Grazer didaktisches Textportal zur Literatur des Mittelalters

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Ulrich von Liechtenstein

Ulrichs eskapadenreiche Dichterleben-Mission lässt sich in Anbetracht seines gleichzeitig landespolitisch hoch verantwortungsvollen Wirkens nicht leicht in einem einzigen Begriff zusammenfassen, aber Blendet reich trifft doch in mancher Hinsicht ins Schwarze: Seine poetischen Botschaften im „Frauendienst“-Roman scheinen nämlich alle irgendwie fast irrlichterhaft zu schimmern, zu glänzen, sie brechen Erwartungen, spiegeln uns etwas vor, aber machen dahinter doch immer wieder Elementares, tief Menschliches sichtbar. Welche zentrale Rolle dabei das Faszinosum Frauenliebe spielt, illustriert Ulrichs Literaturpfad. Der beginnt nur wenige Schritte von seiner Ausstellung im Marktgemeindeamt entfernt – mit Blick auf die berühmte Frauenburg, wo für Ulrich alles begonnen hatte.

Standort:
Unzmarkt-Frauenburg
Gemeindeamt, Simon Hafnerplatz 2, 8800 Unzmarkt

Öffnungszeiten: Montag - Donnerstag: 8 - 12 Uhr und 13 - 17 Uhr, Freitag: 8 - 12 Uhr
Ausstellungsbesuch kostenlos!

Kurzbiographie

Ulrich von Liechtenstein wurde zwischen 1200 und 1210 geboren, das genaue Geburtsdatum ist unbe­kannt. Er stammte aus einer bedeutenden steirischen Ministerialenfamilie und hatte selbst mehrere ein­flussreiche politische Ämter inne. Er war unter den Herzögen Leopold VI. (1198-1230) und Friedrich II. (1230-1246) sowie in der Zeit des Interregnums unter anderem Truchsess und Marschall der Steier­mark. Sein höchstes Amt war jenes des Landrichters, der als Vertreter des Herzogs die Gerichtstage (Landtaiding) abhalten durfte. Ulrichs öffentliche Tätigkeit lässt sich aus fast einhundert Urkunden aus der Zeit zwischen 1227 und 1274 rekonstruieren, zudem wird er in zeitgenössischen Geschichtswerken erwähnt.

Über sein Leben abseits der Politik ist wenig bekannt: Ulrich war mit Perchta von Weissenstein ver­heiratet, mit der er vier Kinder hatte: die Söhne Ulrich II., Otto II. und die Töchter Diemut und Perchta, die später mit dem Minnesänger Herrand von Wildon verheiratet war. Ulrich verstarb am 26. Jänner 1275 und wurde damit zwischen 65 und 75 Jahre alt – ein für seine Zeit auffällig hohes Lebensalter!

Ulrich von Liechtenstein dichtete zum eigenen Vergnügen und zur Freude des Publikums. Sein „Frauendienst“ stellt als fingierte Autobiographie den ersten Ich-Roman der deutschen Sprache dar. Er schildert darin sein Werben um zwei Minnedamen und hat in den Text auch 58 Lieder, die er vermutlich schon früher gedichtet hatte, sowie sieben Briefe eingeflochten. Das „Frauenbuch“ zeugt von der ethischen Grundhaltung des Dichters und seiner Überzeugung, dass allein höfische Werte die Gesellschaft zusammenhalten können. Er schildert darin ein Streitgespräch zwischen einem Ritter und einer Dame, in dem sich beide gegenseitig die Schuld am Verfall der höfischen Sitten zuschreiben. Den Streit entscheidet die Erzählerfigur Ulrich zugunsten der Damen, denen man immer dienen solle. Ulrichs Werke sind prominent überliefert: Seine Lieder, die er in den „Frauendienst“ eingeflochten hat, finden wir in der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), das „Frauenbuch“ ist im „Ambraser Heldenbuch“, welches am Beginn des 16. Jahrhunderts im Auftrag Kaiser Maximilians I. entstand, überliefert.

Materialien

Hörproben

Das Minnelied sumervar ist nu gar interpretiert von Eberhard Kummer MP3

Videos

Plädoyer für das Frauenbuch Ulrichs von Liechtenstein in der Schule (Kathrin Liess)

Alles aus Liebe (Kurzfilm zum Frauendienst des BG Rein)

Vrouwendienst (Spielfilm zum Frauendienst der NMS Scheifling – 6 Episoden neu erzählt)

5 Dinge, die man im Frauendienst nicht tun sollte (Kurzvideos des BG Weiz)

Ulrichs Flirttutorial (Kurzvideos des BG Weiz)

weitere Videos folgen…