Ödön von Horváth

Historisch-kritische Ausgabe – Digitale Edition

Über die digitale Edition


Das Projekt

Mit der digitalen Edition der Werke Ödön von Horváths, die hier mit Geschichten aus dem Wiener Wald begonnen wird, wird die als klassische Buchausgabe konzipierte und durchgeführte historisch-kritische Ausgabe sämtlicher Werke Ödön von Horváths erweitert und für neue Lektüreweisen geöffnet. Ausgangspunkt sind die emendierten Endfassungen der Texte Horváths, die nach etablierten Standards (TEI: P5) maschinenlesbar codiert und in einem frei zugänglichen Repositorium abgelegt werden. Eine interaktive Leseansicht gestattet einen niederschwelligen, konventionellen Zugang zum Text, der mittels persistent identifier (PID) auch online zitierbar ist. Verschiedene Tools in dieser Ansicht ermöglichen Analyse, Fassungsvergleiche und Datenauswertung auf der Grundlage des genau dokumentierten Datenmodells. Das Datenmodell selbst schafft darüber hinaus Anknüpfungspunkte für neue heuristische Verfahrensweisen im Methodenparadigma der Digitalen Geisteswissenschaften. Mit exemplarischen Datenauswertungen und Netzwerkanalysen zu Horváths Werk zeigt die digitale Edition die Potentiale dieses Zugangs auf.

Das Datenmodell

Basierend auf den überlieferten Endfassungen des Volksstücks Geschichten aus dem Wiener Wald (1931) wurde als erster Baustein der digitalen Edition ein eigenes XML-Datenmodell geschaffen, das die Grundlage der Codierung von Horváths gesamtem dramatischen Werk bilden soll. Das Modell baut auf den etablierten Gesichtspunkten digitaler Dramenedition auf, wie sie im Vokabular der Text Encoding Initiative (TEI: P5) gegeben sind. Innerhalb der vom Text vorgegebenen Makrostruktur (Bilder, Teile <div>) wird der Text in eine Reihe von Ereignissen sequenziert, die den jeweiligen Figurenreden bzw. -anweisungen entsprechen (<sp>). Die unterschiedlichen Textstrukturen (etwa Sprechtext <p>, Bühnen-/Szenenanweisung <stage>) sind darin entsprechend annotiert und eindeutig auf die jeweiligen Figuren bezogen. Mittels Attributen und weiteren Elementen sind diese Basiselemente des Stückes weiter differenziert, womit spezifische Fälle von Bühnenanweisungen (Handlungen, Figurenbeschreibungen, …) sowie die Interaktionen und Bühnenbewegungen (Auf-/Abtritte) der einzelnen Figuren erfasst sind. Diese feingranulierte Erschließung des Textes im Modell erlaubt Anknüpfungsmöglichkeiten für unterschiedlichste Zugänge und Interessen. Die im Datenmodell abgebildete Struktur nimmt darüber hinaus besondere Rücksicht auf die Eigenheiten von Horváths Poetik und die jeweils besonderen Eigenschaften der einzelnen Texte. So ist die für Horváth typische „Stille“ als konstitutiver Bestandteil seiner Dramatik gesondert gekennzeichnet. Im Falle von Geschichten aus dem Wiener Wald wurde auch besondere Aufmerksamkeit auf die Codierung der das Stück durchziehenden Musikstücke gelegt, deren leitmotivischer Charakter die Handlung des Stückes begleitet und konterkariert. [Codierungsrichtlinien]

Interaktive Ansicht

Die Leseansicht basiert unmittelbar auf dem Datenmodell und bietet mittels verschiedener Lesetools eine Lektüre entlang der codierten Textstrukturen. Mittels Hervorhebungen können diese Strukturen einfach sichtbar gemacht und im gesamten Text nachverfolgt werden. Neben figuren- wie szenenbezogenen Aspekten stehen hier auch stückspezifische Optionen zur Auswahl, etwa die Musikstücke in Geschichten aus dem Wiener Wald. Wo mehrere von Horváth autorisierte Endfassungen vorliegen, ist ein einfacher wie übersichtlicher Fassungsvergleich integriert, der zwischen den Fassungen übernommene bzw. geänderte Textbestandteile hervorhebt und einen leichten Wechsel zwischen den Fassungen erlaubt. Die Codierungsansicht ermöglicht informierten BenutzerInnen, jederzeit Einblick in die Details der Codierung einzelner Textsegmente zu nehmen.

Netzwerkvisualisierung

Netzwerk- und Matrizenvisualisierungen begleiten die Literaturwissenschaft und insbesondere die Analyse von Dramen bereits seit langem und helfen, Strukturen zu veranschaulichen. Die Form der Datenvisualisierungen, wie sie die Techniken der Digitalen Geisteswissenschaften möglich machen, sind demgegenüber aber ein neuer, empirischer Ansatz zur Analyse literarischer Texte und gestatten sowohl neue Einsichten in bekannte Texte als auch die Prüfung bestehender Forschungsthesen. Die hier angebotenen Visualisierungen zu den Stücken Ödön von Horváths – Matrizen und Netzwerke – basieren wie die Leseansicht unmittelbar auf dem erarbeiteten Datenmodell. Entlang der Auf- und Abtritte der einzelnen Figuren werden dafür die jeweiligen Konstellationen (Szenen) eruiert, die durch das gleichzeitige Vorhandensein von Figuren auf der Bühne bestimmt sind. Die Matrizen bilden diese Struktur in einem einfachen Raster ab und sind der Ausgangspunkt für die Berechnung der Netzwerkgraphen. Diese bilden die Zusammenhänge zwischen den Figuren mittels Methoden und Techniken der Sozialforschung ab und erlauben damit teils überraschende neue Erkenntnisse über die Stellung einzelner Figuren wie die strukturalen Machtverhältnisse in den untersuchten Texten.

Projektteam

Projektleitung

  • Klaus Kastberger
  • Johannes Stigler

MitarbeiterInnen

  • Hans Clausen
  • Martin Vejvar

Kooperationspartner

Fördergeber