Vergleichsstellen-Sammlung
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Zitiervorschlag: Vergleichsstellen-Sammlung, in: Grazer Repositorium antiker Fabeln, hrsg. v. Ursula Gärtner, Graz 2020.
Permalink: http://gams.uni-graz.at/context:graf?mode=vglstellen.
1 Petr. 2,18-20
Ihr Haussklaven, seid in aller Ehrfurcht euren Herren untergeordnet, nicht nur den guten und vernünftigen, sondern auch den ungerechten. Denn dies ist Gnade, wenn jemand durch sein Wissen um Gott Unheil erträgt, auch wenn er es unrechtmäßig erleidet. Denn was für Ruhm ist es schon, wenn ihr ertragt, geschlagen zu werden, wenn ihr Fehler begeht? Aber wenn ihr richtig handelt und dann Leiden ertragt, dies ist Gnade vor Gott.
Nestle Aland 1979
1Kg 3,17-27
Damals zeigten sich zwei Prostituierte dem König und stellten sich vor ihn. Und die eine Frau sagte: „Bitte, mein Herr: Ich und diese Frau wohnen im gleichen Haus und wir gebaren in dem Haus. Und es geschah am dritten Tag, nachdem ich geboren hatte, da gebar auch diese Frau. Und wir <waren> zusammen und niemand <war> bei uns außer uns beiden in dem Haus. Und der Sohn dieser Frau starb während der Nacht, weil sie sich auf ihn gelegt hatte. Und sie stand mitten in der Nacht auf und nahm meinen Sohn aus meinen gekrümmten Armen und legte ihn in ihrem Mutterschoß zur Ruhe und ihren toten Sohn legte sie in meinem Mutterschoß zur Ruhe. Und ich stand am Morgen auf, um meinen Jungen zu stillen, doch jener war tot. Und siehe, ich erkannte ihn am Morgen, und siehe, es war nicht mein Sohn, den ich geboren hatte.“ Und die andere Frau sagte: „Nein, sondern mein Sohn lebt, dein Sohn aber ist tot.“ Und so redeten sie in Gegenwart des Königs. Und der König sagte zu ihnen: „Du sagst: Dieser <ist> mein Sohn, der lebende, und deren Sohn <ist> tot. Und du sagst: Nein, sondern mein Sohn lebt und dein Sohn ist tot.“ Und nun sagte der König: „Holt mir ein Schwert!“ Und sie brachten das Schwert vor den König. Und der König sagte: „Teilt das Kind, das saugt und lebt, in zwei [Teile] und gebt seine eine Hälfte ihr und seine andere Hälfte dieser.“ Und nun antwortete die Frau, der der lebende Sohn gehörte, und sie sprach zum König, weil ihr Mutterleib wegen ihres Sohnes in Schrecken versetzt wurde, und sie sagte: „Bitte, mein Herr: Gebt ihr das Kind und tötet es nicht!“ Und diese sagte: „Weder ich noch sie soll es haben! Teilt <es>!“ Und der König antwortete und sagte: „Gebt das Kind der, die sagte: ‚Gebt es ihr und tötet es nicht.‘ Sie <ist> seine Mutter.“
Rahlfs/Hanhart 2006
Aisop. 101 P.
ΚΟΛΟΙΟΣ ΚΑΙ ΟΡΝΕΑ
Ζεὺς βουλόμενος βασιλέα ὀρνέων καταστῆσαι προθεσμίαν αὐτοῖς ἔταξεν ᾗ παραγενήσονται. κολοιὸς δὲ συνειδὼς ἑαυτῷ δυσμορφίαν περιιὼν τὰ ἀποπίπτοντα τῶν ὀρνέων πτερὰ ἀνελάμβανε καὶ ἑαυτῷ περιῆπτεν. ὡς δὲ ἐνέστη ἡ ἡμέρα, ποικίλος γενόμενος ἧκε πρὸς τὸν Δία. μέλλοντος δὲ αὐτοῦ διὰ τὴν εὐπρέπειαν βασιλέα αὐτὸν χειροτονεῖν, τὰ ὄρνεα ἀγανακτήσαντα περιέστη καὶ ἕκαστον τὸ ἴδιον πτερὸν ἀφείλετο. οὕτω τε συνέβη αὐτῷ ἀπογυμνωθέντι πάλιν κολοιὸν γενέσθαι. οὕτω καὶ τῶν ἀνθρώπων οἱ χρεωφειλέται μέχρι μὲν τὰ ἀλλότρια ἔχουσι χρήματα δοκοῦσί τινες εἶναι, ἐπειδὰν δὲ αὐτὰ ἀποδώσωσιν, ὁποῖοι ἐξ ἀρχῆς ἦσαν εὑρίσκονται.Die Dohle und die Vögel
Zeus wollte einen König der Vögel einsetzen und gab ihnen einen Zeitpunkt, an dem sie erscheinen sollten. Die Dohle war sich ihrer hässlichen Gestalt bewusst, lief rings umher, hob die Federn auf, die den Vögeln ausgefallen waren, und heftete sie sich ringsum an. Als der Tag nun gekommen war, trat sie bunt, wie sie war, vor Zeus. Als der sie aber wegen ihrer Schönheit zum König wählen wollte, gerieten die Vögel in Zorn, umringten sie, und jeder nahm seine eigene Feder weg. So geschah es, dass sie entblößt wieder zur Dohle wurde. So scheinen auch die Schuldner unter den Menschen, solange sie fremdes Geld haben, etwas zu sein; wenn sie es aber zurückgeben, findet man sie so wieder, wie sie zu Anfang waren.Perry 1952
Aisop. 113 P.
ΘΥΝΝΟΣ ΚΑΙ ΔΕΛΦΙΣ
Θύννος διωκόμενος ὑπὸ δελφῖνος καὶ πολλῷ τῷ ῥοίζῳ φερόμενος, ἐπειδὴ καταλαμβάνεσθαι ἔμελλεν, ἔλαθεν ὑπὸ σφοδρᾶς ὁρμῆς ἐκβρασθεὶς εἴς τινα ἠϊόνα. ὑπὸ δὲ τῆς αὐτῆς φορᾶς ἐλαυνόμενος καὶ ὁ δελφὶς αὐτῷ συνεξώσθη. καὶ ὁ θύννος, ὡς ἐθεάσατο, ἐπιστραφεὶς πρὸς αὐτὸν λιποψυχοῦντα ἔφη „ἀλλ᾿ ἔμοιγε οὐκέτι λυπηρὸς ὁ θάνατος ὁρῶ γὰρ καὶ τὸν αἴτιόν μοι θανάτου γενόμενον συναποθνῄσκοντα.“ ὁ λόγος δηλοῖ ὅτι ῥᾳδίον φέρουσι τὰς συμφορὰς οἱ ἄνθρωποι, ὅταν ἴδωσι καὶ τοὺς αἰτίους τούτων γεγονότας δυστυχοῦντας.Der Thunfisch und der Delphin
Als ein Thunfisch von einem Delphin verfolgt und in schneller Bewegung davongetragen wurde und als er schon ergriffen zu werden drohte, wurde er unvermutet von einer heftigen Woge herausgeworfen an ein Ufer. Von eben dieser Wucht getrieben wurde auch der Delphin mit ihm herausgestoßen. Und als der Thunfisch das sah, wandte er sich an ihn, den das Leben schon verließ, und sagte: „Mir ist der Tod nun nicht mehr schmerzlich, denn ich sehe den, der an meinem Tod schuld ist, mit mir sterben.“ Die Fabel zeigt, dass die Menschen Unglücksfälle leichter ertragen, wenn sie sehen, dass auch die, die an diesen schuld sind, unglücklich sind.Perry 1952
Aisop. 12 P.
Ἀλώπηξ καὶ πάρδαλις
Ἀλώπηξ καὶ πάρδαλις περὶ κάλλους ἤριζον. τῆς δὲ παρδάλεως παρ’ ἕκαστα τὴν τοῦ σώματος ποικιλίαν προβαλλομένης, ἡ ἀλώπηξ ὑποτυχοῦσα ἔφη „καὶ πόσον ἐγὼ σοῦ καλλίων ὑπάρχω, ἥτις οὐ τὸ σῶμα, τὴν δὲ ψυχὴν πεποίκιλμαι;“ Ὁ λόγος δηλοῖ ὅτι τοῦ σωματικοῦ κάλλους ἀμείνων ἐστὶν ὁ τῆς διανοίας κόσμος.Fuchs und Leopard
Der Fuchs und der Leopard stritten über die Schönheit. Als der Leopard bei jeder Gelegenheit die Buntheit seines Körpers als Argument vorbrachte, erwiderte der Fuchs: „Und um wie viel bin ich schöner als du, der ich nicht am Körper, sondern an der Seele bunt bin?“ Die Fabel zeigt, dass der Schmuck des Verstandes edler ist als die körperliche Schönheit.Perry 1952
Aisop. 123 P.
ΚΟΛΟΙΟΣ ΚΑΙ ΚΟΡΑΚΕΣ
Kολοιὸς τῷ μεγέθει τῶν ἄλλων κολοιῶν διαφέρων, ὑπερφρονήσας τοὺς ὁμοφύλους, παρεγένετο πρὸς τοὺς κόρακας καὶ τούτοις ἠξίου συνδιαιτᾶσθαι, οἱ δὲ ἀμφιγνοοῦντες αὐτοῦ τό τε εἶδος καὶ τὴν φωνὴν παίοντες αὐτὸν ἐξέβαλον. καὶ ὃς ἀπελαθεὶς ὑπ᾿ αὐτῶν ἧκε πάλιν εἰς τοὺς κολοιούς. οἱ δὲ ἀγανακτοῦντες ἐπὶ τῇ ὕβρει οὐ προσεδέξαντο αὐτόν. οὕτω τε συνέβη αὐτῷ τῆς ἐξ ἀμφοτέρων διαίτης στερηθῆναι. οὕτω καὶ τῶν ἀνθρώπων οἱ τὰς πατρίδας ἀπoλιπόντες καὶ τὰς ἀλλοδαπὰς προκρίνοντες οὔτε ἐν ἐκείναις εὐδοκιμοῦσι, διὰ τὸ ξένους εἶναι, καὶ ὑπὸ τῶν πολιτῶν δυσχεραίνονται διὰ τὸ ὑπερπεφρονηκέναι αὐτούς.Die Dohle und die Raben
Eine Dohle unterschied sich durch ihre Größe von den anderen Dohlen, verachtete die Artgenossen und schloss sich den Raben an und wünschte, mit diesen zusammenzuleben; die aber zweifelten über ihr Aussehen und ihre Stimme, schlugen sie und warfen sie hinaus. Und von ihnen vertrieben kehrte die wieder zu den Dohlen zurück. Die aber ärgerten sich über deren Hochmut und nahmen sie nicht auf. So kam es, dass sie der Lebensgemeinschaft beider Gruppen beraubt wurde. So stehen auch von den Menschen die, die die Heimat verlassen und die Fremde vorziehen, nicht bei jenen in gutem Ruf, weil sie fremd sind, und werden von den Mitbürgern zurückgewiesen, weil sie überheblich waren.Perry 1952
Aisop. 124 P.
Κόραξ καὶ ἀλώπηξ
Κόραξ κρέας ἁρπάσας ἐπί τινος δένδρου ἐκάθισεν. ἀλώπηξ δὲ θεασαμένη αὐτὸν καὶ βουλομένη τοῦ κρέως περιγενέσθαι στᾶσα ἐπῄνει αὐτὸν ὡς εὐμεγέθη τε καὶ καλόν, λέγουσα καὶ ὡς πρέπει αὐτῷ μάλιστα τῶν ὀρνέων βασιλεύειν, καὶ τοῦτο πάντως ἂν γένοιτο, εἰ φωνὴν εἶχεν. ὁ δὲ παραστῆσαι αὐτῇ θέλων ὅτι καὶ φωνὴν ἔχει, βαλὼν τὸ κρέας μεγάλα ἐκεκράγει. ἐκείνη δὲ προσδραμοῦσα καὶ τὸ κρέας ἁρπάσασα ἔφη· „ὦ κόραξ, καὶ φρένας εἰ εἶχες, οὐδὲν ἂν ἐδέησεν εἰς τὸ πάντων σε βασιλεύειν.“ Πρὸς ἄνδρα ἀνόητον ὁ λόγος εὔκαιρος.Der Rabe und der Fuchs
Der Rabe hatte ein Stück Fleisch geraubt und setze sich auf einen Baum. Der Fuchs sah ihn und wollte das Stück Fleisch gewinnen; er blieb stehen und lobte ihn, wie groß und schön er doch sei, und sagte auch, dass es ihm am meisten zustünde über die Vögel zu herrschen; dieses dürfte ihm wohl durchaus zuteilwerden, wenn er eine Stimme hätte. Der wollte ihm beweisen, dass er auch eine Stimme hatte, ließ das Fleisch fallen und krächzte laut. Jener aber lief heran, raubte das Fleisch und sprach: „Oh Rabe, wenn du auch Verstand hättest, hätte nichts gefehlt, dass du aller Könige wärst.“ Die Fabel passt auf einen unverständigen Mann.Perry 1952
Aisop. 133 P.
ΚΥΩΝ ΚΡΕΑΣ ΦΕΡΟΥΣΑ
Kύων κρέας ἔχουσα ποταμὸν διέβαινε· θεασαμένη δὲ τὴν ἑαυτῆς σκιὰν κατὰ τοῦ ὕδατος ὑπέλαβεν ἑτέραν κύνα εἶναι μεῖζον κρέας ἔχουσαν. διόπερ ἀφεῖσα τὸ ἴδιον ὥρμησεν ὡς τὸ ἐκείνης ἀφαιρησομένη. συνέβη δὲ αὐτῇ ἀμφοτέρων στερηθῆναι, τοῦ μὲν μὴ ἐφικομένῃ, διότι μηδὲν ἦν, τοῦ δέ, ὅτι ὑπὸ τοῦ ποταμοῦ παρεσύρη. πρὸς ἄνδρα πλεονέκτην ὁ λόγος εὔκαιρος.Der Hund mit dem Fleisch
Ein Hund, der ein Stück Fleisch trug, durchquerte einen Fluss. Als er nun seinen eigenen Schatten im Wasser sah, vermutete er, dass es ein anderer Hund sei, der ein größeres Stück Fleisch trage. Deshalb ließ er sein eigenes fallen und hatte vor, das Fleisch von ihm wegzunehmen. So geschah es, dass er beider beraubt wurde, weil er das eine nicht erreichte, weil es das ja nicht gab, und das andere, weil es vom Fluss weggerissen wurde. Für einen gierigen Menschen ist die<se> Fabel passend.Perry 1952
Aisop. 149 P.
ΛΕΩΝ, ΟΝΟΣ ΚΑΙ ΑΛΩΠΗΞ
λέων καὶ ὄνος καὶ ἀλώπηξ κοινωνίαν εἰς ἀλλήλους στειλάμενοι ἐξῆλθον εἰς ἄγραν. πολλὴν δὲ αὐτῶν συλλαβόντων ὁ λέων προσέταξε τῷ ὄνῳ διελεῖν αὐτοῖς. τοῦ δὲ τρεῖς μοίρας ποιήσαντος καὶ ἐκλέξασθαι αὐτῷ παραινοῦντος, ὁ λέων ἀγανακτήσας ἁλλόμενος κατεθοινήσατο αὐτὸν καὶ τῇ ἀλώπεκι μερίσαι προσέταξεν. ἡ δὲ πάντα εἰς μίαν μερίδα συναθροίσασα καὶ μικρὰ ἑαυτῇ ὑπολιπομένη παρῄνει αὐτῷ ἑλέσθαι. ἐρομένου δὲ αὐτὴν τοῦ λέοντος τίς αὐτὴν οὕτω διανέμειν ἐδίδαξεν, ἡ ἀλώπηξ εἶπεν „αἱ τοῦ ὄνου συμφοραί.“ – ὁ λόγος δηλοῖ ὅτι σωφρονισμὸς τοῖς ἀνθρώποις γίνεται τὰ τῶν πέλας δυστυχήματα.Löwe, Esel und Fuchs
Löwe, Esel und Fuchs schlossen sich zu einer Gemeinschaft zusammen und gingen auf die Jagd. Als sie nun eine große Beute gemacht hatten, trug der Löwe dem Esel auf, sie unter ihnen aufzuteilen. Nachdem der drei Teile gemacht und ihn aufgefordert hatte auszuwählen, wurde der Löwe zornig, sprang ihn an, fraß ihn auf und trug dem Fuchs auf, zu teilen. Der aber häufte alles auf einen Anteil, und nachdem er nur wenig für sich selbst übrig gelassen hatte, forderte er ihn auf, zu wählen. Als der Löwe ihn fragte, wer ihn gelehrt habe, so zu teilen, sagte der Fuchs: „Das Missgeschick des Esels.“ ‒ Die Fabel zeigt, dass das Unglück der Nächsten den Menschen zur Warnung wird.Perry 1952 Jagd Beute Macht Rhetorik Gemeinschaft Fuchs Esel Löwe
Aisop. 151 P.
ΛΕΩΝ ΚΑΙ ΟΝΟΣ ΟΜΟΥ ΘΗΡΕΥΟΝΤΕΣ
Λέων καὶ ὄνος κοινωνίαν πρὸς ἀλλήλους ποιησάμενοι ἐξῆλθον ἐπὶ θήραν. γενομένων δὲ αὐτῶν κατά τι σπήλαιον ἐν ᾧ ἦσαν αἶγες ἄγριαι, ὁ μὲν λέων πρὸ τοῦ στομίου τὰς ἐξιούσας παρετηρεῖτο, ὁ δὲ εἰσελθὼν ἐνήλατό τε αὐταῖς καὶ ὠγκᾶτο ἐκφοβεῖν βουλόμενος. τοῦ δὲ λέοντος τὰς πλείστας συλλαβόντος, ἐξελθὼν ἐπυνθάνετο αὐτοῦ εἰ γενναίως ἠγωνίσατο καὶ τὰς αἶγας εὖ ἐδίωξεν. ὁ δὲ εἶπεν „ἀλλ᾿ εὖ ἴσθι ὅτι κἀγὼ ἄν σε ἐφοβήθην, εἰ μὴ ᾔδειν σε ὄνον ὄντα.“ οὕτως οἱ παρὰ τοῖς εἰδόσιν ἀλαζονευόμενοι εἰκότως γέλωτα ὀφλισκάνουσι.Der Löwe und der Esel gemeinsam auf der Jagd
Der Löwe und der Esel schlossen eine Gemeinschaft untereinander und gingen auf die Jagd. Als sie zu einer Höhle gekommen waren, in der wilde Ziegen waren, lauerte der Löwe vor dem Ausgang den Herauskommenden auf, der Esel aber ging hinein, fuhr unter sie und brüllte, da er sie erschrecken wollte. Als der Löwe die meisten ergriffen hatte, kam der heraus und wollte von ihm wissen, ob er anständig gekämpft und die Ziegen gut aufgescheucht habe. Der aber sagte: „Ja, wisse wohl, dass auch ich vor dir erschrocken wäre, wenn ich nicht wüsste, dass du ein Esel bist.“ So verdienen die, die vor Wissenden prahlen, zu Recht Gelächter.Perry 1952
Aisop. 155 P.
ΛΥΚΟΣ KAI AΡHΝ
λύκος θεασάμενος ἄρνα ἀπό τινος ποταμοῦ πίνοντα, τοῦτον ἐβουλήθη μετ' εὐλόγου αἰτίας καταθοινήσασθαι. διόπερ στὰς ἀνωτέρω ᾐτιᾶτο αὐτὸν ὡς θολοῦντα τὸ ὕδωρ καὶ πιεῖν αὐτὸν μὴ ἐῶντα. τοῦ δὲ λέγοντος ὡς ἄκροις τοῖς χείλεσι πίνει καὶ ἄλλως οὐ δυνατὸν κατωτέρω ἑστῶτα ἐπάνω ταράσσειν τὸ ὕδωρ, ὁ λύκος ἀποτυχὼν ταύτης τῆς αἰτίας ἔφη „ἀλλὰ πέρυσι τὸν πατέρα μου ἐλοιδόρησας“ εἰπόντος δὲ ἐκείνου μηδ' ἐπέτειον γεγενῆσθαι, ὁ λύκος ἔφη πρὸς αὐτόν „ἐὰν σὺ ἀπολογιῶν εὐπορῇς, ἐγώ σε οὐ κατέδομαι;“ ὁ λόγος δηλοῖ ὅτι οἷς πρόθεσίς ἐστιν ἀδικεῖν, παρ' αὐτοῖς οὐδὲ δικαία ἀπολογία ἰσχύει.Der Wolf und das Lamm
Als der Wolf das Lamm erblickt hatte, das aus irgendeinem Fluss trank, wollte er dieses mit einem vernünftigen Grund verschlingen. Daher stellte er sich weiter oben hin und beschuldigte es, dass es das Wasser trübe mache und ihn nicht trinken lasse. Als das sagte, dass es nur mit den Lippenspitzen trinke und es im Übrigen nicht möglich sei, dass es, das unterhalb stehe, oberhalb das Wasser durcheinanderbringe, sagte der Wolf, da er diese Beschuldigung verloren hatte: „Aber im vorigen Jahr hast du meinen Vater beleidigt.“ Als aber jenes sagte, dass es noch nicht ein Jahr alt sei, sagte der Wolf zu ihm: „Wenn du nun auch reichlich Verteidigungen hast, werde ich dich etwa nicht fressen?“ Die Fabel zeigt, dass bei denen, die einen Vorsatz haben, Unrecht zu tun, auch eine gerechte Verteidigung nichts vermag.Perry 1952
Aisop. 156 P.
ΛΥΚΟΣ ΚΑΙ ΕΡΩΔΙΟΣ
λύκος καταπιὼν ὀστοῦν περιῄει ζητῶν τὸν ἰασόμενον. περιτυχὼν δὲ ἐρωδιῷ τοῦτον παρεκάλει ἐπὶ μισθῷ τὸ ὀστοῦν ἐξελεῖν. κἀκεῖνος καθεὶς τὴν ἑαυτοῦ κεφαλὴν εἰς τὸν φάρυγγα αὐτοῦ ἐξέσπασε καὶ τὸν ὡμολογημένον μισθὸν ἀπῄτει. ὁ δὲ ὑποτυχὼν εἶπεν „ὦ οὗτος, οὐκ ἀγαπᾷς ἐκ λύκου στόματος σῳαν τὴν κεφαλὴν ἐξενεγκών, ἀλλὰ καὶ μισθὸν ἀπαιτεῖς;“ – ὁ λόγος δηλοῖ ὅτι μεγίστη παρὰ τοῖς πονηροῖς εὐεργεσίας ἀμοιβὴ τὸ μὴ προσαδικεῖσθαι ὑπ᾿ αὐτῶν.Der Wolf und der Reiher
Ein Wolf verschluckte einen Knochen, lief herum und suchte einen, der ihn heilen sollte. Er traf auf einen Reiher und bat diesen, gegen einen Lohn den Knochen herauszuziehen. Und jener steckte seinen Kopf in dessen Kehle, zog den Knochen heraus und verlangte den vereinbarten Lohn. Der aber fiel ihm ins Wort und sprach: „Mein Lieber, bist du nicht zufrieden, aus dem Rachen des Wolfs deinen Kopf heil herausbekommen zu haben, sondern forderst auch noch Lohn?“ ‒ Die Fabel zeigt, dass es bei den Schurken die größte Vergeltung einer Wohltat ist, von ihnen nicht dazu noch Unrecht zu erleiden.Hausrath 1970 Wolf Reiher
Aisop. 158 P.
Λύκος καὶ γραῦς.
Λύκος λιμώττων περιῄει ζητῶν ἐαυτῷ τροφήν. ὡς δὲ ἐγένετο κατά τινα ἔπαυλιν, ἀκούσας γραὸς κλαυθμυριζομένῳ παιδὶ διαπειλούσης, ἐὰν μὴ παύσηται βαλεῖν αὐτὸν τῷ λύκῳ, προσέμενεν οἰόμενος ἀληθεύειν αὐτήν. ἐσπέρας δὲ γενομένης, ὡς οὐδὲν τοῖς λόγοις ἀκόλουθον ἐγένετο, ἀπαλλαττόμενος ἔφη πρὸς ἐαυτόν „ἐν ταύτῃ τῇ ἐπαύλει οἱ ἄνθρωποι ἄλλα μὲν λέγουσιν, ἀλλα δὲ ποιοῦσι.“ Οὗτος ὁ λόγος ἁρμόσειεν ἄν πρὸς ἐκείνους τοὺς ἀνθρώπους οἳ τοῖς λόγοις ἀκόλουθα τὰ ἔργα οὐκ ἔχουσι.Der Wolf und die alte Frau
Der hungrige Wolf lief umher um Futter für sich zu suchen. Als er aber zu einem Bauernhof kam, da hörte er eine alte Frau, die einem weinenden Kind heftig drohte, dass sie es, wenn es nicht sofort aufhöre, dem Wolf hinauswerfe; im Glauben, dass sie die Wahrheit sage, wartete er. Als es nun aber Abend wurde und nichts geschah, was den Worten entsprach, zog er fort und sagte zu sich selbst: „In diesem Bauernhof sagen die Menschen das eine, tun aber das andere.“ Diese Fabel dürfte wohl auf jene Menschen zutreffen, die nicht ihren Worten entsprechend handeln.Perry 1952 alte Frau Kind Wolf Täuschung
Aisop. 179 P.
Ὄνος καὶ κηπουρός
Ὅνος κηπουρῷ δουλεύων, ἐπειδὴ ὀλίγα μὲν ἤσθιε πολλὰ δὲ ἐκακοπάθει, ηὔξατο τῷ Διὶ ὅπως τοῦ κηπουροῦ αὐτὸν ἀπαλλάξας ἑτέρῳ δεσπότῃ ἐγχειρίσῃ. ὁ δὲ Ἑρμῆν πέμψας ἐκὲλευσε κεραμεῖ αὐτὸν πωλῆσαι. πάλιν δὲ αὐτοῦ δυσφοροῦντος, ἐπειδὴ καὶ πολλῷ πλείονα ἀχθοφορεῖν ἠναγκάζετο, καὶ τὸν Δία ἐπικαλουμένου, τὸ τελευταῖον ὁ Ζεὺς παρεσκεὺασεν αὐτὸν βυρσοδέψῃ πραθῆναι. καὶ ὁ ὄνος ἰδὼν τὰ ὑπὸ τοῦ δεσπὸτου πραττόμενα ἔφη „ἀλλ’ ἔμοιγε αἱρετώτερον ἦν παρὰ τοῖς προτέροις δεσπόταις ἀχθοφοροῦντι λιμώττειν ἢ ἐνταῦθα παραγενέσθαι, ὅπου, ἐὰν ἀποθάνω, οὐδὲ ταφῆς τεύξομαι.“ ὁ λόγος δηλοῖ ὅτι τότε μάλιστα τοὺς πρώτους δεσπότας ποθοῦσιν οἱ οἰκέται, ὅταν ἑτέρων πεῖραν λάβωσιν.Der Esel und der Gärtner
Es diente der Esel einem Gärtner; da er aber nur sehr wenig fraß, aber viel Leid ertrug, betete er zu Zeus, dass er ihn von dem Gärtner befreie und einem anderen Herrn übergebe. Dieser schickte nun Hermes und befahl, dass er (der Gärtner) ihn einem Töpfer verkaufe. Als dieser nun erneut unzufrieden war, da er gezwungen war, noch um vieles größere Lasten zu tragen, und Zeus anrief, befahl Zeus schlussendlich, dass dieser an einen Gerber verkauft werde. Wie nun der Esel die Verrichtungen seines Herrn sah, sagte er: „Ach, es war besser für mich, Hunger zu leiden, obwohl ich hart arbeitete, als hierher zu kommen, wo ich, wenn ich sterbe, nicht mal begraben werde.“ Die Fabel zeigt, dass die Diener vor allem nach ihrem früheren Herrn verlangen, wenn sie Erfahrung mit den anderen gemacht haben.Perry 1952 Politik Staat Herrschaft Esel Gärtner Töpfer Gerber Zeus Hermes
Aisop. 210 P.
Ποιμὴν παίζων.
Ποιμὴν ἐξελαύνων αὐτοῦ τὴν ποίμνην ἀπό τίνος κώμης πορρωτέρω διετέλει τοιαύτῃ παιδιᾷ χρώμενος· ἐπιβοώμενος γὰρ τοὺς κωμήτας ἐπι βοήθειαν ἔλεγεν ὡς λύκοι τοῖς προβάτοις ἐπῆλθον. δὶς δὲ καὶ τρὶς τῶν ἐκ τῆς κώμης ἐκπλαγέντων καὶ ἐκπηδησάντων, εἶτα μετὰ γέλωτος ἀπαλλαγέντων, συνέβη τὸ τελευταῖον τῇ ἀληθείᾳ λύκους ἐπελθεῖν. ἀποτεμνομένης δὲ αὐτοῦ τῆς ποίμνης καὶ αὐτοῦ ἐπὶ βοήθειαν ἐπιβοῶντος, ἐκεῖνοι ὑπολαβόντες αὐτὸν παίζειν κατὰ τὸ ἔθος, οὐδὲν ἐφρόντισαν· καὶ οὕτως αὐτῷ συνέβη ἀπολέσαι τὰ πρόβατα. Ὁ λόγος δηλοῖ ὅτι τοῦτο κερδαίνουσιν οἱ ψευδόμενοι, τὸ μηδ’ ὅταν ἀληθεύωσι πιστεύεσθαι.Der scherzende Hirte
Ein Hirte, der seine Herde in einiger Entfernung von einem Dorf weidete, benütze folgende Kinderei immer wieder: Er rief die Dorfbewohner zu Hilfe und sagte, dass Wölfe zu seinen Herden gekommen seien. Zwei- und sogar dreimal waren die Bewohner des Dorfes erschreckt und fürchteten sich, drehten sich dann jedoch mit Gelächter weg. Schließlich geschah es, dass wahrhaftig Wölfe kamen. Als nun seine Herde abgeschnitten war und er wieder zu Hilfe rief, meinten diese, dass er gemäß seiner Art wieder scherze, und kümmerten sich nicht. Und so geschah es ihm, dass seine Herden starben. Die Fabel zeigt, dass Lügner dies erreichen, dass, wenn sie die Wahrheit sprechen, ihnen nicht geglaubt wird.Perry 1952 Hirte Dorfbewohner Wolf Täuschung
Aisop. 230 P.
Χελώνη καὶ ἀετός.
Χελώνη θεασαμένη ἀετὸν πετόμενον ἐπεθύμησε καὶ αὐτὴ πέτεσθαι. προσελθοῦσα δὲ τοῦτον παρεκάλει ἐφ' ᾧ βούλεται μισθῷ διδάξαι αὐτήν. τοῦ δὲ λέγοντος ἀδύνατον εἶναι καὶ ἔτι αὐτῆς ἐπικειμένης καὶ ἀξιούσης, ἄρας αὐτὴν καὶ μετέωρος ἀρθεὶς ἀφῆκεν ἐπί τινος πέτρας, ὅθεν κατενεχθεῖσα ἀπερράγη καὶ ἀπέθανεν. Ὁ μῦθος δηλοῖ ὅτι πολλοὶ τῶν ἀνθρώπων ἐν ταῖς φιλονεικίαις ἑαυτοὺς καταβλάπτουσιν.Schildkröte und Adler
Die Schildkröte sah den Adler fliegen und wollte auch selbst fliegen. Sie trat also an ihn heran und bat ihn, um welchen Lohn auch immer, sie <es> zu lehren. Als dieser sagte, dass es unmöglich sei, sie aber weiter drängte und Forderungen stellte, da packte er sie, trug sie in die Luft und ließ sie auf einen Felsen fallen, wodurch sie hinabfiel, zerschellte und dann starb. Die Fabel zeigt, dass viele Menschen sich selbst in ihrem Wetteifer schaden.Perry 1952
Aisop. 268 P.
Σκώληξ καὶ δράκων
σκώληξ [δὲ] θεασαμένη δράκοντα κοιμώμενον ἐζήλωσεν αὐτοῦ τὸ μῆκος. βουλομένη δὲ αὐτῷ ἐξισωθῆναι παραπεσοῦσα ἐπειρᾶτο ἑαυτὴν ἐκτείνειν, μέχρις οὗ ὑπερβιαζομένη ἔλαθε ῥαγεῖσα. τοῦτο πάσχουσιν οἱ τοῖς κρείττοσιν ἀνθαμιλλώμενοι θᾶττον γὰρ αὐτοὶ διαρρήγνυνται ἢ ἐκείνων ἐφικέσθαι δύνανται.Der Wurm und die Schlange
Ein Wurm hatte eine Schlange erblickt, die schlafend dalag, und beneidete ihre Länge. Da er genauso lang werden wollte wie sie, ließ er sich neben sie fallen und versuchte, sich selbst auszustrecken, bis er sich übermäßig anstrengte und unversehens zerriss. Dies erleiden die, die mit den Stärkeren wetteifern; eher nämlich zerreißen sie selbst, als dass sie jene erreichen können.Perry 1952 Neid Schwach-Stark Wurm Schlange
Aisop. 27 P.
Ἀλώπηξ πρὸς μορμολύκειον
Ἀλώπηξ εἰσελθοῦσα εἰς πλάστου ἐργαστήριον καὶ ἕκαστον τῶν ἐνόντων διερευνῶσα, ὡς περιέτυχε τραγῳδοῦ προσωπείῳ, τοῦτο ἐπάρασα εἶπεν „οἵα κεφαλὴ ἐγκέφαλον οὐκ ἔχει.“ Πρὸς ἄνδρα μεγαλοπρεπῆ μὲν σώματι, κατὰ ψυχὴν δὲ ἀλόγιστον ὁ λόγος εὔκαιρος.Der Fuchs zu einer Maske
Der Fuchs kam in die Werkstatt eines Bildhauers und durchsuchte jeden der darin befindlichen Gegenstände. Als er auf die Maske eines Tragödienschauspielers stieß, hob er diese hoch und sagte: „Was für ein Kopf – Gehirn hat er keines!“ Für einen Mann, der im Hinblick auf seinen Körper zwar großartig, hinsichtlich der Seele aber unvernünftig ist, ist diese Fabel passend.Perry 1952
Aisop. 31 P.
Ἀνὴρ μεσαιπόλιος καὶ δύο ἑταῖραι
Ἀνὴρ μεσαιπόλιος δύο ἐρωμένας εἶχεν, ὧν ἡ μὲν νέα, ἡ δὲ πρεσβῦτις. καὶ ἡ μὲν προβεβηκυῖα αἰδουμένη νεωτέρῳ αὐτῆς πλησιάζειν, διετέλει, εἴ ποτε πρὸς αὐτὴν παρεγένετο, τὰς μελαίνας αὐτοῦ τρίχας περιαιρουμένη. ἡ δὲ νεωτέρα ὑποστελλομένη γέροντα ἐραστὴν ἔχειν τὰς πολιὰς αὐτοῦ ἀπέσπα. οὕτω τε συνέβη αὐτῷ ὑπὸ ἀμφοτέρων ἐν μέρει τιλλομένῳ φαλακρὸν γενέσθαι. οὕτω πανταχοῦ τὸ ἀνώμαλον ἐπιβλαβές ἐστι.Der halbergraute Mann und seine zwei Freundinnen
Ein halbergrauter Mann hatte zwei Geliebte, von denen die eine jung, die andere aber alt war. Und da die von fortgeschrittenem Alter sich schämte, mit einem Mann zu verkehren, der jünger war als sie selbst, riss sie fortwährend, jedes Mal wenn er zu ihr kam, seine schwarzen Haare aus. Die jüngere aber schreckte davor zurück, einen Greis als Liebhaber zu haben, und zog ihm die weißen Haare aus. Und so traf es sich, dass er, dem im Wechsel die Haare ausgerissen wurden, kahl wurde. ‒ So ist oft das Ungleiche schmerzlich.Perry 1952 alte;Frau junge;Frau Mann Liebe Beziehung Täuschung Konkurrenzkampf Haare Geschlechterrollen
Aisop. 44 P.
Βάτραχοι αἰτοῦντες βασιλέα
Βάτραχοι λυπούμενοι ἐπὶ τῇ ἑαυτῶν ἀναρχίᾳ πρέσβεις ἔπεμψαν πρὸς τὸν Δία δεόμενοι βασιλέα αὐτοῖς παρασχεῖν. ὁ δὲ συνιδὼν τὴν εὐήθειαν αὐτῶν ξύλον εἰς τὴν λίμνην καθῆκε. καὶ οἱ βάτραχοι τὸ μὲν πρῶτον καταπλαγέντες τὸν ψόφον ἑαυτοὺς εἰς τὰ βάθη τῆς λίμνης ἐδίδοσαν, ὕστερον δέ, ὡς ἀκίνητον ἦν τὸ ξύλον, ἀναδύντες εἰς τοσοῦτον καταφρονήσεως ἦλθον ὡς ἐπιβαίνοντες αὐτῷ ἐπικαθέζεσθαι. ἀναξιοπαθοῦντες δὲ τοιοῦτον ἔχειν βασιλέα ἧκον ἐκ δευτέρου πρὸς τὸν Δία καὶ τοῦτον παρεκάλουν ἀλλάξαι αὐτοῖς τὸν ἄρχοντα· τὸν γὰρ πρῶτον λίαν εἶναι νωχελῆ. καὶ ὁ Ζεὺς ἀγανακτήσας κατ’ αὐτῶν ὕδρον αὐτοῖς ἔπεμψεν, ὑφ’ οὗ συλλαμβανόμενοι κατησθίοντο. ὁ λόγος δηλοῖ ὅτι ἄμεινόν ἐστι νωθεῖς καὶ μὴ πονηροὺς ἔχειν ἄρχοντας ἢ ταρακτικοὺς καὶ κακούργους.Die Frösche fordern einen König
In Trauer über ihre Zügellosigkeit schickten die Frösche Gesandte zu Zeus mit der Bitte, dass er ihnen doch einen König gebe. Er durchschaute ihre Naivität und warf ein Stück Holz in ihren Teich. Die Frösche erschraken nun zuerst über das Geräusch und zogen sich in die Tiefe des Teichs zurück. Später aber, als das Stück Holz länger bewegungslos blieb, tauchten sie auf und gelangten zu einem solchen Hochmut, dass sie auf das Holz stiegen und sich niedersetzten. Da sie sich darüber aufregten, einen solchen König zu haben, kamen sie wiederum zu Zeus und baten ihn darum, dass er ihnen den Regenten austausche, denn der erste sei zu träge. Zeus aber ärgerte sich über sie und schickte ihnen eine Wasserschlange, von der sie gepackt und gefressen wurden. Die Fabel zeigt, dass es besser ist, einen trägen und ungefährlichen Regierenden zu haben als einen Unruhestifter und Schurken.Perry 1952 Politik Staat Herrschaft Frosch Wasserschlange Zeus
Aisop. 9 Ch.
Ἀηδὼν καὶ χελιδών.
Ἀηδόνι συνεβούλευε χελιδὼν τοῖς ἀνθρώποις εἶναι ὁμόροφον καὶ σύνοικον ὡς αὐτή. ἡ δὲ εἶπεν· „οὐ θέλω τὴν λύπην τῶν παλαιῶν μου συμφορῶν μεμνῆσθαι, καὶ διὰ τοῦτο τὰς ἐρήμους οἰκῶ.“ [ὅτι] τὸν λυπηθένθα ἔκ τινος τύχης καὶ τὸν τόπον φεύγειν ἐθέλειν ἔνθα ἡ λύπη συνέβη.Nachtigall und Schwalbe.
Eine Schwalbe riet einer Nachtigall ab, mit den Menschen zusammenzuleben, wie sie es getan hatte, und sie sprach: „Ich möchte mich nicht an die Qualen meines alten Unglücks erinnern und deshalb wohne ich an verlassenen Orten.“ Das heißt, dass der, der von seinem Unglück verletzt worden ist, von dem Ort flüchten möchte, wo der Kummer bereitet worden ist.Chambry 1925 Schwalbe Nachtigall Übel Schmerz
Aristoph. Plut. 1151
Denn ein Vaterland ist jedes, wo immer es einem gut geht.
Hall/Geldart 1970
Aristot. phgn. 811b6-7; 9-10; 23-24; 30-31; 812b5-7
Die, die schmale Gesichter besitzen, sind ängstlich, die, die volle besitzen, feig: Das betrifft die Esel und die Hirsche. […] Die, die große Gesichter besitzen, sind träge: Das betrifft die Esel und die Rinder. […] Die, die hervorstehende Augen besitzen, sind dumm: Das betrifft […] die Esel. Die, die eine runde Stirn haben, sind dumm: Das betrifft die Esel. […] Die, die einen großen Kopf besitzen, haben eine schnelle Auffassungsgabe: Das betrifft die Hunde. Die, die einen kleinen Kopf besitzen, eine geringe: Das betrifft die Esel.
Bekker 1960
Aristot. pol. 1284a15–17
Sie dürften nämlich wohl sagen, was, wie Antisthenes sagte, die Löwen sagten, als die Hasen in der Volksversammlung sprachen und forderten, dass alle den gleichen Anteil hätten.
Ross 1957 Beute Macht Rhetorik Gemeinschaft Löwe Hase Antisthenes
Arntzen, Wolf und Lamm
Wolf und Lamm
Der Wolf kam zum Bach. Da entsprang das Lamm. "Bleib nur, du störst mich nicht!" rief der Wolf. "Danke", rief das Lamm zurück, "ich habe im Aesop gelesen."Arntzen 1966 Recht/Unrecht Wolf Lamm
Avian. 2
De testudine et aquila
Pennatis avibus quondam testudo locuta est,si quis eam volucrum constituisset humi,
protinus e rubris conchas proferret harenis,
quis pretium nitido cortice baca daret.
indignum sibimet, tardo quod sedula gressu
nil ageret, toto perficeretque die.
ast ubi promissis aquilam fallacibus implet,
experta est similem perfida lingua fidem;
et male mercatis dum quaerit sidera pennis,
occidit infelix alitis ungue fero.
tum quoque sublimis, cum iam moreretur, in auras
ingemuit votis haec licuisse suis;
nam dedit exosae post haec documenta quietis
non sine supremo magna labore peti.
sic quicumque nova sublatus laude tumescit,
dat merito poenas, dum meliora cupit.
Über Schildkröte und Adler
Die Schildkröte sprach einst zu den geflügelten Vögeln: Wenn irgendeiner der Vögel sie <wieder> auf den Boden abgesetzt habe, werde sie sofort aus dem roten Sand die Muscheln bringen, denen die Perle mit ihrer strahlenden Hülle ihren Wert gebe. [5] Unwürdig sei es für sie, dass sie eifrig mit langsamem Schritt nichts erreiche und nichts schaffe den ganzen Tag. Doch als sie den Adler mit trügerischen Versprechen erfüllte, erfuhr ihre ungetreue Zunge ähnliche Zuverlässigkeit. Und während sie zu den Sternen strebte mit schlimm gekauften Flügeln, [10] starb die Unglückliche durch die wilde Kralle des Vogels. Dann sandte sie ein Stöhnen in die hohen Lüfte, als sie schon im Sterben war, dass dies ihren Wünschen erlaubt gewesen sei. Denn sie gab danach ein Beispiel der verhassten Ruhe ab, dass nicht ohne höchste Mühe Großes erreicht wird. [15] So wird, wer auch immer durch frisches Lob erhoben, voller Stolz ist, mit Recht bestraft, während er Größeres erstrebt.Gaide 1980
Avian. 37
De cane et leone
Pinguior exhausto canis occurrisse leonifertur et insertis verba dedisse iocis.
„nonne vides duplici tendantur ut ilia tergo,
luxurietque toris nobile pectus ?“ ait.
„proximus humanis ducor post otia mensis,
communem capiens largius ore cibum.“
„sed quod crassa malum circumdat guttura ferrum?“
„ne custodita fas sit abire domo.
at tu magna diu moribundus lustra pererras,
donec se silvis obvia praeda ferat.
perge igitur nostris tua subdere colla catenis,
dum liceat faciles promeruisse dapes.“
protinus ille gravem gemitu collectus in iram
atque ferox animi nobile murmur agit.
„vade“ ait „et meritis nodum cervicibus infer,
compensentque tuam vincula dura famem.
at mea cum vacuis libertas redditur antris,
quamvis ieiunus, quae libet arva peto.
has illis epulas potius laudare memento
qui libertatem postposuere gulae.“
Über Hund und Löwe
Der äußerst gut genährte Hund soll dem erschöpften Löwen begegnet sein und spaßend an ihn Worte gerichtet haben: „Siehst du denn nicht, wie meine Flanken sich unter meinem doppelt breiten Rücken biegen und meine edle Brust mit Muskeln üppig ist?“ sagte er. [5] „Nach der Muße werde ich ganz nahe an die Tische der Menschen geführt, wobei ich äußerst großzügig mit meinem Maul <von den Menschen> geteilte Speise empfange.“ „Aber welch übles Eisen umgibt deinen fetten Hals?“ „Damit es mir nicht möglich ist, das von mir bewachte Haus zu verlassen. Aber du irrst sehr lange durch die großen Wildfluren, todgeweiht, [10] bis sich deine Beute dir in den Wäldern darbietet. Fahre also fort, deinen Hals unseren Ketten zu unterwerfen, bis es dir möglich ist, einen einfachen Schmaus zu erlangen.“ Sofort schwang jener sich mit Gestöhn zu schwerem Zorn auf und erzeugte wild in seinem Gemüt königliches Gebrüll. „Geh“, sagte er, „und lege ein Band um deinen Hals, der es verdient; mögen die harten Fesseln deinen Hunger ersetzen; [15] aber wenn mir meine Freiheit in leeren Höhlen zurückgegeben wird, gehe ich, obwohl ich Hunger leide, zu jedem Feld, das mir beliebt. Gedenke, eher diese Speisen zu loben als jene, die die Freiheit der Gefräßigkeit hintanstellten.“Gaide 1980
Babr. 28
ἐλθοῦσα δ᾿ αὐτόν - οὐ παρῆν γάρ - ἡ μήτηρ
παρὰ τῶν ἀδελφῶν ποῦ ποτ᾿ ἦν ἐπεζήτει.
„τέθνηκε, μῆτερ· ἄρτι γάρ, πρὸ τῆς ὥρης,
ἦλθεν πάχιστον τετράπουν, ὑφ᾿ οὗ κεῖται
χηλῇ μαλαχθείς.“ ἡ δὲ φρῦνος ἠρώτα,
φυσῶσ᾿ ἑαυτήν, εἰ τοιοῦτον ἦν ὄγκῳ
τὸ ζῷον. οἱ δὲ μητρί „παῦε, μὴ πρίου,
θᾶσσον σεαυτήν,“ εἶπον, „ἐκ μέσου ῥήξεις,
ἢ τὴν ἐκείνου ποιότητα μιμήσῃ.“
Das Kind einer Kröte zertrat ein Ochse, als er trank. Als die Mutter kam - sie war nämlich nicht da gewesen -, fragte sie die Brüder, wo es sei. „Er ist tot, Mutter; gerade eben, vor kurzer Zeit, kam ein ganz starker Vierbeiner, von dessen Huf [5] zu Brei getreten er daliegt.“ Die Kröte aber fragte, wobei sie sich aufblies, ob das Tier in seiner Masse so war. Die aber sagten zur Mutter: „Hör’ auf, lass dich nicht provozieren. Eher wirst du dich selbst in der Mitte zerreißen, als dass du dessen Beschaffenheit gleichkommst.“ [10]
Luzzatto/La Penna 1986 Schwach-Stark Kröte Ochse
Babr. 100
ὁ δ’ αὐτὸν ἐξήταζε, ποῦ τραφεὶς οὕτως
μέγας κύων ἐγένετο καὶ λίπους πλήρης.
„ἄνθρωπος“ εἶπε „δαψιλής με σιτεύει.“
„ὁ δὲ σοὶ τράχηλος“ εἶπε „πῶς ἐλευκώθη;“
„κλοιῷ τέτριπται σάρκα τῷ σιδηρείῳ,
ὃν ὁ τροφεύς μοι περιτέθεικε χαλκεύσας.“
λύκος δ’ ἐπ’ αὐτῷ καγχάσας „ἐγὼ τοίνυν
χαίρειν κελεύω“ φησί „τῇ τρυφῇ ταύτῃ,
δι’ ἣν σίδηρος τὸν ἐμὸν αὐχένα τρίψει.“
Der viel zu fette Hund traf sich mit dem Wolf. Der befragte ihn genau, wo er denn aufgezogen wurde, dass er ein so großer und so fettreicher Hund geworden sei. „Ein großzügiger Mensch“, sagte er, „ernährt mich.“ [5] „Und dein Hals“, fragte er, „wie ist der denn so weiß (=haarlos) geworden?“ „Das Fleisch ist durch das eiserne Halsband aufgerieben, das mein Besitzer geschmiedet und mir umgelegt hat.“ Da lachte ihn der Wolf laut aus und sagte: „Ich befehle nun: hinfort mit diesem Luxus, [10] durch den Eisen meinen Hals aufreiben soll.“
Luzzatto/La Penna 1986
Babr. 115
λάροις τε καὶ κήυξιν εἶπεν ἀγρώσταις·
„κἀμὲ πτερωτὴν εἴθε τις πεποιήκει.“
τῇ δ' ἐκ τύχης ἔλεξεν αἰετὸς ταῦτα·
„πόσον, χέλυμνα, μισθὸν αἰετῷ δώσεις,
ὅστις σ' ἐλαφρὴν καὶ μετάρσιον θήσω;“
„τὰ τῆς Ἐρυθρῆς πάντα δῶρά σοι δώσω.“
„τοιγὰρ διδάξω" φησίν. ὑπτίην δ' ἄρας
ἔκρυψε νέφεσιν, ἔνθεν εἰς ὄρος ῥίψας
ἤραξεν αὐτῆς οὖλον ὄστρακον νώτων.
ἡ δ' εἶπεν ἐκψύχουσα· "σὺν δίκῃ θνῄσκω·
τί γὰρ νεφῶν μοι καὶ τίς ἦν πτερῶν χρείη,
τῇ καὶ χαμᾶζε δυσκόλως προβαινούσῃ;“
Die träge Schildkröte sprach einst zu den in Sümpfen lebenden Wasserhühnern, zu den Möwen und den wilden Lappentauchern: „Wenn doch auch mich einer geflügelt gemacht hätte!“ Zu der sprach aus Zufall der Adler Folgendes: [5] „Wieviel Lohn, Schildkröte, wirst du einem Adler geben, der dich leicht und hoch in den Lüften schwebend macht?“ „Alle Gaben des Roten Meeres werde ich Dir geben.“ „So will ich dich (be)lehren“, sagte er. Rücklings hob er sie hoch und verbarg sie in den Wolken; von dort warf er sie auf einen Berg <hinab> [10] und zerbrach ihren festen Rückenpanzer. Die aber sagte, als sie ihre Seele aushauchte: „Mit Recht sterbe ich: Was brauchte ich Wolken und wozu Flügel, die ich mich auch auf dem Boden schwerfällig vorwärtsbewege.“
Luzzatto/La Penna 1986
Babr. 16
κλαίοντι· „παῦσαι, μή σε τῷ λύκῳ ῥίψω.“
ὁ λύκος δ’ ἀκούσας τήν τε γραῦν ἀληθεύειν
νομίσας ἔμεινεν ὡς ἕτοιμα δειπνήσων,
ἕως ὁ παῖς μὲν ἑσπέρης ἐκοιμήθη,
αὐτὸς δὲ πεινῶν καὶ λύκος χανὼν ὄντως
ἀπῆλθε νωθραῖς ἐλπίσιν παρεδρεύσας.
λύκαινα δ’ αὐτὸν ἡ σύνοικος ἠρώτα·
„πῶς οὐδὲν ἄρας ἦλθες, ὥσπερ εἰώθης;“
ὁ δ’ εἶπε· „πῶς γάρ, ὃς γυναικὶ πιστεύω;“
Eine Amme auf dem Land drohte einem weinenden Kind heftig: „Hör sofort auf, dass ich dich nicht dem Wolf vorwerfe!“ Als der Wolf dies gehört hatte, glaubte er, dass die alte Frau die Wahrheit spreche, und wartete, um das vorbereitete <Mahl> zu verspeisen, [5] bis das Kind am Abend schlief; der Wolf selbst aber hungerte und ging mit gänzlich geöffnetem Mund weg, nachdem er törichten Hoffnungen auf den Leim gegangen war. Die Wölfin, seine Hausgenossin, fragte ihn: „Wieso kamst du, ohne etwas mitzubringen, wie du es früher pflegtest?“ Dieser antwortete: „Wie soll ich denn, der ich einer Frau vertraue?“
Luzzatto/La Penna 1986 Beute Streit Wolf Wölfin Amme Kind
Babr. 22
- νέος μὲν οὐκ ἦν, οὐδέπω δὲ πρεσβύτης,
λευκὰς μελαίνας μιγάδας ἐκλόνει χαίτας -
ἔτ᾿ εἰς ἔρωτας ἐσχόλαζε καὶ κώμους.
ἤρα γυναικῶν δύο, νέης τε καὶ γραίης.
νέον μὲν αὐτὸν ἡ νεῆνις ἐζήτει
βλέπειν ἐραστήν, συγγέροντα δ᾿ ἡ γραίη.
τῶν οὖν τριχῶν ἑκάστοθ᾿ ἡ μὲν ἀκμαίη
ἔτιλλεν ἃς ηὕρισκε λευκανθιζούσας,
ἔτιλλε δ᾿ ἡ γραῦς εἰ μέλαιναν ηὑρήκει,
ἕως φαλακρὸν ἡ νέη τε χἠ γραίη
ἔθηκαν <αὐτὸν κ᾿> ἀντέδωκαν ἀλλήλαις.
φάσκει δ᾿ ὁ μῦθος τοῦτο πᾶσιν ἀνθρώποις·
ἐλεεινὸς ὅστις εἰς γυναῖκας ἐμπίπτει.
Ein Mann, der schon das mittlere Lebensalter erreicht hatte (jung war er nicht, aber er hatte auch noch nicht alt durchmischt weiße und schwarze Haare), hatte noch Muße für Liebe und Feste. [5] Er liebte zwei Frauen, eine junge und eine alte. Die Junge wünschte, ihn als jungen Liebhaber zu sehen, als Gleichalten die Alte. Von seinen Haaren riss nun die blühende, die weißen aus, die sie fand, [10] die alte aber riss aus, wenn sie ein schwarzes fand, bis die Junge und die Alte ihn kahl machten und einander gaben. Es sagt die Fabel dies allen Menschen: Bemitleidenswert ist, wer in die Hände von Frauen gerät.
Luzzatto/La Penna 1986 alte;Frau junge;Frau Mann Liebe Beziehung Täuschung Konkurrenzkampf Haare Geschlechterrollen
Babr. 67
ἀλκῇ μὲν ὁ λέων, ὁ δ’ ὄνος ἐν ποσὶν κρείσσων.
ἐπεὶ δὲ λείαν ἔσχον ἄφθονον ζῴων,
ὁ λέων μερίζει καὶ τίθησι τρεῖς μοίρας,
καὶ „τὴν μὲν αὐτός“ φησί „λήψομαι πρώτην·
βασιλεὺς γάρ εἰμι· λήψομαι δὲ κἀκείνην
ὡς ἐξ ἴσου κοινωνός. ἡ τρίτη δ’ αὕτη
κακόν τι δώσει μὴ θέλοντί σοι φεύγειν.“
Μέτρει σεαυτόν· πρᾶγμα μηδὲν ἀνθρώπῳ
δυνατωτέρῳ σύναπτε μηδὲ κοινώνει.
Wildesel und Löwe schlossen sich zusammen, an Stärke war der Löwe besser, der Esel aber mit seinen Füßen. Als sie eine reiche Beute an Tieren hatten, teilte der Löwe sie und machte drei Teile; und er sprach: „Diesen nun werde ich selbst als Erster nehmen. Ich bin nämlich König. Ich werde mir auch jenen nehmen, weil ich gleichberechtigter Partner bin. Dieser dritte wird dir Unheil bringen, wenn du nicht fliehen willst.“ Schätze dich genau ein; und mache keine gemeinsame Sache und schließe dich nicht mit einem stärkeren Menschen zusammen.
Luzzatto/La Penna 1986 Jagd Beute Macht Rhetorik Gemeinschaft Esel Löwe
Babr. 77
τυροῦ δ' ἀλώπηξ ἰχανῶσα κερδῷη
μύθῳ τὸν ὄρνιν ἠπάτησε τοιούτῳ·
„κόραξ, καλαί σοι πτέρυγες, ὀξέη γλήνη,
θεητὸς αὐχήν· στέρνον αἰετοῦ φαίνεις,
ὄνυξι πάντων θηρίων κατισχύεις.
ὁ τοῖος ὄρνις κωφός ἐσσι κοὐ κρώζεις.“
κόραξ δ' ἐπαίνῳ καρδίην ἐχαυνώθη,
στόματος δὲ τυρὸν ἐκβαλὼν ἐκεκράγει.
τὸν ἡ σοφὴ λαβοῦσα κερτόμῳ γλώσσῃ
„οὐκ ἦσθ' ἄφωνος“ εἶπεν „ἀλλὰ φωνήεις·
ἔχεις, κόραξ, ἅπαντα, νοῦς δέ σοι λείπει.“
Der Rabe saß da, ein Stück Käse im Mund haltend. Den Käse begehrte der listige Fuchs und täuschte den Vogel mit solcher Rede: „Rabe, schön sind deine Flügel, scharf ist dein Auge, ansehnlich sein Nacken; du zeigst die Brust eines Adlers, mit deinen Krallen bist du allen überlegen. Du, ein solcher Vogel, bist dumm und krächzt nicht.“ Der Rabe schwoll in seinem Herzen an vor Stolz, aus dem Mund ließ er den Käse fallen und krächzte auf. Den nahm der Kluge und sagte mit spottender Stimme: „Du warst nicht stumm, sondern du hast eine Stimme. Alles hast du, Rabe, aber Verstand fehlt dir.“
Luzzatto/La Penna 1986
Babr. 79
καὶ δὴ παρῄει ποταμόν· ἐν δὲ τῷ ῥείθρῳ
πολὺ τοῦ κρέως ἰδοῦσα τὴν σκιὴν μείζω,
τὸ κρέας ἀφῆκε, τῇ σκιῇ δ᾿ ἐφωρμήθη.
ἀλλ᾿ οὔτ᾿ ἐκείνην εὗρεν οὔθ᾿ ὃ βεβλήκει,
πεινῶσα δ᾿ ὀπίσω τὸν πόρον διεξῄει.
βίος οὐ βέβαιος παντὸς ἀνδρὸς ἀπλήστου
ἐλπίσι ματαίαις πραγμάτων ἀναλοῦται.
Fleisch stahl ein Hund aus einer Küche und lief nun am Fluss entlang; als er in der Strömung den Schatten eines viel größeren Fleisches sah, ließ er das Fleisch fallen und sprang nach dem Schatten. Aber er fand den <Schatten> nicht noch das, was er hatte fallen lassen, und lief hungrig den Weg zurück. Das Leben eines jeden gierigen Mannes ist nicht beständig und löst sich durch sinnlose Hoffnungen auf Besitz auf.
Luzzatto/La Penna 1986
Babr. 89
ἰδὼν βίῃ μὲν οὐκ ἐπῆλθεν ἁρπάξων,
ἔγκλημα δ᾿ ἔχθρης εὐπρόσωπον ἐζήτει.
„σύ τοί με πέρυσι μικρὸς ὢν ἐβλασφήμεις.“
„ἐγώ σε πέρυσιν, ὅς <γ᾿> ἐπ᾿ ἔτος ἐγεννήθην;“
„οὔκουν σὺ τὴν ἄρουραν ἣν ἔχω κείρεις;“
„οὔπω τι χλωρὸν ἔφαγον, οὐδ᾿ ἐβοσκήθην.“
„οὐδ᾿ ἆρα πηγὴν ἐκπέπωκας ἣν πίνω;“
„θηλὴ μεθύσκει μέχρι νῦν με μητρῴη.“
τότε δὴ τὸν ἄρνα συλλαβών τε καὶ τρώγων
„ἀλλ᾿ οὐκ ἄδειπνον“ εἶπε „τὸν λύκον θήσεις,
κἂν εὐχερῶς μου πᾶσαν αἰτίην λύσῃς.“
Als der Wolf einst das Lamm sah, das von der Herde entfernt herumirrte, ging er nicht auf es los, um es mit Gewalt zu reißen, sondern suchte eine sich gut ausnehmende Beschuldigung. „Du hast mich ja vor einem Jahr, obwohl du klein warst, beschimpft.“ [5] „Ich dich vor einem Jahr, das ich doch während des Jahrs geboren wurde?“ „Weidest du etwa nicht das Feld, das ich besitze?“ „Noch fraß ich nichts Grünes und wurde nicht auf die Weide geführt.“ „Und hast du nicht aus der Quelle getrunken, aus der ich trinke?“ „Die Mutterbrust berauscht mich bis jetzt.“ [10] Da aber ergriff er das Lamm und fraß es und sagte dabei: „Aber du wirst den Wolf nicht ohne Speise lassen, auch wenn du mühelos jede meiner Beschuldigungen zunichtemachst.“
Luzzatto/La Penna 1986 Recht/Unrecht Wolf Lamm
Babr. 94
ἐρῳδιῷ δὲ μισθὸν ἄξιον δώσειν
ἔταξε, τὸν τράχηλον εἰ καθιμήσας
ἀνελκύσειε καὶ πόνων ἄκος δοίη.
ὁ δ᾿ ἑλκύσας τὸν μισθὸν εὐθέως ᾔτει.
κἀκεῖνος αὐτῷ, κάρχαρόν τι μειδήσας,
„σοὶ μισθὸς ἀρκεῖ“ φησί „τῶν ἰατρείων
κεφαλὴν λυκείου στόματος ἐξελεῖν σῴην.“
κακοῖς βοηθῶν μισθὸν ἀγαθὸν οὐ λήψῃ,
ἀλλ᾿ ἀρκέσει σοι μή τι καὶ κακὸν πάσχειν.
Einem Wolf blieb einst ein Knochen in der Kehle stecken. Er verfügte, dem Reiher einen würdigen Lohn zu geben, wenn er den Hals hineinsenke, den Knochen herausziehe und Heilung von den Leiden gäbe. Der zog ihn hinaus und forderte sofort den Lohn. Und jener sagte zu ihm, scharfzähnig lächelnd: „Für dich ist Lohn für die Heilung genug, den Kopf heil aus dem Wolfsrachen herausgenommen zu haben.“ Wenn du den Schlechten hilfst, wirst du keinen guten Lohn bekommen, sondern es wird dir genügen, nicht auch noch ein Übel zu erleiden.
Luzzato/La Penna 1986 Wolf Reiher
Catull. 1,1-10
arida modo pumice expolitum?
Corneli, tibi: namque tu solebas
meas esse aliquid putare nugas,
iam tum, cum ausus es unus Italorum
omne aevum tribus explicare cartis,
doctis, Iuppiter, et laboriosis.
quare habe, tibi quicquid hoc libelli,
qualecumque; quod, o patrona virgo,
plus uno maneat perenne saeclo.
Wem schenke ich das geistreiche neue Büchlein, das soeben mit dem trockenen Bimsstein geglättet wurde? Cornelius, dir: Denn du pflegtest meine kleinen Scherze für etwas Bedeutsames zu halten, [5] schon damals, als du es vor allen anderen in Italien wagtest, die gesamte Zeit in drei gelehrten, beim Iuppiter, und arbeitsreichen Bänden darzulegen. Nimm daher dieses Büchlein für dich, welches auch immer und wie beschaffen auch immer es ist; das, o Jungfrau, du Schutzherrin, [10] mehr als ein Jahrhundert hindurch für immer Bestand habe.
Eisenhut 1983
Catull. 1,1-4
arida modo pumice expolitum?
Corneli, tibi: namque tu solebas
meas esse aliquid putare nugas.
Wem schenke ich das geistreiche neue Büchlein, das soeben mit dem trockenen Bimsstein geglättet wurde? Cornelius, dir: Denn du pflegtest meine kleinen Scherze für etwas Bedeutsames zu halten.
Eisenhut 1983
Catull. 25,1-5
vel anseris medullula vel imula oricilla
vel pene languido senis situque araneoso,
idemque Thalle turbida rapacior procella,
cum †diva mulierarios ostendit oscitantes†:
Schwuler Thallus, weicher als das Haar eines Kaninchens oder das zarte Mark einer Gans oder das unterste Ohrläppchen oder der schlaffe Penis eines alten Mannes oder niedergelassene Spinnweben, und zugleich Thallus, räuberischer als ein heftiger Sturm, [5] wenn †die Göttin die gähnenden Weiberfreunde zeigt†:
Eisenhut 1983
Cic. Caecin. 74
Was nützt es, möchte ich sagen, einen Boden zu haben, wenn diese Rechte der Grenzen, der Besitztümer, der Gewässer und Wege, die von den Vorfahren äußerst sorgfältig aufgeschrieben wurde, auf irgendeine Weise durcheinandergebracht und verändert werden können?
Clark 1909 Recht
Cic. Cat. 1,13
Welches Brandmal häuslicher Schändlichkeit ist deinem Leben nicht eingebrannt?
Clark 1970
Cic. Cluent. 129,10
Wurde diesen nicht das Schandmal zensorischer Strenge eingebrannt?
Clark 1970
Cic. Mil. 7,19
[…] Es müsste denn sein, dass diese Angelegenheit, weil sie nicht ausgeführt wurde, nicht bestraft werden müsste, als ob der Ausgang der Dinge und nicht die Pläne der Menschen durch die Gesetze geahndet werden. Weniger zu klagen gab es, da die Angelegenheit nicht ausgeführt wurde, aber sicherlich um nichts weniger zu bestrafen.
Clark 1970b
Cic. de orat. 2,60,247
Was erreichte Vargulla nun, als diesen der Bewerber A. Sempronius mit seinem Bruder Marcus umarmte und fragte: „Junge, vertreib die Mücken!“? Das Gelächter suchte er, was meiner Meinung nach die geringste Frucht des Genies ist.
Kumaniecki 1969
Cic. div. 2,146
Einem lügnerischen Menschen pflegen wir nicht zu glauben, auch nicht einmal, wenn er Wahres spricht.
Giomini 1975
Cic. inv. 1,32
Diese (Stoff-)Gliederung beinhaltet eine geordnete Darstellung der Dinge und muss Folgendes besitzen: Kürze, Vollkommenheit und Beschränkung. Kürze ist, wenn kein Wort außer dem Notwendigen hinzugenommen wird. Dies ist in dieser Beziehung deswegen nützlich, weil der Geist des Zuhörers durch die Geschehnisse selbst und die Teile des Falles, nicht aber durch Worte und durch nicht dazugehörigen Schmuck festgehalten werden muss.
Stroebel 1965
Cic. nat. deor. 2,129
Was soll ich sagen, wie groß die Liebe der wilden Tiere beim Aufziehen und Behüten derer ist, die <sie> gezeugt haben, bis zu dieser Grenze, wenn sie sich selbst verteidigen können. Doch die Fische, wie man sagt, verlassen die Eier, nachdem sie <sie> gelegt haben; denn jene werden im Wasser leicht erhalten und bringen den Nachwuchs hervor.
Pease 1958
Cic. off. 3,104
Ein Eid nämlich ist eine pflichtgemäße Versicherung.
Atzert 1985
Cic. off. 3,111
Die Vorfahren wollten nämlich, dass kein Band fester sei, um die Treue festzubinden, als der Eid.
Atzert 1985
Cic. orat. 185
Im Allgemeinen gibt es zwei Dinge, um eine Rede zu würzen, die Annehmlichkeit der Worte und der Rhythmen. Ein bestimmter Stoff wohnt sozusagen den Worten inne, dem Rhythmus aber das Glätten (der Anstrich).
Westman 1980
Curt. 8,6,19
Der König sprach sie freundlicher als sonst an und befahl ihnen wegzugehen, um sich um ihre Körper zu kümmern, weil sie die ganze Nacht gestanden hatten.
Lucarini 2009
Dig. 1,6,1,1
[…] Denn bei allen Völkern können wir ebenso gleich bemerken, dass die Herren über die Sklaven die Macht über Leben und Tod hatten und was auch immer durch den Sklaven erworben wird, das wird für den Herrn erworben.
Krueger/Mommsen 1954
Dig. 17,2,29
Aristo berichtet, das Cassius geantwortet habe, dass eine solche Gemeinschaft nicht zusammenkommen könne, dass der eine nur den Gewinn, der andere nur den Verlust spüre, und dass er diese Gemeinschaft eine ‚Löwengemeinschaft‘ zu nennen pflege: Und wir stimmen zu, dass eine solche Gemeinschaft keine sei.
Krueger/Mommsen 1954 Gewinn Verlust Beute Recht Aristo Cassius
Dig. 2,14,1
Die Rechtsmäßigkeit dieses Erlasses ist naturgegeben. Was ist nämlich so übereinstimmend mit der menschlichen Treue, als das zu bewahren, was unter einander beschlossen hat? Ein Vertrag/pactum wird aufgrund der Übereinkunft/pactio so genannt (woher auch das Wort Frieden/pax stammt). Ein Vertrag ist eine Übereinkunft und eine Willensäußerung zweier oder mehrerer über dasselbe. Das Wort Übereinkunft ist allgemein und bezieht sich auf alles, worüber bei einem Rechtsgeschäftsabschluss sowie einer Durchführung diejenigen übereinstimmen, die untereinander arbeiten. […] Der Begriff der Übereinkunft ist aber so allgemein, dass Pedius treffend sagt, es gäbe keinen Vertrag, kein Schuldverhältnis, das nicht in sich ein Überkommen hätte, sei es durch Sache oder durch Worte.
Krueger/Mommsen 1954
Dig. 44,7,51
[…] die actio ist nichts anderes als das Recht, das einem geschuldet wird, gerichtlich durchzusetzen […].
Krueger/Mommsen 1954
Dig. 47,10,1,1-2
Labeo sagt, dass Unrecht entweder durch eine Handlung oder durch Worte geschieht: Durch eine Handlung, sooft Hand angelegt wird, durch Worte aber, sooft nicht Hand angelegt wird, es kommt zu einer Beschimpfung. Und jedes Unrecht wird entweder dem Körper zugefügt oder bezieht sich auf die Würde oder den üblen Ruf: Gegen den Körper richtet es sich, wenn jemand geschlagen wird.
Krueger/Mommsen 1954
Dig. 48,16,1,1-2
Fälschlich anzuklagen heißt, falsche Beschuldigungen gegen jemanden zu richten, pflichtwidrig zu handeln, wahre Verbrechen zu verbergen und Ausflüchte zu suchen, überhaupt von der Anklage abzulassen. Den fälschlich Anklagenden wird eine Strafe nach der lex Remmia verhängt.
Krueger/Mommsen 1954
Dig. 50,16,195,2
Es wird aber pater familias genannt, wer im Haus die Herrschaft innehat, und zu Recht wird er mit diesem Namen angeredet, auch wenn er keinen Sohn hat: Denn nicht seine Stellung allein, sondern auch das Recht zeigen wir […]
Krueger/Mommsen 1954
Dig. 6,1,63
[…] wenn jemand durch Schuld, nicht durch Betrug, seinen Besitz verlieren sollte, so muss er vom Richter gehört werden, weil er sich ja eine Schätzung <des Besitzes> gefallen lassen muss […].
Krueger/Mommsen 1954
Dig. 8,3,3,3
Derjenige, der das Wasserschöpfrecht besitzt, scheint <demnach> auch das Zugangsrecht zum Schöpfen zu haben, wie Neratius in seinem dritten Buch der Schriften anmerkt, wenn diesem das Recht zu schöpfen und der Zugang zuteilgeworden sind, so wird er beides haben, wenn lediglich das Recht Wasser zu schöpfen, ist darin auch der Zugang miteinbegriffen, wenn lediglich der Zugang zur Quelle, ist darin auch das Wasserschöpfrecht miteinbegriffen.
Krueger/Mommsen 1954 Recht
Diog. Sinop. epist. 21,1
Den Eltern muss man nicht danken, weder dafür, <von ihnen> geboren worden zu sein, weil ja durch die Natur entstanden ist, was es gibt, noch für die Beschaffenheit, denn die Ursache für diese <ist> die Mischung der Urbestandteile.
Müseler 1994
Diog.Laert. 5,17
Gefragt, was denn der Nutzen sei für Lügner, sagte er: „Dass man ihnen nicht glaubt, auch wenn sie die Wahrheit sprechen.“
Long 1964
Diog.Laert. 6,54
Als er einst zwei Rechtskundige gehört hatte, fällte er ein Urteil über die zwei und sagte, dass der eine gestohlen, der andere aber nichts verloren haben.
Long 1964
Diog.Laert. 6,7
Er forderte dazu auf, dass die, die sich schlechtes Gerede über sich anhören müssen, dies eher ertragen und standhaft bleiben sollen, als wenn einer mit Steinen beworfen würde.
Long 1964
Epikt. ench. 1,1-3
Von allen Dingen sind die einen Dinge für uns möglich, die anderen für uns aber nicht. Was für uns nun möglich ist: Aufnehmen, der Impuls, etwas zu tun, Begehren, Ablehnung, kurz gesagt: alle Taten, die von uns sind. Nicht in unserer Macht steht der Körper, der Besitz, Ansehen, Stellung, kurz gesagt: alle Dinge, die nicht von uns sind. Was nun für uns möglich ist, ist von Natur aus frei, ungehindert, ungehemmt; was nun nicht in unserer Macht steht, ist kraftlos, sklavisch, gehindert, fremd. Denk daran, dass, wenn du das von Natur aus Sklavische für frei und das Fremde für das Eigene hältst, du dich selbst behindern wirst, zu klagen haben, in Rage sein und andere tadeln wirst […]
Boter 2007
Epikt. ench. 2,1-2
Bedenke, dass Begehren darauf abzielt, das zu bekommen, was man wünscht; Ablehnung zielt darauf ab, dass man nicht in eine Sache gerät, die man ablehnt; und glücklos ist der, der in seinem Begehren enttäuscht wird, unglücklich, wer in eine Sache gerät, die er ablehnt […] Wenn du nun etwas begehrst, das nicht in unserer Macht steht, wirst du zwangsläufig unglücklich und von den Dingen, die uns möglich sind und die zu begehren schön wäre, kommt dir noch nichts zu. Allein mit dem Hinwenden und Abwenden beschäftige dich, locker allerdings und mit Zurückhaltung und Gelassenheit.
Boter 2007
Gai. inst. 1,8
Das gesamte Recht aber, das wir nutzen, bezieht sich entweder auf die Personen oder auf das Vermögen oder auf die Klagen. Und zunächst wollen wir die Personen betrachten.
Manthe 2004
Gai. inst. 3,115,1-3
Auch für diesen, der verspricht, werden für gewöhnlich andere verpflichtet, von denen wir die einen sponsores, die anderen fidepromissores, die anderen fidiussores nennen.
Manthe 2004 Recht
Gai. inst. 3,117,1-4
Freilich akzeptieren wir für gewöhnlich oft sponsores, fidepromissores und fideiussores, während wir dafür Sorge tragen, dass uns ziemlich sorgfältig Sicherheit geleistet wird.
Manthe 2004 Recht
Gai. inst. 3,211
Es tötet dem Begriff nach einer widerrechtlich, durch dessen Vorsatz oder Fahrlässigkeit dies geschieht. Ein Schaden wird durch kein anderes Gesetz geahndet, der ohne Unrecht zugefügt wird: Daher ist der straflos, der ohne Fahrlässigkeit oder Vorsatz aufgrund irgendeines üblen Zufalls einen Schaden zufügt.
Manthe 2004
Gai. inst. 3,225
Als grässlich wird eine Rechtsverletzung eingeschätzt entweder aufgrund der Tat, z.B. wenn jemand von irgendwem verwundet oder geschlagen oder mit Holzprügel niedergeschlagen worden ist, oder aufgrund des Ortes, z.B. wenn jemandem im Theater oder am Forum eine Rechtsverletzung zugefügt worden ist, oder aufgrund der Person, z.B. wenn ein Amtsträger eine Rechtsverletzung erlitten hat oder wenn einem Senator von einer Person aus niedrigem Stand eine Rechtsverletzung zugefügt worden ist.
Manthe 2004
Gai. inst. 3,90
[…] durch Sachübergabe kommt eine Verpflichtung zum Beispiel durch Hingabe einer Darlehenssumme zustande; die Hingabe einer Darlehenssumme im eigentlichen Sinne findet für gewöhnlich bei denjenigen Sachen statt, die in Gewicht, Zahl oder Maß bestehen, wie es Bargeld, Wein, Öl, Getreide, Erz, Silber und Gold sind; diese Sachen geben wir durch Zuzählung, Zumessung oder Zuwiegung mit der Absicht hin, dass sie Eigentum der Empfänger werden und uns später einmal nicht dieselben Sachen, sondern andere derselben Beschaffenheit zurückerstattet werden. Daher wird das Geschäft auch „mutuum“ („Darlehen“) genannt, weil das, was derart dir von mir hingegeben worden ist, „ex meo tuum“ („aus dem Meinigen zum Deinigen“) wird […].
Manthe 2004 Recht
Gai. inst. 4,112
Nicht alle Klagen, die gegen irgendjemanden entweder durch das Recht selbst zustehen oder von einem Prätor gewährt werden, stehen auch gleichermaßen gegen einen Erben zu oder werden gewöhnlich gegeben. Es ist nämlich die sicherste Regel des Rechts, dass Bußklagen aus Vergehen gegen einen Erben weder möglich sind noch gewöhnlich gewährt werden, wie die wegen Diebstahls, Raub, Injurienprozesse und durch Injurienprozesse erlittenen Schaden.
Manthe 2004 Recht
Gell. 9,11,5-8
Inzwischen trat der Anführer der Gallier, <ein Mann> von ungeheuer großer und steil aufsteigender Höhe, mit von Gold schimmernden Waffen mit großen Schritten und einen Speer in der Hand hin und her bewegend heran und befahl, verächtlich und stolz herum- und herabblickend, allen zu kommen und zusammenzutreten, falls es irgendjemand aus dem gesamten römischen Heer wagen würde, mit ihm zu kämpfen. Daraufhin, während die übrigen zwischen Furcht und Scham schwankten, zog der Tribun Valerius, nachdem von den Konsuln durchgesetzt worden war, ihm zu gestatten, gegen den so grausam verlangenden Gallier zu kämpfen, unerschrocken und bescheiden <diesem> entgegen; und sie kamen zusammen, stellten sich hin und wurden schon handgemein, und dort zeigte sich eine gewisse göttliche Macht: Unvermutet flog ein bis dahin ungesehener Rabe herbei, setzte sich auf den Helm des Tribunen und begann von da aus, gegen das Gesicht und die Augen des Feindes zu kämpfen; er sprang dauernd auf ihn, verwirrte ihn, zerfetzte ihm die Hand mit seinen Krallen, versperrte ihm die Sicht mit seinen Flügeln und flog, als er genug gewütet hatte, zurück auf den Helm des Tribunen. So besiegte der Tribun unter den Blicken beider Heere, sich auf seine Tugend stützend und durch die Hilfe des Vogels verteidigt den überaus wilden Heerführer der Feinde und tötete ihn und hatte wegen dieser Sache den Beinahmen Corvinus.
Marshall 1968
Hes. theog. 594-599
κηφῆνας βόσκωσι, κακῶν ξυνήονας ἔργων·
αἳ μέν τε πρόπαν ἦμαρ ἐς ἠέλιον καταδύντα
ἠμάτιαι σπεύδουσι τιθεῖσί τε κηρία λευκά,
οἳ δ' ἔντοσθε μένοντες ἐπηρεφέας κατὰ σίμβλους
ἀλλότριον κάματον σφετέρην ἐς γαστέρ' ἀμῶνται·
Wie wenn in hängenden Bienenstöcken die Bienen die Drohnen, Verbündete der schlechten Taten, füttern. Die einen betreiben freilich den ganzen Tag bis zum Sonnenuntergang tägliches Werk und stellen weiße Bienenwaben her, die anderen aber, die im Inneren des hängenden Bienenstockes verweilen, sammeln die fremde Mühe im eigenen Bauch.
Solmsen/Merkelbach/West 1983
Hier. epist. 6,1
Ein altes Sprichwort lautet: Die Lügner machen, dass man ihnen, auch wenn sie Wahres sagen, nicht glaubt.
Labourt 1949
Hor. ars 312-318
quo sit amore parens, quo frater amandus et hospes,
quod sit conscripti, quod iudicis officium, quae
partes in bellum missi ducis, ille profecto
reddere personae scit convenientia cuique.
respicere exemplar vitae morumque iubebo
doctum imitatorem et vivas hinc ducere voces.
Wer gelernt hat, was er der Heimat schuldet und was den Freunden, mit welcher Liebe er Vater sein soll, weswegen der Bruder und der Fremde geliebt werden müssen, was die Aufgabe eines Senators ist, was die Pflicht eines Richters und welche [315] Rolle ein in den Krieg geschickter Anführer innehat, der weiß in der Tat einem jeden Charakter mit Übereinstimmung dies zuzuweisen. Ich will befehlen, dass sich der gelehrte Nachahmer nach einem Beispiel an Leben und Sitten umsieht und von dort lebendige Stimmen ableitet.
Shackleton Bailey 2010
Hor. ars 333-344
aut simul et iucunda et idonea dicere vitae.
quidquid praecipies, esto brevis, ut cito dicta
percipiant animi dociles teneantque fideles.
omne supervacuum pleno de pectore manat.
ficta voluptatis causa sint proxima veris:
ne quodcumque velit poscat sibi fabula credi,
[...]
omne tulit punctum qui miscuit utile dulci,
lectorem delectando pariterque monendo.
Dichter wollen entweder nützen oder erfreuen oder beides zugleich und sowohl das Angenehme als auch das Angemessene des Lebens sagen. [335] Was du auch vorschreiben wirst, es soll kurz sein, damit die gelehrigen Geister das schnell Gesagte klar erfassen und getreu behalten. Alles Überflüssige fließt aus der vollen Brust. Das dem Vergnügen zuliebe Erfundene soll der Wahrheit nahe sein: Damit die Erzählung nicht fordert, dass ihr geglaubt werde, was auch immer sie möchte, […]. Allen Beifall erhielt, wer Nützliches mit Süßem vermischte durch Erfreuen und zugleich Ermahnen des Lesers.
Shackleton Bailey 2010
Hor. epist. 1,6,54b-55
ut cuique est aetas, ita quemque facetus adopta.
Füge <beim Grüßen die Worte> „Vater“ oder „Bruder“ hinzu. Wähle jedes <Grußwort> elegant aus, entsprechend dem Alter des Adressaten.
Shackleton Bailey 2010
Hor. sat. 2,3,314–320
unus ubi effugit, matri denarrat, ut ingens
belua cognatos eliserit; illa rogare,
„quantane? num tantum“, sufflans se, „magna fuisset?“
„maior dimidio.“ „num tantum?“ cum magis atque
se magis inflare; „non, si te ruperis“, inquit,
„par eris.“ haec a te non multum abludit imago.
Nachdem die Jungen eines abwesenden Frosches vom Fuß eines Kalbes zerdrückt worden waren und [315] ein einziges entflohen war, erzählte es der Mutter, wie ein gewaltiges Tier die Geschwister zerdrückt habe. Jene fragte, wie groß es gewesen sei, und während sie sich aufblies, ob es denn so groß gewesen sei. <Sagte es:>„Um die Hälfte größer“ „Etwa so viel?“ Als er <der Frosch> sich mehr und mehr aufblies, sagte <das Kind>: „Nicht einmal, wenn du dich zerreißt, [320] wirst du gleich sein.“ Dieses Gleichnis unterscheidet sich nicht viel von dir.
Shackleton Bailey 2010 Schwach-Stark
Hor. sat. 2,5,32-37a
auriculae - „tibi me virtus tua fecit amicum.
ius anceps novi, causas defendere possum;
eripiet quivis oculos citius mihi quam te
contemptum cassa nuce pauperet; haec mea cura est,
ne quid tu perdas neu sis iocus.“ [...]
Sag: „Quintus“ oder „Publius“ - für Schmeicheleien empfängliche Ohren erfreuen sich am Vornamen - „deine Tüchtigkeit hat bewirkt, dass ich dein Freund bin. Ich kenne das gefährliche Recht, ich kann Prozesse ausfechten; [35] jeder beliebige wird mir eher die Augen ausreißen, als dass er dich verachtet und um eine taube Nuss ärmer macht. Das ist meine Sorge, dass du nichts verlierst und keine Witzfigur bist.
Shackleton Bailey 2010
Iust. Inst. 3,25,1
Wenn nichts über die Teile des Gewinns und Verlust namentlich vereinbart ist, werden natürlich gleiche Teile beim Gewinn und beim Verlust erwartet.
Krueger/Mommsen 1954 Gewinn Verlust Beute Recht
Iust. Inst. 3,25,2
weil oft der Einsatz von bestimmten Personen in der der Gemeinschaft wertvoll ist, sodass es gerecht ist, dass diese unter einer besseren Bedingung in die Gemeinschaft aufgenommen werden.
Krueger/Mommsen 1954 Gemeinschaft Recht
Iust. Inst. 4,17,1
[…] es bleibt übrig, dass wir uns die Pflichten des Richters näher ansehen: Und freilich muss der Richter vor allem das genau betrachten, damit er nicht anders Recht spricht, als durch Gesetze oder die Verfassung oder die Sitten überliefert ist. Und daher muss er, wenn er zu einem schädlichen Urteil kommt, genau hinsehen, dass er einen Herrn auch verurteilen muss, wenn er verurteilungswürdig erscheint […].
Krueger/Mommsen 1954
Iuv. 10,356
Beten sollte man darum, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper wohne.
Clausen 1968
Kall. ait. 1,29-32 Pf.
τέττιγος, θ]όρυβον δ' οὐκ ἐφίλησαν ὄνων.
θηρὶ μὲν ο˩ὐατόεντι πανείκελον ὀγκήσαιτο
ἄλλος […]
Denn wir singen unter jenen, die den hellen Klang der Zikade, nicht das Brüllen der Esel lieben. Gleich dem langohrigen Tier möge ein anderer brüllen!
Pfeiffer 1949
Kall. iamb. 169 A. (=215 Pf.)
[...] die Tragödienmuse, die wie eine hohle Flasche dröhnt [...]
Asper 2004
La Fontaine, Fables, 1,6
als Gründer bildeten in grauer Vorzeit Tagen
genossenschaftlich sie einen Handelsverein,
Gewinn sowie Verlust zu gleichen Teil zu tragen.
Auf dem Gebiet der Geiß fing einst ein Hirsch sich ein.
Zu den Genossen schickt die biedre Zieg in Eile;
sie kommen, und der Leu, indem er um sich blickt,
spricht: „Wir sind vier, drum geht die Beut auch in vier Teile.“
Zerlegend drauf den Hirsch nach Jägerart geschickt,
nimmt er das erste Stück für sich, und mit Behangen
spricht er: „Das kommt mir zu, weil ich, euch zum Gewinn,
als Leu der Tiere König bin;
dagegen ist wohl nichts zu sagen!
Von Rechtes wegen fällt mir zu das zweite Stück;
dies Recht, des Stärkern Recht heißt’s in der Politik.
Als Tapferstem wird mir das dritte wohl gebühren!
Wagt einer jetzt von euch, das vierte zu berühren,
so würg ich ihn im Augenblick.“
Dohm/Fabricius/Lindner 1981
La Fontaine, Fables, 2,17
Vom Pfau der sich bei Juno beklagte
Zu Juno klagte einst der Pfau:„Nicht ohne Grund“ – sprach er – „du hehre Götterfrau,
Ist wohl mein Murren und mein Klagen!
Mein Sang, ich weiß es ganz genau,
Will keinem in der Welt behagen,
Indes der Nachtigall um ihr entzückend Schlagen
Man nachrühmt, diesem jämmerlichen Tier,
Sie sei des Lenzes Wonn und Zier.“
Die Göttin drauf mit Zornesgrollen:
„Neidvogel du! Hättest du doch schweigen sollen!
Darfst du die Nachtigall beneiden, weil sie schlägt?
Du, der um seinen Hals den Regenbogen trägt
In buntem Farbenglanz und seidengleich gestaltet,
Der, wenn er stolz sein Rad entfaltet,
Ein reich Gefieder zeigt von solcher Strahlenpracht,
Als wären's tausend Edelsteine?
Wes Vogels Anblick ist gemacht
So zu gefallen wie der deine?
Nicht jegliches Geschöpf hat jeden Vorzug; nein,
Wir teilen unter euch die Gaben weise ein:
Den einen wurde Größ und mächt'ge Kraft zuteile,
Der Aar ist mutig, schnell der Falk, gleich einem Pfeile,
Der Rabe kündet, was zum Heile,
Die Kräh uns Unglück an; und alle, glaube mir,
Begnügen sich mit ihrem Teile.
Drum klage fürder nicht, sonst nehm zur Straf ich dir
Auch deiner Federn Schmuck in Eile!“
Dohm/Fabricius/Lindner 1981
La Fontaine, Fables, 2,3
Der Affe als Richter zwischen Wolf und Fuchs
Einst klagt‘ ein Wolf, man habe ihn beraubt;Den Nachbar Fuchs, ‘nen Herrn von schlechtem Lebenswandel,
Klagt er des Diebstahls an, den er selbst nicht glaubt.
Es führten vor des Affen Haupt
In eigener Person die zwei Partei’n den Handel.
Seit Affendenken saß noch nicht
In so verzwicktem Fall Frau Themis zu Gericht.
Der arme Schiedsman schwitzt auf seinem Richterstuhle;
Doch durch ihr Schreien hin und her
Mit Schwur und Gegenschwur sah er,
Daß alle beid‘ aus guter Schule.
Er sprach: „Ich kenn‘ euch zwei viel besser, als ihr glaubt,
Und straf‘ euch beide unverholen;
Du, Wölflein, klagst, obgleich dir niemand was geraubt,
Du aber, Füchslein, hast trotz alledem gestohlen.“
Der Richter dachte sich: Wenn auf Geratewohl
Man einen Schurken straft, so tut man immer wohl.
Dohm/Fabricius/Lindner 1981
La Fontaine, Fables, 5,17
Der Hase und das Rebhuhn
Nie spotte derer, die in Not und Elend weinen;Denn wer ist sicher, daß er immer glücklich sei?
Äsop gibt uns dafür in seinen
Fabeln ein Beispiel oder zwei.
Ihr könnt bei ihm dasselbe finden,
Was diese Verse hier euch künden.
Einträchtig lebten Has und Rebhuhn auf dem Feld,
Und allem Anschein nach an friedlich sichrer Stätte;
Da kommt ‘ne Meut(Anm.: Ein Rudel Jagdhunde) herangebellt,
Die jenen zwingt, daß er durch schnelle Flucht sich rette.
Er flieht in seinen Bau; die Hunde, selbst Faßab, (Anm.: Einer der Hunde)
Kommen von seiner Spur bald ab.
Allein zuletzt verriet den Armen
Des Schweißes Dunst, den sein erhitzter Balg ausgehaucht.
Spürnaß (Anm.: Einer der Hunde), der Weise, der nur wenig Witterung braucht,
Schließt gleich, sein Hase sei’s, und jagt ihn ohn Erbarmen;
Und Packan (Anm.: Einer der Hunde), der noch nie gelogen, ruft: „Hurra!
Seht, unser Has ist wieder da!“
Der Unglückliche starb auf seiner Lagerstelle.
Das Rebhuhn spottet sein und lacht:
„Du rühmtest stets dich deiner Schnelle!
Wo hattest die Läufe du?“ – Doch bald, noch eh’s gedacht,
Kam’s selber an die Reih. Es wähnte wohl, vor allen
Gefahren böten leicht ihm seine Flügel Schutz;
Das arme Tier vergaß im Trutz
Den Habicht mit den scharfen Krallen.
Dohm/Fabricius/Lindner 1981
La Fontaine, Fables, 6,17
Nach 'nem Schatten sieht man jagen
So viel Narren, daß man kaum
Ihre Zahl vermag zu sagen.
Äsopens Hündchen mag für sie ʼne Lehre sein.
Der Hund sah seinen Raub sich spiegeln in den Wellen,
Er läßt ihn fahren für das Bild und springt hinein.
Plötzlich beginnt der Strom zu brausen und zu schwellen;
Mit aller Müh erreicht das Ufer er
Und hat nicht Bild noch Beute mehr.
Dohm/Fabricius/Lindner 1981
Lessing, Fabeln, 2,14
Der Fuchs und die Larve
Vor alten Zeiten fand ein Fuchs die hohle, einen weiten Mund aufreißende Larve eines Schauspielers. Welch ein Kopf! sagte der betrachtende Fuchs. Ohne Gehirn und mit einem offenen Munde! Sollte das nicht der Kopf eines Schwätzers gewesen sein? Dieser Fuchs kannte Euch, Ihr ewigen Redner, Ihr Strafgerichte des unschuldigsten unserer Sinne! Worterklärung: Larve = MaskeRoellecke 2013
Lessing, Fabeln, 2,15
Der Rabe und der Fuchs
Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner für die Katzen seines Nachbarn hingeworfen hatte, in seinen Klauen fort. Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich ein Fuchs herbeischlich und ihm zurief: „Sei mir gesegnet, Vogel des Jupiter!“ „Für wen siehst du mich an?“, fragte der Rabe. – „Für wen ich dich ansehe?“, erwiderte der Fuchs. „Bist du nicht der rüstige Adler, der täglich von der Rechten des Zeus auf diese Eiche herabkommt, mich Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in der siegreichen Klaue die erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich zu schicken noch fortfährt?“ Der Rabe erstaunte und freute sich innig, für einen Adler gehalten zu werden. „Ich muss“, dachte er, „den Fuchs aus diesem Irrtume nicht bringen.“ – Großmütig dumm ließ er ihm also seinen Raub herabfallen und flog stolz davon. Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und fraß es mit boshafter Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein schmerzhaftes Gefühl; das Gift fing an zu wirken, und er verreckte. Möchtet ihr euch nie etwas anderes als Gift erloben, verdammte Schmeichler!Röllecke 2013
Lessing, Fabeln, 2,6
Die Pfauen und die Krähe
Eine stolze Krähe schmückte sich mit den ausgefallenen Federn der farbigen Pfaue und mischte sich kühn, als sie genug geschmückt zu sein glaubte, unter diese glänzenden Vögel der Juno. Sie ward erkannt; und schnell fielen die Pfaue mit scharfen Schnäbeln auf sie, ihr den betrügerischen Putz auszureißen. Lasset nach! schrie sie endlich, ihr habt nun alle das Eurige wieder. Doch die Pfaue, welche einige von den eignen glänzenden Schwingfedern der Krähe bemerkt hatten, versetzten: Schweig, armselige Närrin, auch diese können nicht dein sein! – und hackten weiter.Roellecke 2013
Lucr. 4,20b-22
carmine Pierio rationem exponere nostram
et quasi musaeo dulci contingere melle.
Ich möchte dir mit einem lieblichen pierischen Gesang unsere Meinung darlegen und <sie> gleichsam mit süßem Honig der Musen besprengen.
Bailey 1978
Luther 10
Vom Hund und der Hündin
Ejn schwangere Hündin, bat mit demütigen Worten einen Hund, das er jr wolt sein Heuslin gönnen, bis sie geworffen hette. Das that der Hund gerne. Da nun die jungen Hündlin erwuchsen, begert der Hund sein Heuslin wider, aber die Hündin wolte nicht. Zu letzt drewet jr der Hund, und hies sie das Heuslin reumen, Da ward die Hündin zornig, und sprach, Bistu böse, so beis uns hinaus. Diese Fabel zeigt, Wenn die Laus in grind komet, so macht sie sich beschissen. Sihe, wie du des Bösen los werdest, wens uberhand kriegt. Der Teufel ist gut zu Gast zu bitten. Aber man kan sein nicht wol los werden. Paraphrase der Fabel: Eine schwangere Hündin bittet demütig einen Hund um Unterkunft, um ihre Jungen zu gebären. Der Hund gibt ihr Obdach. Nachdem die Jungen etwas größer geworden sind, verlangt der Hund sein Haus zurück. Die Hündin weigert sich, mit ihren Kindern das Haus zu verlassen. Der Hund beginnt daraufhin, der Hündin zu drohen. Darauf antwortet die Hündin, dass, wenn er wolle, dass sie und ihre Jungen sein Haus verlassen, er sie hinausbeißen müsse. Paraphrase der Lehre: Wenn man einer Laus Eintritt in sein Haus gewährt, wird sie sich schlecht verhalten. Man soll darauf sehen, das Böse zu vertreiben, bevor es Überhand gewinnt. Leicht ist es, den Teufel in sein Haus zu lassen; schwer ist es, ihn wieder loszuwerden.Dithmar 1995
Luther 4
Vom Hunde und Schaf
Der Hund sprach ein Schaf für Gericht an umb Brod, das er jm gelihen hette. Da aber das Schaf leugnet, berieff sich der Hund [so] auff Zeugen, die musste man zu lassen. Der erste Zeuge war der Wolff, der sprach, Ich weis, das der Hund dem Schaf Brod gegelihen hat. Der Weihe sprach, Ich bin dabey gewest. Der Geir sprach zum Schaf, Wie tharstu das so unverschampt leugnen? Also verlor das Schaf seine Sache und musste mit schaden zur uneben zeit seine Wolle angreiffen, damit es das Brod bezalet, das es nicht schüldig worden war. Lere: Hüt dich vor bösen Nachbarn oder schicke dich auff Gedult, wiltu bey Leuten wonen, Denn es gönnet niemand dem andern was Guts. das ist der Welt lauff. Paraphrase der Fabel: Der Hund klagt vor Gericht die Rückgabe eines Brotes ein, das er einem Schaf angeblich geliehen hat. Das Schaf streitet dies ab. Daraufhin werden ein Wolf, ein Greifvogel (=Weihe) und ein Geier als Zeugen aufgerufen und bestätigen die Schuld des Schafes. Das Schaf muss daraufhin seine Wolle verkaufen, um die Schulden begleichen zu können. Paraphrase der Lehre: Man soll vor bösen Nachbarn auf der Hut sein oder sich zumindest in Geduld üben, wenn man in der Nähe von anderen Leuten wohnt. Es ist nun einmal der Lauf der Dinge, dass der eine dem anderen nichts gönnt.Dithmar 1995 Recht/Unrecht
Mart. 10,79
ad quartum breve rus emit Otacilius.
Torquatus nitidas vario de marmore thermas
extruxit; cucumam fecit Otacilius.
disposuit daphnona suo Torquatus in agro;
castaneas centum sevit Otacilius.
consule Torquato vici fuit ille magister,
non minor in tanto visus honore sibi.
grandis ut exiguam bos ranam ruperat olim,
sic, puto, Torquatus rumpet Otacilium.
Beim vierten Meilenstein besitzt Torquatus ein Riesenhaus, beim vierten kaufte sich Otacilius ein kleines Landgut. Torquatus erbaute aus buntem Marmor glänzende Thermen, einen Badekessel machte sich Otacilius. Es verteilte einen Lorbeerhain auf seinem Land Torquatus; hundert Kastanien setzte Otacilius. Als Torquatus Consul war, war jener Dorfbürgermeister und schien sich in so großem Ehrenamt nicht geringer. Wie das große Rind einst den kleinen Frosch platzen ließ, so, glaube ich, wird Torquatus den Otacilius platzen lassen.
Shackleton Bailey 2006 Torquatus Otacilius Neid
Mart. 2,7
historias bellas, carmina bella facis,
componis belle mimos, epigrammata belle,
bellus grammaticus, bellus es astrologus,
et belle cantas et saltas, Attale, belle,
bellus es arte lyrae, bellus es arte pilae.
nil bene cum facias, facias tamen omnia belle,
vis dicam quid sis? Magnus es ardalio.
Ganz nett trägst du vor, Attalus, und ganz nett führst du Prozesse, ganz nette Geschichtswerke und ganz nette Gedichte machst du. Ganz nett dichtest du Mimen, ganz nett Epigramme, ein ganz netter Philologe und ein ganz netter Astrologe bist du. [5] Du singst und tanzt auch ganz nett, Attalus, ganz nett bist du in der Kunst des Lyraspiels, ganz nett auch im Ballspiel. Obwohl du nichts gut machst, machst du dennoch alles ganz nett. Willst du, dass ich dir sage, was du bist? Ein großer Gschaftlhuber bist du.
Shackleton Bailey 2006
Mart. 9,97
quod me Roma legit, rumpitur invidia.
rumpitur invidia, quod turba semper in omni
monstramur digito, rumpitur invidia.
rumpitur invidia, tribuit quod Caesar uterque
ius mihi natorum, rumpitur invidia.
rumpitur invidia, quod rus mihi dulce sub urbe est
parvaque in urbe domus, rumpitur invidia.
rumpitur invidia, quod sum iucundus amicis,
quod conviva frequens, rumpitur invidia.
rumpitur invidia, quod amamur quodque probamur:
rumpatur, quisquis rumpitur invidia.
Jemand platzt vor Neid, mein liebster Iulius, weil Rom mich liest, platzt er vor Neid. Er platzt vor Neid, weil in jeder Schar man mit dem Finger auf mich zeigt, er platzt vor Neid. Er platzt vor Neid, weil beide Caesaren [5] mir das Dreikinderrecht verliehen, er platzt vor Neid. Er platzt vor Neid, weil ich ein süßes Landgut am Stadtrand besitze und ein kleines Haus in der Stadt, er platzt vor Neid. Er platzt vor Neid, weil ich den Freunden willkommen bin, weil ich ein häufig geladener Gast bin, er platzt vor Neid. [10] Er platzt vor Neid, weil wir geliebt und anerkannt werden: Soll er doch platzen, wer auch immer vor Neid platzt.
Shackleton Bailey 2006 Iulius Martial Neid
Ov. ars 1,623-628
virginibus curae grataque forma sua est.
nam cur in Phrygiis Iunonem et Pallada silvis
nunc quoque iudicium non tenuisse pudet?
laudatas ostendit avis Iunonia pinnas:
si tacitus spectes, illa recondit opes;
Auch die Keuschen erfreuen öffentliche Kundmachungen der Schönheit. Den Mädchen liegt ihre Schönheit am Herzen und ist ihnen angenehm. Warum denn ist es Iuno und Pallas peinlich, in phrygischen Wäldern nicht das Urteil für sich entschieden zu haben? Nur wenn man sie lobt, breitet der Vogel der Iuno seine Schwanzfedern aus; betrachtet man sie stumm, so verbirgt er die Schätze.
Kenney 1994
Ov. ars 2,12
Durch meine Kunst wurde sie erobert, durch meine Kunst muss sie gehalten werden.
Kenney 1994 Kunst Liebe
Ov. medic. 31-34
virginibus cordi grataque forma sua est.
laudatas homini volucris Iunonia pennas
explicat et forma muta superbit avis.
Es ist auch einer jeden eine Freude, sich zu gefallen den Mädchen liegt ihre Schönheit am Herzen und ist ihnen angenehm. Der Vogel der Iuno breitet seine gelobten Schwanzfedern <auch> vor einem Menschen aus und der stumme Vogel ist stolz auf seine Schönheit.
Kenney 1994
Ov. trist. 1,1,85–86
illum, quo laesa est, horret adire locum.
Und mein Kahn, der einmal von einem gewaltigen Sturm erschüttert wurde, scheut sich davor, an jenen Ort zu gehen, an dem er verletzt worden ist.
Hall 1995 Kahn Rückkehr
Pers. 1,9-10
aspexi ac nucibus facimus quaecumque relictis.
[…] immer wenn ich unser graues Haar betrachtete und dieses unser trauriges Leben und alles, was wir machen, nachdem die Nüsse/ Spielzeuge zurückgelassen wurden.
Clausen 1968
Phaedr. 1,1
Lupus et Agnus
Ad rivum eundem lupus et agnus venerant,siti compulsi; superior stabat lupus
longeque inferior agnus. tunc fauce improba
latro incitatus iurgii causam intulit.
„cur“ inquit „turbulentam fecisti mihi
aquam bibenti?“ laniger contra timens:
„qui possum, quaeso, facere, quod quereris, lupe?
a te decurrit ad meos haustus liquor “.
repulsus ille veritatis viribus:
„ante hos sex menses male, ait, dixisti mihi“.
respondit agnus „equidem natus non eram“.
„pater hercle tuus, ille inquit, male dixit mihi“.
atque ita correptum lacerat iniusta nece.
haec propter illos scripta est homines fabula,
qui fictis causis innocentes opprimunt.
Wolf und Lamm
Zu demselben Wasserlauf waren der Wolf und das Lamm, von Durst getrieben, gekommen. Weiter oben stand der Wolf und weit darunter das Lamm. Dann brachte der Räuber, aufgewiegelt durch den boshaften Schlund, einen Grund für einen Streit vor. [5] „Warum hast du mir,“ sagte er „als ich trank, das Wasser trüb gemacht?“ Der Wollträger erwiderte ängstlich: „Wie kann ich, bitte, tun, was du beklagst, Wolf? Von dir läuft das klare Wasser herab zu meiner Trinkstelle.“ Von der Wucht der Wahrheit geschlagen sagte jener: [10] „Vor sechs Monaten hast du mich verleumdet.“ Das Lamm antwortete: „Da war ich noch gar nicht geboren.“ „Beim Herkules“, sagte jener, „dein Vater hat mich verleumdet.“ Und so ergriff er es und zerfleischte es in ungerechtem Mord. Diese Fabel ist wegen jener Menschen geschrieben worden, [15] die unter falschem Vorwand Unschuldige unterdrücken.Guaglianone 1969 Recht/Gerechtigkeit Römisches Recht Wolf Lamm
Phaedr. 1,10
Lupus et vulpis iudice simio.
Quicumque turpi fraude semel innotuit,etiam si verum dicit, amittit fidem.
hoc attestatur brevis Aesopi fabula.
lupus arguebat vulpem furti crimine;
negabat illa se esse culpae proximam.
tunc iudex inter illos sedit simius.
uterque causam cum perorassent suam,
dixisse fertur simius sententiam:
„tu non videris perdidisse quos petis;
te credo surripuisse quod pulchre negas.“
Der Wolf und der Fuchs mit dem Affen als Richter
Wer auch immer auch nur ein einziges Mal durch einen schimpflichen Betrug bekannt wurde, verliert das Vertrauen, auch wenn er Wahres spricht. Eine kurze Fabel des Aesop beweist dies. Der Wolf verklagte den Fuchs mit dem Vorwurfs des Diebstahls; [5] jener verneinte, dass er schuldig sei. Daraufhin saß der Affe als Richter zwischen jenen. Als jeder von beiden seine Sichtweise vorgetragen hatte, habe der Affe, wie man sagt, <folgendes> Urteil gesprochen: „Du scheinst nicht das verloren zu haben, was du forderst; [10] und ich glaube, dass du gestohlen hast, was du <so> schön verneinst.“Guaglianone 1969
Phaedr. 1,11
Asinus et leo venantes.
Virtutis expers, verbis iactans gloriam,ignotos fallit, notis est derisui.
venari asello comite cum vellet leo,
contexit illum frutice et admonuit simul
ut insueta voce terreret feras,
fugientes ipse exciperet. Hic auritulus
clamorem subito totis tollit viribus
novoque turbat bestias miraculo.
quae dum paventes exitus notos petunt,
leonis affliguntur horrendo impetu.
qui postquam caede fessus est, asinum evocat
iubetque vocem premere. Tunc ille insolens:
„qualis videtur opera tibi vocis meae?“
„insignis“ inquit „sic ut, nisi nossem tuum
animum genusque, simili fugissem metu.“
Der Esel und der Löwe, die jagten.
Derjenige, der frei von Tatkraft ist und seinen Ruhm in Worten prahlerisch zur Schau stellt, täuscht die <ihm> Unbekannten, den <ihm> Bekannten aber dient er zum Gespött. Als der Löwe mit dem Esel als Begleiter jagen wollte, bedeckte er jenen mit Gestrüpp und forderte ihn zugleich auf, [5] dass er mit ungewohnter Stimme die wilden Tiere erschrecke, damit er selbst sie bei ihrer Flucht abfange. Das Langöhrchen erhob plötzlich mit aller Kraft ein Gebrüll und verwirrte durch den neuen Wunderlaut die wilden Tiere. Während diese sich ängstigten und die bekannten Ausgänge anstrebten, [10] wurden sie vom schaudervollen Angriff des Löwen niedergeworfen. Nachdem dieser vom Mord erschöpft war, rief er den Esel zu sich und befahl ihm, die Stimme zu unterdrücken. Dann fragte jener unverschämt: „Wie erscheint dir der Dienst meiner Stimme?“. „Ausgezeichnet“, sagt er, „so dass <auch> ich, wenn ich [15] deinen Mut und dein Geschlecht nicht kennen würde, in ähnlicher Furcht geflohen wäre.“Guaglianone 1969
Phaedr. 1,13
Vulpis et Corvus
Qui se laudari gaudet verbis subdolis,fere dat poenas turpi paenitentia.
cum de fenestra corvus raptum caseum
comesse vellet, celsa residens arbore,
vulpes hunc vidit, deinde sic coepit loqui:
„o qui tuarum, corve, pennarum est nitor!
quantum decoris corpore et vultu geris!
si vocem haberes, nulla prior ales foret“.
at ille stultus, dum vult vocem ostendere,
emisit ore caseum, quem celeriter
dolosa vulpes avidis rapuit dentibus.
tunc demum ingemuit corvi deceptus stupor.
[hac re probatur quantum ingenium valet;
virtute semper praevalet sapientia.]
Der Fuchs und der Rabe
Derjenige, der sich darüber freut, dass er mit hinterlistigen Worten gelobt wird, büßt meist mit schmachvoller Reue. Als der Rabe das aus einem Fenster geraubte Stück Käse essen wollte, während er auf einem hohen Baum saß, [5] sah der Fuchs diesen und begann dann folgendermaßen zu sprechen: „Oh Rabe, welch Glanz besitzen deine Federn! Wie viel Anmut trägst du in Gestalt und Antlitz! Wenn du eine Stimme hättest, wäre kein Vogel vor dir.“ Aber jener ließ töricht [10] den Käse aus dem Schnabel fallen, während er seine Stimme zeigen wollte, den der hinterlistige Fuchs schnell mit seinen gierigen Zähnen raubte. Da erst seufzte die getäuschte Dummheit des Raben. [Durch diese Sache wird bewiesen, wie viel Begabung vermag; Weisheit ist der Tüchtigkeit immer überlegen.]Guaglianone 1969
Phaedr. 1,16
Ovis, cervus et lupus.
Fraudator homines cum advocat sponsum improbos,non rem expedire, sed mala videre expetit.
ovem rogabat cervus modium tritici
lupo sponsore. at illa praemetuens dolum:
„rapere atque abire semper assuevit lupus,
tu de conspectu fugere veloci impetu;
ubi vos requiram cum dies advenerit?“
Das Schaf, der Hirsch und der Wolf.
Immer wenn ein Betrüger schlechte Menschen zum Bürgen herbeiruft, strebt er nicht <danach>, eine Sache zu erledigen, sondern, Unheil zu sehen. Von dem Schaf erbat sich der Hirsch einen Scheffel Weizen mit dem Wolf als Bürgen. Aber jenes fürchtete <schon> im Voraus eine List <und sagte>: [5]„Der Wolf ist <es> gewohnt, immer zu rauben und wegzugehen, du <bist es gewohnt>, dem Anblick in schnellem Lauf zu entfliehen. Wo soll ich euch suchen, wenn die Frist gekommen ist?“Guaglianone 1969
Phaedr. 1,17
Ovis, canis et lupus.
Solent mendaces luere poenas malefici.calumniator ab ove cum peteret canis,
quem commendasse panem se contenderet,
lupus citatus testis non unum modo
deberi dixit, verum affirmavit decem.
ovis damnata falso testimonio
quod non debebat solvit. post paucos dies
bidens iacentem in fovea conspexit lupum:
„haec“ inquit „merces fraudis a superis datur“.
Schaf, Hund und Wolf.
Böse Lügner büßen gewöhnlich für <ihre> Untaten. Als der Hund, der Rechtsverdreher, ein Brot vom Schaf erbat, von dem er behauptete, er habe es ihm anvertraut, sagte der Wolf, der als Zeuge herbeigerufen wurde, dass nicht nur das eine geschuldet wird; er bekräftigte, in Wahrheit seien es zehn. Das Schaf, das durch falsche Zeugenaussage verurteilt worden war, zahlte, was es nicht schuldete. Wenige Tage später erblickte ’das Opfertier den Wolf, wie er in einer Grube lag. Es sagte: „Dieser Lohn wird von den Göttern für Betrug gegeben.“Guaglianone 1969
Phaedr. 1,18
Mulier parturiens
Nemo libenter recolit qui laesit locum.instante partu mulier actis mensibus
humi iacebat flebilis gemitus ciens.
vir est hortatus, corpus lecto reciperet,
onus naturae melius quo deponeret.
„minime“ inquit „illo posse confido loco
malum finiri, quo conceptum est initio“.
Die gebärende Frau
Niemand sucht gerne wieder einen Ort auf, der <einen> verletzt hat. Als die Geburt bevorstand, lag eine Frau, nachdem die Monate vergangen waren, auf dem Boden und stöhnte weinend. Der Mann forderte sie auf, sie solle <doch> ihren Körper ins Bett legen, [5] um dort die Last der Natur besser ablegen zu können. „Keineswegs“, sagte sie, „vertraue ich darauf, dass an jenem Ort das Übel sein Ende finden kann, wo es am Anfang empfangen wurde.“Guaglianone 1969
Phaedr. 1,2
Ranae regem petierunt.
Athenae cum florerent aequis legibus,procax libertas civitatem miscuit
frenumque solvit pristinum licentia.
hic conspiratis factionum partibus
arcem tyrannus occupat Pisistratus.
cum tristem servitutem flerent Attici,
(non quia crudelis ille, sed quoniam gravis
omnino insuetis), onus et coepissent queri,
Aesopus talem tum fabellam rettulit.
ranae vagantes liberis paludibus
clamore magno regem petiere ab Iove,
qui dissolutos mores vi compesceret.
pater deorum risit atque illis dedit
parvum tigillum, missum quod subito vadi
motu sonoque terruit pavidum genus.
hoc mersum limo cum iaceret diutius,
forte una tacite profert e stagno caput
et explorato rege cunctas evocat.
illae timore posito certatim annatant
lignumque supera turba petulans insilit.
quod cum inquinassent omni contumelia,
alium rogantes regem misere ad Iovem,
inutilis quoniam esset qui fuerat datus.
tum misit illis hydrum, qui dente aspero
corripere coepit singulas. frustra necem
fugitant inertes, vocem praecludit metus.
furtim igitur dant Mercurio mandata ad Iovem,
afflictis ut succurrat. tunc contra deus:
„quia noluistis vestrum ferre“ inquit „bonum,
malum perferte“. „vos quoque, o cives“, ait
„hoc sustinete, maius ne veniat, malum“.
Die Frösche verlangten einen König
Als Athen aufgrund gerechter Gesetze in Blüte stand, brachte die unverschämte Freiheit die Bürgerschaft durcheinander und die Willkür löste den früheren Zügel. Nachdem sich die Parteigruppen verschworen hatten, besetzte Peisistratos die Burg. Als die Athener die traurige Knechtschaft beweinten (nicht weil jener grausam war, sondern da er für sie, die ihn überhaupt nicht gewohnt waren, schwer zu ertragen war) und begonnen hatten, die Last zu beklagen, da erzählte Aesop eine solche kleine Fabel: Die Frösche, die in freien Sümpfen herumschweiften, forderten mit großem Lärm von Iuppiter einen König, der die ausgelassenen Sitten mit Gewalt bändigen sollte. Der Vater der Götter lachte und gab jenen einen ganz kleinen Balken, der plötzlich <vom Himmel> gesandt durch eine Erschütterung des Tümpels und ein Geräusch die furchtsame Sippe erschreckte. Als dieser versunken im Schlamm länger dalag, streckte zufällig einer stumm seinen Kopf aus dem Sumpf und rief, nachdem er den König erforscht hatte, alle hervor. Jene schwammen um die Wette herbei, da sie ihre Furcht abgelegt hatten, und die freche Schar sprang oben auf das Holz. Nachdem sie dieses mit aller Schande besudelt hatten, schickten sie <Boten> zu Iuppiter, die einen anderen König erbitten sollten, weil der, der <ihnen> gegeben worden war, ja unnütz sei. Da schickte dieser jenen eine Wasserschlange, die die einzelnen mit scharfem Zahn zu packen begann. Vergebens flohen die Wehrlosen vor dem Tod. Die Furcht hemmte ihre Stimme. Also gaben sie heimlich Mercur Aufträge an Iuppiter, dass er den Bedrängten zu Hilfe eile. Darauf entgegnete der Gott: „Weil ihr euer Wohl nicht ertragen wolltet“, sprach er, „ertragt nun euer Übel.“ „Auch ihr, o Bürger,“ sagte er, „ertragt dieses Übel, auf dass kein größeres komme.“Guaglianone 1969
Phaedr. 1,3
Graculus superbus et pavo
Ne gloriari libeat alienis bonissuoque potius habitu vitam degere,
Aesopus nobis hoc exemplum prodidit.
tumens inani graculus superbia,
pennas, pavoni quae deciderant, sustulit
seque exornavit. deinde contemnens suos
se immiscuit pavonum formoso gregi.
illi impudenti pennas eripiunt avi
fugantque rostris. male mulcatus graculus
redire maerens coepit ad proprium genus;
a quo repulsus tristem sustinuit notam.
tum quidam ex illis, quos prius despexerat:
„contentus nostris si fuisses sedibus
et quod natura dederat voluisses pati,
nec illam expertus esses contumeliam
nec hanc repulsam tua sentiret calamitas“.
Die hochmütige Dohle und der Pfau
Damit es nicht gefällt, sich mit fremden Gütern zu rühmen und lieber mit dem eigenen Äußeren, das Leben zu verbringen, überlieferte Aesop uns dieses Beispiel. Eine mit selbstgefälligem Hochmut aufgeblasene Dohle [5] hob die Federn, die einem Pfau ausgefallen waren, auf und schmückte sich damit. Dann mischte sie sich, während sie ihre Artgenossen verschmähte, unter die schöne Schar der Pfauen. Jene rupften dem schamlosen Vogel die Federn aus und schlugen ihn mit den Schnäbeln in die Flucht. Übel zugerichtet [10] begann die Dohle traurig zu ihrer eigenen Art zurückzukehren. Von dieser wurde sie vertrieben und erhielt eine bittere Rüge. Dann sagte eine von jenen, die sie zuvor verschmäht hatte: „Wenn du mit unserem Wohnsitz zufrieden gewesen wärst und ertragen hättest wollen, was die Natur <dir> zugeteilt hatte, [15] hättest du weder jene Misshandlung erfahren, noch würde<st du in> dein<em> Unglück diese Zurückweisung erleiden.Guaglianone 1969
Phaedr. 1,30
Ranae metuentes taurorum praelia.
humiles laborant ubi potentes dissident.rana in palude pugnam taurorum intuens:
„heu quanta nobis instat pernicies!“ ait.
interrogata ab alia cur hoc diceret,
de principatu cum illi certarent gregis
longeque ab ipsis degerent vitam boves:
„est statio separata ac diversum genus;
expulsus regno nemoris qui profugerit,
paludis in secreta veniet latibula
et proculcatas obteret duro pede.
ita caput ad nostrum furor illorum pertinet“.
Die Frösche fürchten die Kämpfe der Stiere.
Die kleinen Leute leiden, wo Mächtige streiten. Ein Frosch im Sumpf sah sich einen Stierkampf an: „Ach, welch Unheil steht uns bevor!“, sagte er. Von einem anderen gefragt, warum er das sage, da jene (doch) um die Vorherrschaft über die Herde stritten und die Rinder weit weg von ihnen selbst ihr Leben verbrächten, <sagte er>: „Ihr Aufenthaltsort ist getrennt von uns und es ist eine andere Gattung; <aber> der, der aus der Waldherrschaft vertrieben flüchten wird, wird in die abgelegenen Schlupfwinkel des Sumpfes kommen und mit hartem Huf <uns> niedertreten und zerquetschen. So trifft unseren Kopf ihr Wüten.“Guaglianone 1969
Phaedr. 1,4
Canis per fluvium carnem ferens.
Amittit merito proprium qui alienum appetit.canis per flumen carnem cum ferret natans,
lympharum in speculo vidit simulacrum suum,
aliamque praedam ab alio cane ferri putans
eripere voluit; verum decepta aviditas
et quem tenebat ore dimisit cibum,
nec quem petebat potuit adeo attingere.
Der Hund, der ein Stück Fleisch über einen Fluss trägt
Zurecht verliert derjenige sein Eigentum, der Fremdes erstrebt. Als ein Hund ein Stück Fleisch schwimmend über einen Fluss trug, sah er im Spiegel des Wassers sein Abbild. Weil er glaubte, dass eine andere Beute von einem anderen Hund getragen werde, [5] wollte er sie ihm entreißen; aber die getäuschte Gier ließ einerseits das Essen fallen, das sie im Maul hatte, und konnte noch dazu das, was sie erstrebte, nicht erreichen.Guaglianone 1969
Phaedr. 1,5
Vacca et capella, ovis et leo
Numquam est fidelis cum potente societas.testatur haec fabella propositum meum.
vacca et capella et patiens ovis iniuriae
socii fuere cum leone in saltibus.
hi cum cepissent cervum vasti corporis,
sic est locutus partibus factis leo:
„Ego primam tollo, nominor quia leo;
secundam, quia sum fortis, tribuetis mihi;
tum, quia plus valeo, me sequetur tertia;
malo afficietur si quis quartam tetigerit.“
sic totam praedam sola improbitas abstulit.
Die Kuh, die Ziege, das Schaf und der Löwe
Niemals ist ein Bündnis mit einem Mächtigen verlässlich: Diese Fabel beweist meine Aussage. Eine Kuh, eine Ziege und ein Schaf, das Unrecht erleidet, waren Partner in einem Bündnis mit einem Löwen in einem Waldtal. Nachdem diese einen Hirsch mit großer Körpermasse gefasst hatten, sprach der Löwe nach Aufteilung der Beute folgendermaßen: „Ich nehme den ersten Teil, weil ich Löwe genannt werde; den zweiten werdet ihr mir schenken, weil ich tapfer bin; dann wird mir, weil ich mehr Einfluss habe, auch der dritte folgen; übel wird es ergehen, wenn einer den vierten Teil anrührt.“ So nahm sich die Schlechtigkeit alleine die ganze Beute.Guaglianone 1969 Beute Macht Rhetorik Societas Kuh Ziege Schaf Löwe
Phaedr. 1,7
Vulpis ad personam tragicam
Personam tragicam forte vulpes viderat:„o quanta species“ inquit „cerebrum non habet!“
hoc illis dictum est, quibus honorem et gloriam
fortuna tribuit, sensum communem abstulit.
Der Fuchs zur Tragödienmaske
Der Fuchs hatte zufällig eine Tragödienmaske erblickt. „Oh, welch Anblick“, sagte er, „aber Gehirn besitzt sie nicht!“ Dies ist für jene gesagt, welchen Fortuna Ehre und Ruhm zugeteilt, den gesunden Menschenverstand <aber> geraubt hat.Guaglianone 1969
Phaedr. 1prol.
[PROLOGUS]
Aesopus auctor quam materiam repperit,hanc ego polivi versibus senariis.
duplex libelli dos est: quod risum movet
et quod prudentis vitam consilio monet.
calumniari si quis autem voluerit,
quod arbores loquantur, non tantum ferae,
fictis iocari nos meminerit fabulis.
Prolog
Den Stoff, den Aesop als Urheber erfand, polierte ich mit senarischen Versen auf. Die Mitgift des Büchleins ist eine zweifache: dass es Lachen verursacht und dass es das Leben des Klugen durch seinen Rat ermahnt. [5] Wenn aber einer fälschlich anklagen wollte, dass Bäume sprechen, nicht nur Tiere, dann mag er sich daran erinnern, dass wir mit erdichteten Fabeln scherzen.Guaglianone 1969
Phaedr. 1prol. 3-4
et quod prudentis vitam consilio monet.
Die Mitgift des Büchleins ist eine zweifache: dass es Lachen verursacht und dass es das Leben des Klugen durch seinen Rat ermahnt.
Guaglianone 1969
Phaedr. 2,5
Item Caesar ad atriensem
Est ardalionum quaedam Romae natio,trepide concursans, occupata in otio,
gratis anhelans, multa agendo nihil agens,
sibi molesta et aliis odiosissima.
hanc emendare, si tamen possum, volo
vera fabella: pretium est operae attendere.
Caesar Tiberius cum petens Neapolim
in Misenensem villam venisset suam,
quae monte summo posita Luculli manu
prospectat Siculum et perspicit Tuscum mare:
ex alticinctis unus atriensibus,
cui tunica ab umeris linteo Pelusio
erat destricta, cirris dependentibus,
perambulante laeta domino viridia,
alveolo coepit ligneo conspargere
humum aestuantem, come officium iactitans,
sed deridetur. inde notis flexibus
praecurrit alium in xystum, sedans pulverem.
agnoscit hominem Caesar remque intellegit.
id ut putavit esse nescio quid boni:
„heus!“ inquit dominus. Ille enimvero assilit,
donationis alacer certae gaudio.
tum sic iocata est tanta maiestas ducis:
„non multum egisti et opera nequiquam perit:
multo maioris alapae mecum veneunt“.
Ebenso der Kaiser zu seinem Hausdiener
In Rom gibt es einen gewissen Menschenschlag von Gschaftlhubern, der aufgeregt hin und her läuft, beschäftigt in der Muße, sinnlos keuchend, indem er viel tut, doch nichts tuend, sich selbst lästig und anderen aufs Äußerste verhasst. [5] Diesen <Menschenschlag> will ich bessern, wenn ich es denn kann, durch eine wahre Geschichte: Es ist der Mühe wert zuzuhören. Nachdem Kaiser Tiberius auf dem Weg nach Neapel auf sein Landgut bei Misenum gekommen war, das, durch die Hand des Lucullus auf die Spitze des Berges gesetzt, [10] vorne auf das Sizilische Meer schaut und zurück auf das Tyrrhenische blickt, begann einer von den hoch gegürteten Hausdienern, dem die Tunika aus ägyptischem Leinen von den Schultern her mit nach unten hängenden Fransen abwärts geschnürt war, während der Herr durch die üppigen Grünanlagen spazierte, [15] aus einer hölzernen Schüssel den Boden zu bespritzen, der vor Hitze glühte, und rühmte seine zuvorkommende Arbeit: Aber er wurde verlacht. Von dort aus lief er auf <ihm> bekannten Umwegen auf eine andere Terrasse voraus und band den Staub. Der Kaiser nahm den Mann wahr und erkannte die Situation: [20] Als <der Diener> glaubte, dies sei irgendetwas Gutes, sagte der Herr: „He!“ Jener sprang natürlich herbei, entschlossen durch die Freude auf ein sicheres Geschenk. Darauf scherzte so die so große Majestät des Kaisers: „Du hast nicht viel getan und die Mühe ist umsonst vertan: Bei mir kosten Ohrfeigen viel mehr.“Guaglianone 1969
Phaedr. 2,5,7-24
in Misenensem villam venisset suam,
quae monte summo posita Luculli manu
prospectat Siculum et perspicit Tuscum mare:
ex alticinctis unus atriensibus,
cui tunica ab umeris linteo Pelusio
erat destricta, cirris dependentibus,
perambulante laeta domino viridia,
alveolo coepit ligneo conspargere
humum aestuantem, come officium iactitans,
sed deridetur. inde notis flexibus
praecurrit alium in xystum, sedans pulverem.
agnoscit hominem Caesar remque intellegit:
id ut putavit esse nescio quid boni:
„heus!“ inquit dominus. ille enimvero assilit,
donationis alacer certae gaudio.
tum sic iocata est tanta maiestas ducis:
„non multum egisti et opera nequiquam perit:
multo maioris alapae mecum veneunt“.
Nachdem Kaiser Tiberius auf dem Weg nach Neapel auf sein Landgut bei Misenum gekommen war, das, durch die Hand des Lucullus auf die Spitze des Berges gesetzt, [10] vorne auf das Sizilische Meer schaut und zurück auf das Tyrrhenische blickt, begann einer von den hoch gegürteten Hausdienern, dem die Tunika aus ägyptischem Leinen von den Schultern her mit nach unten hängenden Fransen abwärts geschnürt war, während der Herr durch die üppigen Grünanlagen spazierte, [15] aus einer hölzernen Schüssel den Boden zu bespritzen, der vor Hitze glühte, und rühmte seine zuvorkommende Arbeit: Aber er wurde verlacht. Von dort aus lief er auf <ihm> bekannten Umwegen auf eine andere Terrasse voraus und band den Staub. Der Kaiser nahm den Mann wahr und erkannte die Situation: [20] Als <der Diener> glaubte, dies sei irgendetwas Gutes, sagte der Herr: „He!“ Jener sprang natürlich herbei, entschlossen durch die Freude auf ein sicheres Geschenk. Darauf scherzte so die so große Majestät des Kaisers: „Du hast nicht viel getan und die Mühe ist umsonst vertan: Bei mir kosten Ohrfeigen viel mehr.“
Guaglianone 1969
Phaedr. 2prol.
Auctor
Exemplis continetur Aesopi genus;nec aliud quicquam per fabellas quaeritur
quam corrigatur error ut mortalium
acuatque sese diligens industria.
quicumque fuerit ergo narrandi iocus,
dum capiat aurem et servet propositum suum,
re commendatur, non auctoris nomine.
equidem omni cura morem servabo senis;
sed si libuerit aliquid interponere,
dictorum sensus ut delectet varietas,
bonas in partes, lector, accipias velim,
ita si rependet illi brevitas gratiam.
cuius verbosa ne sit commendatio,
attende, cur negare cupidis debeas,
modestis etiam offerre quod non petierint.
Autor
Die Gattung Aesops besteht aus Beispielen. Durch die Fabeln wird nichts anderes erstrebt, als dass das Fehlverhalten der Sterblichen berichtigt werde und der sorgfältige Einsatz sich vermehre. Jeder Scherz des Erzählens also wird, wenn er nur das Ohr erfasst und seinen Vorsatz bewahrt, durch die Sache empfohlen, nicht durch den Namen des Autors. Freilich werde ich mit ganzer Sorgfalt die Art des Alten bewahren. Aber wenn es gefällt, etwas einzufügen, damit Abwechslung des Gesagten die Sinne erfreue, möchte ich, dass du, Leser, es freundlich aufnimmst, falls so die Kürze jener (=der Abwechslung) Dank erwidern wird. Damit das Lob für die Kürze nicht wortreich ist, beachte, warum du den Begierigen verweigern, den Bescheidenen aber sogar entgegenbringen musst, was sie nicht erstreben.Guaglianone 1969
Phaedr. 3 prol. 17
Auctor
ego, quem Pierio mater enixa est iugo [...]Autor
Ich, den die Mutter am Pierischen Berg geboren hat […]Guaglianone 1969
Phaedr. 3,18
Pavo ad Iunonem de voce sua
Pavo ad Iunonem venit, indigne ferenscantus luscinii quod sibi non tribuerit;
illum esse cunctis avibus admirabilem,
se derideri simul ac vocem miserit.
tunc consolandi gratia dixit dea:
„sed forma vincis, vincis magnitudine;
nitor smaragdi collo praefulget tuo
pictisque plumis gemmeam caudam explicas“.
„quo mi“ inquit „mutam speciem, si vincor sono?“
„fatorum arbitrio partes sunt vobis datae:
tibi forma, vires aquilae, luscinio melos,
augurium corvo, laeva cornici omina,
omnesque propriis sunt contentae dotibus.
noli affectare quod tibi non est datum,
delusa ne spes ad querelam reccidat“.
Der Pfau zu Iuno über seine Stimme
Der Pfau kam zu Iuno entrüstet darüber, dass sie ihm nicht den Gesang der Nachtigall zugeteilt habe. Jene sei für alle Vögel bewunderungswürdig, er aber werde sogleich verspottet, sobald er seine Stimme ertönen lasse. [5] Da sprach die Göttin, um ihn zu trösten: „Aber durch deine Schönheit siegst du, du siegst durch deine Größe. Der Glanz eines Smaragds leuchtet an deinem Hals hervor und du breitest deinen durch bunte Federn schimmernden Schweif aus.“ „Wozu <hat man> mir“, sagte er, „die stumme Pracht <gegeben>, wenn ich im Klang besiegt werde?“ [10] „Durch den Schiedsspruch des Schicksals wurden euch Eigenschaften gegeben: dir Schönheit, Kraft dem Adler, der Nachtigall Gesang, Weissagung dem Raben, ungünstige Vorzeichen der Krähe; alle sind zufrieden mit ihren eigenen Gaben. Erstrebe nicht, was dir nicht gegeben wurde, damit nicht enttäuschte Hoffnung sich zur Klage verkehrt.“Guaglianone 1969
Phaedr. 3,4,6-7
et turpi facie multos cognovi optimos.
Denn oft einmal habe ich die Schönen für sehr schlecht befunden, und viele sehr Gute mit hässlichem Gesicht kennen gelernt.
Guaglianone 1969
Phaedr. 3,7
Lupus ad canem
Quam dulcis sit libertas, breviter proloquar.cani perpasto macie confectus lupus
forte occucurrit. dein salutati invicem
ut restiterunt: „unde sic, quaeso, nites?
aut quo cibo fecisti tantum corporis?
ego, qui sum longe fortior, pereo fame“.
canis simpliciter: „eadem est condicio tibi,
praestare domino si par officium potes“.
„quod?“ inquit ille. „custos ut sis liminis,
a furibus tuearis et noctu domum“.
„ego vero sum paratus: nunc patior nives
imbresque in silvis asperam vitam trahens:
quanto est facilius mihi sub tecto vivere,
et otiosum largo satiari cibo?“
„veni ergo mecum“. dum procedunt, aspicit
lupus a catena collum detritum cani.
„unde hoc, amice?“ „nihil est“. „dic sodes tamen“.
„quia videor acer, alligant me interdiu,
luce ut quiescam et vigilem, nox cum venerit:
crepusculo solutus, qua visum est, vagor.
affertur ultro panis; de mensa sua
dat ossa dominus; frusta iactat familia
et, quod fastidit quisque, pulmentarium.
sic sine labore venter impletur meus“.
„age, si quo abire est animus, est licentia?“
„non plane est“ inquit. „fruere, quae laudas, canis:
regnare nolo, liber ut non sim mihi“.
Der Wolf zum Hund
Wie süß die Freiheit ist, will ich kurz vortragen. Dem wohlgenährten Hund kam zufällig der von Magerkeit erschöpfte Wolf entgegen. Dann, wie sie stehen geblieben waren und sich gegenseitig begrüßt hatten, <sprach der Wolf>: „Warum bitte bist du so wohlgenährt? [5] Oder durch welche Nahrung hast du einen so großen Körper geschaffen? Ich, der ich bei weitem stärker bin, gehe an Hunger zugrunde.“ Der Hund schlicht: „Dir gehört dasselbe Los, wenn du einem Herrn einen entsprechenden Dienst erweisen kannst.“ „Welchen?“ fragt jener. „Dass du Wächter der Türschwelle bist [10] und in der Nacht das Haus vor Dieben schützt.“ „Ich bin gewiss bereit; nun ertrage ich Schneemassen und Regengüsse in den Wäldern, während ich ein raues Leben führe. Um wie viel leichter ist es für mich, unter einem Dach zu leben und voller Muße durch reichlich Speise gesättigt zu werden?“ [15] „Komm also mit mir!“ Während sie weitergehen, erblickt der Wolf den Hals, der dem Hund durch eine Kette wundgescheuert wurde. „Woher kommt das, Freund?“ „Es ist nichts.“ „Sag es dennoch, wenn du willst.“ „Weil ich wild erscheine, binden sie mich tagsüber an, damit ich bei Licht ruhe und, wenn die Nacht gekommen ist, wach bleibe: [20] In der Abenddämmerung losgelöst streife ich umher, wo es mir beliebt. Darüber hinaus wird Brot herbeigebracht; von seinem Tisch gibt mir der Herr Knochen; die Hausgemeinschaft wirft mir Brocken und das, was ein jeder verschmäht, als Zukost zu. So wird ohne Mühe mein Bauch gefüllt.“ [25] „Wohlan, wenn der Gedanke ist, irgendwohin wegzugehen, gibt es dann eine Erlaubnis?“ „Die gibt es gewiss nicht.“ sagt er. „Genieße, was du lobst, Hund; ich will nicht den Herrn spielen, <nur> damit ich <dann> für mich selbst nicht frei bin.“Guaglianone 1969
Phaedr. 3,8,14-16
tu formam ne corrumpas nequitiae malis;
tu faciem ut istam moribus vincas bonis“.
„Ich will, dass ihr täglich den Spiegel benützt, du, damit du dein Äußeres nicht durch das Übel der moralischen Verkommenheit verunstaltest, und du, damit du deine Gestalt durch gutes Benehmen übertriffst."
Guaglianone 1969
Phaedr. 4,24
eratque in terris maxima exspectatio.
at ille murem peperit. †Hoc scriptum est tibi,
qui, magna cum minaris, extricas nihil.
Ein Berg wollte gebären, ließ gewaltiges Stöhnen ertönen und auf der Erde herrschte größte Erwartung. Aber jener gebar <nur> eine Maus. †Dies ist für dich geschrieben, der du, wenn du Großes androhst, nichts zustande bringst.
Guaglianone 1969
Phaedr. 4,25
Formica et musca
[Nihil agere quod non prosit fabella indicat.]formica et musca contendebant acriter
quae pluris esset. musca sic coepit prior:
„conferre nostris tu potes te laudibus?
moror inter aras, templa perlustro omnia;
ubi immolatur, exta praegusto deum;
in capite regis sedeo cum visum est mihi,
et matronarum casta delibo oscula.
laboro nihil atque optimis rebus fruor.
quid horum simile tibi contingit, rustica?“
„est gloriosus sane convictus deum,
sed illi qui invitatur, non qui invisus est.
aras frequentas? nempe abigeris, quom venis.
reges commemoras et matronarum oscula?
super etiam iactas tegere quod debet pudor.
nihil laboras? ideo, cum opus est, nil habes.
ego granum in hiemem cum studiose congero,
te circa murum pasci video stercore;
aestate me lacessis; cum bruma est siles.
mori contractam cum te cogunt frigora,
me copiosa recipit incolumem domus.
satis profecto rettudi superbiam.“
fabella talis hominum discernit notas,
eorum qui se falsis ornant laudibus,
et quorum virtus exhibet solidum decus.
Ameise und Mücke
[Die Fabel zeigt an, nichts zu tun, was nicht nützt.] Die Ameise und die Mücke stritten heftig darum, wer von mehr Bedeutung sei. Als Erste begann die Mücke so: „Kannst du dich mit meinen Verdiensten vergleichen? [5] Ich verweile zwischen den Altären und durchstreife alle Tempel; sobald geopfert wird, koste ich vorher Eingeweide für die Götter; ich sitze auf dem Kopf des Königs, wenn es mir gefällt, und raube keusche Küsse der vornehmen Damen; ich bemühe mich um nichts und genieße die besten Dinge. [10] Was wird dir zuteil, das diesem ähnlich ist, Bäuerin?“ „Geselliger Umgang mit den Göttern ist freilich ruhmreich, doch für jenen, der eingeladen wird, nicht für jenen, der unerwünscht ist. Du besuchst oft Altäre? Allerdings wirst du weggejagt, wenn du kommst. Du erwähnst Könige und Küsse vornehmer Damen? [15] Du prahlst auch über das, was zu verbergen der Anstand schuldet. Du bemühst dich um nichts? Daher hast du nichts, wenn es nötig ist. Während ich für den Winter eifrig Korn zusammensammle, sehe ich, dass du dich nahe bei der Mauer vom Mist ernährst. Im Sommer forderst du mich heraus; wenn es Winter ist, schweigst du. [20] Während die Kälte dich zwingt, erstarrt zu sterben, nimmt mich unversehrt mein fülliges Heim auf. Gewiss habe ich ausreichend deinen Hochmut zum Schweigen gebracht.“ Die Fabel unterscheidet solche Merkmale von Menschen, die sich mit nichtigen Verdiensten schmücken, [25] und solche, deren Leistung dauerhaften Ruhm gewährt.Guaglianone 1969
Phaedr. 4,6,11-13
periclitatur magnitudo principum;
minuta plebes facili praesidio latet.
Welches Volk auch immer ein trauriges Ereignis bedrückt, es ist die Größe der Anführer gefährdet, das kleine Volk versteckt sich in bequemem Schutz.
Guaglianone 1969
Phaedr. 4,7
Phaedrus
Tu qui, nasute, scripta destringis meaet hoc iocorum legere fastidis genus,
parva libellum sustine patientia,
severitatem frontis dum placo tuae
et in cothurnis prodit Aesopus novis.
„utinam nec umquam Pelii in nemoris iugo
pinus bipenni concidisset Thessala,
nec ad professae mortis audacem viam
fabricasset Argus opere Palladio ratem,
inhospitalis prima quae ponti sinus
patefecit in perniciem Graium et barbarum!
namque et superbi luget Aeetae domus,
et regna Peliae scelere Medeae iacent,
quae saevum ingenium variis involvens modis
illic per artus fratris explicuit fugam,
hic caede patris Peliadum infecit manus.
quid tibi videtur?“ „hoc quoque insulsum est“ ait
„falsoque dictum; longe quia vetustior
Aegaea Minos classe perdomuit freta
iustoque vindicavit exemplo impetum.“
quid ergo possum facere tibi, lector Cato,
si nec fabellae te iuvant nec fabulae?
noli molestus esse omnino litteris,
maiorem exhibeant ne tibi molestiam.
hoc illis dictum est, qui stultitia nauseant
et ut putentur sapere caelum vituperant.
Phaedrus
Du, Naserümpfer, der du meine Schriften kritisierst und Widerwillen empfindest, diese Gattung von Scherzen zu lesen, ertrage das Büchlein mit ein wenig Geduld, solange ich die Strenge deiner Stirn beschwichtige und Aesop in neuen Kothurnen [Erkl.: Schuh mit hoher Sohle, der von den Schauspielern getragen wurde] vortritt: „Wäre die thessalische Fichte doch niemals auf der Anhöhe des Waldes des Pelion durch die Doppelaxt niedergestürzt, hätte Argos doch nie für den kühnen Weg in den sicheren Tod mit Pallas’ Hilfe das Schiff erbaut, welches als Erstes die Bucht des unwirtlichen Meeres zum Verderben der Griechen und Barbaren eröffnet hat. Denn es trauert das Haus des stolzen Aietes und das Reich des Pelias liegt durch das Verbrechen Medeas am Boden, die, indem sie ihr wildes Wesen in unterschiedlichen Arten verhüllte, dort ihre Flucht durch die Glieder ihres Bruders ermöglichte und hier die Hände der Peliaden durch den Mord an ihrem Vater befleckte.“ Wie erscheint es dir? „Auch das ist geistlos“, sagt er, „und falsch erzählt, weil Minos lange vorher mit seiner Flotte das ägäische Meer bändigte und den Angriff rächte mit gerechtem Beispiel.“ Was kann ich also für dich tun, Leser Cato, wenn dich weder Fabeln erfreuen noch Tragödien? Sei der Literatur insgesamt nicht lästig, damit sie dir nicht größeren Verdruss bereitet. Dies ist für jene gesagt, welche aufgrund ihrer Dummheit Ekel zeigen und den Himmel tadeln, damit sie für klug gehalten werden.Guaglianone 1969
Phaedr. 5,3
Calvus et musca
Calvi momordit musca nudatum caput;quam opprimere captans alapam sibi duxit gravem.
tunc illa irridens: „Punctum volucris parvulae
voluisti morte ulcisci; quid facies tibi,
iniuriae qui addideris contumeliam?“
respondit: „Mecum facile redeo in gratiam,
quia non fuisse mentem laedendi scio.
sed te, contempti generis animal improbum,
quae delectaris bibere humanum sanguinem,
optem necare vel maiore incommodo“.
†hoc argumentum veniam ei dari docet
qui casu peccat. nam qui consilio est nocens,
illum esse quamvis dignum poena iudico.
Glatzkopf und Mücke
Die Mücke stach das entblößte Haupt eines Glatzkopfes; als er diese erschlagen wollte, gab er sich selbst eine heftige Ohrfeige. Dann sagte jene, ihn verlachend: „Den Stich eines kleinen Flügeltiers wolltest du mit dem Tode rächen. Was aber wirst du mit dir machen, [5] der du zur unrechtmäßigen Tat noch eine Beleidigung hinzugefügt hast?“ Er antwortete: „Mit mir versöhne ich mich leicht, weil ich weiß, dass es nicht <meine> Absicht war, mich zu verletzen. Aber dich, du unverschämtes Tier einer verachteten Art, die du dich daran erfreust, menschliches Blut zu trinken, [10] möchte ich töten auch mit größerem Schaden.“ Diese Fabel lehrt, dass demjenigen Gnade gewährt wird, der zufällig einen Fehler begeht. Denn ich urteile, dass jener, der mit Absicht schadet, einer Strafe gar sehr würdig ist.Guaglianone 1969
Plat. Hipp.mai. 283b
Und viele meinen ebenfalls, dass gerade der Weise am meisten für sich selbst weise sein muss.
Burnet 1985
Plaut. Curc. 76–81
nomen Leaenaest, multibiba atque merobiba.
PA. quasi tu lagoenam dicas, ubi vinum Chium
solet esse. PH. quid opust verbis ? vinosissuma est;
eaque extemplo ubi vino has conspersi fores,
de odore adesse me scit, aperit ilico.
Phaedromus: Hier pflegt eine alte Frau zu schlafen, eine Wächterin und Pförtnerin, ihr Name ist Leaena, eine vieltrinkende und weinsaufende Frau.
Palinurus: Als würdest du von einem Krug erzählen, in dem sich gewöhnlich Chierwein befindet. Phaedromus: Was soll ich groß sagen? Sie ist äußerst trunksüchtig; und sobald ich diese Tür mit Wein bespritzt habe, erkennt sie sofort am Duft, dass ich da bin, und öffnet sie sogleich.
Lindsay 1968 Leaena Phaedromus Palinurus Trunkenheit Wein
Plaut. Curc. 96–100
eiius amor cupidam me huc prolicit per tenebras.
ubi ubi est, prope me est. evax, habeo!
salve, anime mi, Liberi lepos.
ut veteri’ vetu’ tui cupida sum!
Leaena: Die Blüte des alten Weines ist zu meinen Nasenlöchern gelangt, die Liebe zu ihm lockt mich Begierige durch die Dunkelheit hierher. Wo auch immer sie ist, sie ist nahe bei mir. Juhu, ich habe sie! Ich grüße dich, mein Herz, Freude des Bacchus! Wie gierig ich Alte nach deinem Alter bin!
Lindsay 1968 Leaena Trunkenheit Wein
Plaut. Merc. 361-362
nec sacrum nec tam profanum quicquamst, quin ibi ilico adsit.
Eine Mücke ist mein Vater; nichts kann vor jenem geheim gehalten werden, nichts ist ihm so heilig oder profan, dass er dort nicht dabei wäre.
Lindsay 1968
Plaut. Mil. 315-316
Scel. quid, nusquam? Pal. non ego tuam empsim vitam vitiosa nuce.
Pal: Befiehlst du, dass dir die Augen ausgestochen werden, mit denen du das siehst, was nirgends ist? Sce: Was heißt hier ‚nirgends‘? Pal: Ich würde für dein Leben keine taube Nuss geben.
Lindsay 1974
Plut. mor. 143e
Immer und überall muss man es vermeiden, dass die Frau sich dem Mann verhasst macht und der Mann der Frau; am meisten aber muss man sich hüten, dies zu tun beim gemeinsamen Ruhen und Schlafen. Die Frau nämlich, die in den Wehen lag und sie schwer ertrug, sprach zu denen, die sie ins Bett brachten: „Wie dürfte das Bett wohl das heilen, das ich mir auf dem Bett zuzog?“ Die Streitigkeiten aber und Schmähungen und Erbitterungen, die das Bett schafft, kann man nicht leicht an einem anderen Ort oder Zeitpunkt lösen.
Gaertner 1974 Mann Frau Schlaf Bett Geburt
Pomp. Trog. 43,4,4-5
Er knüpft auch jene Fabel an: Irgendwann einmal habe eine schwangere Hündin von einem Hirten mit Bitten einen Ort erbeten, an welchem sie gebären könne. Nachdem dieser <Ort> erlangt worden war, habe <die Hündin> zum wiederholten Mal gebeten, dass es ihr erlaubt sei, die Hündchen an demselben Ort zu aufzuziehen; zuletzt habe sie, nachdem die Hündchen herangewachsen waren, das Besitzrecht des Ortes für sich beansprucht, das durch ihre häusliche ‚Besetzung‘ bestärkt worden war. Nicht anderes werden zukünftig die Massilier, die jetzt lediglich als Mieter erscheinen, irgendwann einmal Herrscher der Gebiete sein. Dadurch angeregt bereitete der König den Massiliern einen Hinterhalt.
Seel 1972
Prop. 2,33,41–44
est quiddam, quod vos quaerere cogat Amor.
semper in absentis felicior aestus amantis:
elevat assiduos copia longa viros.
Kein Mädchen zieht sich gerne alleine ins Bett zurück: Es gibt etwas, wonach euch Amor zu suchen zwingt. Leidenschaft ist immer größer, wenn die Geliebten abwesend sind: Langer Vorrat schwächt die beständig gegenwärtigen Männer.
Fedeli 1984 Amor Bett Liebe
Publil. Syr. B 9
Zweimal begehst du einen Fehler, immer wenn du dem, der einen Fehler macht, Gehorsam leistest.
Friedrich 1964
Publil. Syr. M 30
Publil.Syr.Publil. Syr. M 65
Die Zahmen sind sicherer, aber dienen als Sklaven.
Friedrich 1964
Publil. Syr. Q 64
Wer gegen seinen Willen als Sklave dient, wird elend, dient aber dennoch.
Friedrich 1964
Quint. inst. 1,3,8-10
Eine gewisse Entspannung muss dennoch allen gegeben werden, nicht nur, weil es keine Sache gibt, die dauernde Belastung ertragen kann […], sondern auch, weil der Eifer zu lernen auf Freiwilligkeit, die nicht erzwungen werden kann, beruht. Deshalb bringen die erholten und erfrischten <Schüler> mehr Kräfte zum Lernen und einen scharfsinnigeren Geist mit, der sich den Zwängen gewöhnlich widersetzt. Ich dürfte mich nicht über das Spiel bei Jungen ärgern (Es ist auch dies ein Zeichen von Begeisterung).
Winterbottom 1970
Rhet. Her. 3,22
Das Nachlassen eines beständig lauten Tonfalls bewahrt die Stimme: Und gewiss erfreut Abwechslung den Zuhörer besonders, wenn sie mit einem Gesprächston das Gemüt zügelt oder mit einem lauten Tonfall erregt.
Marx 1964
Rom. 12 Th. (r. g.)
Schmeichelnde Worte eines schlechten Menschen bewirkenschlimme entehrende Behandlung. Dass wir alle diese meiden sollen, davor mahnen die untenstehenden Zeilen. – Eine Hündin, die vor der Niederkunft stand, bat ein Mutterschwein, dass sie in dessen Lager die Leibesfrucht ablegen könne. Jenes aber gewährte der Bittenden Einlass. Als sie aber die Geburt vollzog, bat sie später wiederum, dass sie erst mit ihren gekräftigten Hündchen hinausgehe. Jene gab der Bittenden auch dieses Mal nach. Nach kurzer Zeit begann sie, ihr Lager zurückzufordern und jene zu zwingen auszuziehen. Und jene sagte so aus Groll: Was störst du mich? Warum begegnest du mir so unrechtmäßig? Wenn du aber stärker bist als wir, werde ich dir den Ort zurückgeben. – So verlieren irgendwann einmal das Ihre, die anderen durch schmeichelnde Worte glauben.
Thiele 1985
Rom. 14 Th. (r. g.)
Ein Weiser gab über die unpassend Lachenden eine solche Fabel zum besten. Ziemlich viele Menschen fügen in der Tat, sooft sie für sich Gelächter bereiten, anderen freilich eine schmachvolle Behandlung zu, sich aber bürden sie Schlechtes auf. Und das, so wie der Esel dem Eber begegnete und sagte: „Sei gegrüßt, Bruder!“ Der empörte Eber schwieg heuchelnd und schüttelte den Kopf. „Er soll sich doch von mir fernhalten“, sagte er, „damit ich meine Zähne nicht durch unbedeutendes Blut besudle. Denn es gebührte sich, ihn verletzend oder zerfetzt zurückzulassen.“ Diese Fabel mahnt dazu, Unverständige schonen zu müssen, Dumme aber abzuwehren, die es wagen, Höhergestellte zu beleidigen.
Thiele 1985
Rom. 20 Th. (r. g.)
Jeder, der Würde verliert, soll seine ehemalige Tollkühnheit ablegen, um nicht von jedem Beliebigen Unrecht zu erleiden, wie es diese Fabel beweist. Als der durch die Jahre altersschwacher und an seinen Kräften ermatteter Löwe den letzten Atem holend dalag, kam der zornige Eber, der mit blitzenden Hauern schäumte, zu diesem und rächte einen alten Stoß. Der Stier durchbohrte mit den Hörnern den feindlichen Körper des Löwen. Als der Esel das wilde Tier so sah, öffnete er jenem mit den Hufen die Stirn. Und jener soll mit einem Seufzen tief Atem holend so gesprochen haben: „Als meine Tatkraft <noch> da war, gab es Ehre und Furcht, sodass alle flohen, nachdem sie mich gesehen hatten, und mein Ruf selbst erschreckte die Mehrheit. Obwohl ich diese, für die ich sogar ein Helfer war, wohlwollend nicht verletzte, handeln sie selbst mir gegenüber böswillig. Und weil ich ohne Kräfte bin, gibt es keine ehemalige Ehre.“ Diese Fabel ermahnt, in hoher Stellung milde zu sein.
Thiele 1985
Rom. 32 Th. (r. v.)
Dass der einem jedem der Nächste ist, der gegenüber jenem Barmherzigkeit zeigt. – Der Hund soll zu dem Lamm, das zwischen Ziegen umherirrte, gesagt haben: „Die Ziege ist nicht deine Mutter.“ Und er zeigte dem Lamm fernhin die Schafe, die (von der Herde) abgesondert waren. Und das Lamm sagte: „Ich suche nicht jene Mutter, die mich geboren hat und [neun] Monate hindurch getragen hat, sondern die, die mich ernährt hat und das Euter bis jetzt gegeben hat, ihre Jungen aber um die Milch betrügt, damit mir die Milch nicht fehlt.“ Der Hund entgegnete dem Lamm: „Jene Mutter ist dir eher die eigene, die dich geboren hat, als die, die dich ernährt hat.“ Und das Lamm, sagte: „Es ist so, wie du sagst; aber jene, wie es erlaubt war, gehorchte der Natur, ohne zu wissen, was es sei, ein Männchen oder ein Weibchen. Was nützt das männliche Junge den Schafen, außer, dass er für diese eine Last ist, ein Gewinn für die Menschen? Und bei jenen ist es zweifelhaft, dass irgendjemand die Treue für sich (er-)hält.“
Thiele 1985
Rom. 40 Th.
Wenn Betrüger <sich etwas> borgen, bringen sie schlechte Bürgen vor, wie diese Fabel erzählt. – Ein Hirsch bat ein Schaf, ihm einen Scheffel Weizen zu geben, nachdem ein Tag festgesetzt worden war, an dem er <ihn> ihm wiedergeben müsse, wobei der Wolf anwesend und Bürge war. Das Schaf versprach <es> für jetzt, erschrocken durch die Gegenwart des Feindes. Als der Hirsch zu diesem kam, sprach das Schaf folgendermaßen zum Hirsch: „Wenn der Tag gekommen ist, wer wird mir zurückgeben, was ich dir geben werde? Du zerstampfst mit der Klaue das Feld, der Wolf durchstreift <es>, wo er will <und> groß sind eure Betrügereien. – Diese Fabel lehrt, wem auch immer <nur> mit Vorsicht zu glauben.
Thiele 1985
Rom. 44 Th. (r. g.)
Über zu wenig Kluge erzählte der Autor (Aesop) folgende Fabel: Der Wolf fand auf dem Feld einen Tragödienschauspieler, den er einmal und abermals umdrehte. „Welch ein Anblick“, sagte er, „und hat doch kein Gehirn!“ Dies ist über jene gesagt, die Ruhm und Ehre, aber keinerlei Verstand haben.
Thiele 1985
Sen. benef. 1,6,1
Was also ist eine Wohltat? Eine wohlwollende Handlung, die Freude verleiht und sie durch das Verleihen erhält für das, was sie macht, geneigt und aus eigenem Antrieb bereit.
Préchac 1961
Sen. benef. 2,29,1
Sieh, wie ungerecht die Beurteiler göttlicher Gaben sind, und vor allem die, die sich zur Philosophie bekannt haben. Sie klagen, dass wir an Körpergröße nicht den Elefanten gleichkämen, an Schnelligkeit nicht den Hirschen, an Leichtigkeit nicht den Vögeln und an Ungestüm nicht den Stieren; dass große Tiere eine festere Haut hätten, Rehe eine schönere, Bären eine dickere und Biber eine geschmeidigere; dass die Hunde uns an Spürsinn ihrer Nase überträfen, Adler mit ihrer Sehkraft, Raben durch die Dauer ihres Lebens und viele Tiere mit ihrer Gewandtheit im Schwimmen.
Préchac 1961
Sen. benef. 3,21,2
Alles, was das Maß einer sklavischen Pflicht überschreitet, was nicht auf Befehl, sondern aus freiem Willen geleistet wird, ist ein gutes Verdienst[.]
Préchac 1961
Sen. benef. 3,31,3
Willst du wissen, eine wie kleine Wohltat es ist, ein Leben so zu schenken? Du hättest <mich> ausgesetzt; natürlich war es ein Unrecht gezeugt zu haben. Was ich daraus folgere? Dass der Beischlaf des Vaters und der Mutter eine ganz kleine Wohltat ist, wenn nicht anderes hinzugekommen ist, das diesen Beginn des Geschenks begleitet und durch andere Dienste gültig macht.
Préchac 1961
Sen. dial. 3,12,4
Nicht Pflichtgefühl erregt jenen Zorn, sondern Schwäche, wie bei Jungen, die sowohl nach dem Verlust der Eltern als auch nach dem ihrer Nüsse weinen.
Reynolds 1977
Sen. dial. 9,17,4-5
Der Geist darf nicht gleichmäßig in derselben Anspannung zurückgehalten werden, sondern muss zu Späßen gerufen werden. Sokrates schämte sich nicht mit kleinen Jungen zu spielen. [...] Den geistigen Kräften muss Erholung gegeben werden: Erholt werden sie besser und schärfer wachsen.
Reynolds 1977
Sir Roger L’Estrange 141
A man and two wives
It was now Cuckow Time, and a certain middle-ag’d Man, that was half grey, half brown, took a fancy to marry two Wives, of an Age one under another, and happy was the Woman who could please him best. They took mighty Care of him to all manner of Purposes, and still as they were combing the good Man’s Head, they’d be picking out here and there a Hair to make it all of a Colour. The matronly Wife, she pluck’d out all the brown Hairs, and the younger the white: So that they left the Man in the Conclusion no better than a bald Buzzard betwixt them. The moral: ‘Tis a much harder Thing to please two Wives, than two Masters; and he’s a bold Man that offers at it.L‘Estrange 1692 alte;Frau junge;Frau Mann Liebe Beziehung Täuschung Konkurrenzkampf Haare Geschlechterrollen
Syntipas 19 (406) P.
Κύνες λέοντος δορὰν σπαράττοντες
Λέοντος δορὰν κύνες εὑρόντες διεσπάραττον ταύτην. τούτοις δὲ ἀλώπηξ ἰδοῦσα ἔφη „εἰ οὗτος ὁ λέων τοῖς ζῶσι συνῆν, εἴδετε ἂν τοὺς αὐτοῦ ὄνυχας ἰσχυροτέρους τῶν ὑμετέρων ὀδόντων.“ Οὗτος δηλοῖ πρὸς τοὺς τῶν ἐνδόξων καταφρονοῦντας, ὅταν τῆς ἀρχῆς καὶ δόξης ἐκπίπτωσι.Die Hunde, die das Fell des Löwen zerreißen.
Das Fell eines Löwen hatten Hunde gefunden und zerrissen dieses völlig. Diesen sagte ein Fuchs, der das gesehen hatte: „Wenn dieser Löwe <noch> unter den Lebenden weilte, würdet ihr sehen, dass seine Krallen stärker als eure Zähne sind.“ Diese Fabel richtet sich an diejenigen, die auf angesehene Personen herabblicken, wenn sie ihrer Macht und ihres Ruhms beraubt sind.Perry 1952
Syntipas 28 (406) P.
ΚΥΩΝ ΚΡΕΑΣ ΦΕΡΩΝ
Kύων ἁρπάσας βρῶμα ἐκ μακελλίου ᾤχετο φυγὰς ἐκεῖθεν καὶ ἔφθασεν ἐπί τινα ποταμόν. περαιούμενος δὲ αὐτὸν ὁρᾷ ἐν τοῖς ὕδασι τὴν τοῦ βρώματος σκιὰν πολλῷ οὖσαν οὗ ἔφερεν εὐμεγεθεστέραν, καὶ τοῦ στόματος ἀπορρίψας τὸ βρῶμα ἐπὶ τὴν ὁραθεῖσαν αὐτοῦ σκιὰν κατηπείγετο. τῆς δὲ ἀφανοῦς γενομένης, στραφεὶς ὁ κύων τὸ ἀπορριφὲν ἆραι, οὐδὲν ἐφεῦρε τὸ σύνολον∙ καὶ γὰρ ἐκεῖνο παρά τινος καταπτάντος κόρακος εὐθὺς ἡρπάγη καὶ κατεβρώθη. εἶτα ὁ κύων ἑαυτὸν ἐταλάνιζε, „τί ἄρα πέπονθα“, λέγων, „ὅτι ὃ εἶχον ἀφρόνως καταλιπὼν ἐφ᾿ ἕτερον ἀφανὲς ἠπειγόμην, κἀκείνου ἀποτυχὼν καὶ τοῦ προτέρου ἐξέπεσον.“ οὗτος δηλοῖ περὶ τῶν τοὺς ἀκορέστως ἐχόντων καὶ τῶν περιττῶν ὀρεγομένων.Der Hund mit dem Fleisch
Ein Hund hatte eine Speise aus einer Metzgerei geraubt, flüchtete schnell von dort und gelangte zu einem Fluss. Als er ihn durchquerte, sah er in dem Wasser den Schatten der Speise, welcher viel größer war, als das, was er trug. Und er ließ aus dem Mund die Speise fallen und drängte nach dem erblickten Schatten. Als dieser aber verschwunden war, wandte sich der Hund, das Fallengelassene aufzuheben und fand es nun gar nicht mehr. Jenes war nämlich von einem zuvor versteckten Raben sofort geraubt und verzehrt worden. Da beklagte sich der Hund: „Was ist mir da passiert,“ sagte er, „weil ich, was ich hatte, töricht verlor und nach etwas anderem Spurlosen drängte. Und jenes habe ich nicht erreicht und das Frühere verlor ich.“ Diese Fabel macht eine Aussage über Unzufriedene und über allzu sehr Begehrende.Perry 1952
Tac. ann. 12,7
Nicht fehlten diejenigen, die eifrig bezeugten, dass sie, wenn der Kaiser zögere, Gewalt anwenden würden, und aus der Curia herausstürmten. Eine buntgemischte Menge scharte sich zusammen und schrie laut, dass das römische Volk dasselbe bitte. Und Claudius wartete nicht länger, trat ihnen beim Forum entgegen und zeigte sich denen, die Glückwünsche vorbrachten, betrat den Senat und forderte einen Beschluss, mit dem Hochzeiten zwischen Onkeln und den Töchtern ihrer Brüder auch in Zukunft als rechtmäßig festgesetzt würden. Und dennoch ließ sich keiner außer Alledius Severus, ein römischer Ritter, als einer, der eine solche Ehe begehrte, finden, der <nur> – wie die meisten es erzählten – aus Gefälligkeit gegenüber Agrippina <dazu> angetrieben wurde. Seitdem war die Gesellschaft verwandelt, und alles gehorchte einer Frau, die nicht mittels Zügellosigkeit, wie Messalina, ihr Spiel mit dem römischen Reich trieb. Die Knechtschaft war straff geregelt und gleichsam männlich: In der Öffentlichkeit <zeigte sie> Strenge und öfters Überheblichkeit. Zu Hause gab es nichts Unzüchtiges, außer es war der Herrschsucht nützlich. Ihre riesige Geldgier besaß einen Vorwand, weil angeblich für Ihre Alleinherrschaft Unterstützung geschaffen werde.
Heubner 1994
Tac. ann. 2,87
Weil das Volk sich über die Teuerung des Getreides beklagte, beschloss <Kaiser Tiberius> einen Preis für das Getreide, den der Käufer bezahlen solle, und dass er je zwei Sesterzen den Händlern zu den einzelnen Scheffeln hinzugeben werde. Und dennoch nahm er deswegen nicht den Titel Pater Patriae an, der ihm auch vorher dargebracht worden war, und schalt diejenigen, die seine Staatsgeschäfte vortrefflich und ihn selbst als Dominus bezeichneten, heftig. Daher der eingeschränkte und unsichere Sprachgebrauch unter dem Kaiser, der die Freiheit fürchtete und Schmeichelei hasste.
Heubner 1994
Ter. Haut. 922-923
foris sapere, tibi non posse te auxiliarier?
Ist es etwa keine Schande, dass du anderen Rat erteilst, dass du auswärts klug bist, dir aber selbst nicht helfen kannst?
Kauer/Lindsay 1977
Val.Max. 6,2(ext)2
Während alle Syrakusaner mit ihren Gebeten den Tod des Tyrannen Dionysios wegen seiner allzu harten Sitten und der unerträglichen Lasten erbaten, betete einzig eine hochbetagte Frau täglich zur Morgenstunde zu den Göttern, dass er gesund bleibe und sie überlebe. Sobald dieser das in Erfahrung gebracht hatte, rief er sie, weil er sich über das ihm nicht geschuldete Wohlwollen wunderte, zu sich und fragte sie, warum sie das mache und wie er es verdient habe. Dann sagte jene: „Der Grundgedanke meines Beginnens steht außer Frage: Als Mädchen, als wir einen schwer zu ertragenden Tyrannen hatten, wünschte ich, von ihm frei zu sein. Als dieser getötet worden war, besetzte ein noch abscheulicherer die Burg. Dass auch dessen Gewaltherrschaft beendet würde, hielt ich für sehr wichtig. Als dritten begannen wir dich zum Herrscher zu haben, der du noch brutaler bist als die Vorherigen. Deshalb weihe ich mein Leben deinem Heil, damit kein noch Schlechterer an deine Stelle rückt, wenn du aus dem Weg geräumt wirst.“ Dionysios schämte sich, solch amüsante Verwegenheit zu bestrafen.
Shackleton Bailey 2000 Politik Staat Herrschaft
Varro rust. 1,2,17
Agrius sagt(e): Du nimmst als Flötenspieler nicht nur dem Herrn das Vieh, sondern auch den Sklaven den Sparpfennig, diesen (=den Sklaven) geben die Herren <den Sparpfennig>, damit sie sich daran weiden […].
Goetz 1929
Verg. georg. 1,1-12a
vertere, Maecenas, ulmisque adiungere vitis
conveniat, quae cura boum, qui cultus habendo
sit pecori, apibus quanta experientia parcis,
hinc canere incipiam. vos, o clarissima mundi
lumina, labentem caelo quae ducitis annum;
Liber et alma Ceres, vestro si munere tellus
Chaoniam pingui glandem mutavit arista
poculaque inventis Acheloia miscuit uvis;
et vos, agrestum praesentia numina, Fauni,
(ferte simul Faunique pedem Dryadesque puellae:
munera vestra cano);
Was Saaten fruchtbar macht, bei welchem Gestirn man den Erdboden pflügen und Reben an Ulmen anbinden soll, Maecenas, welche Sorgfalt für die Rinder nötig ist, welche Pflege bei der Haltung des Kleinviehs, wieviel Erfahrung man für die sparsamen Bienen braucht, [5] das will ich hier anfangen zu besingen. Ihr, o ihr strahlendsten Lichter des Weltalls, die ihr das dahingleitende Jahr am Himmel führt; und ihr, Liber und nährende Ceres, wenn die Erde durch eure Gabe die chaonische Eichel gegen die ergiebige Ähre tauschte und in acheloische Becher den entdeckten Wein mischte; [10] und ihr Faune, ihr hilfreichen Gottheiten der Landleute – ihr Faune und ihr Baumnymphen, kommt zugleich: Ich besinge eure Gaben.
Mynors 1990
Verg. georg. 4,1-5
exsequar: hanc etiam, Maecenas, aspice partem.
admiranda tibi levium spectacula rerum
magnanimosque duces totiusque ordine gentis
mores et studia et populos et proelia dicam.
Alsbald werde ich von den himmlischen Gaben des luftigen Honigs erzählen: Betrachte auch diesen Teil, Maecenas. Ich werde dir von den bewundernswerten Schauspielen der kleinen Staaten und von den großgeistigen Anführern, der Reihe nach von den Sitten der gesamten Art sowie von den Bemühungen und den Völkern und den Schlachten erzählen.
Mynors 1990
Xen. mem. 2,7,13-14
Dann sagte Sokrates: „Und erzählst du ihnen dann nicht die Hundefabel? Man sagt nämlich, als die Tiere noch sprechen konnten, da habe das Schaf zu seinem Herrn gesagt: ‚Du handelst erstaunlich, der du uns, die wir dir Wolle, Lämmer und Käse bereiten, nichts gibst, was wir nicht <sowieso> von der Erde nähmen, mit dem Hund aber, der dir nichts Solches bereitet, teilst du sogar die Nahrung, die du selbst isst.‘ Der Hund habe das gehört und gesagt: ‚Beim Zeus! Denn ich bin doch der, der auch euch selbst beschützt, sodass ihr weder von Menschen gestohlen noch von Wölfen gerissen werdet. Denn wenn ich euch nicht bewachen sollte, könntet ihr nicht einmal weiden, da ihr in Furcht wärt zu sterben.‘ So sollen es auch die Schafe dem Hund zugestanden haben, ihnen vorgezogen zu werden. Nun sage auch du jenen, dass du anstelle des Hundes ihr Wächter und Haushälter bist und dass sie durch dich von nichts und niemandem Unrecht erleiden und sicher und angenehm bei ihrer Arbeit leben können.“
Hude 1934
Verwendete Textausgaben
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