Ein internationaler Workshop

Am 9. und 10. November 2018 fand ein internationaler Workshop zur Antiken Fabel statt. Anlass war der Abschluss des ersten Durchgangs des Projekts.

Ziel war es zum einen, die bisherigen Ergebnisse vorzustellen, zum anderen, ein Podium für die neusten Ansätze der Fabelforschung zu schaffen.

Photo from the GRaF project

Von Interfiguralität bis Fachdidaktik am Freitag

Nach der Begrüßung durch Frau Prof. Ursula Gärtner eröffnete ein Urgestein der Phaedrusforschung die Tagung. Prof. Andreas Fritsch, der sich in zahlreichen Veröffentlichungen fachwissenschaftlicher wie fachdidaktischer Art mit Fabel beschäftigt hat, zeigte anhand der Fabel 1,15, wie viele Deutungsansätze diese ‚politisch unkorrekte‘ Fabel bietet.

Dr. Johannes Park stellte anschließend Thesen aus seiner Dissertation vor, in der er das Konzept der Interfiguralität gewinnbringend auf Phaedrus’ Fabelbücher übertrug.

Frau Prof. Ursula Gärtner demonstrierte an dem längsten Phaedrusgedicht (3,10), wie der Leser gerade hier, wo es um angebliche Fakten, Rechtsprechung und Glauben geht, eher verunsichert wird.

Prof. Peter Kuhlmann zeigte aus fachdidaktischer Sicht, dass Phaedrusfabeln durchaus, wenn vielleicht nicht mehr aus einst angenommenen Gründen, eine geeignete Schullektüre darstellen.

Der Vortrag von Frau Dr. Margot Neger zu Phaedrus und Martial musste leider krankheitshalber entfallen; in dem freundlicherweise zur Verfügung gestellten Manuskript zeigte sie verblüffende Parallelen auf und gab auch plausible Erklärungen.

Tierreden, Metapoetik, Intertextualität und Gesang zum Abschluss

Den Samstag eröffnete Frau Dr. Hedwig Schmalzgruber mit einem breit angelegten Vortrag zur Rolle von Tierreden bei antiken Fabelautoren, in dem sie auch Ansätze der Cultural Animal Studies einbrachte.

Mag. Lukas Spielhofer zeigte in seinem Beitrag, wie Babrios spielerisch in seinen Fabeln metapoetische Aussagen in deutlichem Bezug zu Kallimachos einbaut.

Mag. Alexander Praxmarer wies anschließend nach, wie der spätantike Dichter Avian seine scheinbar schlichten Fabeln durch intertextuelle Bezüge zu Vergil und Ovid eine unerwartete Tiefendimension verleiht.

Heiteren Abschluss bildete Prof. Niklas Holzberg, der nicht nur die Äsopischen Geschichten in Meisterlied, Spruchgedicht und comedi des Hans Sachs und die fiktionale Vita des Fabelerzählers vorstellte, sondern auch eine Gesangsprobe zum besten gab.

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Es bleibt spannend in der Fabelforschung

Alle Vorträge sowie die angeregten Diskussionen zeigten, wie viel Fabelforschung heute leisten kann und wie viel hier noch getan werden muss. Eine Nachfolgetagung im Herbst 2020 ist bereits in Planung.

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