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      <titleStmt>
        <title>
          <quote>Die Ebenen der Wirklichkeit in der
                    Literatur</quote>
          <date>1978</date>
        </title>
        <author>Calvino, Italo</author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <idno type="PID">o:reko.calv.1978</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl type="source">Italo Calvino: &quot;Die Ebenen der Wirklichkeit in der Literatur&quot;,
                    in: <hi rend="italic">Kybernetik und Gespenster. Überlegungen zu Literatur und
                        Gesellschaft.</hi> Aus dem Italienischen von Susanne Schoop. München/Wien:
                    Carl Hanser Verlag 1984, S. 140-156. ISBN 3-446-13942-7.</bibl>
        <bibl type="first_edition">Vortrag anlässlich des internationalen Kongresses <hi rend="italic">I livelli della realtà</hi> in Florenz (September 1978). &quot;I
                    livelli della realtà in letteratura&quot;, in: <hi rend="italic">Una pietra sopra:
                        discorsi di letteratura e società. </hi>Turin: Giulio Einaudi 1980. (= Gli
                    struzzi. 219.). ISBN 88-06-49874-6 [Die deutsche Ausgabe wurde vom Autor neu
                    zusammengestellt].</bibl>
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          <category xml:id="rek.genre">
            <catDesc>Genre</catDesc>
            <category>
              <catDesc>Vortrag</catDesc>
            </category>
          </category>
          <category xml:id="rek.media">
            <catDesc>Media</catDesc>
            <category>
              <catDesc>Literatur</catDesc>
            </category>
          </category>
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        <p xml:id="P.1">
          <pb n="140"></pb>
          <phr type="Textrepräsentant" xml:id="PH.1">
            <phr subtype="Wirklichkeit" type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="PH.2">Die verschiedenen Ebenen der <term key="Wirklichkeit" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.1">Wirklichkeit</term> gibt
                            es auch in der Literatur, ja, die Literatur stützt sich sogar auf die
                            Unterscheidung zwischen verschiedenen Wirklichkeitsebenen und wäre
                            undenkbar ohne das Bewußtsein von dieser Unterscheidung. Das
                            literarische Werk könnte als eine Operation in der <term key="Sprache" type="Medium" xml:id="TM.43">geschriebenen Sprache</term> definiert
                            werden, die mehrere Wirklichkeitsebenen gleichzeitig einbezieht. Von
                            diesem Blickwinkel aus kann eine Reflexion über das literarische Werk
                            für den Wissenschaftler und den Wissenschaftsphilosophen von einigem
                            Nutzen sein.</phr>
          </phr>
        </p>
        <p xml:id="P.2">In einem literarischen Werk können sich verschiedene
                    Wirklichkeitsebenen treffen und doch getrennt und einzeln erkennbar bleiben –
                    oder sie können verschmelzen, zusammenwachsen, sich mischen und dabei entweder
                    eine Harmonie ihrer Widersprüchlichkeiten finden oder eine explosive Mischung
                    bilden. <term key="Shakespeare, William" type="Person" xml:id="TM.49">Shakespeares</term> Theaterwerk kann uns einige unmittelbar einsichtige
                    Beispiele liefern. Bei der Trennung unterschiedlicher Ebenen denken wir an den
                        <hi rend="italic">Mittsommernachtstraum, </hi>in dem die Kreuzungspunkte der
                    Verknüpfung aus den Überschneidungen dreier Wirklichkeitsebenen bestehen, die
                    jedoch klar getrennt bleiben: 1) die hochstehenden Persönlichkeiten am Hofe von                    
Theseus und Hyppolite; 2) die übernatürlichen Figuren Titania, Oberon, Puck; 3)
                    die komischen plebejischen Figuren, Bottom und seine Kameraden. Diese dritte
                    Ebene grenzt an das Tierreich an, das man als vierte Ebene betrachten könnte, in
                    die Bottom während seiner Eselsmetamorphose eintritt. Und noch eine Ebene muß
                    berücksichtigt werden, die der Theateraufführung des Dramas von Pyramos und
                    Tisbe, also das Theater im Theater.</p>
        <p xml:id="P.3">
          <hi rend="italic">Hamlet </hi>dagegen stellt eine Art Kurzschluß
                    oder einen Sog dar, der die verschiedenen Wirklichkeitsebenen aufsaugt, aus
                    deren Unvereinbarkeit das Drama entsteht. Da ist der Geist von Hamlets Vater mit
                    seinem Bedürfnis nach Gerechtigkeit, das heißt die Ebene der archaischen Werte,
                    der ritterlichen Tugenden mit<pb n="141"></pb>ihrem Ehrenkodex und ihrem Glauben an
                    Übernatürliches; da ist die Ebene, die wir „realistisch“ in Anführungszeichen
                    nennen könnten, die des <hi rend="italic">Es ist etwas faul im Staate Dänemark,
                    </hi>also die Ebene des Hofes von Elsinore; da ist die Ebene der Innerlichkeit
                    Hamlets, also des modernen psychologischen und intellektuellen Bewußtseins, die
                    die große Neuigkeit dieses Stückes darstellt. Um diese drei Ebenen
                    zusammenzuhalten, versteckt sich Hamlet hinter einer vierten, hinter einer
                    sprachlichen Barriere, dem simulierten Wahnsinn. Aber der simulierte Wahnsinn
                    bringt wie durch Induktion den echten Wahnsinn hervor, und die Ebene des
                    Wahnsinns verschluckt und beseitigt eines der wenigen positiven Elemente, die
                    verblieben sind, die Verzeihung Ophelias. Auch in diesem Stück finden wir
                    Theater im Theater, die Darstellung der Schauspieler, die eine eigene, von den
                    anderen getrennte Ebene bildet, die aber auch in einer Wechselbeziehung zu ihnen
                    steht. <phr type="Textrepräsentant" xml:id="PH.3">Bis hier habe ich mich darauf
                        beschränkt, verschiedene <term key="Wirklichkeitsebene" type="Besonderer_Begriff" xml:id="TM.34">Wirklichkeitsebenen</term>
            <term key="innerhalb" type="Episteme" xml:id="TM.28">innerhalb</term> des
                        Kunstwerkes zu unterscheiden, das als ein <term key="Universum" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.2">Universum für sich</term>
                        gesehen wird. Aber dabei können wir nicht stehenbleiben. Das <term key="Werk" type="Ästhetik" xml:id="TM.22">Werk</term> muß auch in seiner
                        Eigenschaft als Produkt gesehen werden, in seiner Beziehung zum <term key="Draußen, das" type="Episteme" xml:id="TM.29">Draußen</term>, zum
                        Augenblick der eigenen Fertigung und zum Moment, in dem es von uns empfangen
                        wird. In allen Epochen und allen Literaturen finden wir Werke, die in einem
                        gewissen Augenblick auf sich selbst zurückfallen, sich selbst in ihrem
                        Schöpfungsprozeß beobachten, Bewußtsein erlangen von den Materialien, aus
                        denen sie erschaffen sind.</phr> Um bei Shakespeare zu bleiben, stellt sich
                    Kleopatra im letzten Akt von <hi rend="italic">Antonius und Kleopatra </hi>vor,
                    bevor sie sich umbringt, wie ihr Los als Gefangene aussehen würde, nach Rom
                    gebracht und im Triumphzug Cäsars von der Menge verhöhnt, und sie malt sich aus,
                    daß ihre Liebe zu Antonius das Thema von Theaterstücken sein wird:</p>
        <p xml:id="P.4">… the quick comedians</p>
        <p xml:id="P.5">Extemporally will stage us, and present</p>
        <p xml:id="P.6">Our Alexandrian revels, Antony</p>
        <p xml:id="P.7">Shall be brought drunken forth, and I shall see</p>
        <p xml:id="P.8">Some squeaking Cleopatra boy my greatness</p>
        <p xml:id="P.9">I&apos; the posture of a whore.</p>
        <p xml:id="P.10">
          <pb n="142"></pb>Der Kritiker Middleton Murry hat eine schöne
                    Beschreibung dieser schwindelerregenden Akrobatik des Geistes geliefert: auf der
                    Bühne des Globe Theater stellt ein kreischender, als Kleopatra verkleideter
                    Junge die wirkliche, majestätische Königin Kleopatra dar, wie sie sich
                    vorstellt, von einem als Kleopatra verkleideten Jungen dargestellt zu
                    werden.</p>
        <p xml:id="P.11">Dies sind die Schnittpunkte, die Ausgangspunkt sein müssen für jede
                    Betrachtung über die Wirklichkeitsebenen des literarischen Werkes: Wir können
                    die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, daß diese Ebenen einem <hi rend="italic">geschriebenen </hi>Universum angehören.</p>
        <p xml:id="P.12">
          <phr subtype="Wirklichkeit" type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="PH.4">„Ich schreibe.“ Diese Feststellung ist die erste und
                        einzige <term key="Wirklichkeit" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.3">Wirklichkeit</term>, von der ein Schriftsteller ausgehen kann. „In
                        diesem Augenblick schreibe ich gerade.“ Das wäre das gleiche, wie zu sagen:
                        „Du, der Du liest, mußt nur eines glauben: daß das, was Du liest, etwas ist,
                        was jemand zu einem früheren Zeitpunkt geschrieben hat; das, was Du liest,
                        spielt sich in einem besonderen Universum ab, dem des geschriebenen
                        Wortes.</phr> Es kann sein, daß sich zwischen dem <term key="Universum" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.4">Universum des geschriebenen Wortes
                        und anderen Erfahrungswelten</term> Entsprechungen verschiedener Art
                    herstellen und daß Du aufgefordert wirst, Dein Urteil über diese Entsprechungen
                    zu fällen, aber Dein Urteil wäre auf jeden Fall falsch, wenn du beim Lesen
                    meintest, in direkte Beziehung zur <term key="Erfahrung" type="Episteme" xml:id="TM.30">Erfahrung</term>
          <term key="Welt" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.5">anderer Welten</term> zu
                    treten, die nicht die des geschriebenen Wortes sind.“ Ich habe von
                    „Erfahrungswelten“ gesprochen und nicht von „Wirklichkeitsebenen“, weil man
                    innerhalb des Universums des geschriebenen Wortes – wie auch in jeder anderen
                    Erfahrungswelt – viele Wirklichkeitsebenen ausmachen kann.</p>
        <p xml:id="P.13">
          <phr type="Textrepräsentant" xml:id="PH.5">
            <phr type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="PH.6">Halten wir also fest, daß die
                            Feststellung „Ich schreibe“ dazu dient, eine erste <term key="Wirklichkeitsebene" type="Besonderer_Begriff" xml:id="TM.35">Wirklichkeitsebene</term> festzulegen, die ich implizit oder
                            explizit bei jeder Operation berücksichtigen muß, die die
                            unterschiedlichen Ebenen der <term key="Wirklichkeit" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.6">geschriebenen Wirklichkeit</term> zueinander oder
                            auch geschriebene mit nicht geschriebenen Dingen in Beziehung setzt.
                            Diese erste Ebene kann mir als Plattform dienen, auf der ich eine zweite
                            Ebene errichten kann, die einer völlig andersartigen Wirklichkeit
                            angehören kann als die erste, genauer gesagt auf eine andere
                            Erfahrungswelt verweisen kann.</phr>
          </phr>
        </p>
        <p xml:id="P.14">
          <pb n="143"></pb>Ich kann zum Beispiel schreiben: „Ich schreibe, daß
                    Odysseus dem Gesang der Sirenen lauscht“, eine unbestreitbare Behauptung, die
                    eine Brücke schlägt zwischen zwei nicht angrenzenden Welten: der unmittelbaren
                    und empirischen, in der ich schreibe, und der mythischen, in der es seit ewig
                    geschieht, daß Odysseus den Sirenen lauscht, an den Mast des Schiffes
                    gefesselt.</p>
        <p xml:id="P.15">Dasselbe kann man auch so schreiben: „Odysseus lauscht dem Gesang
                    der Sirenen“, indem man das „Ich schreibe, daß“ voraussetzt. Aber um das
                    vorauszusetzen, müssen wir das Risiko eingehen, daß Du, der <term key="Leser" type="Ästhetik" xml:id="TM.23">Leser</term>, die beiden Wirklichkeitsebenen
                    verwechselst und glaubst, daß das Ereignis des Hörens von Seiten Odysseus‘ auf
                    derselben <term key="Wirklichkeitsebene" type="Besonderer_Begriff" xml:id="TM.36">Wirklichkeitsebene</term> stattfindet wie meine
                    Handlung, diesen Satz zu schreiben.</p>
        <p xml:id="P.16">Ich habe den Ausdruck „der Leser glaubt“ benutzt, aber es ist gut,
                    sofort zu klären, daß die Glaubwürdigkeit des Geschriebenen auf sehr
                    unterschiedliche Art und Weise aufgefaßt werden kann, von denen jede zu mehr als
                    einer Wirklichkeitsebene in Beziehung stehen kann. Nichts steht dem entgegen,
                    daß jemand die Begegnung zwichen [sic] Odysseus und den Sirenen als eine
                    historische Begebenheit sieht, genauso wie man an die Landung von Christoph
                    Columbus am 12. Oktober 1492 denkt. Oder man kann daran glauben und sich erfüllt
                    fühlen von der Offenbarung einer übernatürlichen Wahrheit, die im <term key="Mythos" type="Form" xml:id="TM.45">Mythos</term> enthalten ist, aber
                    hier betreten wir ein Terrain religiöser Phänomenologie, auf dem das
                    geschriebene Wort nur eine Vermittlungsfunktion hätte. Aber die Glaubwürdigkeit,
                    die uns hier interessiert, ist weder das eine noch das andere, sondern es ist
                    jene besondere Glaubwürdigkeit des literarischen Textes, die dem Lesen
                    innewohnt, eine Glaubwürdigkeit in Klammern sozusagen, der auf Seiten des Lesers
                    die Haltung entspricht, die Coleridge als „Suspension of disbelief“ bezeichnet
                    hat. Diese „Suspension of disbelief“ ist Bedingung für den Erfolg jeder
                    literarischen Erfindung, auch wenn sie erklärtermaßen im Reich des Wunderbaren
                    und des Unglaublichen angesiedelt ist.</p>
        <p xml:id="P.17">Wir haben die Möglichkeit in Betracht gezogen, daß die Ebene des
                    „Odysseus lauscht“ der Ebene des „ich schreibe“ gleichgesetzt wird. Aber die
                    Verflachung der beiden Ebenen kann auch<pb n="144"></pb>umgekehrt passieren, wenn
                    Du, der Leser, nämlich glaubst, daß auch die Feststellung „ich schreibe“ einer
                        <term key="Wirklichkeit" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.7">literarischen
                        oder mythischen Wirklichkeit</term> angehört. Das Ich, das Subjekt des „Ich
                    schreibe“, würde dann zum Ich einer Romanfigur oder eines mythischen Autors. Wie
                    Homer eben. Zur besseren Verdeutlichung sprechen wir unseren Satz jetzt so aus:
                    „Ich schreibe, daß Homer erzählt, daß Odysseus den Sirenen lauscht.“ Die
                    Feststellung „Homer erzählt“ kann auf einer mythischen <term key="Wirklichkeitsebene" type="Besonderer_Begriff" xml:id="TM.37">Wirklichkeitsebene</term>
                    angesiedelt werden, in diesem Fall hätten wir dann zwei Ebenen <term key="Realität" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.8">mythischer
                        Realität</term> – die des erzählten Märchens und die des legendären blinden
                    Sängers, der von den Musen inspiriert war. Aber derselbe Satz kann auch auf
                    einer historischen oder besser philologischen Wirklichkeitsebene seinen Platz
                    haben; in diesem Fall versteht man unter „<term key="Homer" type="Person" xml:id="TM.50">Homer</term>“ jenen individuellen oder kollektiven Autor, mit
                    dem sich die Gelehrten der „homerischen Frage“ beschäftigen; die
                    Wirklichkeitsebene wäre dann die gleiche oder eine angrenzende zu der des „ich
                    schreibe“. (Sie werden feststellen, daß ich weder „Homer schreibt“ noch „Homer
                    singt“, sondern „Homer erzählt“ geschrieben habe, um mir beide Möglichkeiten
                    offen zu lassen.)</p>
        <p xml:id="P.18">Es ist ganz natürlich, aus meiner Formulierung des Satzes zu
                    schließen, daß ich und Homer zwei getrennte Personen sind, aber dieser Eindruck
                    könnte falsch sein. Der Satz bliebe der gleiche, wenn ihn Homer persönlich
                    schriebe oder jedenfalls der wahre <term key="Autor" type="Ästhetik" xml:id="TM.24">Autor</term> der Odyssee, der sich im Moment des Schreibens in
                    zwei verschiedene Subjekte spaltet: in sein empirisches Ich, das physisch die
                    Buchstaben aufs Papier setzt (oder sie demjenigen diktiert, der sie schreibt),
                    und die mythische Figur des blinden Sängers, der von der göttlichen Inspiration
                    unterstützt wird und mit dem er sich identifiziert.</p>
        <p xml:id="P.19">Genausowenig würde sich ändern, wenn „ich“ ich wäre, der zu Ihnen
                    spricht und auch der Homer, von dem ich schreibe, ich wäre, das heißt, wenn das,
                    was ich Homer zuschreibe, meine Erfindung wäre. Der Vorgang wäre sofort
                    einleuchtend, wenn der Satz so lautete: „Ich schreibe, daß Homer erzählt, daß
                    Odysseus entdeckt, daß die Sirenen stumm sind.“ In diesem Fall schreibe ich
                    Homer apokryph meine Umkehrung oder Verzer<c type="hyphen"></c>
          <pb n="145"></pb>rung
                    oder Interpretation der homerischen Erzählung zu, um einen bestimmten
                    literarischen Effekt zu erzielen. (In Wirklichkeit ist die Idee von den stummen
                    Sirenen von Kafka; tun wir so, als sei das <hi rend="italic">Ich</hi>-Subjekt
                    des Satzes Kafka.) <phr subtype="Wirklichkeit" type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="PH.7">Aber auch ohne Umkehrung – die unzähligen Autoren,
                        die unter Berufung auf einen früheren Autor eine mythische oder jedenfalls
                        traditionelle Geschichte neu geschrieben oder interpretiert haben, haben es
                        getan, um etwas <term key="Neue, das" type="Episteme" xml:id="TM.31">Neues</term> mitzuteilen und gleichzeitig dem Bild der <term key="Tradition" type="Episteme" xml:id="TM.32">Tradition</term> treu zu
                        bleiben, und bei ihnen allen kann man im Ich des schreibenden Subjekts eine
                        oder mehrere Ebenen <term key="Wirklichkeit" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.9">subjektiver individueller Wirklichkeit</term> und
                        eine oder mehrere Ebenen mythischer oder epischer Wirklichkeit erkennen, die
                        Stoff aus der kollektiven phantastischen <term key="Welt" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.10">Bildwelt</term> ziehen.</phr>
        </p>
        <p xml:id="P.20">Kehren wir zum Satz zurück, mit dem wir angefangen haben. Jeder
                    Leser der Odyssee weiß, daß er genauer so geschrieben werden müßte:</p>
        <p xml:id="P.21">„Ich schreibe, daß Homer erzählt, daß Odysseus sagt: ich habe dem
                    Gesang der Sirenen gelauscht.“</p>
        <p xml:id="P.22">In der <hi rend="italic">Odyssee </hi>nämlich enthalten die
                    Erlebnisse des Odysseus in der dritten Person andere Erlebnisse des Odysseus in
                    erster Person, die er Alkinoos, dem König der Phäaken, erzählt. Wenn wir sie
                    miteinander vergleichen, sehen wir, daß sie sich nicht nur grammatikalisch
                    unterscheiden. Die in der dritten Person erzählten Erlebnisse haben eine
                    psychologische und gefühlsmäßige Dimension, die den anderen fehlt. Und in ihnen
                    besteht die Präsenz des Übernatürlichen aus Erscheinungen der olympischen
                    Götter, die sich den Menschen in Gestalt gewöhnlicher Sterblicher zeigen.
                    Hingegen scheinen die Erlebnisse Odysseus‘, die in der ersten Person erzählt
                    sind, einem primitiveren mythologischen Repertoire anzugehören, in dem sich
                    gewöhnliche Sterbliche und übernatürliche Wesen Aug in Aug gegenüberstehen, eine
                    von Monstren, Zyklopen, Sirenen und Männer in Schweine verwandelnden Zauberinnen
                    bevölkerte Welt, eben die Welt des Übernatürlichen, Heidnischen,
                    Prä-Olympischen. Wir können sie also als zwei verschiedene Ebenen mythischer
                    Wirklichkeit bezeichnen, denen zwei Geographien entsprechen; eine, die der
                    historischen Erfahrung jener Epoche entspricht (die der<pb n="146"></pb>Reise des
                    Telemachos und der Rückkehr nach Ithaka) und eine märchenhafte, die aus der
                    Nebeneinanderstellung heterogener Traditionen hervorgeht (die der von Odysseus
                    erzählten Reisen des Odysseus). Wir können hinzufügen, daß sich zwischen diesen
                    beiden Ebenen die Insel der Phäaken ansiedelt, das heißt, der ideale Ort, aus
                    dem die Erzählung entsteht, Utopie menschlicher Perfektion, außerhalb der
                    Geschichte und außerhalb der Geographie.</p>
        <p xml:id="P.23">Ich habe mich so lange bei diesem Punkt aufgehalten, weil er mir
                    als Beispiel dafür dient, wie den verschiedenen Ebenen auch unterschiedliche
                    Ebenen der Glaubwürdigkeit, oder besser, eine unterschiedliche „Suspension of
                    disbelief“ entsprechen können: vorausgesetzt, daß ein Leser an die von Homer
                    erzählten Erlebnisse des Odysseus „glaubt“, kann derselbe Leser Odysseus für
                    einen Schwätzer halten wegen all dessen, was Homer ihn in der ersten Person
                    sagen läßt. <phr type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="PH.8">Aber achten
                        wir darauf, nicht <term key="Wirklichkeitsebene" type="Besonderer_Begriff" xml:id="TM.38">Wirklichkeitsebenen</term> (innerhalb des
                        Werkes) mit <term key="Wahrheitsebene" type="Besonderer_Begriff" xml:id="TM.39">Wahrheitsebenen</term> (in Bezug zum „Draußen“) zu
                        verwechseln.</phr> Daher müssen wir uns immer den ganzen Satz vor Augen
                    halten:</p>
        <p xml:id="P.24">„Ich schreibe, daß Homer erzählt, daß Odysseus sagt: ich habe dem
                    Gesang der Sirenen gelauscht“.</p>
        <p xml:id="P.25">Dies ist die Formel, die ich als das vollständigste und
                    gleichzeitig das synthetischste Schema der Verbindungen von Wirklichkeitsebenen
                    im Literarischen vorschlage.</p>
        <p xml:id="P.26">Mit jedem Teil dieses Satzes können verschiedene Problematiken
                    zusammenhängen. Ich werde dafür einige Beispiele angeben, indem ich noch einmal
                    an den Anfang des Satzes zurückgehe.</p>
        <p xml:id="P.27">
          <hi rend="italic">Ich schreibe</hi>
        </p>
        <p xml:id="P.28">Mit dem „ich schreibe“ verbindet sich die in unserem Jahrhundert
                    sehr komplexe Problematik der <term key="Metaliteratur" type="Form" xml:id="TM.46">Metaliteratur</term> und ähnlicher Problemkreise wie
                        <term key="Metatheater" type="Form" xml:id="TM.47">Metatheater</term>, <term key="Metamalerei" type="Form" xml:id="TM.48">Metamalerei</term> usw. Am
                    Beispiel Shakespeares haben wir bereits vom Theater im Theater gesprochen, und
                    ähnliche Beispiele sind auch in der Geschichte der Theaterliteratur zu finden,
                    von der <hi rend="italic">Illusion comique </hi>Corneilles bis<pb n="147"></pb>hin
                    zu <hi rend="italic">Sechs Personen auf der Suche nach einem Autor </hi>von
                    Pirandello. Aber erst in den letzten Jahrzehnten haben diese metatheatralischen
                    und metaliterarischen Vorgehensweisen eine neue Bedeutung moralischer oder
                    epistemologischer Natur erhalten: gegen den <term key="Illusionismus" type="Wirkung-Ergebnis" xml:id="TM.21">Illusionismus</term> der Kunst,
                    gegen den naturalistischen Anspruch, den Leser oder Zuschauer vergessen zu
                    lassen, daß er es mit einer Operation zu tun hat, die mit sprachlichen Mitteln
                    vollzogen wird, mit einer <term key="Fiktion" type="Episteme" xml:id="TM.33">Fiktion</term>, die erdacht ist für eine Strategie der Effekte.</p>
        <p xml:id="P.29">Die moralische, besser: pädagogische Motivation ist vorherrschend
                    bei <term key="Brecht, Bertolt" type="Person" xml:id="TM.51">Brecht</term> und
                    in seiner Theorie vom epischen Theater und von der Entfremdung: der Zuschauer
                    soll sich nicht passiv und emotional der szenischen Illusion hingeben, sondern
                    soll angeregt werden, nachzudenken und Partei zu ergreifen.</p>
        <p xml:id="P.30">Eine Theoretisierung auf der Grundlage der <term key="Linguistik" type="Disziplin_und_Stil" xml:id="TM.42">strukturellen Linguistik</term>
                    liefert dagegen den Hintergrund für die Untersuchungen der französischen
                    Literatur in den letzten fünfzehn Jahren, die sowohl in der kritischen Reflexion
                    als auch in der kreativen Praxis die Körperlichkeit des Geschriebenen, des <hi rend="italic">Textes </hi>in den Vordergrund stellen. Man denke dabei nur an
                        <term key="Barthes, Roland" type="Person" xml:id="TM.52">Roland
                        Barthes</term>.</p>
        <p xml:id="P.31">
          <hi rend="italic">Ich schreibe, daß Homer erzählt</hi>
        </p>
        <p xml:id="P.32">Hier begeben wir uns in einen sehr weitläufigen Bereich, die
                    Verdoppelung oder Vervielfältigung des Subjekts des Schreibens, und das ist ein
                    Bereich, in dem eine erschöpfende Theoretisierung noch stattfinden muß.</p>
        <p xml:id="P.33">Wir können beginnen bei der Gewohnheit der Autoren der
                    Ritterromane, sich auf ein hypothetisches Manuskript zu berufen, das als Quelle
                    dient. Auch Ariost gibt vor, sich auf die Autorität des Turpinus zu berufen. Und
                    sogar <term key="Cervantes, Miguel de" type="Person" xml:id="TM.53">Cervantes</term> stellt zwischen sich und Don Quichote die Figur eines
                    arabischen Schriftstellers, Cide Hamete Benengeli.</p>
        <p xml:id="P.34">Nicht nur das: Cervantes setzt auch eine Art Synchronie zwischen
                    der erzählten Handlung und der Niederschrift des arabischen Manuskripts voraus,
                    weswegen Don Quichote und Sancho<pb n="148"></pb>sich der Tatsache bewußt sind, daß
                    die Abenteuer, die sie erleben, die von Benengeli geschriebenen sind und nicht
                    die, die Avellaneda in seinem apokryphen zweiten Teil des <hi rend="italic">Don
                        Quichote </hi>verfaßt hat.</p>
        <p xml:id="P.35">Noch einfacher ist die Methode, von der Annahme auszugehen, daß das
                    Buch vom Protagonisten in erster Person geschrieben wird. Der erste Roman, den
                    wir als gänzlich <hi rend="italic">modern </hi>bezeichnen können, wird nicht
                    unter dem Namen des Autors Daniel Defoe veröffentlicht, sondern als Memoiren
                    eines zwielichtigen Matrosen aus York, Robinson Crusoe.</p>
        <p xml:id="P.36">All das bringt mich nach und nach dem Kern des Problems näher: die
                    fortschreitenden Schichtungen von Subjektivität und Fiktion, die wir unter dem
                    Namen des Autors erkennen können, die verschiedenen Ichs, aus denen sich das
                    schreibende Ich zusammensetzt. Das ist die Vorbedingung für jedes literarische
                    Werk: die Person, die schreibt, muß jene erste Figur erfinden, die der Autor des
                    Werkes ist. Daß ein Mensch sich ganz in ein Werk hineingibt, das er schreibt,
                    ist ein Satz, der häufig gesagt wird, aber nie der Wahrheit entspricht. Es ist
                    immer nur eine Projektion seiner selbst, die der Autor im Schreiben ins Spiel
                    bringt, und es kann genausogut die Projektion eines wahren Teils seiner selbst
                    sein wie die Projektion eines fiktiven Ich, einer Maske. <phr subtype="Welt" type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="PH.9">Schreiben setzt jedesmal
                        die Auswahl einer psychologischen Haltung voraus, einer Beziehung zur <term key="Welt" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.11">Welt</term>, einer
                        Stimmlage, eines gleichmäßigen Ganzen aus sprachlichen Mitteln und
                        Erfahrungswerten und Gespenstern der Phantasie, eben eines Stils. Der Autor
                        ist insofern Autor, als er in eine Rolle schlüpft wie ein Schauspieler und
                        sich mit dieser Projektion seiner selbst, in dem Augenblick, in dem er
                        schreibt, identifiziert.</phr>
        </p>
        <p xml:id="P.37">Verglichen mit dem Ich des Individuums als empirisches Subjekt, ist
                    diese Autor-Figur etwas weniger und etwas mehr. Etwas weniger, weil zum Beispiel
                        <term key="Flaubert, Gustave" type="Person" xml:id="TM.54">Gustave
                        Flaubert</term> als Autor der <hi rend="italic">Madame Bovary </hi>die
                    Sprache und die Visionen des Gustave Flaubert als Autor von <hi rend="italic">Die Versuchung des Hl. Antonius </hi>oder <hi rend="italic">Salambô
                    </hi>ausschließt, eine strenge Reduktion seiner <term key="Welt" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.12">inneren Welt</term> auf die Dinge
                    vornimmt, die die Welt der <hi rend="italic">Madame Bovary </hi>ausmachen. Und
                    er ist auch etwas mehr, weil der Gustave Flaubert, der nur<pb n="149"></pb>in
                    Beziehung zum Manuskript von <hi rend="italic">Madame Bovary </hi>existiert,
                    einer sehr viel kompakteren und definierteren Existenz teilhaftig ist als der
                    Gustave Flaubert, der, während er <hi rend="italic">Madame Bovary </hi>schreibt,
                    weiß, daß er der Autor der <hi rend="italic">Versuchung </hi>gewesen ist und der
                    Autor von <hi rend="italic">Salambô </hi>sein wird, und der weiß, daß er ständig
                    zwischen dem einen Universum und dem anderen hin- und herschwingt, und weiß, daß
                    sich letztendlich alle diese Welten in seinem Geist vereinigen und auflösen.</p>
        <p xml:id="P.38">Das Beispiel Flauberts eignet sich, um die von mir vorgeschlagene
                    Formel zu überprüfen, indem sie in eine Reihe von Projektionen umgesetzt wird.
                    Der Gustave Flaubert, der der Autor des Gesamtwerkes von Gustave Flaubert ist,
                    projiziert den Gustave Flaubert, der der Autor der <hi rend="italic">Madame
                        Bovary </hi>ist, aus sich selbst heraus, der aus sich selbst die Figur einer
                    bürgerlichen Dame aus Rouen, Emma Bovary, herausprojiziert, die aus sich selbst
                    die Emma Bovary herausprojiziert, die sie zu sein träumt. <figure>
            <graphic url="http://gams.uni-graz.at/archive/objects/o:reko.calv.1978/datastreams/IMAGE.1/content"></graphic>
          </figure>
        </p>
        <p xml:id="P.39">Jedes projizierte Element reagiert seinerseits auf das
                    projizierende Element, verändert und bedingt es, weshalb die Pfeile nicht nur in
                    eine, sondern in beide Richtungen gehen:  <figure>
            <graphic url="http://gams.uni-graz.at/archive/objects/o:reko.calv.1978/datastreams/IMAGE.2/content"></graphic>
          </figure>
        </p>
        <p xml:id="P.40">Nun bleibt uns nur noch, den letzten Begriff mit dem ersten zu
                    verbinden, das heißt die Dynamik dieser Kreisförmigkeit der Projektionen
                    herzustellen. Mit seiner berühmten Feststellung: „Madame Bovary c&apos;est moi“ hat
                    uns Flaubert selbst einen genauen Hinweis in diese Richtung gegeben. <figure>
            <graphic url="http://gams.uni-graz.at/archive/objects/o:reko.calv.1978/datastreams/IMAGE.3/content"></graphic>
          </figure>
        </p>
        <p xml:id="P.41">
          <pb n="150"></pb>Wieviel vom Ich, das den Figuren <term key="Form" type="Ästhetik" xml:id="TM.25">Form</term> verleiht, ist in Wirklichkeit ein
                    Ich, dem die <term key="Figur" type="Ästhetik" xml:id="TM.26">Figuren</term>
                    Form verliehen haben? Je weiter wir fortschreiten in der Unterscheidung der
                    unterschiedlichen Schichten, aus denen sich das Ich des Schriftstellers
                    zusammensetzt, desto stärker werden wir uns der Tatsache bewußt, daß viele
                    dieser Schichten nicht dem Individuum Schriftsteller, sondern der kollektiven
                    Kultur, der geschichtlichen Epoche oder den tiefsitzenden Ablagerungen der
                    Spezies zugehörig sind. Der Ausgangspunkt der Kette, das wahre erste Subjekt des
                    Schreibens erscheint uns immer ferner, immer verdünnter, immer undeutlicher:
                    vielleicht ist es ein Ich-Gespenst, ein leerer Ort, eine Abwesenheit.</p>
        <p xml:id="P.42">Um eine konkretere Substanz zu erreichen, kann das Ich versuchen,
                    zu einer Figur zu werden, sogar zur Hauptfigur des geschriebenen Werkes. Aber
                    ich brauche mich nur der Feinsinnigkeit dessen zu erinnern, was Gianfranco
                    Contini über das „Ich“ der <hi rend="italic">Göttlichen Komödie </hi>schreibt,
                    um zu wissen, daß auch es in mehreren Personen zerlegt werden kann, ähnlich wie
                    das Ich, das in der <hi rend="italic">Recherche </hi>Prousts spricht.</p>
        <p xml:id="P.43">Mit dem Ich, das zur Figur wird, verlagern wir uns vom „Ich
                    schreibe, daß Homer erzählt“ zum „Homer erzählt, daß Odysseus…“</p>
        <p xml:id="P.44">
          <hi rend="italic">Homer erzählt, daß Odysseus</hi>
        </p>
        <p xml:id="P.45">  
        <phr subtype="Welt" type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="PH.10">Mit der Hauptfigur kommt eine innere Subjektivität der <term key="Welt" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.13">geschriebenen
                            Welt</term> ins Spiel, eine Figur, die eine eigene Deutlichkeit besitzt
                        – und oft handelt es sich um eine visuelle, bildliche Deutlichkeit –, die
                        sich der Vorstellungskraft des Lesers aufdrängt und die wie eine Vorrichtung
                        funktioniert, um die unterschiedlichen Ebenen der Wirklichkeit zu verbinden
                        oder sie sogar zum Leben zu erwecken, um es ihnen zu ermöglichen, im
                        Geschriebenen Form anzunehmen.</phr>
        </p>
        <p xml:id="P.46">Die Figur Don Quichotes ermöglicht die Auseinandersetzung und die
                    Begegnung zwischen zwei antithetischen Sprachen, ja zwischen zwei literarischen
                    Welten ohne Gemeinsamkeiten: das<pb n="151"></pb>Wunderbare des Ritterromans und das
                    Komische des Schelmenromans, und eröffnet eine neue Dimension, sogar zwei: eine
                    extrem komplexe mentale Wirklichkeitsebene und eine Umweltdarstellung, die wir
                        <term key="realistisch" type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="TM.19">realistisch</term> nennen können, allerdings in einer völlig neuen, anderen
                    Bedeutung als dem pikaresken „<term key="Realismus" type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="TM.20">Realismus</term>“, der
                    ein Repertoire stereotyper Bilder von Armut und Häßlichkeit war. Die
                    sonnenheißen, staubigen Straßen, auf denen Don Quichote und Sancho Mönchen mit
                    Sonnenschirm, Mauleseln, Damen auf Sänften und Schafherden begegnen, sind eine
                    Welt, die vorher noch nie geschrieben worden war. Sie war nie vorher geschrieben
                    worden, weil es keinen Grund gab, sie zu schreiben, während sie hier einer
                    Notwendigkeit entspricht, da sie die Umkehrung der inneren Wirklichkeit Don
                    Quichotes ist, oder besser der Hintergrund, auf den Don Quichote seine
                    kodifizierte Lesart der Welt projiziert.</p>
        <p xml:id="P.47">Don Quichote ist eine Figur, die eine unverwechselbare
                    Bildhaftigkeit und einen unerschöpflichen inneren Reichtum besitzt. Aber es ist
                    nicht gesagt, daß eine Figur notwendigerweise eine solche Dichte haben muß, um
                    die Funktion des Protagonisten eines Werkes wahrzunehmen. Die Funktion der Figur
                    kann mit der eines Operators verglichen werden, in der Bedeutung, den dieser
                    Begriff in der Mathematik hat. Wenn ihre Funktion gut definiert ist, kann sich
                    seine Existenz auf einen Namen, ein Profil, eine Hieroglyphe, ein Zeichen
                    beschränken.</p>
        <p xml:id="P.48">Nach der Lektüre von <hi rend="italic">Gullivers Reisen </hi>wissen
                    wir sehr wenig über Doktor Lemuel Gulliver, Arzt auf den Schiffen Ihrer
                    Majestät: seine Konsistenz als Hauptfigur ist unendlich viel magerer als die von
                    Don Quichote; und doch ist es diese Präsenz, die wir das ganze Buch hindurch
                    verfolgen und die das Buch zum Leben erweckt. Das geschieht, weil – auch wenn es
                    uns schwerfällt, Lemuel Gulliver in seiner Psychologie oder seinen Gesichtszügen
                    festzuhalten – seine Funktion als Operator doch sehr deutlich ist: vor allem als
                    großer Mann unter den Zwergen und kleiner Mensch unter den Riesen – und dieses
                    Arbeiten mit Größenordnungen ist die einfachste Lesart, weswegen Gulliver auch
                    für die Kinder, die die Adaptionen des Buches von Swift lesen, als Figur
                    funktioniert; aber die wahre Operation, die er verdeutlicht (hier<pb n="152"></pb>verweise ich auf einen sehr überzeugenden Essay eines italienischen Gelehrten,
                    Giuseppe Sertoli), ist die der Gegenüberstellung der <term key="Welt" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.14">Welt des logisch-mathematischen
                        Verstandes</term> und der <term key="Welt" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.15">Welt der Körper, der physiologischen Materialität</term> mit
                    ihren unterschiedlichen Erkenntniserfahrungen und unterschiedlichen
                    ethisch-theologischen Auffassungen.</p>
        <p xml:id="P.49">
          <hi rend="italic">Odysseus sagt:</hi>
        </p>
        <p xml:id="P.50">Doppelpunkt. Dieser Doppelpunkt ist eine sehr wichtige
                    Artikulation, ich würde sagen, der Schlüssel der Erzählkunst aller Zeiten und
                    aller Länder. Nicht nur deshalb, weil Erzählungen innerhalb einer Erzählung, die
                    als Rahmen dient, immer eine der verbreitesten Strukturen der geschriebenen
                    Erzählkunst gewesen sind, sondern weil wir uns auch dort, wo es keinen Rahmen
                    gibt, einen unsichtbaren Doppelpunkt vorstellen können, der die Rede eröffnet
                    und das ganze Werk einleitet.</p>
        <p xml:id="P.51">Ich beschränke mich darauf, die Hauptaspekte des Problems zu
                    erwähnen. Im Westen entsteht der Roman im hellenistischen Griechenland und
                    stellt sich als eine Haupterzählung dar, in die sekundäre Erzählungen eingefügt
                    sind, die von den Figuren erzählt werden. Diese Vorgehensweise ist
                    charakteristisch für die alte indische Erzählkunst, in der jedoch die Struktur
                    der Erzählung im Verhältnis zum Blickwinkel des Erzählenden sehr viel
                    komplizierteren Regeln folgt als im Westen. Ich verweise hier auf eine
                    Untersuchung des Indologen F. Lacôte, <hi rend="italic">Sur l‘origine indienne
                        du roman grec </hi>aus dem Jahre 1911. Einem indischen Modell sind auch die
                    Novellensammlungen nachgebildet, die in eine Rahmenerzählung eingebettet sind –
                    in der islamischen Welt wie auch im Europa des Mittelalters und der
                    Renaissance.</p>
        <p xml:id="P.52">Wir kennen alle <hi rend="italic">Tausendundeine Nacht, </hi>in der
                    alle Geschichten in einem allgemeineren Rahmen enthalten sind, der Geschichte
                    vom persischen König Shahriyàr, der seine Gemahlinnen nach der ersten
                    Hochzeitsnacht umbringt, und der Gemahlin Scheherezade, der es gelingt, dieses
                    Los aufzuschieben, indem sie wunderbare Geschichten erzählt und diese auf dem
                        Höhepunkt<pb n="153"></pb>unterbricht. Außer den von Scheherezade erzählten
                    Geschichten gibt es auch noch Geschichten, die von Personen in diesen
                    Geschichten erzählt werden, die Geschichten sind also – bis zu fünf Mal –
                    ineinander verschachtelt. Ich erwähne hier den Essay <hi rend="italic">Les
                        hommes-récits </hi>von Tzvetan Todorov, der das <hi rend="italic">enchâssement </hi>der Erzählungen in <hi rend="italic">Tausendundeiner
                        Nacht </hi>und in der <hi rend="italic">Handschrift von Saragossa </hi>von
                    Jan Potocki untersucht hat <hi rend="italic">(Poétique de la prose, </hi>Seuil,
                    Paris 1971).</p>
        <p xml:id="P.53">
          <term key="Borges, Jorge Luis" type="Person" xml:id="TM.55">Borges</term> spricht von einer der <hi rend="italic">Tausendundeine Nacht,
                    </hi>der 602., der magischsten von allen, in der Scheherezade Shahriyàr eine
                    Geschichte erzählt, in der Scheherezade Shahriyàr undsoweiter undsoweiter. In
                    den Übersetzungen von <hi rend="italic">Tausendundeine Nacht, </hi>die mir
                    vorliegen, konnte ich diese 602. Nacht nicht finden. Aber selbst wenn Borges sie
                    erfunden hätte, hätte er gut daran getan, weil sie die natürliche Krönung des
                        <hi rend="italic">enchâssement </hi>der Geschichten darstellt.</p>
        <p xml:id="P.54">Von unserem Blickpunkt der Wirklichkeitsebenen aus gesehen, ist zu
                    sagen, daß das <hi rend="italic">enchâssement </hi>von <hi rend="italic">Tausendundeiner Nacht </hi>wohl eine perspektivische Struktur bedingt, aber
                    daß in unserer Lektüre – jedenfalls so, wie wir diese Geschichte lesen können –
                    diese Geschichten alle auf derselben Ebene liegen. Wir können dabei zwei sehr
                    unterschiedliche Arten der Erzählkunst erkennen: die wunderbare Erzählweise
                    indischen und persischen Ursprungs mit Flaschengeistern, fliegenden Pferden und
                    Metamorphosen, und die novellistische, arabisch-islamische des Bagdad-Zyklus mit
                    dem Kalifen Harun-al-Raschid und dem Wesir Dschafar. Aber die Erzählungen des
                    einen und des anderen Typs liegen auf derselben strukturellen und stilistischen
                    Ebene, und unsere Lektüre verläuft von den einen zu den anderen wie auf der
                    Oberfläche eines ausgebreiteten Wandteppichs.</p>
        <p xml:id="P.55">Im Prototyp der literarischen Novellistik des Westens, dem <hi rend="italic">Dekameron </hi>des Giovanni Boccaccio hingegen, gibt es
                    zwischen Rahmen und Novellen einen deutlichen stilistischen Unterschied, der die
                    Distanz zwischen den beiden Ebenen unterstreicht. Der Rahmen für jeden Tag des
                        <hi rend="italic">Dekameron </hi>ist ein Bild des glücklichen Lebens, das
                    die sieben Frauen und drei Männer der fröhlichen Erzählerbrigade in ihrem
                    ländlichen Domizil führen.</p>
        <p xml:id="P.56">
          <pb n="154"></pb>Wir befinden uns auf einer Ebene stilisierter
                    Wirklichkeit, einheitlich angenehm, raffiniert manieristisch, ohne Kontraste
                    ohne Charakterisierungen, vollständig aus Klima- und Landschaftsbeschreibungen,
                    Zeitvertreib und Gesprächen der spielerischen höfischen Gesellschaft bestehend,
                    die jeden Tag eine Königin wählt und den Tag mit einem Lied in Versen
                    beschließt. Die erzählten Novellen hingegen stellen einen Katalog der
                    erzählerischen Möglichkeiten dar, die sich der Sprache und der Kultur einer
                    Epoche eröffnen, in der die Vielfalt der Lebensformen einen neuen Wert
                    darstellt, der gerade dort seine Bedeutung bekommt. Jede Novelle besitzt eine
                    eigene Intensität des Geschriebenen und der Darstellung in einem Fächer
                    unterschiedlicher Richtungen, so daß sie sozusagen aus dem Rahmen hervorgehoben
                    wird. Heißt das, daß der Rahmen lediglich ein dekoratives Element ist? Dies zu
                    behaupten, würde bedeuten, daß man vergißt, daß der Rahmen der Novellen, dieses
                    irdische Paradies des galanten höfischen Lebens innerhalb eines anderen
                    tragischen, dem Tode verhafteten, höllischen Rahmens steht: dem der Pest von
                    1348 in Florenz, die in der Einleitung zum Dekameron beschrieben wird. Es ist
                    die fahle Wirklichkeit einer Endzeitwelt, die Pest als biologische und
                    gesellschaftliche Katastrophe, die der Utopie einer idyllischen Gesellschaft,
                    die von der Schönheit, der Anmut und vom Geist regiert wird, Sinn verleiht. Die           
         vorrangige Produktion dieser Gesellschaft ist die Erzählung, und die Erzählung
                    reproduziert die Vielfältigkeit und die Intensität der verlorenen Welt, deren
                    Lachen und Weinen bereits ausgelöscht ist vom einebnenden Tod. Schauen wir nun,
                    was sich in diesem Rahmen befindet.</p>
        <p xml:id="P.57">
          <hi rend="italic">ich habe dem Gesang der Sirenen
                    gelauscht.</hi>
        </p>
        <p xml:id="P.58">Ich hätte auch sagen können: ich habe den Zyklopen Polyphem
                    geblendet, oder: ich habe mich dem Zauber Circes entzogen, aber ich habe die
                    Episode mit den Sirenen gewählt, weil sie es mir ermöglicht, eine weitere
                    perspektivische Passage innerhalb von Odysseus‘ Erzählung zu eröffnen, eine
                    weitere Wirklichkeitsebene, enthalten im Gesang der Sirenen.</p>
        <p xml:id="P.59">
          <pb n="155"></pb>Was singen die Sirenen? Eine denkbare Hypothese ist
                    die, daß ihr Gesang nichts anderes ist als die <hi rend="italic">Odyssee.
                    </hi>Die Versuchung der Dichtung, sich sich selbst einzuverleiben, sich selbst
                    wie in einem <term key="Spiegel" type="Medium" xml:id="TM.44">Spiegel</term> zu
                    reflektieren, taucht in der <hi rend="italic">Odyssee </hi>mehrfach auf, vor
                    allem bei den Banketten, wo die Sänger auftreten; und wer besser als die Sirenen
                    könnte dem eigenen Gesang diese Funktion als magischer Spiegel verleihen?</p>
        <p xml:id="P.60">In diesem Fall hätten wir es mit jener literarischen Form zu tun,
                    die <term key="Gide, André" type="Person" xml:id="TM.56">André Gide</term>
          <hi rend="italic">la </hi>
          <term key="Mise en abyme" rend="italic" type="Ästhetik" xml:id="TM.27">mise en abyme</term>
          <hi rend="italic"></hi>genannt hat. Diese <hi rend="italic">mise en abyme </hi>liegt vor, wenn ein
                    literarisches Werk ein anderes Werk enthält, das dem ersten ähnelt, also wenn
                    ein Teil seiner selbst das Ganze darstellt. Wir haben schon auf die Vorführung
                    der Schauspieler im <hi rend="italic">Hamlet </hi>verwiesen, auf die 602. Nacht
                    nach Borges. Die Beispiele lassen sich auch auf die Malerei ausdehnen, man denke
                    nur an die Spiegeleffekte in den Bildern Van Eycks. Ich verweile nicht länger
                    bei der <hi rend="italic">mise en abyme </hi>und verweise nur noch auf eine
                    erschöpfende Untersuchung dazu: <hi rend="italic">Le récit spectaculaire
                    </hi>von Lucien Dällenbach (Seuil, Paris 1977).</p>
        <p xml:id="P.61">Aber das, was uns der Text der <hi rend="italic">Odyssee </hi>über
                    den Gesang der Sirenen erzählt, ist, daß die Sirenen sagen, daß sie singen, daß
                    sie gehört werden wollen, und daß ihr Gesang das Beste ist, was gesungen werden
                    kann. Die letztliche Erfahrung, über die die Erzählung von Odysseus Zeugnis
                    ablegen will, ist eine lyrische, musikalische Erfahrung an den Grenzen des
                    Unsagbaren. In einer seiner schönsten Schriften interpretierte Maurice Blanchot
                    den Gesang der Sirenen als ein Jenseits des Ausdrucks, von dem sich Odysseus,
                    nachdem er dessen Unsagbarkeit erfahren hat, zurückzieht und vom Gesang auf die
                    Erzählung über den Gesang ausweicht.</p>
        <p xml:id="P.62">Wenn ich mich bis jetzt zur Überprüfung meiner Formel
                    erzählerischer Beispiele der Klassiker der Prosa oder der Dichtung oder des
                    Theaters bedient habe, die jedoch alle eine Geschichte zu erzählen haben, müßte
                    ich jetzt, beim Gesang der Sirenen angekommen, meinen ganzen Diskurs erneut
                    aufrollen, um zu verifizieren, ob er sich, wie ich glaube, Punkt für Punkt der
                    lyrischen Dichtung anpassen kann, und die verschiedenen Wirklichkeitsebenen
                    hervorheben, die die dichterische Vorgehens<c type="hyphen"></c>
          <pb n="156"></pb>weise
                    durchläuft. Ich bin davon überzeugt, daß diese Formel mit minimalen Änderungen
                    angewendet werden könnte, wenn man statt Homer Mallarmé als Beispiel nähme. Eine
                    derartige Neuformulierung würde es uns vielleicht ermöglichen, den Gesang der
                    Sirenen zu verfolgen, den äußersten Zielpunkt des Geschriebenen, den
                    letztendlichen Kern der Poetik, und auf den Spuren Mallarmés kämen wir
                    vielleicht zum weißen Blatt, zum Schweigen, zur Abwesenheit.</p>
        <p xml:id="P.63">
          <phr type="Textrepräsentant" xml:id="PH.11">
            <phr subtype="Wirklichkeit" type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="PH.12">Die vom
                            Geschriebenen hervorgerufenen <term key="Wirklichkeitsebene" type="Besonderer_Begriff" xml:id="TM.40">Wirklichkeitsebenen</term>, wie wir sie beschrieben haben, die
                            Abfolge von Schleier und Trennwänden, entfernen sich vielleicht ins
                            Unendliche, öffnen vielleicht ein Fenster auf das Nichts. Wie wir das
                            Ich, das erste Subjekt des Schreibens, verschwinden sahen, so ist uns
                            auch dessen letztes Objekt entglitten. Vielleicht liegt es an dem
                            Spannungsfeld, das sich zwischen einer Leere und einer anderen Leere
                            bildet, daß die Literatur die Dichte einer an Formen und Bedeutungen
                            unerschöpflich reichen <term key="Wirklichkeit" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.16">Wirklichkeit</term> noch
                    steigert.</phr>
          </phr>
        </p>
        <p xml:id="P.64">
          <phr type="Textrepräsentant" xml:id="PH.13">
            <phr subtype="Wirklichkeit" type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="PH.14">Am Ende
                            dieses Vortrages merke ich, daß ich immer von „<term key="Wirklichkeitsebene" type="Besonderer_Begriff" xml:id="TM.41">Wirklichkeitsebenen</term>“ gesprochen habe, während das Thema
                            dieses Kongresses (zumindest im Italienischen) „Die Ebenen der <term key="Wirklichkeit" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.17">Wirklichkeit</term>“ lautet. Der zentrale Punkt meines Vortrages
                            liegt vielleicht gerade darin: die Literatur kennt nicht <hi rend="italic">die </hi>Wirklichkeit sondern nur die <hi rend="italic">Ebenen</hi>.</phr>
          </phr>
        </p>
        <p xml:id="P.65">
          <phr type="Textrepräsentant" xml:id="PH.15">
            <phr subtype="Wirklichkeit" type="Struktur-Verhältnis-Funktion" xml:id="PH.16">Ob es <hi rend="italic">die </hi>
              <term key="Wirklichkeit" type="Realitätsbegriff" xml:id="TM.18">Wirklichkeit</term> gibt, von der die
                            verschiedenen Ebenen nur Teilaspekte sind, oder ob es nur die Ebenen
                            gibt, das kann die Literatur nicht entscheiden. Die Literatur kennt die
                                <hi rend="italic">Wirklichkeit der Ebenen </hi>und das ist eine
                            Wirklichkeit, die sie vielleicht besser kennt, als man sie durch andere
                            Erkenntnismethoden kennenlernen könnte. Das ist schon sehr
                        viel.</phr>
          </phr>
        </p>
        <p xml:id="P.66"></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
