindung.

Das Landhaus, dessen Hauptfronte in die Her-rengasse, die eine Seite in das sogenannte Landhaus-gäßchen, und die Rückseite in die Schmiedgasse gehet, ein altes, schwarzes, sehr ehrwürdiges Gebäude, in welchem sich sämmtliche ständ. Behörden befinden.

Es erhielt seine gegenwärtige Gestalt im fünfzehn-ten, sechzehnten und siebenzehnten Jahrhunderte, indem die Herren Stände mehrere benachbarte Häuser nach und nach ankauften und zu ihrem Bedürfnisse umstalteten. So kauften sie im Jahre 1424 von dem Bürger Heinrich Ernst das Haus sammt der Lehenschaft, die Kapelle in der Herrengasse, die Kanzlei genannt; im Jahre 1519 das Haus des Gregor Reinwald in der Schmiedgasse; im Jahre 1534 das Haus des Ulrich [111]Holzer um 600 Pfund Pfennige; im Jahre 1594, nach Aussterben der alten Ritterfamilie Rindscheit, deren Haus in der Schmiedgasse, und im Jahre 1639 das Haus der Freiherren von Ratmannsdorf.

In der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts wurde dasselbe durch eine Feuersbrunst gänzlich zerstö-ret; nach im Archive vorhandenen Rechnungen aber vom Jahre 1557– 1567 wieder hergestellt; wo es wahrscheinlich so gebaut wurde, wie es heut zu Tage zu sehen ist.

Es nimmt einen bedeutenden Raum ein, um schließt zwei große und zwei kleine Höfe, und hat in den drei Stockwerken viele weite und schöne Säle, worunter sich die sogenannte grüne Stube, das ist der Saal, wo die Landtagsversammlungen, die öffentlichen Prüfungen über die vaterländische Geschichte, die Versammlungen der kais. königl. Landwirthschaftsgesellschaft und des Musikvereins gehalten werden, besonders auszeichnet. Diesem zunächst ist der Rittersaal, der einst mit sämmt-lichen Wapen der Steyermärkischen Adelsgeschlechter ge-schmückt war, seit dem Jahre 1825 aber im neueren Geschmacke gemahlt und decoriert worden ist. Nebst den berührten Wapen befanden sich sonst auch in den verschiedenen Sälen des Landhauses mehrere Gemählde, welche Schlachten, Belagerungen und andere merkwür-dige Begebenheiten aus der steyermärkischen Geschichte darstellten, nun aber verloren gegangen sind.

Hier wird auch die Originalurkunde, vermög wel-cher Herzog Ottokar auf dem Georgenberge im Jahre 1186 die Steyermark an den Babenberger Leopold übergab, dann der steyerm. Herzogshut, der sonst in der Burg aufbewahret, im Jahre 1785 nach Wien ge-führt, am 10. Mai 1790 aber wieder nach Gräz zu-rück gebracht wurde, und der steyerm. Landschadenbund (ein sehr kunstvoll gearbeiteter Pokal) aufbewahret *(Wer diese Gegenstände zu sehen wünscht, hat sich an den stand. Archivar Hrn. Wartinger zu wenden.).

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In dem Archive, dessen Vorsteher der gelehrte Hi-istoriker Hr. Joseph Wartinger ist, liegt noch ein gro-ßer, bisher wenig benützter Schatz geschichtlicher und statistischer Daten über das Vaterland.

Ober dem Thore in der Herrengasse steht ein klei-ner alterthümlich geformter Thurm mit einer guten Uhr und mit dem steyerm. Wapen geschmückt. Neben diesem Thore sowohl, als auch neben dem in der Schmiedgasse, ist eine große Tafel mit einem dabei ge-mahlten entblößten Schwerte zu sehen, die folgende Inschrift enthält:

„Mit der Fürstl. Durchleicht Erzherzogens Carl zu „Oesterreich unsers gnädigsten Herrn und Landesfür- „sten gnädigsten Vorwissen, wessens und ratification „hat Ein Er. Hochlöbl.- Laast dieses Herzogthum „Steyers im Landtag unter andern auch dahin be- „schlossen, und Befehl gethann das Niemand wer er „auch seyn mag, sich unterstehe, in diesem hoch be- „freyten Land- Haus zu rumorn, die wöhr Tolch, „oder Brodmesser zu zucken, zu balgen, und zu schla- „gen, gleichfalls mit andern Wöhren ungebühr zu „üben, oder Maulstreich auszugeben, sondern hierin- „nen aller Gebühr, und Bescheidenheit mit Worthen, „und werken zu gebrauchen, welche aber darwider „handeln, das dieselbe nach Gelegenheit des Verbre- „chens an Leib und Leben unnachlässig sollen gestraffet „werden, darnach sich mäniglich zu richten. - „Actum Grätz den 20. Februarii 1588, „Renovatum den 12. April 1694.”

An dem Landhause angebaut und mit demselben in Verbindung ist das ständ. Zeughaus, wovon wir noch im VI. Abschnitt zu sprechen gedenken.

Ober dem Thore desselben in der Herrengasse be-finden sich nebst dem steyerm. Panther auch die Wa-pen: des Hanns Christ. Freih. v. Myndorf, damaliger Präsident des Hofkriegsraths, dann des Andrä, Probst zu Rottenmann, Wilh. Freih. v. Rattmannsdorf, Eh-renreich Graf von Saurau, Gottfr. Freih. v. Eybes-wald, mit der Jahrszahl A. D. 1644, und auf beiden [113]Seiten zwei kolossale Statuen des Mars und der Minerva.

Das Rathhaus auf dem Hauptwachplatze, fast im Mittelpunkte der Stadt, der Sitz des Magistrats und all seiner Behörden.

Schon in einer Urkunde vom Jahre 1375 ist die Rede von einem Stadthaus, welches der Ausbesserung bedurfte.

In einer Urkunde vom Jahre 1448 bestimmte Kai-ser Friedrich III. das sogenannte alte Kanzlei- Haus neben der alten Judengasse, zunächst des Christ. Zue-schrotters Haus, welches die Bürgerschaft gekauft hatte, zum Rathhause, befreite es von allen Abgaben, er-laubte, in demselben einen Frohnkeller und eine Taferne zu halten, worin Malvasier u. a. wälische Getränke ausschließend verkauft und ausgeschänkt werden sollten. Ob dieses Rathhaus auf demselben Platze gestanden, wo das jetzige steht, war nicht zu erforschen, obwohl das vor dem Jahre 1807 hier gestandene ein sehr altes Ans-sehen hatte. Im genannten Jahre wurde durch Christ. Stadler das neue prächtige Gebäude, eine wahre Zier-de des Platzes, erbaut, und kostete über 150000 Gul-den, welche mittelst einer neuen Steuer auf den in Gräz einzuführenden Wein eingebracht wurden. Es hat 2 Thore, wovon das eine auf den Platz, das andere in die Herrengasse führt. Ober dem ersten ruht eine große, zu öffentlichen Publicationen bestimm-te Altane auf 8 steinernen Säulen, die zugleich diesem Haupteingang etwas Imponierendes geben. Ober dem dritten Stockwerke am Dache befindet sich eine Gallerie, in deren Mitte eine schöne Uhr, und über derselben das Wapen der Stadt und des Herzogthums, ein feuerspeien-des gehörntes Pantherthier oder Stier in kolossaler Größe. An den beiden Enden der Galerie stehen die Statuen der Geschichte und der Gerechtigkeit mit mehre-ren Genien umgeben, von dem geschickten Bildhauer Gagon gearbeitet.

Im großen Rathssaale im ersten Stockwerke wird unter anderen auch das alte Gerichtsschwert gezeigt, [114] welches die früheren Stadtrichter bei Amtsverrichtungen zu tragen pflegten. Das Mittelband der Scheide zeigt das steyerische Wapen, erhaben und vergoldet, die Hülfe den kais. Adler. Es ist ganz mit Inschriften bedeckt, die zugleich eine Quelle für die Geschichte des Gräzer- Ma- gistrates sind.

Das ständische Theater- und Redouten- Gebäude; in der Hofgasse, der k.k. Universitäts- Bi-bliothek gegenüber.

Nachdem das sonst auf dem Tummelplatz gestande-ne Theater, wegen seiner Lage nächst dem Pulvermaga-zine, gefährlich, für die zugenommene Volksmenge zu klein und zugleich baufällig befunden wurde, wurden die Stände mittelst Zuschrift des k. k. inneröstereichischen Guberniums vom 4. December 1770 aufgefordert, sich zu äußern, ob sie den Bau eines neuen Schauspielhau-ses auf sich nehmen, oder hier zu wenigstens einen Vor-schuß zu leisten sich geneigt fänden, und sie ließen sich zu Letzterem herbei, wenn die allerhöchste Bewilligung dazu erfolgen würde.

Während man über die Weise des Baues, ob das alte Haus der Witwe Piccinelli abgelöst, oder ein neues angekauft werden sollte, sich berathschlagte, er-folgte die allerhöchste Entschließung mittelst Hofkanzlei- Decret vom 27. Februar 1773, daß den Ständen der ganze Bau des Schauspielhauses und Redoutensales ge-gen Bezug des Entrée überlassen bleibe, jedoch mit dem ausdrücklichen Beisatze, daß die k. k. Hofstelle keine Veranschlagung der Baukosten auf den Unterthan zuge-be, und daß diese daher auf anderem Wege zu decken seyen.

Es berichtete daher der ständische Ausschuß unterm 20. August 1773, daß die Stände nach dem Willen Sr. Majestät den Theaterbau übernähmen und als Lo-cale den Vicedom-Garten vorschlügen, welcher dann auch mit Ministerial- Banko - Hofdeputations- Rescript de dato Wien 28. October 1774 und Gubernial- Inti-mat de dato 22. November 1774 den Ständen gratis zu obigem Zwecke übergeben wurde.

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Es begann der Bau unter dem Landeshauptmann Leopold Grafen von Herberstein, verordneten Amtsprä-sidenten Ignaz Graf Kazianer, verordneten Räthen: Johann Anton, Probst des Stiftes Stainz, Carl Graf von Trautmannsdorf und Franz Edlen von Lierwald, deren Wapen sich sonst an der Vorderfronte des Schau-spielhauses befanden, jetzt in dem neuen Hause rück-wärts eingemauert sind. Den Bau selbst leitete Herr Franz Anton Graf Inzaghi.

Das Theater war, nachdem es in dem Laufe von 47 Jahren seines Bestehens mehrere Abänderungen und Verbesserungen erhalten hatte, in der letzten Zeit vor dem Brande von 1823 drei Stockwerke hoch, in glei-cher Höhe mit dem Parterre waren 4 Logen, im Hin-tergrunde des 1. Stockes die Hofloge, übrigens im 1. Stocke 22, im 2. 24, und im 3., welcher eine Galerie bildete, 4 Logen. Von erstern wurden dem jeweiligen Unternehmer mehrere durch Kontrakt zur eigenen Be-nützung überlassen, die übrigen blieben den Ständen, nach der Anciennität durch Vormerkung, gegen einen bestimmten Zins vorbehalten.

Im Ganzen faßte dieses Theater im Parterre, Logen und Galerie gegen eilfhundert Zuseher. Der Redou-tensaal, sammt Neben- und Speisezimmern im 2. Stock, nahm gegen 1500 Personen auf. Da der Fußboden des Redoutensaales mit dem ersten Rang der Logen in gleichem Niveau war, so wurde bei festlichen Gelegen-heiten ein Podium ober dem Parterre und der Bühne zur Redoute umstaltet. Im Ganzen war dieß Theater gut gebaut, doch keine Stiege gewölbt, und das Thea-tergebäude von jenem des Redoutensaales durch keine Feuermauer geschieden. Die Heizung geschah mittelst Oefen, welche theils im Parterre, theils unter demselben angebracht waren.

Der unglückliche, in der Nacht vom 24. auf den 25. December 1823 ausgebrochene Brand zerstörte das Ge-bäude gänzlich.

Die H. H. Stände entschlossen sich aber schnell, diesen Erheiterungsort so bald als möglich wieder herzu- [116]stellen und es wurde zur Verfassung der Pläne die Hof-kanzlei- Bewilligung vom 26. Jänner 1824 ertheilt, welcher die allerhöchsten Entschließungen vom 27. De-cember 1824 und 5. Jänner 1825 über die Art der Er-bauung nachfolgten.

Zur Projektierung der Herstellung und zur Verfass-ung der Pläne ersuchten die Stände den k. k. Herrn Hofbaurath von Nobili, sich hieher zu verfügen, und nachdem demselben von Sr. Excellenz dem Herrn Lan-deshauptmann der Wunsch geäußert wurde, daß wegen Vermehrung der Bevölkerung auf Vergrößerung des Raumes, jedoch mit Beibehaltung der Hauptmauern, Bedacht genommen werden möge, so wurden diesem Wunsche gemäß die Pläne von dem k. k. Herrn Hof-baurath verfaßt, und es erlaubt nun der Raum des Theaters den Eintritt von 1400 bis 1500 Zusehern.

Das Theater besteht nebst dem Parterre aus 4 Stockwerken: in ersterem befinden sich 12 Logen und ein Amphitheater, worauf ein Theil, der Sperrsitze an-gebracht ist; im 1. Stocke sind 20 Logen und die große Hofloge, der 2. enthält 22, und der 3. 4 Logen nebst einer Gallerie als sogenannten 2. Platz; der 4. hat bloß Sitzbänke. Im Ganzen bestehen also 58 Logen, ohne Einrechnung der großen Hofloge. Sperrsitze sind im Parterre und Amphitheater 92. Die Bühne erhielt eine besondere Erhöhung, damit die Dekorationen, ohne sich zusammen zu rollen, ganz hinauf gezogen werden können, welches die Auslagen des Baues sehr vermehrte.

An der Wand ober der Bühne ist der kaiserliche Adler und das steyermärkische Wapen, und zu beiden Seiten desselben die Brustbilder der größten Dichter, Tonkünstler und Schauspieler der neueren Zeiten an-gebracht. Den obersten Raum nimmt ein allegorisches, auf die Kunst sich beziehendes Gemählde ein.

Der Redoutensaal wurde durch einige kleine Abän-derungen der vorigen Form, durch eröffnete Kommunica-tionen und durch eine Art Gallerie so erweitert, daß nun gegen 1800 Menschen darin Platz finden.

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Er ist nach neuestem Geschmacke gemahlt, mit Spie-geln und Lustern dekoriert, und mit allen Bequemlich-keiten versehen. -

Als besondere Wohlthat ist zu bemerken, daß die Stiegen und prächtigen Vorhallen eben so wie der Saal, die übrigen Zimmer und das Theater, mittelst 4 Meiß-ner'schen Oefen beheizt werden, welche überall gleich-mäßige Wärme verbreiten.

So ist das Gebäude solid hergestellt. 7 Stiegen sind gewölbt. Zwischen dem Podium, dem Schauplatz, dem Redoutensaal, Mahlersaal und Scenen-Magazin sind Feuermauern aufgeführt und mit eisernen Thüren und Bal-ken versehen. Ueberhaupt wurde die ganze Projektierung des k. k. Hofbauraths von Nobili nicht nur zweckmäßig, sondern auch nach dem Geschmacke der Zeit und mit aller Bedachtnahme auf Gemächlichkeit ausgeführt.

Durch die Demolierung der nahe gelegenen Häuser und Herstellung des Franzensplatzes wurde das Theater von fast allen Seiten frei gestellt, und die Fußgeher er-hielten einen eigenen Ausgang an der Fronte der Hof-gasse, die Fahrenden aber an der Seite des Franzens-platzes, wo sich auch die Wägen aufzustellen haben.

Die Fronte des Redoutensales führet eine lateini-sche Aufschrift, welche über den Brand und die Wie-deraufbauung Aufschluß gibt.

Die zweite Fronte ist mit dem steyermärkischen Wapen geschmückt.

Die schwierigste Aufgabe bei Ausführung des Baues - die Beischaffung der Geldmittel – wurde nach reifer Erwä-gung glücklich gelöst, ohne die Domestikalkasse oder irgend eine Kasse der Kontribuenten in das Mitleid zu ziehen.

Es fanden sich nämlich zwei ständische Fonds, wel-che mit der Domestikalkasse keine Gemeinschaft haben: 1. der ständische Zeughausfond, und 2. die reinen Ueber-schüsse des Ertrages vom Rohitscher Sauerbrunnen.

In jener Zeit, als die Stände Steyermarks die Lan-desvertheidigung auf sich hatten, wurde von mehreren ihrer begüterten Mitglieder eine bedeutende Anzahl metallener Kanonen zum ständ. Zeughause unentgeldlich gespendet.

[118]

Diese den Ständen eigenthümlichen Kanonen ka-men im Jahre 1797 wegen Feindesgefahr nach Neusatz in Ungarn. Da nun deren Rücktransportierung große Kosten verursacht haben würde, und selbe ohnehin außer Kaliber waren: so verkauften sie die Stände mit höhe-rer Bewilligung, und kauften dafür öffentliche Obliga-tionen, aus welchen sich mit Zuziehung der Zinsen ein Betrag ergab, der zur Bestreitung eines bedeutenden Theiles der Baukosten zureichte.

Der Bau wurde vollendet unter der Landeshaupt-mannschaft Sr. Excellenz des Herrn Ignaz Grafen von Attems, k. k. wirklichen geheimen Rath ꝛc., dann der verordneten Räthe: Herren Gotthard, Abten zu Admont Excellenz, Anton Grafen von Attems, Max. Grafen von Dietrichstein, Johann Ritter von Kalchberg, Fer-dinand Ritter von Thimmfeld und Carl Kircher, im Jah-re 1825.

Die Ausführung geschah unter der Leitung der ständischen Baukommissäre: Herrn Anton Grafen von At-tems und Herrn Carl Freiherrn von Mandell. Baumeis-ster waren: Rothmayer, Mareck und Aichinger; Zimmer-meister: Windisch und Ohmeyer.

Die Cortime und meisten Decorationen sind von den k. k. Hofmahlern die Pian und Gail.

Die Ausmahlung des Theaters, so wie des Redou-tensaales und der Nebenzimmer, wurde nach Angabe des k. k. Herrn Hofbauraths von Nobili, von Herrn To-bias Mösner, welcher auch mehrere Dekorationen ver-fertigte, ausgeführt. Die Maschinerien sind das Werk der Herren Adam und Andreas Roller, Maschinisten am Josephstädter Theater in Wien. Beiden gebührt das Verdienst der Projektierung. Letzterem aber insonderheit jenes der Ausführung.

Das k. k. Convictsgebäude in der Hofgasse Nro. 32, gewiß das größte und solideste der ganzen Stadt, mit vier Stockwerken, vielen Sälen und weit-läufigen Gängen, einem großen Hofe und einem Gar-ten. Es war einst die Residenz der Jesuiten, und sehr reich dotiert.

[119]

Im Jahre 1571 beschloß nämlich Erzherzog Carl, der Gesellschaft Jesu einen dauernden Sitz in Gräz zu begründen. Er berief deshalb den Provinzial dieses Or-dens, Pater Lorenz Magen, von Wien, weil dieser aber eine Reise nach Pohlen machen mußte, so kam statt ihm am 12. Mai d. J. der Pater Rektor Emerich Forsler. Anfangs wollte man ihnen das Franziskanerkloster einräumen; weil aber dieses zu weit von der Burg entlegen, auch zur Errichtung eines Seminariums zu klein war, wurde ihnen der Pfarrhof bei St. Aegyden übergeben. Der Erzherzog setzte sich mit dem Generalen der Gesellschaft, Franz Borgias, ins Einverständniß, und der Bau des Collegiums ging bald durch die vereinten Kräfte schnell von Statten *(Der Stiftbrief von Carl, die dato 4. Nov. 1573, liegt ab schriftlich im Archive des Johanneums.).

Weil derselbe aber so groß berechnet und so weit-läufig war, wurde er doch erst, nachdem im Jahre 1601 Erzherzog Ferdinand dem Collegium das reiche Fürstenthum Millstadt in Kärnthen geschenkt hatte, im Jahre 1607 völlig vollendet.

Als endlich am 6. Sept. 1773 die Jesuiten aufge-hoben worden waren, wurde am 20. Nov. 1783 hier das Generalseminarium für den Clerus von ganz Inner-östreich eröffnet.

Die Zöglinge desselben besuchten die öffentlichen Vorlesungen über die ihnen nöthigen Wissenschaftszweige, und wurden in dem Institute zu allen Verrichtungen ihres künftigen Standes vorbereitet. Auch alle jungen Mön-che mußten ihre geistlichen Studien- und Vorbereitungs-jahre in dem Generalseminarium aushalten.

Der Eingang führte die Aufschrift:

Instructioni Cleri, Religionis Fundomento, Vovit Josephus II. Aug. MDCCLXXXIII.

Auch dieses Generalseminarium wurde wieder auf-gehoben, und im Jahre 1803 ein Erziehungshaus für [120]studierende Jünglinge, das noch bestehende k. k. Convict, und später auch das Priesterhaus der Seckauer- Diözese von Sr. Majestät unserm allergnädigsten Kaiser hier errichtet.

Es führt daher die Aufschrift:

Institutionijuventutis, ingenis, moribus, vovit Fran- ciscus II. 1803.

as Johanneum, einst der Rauberhof ge-nannt, seit dem Jahre 1812 aber nach dem hier beste-henden National- Museum, mit dem jetzigen Namen geschmückt.

Seine frühere Benennung hatte das Gebäude von jenem steyerm. Riesen, dem berühmten Andrä Eber-hard Freih. v. Rauber, dem treuen Gefährten und Liebling Kaiser Maximilians II., erhalten. Das Bild dieses ungeheueren Mannes, dessen Bart bis zum Boden, und wieder zurück bis zum Gürtel reichte, wird noch in einem der Zimmer aufbewahrt. Seine außerordentliche Stärke, sein Kampf mit dem Juden am Hofe Erzherzog Carls, und jener Sackkampf auf dem Tummelplatz, haben sich noch als Volkssagen im Munde der Gräzer erhalten. Er starb im Jahre 1575, 68 Jahre alt, auf seinem Gute Petronell in Ungarn, in dessen Pfarrkirche man noch ein Grabmal zeigt.

Der Rauberhof kam nun an das Stift St. Lam-brecht, und im Jahre 1684 an die Familie der Grafen von Leslie, welche auch am 19. Jänner 1685 den heu-tigen Garten, der damals eine Gemeindwiese war, vom Stadtmagistrat erkaufte. Nach dem Aussterben der Leslie, mit dem Grafen Anton, am 22. Februar 1802, kam diese Besitzung an die Fürsten von Dietrich-stein, von welchem sie endlich im Jahre 1811 die Hrn. Stände zur Einrichtung des National- Museums er-kauften. Von Letzterem wird im VII. Abschnitt weit-läufig gesprochen werden.

Die k. k. Kriegskanzlei in der Bürgergasse Nro. 31, ein altes großes Gebäude, in welchem sich einst das von Erzherzog Carl im Jahre 1576 für [121]Studierende gestiftete, und ebenfalls von den Jesuiten ge-leitete Convicte befand. Im Jahre 1591 übergab Erz-herzog Ernst demselben die von den Mönchen verlas-sene Carthause Gayrach, um von deren Einkünften einige Studenten, die man Alumnos gyrienses nann-te, zu erhalten. Dieses Collegium wurde im Jahre 1775 aufgehoben, und die Stiftung in Handstipendien verwandelt.

Ober den Thoren sieht man noch das Brustbild des Stifters und die alte Aufschrift:

Collegium archiducale convictorum et alumnormm societatis Jesu.

Das Freiherrlich Spiegelfeld'sche Haus in der Burggasse Nro. 4.

Man sieht an demselben zwischen dem ersten und zweiten Stockwerke einen runden antiken Stein, auf welchem ein geharnischter Römer in erhabener Arbeit sich befindet. In diesem Gebäude war einst das kais. Pfennigamt.

Das Haus der Edlen von Fraidenegg, in der Burggasse Nr. 6, ist bloß des Saales wegen, worin der steyerm. Musikverein seine Uebungskonzerte hält, bemerkenswerth.

Das Haus der Grafen von Trautmanns-dorf, in der Bürgergasse Nr. 25, mit dem Wapen des berühmten Maximilian von Trautmannsdorf geschmückt.

Nicht wegen prächtiger Architektur, noch we impo-nirender Größe, obwohl es sich in drei Gassen erstreckt, sondern wegen dem Geschlechte, welchem es seit Jahr-hunderten angehört, verdient dieses Gebäude ausge-zeichnet zu werden.

Das Rospinische Haus in der Bürgergasse Nro. 17. Dieses große Haus ist ganz in die ehemalige, von Friedrich dem Friedsamen erbaute Kirche der Do-minikanerinnen, aus deren daneben stehendem Kloster in neuerer Zeit das Damenstift geworden ist, hinein-gebaut, wie man noch rückwärts deutlich ersehen kann. Ober der jetzigen Einfahrt befand sich sonst der Thurm, und hinter demselben, wo jetzt der Hof, die Begräb- [122]nisstätte des Convents. Im Erdgeschoß ist die ausge-zeichnete Fabrik physikal. Instrumente der Gebr. Ro-spini, und auf dem Dache ein kleiner astronom. Thurm mit einer großen Camera obscura.

Das adeliche Damenstift in der Bürgergasse Nro. 16. Dieses Gebäude, das einst einen weit grö-ßeren Umfang und einen Garten, auf welchem jetzt mehrere benachbarte Häuser stehen, hatte, entstand, als im Jahre 1465 Kaiser Friedrich der Friedsame den Franziskanern hier ein Kloster erbaute. Die Franzis-kaner blieben im Besitze desselben, bis sie es im Jahre 1515 an die Dominikanerinnen übergeben mußten.

Von Letzteren, aus welchen die Stiftsdamen gewor-den, wird im XII. Abschnitt weitläufiger gesprochen werden.

Das Kannrath'sche Haus auf dem alten Ta- bakamtsplatz Nro. 112, ehemals der Wohnsitz der Gra-fen von Kottulinsky, und noch früher der Hof des Stiftes Pöllau in Obersteyer, das nun aufgehoben ist.

Es kam zu diesem Stifte unter dem gelehrten Probste desselben, Johann Ernst von Ortenhofen, der 1713 starb, und wurde von seinem Nachfolger, dem letzten Probste von Pöllau, Carl Grafen von Breuner, ausgebaut.

Das Haus des Hrn. Math. Prathengeyer, in der Stempfergasse Nro. 125, gehörte einst der gräfl. Familie Wildenstein, die dahin einen römi-schen Denkstein bringen ließ, den man zu ebener Erde an der Stiege mit folgender Inschrift sehen kann:

Insequens, Senilis. Et Censoria. Tevina V. F. Sibi. Et Ingenuae. Terti F. Insequentis Matri. Et Maximiano, Maximi. F. Vitrico

Ueber demselben befinden sich die Brustbilder von 2 Männern, 2 Frauen und 2 Kindern in römischer Tracht.

[123]

In der Hausflur befindet sich auch ein Denkmal aus neuerer Zeit, auf welchem ein geharnischter Ritter, eine Frau und das Stubenberg'sche Wapen mit fol-gender Inschrift zu sehen ist:

1563. H. v. Stubenberg, H. zv Gutenberg und Steiersberg Obster Erbschenk im Land Steier.

Das Kreisamtsgebäude, in welchem bis zum Jahre 1808 das in der Mitte des achtzehnten Jahr-hunderts, vorzüglich durch den Stadtpfarrer zu Gräz Alois Bertholdi, gestiftete, und im Jahre 1778 durch den Bischof von Seckau, Johann II. Philipp Graf von Spauer, besser dotierte Priesterhaus befand.

Das Haus des bürgl. Tischlermeisters Franz Knollmayer, in der Meßnergasse Nro. 181. Hier war das, vom Kaiser Ferdinand I. am 14. Nov. 1561, für 12 Männer und 12 Frauen mit jährlichen Revenüen von 2441 Gulden gestiftete, Kaiser-Hofspital.

Das sogenannte gemahlte Haus in der Herren-gasse Nro. 203. Es hieß einst der Lehenhof, weil hier die Kaiser bei ihrer Anwesenheit in Gräz gewöhnlich die Lehen zu ertheilen pflegten; wie z. B. Kaiser Friedrich III. im Jahre 1455 ꝛc. Später nannte man dies Haus auch den Maximilianshof. In neuerer Zeit gehörte es der Familie Laturner, die dessen Außenseite und den Hof 1742 durch den Mahler Maier um 1000 Dukaten mit Freskogemählden schmücken ließ; daher der jetzige Name.

Das Kollonits'sche Haus, in der Schmiedgasse. Ritter Erhard von Pollheim hatte, nach Vertreibung der Juden aus Gräz, das sogenannte Judel- Judenhaus von Kaiser Maximilian zum Geschenke erhalten. Aus diesem, dann aus dem Christ. Heiberger Haus und aus einem dritten, entstand das nunmehrige große Gebäude, welches am 18. October 1630 Hanns Wilh. Freih. v. Galler auf Schwanberg, dem Sebst. Pfneißel, Land-schaftskoch zu Gräz, und seiner Gattinn Barbara ver-kaufte, von welchen es am 1. Febr. 1640 an Otto Gottfried von Kolonits kam.

Der Vorauerhof, in der Raubergasse Nro. 380, seit 1823 ein Eigenthum des Staates und Sitz der [124] kaiserl. königl. Kameral- und Kriegskassen, der Staats- Buchhaltung ꝛc.

Es wurde im Jahre 1676 von Joh. Mich., Abt des vom Markgrafen Ottokar VI. am 9. August 1163 gestifteten Klosters regul. Chorherren, zu Vorau in Obersteyer, erbaut.

Das kaiserl. königl. Tabakamts- Gebäu-de, in der Raubergasse Nro. 378, einst das Eigenthum der 1140, von Adelram von Waldegg, gestifteten Abtei Seckau bei Judenburg in Obersteyer. Nach Aufhebung derselben am 20. April 1790 wurde dieses schöne Ge-bäude an Privaten verkauft, endlich aber vom Staate zu gegenwärtiger Bestimmung wieder eingelöst. Im Hofe zeugen noch einige steinerne Wapen von den alten Eigenthümern.

Der Stainzerhof, in der Gasse gleichen Na-mens Nro. 385, einst ein Eigenthum des im Jahre 1229 von Leutold von Wildon und seiner Gattinn Agnes von Lichtenstein gegründeten, nun aufgehobenen Chorherren-stiftes des heil. Augustin zu Stainz, 5 Meilen südwest-lich von Gräz.

Das Gebäude der kaiserl. königl. Oekono-mie- Kommission, in der Neuthorgasse, einst ein Nonnenkloster der barfüßigen Karmeliterinnen. Stif-terinn dieses Klosters war Eleonora Gonzaga, des Her-zogs Vinzenz I. von Mantua Tochter, Kaiser Ferdi-nands II. Gemahlinn.

Als sie nach seinem Tode sich mit ihrem ganzen Hofstaat, um in der Nähe seines Grabes zu seyn, von Wien nach Gräz begab, fehlte ihr in dieser Stadt der Umgang mit den Karmeliterinnen, an welchen sie sich in Wien gewöhnt hatte. Sie beschloß daher, ein Klo-ster für diese Jungfrauen zu stiften. Der Bau desselben begann im Jahre 1641, und Kaiser Ferdinand III. nebst seiner Gemahlinn, und der Erzh. Leop. Wilhelm, Bischof zu Paffau, trugen sehr viel dazu bei. Die ersten from-men Frauen wurden Wien herbeigerufen. Die Gräfinn von Herberstein, Obersthofmeisterinn, der Freih. von Zerodin, und der Ordensprovinzial Pater Alexander [125] brachten 4 derselben am 16. Sept. 1642 nach Graz.

Sie wurden in dem Kloster der Karmeliten von Ihrer Excellenz der Gräfinn von Dietrichstein empfangen, und bezogen dann, bis zur Vollendung des neuen Baues, das Zöhrer'sche Haus nächst der Burg. Am 17. hielt der Bischof von Seckau, Johann Markus, in der Hauskapelle die erste Messe, und setzte das hochwürdigste Gut zur Anbetung ein. 1647 den 10. Sept. legte der Landes-hauptmann Sigm. Ludw. Graf v. Drietrichstein den Grundstein zu dem neuen Kloster im Namen des Kaisers.

Am 12. Mai 1654 begab sich der Provinzial der Karmeliter nebst 7 andern Vätern in das Haus der Karmeliterinnen, las dort die letzte Messe, und beglei-tete sie dann mit der Fürstinn von Eggenberg und 6 anderen adelichen Damen in den nun vollendeten Con-vent. Dort wurden sie von der Gräfinn v. Dietrich-stein im Namen der Kaiserinn empfangen und förm-lich in Besitz desselben gesetzt.

Am 26. Sept. 1660 wurde die Kirche von Joh. Markus, Bischof von Seckau, unter dem Titel "Maria Verkündigung" eingeweiht.

Als die Karmeliterinnen im Jahre 1782 aufgeho-ben wurden, ward auch die Kirche gesperrt.

Das Kloster wurde später in ein Militär- Erzie-hungshaus umstaltet, dann aber die Oekonomie- Com-mission hinein verlegt und die Kirche in ein Depot verwandelt.

Das Czeik'sche Haus, ein sehr hohes schönes Gebäude, in der Murgasse Nro. 299, und darneben das sogenannte Paradeis, sind in der Zeit des Lutherthums entstanden und merkwürdig geworden. Jakob von Eg-genberg besaß hier ein Haus sammt einem Garten. Als die Stände von Gräz sich entschlossen, eine eigene pro-testantische Schule zu errichten, gab er im Jahre 1540 diese Besitzung dazu her. Die neu errichtete Schule wurde das Stift genannt, und gewann sehr bald einen bedeutenden Ruf. Die vorzüglichsten Lehrer und Pre-diger waren: David Taner, Jeremias Homberger, Caspar Kratzer, der Dichter Gabelmann, Regius, Chy- [126]trius, Peristerius, Papius u. a. Im Landtage 1580 erwählten die Stände den Magister Hyronimus Peri-ferius zum Rektor, und den Kaspar Kratzer zum Vice- Rektor ihrer Schule, welcher Letztere aber auf Befehl des Erzherzogs Carl bald die Stadt verlassen mußte. Unter Ferdinand II. im Jahre 1598, als fast alle wie-der in den Schooß der katholischen Kirche zurückkehrten, löste natürlich auch diese Schule sich auf, und die Ge-bäude standen einige Jahre hindurch leer. Am 2. März 1602 übergaben sie die Landesstände der Witwe des Erzherzogs Carl und Ferdinands Mutter, Maria von Bayern, und diese ließ aus der alten Schule ein Non-nenkloster für Klarisserinnen, und aus der darneben ste-henden lutherischen Kirche eine katholische herstellen. Papst Clemens VIII. bestätigte diese Stiftung, und er-theilte zugleich die Erlaubniß, die erste Kolonie aus dem bayerischen Kloster bei St. Jacob im Anger kom-men zu lassen, welches auch am 10. November 1602 geschah. Am 25. desselben Monats wurde die Kirche vom Fürst- Bischof von Seckau, Martin Breuner, zu Ehren. Aller Heiligen (weil da schon seit 1511 eine Ka-pelle zu Allerheiligen und ein kleines Hospital darneben gestanden war) feierlicht eingeweiht. Am 1. Juli 1603 stellten Maria und ihr Sohn, Kaiser Ferdinand, einen großen, im Archive des Johanneums noch im Original vorhandenen Stiftungsbrief für dieses Kloster der Kla-risserinnen aus. Es wurden demselben zum Unterhalte 5000 Gulden jährlicher Einkünfte auf das Salzamt zu Aussee angewiesen, und das Dorf St. Margarethen bei Marburg, und zwei Weingärten, von allen Abgaben befreit, übergeben; dafür erhielten die Nonnen die Verpflichtung, für die Fürsten von Oestreich und Bayern jährlich 4 Vigilien, mit Armenspende, zu feiern. Die Zahl der Nonnen ward auf 36 bestimmt, vermehrte sich aber, so wie das Kloster durch vielfache Geschenke rei-cher wurde, bis auf 40 und 50. Die Obsorge über das Ganze erhielten die Priester der Straßburger Pro-vinz, bis im Jahre 1687, auf kaiserl. und päpstl. Be-fehl, die Väter der öster, Provinz sie übernahmen, und [127]zu diesem Ende auch noch eine Wohnung für 6 Beicht-väter an das Kloster angebaut wurde. Die Stifterinn Maria, die den größten Theil ihres Lebens in dem-selben zugebracht hatte, wurde auch nach ihrem Tode, am 29. April 1608, hier beigesetzt. Später kamen auch die Herzen ihres Sohnes Ferdinand II. und seiner Gemahlinn Eleonore, so wie ihres Enkels Ferdinand III., hierher.

Im Jahre 1782 wurde das Kloster auf-gehoben, aus der Kirche das große schöne Czeik'sche (früher Sartorische) Haus gebaut, und das Convents-gebäude, das Paradeis genannt, ebenfalls an einen Privaten verkauft.

Der Admonter-Hof, im Badgäßchen Nro. 296, schon durch lange Zeit das Eigenthum des um die Verbrei-tung der Religion und der Wissenschaften in Steyer mark so hoch verdienten Benedictiner-Stiftes zu Ad-mont im Ennsthalle, welches im Jahre 1074 durch Geb-hard, Erzbischof von Salzburg, gestiftet, und zuerst durch Mönche aus St. Peter in Salzburg bevölkert wurde.

Schon im Jahre 1373 kommt eine Spur von einem diesem Stifte gehörenden Hause in Gräz vor; gewisser ist, daß Abt Albrecht II. dasselbe 1381 zu dem heuti-gen Admonter- Hofe umstaltete. Es dient zur Woh-nung des Prälaten und der Stiftsherren, welche in Gräz größtentheils am Gymnasium und an der Univer-sität angestellet sind. Mit diesem Hofe ist die soge-nannte Bruckgült verbunden.

Das gräflich Attems'sche Wohngebäude, im ersten Sack Nro. 280, gehöret seiner Größe und seiner prächtigen Bauart wegen zu den ersten Gebäuden der Stadt. Es ward gegen Ende des vorigen Jahrhunderts von dem Großvater des gegenwärtigen Besitzers aus mehreren kleinen Gebäuden errichtet.

Das Prandstätter'sche Haus, im ersten Sack Nro. 222, einst ein Eigenthum des Cisterzienser- Stif-tes Rein nächst Grätz. Im Jahre 1164 schenkte Mark-graf Ottokar dem Stifte Rein, unter dem Abt Gerlach Graf von Dunkenstein, einen Hof zu Gräz im Sacke, damit es dort ein Haus mit einem Keller erbauen [128]könne. Dazu erkaufte das Stift im Jahre 1293 noch eine Hube von der Bürgerinn Wolfhilde, und auf diesem Grund und Boden erbaute endlich, um das Jahr 1346, der Abt Herwig das nunmehrige Stiftshaus, welches aber Abt Placidus Mailly, am Anfange des achtzehnten Jahrhunderts, ganz veränderte und im neueren Geschmack herstellte.

Nachdem das Stift unter Kaiser Joseph auf eine Zeitlang aufgehoben wurde, kam diese Besitzung durch Kauf an die Grafen von Dietrichstein, und endlich an den jetzigen Eigenthümer.

Das Ferdinandeum, in der Färbergasse Nro. 105, worin jetzt die Musterhauptschule, einst aber ein Erziehungshaus für arme Studenten war, zu welchem Erzherzog Carl im Jahre 1574 den Grund legte.

Weil Ferdinand II. diese Stiftung in der Folge weiter ausdehnte und besser dotierte, so wurde sie nach ihm das Ferdinandeum genannt.

Ein besonderer Unterstützer desselben war auch Georg Stobäus, Bischof zu Lavant. Damit verbunden war eine Musikschule, deren Zöglinge den Chor in der Hofkirche versehen mußten. Im Jahre 1775 wurde auch diese Anstalt aufgehoben.

Die Grenadier-Kaserne, ebenfalls in der Färbergasse Nro. 106, einst das Molk'sche Haus, dann seit dem Jahre 1776 das Waisenhaus, endlich während dem Baue des neuen Rathhauses der Sitz aller Ma-gistratsbehörden, und zuletzt Kaserne.

Das Haus des Herrn von Fekondo, in der Hofgasse Nro. 42, war einst das Münzhaus von Gräz.

Das deutsche Haus, ein altes großes Gebäude in der Sporrgasse Nro. 78., Eigenthum der deutschen Ordens- Kommende am Leech, mit dem Wapen dersel-ben geschmückt, der Sitz ihrer Kanzleien, und zum Theil die Wohnung ihrer Beamten. Es wurde im Jahre 1690 von dem Komthur Seifried Graf v. Sau-rau angekauft und eingerichtet.

Das Saurau'sche Haus in der Sporrgasse, gerade an dem alten Paulusthore Nro. 75.

[129]

Ober dem Eingange prangt das große Wapen des berühmten, schon über sieben Jahrhunderte blühenden Ge-schlechtes. Oben am Dache sieht man das hölzerne Bild-niß eines Türken mit Schild und Schwert in den Hän-den, in der Stellung, als wollte er sich eben auf den Vorübergehenden herab stürzen. An diese Statue knüpft sich das Andenken der Anwesenheit der Türken im Jahre 1532, wo Ibrahim Pascha in diesem Hause soll ge-wohnt haben, aber durch die Kugeln der auf dem Schloß-berg geflüchteten Bürger auch daraus vertrieben worden seye.

Im Innern sind große schöne Säle, ein geräumi-ger Hof, und rückwärts am Schloßberg ein sehr ange-nehmer Garten. Ein Gang führet hinüber in die Kir-che der Augustiner auf der Stiege; gleichsam die Haus-kapelle.

Der Eselsstall, in der Sporrgasse Nro. 16. Auf dem Platze dieses schönen und geräumigen, an die alte Stadtmauer angebauten Hauses sollen früher die Stallungen für die Maulthiere des kaiserlichen Hofes gewesen seyn; daher der bizarre Name.

Das Reckenzaun'sche Haus, in der Pau-lusthorgasse Nro. 62, ein burgähnliches Gebäude auf einer kleinen Anhöhe nahe am Schloßberge, einst außer den Mauern der Stadt gelegen, nun vom Staate ge-kauft und mit dem allgemeinen Krankenhause verbunden.

Das einstmalige Vicedom- Gebäude, auf dem Franzensplatze Nro. 36, von Kaiser Friedrich III. ge-baut, jetzt der Sitz der k. k. Staatsgüter-Inspection.

Das Garnisonsspital, einst ein Karmeliter- Kloster, auf dem noch nach Letzterem benannten Platze Nro. 52.

Die Karmeliten kamen im Jahre 1628, vom Bischof Christoph von Chiemsee empfohlen, nach Gräz, wurden don Ulrich Fürsten von Eggenberg aufs Beste empfan-gen, und einstweilen im Minoriten Kloster aufgenom-men. Am 9. October 1628 gab ihnen Kaiser Ferdi-nand II das Recht, im ganzen Lande Almosen zu sam-meln, und am 11. April des folgenden Jahres ertheilte [130]er denselben einen Stifts- und Freiheitsbrief, wodurch sie ansehnliche Vorrechte und die Mittel zur Erbauung ihres Klosters erhielten. Sechs Tage später erließ der Kaiser an den Fürsten von Eggenberg, den Freiherrn von Breuner und an die Hofkammer in Gräz den Befehl, die zur Errichtung des Karmeliten- Klosters geschenkte, dem Stadtthore gegenüber liegende Courtine sammt dem alten Bollwerk, dann auch die um einen anständigen Preis zu erkaufenden, nebenliegenden und zu dem Ge-bäude nothwendigen Häuser, wie auch einen Kanal von dem in die Burg rinnenden Wasser, den Karme-liten in ihr Eigenthum zu übergeben und die gemachte Stiftung, und die ertheilten Gnaden und Privilegien zu schirmen und zu schützen.

Die ersten vier Häuser, welche bei Erbauung des Klosters angekauft wurden, waren die des Ulrich Burg-hart, des Martin Friedrich, der Anna Katharina Eggs und der Maximiliana Zollinger, über welche die Stadt-pfarre beim heiligen Blut das Dominium hatte. In der Folge wurde noch dazu, von den deutschen Rittern, das Gladesische Haus gekauft. Im Jahre 1635 ver-kaufte der Hofkr. Rath Casnedy zu Bärnegg den Kar meliten eine Wiese am Paulusthore, welche derselbe von der Judith, Witwe des berühmten Hof- und Kam-mermahlers Peter de Pomis *(Kaiser Ferdinand II. hatte am 23. December 1817 diese Wiese dem Peter de Pomis geschenkt.) gekauft hatte. So hat-ten die Karmeliten den Raum zusammen gebracht, auf welchem ihr Kloster sammt Garten und Umgebungen entstand. Sie erbauten eine ansehnliche Kirche, in welcher unter Anderen die Familie Herberstein ein Oratorium, die Familie Hillebrand, die Freiherren von Eibiswald und andere ihre Familiengruften hatten, u. s. w.

Für Verschönerung der Stadt, durch geschmackvolle Brunnen auf den öffentlichen Plätzen, ist in Gräz noch wenig geschehen. Bemerkenswerth ist die einzige Brun-nenlaube im ersten Hofe des Landhauses, welche die [131]Stände im Jahre 1590 durch Thomas Auer und Max-milian Weining aus Bronce gießen ließen. Die Arbeit zeichnet sich vorzüglich durch Zierlichkeit und Reinheit aus.

Auf dem Hauptplatze steht ein alter Brunnen mit den Jahreszahlen 1510 und 1753 bezeichnet, neben wel-chem sonst der Pranger und der Kotter für die Ausge-setzten stand.

Das Wasser, theils Quell- ,theils Murwasser, ist fast in allen Brunnen der Stadt rein und gesund.

An Uhren ist in Gräz kein Mangel. Die Stadt zählt, außer der trefflichen Schloßberguhr *(Wovon bei Beschreibung des Schloßberges ein Mehreres.), noch 5 gu-te Thurmuhren, und zwar: eine auf dem Rathhaus, eine auf dem Landhaus, eine auf der Stadtpfarre, eine im Convict, eine in der Burg.

Gärten und Spaziergänge. Außer den bei den einzelnen Gebäuden schon angezeigten Privat- oder überhaupt geschlossenen Gärten, hat die innere Stadt keinen, der besonderer Erwähnung werth wäre.

Zum Spaziergange dienet auch der botanische Gar-ten am Johanneum. Der angenehmste Spaziergang ist und bleibt aber der Schloßberg, dessen Be-schreibung und Geschichte wir füglich hierher ziehen können, da er auf drei Seiten von der Stadt um-schlossen wird, und der vorzüglichere Aufgang ebenfalls in der Stadt sich befindet.

Der Gräzer Schloßberg gehört unstreitig zu dem Interessantesten, was die Steyermark und ihre Hauptstadt zu biethen vermögen. Denn so wie gewiß kein Mensch von Empfänglichkeit für die Schönheiten der Natur, denselben, von der entzückenden Aussicht unbe-friedigt, herab gehen kann, hat er auch so viel Merk-würdiges in historischer Hinsicht, daß man die Geschichte desselben, nahe zusammen hängend mit der Geschichte der Stadt und des Landes, nicht vernachlässigen darf.

Ausgegrabene Denkmäler und Münzen, vorzüglich aber die bis zum Jahre 1809 hier gestandene Thomas-kirche, beweisen zur Genüge, daß schon in Römerszeit [132]dieser weit umschauende Bergkegel bebaut und bewohnt war. Nach den Stürmen der Völkerwanderung ließ Karl der Große hier eine Kolonie auf den Trümmern der Vorzeit gründen, und das neugebaute Schloß oder Thurm erhielt von den Gründern den Namen Bayerisch- Gräz, welchen es bis ins sechzehnte Jahrhundert behielt, wo man anfing, das erste Wort (Bayerisch) hinweg zu lassen.

Nachdem es später die Hunnen eine Zeit lang be-sessen hatten, belehnte Kaiser Heinrich IV. den Grafen Walter von Ruen (Rein) mit dem Gebiethe von Gräz; dieser trat es aber dem Markgrafen von Steyer, Ottokar IV., ab. So kamen die Trungauer, nachherige Fürsten des Landes, in den Besitz der jetzigen Hauptstadt. Otto-kar IV. belehnte eine Nebenlinie seines Hauses mit dem Schloß und Gebiethe desselben. Der Erste, der auf dem Schlosse hauste, scheint Helmhart, ein Urenkel Ottokars III. gewesen zu seyn. Seine beiden Söhne sind als Be-gleiter Ottokars W. nach Palästina bekannt. Ein Ande-rer dieses Hauses ward im Jahre 1182 Mönch im Klo-ster Admont, und schenkte demselben, wie schon früher jener Ulrich, mehrere schöne Güter, „scilicet ad Paltun gestorf juxta Rabniz VII. mamsus, supra Diepoldisber-ge, juxtasekil VI., ad Gotilensberge IV. juxta Eccle-siam II. supra Chienove I.” Ein Ottacher von Gräz er-scheint in einer Urkunde vom Jahre 1190, ein Dietmar in einer Seizer-Urkunde vom Jahre 1207; ein Otto, ein Ottokar de Grece und ein Eschwin de Grece erscheinen in Reiner- Urkunden von 1211 und 1212 u. s. w.

Gegen die Babenberger sehen wir die Herren von Gräz in öfterer Fehde. So schlugen sich dieselben auf die Seite Kaiser Friedrichs II., als er 1236 kam, die Reichsacht an Herzog Friedrich dem Streitbaren zu voll-ziehen, und baten den Kaiser um Trennung des Landes von Oestreich. Dadurch zogen sie aber auch so sehr den Haß des Herzogs auf sich, daß er sie, nachdem er sieg-reich wieder seine Länder zurück gewonnen hatte, nach Krain vertrieb, wo sie sich ein Schloß gleiches Namens erbauten, und bis zum Jahre 1540, in welchem mit Jo-seph das Geschlecht erlosch, als tapfere Ritter fortdauerten.

[133]

Diese Herren von Gräz gaben wahrscheinlich auch dem Schloßberg die Gestalt, unter welcher man ihn in alten Gemählden vorgestellet fand. Es bestanden nähmlich drei abgesonderte Schlösser; zwei auf dem Berge selbst, und eines am Fuße desselben, in der Nähe des jetzigen Paulusthores. Alle drei scheinen erst später vereiniget worden zu seyn. Zwischen den Schlössern stand, umge-ben von Waldung, die Kirche St. Thomas im Walde, römischen Ursprungs, und am Fuß des Berges, wo jetzt die Augustiner Kirche, St. Paul im Walde.

Als mehrere Edle der Stadt sich gegen Herzog Albrecht im Jahre 1291 empörten, besetzte derselbe den Gräzer Schloßberg mit einiger Mannschaft unter Wül-fing von Hanau, wodurch die im Landhause versammel-ten Rebellen zur Flucht gezwungen wurden.

Nicht minder leistete der Schloßberg treffliche Dien-ste gegen die in den Jahren 1479 und 1480 durch Steyermark ziehenden Ungarn und Türken.

Durch die, ihrer Schönheit wegen, berühmte kais. Prinzessinn Kunigunde wäre aber 1481 das Schloß bald an die Ungarn gekommen. Sie war im Frieden von 1478 an Mathias von Ungarn als Braut versprochen, dieses Versprechen aber, neuer Mißhelligkeiten wegen, nicht gehalten worden. Nun wollte der in Leibnitz ste-hende Obrist Maubitz von Czernyhor, mit Hülfe zweier Verräther unter der Besatzung, sich Nachts des Schlosses und der Prinzessinn bemächtigen; allein die Wachsamkeit des Schloßhauptmanns Ulrich von Graben vereitelte den Anschlag.

Im Jahre 1532, als gegen Ende Septembers Ibrahim Pascha mit seinen Scharen Gräz umlagerte, retteten sich die Bürger mit ihren besten Gütern auf den Schloßberg; vertheidigten denselben hartnäckig, bis die Türken gezwungen wurden, vor Hanns Katzianer und Hanns Ungnad von Sonnek zu fliehen, worauf die Besatzung des Schloßberges auch an der siegreichen Schlacht bei Fernitz lebhaften Antheil nahm.

Vorzüglich durch dieses letzte Factum von der Wich-tigkeit des Schloßberges überzeugt, wurde auf demsel- [134]ben, wie die, im ständischen Archiv vorhandenen Rechnun-gen von Hans Straffelder beweisen, vom Jahre 1544 - 1559, nach den Grundsätzen des neuen Kriegswesens, eine neue Festung erbauet. Franz von Poppendorf entwarf den Grundriß, und Ludwig Ungnad Freih. zu Sonnek, Weichhart Freih. von Auersperg, Pangratz Freih. von Windischgräz, Michael von Rindsmaul, Mich. v. Ehrenau, Erasmus Mager und Johann Fernberger leiteten den Bau, der auf Unkosten der Landstände geführt wurde. Einige erbeutete Elephanten und kriegsgefangene Türken leisteten dabei wesentliche Dienste. Die alten Gebäude wurden, bis auf die Ringmauer, vier kleine Thürme an der Abendseite und den Wartthurm der Bürger niedergerissen, die Bäume um die Thomas- Kirche gefällt und so die Gestalt des ganzen Berges verändert.

Nun wurde der Schloßberg allgemein für unüber-windlich gehalten.

Rupprecht Freiherr von Eggenberg, röm. kais. königl. span. Feldmarschall, k. k. gehm. Rath und Be-fehlshaber der slavon. und kroat. Gränze, wurde der erste Hauptmann des k. k. Hauptschlosses Gräz. Ihm folgte 1572 Pangratz von Windischgräz ꝛc.

Nach dem Siege der Schweden zu Jankau, 1644, sandte Kaiser Ferdinand III. seine Familie und viele Wägen voll Schätze, von Wien in die Festung Gräz, wo sie bis nach vorüber gegangener Gefahr verweilten.

Ein im Jahre 1680 auf dem Schloßberge ausge-brochenes Feuer wurde zwei Tage lang nicht gelöscht, weil man das Zerspringen des nahe stehenden Pulver-thurmes fürchtete, und verwüstete einen großen Theil der Gebäude. Sie wurden bald wieder hergestellt, und für künftige Fälle der Pulverthurm nach Gösting verlegt.

Nun blieb der Schloßberg ohne bedeutende Ereig-nisse, bis im Jahre 1783 Kaiser Joseph II. ihn zum Eingehen bestimmte. Nach der neuesten Belagerungs-kunst schien er kein vortheilhafter Platz mehr und es sollten daher die Kosten der Erhaltung gespartet werden. Die Festung wurde darum auch im Jahre 1797, beim ersten Einmarsch der Franzosen, gar nicht benützt. [135]Eben so im Jahre 1805, wo aber doch Napoleon räth-lich fand, dem Marschall Marmont die Sprengung derselben anzubefehlen. Sie wurde nicht ausgeführt, weil der Friede die feindlichen Truppen bald entfernte. Ueber diese Geringschätzung erhaben zeigte sich aber der Schloßberg im Jahre 1809.

Erzherzog Johann besetzte ihn in diesem Jahre, nach seiner Rückkehr aus Italien, mit 500 Mann, vorzüglich steyerm. Landwehre und 26 Kanonen, unter dem Befehle des Majors vom Geniekorps Franz von Hacker zu Hart. Am 29. Mai langten darauf die Fran-zosen in Gräz an und begehrten die Uebergabe der Festung. Bei standhafter Weigerung schaffte Marschall Macdonald 300 Sturmleitern herbei, und ließ in der Nacht drei Batterien, auf dem Graben, im Wurm-brandgarten und vor demselben an der Straße, errich-ten, und den Schloßberg ringsum mit Feldwachen besetzen. Am 13. Juni früh wurde bekannt gemacht, daß um 12 Uhr die Belagerung beginnen werde, welche dann auch wirklich beinahe 7 Tage und Nächte fast ununterbrochen fortdauerte. Es wurde während dieser Zeit einige Mal gestürmt; jedoch immer vergebens.

Den 21. Juni zogen die Feinde ab, die Garnison des Schloßberges zeigte sich in der Stadt, und erhielt durch die beiden ständ. Deputierten, den Grafen Ignaz von Attems und Ritter v. Kalchberg, ein Geschenk von 2000 Gulden.

Am 25. aber kehrten die Franzosen zurück – die Festung befand sich neuerdings im Blockadezustand und fiel endlich doch dem Feind in die Hände.

Am 23. Juli wurde sie in Folge des zwischen Oestreich und Frankreich abgeschlossenen Waffenstillstan-des übergeben. Die Uebergabe geschah östreichischer Seits durch den General Freiherrn von Zach, und feindlicher Seits durch den General Vandamme. Die Garnison zog mit allen militärischen Ehren ab, und einige Hundert Würtemberger besetzten die verlassene Festung. Von Hacker erhielt das Theresienkreuz und [136]wurde Baron; mehrere Unterofficiere und Gemeine bekamen die goldene und silberne Ehrenmünze.

Die Franzosen stellten im Monat August die Werke wieder her, und machten sogar einige Verbesserungen; im November und December aber wurde Alles, auf Befehl Napoleons, wieder zerstört und sämmtliche Mauern und Schanzen gesprengt. Nur zwei Thürme, der eine wegen der großen Glocke, der andere wegen der Uhr, wurden von den Bürgern der Stadt durch Verwendung an den Marschall Macdonald, erhalten.

Nachdem die Feinde ihre Wuth gestillt hatten und abgezogen waren, sah die Regierung sich, durch den gräßlichen Anblick, selbst veranlaßt, das noch stehend oder hängend Gebliebene der Festungswerke hinweg zu räumen. Die Materialien wurden zu andern Bauten verwendet oder verkauft, und so fast alle Spur der Burg und Festung vernichtet.

Der Berg kam endlich in den Besitz der Stände und erhielt die Bestimmung eines öffentlichen Spaziergan-ges, wofür erst Enkel und Urenkel recht dankbar seyn werden. Mehrere sehr bequeme Wege wurden angelegt und mit Bäumen bepflanzt, der noch übrige Schutt hin-weg geräumt oder zweckmäßig verwendet, und was nicht zur öffentlichen Benützung nothwendig schien, an Priva-ten zur Anlegung von Gebäuden und Gärten verkauft. Dadurch begründeten die H. H. Stände auch eine eigene Schloßberg-Gült.

Man gelangt zu dem Berge am bequemsten über den Karmelitenplatz. Ist man von hier aus, vorüber an einem viel besuchten Gasthause des Hrn. Helle, bis zum Uhrthurme gestiegen, so hat man etwas mehr als die halbe Höhe des ganzen Berges erreicht und genießt bereits eine wunderschöne Aussicht über die östl., südl. und westlichen Umgebungen der Stadt Gräz.

An einer Ecke des Thurmes findet man ein Wapen aus Stein gehauen mit einem einfachen Adler und der Jahreszahl 1552; welches sonst über dem ganz ge-sprengten zweiten Thore der Festung eingemauert war.

[137]

Dieser Thurm diente den Gräzer Bürgern einst als eine Warte, war ihr Eigenthum und hieß daher der Bürgerthurm. Er ist unter Anderen auch als die Geburtsstätte des berühmten k. k. Hofschauspielers Brockmann merkwürdig.

In demselben befindet sich seit dem Jahre 1822 die erste vollkommen genaue Thurmuhr. Sie wurde durch den verstorbenen Uhrmacher in Gräz Jos. Geist, auf Befehl der alles Nützliche gern unterstützenden H. H. Stände Steyermarks, hier eingerichtet. Herr Geist bewerkstelligte durch die glückliche Idee, den eigentlichen Zeitmesser von dem Räderwerk der Thurmuhr so abzu-sondern, daß zwar, durch ein Zwischenwerk, jenes auf dieses einwirken, nicht aber umgekehrt dieses zurück-wirken kann, daß dieselbe allen sonstigen Hindernissen, welche dem richtigen Gange der Thurmuhren entgegen stehen, als z. B.: Wärme, Feuchtigkeit, Wind ꝛc. vollkommen entgeht.

Man findet nämlich da eine fleißig ausgeführte astronomische Uhr, deren Pendel, aus gut ausgebackenem, in Oehl ausgekochtem und mit Firniß überzogenem Holze, den nachtheiligen Aenderungen der Temperatur nicht unterworfen ist, und somit auch die kostspieligen Compensations- Pendel ganz entbehrlich macht. Sie ist in einem hölzernen, mit Strohdecken gut gefütterten Kasten unbeweglich aufgestellt. Alle Mi-nuten geschieht, mittelst einer einfachen Auslösung in dem Zwischenwerke, ein Zug, wodurch das alte Räder-werk der Thurmuhr, und sonach auch sämmtliche Mi-nutenzeiger derselben in Bewegung kommen: Hierauf versinkt das alte Räderwerk ganz in Unthätigkeit bis zur nächsten Minute, wo es durch einen neuen Zug der astronomischen Uhr wieder getrieben wird. Auf diese Art muß die alte Uhrmaschine, ohne einen Pendel zu haben, dem gleichförmigen Gange der astronomischen Uhr bis auf eine Minute genau nachkommen.

Nach dieser Thurmuhr werden täglich alle andern Uhren der Stadt gerichtet.

[138]

Auch hängt hier jene uralte Glocke *(Sie wurde unter dem Schloßhauptmann Hanns von Ro-thenberg 1382 gegossen, und ist in Gräz unter dem Na-men: die Lumpenglocke, da sie täglich um 11 Uhr Nachts, zur Sperrung der Gasthäuser, geläutet wird, bekannt.), welche einst das Zeichen zur Hinrichtung des Andreas Baumkircher und Greifenegger, des Grafen v. Tattenbach und an-derer Unglücklichen gab. Auch wurde sie gewöhnlich zum Gottesfrieden- Läuten, dann zum Ein- und Aus-läuten des Jahrmarktes, zu welchem letzterm Zwecke sie jetzt noch verwendet wird, gebraucht u. s. w.

Geht man von hier gegen Norden hinauf, so kommt man auf den Platz, wo, in der Nähe des vor einigen Jahren, von Herrn Dr. Hödl, angelegten Gartens (in welchem sich der nun verschüttete, von Türkensclaven bis auf das Niveau der Mur gegrabene Brunnen befand) das dritte, und gerade unter der Feuerwachhütte, weiter oben, das vierte stark befestigte Thor stand. Zwischen den beiden Thoren hatten die Aufseher der Gefangenen ihre Wohnungen, und gleich darneben, wo man noch bedeu-tende Ruinen sieht, standen die Gefängnisse selbst. Un-ter den Gefangenen, welche aus früherer Zeit bekannt sind, zeichnen sich aus: Niklas von Grottendorf, der den Prinz Ladislaus Posthumus auf der Reise nach Neapel zur Flucht bereden wollte; 1495 Balthasar von Eggenberg, kais. Münzmeister, der auch durch das heimliche Gericht soll hingerichtet worden seyn; 1602 Christoph und Friedrich von Windischgräz, welche mit ihrer Mutter Hypolita am 2. und 3. April die Burg Waldstein gegen die Kaiserlichen hartnäckig vertheidiget hatten, und den Pastor Paul Odontius nicht ausliefern wollten, stammt ihrem Schloßvogte; 1607 die bayeri-schen Prinzen als Geißeln; 1670 Erasmus Graf von Tattenbach, die Gemahlinn des Mitverschworenen Gra-fen von Zrini, die auch 1671 wahnsinnig daselbst ge-storben ist; 1738 der F. M. Graf von Seckendorf u. a. m.

Auf der letzten Spitze oben, gegen Gösting zu, steht auf demselben Platze, wo einst das Frauenzimmer- Strafhaus, eine Schänke, bei welcher man des herrlich- [139]sten Anblickes der Obersteyerischen Gebirge sich erfreuen kann. Die Zisterne, die man auf dieser Terrasse, von Akazien umpflanzet, sieht, befand sich einst in der Mitte des Schloßplatzes, der auf der ganzen Westseite von den Kasernen eingeschlossen war. Weiter hinab, vorüber an der Feuerglocke, wo sonst das Haus des Profosen stand, gelangt man zu den Ruinen der Kirche, einst ein römischer Tempel, dann dem heil. Thomas geweiht und von den Franzosen zerstört *(Warum haben die edlen Grätzer nicht auch dieses Denkmal des Alterthums gerettet?), und zu dem Thur-me, auf welchem die größte Glocke des Landes, die so-genannte Lisel hängt.

Diese Glocke, welche, ohne den Schwengel, 160 Cnt. wiegt, wurde auf Befehl des Erzherzogs Carl von dem Gräzer Glockengießer Mart. Hilger im Jahre 1587 ge-gossen. Sie führt die Aufschrift:

Vocor campana Nunquam praedicans vana, Annuncio festa Mortaliumque funesta Cum venit tempestas, Alios ad templum voco Ego tamen hoc maneo loco.

Sie wurde anfangs, vermög Hofkammer- Dekret vom 3. September 1670, am Sonnabenden und Vorabenden von Marienfesten, zur Litanei, welche bei der Ma-riensäule auf dem Karmelitenplatz, zum Andenken des bei St. Gotthart über die Türken erfochtenen Sieges, gehalten wurde, dann aber, vermög Dekret vom 9. De-cember desselben Jahres, täglich Abends geläutet.

Nach der Befreiung Wiens von der türkischen Be-lagerung, wurde mit 11. März 1684 befohlen, sie täglich früh und Abends um 7 Uhr zu läuten.

Kaiser Joseph II. stellte im Jahre 1784 dieß Ge-läute gänzlich ein. Allein nach Eroberung der Festung Belgrad erwirkten sich die Gräzer die Erlaubnis, zum Andenken dieses Sieges ihre geliebte Glocke wieder läu-ten zu dürfen. Und so tönet sie denn nun seit vielen [140]Jahren täglich um 7 Uhr Früh, 12 Uhr Mittags und 7 Uhr Abends, und ist auf mehrere Stunden im Um-kreise ein stets willkommenes Zeichen zur Arbeit, zum Gebeth und zur Ruhe.

In diesem Thurme befand sich sonst auch ein großes Orgelwerk „das steyerische Horn” genannt, und das Gerippe eines Elephanten, welcher beim Bau der Festung thätig mitgewirkt hatte, beides ist verloren gegangen.

Geht man von hier wieder hinab, so gelangt man zu einer gut erhaltenen Bastei, einst „die Katz” genannt, wo sich die 6 zu Feuerlärm bestimmten ständischen Ka-nonen befinden.

In dem daneben stehenden Häuschen findet man ei-ne recht gut gearbeitete plastische Darstellung der alten Festung vor ihrer Zerstörung, und unter demselben die größte, nun als Keller verwendete Kasematte, in wel-cher auch das heimliche Gericht (die sogenannte eiserne Jungfrau) bestanden haben soll.

Ein anderer Spaziergang, der, weil er bequemer ist, noch mehr besucht wird, ist die sogenannte große Allee, die zunächst um die Stadt vom Eisen- zum Burgthor, und von hier wieder bis zum Paulusthor und Schloßberg läuft.

Als im Jahre 1784 der ganze Stadtgraben und die Bastion Nro. 6 in das Eigenthum der H. H. Stände ge-langte, erhielt der damalige ständ. Bauinspector Joh. H. Ritter v. Formentini die Verwaltung dieser neuen ständ. Realität und verpachtete dieselbe stückweise als Futter-grund und Weideplätze. Aus den eingehenden Pacht-geldern bildete er eine eigene Kasse, und legte endlich den H. H. Ständen einen Plan vor, aus obiger Kasse am Glacis eine Kastanienallee anzulegen.

Im Jahre 1787 erfolgte hiezu die Bewilligung, und Formentini säumte keinen Augenblick, das Werk in Ausführung zu bringen; und so kam diese schöne Allee, wie wenige Städte Deutschlands eine gleiche aufzuwei-sen haben, zu Stande. Seitdem sorgen die H. H. Stän-de auch unaufhörlich für die Erhaltung derselben und für die beständige Ebnung des Ganges. Im Frühjahr, [141]wenn noch kein weiterer Ausflug zu wagen ist, ver-sammelt sich hier, besonders an Sonntagen Vormittags, die ganze schöne Welt von Gräz.

Für die Fahrenden wurde später, auf Befehl des damaligen Gouverneurs Grafen von Welsberg, von der Baudirection rings um das Glacis eine, aber nicht so gut gedeihende Lindenallee angelegt.

B. Die Vorstädte.

Eintheilung derselben, Plätze und Gassen, Kirchen, Klöster, Kapellen und andere merkwürdige Ge-bäude, Brücken, Brunnen, Gärten und Spa-ziergänge ꝛc.

Gräz hat 4 Vorstädte: a. die Jakomini-vorstadt; b. die Münzgrabenvorstadt; c. die St. Leonhardervorstadt; d die Murvorstadt. Alle 4 zusammen enthalten 2216 Conscriptionsnummern, wozu aber noch viele neugebaute, ungezählte Häuser kommen.

a. Die Jakominivorstadt.

Die Jakominivorstadt hat 168 Nummern, und macht ein einziges Viertel aus; Viertelmeister ist derzeit Herr Mathias Fume, in der Jakominigasse Nro. 106.

Man gelangt zunächst durch das Eisenthor, auch durch das Neuthor, aus der innern Stadt in die-selbe. Sie zählt 2 Plätze und 10 Gassen, darun-ter zeichnet sich der Jakominiplatz als der schönste von Gräz, so wie die Jakomini- und die Gleis-dorfergasse sehr vortheilhaft aus.

Zur Verherrlichung des neuen Platzes wurde im Jahre 1796 die bis dahin auf dem Karmelitenplatz ge-standene Marien- Säule hierher versetzt. Am 2. Juni desselben Jahres wurde durch den Landesgouverneur, Philipp Grafen von Welsberg- Reitenau, der Grund-stein dazu gelegt. In Letzterem war ein bleiernes Ge-fäß mit mehreren Münzen Sr. Majestät des Kaisers, und eine Schrift folgenden Inhaltes eingesetzt:

[142]

„Dieser Grundstein trug einst die schwere Last eines christlichen Denkmales der Dankbarkeit, errichtet von Kaiser Leopold dem Ersten, nachdem durch einen bei St. Gotthard an dem Flusse Raab, unter dem tapfern Heerführer Montecuculi, über die herandringenden Türken, nach christlicher Zeitrechnung 1664 den 22. Julius, erfochtenen Sieg, Steyermark und diese seine Hauptstadt Gräz von ihrer nahen Zerstörung glück-lich gerettet wurden.“

„Ueber ein Jahrhundert fand dieses Denkmal auf dem hohen Platze vor dem untersten Thore des hiesi-gen Bergschlosses, als es unter der Regierung des Kaisers Franz des Zweiten, auf Verwenden des Lan-des- Verordneten Andreas Edlen von Jakomini, zur Verschönerung eines von ihm benannten öffentlichen Platzes, im Jahre 1796 hierher übersetzt wurde, bei welcher Uebersetzung der damalige hohe Landesverwal-ter, Philipp Graf von Welsberg- Reitenau, den 2. Junius 1796 diesen Grundstein feierlich gelegt hat."

Am 14. August, als am Vorabende des Marienfestes, wurde die Säule eingeweiht, und bei dieser Gelegenheit der Platz und alle benachbarten Gassen beleuchtet.

Das Fußgestell derselben ist von Marmor, 9 Schuh 8 Zoll lang und breit, und 8 Schuh 4 Zoll hoch. Auf den 4 Seiten liest man folgende Inschriften:

Monumentum voti de immaculata conceptione editi Anno MDCLXIV. 2. Febr. Victoria super Rabam imminens avertit excidium Sequitur alma pax. Styria, quod jurasti grata, si vis-servari, serva. Ponte ad Ossecum succenso tardantur Turcae, nee deinde proximi-nocent.

Ueber diesem Fußgestell erhebt sich der Säulenstuhl, 6 Schuh 9 Zoll hoch, dessen Würfel ist aus einem ein-zigen Stücke, das 95 Centner wiegt. Er hat eine mit obiger Schrift fast gleichlautende Aufschrift. Auf diesem Säulenstuhle ruhet die 180 Centner schwere Säule von Metall nach korinthischer Ordnung, schön und regelmäßig gearbeitet. Die ganze Säule hat 4 [143]Klafter Höhe, unten 2 Schuh und oben 1 Schuh und 9 Zoll im Durchschnitte.

Die Höhe der darauf stehenden reich vergoldeten Statue beträgt 11 Schuh 3 Zoll. Die ganze Höhe des Monuments also 8 Klafter 2 Schuh 4 Zoll. Die mit großen Schwierigkeiten verbundene Uebersetzung dieses Denkmals, vorzüglich die Wiederaufstellung des schwe-ren Säulenschaftes, wurde durch den Steinmetzmeister Pack bewerkstelligt.

Eine Kirche, Kloster oder Kapelle hat diese Vorstadt durchaus nicht; daher deren Bewohner ge-nöthiget sind, entweder in die Stadtpfarre oder zu ' Dominikanern im Münzgraben in die Kirche zu gehen.

Dagegen besitzt sie ein, für die evangelische Ge-meinde von dem Baumeister Michael Mareck im Jahre 1824 erbautes, recht hübsches Bethhaus am Ende der Gleisdorfergasse. Gebäude hat die Jakominivorstadt mehrere sehr schöne, worunter das große Jakominihaus, jetzt Eigenthum des Herrn Rößler, bei weitem das schönste ist, besonders, da es nun ganz renoviert und mit einem schönen Frontispice, worauf ein Basrelief vom Prof. Klieber in Wien, versehen worden.

An die Geschichte dieses Gebäudes knüpft sich über-haupt die Geschichte der Entstehung dieser Vorstadt.

Das Geschlecht der Jakomini stammt aus Fiume, wo Cäsar Jakomini im Jahre 1624 von Kaiser Ferdinand den Adelsstand erhielt. Sein Urenkel, Caspar Andreas von Jakomini, wurde von der Kaiserinn Maria Theresia 1766 in den Ritterstand erhoben, und nachdem er Reifenstein in Untersteyer gekauft hatte, in die Landmannschaft dieses Herzogthums aufgenommen. Er war es auch, der seinen Namen durch die Erbauung jenes herrlichen Palastes, durch die Gründung einer schönen Vorstadt im Jahre 1786, und der Herrschaft Neuhof verewigte.

Sein Sohn, Andreas Ritter von Jakomini, ständi-scher Verordneter, verkaufte aber zuerst die Herrschaft an [144]den Grafen Alois von Trautmannsdorf, und dann das Haus an den jetzigen Besitzer *(C. A. von Jakomini kaufte den sogenannten Neuhof von dem Augustiner- Kloster bei St. Paul am Schloßberge, und nannte darnach die neu entstandene sehr beträchtliche Herrschaft. Sie ist nun auch um 97100 Gulden W. W. von den Besitzer des Hauses gekauft worden.).

Einen bedeutenden Theil der den Platz umschließen-den Gebäude bauete etwas später der Graf von Wil-denstein, wie noch ein Wapen bezeuget.

Ein schönes Gebäude ist das zum eisernen Mann, dann das sogenannte scharfe Eck Anfangs der Heustadelgasse, so wie das daran angebaute, beim Anfange der Jakominigasse, zum Herkules genannt. Ein nicht minder schönes Gebäude ist auch das Gast-haus zur Stadt Triest auf dem Platze, am An-fange der Gleisdorfergasse; in dieser Gasse das von Mühlwerth'sche Haus, und am Ende derselben die Straffinger'sche Kammfabrik ꝛc.

In der Reitschulgasse befindet sich die ständ. Reit-schule, jetzt auch dadurch merkwürdig, daß in dersel-ben vom Jänner 1824 bis October 1825, während dem Bau des neuen Schauspielhauses, Thalia zur Noth und Aushülfe ihren Sitz aufgeschlagen hatte. Die zu diesem En-de angeschafften Dekorationen ꝛc. sollen nun in den ständ. Bad- und Kurort Rohitsch in Untersteyer gebracht werden.

Unter den Brunnen verdient jener im Hofe des großen Rößler'schen Hauses vorzüglich bemerkt zu werden, da er mit der Statue einer Nymphe geschmückt ist, welche dem trefflichen Bildhauer Prof. Klieber in Wien Ehre macht.

Obwohl in dieser Vorstadt fast jedes Haus ein ei-genes Gärtchen hat, so ist doch keiner darunter be-sonderer Erwähnung werth. Auch beinahe jedes Gast-haus hat hier einen Garten oder wenigstens geräumi-gen Hof mit Bäumen besetzt, wo man der freien Luft und der Kühle sich erfreuen kann. Der größte darun-ter ist der Pachler'sche Garten in der Neuthor-gasse Nro. 149.

[145]

Zum Spaziergange dienet die Allee der soge-nannten kleinen Schanze, zwischen dem Neuthore und dem Jakominiplatz; dann die Alleegasse, die aber nur im höchsten Sommer zu betreten rathsam ist, da sie im Frühjahre am längsten eisig, im Herbste am ersten feucht ist. Man hat eben aus letzterer Ur-sache und um den im Sommer sehr heißen Platz zu vermeiden, im vorigen Jahre eine neue Allee angelegt zur Verbindung der großen Allee mit dem Eisenthore.

b. Die Münzgrabenvorstadt Sie soll ihren Namen wegen der vielen Münzen, die einst da ausgegraben wurden, erhalten haben. .

Diese Vorstadt, im Süd- Osten der Stadt gelegen, zählt 291 Haus-Nummern, und wird in zwei Viertel eingetheilt: das erste, mit 123 Häusern, ist das Grätz-bach- Viertel; Viertelmeister derzeit Herr Thadäus Schloffer, Hutmachermeister in der Münzgrabengasse Nro. 263. – Das zweite, mit 168 Häusern, ist das Schörgelgasse- Viertel; Viertelmeister derzeit Herr Joseph Wagner, wohnt Anfangs der Münzgra-bengasse Nro. 311.

Obgleich diese Vorstadt durch die vielen dazwischen liegenden Gärten sehr ausgedehnt erscheint, zählt sie doch nur 11 Gassen. Die Häuser, besonders in der Nähe der Linie, sind größtentheils klein und unan-sehnlich, doch gibt es mehrere große und schöne Ge-bäude darunter.

Die Kirche bei St.-Anna und das Kloster der Dominikaner liegen fast am Ende der Vorstadt an der Straße nach Fernitz.

Als im Jahre 1654 der Landeshauptmann Joh. Max. Graf v. Herberstein das Kloster der barfüßigen Augustiner bei St. Johann nächst Herberstein gestiftet hatte, bemühte er sich, auch diesen Orden in Gräz ein-zuführen.

[146]

Zu diesem Entzwecke übergab er den Augustinern im Jahre 1655 sein in der Ungergasse für 2650 Gulden von Johann Fried. Hillebrand gekauftes Sommerhaus sammt Garten.

Darauf kamen nun die heil. Väter bei Kaiser Fer-dinand III., dem Erzbischof zu Salzburg und dem Bischof von Seckau um die Erlaubnis ein, ein Kloster und Kirche zu Ehren der heil. Mutter Anna erbauen zu dürfen. Der Kaiser, so wie die beiden Prälaten, willigten unter der Bedingung ein, daß man noch alle Uebrigen, welche bei dieser Angelegenheit zu sprechen hatten, befragen sollte. Als dies geschah, erklärten sich die meisten anderen Ordensgemeinden, der Erzpriester zu Straßgang, die Pfarrer von St. Leonhard und St. Peter, und endlich selbst der Stadtrath dagegen. Ja die Widersacher dieser Unternehmung gingen so weit, daß sie auch in Rom unterm 11. Jänner 1658 einen förmlichen Verboth erwirkten; und am 4. November 1661 erließ Kaiser Leopold I. den Befehl, diese Geist-lichen von Gräz gänzlich abzuweisen.

Um nun die Gegner zu besänftigen, erklärten die Augustiner, sich des Sammelrechtes zu begeben, und bewiesen, daß sie bereits ein Vermögen von 29000 Gulden besäßen, wodurch ihr Unterhalt gesichert wäre.

Auf dies und auf die Bemühungen des Grafen Herberstein ertheilte am 10. Mai 1666 der Kaiser seine Einwilligung, mit der Bedingung, daß ein der Forti-fikation nicht nachtheiliger Ort gewählet, und die ohne-hin armen Bewohner dieser Vorstadt nicht durch das Almosensammeln belästiget werden sollten.

Jetzt wurde auch das in Rom erwirkte Verboth zurück genommen, und es erschienen allmälig die Ein-willigungen der übrigen Befragten.

Die Augustiner begannen schleunigst den Bau ihres Klosters. Da sie ihr bisher bewohntes Haus der Fe-stung wegen nicht benützen durften, so kauften sie dazu im Jahre 1668 ein am Ende des Münzgrabens gele-genes Haus sammt Garten von der Eva Obergmeine-rinn für 800 Gulden, und die anstehende Miete sammt [147]Baumgarten von der Freiinn Maria von Jauerburg für 900 Gulden.

Am 12. October desselben Jahres früh um 10 Uhr begab sich der Kaiser Leopold, in Begleitung des span. und venet. Gesandten, des Oberstkämmerers Grafen v. Lamberg, des Grafen Czernin, des Grafen Johann Max. von Herberstein, des gesammten Hofstaates und selbst der Clerisei, unter feierlichem Gepränge auf den Bauplatz, um den Grundstein zu legen.

In letzteren wurden 3 mit anpassenden Inschriften versehene Denkmünzen gelegt: eine goldene vom Kaiser, eine silberne vom Domprobsten zu Salzburg, Polikarp Grafen v. Kuenburg, im Namen seines Erzbischofes, und eine dritte im Namen der Augustiner. Der Hammer und die Maurerkelle, womit dieß geschah, wird noch im Kloster aufbewahret.

Der Bau ging nun durch Unterstützung vieler Wohl-thäter, besonders des Math. Schäffer von Schäffenburg, rasch vorwärts, so, daß das Kloster im Jahre 1682, die Kirche aber sammt den beiden Thürmen im Jahre 1689 vollendet wurden. Besonders trug auch dazu bei, der eben damals hier anwesende berühmte Prediger P. Abraham a Sancta Clara.

Die förmliche Einweihung geschah aber erst im Jahre 1705, den vierten Sonntag nach Ostern, vom Fürst Bischof von Seckau, Franz Anton Grafen v. Wagensberg.

Als bei der Pest im Jahre 1680 sich die Mönche dieses Klosters, besonders der P. Daniel und P. Severin, um die leidenden Bewohner der Stadt, mit eigener Aufopferung, so sehr verdient gemacht hatten, gab man ihnen, gerührt von dieser Thätigkeit, den Revers, wo-durch sie sich des Sammelns begeben hatten, auf immer zurück, und nun begann das Kloster an Wohlstand und Ansehen zuzunehmen.

Es kam später auch ein philosophisches, theologi-sches und juridisch- kanonisches Studium hieher, und das Gebäude ward um ein Stockwerk erhöht.

Im Jahre 1773 erhielt die Kirche durch die Un-terstützung der großen Maria Theresia einen neuen [148]Hochaltar. Im Jahre 1808 mußten aber die bisherigen Bewohner dieses Klosters nach St. Johann bei Her-berstein wandern, und die Dominikaner von St. Andrä aus der Murvorstadt kamen hierher.

Eine Magdalena von Weißkircher und noch einige klei-ne Bilder werden in dieser Kirche von Kennern geschätzt.

Pfarrer und zugleich Prior ist derzeit P. Domini-kus Bölzberger. Der Gottesdienst wird in folgender Ordnung gehalten: täglich um halb 6, um 7 und halb 8 Uhr Messe, an Sonn- und Feiertagen Messe um 6, um 7 und halb 11 Uhr, Predigt um 9 Uhr, Amt um 10 Uhr; Nachmittags Litaney um 5 Uhr.

Unter den Gebäude in dieser Vorstadt ist vor-züglich bemerkenswerth, die neue bürgerl. Schieß-statt Nro. 246 in der von ihr benannten Gasse. Sie wurde im Jahre 1795 von der hiesigen Schützengesel-schaft mittelst Akzien erbaut, und am 4. October des-selben Jahres feierlich eröffnet. Nebst den sehr beque-men Einrichtungen zu ebener Erde für die Unterhal-tung des Scheibenschießens, befindet sich hier im ersten Stockwerke ein großer, schön gebauter Saal, dessen Plafond- Mahlerei von dem vaterländischen Künstler, dem verstorbenen Math. Schiffer.

Der sogenannte Schützenhof, ein neuerlich recht nett hergestelltes Schlößchen des Grafen Alois von Kuenburg, in der Sparbersbachgasse Nro. 415.

Beim Anfang der Schörgelgasse steht links ein sehr altes thurmähnliches Gebäude, die Rundeille ge-nannt. Hier soll einst ein großer Tempel der Venus gestanden haben, daher das Gebäude in älteren Zeiten unter dem Namen „der Venushof" bekannt war. Man entdeckt in dem Garten starke Grundfesten aus großen Steinen, und man soll hier mehrere römische Denk-steine, unter andern auch jenen in der Burg mit der Aufschrift: Duronius Martialis etc., gefunden haben.

Eine große Unannehmlichkeit eines Theiles dieser Vorstadt ist der sogenannte Gräzbach, der aus der Vereinigung des Stiftingbaches mit der Ragnitz bei St. Leonhard entsteht, und sich, nachdem er die Münzgraben- Vorstadt von Osten nach Westen durchflossen und diesel-be von der Jakomini- Vorstadt getrennt hat, in der Neuholdaue in die Mur ergießt. Die Unannehmlichkeit besteht darin, daß dieser Bach einen großen Theil des Jahres wasserleer ist, oft aber plötzlich so anschwillt, daß er mehrere Gassen überschwemmt, die niedrig liegenden Häuser feucht macht und manchmal bedeu-tenden Schaden anrichtet; wie z. B. im Jahre 1796 u. s. w.

eber denselben führen zur Verbindung der beiden Vorstädte mehrere Brücken und Stege.

Unter den vielen Gärten zeichnet sich vorzüglich der von dem berühmten Pomologen, dem Freiherrn Albert von Moscon angelegte aus, jetzt Herrn C. Ed-len von Biffing eigenthümlich, in der Schönaugasse Nro. 177. In demselben befinden sich, nebst einer gro- ßen ausgezeichneten Baumschule, Treib- und Ueberwin-terungshäuser und viele seltene Gewächse, die der edle, zu früh entschlafene Freiherr einst mit unendlicher Lie-be und Sorgfalt pflegte.

Ein ehemals sehr besuchter Spaziergang die-ser Vorstadt ist der, in die sogenannte Schönau, einem Gasthause mit Garten, wo man allerlei Erfri-schungen erhält.

Von hier aus führt ein angenehmer Pfad durch Gebüsche und Felder in die, nach dem vortrefflichen Oekonomen und geschätzten Advokaten Joh. Nep. Neuhold, genannte Neuholdaue, welche, wenn sie mehr besucht würde, mit vollem Rechte der Gräzer- Prater genannt werden könnte.

Der nächste Weg führet durch die Ja-komini- Vorstadt längs dem Gräzbache dahin. Es ist eine ziemlich große Anlage mit Alleen und Laubgängen, mit Rasenplätzen und Baumgruppen längs dem linken Ufer der rauschenden Mur. Einst war diese Aue, an Sonntagen besonders, sehr lebhaft besucht, man fand da Erfrischungen und Musik; jetzt suchen diesen stillen lieblichen Aufenthalt größtentheils nur denkende Freunde der Natur, studierende Jünglinge und manch-mal ein verliebtes Pärchen.

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c. Die Vorstadt St. Leonhard, Geidorf und Graben.

Die St. Leonharder- Vorstadt ist dreimal so groß als die vorige, und noch weit ausgedehnter, indem sie drei Viertel, und eine Anzahl von 632 Hausnummern umschließet, und dazwischen große Gärten und Spazier-gänge enthält. Es könnte füglich jedes der drei Vier-tel, St. Leonhard, das Geydorf und der Graben, eine für sich bestehende Vorstadt ausmachen.

Das Viertel St. Leonhard, im Osten der in-nern Stadt, wohin man zunächst durch das Burgthor gelangt, zählet jetzt 193 Häuser. Viertelmeister ist der-zeit Hr. Ignaz Liebenwein, Realitätenbesitzer in der St. Leonhardergasse Nro. 509.

Einst war dies die größte Vorstadt von Grätz, und sie ist auch noch heut zu Tage, theils wegen ihrer rei-zenden Lage, theils wegen ihrer historischen Merkwür-digkeiten, eine der interessantesten von allen, die un-sere Hauptstadt umgeben.

Als im Jahre 1277 Kaiser Rudolph von Habs-burg nach Gräz kam, befand sich in seinem Gefolge, mit mehreren anderen schwäbischen Rittern, auch der tapfere und kluge Ulrich von Wallsee mit einigen seiner Anverwandten, denen es wahrscheinlich, wie noch heute vielen Fremden, hier so wohl gefiel, daß sie Gräz nicht mehr verließen, sondern sich anzusiedeln suchten. Wirk-lich erhielten sie im Jahre 1292 vom Kaiser Albrecht die Belehnung mit dem Gebiethe von St. Leonhard, dem damaligen Schafsthalle, und Ulrich wurde im Jahre 1502 auch Landeshauptmann in Steyer *(Siehe dessen Thaten in Ottokar von Hornaks Reinchronik. Johanneum.).

Im Jahre 1309 stiftete er und seine Gemahlinn, Diemuth von Rohrau, für 12 edelgeborne Frauen, das nachmals berühmte Dominikaner- Nonnenkloster am Grillbüchel (Ruckerlberg), wo er auch 1329 begraben wurde. Dieß veranlaßte nun viele andere Ansiedlungen.

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Die ganze Fläche beinahe vom Burgthor bis zur Harrachgasse und hinauf bis an den Ruckerlberg, scheint nach den vielen hier entdeckten Grundmauern, den ge-fundenen Münzen und nach historischen Andeutungen, im fünfzehnten Jahrhunderte mit ansehnlichen Häusern be-deckt gewesen zu seyn. Allein die Verwüstungen der Ungarn im Jahre 1480, wodurch auch die Nonnen gezwun-gen wurden, in die Stadt zu flüchten und ihr Kloster abtragen zu lassen, der verheerende Rückzug des Sultan Solyman im September 1525, und endlich auch die nothwendige Hinwegräumung aller näher stehenden Häu-ser bei Erbauung der neuen Festungswerke, verödeten ganz diese einst so belebte Gegend. Erst seitdem Kaiser Joseph die Festung Gräz zum Eingehen bestimmte, besonders aber seit den letzten Kriegsjahren, fängt man hier wieder zu bauen an. Und wer möchte in diesem blühenden freundlichen Thale sich nicht gern auf immer eine Wohnung suchen? In jedem Sommer sieht man einige nette Häuschen entstehen, und bald wird, schenkt der Himmel durch die weise Vorsicht und Mäßigung des geliebten Herrscherhauses, dem Lande noch mehrere Jahre der Ruhe und des Friedens, der alte Glanz die-ser Vorstadt zurück kehren.

Einen Platz könnte man die zwischen ihr und der Stadt gelegene Esplanade nennen, welche bei Grabung der sehr tiefen Schanzgräben, wo man mit der ausgeworfenen Erde die unebene Fläche planierte, entstand, und die nun zum Exerzierplatz für die Garni-son und zum Markte für die Getreidehändler dient.

Der Theil von der Leechkirche bis zum Paulusthore hieß sonst „in der Scheiben" und war mit Gärten und Fel-dern bedeckt, der andere gegen das Burgthor wurde, der sandigen Beschaffenheit wegen, „am Gries” genannt, und diente zum Feuerwerksplatze. In der Mitte dieses Feldes stand lange Zeit eine Säule, zum Andenken der hier 1680 geschehenen Ermordung des Kaspar Eisen-schmied, Dr. der Medizin, und durch dasselbe führte die ehemalige Hauptstraße von Wien nach Gräz bis zum Eisenthore.

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Unter den Gassen zeichnet sich die, wohl eine Viertelstunde lange, St. Leonhardergasse, und die mit vielen neuen schönen Häusern prangende Zinzen-dorfgasse vorzüglich aus.

Die Pfarrkirche, mit einem ansehnlichen Thurme, ward im Jahre 1433 von Konrad Reißberg, Bischof zu Seckau, dem heil. Leonhard geweiht. Sie besitzt einen heil. Florian vom Ritter von Mölk, und in der Sei-tenkapelle zwei geschätzte Bilder von Weißkircher. Die Pfarre gehört zum Dekanat der Hauptstadt-Pfarre.

Als Pfarrer sind bekannt: Andr. Pikl, Lorenz Faber, Jakob Fuerer, 1514 Heinrich Saler, dann 1759 Alois Porzaga, 1810 Georg Schweiger, 1815 Georg Teng-ler, 1819 Jakob Kutschera.

Der Gottesdienst wird hier in folgender Ordnung gehalten: um 5 Uhr ist die erste Messe, um 9 Uhr an Sonntagen Predigt, um 10 Uhr Amt; um 4 Uhr die Vesper.

Rings um die Kirche besteht noch der alte Gottes-acker für die Bewohner der drei Viertel St. Leonhard, Geydorf und Graben, für den aber vor einigen Jahren, wegen der zunehmenden Bevölkerung, eine neue Stätte bestimmt worden ist.

Die Leechkirche, welche ihren Namen von dem in der Nähe fließenden Bach, einst „der Leech” genannt, erhielt, wurde durch Herzog Leopold von Oestreich und Steyermark gegründet. Dieser Herzog war nämlich zu Bamberg, als im Jahre 1201 der Leichnam der Kaiserinn Kunigunde gehoben und heilig gesprochen wurde; er beschloß bei dieser Gelegenheit zur Ehre der neuen Heiligen, eine Kirche zu bauen und bestimmte dazu einen Hügel nächst seiner Stadt „Bayrisch- Gräz."

Der Bau wurde im Jahre 1202 vollendet und Leopold gab zur Unterhaltung 4 Meierhöfe am Predal bei Schillingsdorf, im Schafsthal, am Rothbach und Neustift.

Im Jahre 1233 am 28. November übergab Herzog Friedrich II. diese Kirche den Brüdern des Spitals der heil. Maria zu Jerusalem, bestätigte die Stiftungen seines Vaters, schenkte dazu noch die Meierhöfe Ma- [153]ckau, Ulehingen, Wulfingsdorf und Metzendorf, und ertheilte den neuen Besitzern verschiedene Privilegien, so z. B. befreite er sie von aller Mauth zu Wasser und zu Lande, von aller weltlichen Gerichtsbarkeit, und gab ihnen das Recht des blutigen Pfennigs *(Wenn einer auf dem Grund und Boden des Ordenshauses erschlagen wurde, bekamen sie für die Leichenschau 72 Pfg.) für jeden in ihrem Bezirke Erschlagenen. Kaiser Friedrich II. bestätigte am 10. Februar 1236 diese Stiftung; so wie Kaiser Friedrich III. im Jahre 1329, Herzog Rudolph im Jahre 1560, Herzog Albrecht III. im Jahre 1365, die Herzoge Wilhelm und Albrecht 1480, Kaiser Maximilian 1490, und endlich Erzherzog Carl 1577 alle Rechte und Freiheiten dieser Kommende be-stätigten und sie noch vermehrten.

Als um das Jahr 1250, während dem Streite zwischen König Bela von Ungarn und Ottokar von Böhmen, die Krieger des Ersteren die Steyermark ver-wüsteten, wurde auch die Leechkirche zerstört und erst 1283 wieder, und zwar in ihrer heutigen Gestalt auf-gebautet. Dazu ertheilten Romuald, Erzbischof zu Bari, allen Jenen einen vollkommenen Ablaß, welche zur Er-bauung derselben etwas beitrugen.

Das wichtigste Privilegium aber, welches die deut-schen Ritter am Leech, die Kaiser Rudolph in seinem Kriege gegen Ottokar die treuesten Dienste geleistet hatten, empfingen, war jenes, welches erstgenannter Kaiser am 14. März 1278 in Wien zu ihren Gunsten ertheilte, und welches vom Erzbischof von Salzburg am nämlichen Tage bestätiget wurde.

Vermög diesem Privilegium hatten die deutschen Ritter folgende Rechte und Freiheiten empfangen:

Erstens, das Recht, daß sie eine Schule aufrichten durften, in welche Jeder, aus welchem Stande und Orte er auch immer sey, aufgenommen werden konnte.

Zweitens, daß sie die Schulobrigkeiten und Lehrer selbst wählen, und nach Belieben absetzen konnten. Der Kaiser nahm alle Schüler und Lehrer in seinen und [154]des heil. römischen Reichs unmittelbaren Schutz, und befahl, daß Keiner von dem Stadt- oder Landgerichte, sondern nur von dem Ordens- Komthur untersucht und gerichtet werden sollte.

Von dieser Zeit an besaß die Komthurei am Leech eine Art Universität, die lange in einem ziemlich guten Zustande sich befand. Es wurden Grammatik, Rhetorik, Theologie, Musik, Arithmetik, Geometrie und Astro-nomie gelehrt, aber leider ist uns von den Lehrern u. f. w. gar nichts bekannt.

Bei diesem blühenden Zustande der Kommende ist es begreiflich, daß sich auch die Besitzungen derselben *(So erhielten z. B. die deutschen Herren am 4. April 1260 v. Ulrich Erzbischof v. Salzburg die Kirche St. Johann bei Stubenberg, welche Schenkung ihnen Papst Alexan-der IV. am 7. April 1261 bestätigte. Im Jahre 1301 schenkte ihnen Berthold, Truchseß von Emmerberg, die Güter Halbersdorf und Oberndorf, 1342 kauften sie einen Weingarten zu Hermannsdorf; später erhielten sie Besitzungen in Jagerberg, Grotten-dorf, Lichtenek, Oberdorf, Wolfsberg, Frauenberg, Kalch und Kirchwiesen ꝛc.) und insbesondere die Gebäude rings um die Kirche sehr vergrößerten, wie denn auch wirklich Nachrichten vor-handen sind, daß letztere einen bedeutenden Raum ein-nahmen. Aber theils die schon berührten Zerstörungen, theils die Verordnungen der Fortifikation, z. B. vom Jahre 1663, 1669 und 1685, in welchem letzteren Jahre sogar das Komthurhaus abgebrochen, und nur die Kir-che wegen ihres ehrwürdigen Alters geschonet wurde, machten alle fast spurlos verschwinden.

Im Jahre 1583, als die Religionsstreitigkeiten in und um Gräz begannen, errichteten die deutschen Her-ren ein Asyl, welches aber 1775, wie alle übrigen, wieder aufgehoben wurde. Eine Tafel in der Mauer des kleinen, zur Wohnung des Benefiziaten und einiger Blödsinnigen bestimmten, neueren Hauses an der Stra-ße, führen daher noch folgende Inschrift:

»Merket, in diesem des deutschen Ordenshaus haben die Steyerer ihr Asillum und Zuflucht von und zum [155] Rechten, vermög gemeiner Landeshandvest. Johann Kobenzl de Proffegg Komend tor. A. 1583.”

Zu dieser Kommende, die beiläufig einen Flächen-inhalt von 7878 Joch umfängt, gehören jetzt 13 Ge-meinden, theils im Gräzer- , theils im Brucker- Kreise.

Die Reihe der Landeskomthuren zu Gräz am Leech gibt Schmutz nach Duelly u. a. Quellen auf folgende Weise an:

1247 Konrad v. Ofterna. 1250 Konrad v. Imers lehn. 1286 Konrad v. Tettetbach. 1294 Heinrich v. Manstach. 1298 Heinr. v. Gleina. 1306 Hers mann v. Lesche. 1316 Heinr. v. Geldelin. Otto v. Wolchenmark. Jeske v. Matschau. 1331 Ulrich Chienberch. 1335 Hermann Kundorfer. 1342 Hanns v. Rinckenberg. 1348 Paulus . . . 1360 Bernhard . . . 1361 Hanns v. Rumpenheim. 1378 Friedr. v. Wobarth. 1382 Ulrich v. Grabenbach. 1384 Mörth der Phlues. 1388 Stephan Strobein. 1393 Wallrab v. Schärfenberg. 1402 Jobst v. Sachsenhausen. 1407 Peter Lintzer. 1414 Hanns Kerenberger. 1414 Johann v. Lenz. 1420 Sigm. Ramung. 1424 Joh. Aneweil. 1440 Joh. v. Pomersheim. 1461 Otto v. Kunigsfeld. 1466 Konrad Holzel. 1477 Hardeck. 1479 Balthasar Berghauser. 1487 Konrad v. Stauch-wiz. 1491 Andrä Moshamer. 1506 Konrad Kott-wiz. 1519 Christoph Awer v. Hermkirchen. 1521 Melchior Rulko. 1524 Jobst Truchseß v. Wetzhaufen. 1540 Erasm. v. Thurm zum Kreuz. 1542 Gabriel Kreuzer. 1568 Leonhard Formentini v. Tolmain. 1583 Joh. Kobenzl v. Proffeg. 1596 Marquard Freih. v. Egkh. 1615 Maximil. Ernst, Erzh. von Oestreich. 1619 Joh. Rudolph v. Gemingen. 1637 Gottfr. v. Schrottenbach. 1642 Joh. Jak. v. und zu Daun. 1662 Joh. Kaspar v. Anbringen. 1664 Georg Gottfr. Freih. v. Lamberg. 1672 Chrift. v. Hinecken. 1685 Seyfried Graf v. Saurau. 1700 Theobald Heinr. Graf v. Goldstein. 1719 Guidobald Graf v. Stahremberg. 1737 Joh. Jof. Graf v. Harrach. 1764 Carl Graf v. Colloredo. 1798 Alois [156]Graf v. Harrach. Nach dem Tode des Letzteren wur-de im verflossenen Jahre der F. M. L. Graf v. Haugwitz, Inhaber des in Gräz garnisonierenden In-fanterie-Regiments Nro. 38, zum Komthur gewählt.

Die Kirche mit ihren beiden, die Spuren des hohen Alterthums an sich tragenden Thürmen, mit eben so alten, romantisch tönenden Glöckchen behängt, stehet nun, da das Thal rings umher ausgefülltet ist, zwar auf keinem Hügel mehr, aber doch auf einer erhöhten, runden Terrasse, dem einst mit Mauern und Graben um-gebenen Friedhofe, von welchem man, besonders rück-wärts, eine der lieblichsten Aussichten in die nahen Gärten und auf die entfernteren Berge genießt.

Das Innere ist zwar klein, aber hell und freundlich. Die darin aufgehängten Wapenschilde, die wehenden Paniere und die gemahlten Fenster geben so vielen Stoff zur Erinnerung an die graue Vorzeit, daß jeder Freund der Geschichte gewiß gerne darin verweilt. Darum hat auch unser vaterländische Dichter und Historiker, der am 2. Februar des 1. J. 1827 nach langen Leiden ver-blichene Joh. Ritter v. Kalchberg, sich schon vor meh-reren Jahren in einem, in Versen abgefaßten Gesuche an die Komthurei, hier eine Ruhestätte erbethen, und auch wirklich schon gefunden. Nebst dem Letztgenannten, dessen Grabhügel sich an der rechten äußern Kirchmauer, neben dem geharnischten Manne von Stein, befindet, ruhet hier noch der berühmte Chemist Dr. Spek, dessen Denkmal in der Kirche, dem Seiteneingange gegenüber, zu sehen ist. An der äußeren nördlichen Wand wurde, auf Veranlassung des ehemaligen Prof. der Geschichte am Lyceum, Schneller, von den Studierenden eine schön gegossene eiserne Platte zum Andenken ihres Mit-schülers, des im Jahre 1823 zu früh verstorbenen Dich-ters Carl Schröckinger, eingemauert, deren Aufschrift gewiß keinen Freund aufblühender Talente ungerührt lassen wird.

Schön wär' es, wenn so der kleine, an sich schon merkwürdige Raum, nach und nach der Sammelplatz all [157]jener Männer würde, die in Gräz sich durch Wissen-schaft und Kunst ausgezeichnet haben *(Eine alte Sage erzählet auch, daß der berühmte Andreas Baumkircher hier beigesetzt worden sey. - ?).

Der Gottesdienst wird täglich um 8 Uhr gehalten. Benefiziat ist an dieser Kirche gegenwärtig der hochw. Hr. Joh. Baptist Hackl, pens. Pfarrer von Preding.

Unter den Privatgebäuden zeichnen sich vor-züglich aus: die schöne Villa Nro. 502, in der Mitte eines ausgedehnten Parks am Glacis, der Freiinn Jo-sepha v. Mandell, gehörig.

Dann unweit davon an der Straße Nro. 506 ein minder großes, im neuesten Geschmacke erbautes Haus, das theils wegen seiner Eleganz, theils wegen des kunstsinnigen Eigenthümers und Erbauers, des Freih. von Sternbach, bemerkt zu werden verdient.

An der Ecke der St. Leonharder- Gasse steht ein langes großes Gebäude, der grüne Anger genannt.

Es wurde von dem Gräzer Bräumeister, dem als erster Kommandant der Bürgermiliz bekannten Richard Seeba-cher im Jahre 1797 aufgeführet, und sollte nach seinem Plane eine Front bis zur Leechkirche bilden. Der Tod aber ließ diesen Plan nicht zur Ausführung gelangen; er starb 1805. Jetziger Eigenthümer ist Hr. Ignaz Liebenwein, ein würdiger Nachfolger jenes Patrioten.

Jenseits des, die St. Leonhardergasse durchschnei-denden Baches sieht man ein zwar nicht großes, aber solides Haus Nro. 512 mit einem schönen Blumengar-ten und Parke, das vorzüglich seines jetzigen erlauchten Bewohners wegen angeführt werden muß. Es ist die Wohnung des erhabenen kaiserl. Prinzen, dies in ganz Steyermark mit Ehrfurcht und Liebe genannten Erzh. Johann.

Weiter gegen St. Leonhard hinaus, in derselben Gasse, steht ein großes Freihaus mit einem schönen, besonders wegen der entzückenden Lage interessanten Garten; ein Eigenthum des geschätzten Advokaten Dr. Fr. Dirnböck. Diese Realität gehörte sonst dem Fer- [158]dinandeum, und diente zum Sommeraufenthalte der Zöglinge und Lehrer dieses Instituts.

Noch weiter hinaus, schon in der Nähe der Kirche, findet man rechts am Wege ein ansehnliches Haus mit einem großen Garten und englischer Anlage unter der Nro. 560.

Graf Jof. Max. v. Herberstein kaufte dasselbe im Jahre 1655 von Joh. Hillebrand um 2650 Gulden, und wies es den zur Begründung eines neuen Klosters nach Gräz gerufenen Augustinern zur einstweiligen Wohnung an. Als Letztere im Jahre 1673 endlich das neue Kloster im Münzgraben bezogen, behielten sie diese Besitzung und verwendeten sie zu einem Spitale ihrer kranken Brüder. Später kam sie an die Jesuiten, und nach Aufhebung derselben an die altbürgerliche Fa-milie der Prugger. Nunmehriger Besitzer ist der aus-gezeichnete Oekonom und Pomolog, Hr. Joh. Dum-reicher Edler v. Oeftreicher, der auch den Gar-ten zu einem der schönsten und lieblichsten umstaltet hat.

Durch die herrliche Lage und damit verbundene Aussicht ein sehr angenehmer, und durch den Namen auch historisch merkwürdiger Sommeraufenthalt ist der thurmähnliche weitumschauende Venustempel. Er soll, wie einst die Rundelle im Münzgraben, seinen Namen noch aus der Römerzeit erhalten haben, und obwohl an dem Gebäude selbst keine Spur des Alter-thums vorhanden ist, so scheint doch die Lage, auf der Spitze eines sanften Hügels, mitten zwischen rei-tzenden Thälern, jene Meinung zu bestätigen. Man fand auch wirklich in seiner Nähe mehrere Münzen und andere Reste der Römerwelt *(Die Aussicht wird bei Erklärung des, diesem Buche beige-gebenen Rundgemähldes beschrieben werden.).

Nebst den vielen angenehmen Spaziergängen zwischen den Gärten dieser Vorstadt, durch die Seuf-zerallee, unter den Erlen des Gräzbaches u. a., wer-den am häufigsten besucht, die unter den Namen [159] „Milchmariandl, Milchtheresel” u. s. w. be-kannten Kaffehschänken, zu welchen man durch die Zin-zendorfgasse gelangt, wo man Kaffeh, Chocolade, frische und dicke Milch und andere Erfrischungen im Grünen und in meist angenehmer Gesellschaft genießen kann.

In der Frühe werden diese Häuschen vorzüglich von jungen Männern, die sich gerne in der gesunden kräf-tigen Morgenluft baden wollen, und Nachmittags vor-züglich von Frauen und Mädchen oft so stark besucht, daß man in Stube und Garten kaum mehr ein Plätz-chen findet.

Das Viertel Geydorf mit 138 Häusern, nicht so ausgedehnt als das vorige, aber nicht minder reizend, am Fuße des Rosenberges gelegen. Man gelangt hierher zunächst durch das Paulus-thor. Viertelmeister ist derzeit Hr. Julius Pfoder, Realitätenbesitzer in Geydorf Nro. 752. Es soll seinen Namen von einem altadelichen Ge-schlechte erhalten haben, das im Bezirke desselben ein Schloß besaß, aber schon lange ausgestorben, so wie vom letzteren, wenigstens mit Bestimmtheit, keine Spur zu finden ist.

Unter den Gassen ist die gerade vom Paulus-thore gegen die Linie führende, die vorzüglichste, und hat mehrere schöne und große Häuser. Gleich am An-fange links steht in dem von seinem früheren humanen Besitzer, dem 1791 gestorbenen Grafen Gundacker Thom. Wurmbrand- Stuppach, mitunter noch soga-nannte Wurmbrandgarten (Windischgarten) eine große, im italienischen Style gebaute Villa. Sie entstand durch die, unter Erzherzog Carl hier residiren-den päpstlichen Gesandten, und war einst sammt dem Garten der schönste Sammelpunkt des Adels und der ganzen gebildeten Welt in Gräz. Nun aber, seit dem Tode jenes Besitzers, sind die Gebäude vernachlässiget, der Garten fast verödet, und wenig Menschen besuchen diesen einst so belebten Spaziergang. In der Villa ist ein großer Saal mit Freskomahlerei von Qualens.

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Weiter hinaus, am Eck der Körblergasse, findet man das gräfl. Leslie'sche Sommerhaus mit einer Kapelle und einem großen schönen Park am Abhange des Rosenberges, der einst dem Stifte Vorau gehörte; jetzt Eigenthum Ihrer Excellenz der Gräfinn Saurau, Gemahlinn des großen Staatskanzlers, auf welchen sein Geburtsort Gräz so stolz seyn darf.

Noch weiter hinaus kömmt man zu dem gräfl. Ignaz Attems'schen Park, der Rosenhain ge-nannt, in welchem mehrere große Sommergebäude stehen. Die Jesuiten legten einst vorzüglichen Werth auf diese Besitzung, und ihrer Kultur haben wir die Anlage zu verdanken.

Kein Freund schöner Natur und ländlicher Einsam-keit, wechselnd mit den überraschendsten Fernsichten, unterlasse, dieses Paradies zu besuchen, wozu Se. Excellenz, der humane Besitzer, gerne die Erlaubniß er-theilt. Es ist hier Alles vereinigt, was einen Landsitz, zudem so nahe an der Stadt, nur angenehm machen kann, und man darf, um ihn, ohne viele Worte, zu charakterisieren, nur kühn behaupten, daß er zu dem Schönsten gehört, was die Umgebungen unserer Stadt zu biethen vermögen.

In einem der hier stehenden Gebäude sieht man noch die Kapelle, die von den Jesuiten ihrem Ordens-generalen, dem heil. Franziskus de Borgia, errichtet wurde. Auch hatten sie in dem benachbarten Bosket eine sogenannte geistliche Einöde, wohin sie sich bega-ben, wenn sie ihre jährlichen drei- oder achttägigen Bußübungen vornahmen. Das Zeichen für die Büßen-den wurde mit einem Glöckchen gegeben, das an einem zweistämmigen Baume hängt.

Unfern des Rosenhaines, an der Straße nach Maria Trost, findet man eine Zuckersiederei. Ein Gebäude, das noch vor wenig Jahren dem Ex- König von Holland, Ludwig Buonaparte, der mehrere Jahre unter dem Namen eines Grafen St. Leu hier wohnte, eigen-thümlich war. Im Garten zeugen noch mehrere In-schriften vom stillmelancholischen Sinne jenes seltenen [161]Bewohners. Später kam diese Besitzung in die Hände Sr. Durchlaucht des Fürsten von Lichtenstein, und 1825 wurde sie endlich, sammt einem Nebengebäude, einer halb verfallenen Kaserne, zur Errichtung einer Zucker-fabrik erkauft.

Fast an der Maria- Troster- Linie liegt ein stark besuchtes Gasthaus mit einem Garten, die Hilm ge-nannt, wo man Erfrischungen aller Arten findet. Außerdem sind noch mehrere andere Gärten und Gast-häuser, und wie schon aus der Lage dieses Viertels her-vor geht, die angenehmsten Spaziergänge hier zu finden.

Das Viertel Graben mit einer Anzahl von 308 Häusern, dessen Viertelmeister derzeit Hr. Michael Vital, Herrschaftsverwalter am Graben Nro. 917, ist durch seine Lage, durch die vielen schönen Sommerhäu-ser, durch die geschmackvollen und ausgedehnten Gär-ten, durch die dazwischen liegenden Weinberge und Wäldchen, durch die dunkelsten Laubgänge und die größten freiesten Aussichten über das ganze Thal von Gösting bis Wildon, kurz durch alles, was eine Land-schaft nur reizend und mahlerisch machen kann, der ausgezeichnetste Theil unserer Vorstädte.

Einst herrschten hier die alten Ritter von Graben, die vom dreizehnten bis zum sechzehnten Jahrhunderte zu den berühmtesten Geschlechtern der Steyermark, be- sonders durch jenen getreuen Anhänger Kaiser Friedrichs des Friedsamen, Ulrich von Graben, Vertheidiger des Schloßberges gegen die Ungarn, von 1462 bis 1469 Landeshauptmann, gehörten. Wann sie zu diesem Be-fizthum gelangten, ob und wo sie hier ein Schloß hat-ten, ist nicht mehr auszumitteln. Nur scheint es, daß dieser Theil der Umgebungen von Gräz früher den Wallseern zu St. Leonhard gehörte, und daß die Grab-ner anfangs Lehensleute derselben waren. Sie besaßen außerdem noch die Herrschaften Kornberg, Obermarburg und Grabenhofen, waren Burggrafen auf Riegersburg, hatten ein Haus in Gräz, mehrere Weingärten ꝛc.

Das Geschlecht endete in Steyermark am 11. April 1556 mit Andreas, der in Radkersburg starb, und [162]auch in dortiger Pfarrkirche begraben liegt. Die Be-sizungen kamen größtentheils an die Familie Stadl.

Der Graben nimmt das ganze Thal im Norden der Stadt, zwischen dem Schloßberge, dem Rosenberge und den Ufern der Mur, ein, und man gelangt dahin zunächst durch das Paulusthor und durch das Sackthor.

Unter den Gassen ist jene, die fast in der Mitte durch, vom Paulusthore bis zur Linie, führet, und vor-zugsweise der Graben genannt wird, die größte und schönste. Man findet hier eine Reihe zum Theil im neuesten Geschmacke gebauter Häuser, die fast alle von adelichen oder sonst reichen und angesehenen Familien bewohnet werden, und die sich jetzt, so weit der Raum es zuläßt, noch von Jahr zu Jahr vermehren. Auch hat dieß Viertel zwei Kirchen, des heil. Johann und der Jungfrau Maria im Schnee.

Die Kirche und das Kloster der aufgehobenen Kapuziner bei St. Johann gleich am Anfange des Grabens wurde 1648 für den, in den Lustgärten da herum wohnenden Adel, wegen Entfernung aller übrigen Kirchen, durch den Grafen Ludwig Sigm. v. Dietrichstein, die Gräfinn von Kinsky und die Edle von Hani begründet, und am 29. August dieses Jahrs von Jos. Markus aus den Grafen von Altringen, Bis-chof zu Seckau, der Grundstein dazu gelegt.

Im Jahre 1651 an selbem Tage wurde die Kirche zu Ehren des heil. Johann des Täufers geweiht, und sammt dem darneben stehenden Gebäude den Kapuzi-nern, welche schon ein Kloster in der Stadt inne hatten, übergeben, die es dann auch bewohnten, bis sie 1783 aufgehoben wurden.

Die Mönche waren sehr beliebt; sie waren aber auch thätig; denn sie besaßen hier eine Tuchfabrik, welche alle Klöster in Inneröstreich mit dem Nöthigen versah. Auch mit den Wissenschaften beschäftigten sie sich, denn sie waren lange Zeit die Herausgeber der gut eingerichteten und manches Nützliche enthaltenden Gräzer- Kalender.

[163]

Die Kirche hat sonst keine Merkwürdigkeiten. Der Gottesdienst wird in folgender Ordnung gehalten: täg-lich um 6 und halb 8 Uhr Messe, an Sonn- und Feier-tagen Messe um 6, 7 und 8 Uhr; Predigt um halb 7 und halb 10 Uhr, Amt um 10 Uhr; Nachmittag Lita-ney um 5 Uhr.

Pfarrer ist derzeit der hochw. Hr. Mathias Gaisch, bischöfl. Seckauer geistlicher Rath.

Das kleine Kirchlein zu Maria Schnee, am Fuße des Rosenberges, enthält ein gnadenreiches Marienbild, und war schon im Jahre 1553 als eine Kapelle bekannt.

Der Gräzer Kaufmann Franz R. Mayr ließ im Jahre 1765 die gegenwärtige kleine Kirche bauen, und fun-dirte einen eigenen Priester, den hochw. Hrn. Jos. Fruh-mann, dazu.

Unter den Privatgebäuden zeichnen sich besonders folgende aus:

Gleich am Anfange des Grabens, rechts unter Nro. 900, das Sommerhaus des hiesigen Handelsmannes Hrn. Joh. M. Pferschy. Mehrere Jahre hindurch bestand im Salon des schönen großen Gartens ein Liebhaber- Thea-ter, auf welchem auch, nachdem 1823 das ständ. Schau-spielhaus abgebrannt war, einige Zeit hindurch von der Operngesellschaft kleine Singspiele gegeben wurden.

Weiter draußen unter Nro. 913, links an der Stra-ße, steht ein schloßähnliches Gebäude mit einem Uhr-thürmchen und einer kleinen, nicht mehr benützten, Ka-pelle, der freie Orthof genannt.

Noch weiter gegen den Rosenberg hinauf findet man ein großes Haus mit einem angenehmen Garten - jetzt Eigenthum des gewesenen russischen Staatsrathes Andr. Pichler.

Unter Nro. 940 und 941 besitzt der gewesene Han-delsmann Hr. Jg. Gadolla eine Realität, die besonders des angenehm gelegenen und wohl erhaltenen Gartens wegen bemerkenswerth erscheint.

Der herrlichsten Situationen erfreuen sich die am Rosenberge gelegenen Sommerhäuschen und Gärten des Handelsmannes Hrn. Jos. Koch.

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Nicht minder schön gelegen ist die Besitzung des Hrn. Gubernialraths und Kreishauptmanns Franz Edl. v. Werner in der Körblergasse Nro. 805.

Ein im italienischen Geschmacke errichtetes sehens-werthes Gebäude ist die mit trefflichen Maschinen ver-sehene Nägelfabrik des Hrn. Carl Greinitz, an der Wehr Nro. 1035.

In der Nähe des letzteren findet man noch die Ringel- und Schnallen- Fabrik des Hrn. Hofrichter unter Nro. 990, welche jährlich auf 22 Feuerstellen, mit 3 Schmied- und Preßmaschinen über 700 Ctr. Eisen verar-beitet; die große Bäckenmühle Nro. 994; die ansehnliche Kienreichische Papiermühle Nro. 998; die Dietrichsche Geschirrfabrik Nro. 1025; endlich nahe am Sackthor Nro. 1030 die ausgezeichnete Glockengießerey des Hrn. Feltl.

Außer dem schon erwähnten Wurmbrandgarten lie-gen im Bereiche dieses Viertels noch mehrere Punkte, wohin an schönen Sommertagen die Gräzer Welt zu lustwandeln pflegt.

So z. B. auf der Höhe des Rosenberges der, we-gen seiner überraschenden Aussicht auf die Stadt und die meisten Umgebungen, sogenannte "Panoramahof", etwas näher an der Stadt das "Türkenlager" u. s. w.

d. Die Murvorstadt;

am westlichen Ufer der Mur, über welche zwei Brücken führen, mit einer Anzahl von 1127 meist schönen Häu-sern. Sie wird in sechs Viertel eingetheilt: das Viertel Kalvarienberg mit 121 Häusern; die Lend mit 280 Häusern; Mariahülf mit 189 Häusern, St. Elisabeth mit 228 Häusern, Gries mit 191, und Carlau mit 118 Häusern, welche wir nun einzeln durchgehen wollen.

Der nördliche Theil dieser Vorstadt ist das um den Kalvarienberg gelegene Viertel (Viertelmeister derzeit Dr. Ant. Nagy, wohnt an der Wienerstraße Nr. 36).

Es hat 10 Gassen, worunter die längste und lebhafteste die Wienerstraße.

Der Kalvarienberg, auf einem ganz isoliert ste-henden, grotesk geformten hohen Felsen, der einem Frei-herrn von Maschwander angehörte, und der Austein ge- [165]nannt wurde, im Jahre 1606 angelegt, gehört aller- dings zu den Sehenswürdigkeiten von Gräz. Auf der höchsten Spitze, wo die Kreuze stehen, genießt man eine wunderschöne Aussicht, und Niemand wird es bereuen, dieselbe erstiegen zu haben. Die auf der halben Höhe stehende Kapelle ist von dem ausgezeichneten vaterländi-schen Künstler Math. Schiffer ausgemahlt. An den Sonn- tagen der Fastenzeit wird der Kalvarienberg von den frommen Gräzern und Gräzerinnen sehr lebhaft besucht.

Pfarrer ist derzeit der hochw. Hr. Joh. Rankel. Der Gottesdienst hat folgende Ordnung: an Wochenta-gen um 6 Uhr, Sonntags um 9 Uhr die Messe, um 3 Uhr die Vesper.

Außer einigen großen Mühlen und der Leykam'schen Papierfabrik ist kein Gebäude dieses Viertels besonders bemerkenswerth.

In der Aue neben dem Kalvarienberge, am Stro-me aufwärts, wird alljährlich im Sommer ein großes Volksfest »das Fischerfest" genannt, zum Vortheile der Armen gefeiert, wovon wir noch im XV. Absch. zu sprechen gedenken.

Das Lendviertel liegt näher an der Stadt, und zählt einen großen Platz und 9 Gassen. Viertelmei-ster ist derzeit Hr. Jof. Mark, Hausbesitzer an der Wienerstraße Nro. 189.

Auf dem großen Lendplatze steht ein Kruzifix mit Heiligen umgeben, das von der Bürgerschaft bei Gele-genheit der Pest, im Jahre 1680 errichtet worden.

Hier befindet sich auch unter Nro. 323 die große Artillerie-Kaserne.

Die Lend, die noch vor hundert Jahren, so wie das vorige Viertel, kaum einige Häuser enthielt, bekam ihren Namen von dem Anlanden der Flöße und Plät-ten auf der Mur, welches sonst hier Statt fand.

Sie ist lebhaft, weil die Kommerzial-Hauptstraße durch dieselbe, so wie durch den größten Theil der Mur-vorstadt führet.

Das Viertel Mariahülf, dessen Viertelmei-ster derzeit Hr. Franz Höck, Hausbesitzer in der Maria- [166]hülfgasse Nro. 503, ist der schönste Theil der Murvor-stadt.Es hat 2 Plätze und 17 Gassen. Darunter ver-dienen bemerkt zu werden:

Der zwar nicht große, aber mit ansehnlichen Ge-bäuden und einer Statue des heil. Johann Nep. ge-zierte Murvorstadtplatz.

Die Brückenzeil mit einigen großen neuen Gebäuden und einem stark vergoldeten Kruzifix, welches 1775 errichtet wurde und die Aufschrift führt:

DILIgIte CrVCIfiXVM.

Durch diese Gasse gelangt man über die gedeckte Murbrücke in die innere Stadt.

Einst war diese 60 Klafter lange Brücke ganz von Holz, nur zur Hälfte gedeckt, und konnte mit zwei Aufzugbrücken gesperret werden. Später wurde sie ganz gedeckt, und 1752 wurden statt der hölzernen, gemau-erte Joche angebracht.

Als man im Jahre 1813 eben beschäftiget war, ein Joch dieser Brücke auszubessern und dasselbe mit einem hölzernen Gerüste unterstützt hatte, am 13. Sept. desselben Jahres aber der Fluß fast bis an die Höhe der Brücke angeschwollen war, stürzte Abends um halb 10 uhr das schadhafte Joch und mit demselben fast die halbe Brücke ein. Darauf wurde die gegenwärtige, zwar auch hölzerne, aber doch schöne Brücke von dem Zimmer-meister Christ. Ohmeyer, unter der Leitung der k. k. Baudirektion hergestellt. Sie ruht auf doppelten Pi-lotten, weil man sonst nur alle Winter mit dem Auf-mauern der Pfeiler hätte fortfahren können, und weil im Sommer das Wasser gewöhnlich zu hoch steht, um es sperren zu können.

Die obere und untere Mariahülfgasse.

Die Georgigasse, die ihren Namen noch vom einer hier gestandenen, im Jahre 1680 erbauten Kirche hat. Rings um die Kirche, wo jetzt lauter Gärten, war ein großer Gottesacker.

Die Lederergasse ꝛc.

Die Kirche und das Convent der P. P. Minoriten bei Mariahülf gehöret zu dem Ausge- [167]zeichnetsten der Sehenswürdigkeiten von Grätz. Sie ent-standen, als im Jahre 1526 die Religiosen des genannten Ordens aus ihrem Kloster, das ihnen schon ihm Jahre 1221 Herzog Leopold, bei Maria Himmelfahrt an der Mur, ge-bauet hatte, durch die P. P. Franziskaner verdränget wurden, und Seyfried, Herr v. Eggenberg, sie in seinem Sommerhause gütig aufnahm. Sie pflegten hier einst-weilen in der Hauskapelle des Gottesdienstes, bis am Ende des sechzehnten Jahrhunderts, durch Unterstützung des Fürsten Ulrich von Eggenberg und Kaiser Ferdinand II. mit seiner frommen Gemahlinn Marianna von Bayern, die gegenwärtige Kirche erbauet werden konnte. Wegen dieser Unterstützung trägt auch die Fassade, im korinthi-fchen Style, das Wapen der Eggenberger, und die in-nere Wand die kaiserlichen Wapen.

Im Jahre 1611 kam das gnadenreiche Madonnen-bild, von Peter de Pomis, auf den Hochaltar. Im Jahre 1634 erbauten die Kaufleute, zur Lösung eines Gelüb-des, den beiden Pestpatronen, Sebastian und Rochus, einen Altar. Im Jahre 1742 wurden die beiden Thür-me errichtet, und die Kaiserinn Maria Theresia gab 1759 erobertes Türkengeschütz zum Gusse der Glocken, endlich im Jahre 1769 wurde eine gänzliche Umstaltung und Erneuerung der Kirche vorgenommen. Alle Altäre wurden vergrößert und verschönert, der Plafond wurde vom Ritter v. Mölk in Fresko ausgemahlt, und dann im November desselben Jahres mit großer Festlichkeit die Kirche neu geweiht. Im Jahre 1772 kam noch die sogenannte Schatzkammer dazu, die der Bischof von Seckau, Joh. Philipp Graf v. Spauer, einsegnete. Im Jahre 1819 wurde der blaue Baldachin ober dem Hoch-altare von Math. Schiffer gemahlt.

Die Kirche bewahrt, nebst den Grabstätten der Fär-fien von Eggenberg, der Grafen von Mersberg, der Herren von Stubenberg, der Grafen von Rindsmaul u. f. w., auch mehrere interessante Kunstgegenstände, z. B. einen heil. Michael von Schmidt, einen Heiland am Kreuze von Peter de Pomis, eine Madonna, einen heil. Florian u. a., von Kollmann ꝛc.

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Auch erhielt sie durch den Fürsten Joh. Ulrich von Eggenberg, vom Papst Gregor XV. den heil. Leib des Märtyrers Arthemius und des heil. Donatus.

Im Convent ist ein prächtiger, von Joh. Seyfried v. Eggenberg erbauter Saal, dessen Plafontgemählde, von Maderni, und das große Wandgemählde, von Rannacher, jeden Kunstfreund anziehen wird.

Quardian und zugleich Pfarrer ist derzeit Pater Franz Thomandl.

Der Gottesdienst wird in folgender Ordnung ge-feiert: die erste Messe ist im Sommer um 5, im Win-ter um halb 6 Uhr; die Frühpredigt um 7, und die Spät-predigt um 9 Uhr, die Segenmesse Sonntags um halb 7, in der Woche um 10 Uhr; das Hochamt um 10 Uhr, die Vesper im Sommer um halb 6, im Winter um halb 5 Uhr.

Die Kirche und das Kloster der barmher-zigen Brüder. Die Gründung geschah auf folgende Weise: Erzherzog Maximilian Ernst, Kaiser Ferdinands II. Bruder, kam nähmlich in Gräz nach einer unglück-chen Aderlaß in Gefahr, den Arm zu verlieren. Schon ward ihm die Abnahme desselben, als das einzige Ret-tungsmittel, angekündigt, da erinnerte man sich zufällig an den in Wien anwesenden General-Vicar der Barm-herzigen, Gab. Ferara, der als ein geschickter Wundarzt bekannt war, und ließ ihn durch reitende Eilbothen holen. Er kam, und stellte den Erzherzog schnell und glücklich her. Die Dankbarkeit des Fürsten gab nun die Veranlassung zur Stiftung des hiesigen Klosters und Hospitals.

Im Jahre 1615 wurde in Gegenwart des ganzen Ho-fes auf demselben Platze, wo sonst die Verbrecher gerich-tet wurden, der Wohnort der Barmherzigkeit gegründet.

Die Kirche ist ziemlich groß, in einem edleren Style erbaut, und die freundlichste und hellste in Gräz.

Das Blatt des Hochaltars ist ein sehr gutes Bild aus der italienischen Schule. Am ersten Seitenaltar rechts befindet sich ein aus Holz geschnitztes Kruzifix von sehr hohem Werthe.

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Ein protestantischer Bildhauer, dessen Name lei-der nicht aufbewahret worden, hatte dieses Kunstwerk auf Bestellung für ein anderes Kloster verfertigt, er-fuhr aber die Kränkung, daß es ihm unter dem Vor-wande eines zu hohen Preises nicht angenommen wurde. Er erkrankte bald darauf, wurde in das Hospital der barmherzigen Brüder gebracht, und kehrte endlich hier in den Schooß der katholischen Kirche zurück. Als die letzte Stunde seines Lebens nahte, übergab er zum Denkmal seiner frommen Dankbarkeit sein einziges letz-tes Gut, das Kruzifix, der Kirche mit der Bedingung, daß jährlich eine Andacht zum Heil seiner Seele daselbst veranstaltet werde.

Die anderen 5 Seitenaltäre haben außer einigen guten Bildern nichts Besonderes aufzuweisen.

An die Kirche angebaut ward im Jahre 1651 durch Graf Georg von Herberstein eine Lorettokapelle, ganz nach dem Muster der Santa casa selbst.

Im Jahre 1817 wurde, durch die Bemühungen des Priors Magnobonus Grünes, auf dem geräumigen Chor eine ganz neue Orgel mit 24 Registern, von dem Orgelmachermeister Carl Schell erbaut.

Besonders wegen dem eben berührten freundlichen und großen Chore wird die Kirche häufig zu beson-dern Feierlichkeiten, z. B. zu den Festen des Musikver-eins, gewählt; auch hält das Regiment Luxem seinen Gottesdienst darin.

Das Klostergebäude ist groß und geräumig, aber ohne besonderer Architektur; in dem schönen Refektorium befindet sich ein großes Abendmahl, von dem geschätzten vaterländischen Künstler Schmidt. Historische Merkwür-digkeiten haben in demselben Saale die Bildnisse des Erzherzogs Maximilian Ernst und des P. Gab. Ferara.

An der hinteren Mauerwand des Gartens befindet sich noch das alte Kruzifix, zu welchem die Verbrecher einst vor ihrem Tode beteten, und zu dessen Füßen sie verbluteten.

Der Gottesdienst wird von den beiden Priestern des Convents und einigen Auswärtigen in folgender Ord- [170]nung gehalten: die erste Messe ist Morgens um halb 7 Uhr, die letzte um 9 Uhr. Sonntags ist das Hochamt um 9 Uhr.

In der Mühlgasse, in dem Hause Nro. 429, findet man eine Kapelle, dem Einsiedler, Paul geweiht.

Unter den Privatgebäuden gibt es mehrere sehr an-sehnliche, z. B. das sogenannte alte Mariahülfer Haus, der Kirche gegenüber, das Schweighofer'sche Haus, in der Brückenzeile Nro. 847, das Haus auf dem Platze Nro. 845, auf welchem man das steinerne Bruststück eines jungen behelmten Römers, in antiker Arbeit sieht; das Stadler'sche Haus in der Barmherzigen- Gasse Nro. 557; das Haus in der Mariahülfer-Gasse Nro. 462, wo bis zum Jahre 1775 das von den Bürgern zu Straß 1742 gestiftete Josephinum bestand.

Unter den Gärten ist bemerkenswerth: der zum Ad-monterhof gehörige, in der alten Eggenbergerstraße Nro. 564; der Garten in der Strauchergasse Nro. 560, ein ehemaliges Besitzthum der hochgebildeten Gräfinn Lan-thieri; der ehemals Marschallsche Garten in der Neu-gasse, der große Garten am Metahof, in der alten Eg-genbergerstraße, des Grafen von Kotulinsky ꝛc.

Ein öffentlicher, viel besuchter Belustigungsort ist der Ott'sche Garten in der Georgigasse. In den-selben findet man einen, in eigenthümlichem Style gebauten Garten-Salon.

Das Viertel St. Elisabeth, zwar größer als das Vorige, aber minder ansehnlich. Viertelmeister ist derzeit. Hr. Alois Freystätter, in der Lazarethgasse Nro. 733.

Unter den Gassen dieses- Viertels zeichnet sich die Dominikanergasse, die Eggenberger-straße u. a. durch einige größere Gebäude aus.

Dieses Viertel hat 3 Kirchen, worunter die größte und ansehnlichste die ehemalige Dominika-nerkirche bei St. Andreas ist.

Als die schon im Jahre 1466 nach Gräz gekomme-nen Dominikaner ihren bisherigen Wohnort nächst der Stadtpfarre auf Befehl Erzherzog Carls im Jahre 1586 [171]verlassen mußten, bezogen sie die bei der Kirche zu St. Andreas in der Murvorstadt angebauten Häuser mit Beibehaltung aller ihrer vorhin genossenen Stiftungen in der Stadt.

Weil aber das alte Kirchlein für den neuen Got-tesdienst viel zu enge war, so erhielten sie endlich die Erlaubniß, aus den in Deutschland und Italien gesam-melten Almosen eine neue geräumigere Kirche sammt Kloster zu bauen. Der Bau begann unter dem Prior Hyazinth Zaenii im Jahre 1624, und wurde nach 3 Jahren vollendet.

Das Bild des Apostels und der Magdalena auf dem Chor sind von Hackhofer, einem Schüler des Car-lo Maratti, gemahlt.

Auf dem ansehnlichen Thurme befindet sich eine gute Uhr, und an der äußern Mauer sieht man noch mehrere Grabsteine, Spuren des alten Gottesackers.

Vom Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts bis gegen Ende des achtzehnten befand sich hier auch das Generalstudium der Provinz, und es zeichneten sich viele Väter als Lehrer und Prediger aus.

Im Jahre 1808 übersiedelten die Dominikaner in das Augustinerkloster im Münzgraben, das Kloster wurde zur Kaserne verwendet, und es blieb hier bloß ein Pfarrer, derzeit Hr. Joach. Ant. Mangin mit 3 Kaplänen.

Der Gottesdienst wird in folgender Ordnung ge-halten: um 5 Uhr ist die erste Messe, um 9 Uhr die Segenmesse, Sonntags um 9 Uhr Predigt, um 10 Uhr Amt, und um 14 Uhr Vesper.

Die zweite Kirche ist die der ehrwürdigen F. F. Elisabethinerinnen am Mühlgange.

Als Maria Theresia , geborne Fürstinn von Lich-tenstein, sich mit ihrem Gemahl, dem General Jakob Graf von Leslie, in den Niederlanden aufhielt, und den wohlthätigen Orden der Elisabethinerinnen kennen lernte, beschloß sie, denselben auch in ihr Vaterland einzuführen.

Sie ließ daher, als sie dahin zurück gekehret war, im Jahre 1690 drei Schwestern dieses Ordens, mit Ge- [172]nehmigung des Erzbischofs von Köln, aus Düren bei Jüllich nach Gräz kommen, und schenkte ihnen ein Haus in der Murvorstadt am Mühlbach.

Nach vielen ausgestandenen Verdrießlichkeiten er-hielten sie nach vier Jahren die Erlaubniß, ein Kloster zu bauen.

Den 11. August wurde der Grundstein dazu gelegt, und im Mai 1691 das Gebäude des Klosters und Ho-spitals sammt der Kirche vollendet, und letztere dem heil. Lorenz geweiht.

Die Zahl der Klosterfrauen waren Anfangs nur vier, die Zahl der Betten sechs. Dazu hatten sie zwei Mägde. Ein Kaplan besorgte den Kirchendienst. In der Folge wurde das Kloster durch viele Wohlthäter - besonders durch die Gräfinn Theresia von Wagensberg, welche ein Kapital von 26000 Gulden dahin schenkte, zum höheren Wohlstande gebracht, so, daß es jetzt 25 Nonnen und 33 Betten unterhalten kann. Oberinn ist derzeit Mater Magdalena Dominika Heigelmeier; Be-nefiziat Hr. J. Strübing.

Das Kirchlein ist nett, enthält aber keine besonderen Merkwürdigkeiten. Der Gottesdienst hat folgende Ord-nung: um 6 Uhr ist die erste Messe, Sonntags um 10 Uhr das Amt, um 5 Uhr die Vesper.

Im Krankenzimmer zeigt man einige Bilder von Schmidt.

Im heil. Geist-Spital ist eine kleine uralte Kirche. Schon im Jahre 1329 legierte die Kaiserinn Eli-sabeth, Friedrich des Schönen Gemahlinn, dieser Kirche und dem Spital eine kleine Summe zur Unterhaltung derselben. Im Jahre 1401 schenkte ein Bürger, Na-mens Nicklas Eßel ob der Etsch, dem Spitalle zwei Wiesen in der Griesaue, auf welche dann die Gemeinde von Gräz das alte Bürgerspital erbaute.

Kaiser Friedrich der Friedsam vergrößerte den Fond desselben am 14. December 1461; so wie Kaiser Maximilian I. am 1. Mai 1513.

Es bestand früher hier eine eigene Pfarre, die aber nun aufgehoben und an deren Stelle sich ein [173]bloßes Benefizium befindet. Benefiziat ist derzeit Hr. Jofeph Alois Hötzel.

Der Gottesdienst wird auf folgende Weise gehal-ten: täglich um 6 Uhr die Messe, um 4 Uhr die Vesper.

Unter den Gebäuden dieses Viertels ist die Kaserne in der Feuerbachgasse Nro. 827, wo bis zum Jahre 1776 ein von Math. v. Schäffenburg 1679 gestiftetes Waisenhaus bestand *(Dieß bezeugen noch zwei Steine mit folgenden Aufschriften: FVN DAVIT. sTRENVVs. NoBILIs. MATHI-AS. sCHEFFENBVRG. PRO. DEI. GLORIA. ET. HV IVs. 1 VVEN-TVr Is. PIETATE. op Vs. PEaFECTVM. FVIT.); der prächtige Offiziers-Pa-villon, in der Schulgasse Nro. 786; die daneben stehenden Dominikaner-Kasernen mit dem Kadetten-hause, die kleine und große Lazarethkaserne, uralte zur Zeit der Pest erbaute Spitäler; die Kaserne in dem ehemaligen Neubergerhofe u. a. m. bemerkenswerth.

In der Naglergasse Nro. 607 haben die Stände einen eigenen Mustergarten für die Landwirth-schafts-Gesellschaft und das Johanneum.

Das Griesviertel hat 5 Plätze und 16 Gasse die aber zum Theil nur aus sehr kleinen Häuschen bestehen. Viertelmeister ist derzeit Hr. Joseph Weisse-negg, in der Rößlmühlgasse Nro. 943. Unter den Plätzen ist der größte der Griesplatz selbst, auf wel-chem auch eine 1680 errichtete Denksäule steht, unter den Gassen verdienet die Griesgasse bemerkt zu werden.

Die sogenannte wäll'sche Kirche zum heiligen Franz de Paula auf dem Gries, ist ein kleines unan-sehnliches Gebäude, das seinen Namen erhielt, als hier noch in italiänischer Sprache geprediget wurde. Ober der Fronte befindet sich eine hübsche Uhr, deren Glocken im Freien hängen.

Der Gottesdienst wird hier auf folgende Weise gefeiert: täglich um 8 Uhr Messe, Sonntags Segens-messe um 9 Uhr; Nachmittag um 3 Uhr Vesper.

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Weiter unten in der Armenhausgasse Nro. 957 befindet sich das Siechenhaus, und daneben unter Nro. 958 ein Locale für ein öffentliches Arbeitshaus. Auf dem Gries Nro. 987 hat die Confrat. St. Franc. de Paula ihren Sitz.

Man gelangt in dieses Viertel zunächst über die sogenannte neue Brücke, die im Jahre 1787 unter der Leitung des Oberbaudirektors Kunsti, vom Hof-zimmermeister Christoph Ohmeier sen. über die Mur, zur leichtern Kommunikation zwischen der Stadt und der Murvorstadt und zur näheren Verbindung mit der ita-liänischen Hauptstraße, geschlagen wurde.

Sie ist breit und hoch, und hat ihre Festigkeit schon bei mehreren bedeutenden Fällen, z. B. bei der Ueberschwemmung im Jahre 1813 bewährt.

In der Nähe der Brücke befand sich sonst die bürgerl. Schießstätte; jetzt stehen da mehrere sehr ansehnliche Gebäu-de, worunter wohl vorzüglich die ausgezeichnete Lewohl-sche Lederfabrik angeführt zu werden verdient.

Das Viertel Carlau, das südlichste der ganzen Stadt, und auf einem Boden, der im ganzen Mittelalter und in der neueren Zeit, bis die Kaiser Maximilian I. im Jahre 1496 aus der Steyermark verbannte, von den Juden besetzt und bewohnt war. Nach Zerstörung dieser Judenstadt blieb die Gegend öde und verwildert, bis 1570 Erzherzog Carl hier ein Jagdschloß sich erbaute.

Viertelmeister ist derzeit Hr. Joseph Manker, in der Carlauerstraße Nro. 1037.

Dieß Viertel zählt einen Platz und 9 Gassen, worunter die Carlauer- und Triesterstraße die belebtesten sind.

Ehemals hatten die Trinitarier, die 1742 nach Gräz kamen, hier eine Kirche und Residenz; jetzt be-findet sich hier eine Pfarre zur heil. Dreifaltigkeit, deren Vorsteher derzeit Herr Franz Füger ist.

Die Kirche ist klein und jetzt ganz neu renoviert, hat aber sonst nichts Merkwürdiges, als am linken Seiten-altare ein uraltes hölzernes Kruzifix aufzuweisen. Der Gottesdienst wird in folgender Ordnung gehalten: täg- [175]lich um 6 und 8 Uhr Mess; Sonntags um 9 Uhr Amt und Predigt, Nachmittags um 4 Uhr Litaney.

Das merkwürdigste Gebäude ist die Carlau. Sie wurde, wie schon berührt, im Jahre 1570 in der Mitte eines Thiergartens erbauet, und war viele Jahre hindurch der liebste Sommeraufenthalt des steyermärki-schen Hofes. Als endlich unter Kaiser Ferdinand II. Gräz aufgehört hatte, Residenz zu seyn, verödete auch dieses Schloß. Die Gemähldesammlung, Waffenkammer u. s. w. kamen heils nach Wien, theils in die Burg zu Gräz, und die Carlau blieb viele Jahre leer und unbewohnet stehen. Im Jahre 1769 befahl die Kai-serinn Maria Theresia, hier ein Arbeitshaus zu er-richten, später ward eine Kaserne daraus, und nun ist es seit mehreren Jahren das Provinzialstrafhaus für Steyermark.

Außer den vielen hübschen Gartenhäusern, Mühlen und Fabriken, muß unter den neueren Gebäuden dieses Viertels noch der große prächtige k. k. Beschälstall in der Köstenbaummühlgasse Nro. 1014 angeführet werden. Er wurde erst im Jahre 1822 vom Grund aus neu gebaut, und faßt eine große Anzahl aus erle-sener Pferde.

Unter den Gärten und Spaziergängen muß der beliebte Dornschneider, der Gottin-ger'sche Garten auf der Leinwand-bleiche, und der Weg zur neuen Schwimmschule bemerket werden.