Ulrich von Liechtenstein wurde zwischen 1200 und 1210 geboren, das genaue Geburtsdatum ist unbekannt. Er stammte aus einer bedeutenden steirischen Ministerialenfamilie und hatte selbst mehrere einflussreiche politische Ämter inne. Er war unter den Herzögen Leopold VI. (1198-1230) und Friedrich II. (1230-1246) sowie in der Zeit des Interregnums unter anderem Truchsess und Marschall der Steiermark. Sein höchstes Amt war jenes des Landrichters, der als Vertreter des Herzogs die Gerichtstage (Landtaiding) abhalten durfte. Ulrichs öffentliche Tätigkeit lässt sich aus fast einhundert Urkunden aus der Zeit zwischen 1227 und 1274 rekonstruieren, zudem wird er in zeitgenössischen Geschichtswerken erwähnt.
Über sein Leben abseits der Politik ist wenig bekannt: Ulrich war mit Perchta von Weissenstein verheiratet, mit der er vier Kinder hatte: die Söhne Ulrich II., Otto II. und die Töchter Diemut und Perchta, die später mit dem Minnesänger Herrand von Wildon verheiratet war. Ulrich verstarb am 26. Jänner 1275 und wurde damit zwischen 65 und 75 Jahre alt – ein für seine Zeit auffällig hohes Lebensalter!
Ulrich von Liechtenstein dichtete zum eigenen Vergnügen und zur Freude des Publikums. Sein „Frauendienst“ stellt als fingierte Autobiographie den ersten Ich-Roman der deutschen Sprache dar. Er schildert darin sein Werben um zwei Minnedamen und hat in den Text auch 58 Lieder, die er vermutlich schon früher gedichtet hatte, sowie sieben Briefe eingeflochten. Das „Frauenbuch“ zeugt von der ethischen Grundhaltung des Dichters und seiner Überzeugung, dass allein höfische Werte die Gesellschaft zusammenhalten können. Er schildert darin ein Streitgespräch zwischen einem Ritter und einer Dame, in dem sich beide gegenseitig die Schuld am Verfall der höfischen Sitten zuschreiben. Den Streit entscheidet die Erzählerfigur Ulrich zugunsten der Damen, denen man immer dienen solle. Ulrichs Werke sind prominent überliefert: Seine Lieder, die er in den „Frauendienst“ eingeflochten hat, finden wir in der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), das „Frauenbuch“ ist im „Ambraser Heldenbuch“, welches am Beginn des 16. Jahrhunderts im Auftrag Kaiser Maximilians I. entstand, überliefert.
