Über Bruder Philipps Leben ist nur wenig bekannt. Er war Kartäusermönch und lebte um 1300 in der Kartause Seitz in der Untersteiermark (heute Žiče in Slowenien). Im Jahr 1316 gründete er mit sechs anderen Seitzer Mönchen die Kartause Mauerbach bei Wien, wo er 1345 oder 1346 verstarb. Über seine Herkunft ist nichts bekannt, Untersuchungen seiner Reime haben ergeben, dass er vermutlich aus dem mittel- oder norddeutschen Bereich kam.
Bruder Philipp ist der Verfasser des Marienlebens, einer 10.000 Verse starken „Biographie“ der Gottesmutter. Das Marienleben ist vermutlich zwischen 1300 und 1316 in Seitz entstanden. Er hat das Werk den Rittern des Deutschen Ordens gewidmet, die auch für dessen Verbreitung gesorgt haben. Heute kennen wir noch über 100 Textzeugen des Marienlebens, womit es die überlieferungsstärkste Dichtung des deutschsprachigen Mittelalters ist. Im Marienleben werden Stoffe aus der Bibel, aber auch apokryphe Inhalte wiedergegeben. Philipp orientiert sich frei an einer lateinischen Vorlage, wobei er die einzelnen Episoden der Vorlage zu einem zusammenhängenden Handlungsverlauf formt. Philipp erzählt das gesamte Leben: Von Marias Eltern Joachim und Anna über Marias Vermählung mit Josef, zur Geburt Jesu. Er erzählt von der Flucht der Familie nach Ägypten, der Rückkehr und dem Wirken Jesu bis zu dessen Passion und Auferstehung. Er schließt mit Marias Lebenswandel nach der Himmelfahrt ihres Sohnes und ihrem eigenen Tod, ihrer Himmelfahrt sowie ihrer Krönung zur Himmelskönigin. Das Marienleben war ein mittelalterlicher „Bestseller“, neben den rund 100 Handschriften sind auch spätmittelalterliche Prosaauflösungen und viele Teilüberlieferungen bekannt.
