Abschluss der zweiten Runde

Am Freitag, dem 24. Mai 2019, fand zum zweiten Mal der SchülerInnenkongress am Institut für Klassische Philologie der Karl-Franzens-Universität Graz statt. Er stellte für die beteiligten Schulen die öffentliche Abschlussveranstaltung des zweiten Arbeitszyklus des Sparkling Science-Projekts „GRaF“ dar, das vom BMBWF gefördert und von Prof. Dr. Ursula Gärtner geleitet wird. Im Verlauf des vergangenen Schuljahrs hatten SchülerInnen die Möglichkeit, sich gemeinsam mit Studierenden und WissenschaftlerInnen mit antiken Fabeln auseinanderzusetzen und diese für eine Sammlung in einem Webportal mit Anmerkungen, Fragen und Antworten zu versehen. Der SchülerInnenkongress stellte wie im letzten Jahr die Gelegenheit dar, sich mit den erarbeiteten Fabeln kreativ auseinanderzusetzen und die Ergebnisse vor einem kritischen Publikum zu präsentieren. Auch dieses Mal hatten sich fünf Schülergruppen beteiligt; mit nahezu 70 BesucherInnen war der Hörsaal gut gefüllt.

Photo from the GRaF project

Vom Papier zur Webansicht

Eröffnet wurde der Nachmittag von Frau Prof. Gärtner, die einen Rückblick auf die letzten Monate und die gemeinsam geleistete Arbeit gab. Frau Sarah Lang, zuständig für Entwicklung und Betreuung des Webportals, stellte die aktuelle Version vor, d.h. Konzept und Aufbau, dann vor allem die Benutzungsmöglichkeiten anhand der bereits eingegeben Fabeln. Den SchülerInnen wurde so vorgestellt, welche Metamorphose die von ihnen bearbeiteten Texte inzwischen durchlaufen hatten. Nach dem Ausfüllen von Frageböden zur Evaluierung des Projekts konnten die Präsentationen beginnen.

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Ein erzählter Comic

Den Anfang machten die beiden VertreterInnen des Akademischen Gymnasiums (Graz). Sie hatten sich mit der Fabel vom alternden Löwen und dem Fuchs (Aisop. 142 P.) auseinandergesetzt. Hierzu hatten sie eine Fortsetzung geschrieben, in der die Witwe des Löwen alle Tiere einlädt, die in ihren Reden und ihrem Verhalten ihre ganz eigenen Interessen erkennen lassen. Die mitreißend vorgetragene Erzählung wurde durch die Präsentation eines Comics bebildert.

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Multimediale Überlegungen zur Leichtgläubigkeit

Die Gruppe des Lise-Meitner-Gymnasiums (Falkensee) war wieder extra aus der Nähe von Berlin angereist, bereits zum zweiten Mal in diesem Projekt. Die SchülerInnen hatten sich mit einer ungewöhnlichen Fabel beschäftigt, nämlich mit Phaedr. 3,10, in der nach mythologischen Beispielen zu Figuren, die Glauben fanden oder nicht, erzählt wird, wie ein Mann den Verleumdungen seines Freigelassenen glaubt, seinen Sohn umbringt, da er ihn für den Liebhaber seiner Frau hält, und sich selbst tötet; als schließlich auch noch die Frau angeklagt wird, muss Augustus den Rechtsfall lösen. Die SchülerInnen führten dies in einem Comic vor, diskutierten dabei auch wichtige Fragen wie etwa die nach der erstaunlichen Länge der Fabel. Die Fabel vom schlauen Fuchs, der sich durch die Leichtgläubigkeit des Ziegenbocks aus einem Brunnen retten kann, (Phaedr. 4,9) wurde in einem Sketch, der die Szene in einen Bauernmarkt verlegt, vorgestellt und durch die Leichtgläubigkeit mit der ersten Fabel in Verbindung gebracht. Folgerung war: Glaubt keinem.

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Unerwartete Reaktionen

Vom Bundesgymnasium Rein waren gleich drei Gruppen angereist, die ein ganz unterschiedliches Programm boten. Die Klasse 7c hatte auf aufwendige Präsentationen verzichtet, konnte aber durch höchst geistreiche und amüsante Neudichtungen von Tierfabeln überzeugen. So hörte man etwa Fabeln von Frosch, Regenwurm und Franzosen, von Maus und Storch, von Krähe und Schwein, von Esel und Elster oder von Schwein und Esel. Reizvoll wurden diese Fabeln durch die Kombination von fabeltypischen Tieren und ihrem Verhalten mit ungewöhnlichen Tieren bzw. unerwarteten Reaktionen sowie durch Wortwitz. Deutlich war, dass sich die SchülerInnen intensiv mit Aufbau und Funktion von Fabeln beschäftigt hatten, um sie so treffend umzusetzen.

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Ein tierischer Film und ein Gerichtsfall

Die zweite Klasse (6b) hatte sich die Fabel vom Esel und altem Löwen vorgenommen und hieraus einen Kurzfilm gedreht. Auch wenn dies nicht direkt angesprochen wurde, so war bemerkenswert, dass nun eine Fabel, in der Tiere für Menschen stehen und daher vermenschlicht dargestellt werden, in einem Film inszeniert wurde, in dem Menschen Tiere darstellten, wobei sie durch Masken tierische Züge annahmen. Der Film war so kurz wie erheiternd.

Den Abschluss bot die Gruppe aus den Klassen 7a und 7b mit einer szenischen Darbietung einer der häufigen Gerichtsfabeln von Phaedrus. Alle Positionen von Richter, Angeklagtem, Verteidiger, Ankläger bis hin zu den Zeugen waren mit Tieren besetzt. Besonderen Reiz erhielt diese Ausweitung der Phaedrusfabel dadurch, dass die Tiere ihre ‚Vorgeschichte‘ aus anderen Fabeln miteinbringen konnten. Auch dieser Auftritt war knapp und geistreich.

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Preisverleihung

Alle Präsentationen überzeugten durch Ideenreichtum und Engagement. Die Veranstaltung ist ausdrücklich nicht als Wettbewerb konzipiert; ein Preis ist als symbolische Anerkennung gedacht. Die Kriterien waren: Einbindung der eigenen wissenschaftlichen Forschung, Vergleich Antike/Heute, Originalität, Präsentation. Die Jury bestand aus WissenschaftlerInnen und den beteiligten Studierenden. Die VertreterInnen des Lise-Meitner-Gymnasiums durften sich über ihren verdienten 1. Preis freuen.

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