Grazer didaktisches Textportal zur Literatur des Mittelalters

Permalink: http://glossa.uni-graz.at/context:lima.andreas-kurzmann

miniatur

Andreas Kurzmann

Lieb den recht lautet das passende Ausstellungs-Anagramm aus Dichterleben für die literarische Mission des gelehrten Mönchs Andreas Kurzmann: Für ihn, den glaubensfesten und auf die Menschen zugehenden Zisterzienser, galt es nämlich in der krisenhaften Umbruchszeit um 1400 mehr denn je, auf Jesus den Erlöser hinzuweisen und zu diesem Zweck selbst die schwierigsten christlichen Glaubensinhalte in eine möglichst volksnahe Sprache zu kleiden.
Im Neuberger Naturmuseum konnte Bruder Andreas der obere Kreuzgangbereich angeboten werden, also seine ehemalige Wirkungsstätte! Er fühlt sich dort aber auch dank seiner naturverbundenen Denkweise als Literat und Übersetzer lateinischer Schriften sicher wohl. Nicht zu vergessen: Nur weniger Meter davon entfernt beginnt sein Literaturpfad, auf dem eine seiner wichtigsten Dichtungen nacherzählt wird, und zwar das lehrreiche, die gesamte Schöpfung einbeziehende Zwiegespräch zwischen Jesus und seiner Mutter Maria.

Standort:
Neuberg an der Mürz
Naturmuseum: Hauptstraße 13, 8692 Neuberg/Mürz
http://www.naturmuseum-neuberg.at

Öffnungszeiten: 1. Mai bis 28. Oktober
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen
10:00 – 12:00 und 14:00 – 16:00 Uhr
Das Museum kann für Gruppen auf vorherige Anfrage auch außerhalb der Öffnungs­zeiten,
sowie von November bis April besichtigt werden.

Eintrittspreise (fürs gesamte Museum inkl. Sonderausstellung):
Erwachsene: € 5,50 | Gruppe mit Führung: € 7,–
Kinder:€ 3,– | Gruppe mit Führung: € 3,–
Gruppenermäßigung ab 10 Personen: Erwachsene € 5,– | Kinder € 2,50
Studenten, Behinderte: € 4,– 

Ansprechperson: Fr. Brunner: 0650/21 87 530

Kurzbiographie

Andreas Kurzmann war Mönch im obersteirischen Zisterzienserkloster Neuberg an der Mürz. Über sein Leben ist wenig bekannt. Er war steirischer oder niederösterreichischer Herkunft, wie Studien zu seinem Wortschatz ergeben haben. Er legte zwischen 1387 und 1391 seinen Profess im Kloster Neuberg ab und lebte dort von da an als Mönch. Er war als Klosterschreiber, Übersetzer und Dichter tätig. Aus Kurzmanns Feder stammen fünf deutschsprachige Texte in südbairischem Dialekt, die eng an lateinische Vorlagen angelehnt sind: In „St. Alban“ erzählt Bruder Andreas eine Inzest-Legende, wobei Alban, die Frucht der Inzestverbindung, seine Eltern tötet und während der folgenden Buße ermordet wird. Sein Leichnam heilt danach Menschen vom Aussatz und wird daher ehrenvoll bestattet. Die Legende „Amicus und Amelius“ erzählt die Geschichte der Freundschaft der beiden titelgebenden Ritter, die einander wie eineiige Zwillinge gleichen, vom Papst gemeinsam in Rom getauft werden und danach im Laufe ihres Lebens bis zum gemeinsamen Tod an ihrer Freundschaft festhalten. Das ars-moriendi-Gedicht „De quodam moriente“ zeigt, wie ein reuiger Sünder noch in der Stunde seines Todes durch die Anrufung der heiligen Maria seine Seele retten kann. Im „Speculum humanae salvationis“ werden Szenen aus dem Alten Testament dem Neuen Testament typologisch gegenübergestellt. Mit dieser in der mittelalterlichen Kunst und Literatur fest verankerten Methode der Gegenüberstellung soll gezeigt werden, dass das Neue Testament die Erfüllung des Alten Testaments darstellt. Das „Soliloquium Mariae cum Iesu“ ist ein intimes Gespräch zwischen der Gottesmutter und ihrem Kind, in welchem Jesus den Sinn seines Sterbens und seiner Auferstehung darlegt. Er erklärt Maria somit die innersten Geheimnisse des christlichen Glaubens. Das Todesdatum Kurzmanns ist unbekannt, aus einem Schreibervermerk seines Mitbruders Heinrich Schäbel lässt sich jedoch feststellen, dass Kurzmann vor dem Jahr 1431 verstorben sein muss.

Materialien

Videos

Plädoyer für Andreas Kurzmann im Unterricht von Florian Zeilinger

Szenen aus dem Soliloquium in Dialekt, Jugend-. und Standardsprache (Kurzfilm von Schülerndes BG Rein)

Szenen aus dem Soliloquium in Jugendsprache neu erzählt von Schülerinnen und Schülern der NMS Neuberg (4 Videos)

De quodam moriente – Kurzfilm 2015