Grazer didaktisches Textportal zur Literatur des Mittelalters

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Hugo von Montfort

Ja, für Hugos Ausstellungsteil hätte aus Dichterleben nicht unbedingt Bin recht edel werden müssen, doch es passt – sofern man diese ‚Ansage‘ als Selbstverpflichtung eines hochadeligen Grafen versteht, frei nach dem Motto ‚Adel verpflichtet‘. Denn nicht erst als steirischer Landeshauptmann aus dem fernen Bregenz war es dem Montforter wichtig, äußere Macht mit inneren Werten zu verbinden, also den eigenen hohen Rang auch als Aufforderung zur Demut zu verstehen, sondern er hat das zeitlebens glaubhaft verkörpert, wie uns auch die vielen Urkunden über ihn berichten. In diesem tieferen Sinn also war er wirklich ‚edel‘ und wurde nicht zuletzt durch seine sehr persönliche Wortkunst zu einer respektgebietenden Instanz. In Kreuzgang der Pfarrkirche Frohnleiten ist er nun zwar einige Kilometer von seinem Literaturpfad in Bruck an der Mur getrennt, doch zugleich seiner Stammburg Pfannberg so nahe wie schon lange nicht mehr. Darauf weist auch ein weithin bekanntes Fresko in einem Torbogen der Frohnleitner Stadtmauer hin, das ihn als einfühlsamen Sänger zeigt.

Standort:
Frohnleiten
Pfarramt Frohnleiten, Hauptplatz 1, 8130 Frohnleiten
Herr Pfarrgemeinderat Peter Schweiger

Kurzbiographie

Graf Hugo von Montfort-Bregenz stammte aus Vorarlberg, erhielt in Wien seine standesgemäße Ausbildung und erlernte dabei neben dem Ritterdienst vermutlich auch den Minnesang. Hugo konnte lesen und schreiben, Details zu seiner Ausbildung sind nicht bekannt. Aus seinen Werken lässt sich jedoch ablesen, dass er weite Kenntnisse der deutschen Literatur und zumindest geringe Lateinkenntnisse aufwies. Hugo von Montfort war insgesamt dreimal verheiratet, wobei er durch seine erste Heirat mit Margarethe von Pfannberg, einer verwitweten Gräfin von Cilli (Celje, Slowenien), den steirischen Besitz erbte. Hugo war in erster Linie Landespolitiker (Landvogt, Hofmeister der Habsburger und Landeshauptmann der Steiermark in den Jahren 1413-1415). Seine Dichtung entstand nebenbei zum Vergnügen, Hugo selbst sprach davon, manches am Pferd reitend gedichtet zu haben. Seine Werke ordnete er selbst den Gattungen Brief, Rede und Lied zu. Seine Lieder stehen oft im Umkreis des Tage- und Wächterlieds, seine Liebeslieder sind, so wie seine Briefe, meist an die eigene Ehefrau gerichtet. Bei den Reden findet man solche mit persönlichem Charakter, aber auch Minnereden und geistliche Reden, Reflexionen über Liebe, Dichtung und adeliges Verhalten. Hugo sorgte selbst für die Überlieferung seines Werkes: Er ließ eine Prachthandschrift erstellen (heute an der Universitätsbibliothek Heidelberg), die mit Buchmalerei ausgeschmückt ist und zu acht Texten Noten überliefert. Hugo von Montfort verstarb 66-jährig am 5. April 1423 und wurde im Minoritenkloster in Bruck an der Mur beigesetzt.

Materialien

Hörproben

„Das Wächterlied“ intoniert von Eberhard Kummer MP3

Beitrag von MEMA TV zur Uraufführung von Franz Zebingers Oratorium „Paradiesreise“

Das Oratorium „Paradiesreise“ zur Lyrik Hugos von Montfort wurde am 23.05.2017 im Kulturhaus-Stadtsaal in Bruck an der Mur uraufgeführt. Der Komponist Franz Zebinger verbindet dabei die mittelalterlichen Melodien mit neuen Harmonien und erschafft auf diese Weise einen Klanggenuss der besonderen Art.

Quelle: Ausschnitt aus: MEMA TV - Mürztal Aktuell 29.05.2017.
Veröffentlicht am 29.05.2017. Beitrag von Helmut Schöllenbauer. Kanal: MEMA TV. URL: https://www.youtube.com/watch?v=S2cQs3a902I&t=37s [28.06.2017].