Typoskript
Lesetext
Renotat/Audio
02: Hetzgasse 8/24
03: A-030 Wien 3
04: Tel. 75 57 76
05: Antonio Fian
06: Kalvarienberggasse 35/19
07: A-170 Wien
08: Tel. 42 86 124
09: DER DRAMATISIERTE SCHUNDROMAN
10: LETZTE FOLGE
11: Ein Hörspiel von Werner Kofler und Antonio Fian
12: 1984 [2] 01: Stimmen:
02: weiblich:
03: F 1
04: F 2
05: F 3
06: F 4
07: Sprecherinnen, Erzähl-
08: stimmen etc.
09: männlich:
10: M 1
11: M 2
12: M 3
13: M 4
14: Journalstimme
15: Schmidt, Gemeindesekretär
16: Sprecher, Erzählstimmen etc. sowie,
17: als special guest
18: Katz & Klump
19: (Der SCHIZOPHRENE DEDEKTIV Katz & Klump: Die beiden Persönlichkeits-
20: hälften 'Katz' und 'Klump' führen miteinander Gespräche, wie sie
21: von deutschen Kriminalistendarstellern im Fernsehen gerne geführt
22: werden. Katz & Klump ist eine Person mit zwei Stimmen bzw. eine Stimme
23: mit zwei Personen – ein und derselbe Sprecher , getrennte Aufnahme.)
24: Klaviermusik:
25: Wo nicht anders angegeben, empfehlen sich Klavierwerke von Erik Satie. [3] 01: Sprecherin: DER DRAMATISIERTE SCHUNDROMAN.
02: (Die folgenden Titel zunächst wie kurze 'reale' Ansagen (Klavier,
03: Cello, Geräusche), die in Vorschläge (ohne Signation) übergehen. –
04: M 2 im leeren Raum.
05: M 1: Angst.
06: ((Irres Laufen))
07: M 2: Nein.
08: M 1: Atemnot.
09: M 2: Nein.
10: M 1: Tödlicher Husten.
11: M 2: Nein.
12: M 1: Sturm über Kreta.
13: M 2: Auch nicht.
14: M 1: Blut.
15: M 2: Nein.
16: M 1: Der stille Ozean.
17: M 2: Nicht gut.
18: M 1: Schreie aus der Hölle.
19: M 2: Nein.
20: M 1: Die Zukunft der Sinne.
21: M 2: Auf keinen Fall.
22: M 1: Finsternis.
23: M 2: Unter Umständen.
24: M 1: Die Erfindung der Wirklichkeit.
25: M 2: Eventuell.
26: M 1: Bild und Welt.
27: M 2: Auch.
28: M 1: Letzte Folge.
29: M 2: Ja. [4] 01: M 1: Was bisher geschah.
02: M 2: Was bisher geschah.
03: Evtl. Klaviermusik
04: Sprecherin 1: Was bisher geschah.
05: F 1 (›tonlos, zügig‹): – Begonnen hatte es auf dieser Reise, Europa,
06: Nahost, angefangen hatte alles mit diesem Auftrag.. Nach Gesprächen
07: in Oslo, Verhandlungen in Genf, neuerlichen Zerwürfnissen in Brüssel
08: verlobten wir uns in Zürich. Aber in Krefeld schon wieder Szenen,
09: Krawalle.. Und Berlin! Ich hatte das Gefühl, gegen eine Mauer zu
10: reden, so behandelte er mich. In Helsinki trafen wir ein Abkommen,
11: an das er sich in Madrid schon nicht mehr hielt. Unterwegs nach
12: Warmbad Villach beschloß ich, meine Forderungen deutlich zu machen,
13: in Mürzzuschlag, in einem Gasthof der elendsten Sorte, führte ich
14: dieses Vorhaben auch aus, aber er lachte bloß. Dann Linz! Ich ap-
15: pellierte an sein Gewissen, an was weiß ich, endlich Schluß zu ma-
16: chen damit – nichts... Zugegeben, wir hatten eine wunderbare Zeit
17: in Klagenfurt, während der Holzmesse, bei den Eichendorfer Dichter-
18: tagen, die gerade dort abgehalten wurden... Aber dann ging es
19: Schlag auf Schlag: Sein Terror in Italien, seine Schönfärberei in
20: Lissabon, die Auseinandersetzungen am Persischen Golf; schließlich,
21: in einem Hotelzimmer in Beirut, brach der Konflikt offen aus.. –
22: Himmel und Hölle so nah beisammen, und immer die Spuren verwischen –
23: Sprecher: Was bisher geschah. [5] 01: M 3: – Verdammter Auftrag, mit dem alles anfing, der uns zusammenführte,
02: kreuz und quer durch Europa und wohin noch.. Mutlangen, Esslingen,
03: Rottweil, überall gewesen, Metz, Idolsberg, Gars am Kamp, nichts,
04: das uns fremd blieb. Nie vergesse ich Zürich, mein Waterloo, wie
05: sich leider erst in Berlin herausstellte. Oslo, Genf, Brüssel,
06: Gespräche, Programmentwürfe, Friedenssicherung... In Krefeld aber
07: schon Krawalle, daß das Hotelpersonal zusammenlief, ähnlich in
08: Helsinki, wo sie ein Abkommen vorschlug, dann Warmbad Villach,
09: Heulszenen in Linz, (NACHÄFFEND) sie appelliere an mich –
10: Ein Zwischenfall nach dem anderen, diese Reise schien nur aus
11: Zwischenfällen zu bestehen. Und immer wieder: Du bist ja betrunken,
12: du hast getrunken, unausgesetzt.… Jawohl, gab ich zurück, seit
13: jener Szene in Berlin trinke ich, und ich gedenke nicht, damit
14: aufzuhören... Ihr Mürzzuschlager Manifest, ihre Salzburger Huma-
15: nismusgespräche! Wie es ihr begreiflich machen? In Italien griff
16: ich hart durch, in Lissabon brannte ich ein Feuerwerk an Galante-
17: rien ab, alles umsonst; Zürich war ein tragischer Irrtum gewesen. –
18: Dann die Libanon-Krise, diese schreckliche Nacht, eingesperrt in
19: einem Hotelzimmer…. Ein Funke hatte genügt, um den Konflikt neu
20: anzufachen. – Aber was bisher geschah, sollte nichts sein gegen
21: das Kommende..
22: ((Klaviermusik))
23: Sprecher und Sprecherin: Was bisher geschah.
24: Sprecher (konventionelle Erzählstimme): Ein Gespenst geht um in Europa
25: und hinterläßt seine Spuren: die Schober-Gruppe. Alle Versuche
26: dieses Gespenstes habhaft zu werden, sind bislang gescheitert –
27: zu international agiert die Gruppe, zu raffiniert arbeitet sie mit
28: anderen Gruppen zusammen. [6] 01: Sprecherin: Auf einen blutigen Sommer folgt der steirische Herbst.
02: In Geheimkonferenzen, den später so genannten Schloßberg-Gesprächen,
03: wird die "Grazer Dramaturgie" beschlossen, nämlich den schizo-
04: phrenenDetektiv Katz & Klump auf das Phantom anzusetzen. Da Katz
05: & Klump auf Grund seiner vielfältig gespaltenen Persönlichkeit
06: ein ganzes Team von Kriminalisten ersetzen kann, erscheint diese
07: Vorgangsweise ebenso kostensparend wie vielversprechend.
08: Sprecher: In Warmbad Villach verliert sich die Spur. Katz & Klump nimmt
09: die Ermittlungen auf...
10: ((Innenraum. Aus einem Radio ist gerade eine Verkehrsmeldung zu hören:
11: " – ich wiederhole: Alle Verbindungsstraßen nach Untermarkersdorf Leibnitz sind
12: gesperrt, den Kraftfahrern wird dringend empfohlen großräumig auszu-
13: weichen."))
14: Katz: Stell das ab.
15: ((Das Radio wird noch vor Ende der Meldung abgeschaltet.))
16: Katz: – Und was sagst du dazu: Am 4. 5. übernachtet Frau Klein in
17: Warmbad Villach, unter falschem Namen, sie nennt sich dort Bier-
18: bichler. Verläßt am nächsten Morgen überstürzt das Hotel, niemand
19: weiß wohin..
20: Klump: Gefällt mir nicht... Die Grenzen so nahe, Italien, Jugoslawien,
21: Ri
22: Katz: Camporosso, natürlich! Die Schießerei, die Nacht von Camporosso!
23: Klump: Barbara Klein war damals nachweislich in London.
24: Katz: Bist du sicher?
25: Klump: Ganz sicher. Sie wurde in London mit einem Ramiro Villanueva,
26: Soldat der Luftwaffe in Bogota, Kolumbien, beobachtet.
27: Katz: Und Groß?
28: Klump: Ebenfalls. – In Warmbad Villach wurde Johannes Groß zuletzt ge-
29: sehen,, als der Parlamentsklub seine Tagung abhielt, Warmbader Be- [7] 01: schlüsse, diese Geschichte... Deckname Baumgartner. Fällt dir was auf?
02: Der Parlamentsclub tagt, und rein zufällig ist auch Herr Groß zur
03: selben Zeit in Warmbad...
04: Katz: Ja, verdammt, du hast recht, wirklich merkwürdig... (Pause)
05: Und jetzt?
06: Klump: Wir warten
07: Katz: Wir warten?
08: Klump: Wir warten auf eine bestimmte Maschine aus Zürich... (Ausblenden)
09: Sprecher: Der dramatisierte Schundroman.
10: ((Landendes Flugzeug. Anschließend Halle, gedämpft, Durchsagen etc.
11: Nach dem Titel Hintergrund ausblenden.))
12: Sprecher (knallig): Schnee.
13: Sprecherin: Letzte Folge.
14: F 2 (halblaut, leicht beschwörend): Hätte dir, Ramiro Villanueva, hätte
15: dir nicht bei der Paßkontrolle schon zu denken geben sollen, wie
16: rasch und selbstverständlich du abgefertigt wurdest? Gut, du warst
17: selbst damit beschäftigt, als harmloser Tourist zu erscheinen,
18: aber hätte dir nicht auffallen müssen, wie bevorzugt und scheinbar
19: desinteressiert dein Gepäck kontrolliert wurde? Hättest du nicht,
20: in die Ankunftshalle tretend, zumindest den Herrn mit dem Schlapp-
21: hut bemerken müssen, der angestrengt die Tafel mit den Arrivals
22: studierte, oder den anderen, der sich gerade eine Zeitung kaufte
23: und dann einem dritten wie einem plötzlich entdeckten Bekannten
24: zuwinkte? Als du erleichtert insein Taxi stiegst, Ramiro Villa-
25: nueva, und in die Stadt fuhrst, hättest du nicht prüfen sollen, ob
26: dir auch niemand folgt? Und schließlich die Männer, die kurz nach
27: dir die Hotelhalle betraten und sich, eben wurde dir der Zimmer- [8] 01: schlüssel ausgefolgt, wieder entfernten, wie konnten sie dir ent-
02: gehen? Gewiß, du konntest nicht ahnen, daß du nicht nur von deinen
03: Geschäftsfreunden erwartet wurdest, sondern auch von ganz anderen..
04: Sogar die Presse war längst eingeschaltet, eine große Tageszeitung
05: hatte sich exklusiv den Bericht gesichert!
06: Der Aufenthalt in dieser Stadt, Ramiro Villanueva, wird lange
07: dauern...
08: ((Rotationsgeräusch))
09: M 1: (Sensationsprotokoll): 19 Uhr 20. Der Drogenkurier trifft im Hotel
10: ein. Er nimmt ein Zimmer im dritten Stock. Über ein Funksignal
11: erhalten wir das vereinbarte Zeichen.
12: ((Rotationsgeräusch))
13: M 1: 19 Uhr 23. Der Kolumbier meldet ein Telefongespräch an. Wie er-
14: wartet, will er sich mit seinem Kontaktmann in Verbindung setzen :
15: Mit "Lichtorgler"Rapp , in der Unterwelt auch als Tätowierer be-
16: kannt.
17: 19 Uhr 25. Die Spannung nimmt zu. In der Wohnung des Tätowierers
18: klingelt das Telefon..
19: ((Einige Sekunden nichts, allenfalls ein Rauschen ))
20: M 1: (etwas akzentuierter, wie nach einer Panne, Spur von unterdrücktem
21: Ärger, als könne er durch die deutlichere Wiederholung das Geräusch
22: herbeirufen): In der Wohnung des Tätowierers klingelt das Telefon.
23: ((Einige Sekunden nichts, dann zweimal Tuten eines Nebelhorns))
24: M 1: Die Spannung steigt weiter.
25: ((Lange anhaltendes Telefonklingeln. Dann Telefonklingeln im Hintergrund,
26: im Vordergrund junge Frauenstimme, kichernd. "Stellt euch vor, das
27: Telefon klingelt, und keiner geht hin."
28: Telefon wieder im Vordergrund, Männerstimme, wütend: "Pronto?!" [9] 01: Hörbare Stille, eventuell Knacken in der Leitung. Wieder die Frauen-
02: stimme. "Stell dir vor, du gehst hin, und keiner ist dran." – Noch
03: etwas abwarten, dann auflegen. Sofort klingelt das Telefon wieder.
04: Abheben, Männerstimme: "Pronto?!"
05: Am Telefon eine 'Journalstimme': "Hallo,
06:
07: Rotationsgeräusch.))
08: M 1: 19 Uhr 30. Auf dem Höhepunkt der Spannung kommt es zu Fehlschal-
09: tungen und Mißverständnissen. – Da aber summt in Villanuevas
10: Hotelzimmer das Telefon. Villanueva hebt ab..
11: Männerstimme: Villanueva – Kältetechnik, Grüß Gott?
12: 'Unheimliche# Telefonstimme (nach einer Pause): Die Wahrheit ist weiß
13: wie Schnee. In zehn Minuten. Basta!
14: ((Besetztzeichen. Auflegen. Rotationsgeräusch.))
15: M 1: Nun kommt Bewegung in die Geschichte. Zehn Minuten nach diesem
16: mysteriösen Anruf – wahrscheinlich der vereinbarte Code – betritt
17: Lichtorgler Rapp hastig das Hotel und erklärt, Senor Villanueva
18: erwarte ihn in seinem Zimmer. Vor dem Hotel lagern zerlumpte Ge-
19: stalten – als Bettler und Aussätzige getarnte Undercover-Agenten
20: und Journalisten. Gleich wird der große Schlag geführt werden.
21: ((Drei mächtige Paukentöne))
22: Frauenstimme (konventionelle Erzählhaltung): Auf das vereinbarte Klopf-
23: zeichen öffnete Villanueva die Tür seines Zimmers. Heroinspaziert,
24: heroinspaziert, begrüßte er aufgeräumt seinen sauberen Freund.
25: Dann verschloß er hinter dem Besucher die Türe.
26: ((Gefängnistüre fällt ins Schloß))
27: M 1: 19 Uhr 46. Die Ereignisse überstürzen sich. Mit Panzerfäusten
28: dringen die Detektive ins Zimmer und halten den verblüfften
29: Männern, ihre Dienstmarken unter die Nase. Aus dem Gesicht des [10] 01: Kolumbiers entweicht jede Farbe.
02: ((Geräusch entweichender Luft, etwa aus einem Reifen))
03: M 1: Die Beamten ziehen rasch eine Probe des Giftes, um sich von
04: Echtheit und Güte zu überzeugen; dann werden der Drogenkurier und
05: sein Kontaktmann abgeführt. Beim Tätowierer wird außerdem ein
06: brisantes Notizbuch mit bekannten Namen der Halbwelt sicherge-
07: stellt..
08: ((Kurz anspielen: Georg Danzer, "Mondprinzessin" – "sei kein
09: Tätowierer..."))
10: Frauenstimme: Bei den Detektiven herrschte eine Stimmung, wie man sie
11: vom Schmaus nach großen Jagden kennt, eine Feststimmung, die noch
12: tagelang anhielt. – Nur einer mochte sich der geglückten Aktion
13: nicht so recht freuen: der Detektiv Katz und Klump. Bis spät in
14: die Nacht saß er über Aussagen und Protokollen und überlegte, ob
15: dieser Erfolg nicht eine Ablenkung vom eigentlichen großen Coup
16: gewesen sein könnte...
17: Klump (verärgert) Erklär mir bitte mal, warum Groß nicht an Bord des
18: Flugzeugs war?
19: Katz: Is’ doch gleichgültig, Hauptsache, wir haben den Stoff.
20: Klump: Gleichgültig, so. – Und wer garantiert, daß nicht die tausend-
21: fache Menge auf der Straße ins Land gebracht wurde? Daß nicht Villa-
22: nueva geopfert wurde, damit Groß unbehelligt agieren kann?
23: Katz: Ziemlich ausgeschlossen, wenn du mich fragst.
24: Klump: Du kennst die Methoden der Schober-Gruppe, die machen sich förm-
25: lich unsichtbar. - Wo ist beispielsweise Frau Klein?
26: Katz: Hm..… – Warmbad Villach?
27: Klump: Ach, Harry.… Warmbad Villach... Ja, Warmbad Villach, Beirut,
28: Stockholm, Attersee, wer weiß? Such mal eine Träne in Ozean...
29: Frauenstimme: Aber auch, daß den Kleinverteilern und Endverbrauchern [11] 01: nicht beizukommen war, bereitete dem Detektiv Kopfzerbrechen.
02: Klump: – Unerhört, wie die uns auf der Nase rumtanzen... Da, hör dir
03: das an: Falco, Ambros, behaupten, den Tätowierer persönlich gar
04: nicht zu kennen, hätten rein beruflich mit seiner Firma zu tun...
05: Katz: Freche Hunde.
06: Klump: Oder ((blättert)) hier, Herr Fendrich, droht gleich mit Anwalt!..
07: Sein Lieblingssport wäre Schwimmen, nicht Schifahren... Erklärt,
08: daß er Platinplatten nur an der Wand mag, nicht in der Nase...
09: Katz: Arschloch. – Mir reicht’s für heute. Dreh mal das Radio an.
10: ((Radio
11: : – die Verbindung nach
12: gekommen, wir werden es in unserer nächsten Sendung wieder versuchen,
13: bis dahin guten Abend.
14: ((Journal Ende. Kurze Pause. Dann Klaviermusik, bis zum Ende der
15: folgenden Ansage.))
16: Sprecherin: Der dramatisierte Schundroman.
17: GARS AM KAMP, MEIN LIEBER!
18: – Letzte Folge.
19: Sprecher: Es war ein warmer Herbsttag. Pulvergeruch hing noch schwer in
20: der Luft. Äpfel fielen raschelnd durch das Gezweig. Ernst und ohne
21: einander anzublicken gingen sie den Schotterweg von der LKirche
22: hinunter zum Wirtshaus..
23: ((Während der ganzen Szene im Hintergrund Schritte, langsames, gleich-
24: mäßiges Gehen))
25: (Die Sprecher UNTERHALTEN sich nicht, sondern sprechen vor sich hin.)=
26: M 2: Ich habe alles gesehen, alles gesehen in Gars am Kamp.
27: F 3: Alles?
28: M 2: Ich bin mit dem Postautobus gefahren, vier Stunden..
29: F 3: Vier Stunden? [12] 01: M 2: Vier Stunden, ja. Gleich, als ich ankam, sah ich ein frisch abge-
02: erntetes Feld mit großen Flecken bleicher Maisfedern, dann umge-
03: pflügte Äcker, ockerfarbene Felder, schließlich –
04: F 3: Du hast nichts gesehen in Gars am Kamp.
05: M 2: – schließlich lang gedehnte Stoppeläcker. Das Maisfeld, aus dem
06: der Hahn aufgeflogen war, lag übrigens an einem kleinen Bach.
07: Plötzlich fielen Schüsse.
08: F 3: Schüsse?
09: M 2: Jawohl, Schüsse. Ich sah, wie der Nußhäher mitten im Flug ins
10: Trudeln geriet und abstürzte. Er kam direkt Tor meinen Füßen zu
11: liegen, und ich bemerkte genau sein schön gezeichnetes FGefieder.
12: F 3: Das hast du gesehen?
13: M 2: Nie konnte mir ein Tier entgehen. Du erinnerst dich, damals, als
14: wir die Steiermark bereisten, du erinnerst dich an den Hirsch von
15: Hartberg..
16: F 3 (spöttisch): Wie könnte ich ihn vergessen. Er stand reglos da, nur
17: wenige Meter von uns entfernt, es sah aus, als wolle er gleich zu
18: röhren beginnen. Aber dann:,nichts..
19: M 2: Gars am Kamp ist nicht Hartberg. Hier ist es anders, schlimmer.
20: Vor der Tür beispielsweise lag ein toter Maulwurf mit rosa Pfoten.
21: F 3: Rosa Pfoten?
22: M 2: Rosa, ja. Die Frau hob ihn mit einem Blatt auf und warf ihn auf
23: den Misthaufen. Dann –
24: F 3: Dann?
25: M 2: Aus dem Nebel hörte ich ein einzelnes Horn, ohne aber den dazu-
26: gehörigen Jäger wahrnehmen zu können.
27: F 3: Du siehst, du hast nichts gesehen in Gars am Kamp.
28: M 2: Ich will dich schonen, nur deshalb erzähle ich dir nicht alles.
29: F 3: Mich schonen? Die ich Monate in Lend im Pongau zubrachte und in [13] 01: Knittelfeld praktizierte, du mich schonen? Du hast nichts gesehen
02: in Gars am Kamp nichts!
03: M 2: Gut. Versprich mir, dich nicht aufzuregen. Es war so: nachdem die
04: Frau den Maulwurf – du erinnerst dich?
05: F 3: Den Maulwurf mit den rosa Pfote..
06: M 2: – Eben den, nachdem sie ihn endlich auf den Misthaufen befördert
07: hatte, sah ich, wie sie mit einem Hackmesser einen Kürbis zwischen
08: ihren nackten Füßen –
09: F 3: Das willst du gesehen haben? Nichts hast du gesehen...
10: M 2: Ich habe es gesehen, hier, in Gars am Kamp, mit meinen eigenen
11: Augen. Wie sie, auf einem Faß sitzend, den Kürbis zwischen ihre
12: nackten Füße klemmte, mit dem Hackmesser aufschlug, die Kerne
13: herausgriff und in einen grünen Metalltopf warf!
14: F 3: Du hast dich getäuscht, du hast nichts gesehen!
15: M 2: Es sollte noch schlimmer kommen. Ich sah, wie die Knechte die
16: Maispflanzen knapp über dem Boden abhieben, sodaß gelbe Stümpfe
17: stehenblieben, dann nahmen sie die Bündel in den Arm und streuten
18: sie in die Ackerzelle. Einmal –
19: F 3: Nein!
20: M 2: – Einmal hob der Bauer seine HJacke am Feldrand auf und trank
21: einen Schluck aus dem Mostkrug. Der Sohn des Bauern trug trotz
22: der Hitze eine rot-weiße Wollmütze auf dem Kopf, eine Schisportler-
23: mütze, eine Riesentorlaufspezialistenmütze. Auf der anderen Seite,
24: neben einem Holzschuppen, neben zwei leeren Fässern, gackerten auf-
25: geregt die Hühner..
26: F 3: Es kann nicht sein, du hast nichts gesehen.
27: M 2: – alles gesehen in Gars am Kampf – Ehe der Hahn ein drittes Mal
28: krähte, hatte ich schon die Kirschbäume hinter dem Haus erblickt,
29: die mit einem Schleier absterbender Blätter bedeckt waren; in [14] 01: ihrer Buntheit sahen sie aus wie mit gelben und roten Federn eines
02: Paradiesvogels geschmückt, hörst du mich?
03: F 3: Du hast es nicht ertragen. Du hast den Blick gesenkt und minuten-
04: lang den aufgegangenen Schnürsenkel an deinem linken Schuh be-
05: trachtet, gib es zu. – Niemand hätte es ertragen können.
06: M 2: Nichts dergleichen. Ich habe es gesehen. Ich habe alles gesehen
07: in Gars am Kamp. lch habe die Spuren von Traktorreifen gesehen
08: an einem Abend im Herbst, die sich tief ins feuchte Erdreich
09: gruben. Und noch etwas habe ich gesehen: Eines anderen Tages,
10: tiefer Frieden überall, kam ein lilafarbener Volkswagen nach Gars
11: am Kamp und hielt unten an der Brücke. Einer Ohnmacht nahe, zwang
12: ich mich hinzusehen: Aus dem Kraftfahrzeug stieg ein vielleicht
13: vierzigjähriger Mann mit dunklen Haaren und einem Vollbart und
14: kam die Straße herauf..
15: ((Sie sind stehengeblieben))
16: F 3 (außer sich): Du lügst! Du hast nichts gesehen in Gars am Kamp,
17: nichts hast du – –
18: Sprecher: Mit einem erstickten Schrei stürzte sie zu seinen Füßen.
19: Er sah sich um. Nur noch wenige Schritte waren sie vom Wirtshaus
20: entfernt, und doch wußte er plötzlich, daß er niemals mehr seinen
21: Fuß in die düstere Wirtsstube setzen würde, in der sie kurze Zeit
22: so glücklich miteinander gewesen waren.
23: Sprecherin (gibt Uhrzeit bekannt, dann): Eine Verkehrsmeldung. Achtung,
24: Autofahrer, im Großraum
25: nach
26: großräumig auszuweichen. [15] 01: ((Signation à la 'Stahlnetz'))
02: Sprecher: Spur nach Bremerhaven.
03: Klump: (aufgebracht) – Was bisher geschah? Nichts, überhaupt nichts!
04: Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren.
05: Katz: Ich will nocheeinen ganzen Haufen leben.
06: Klump (verständnislos): Meinst du, ich nicht? Was soll denn der Quatsch?
07: Katz: Nichts, nur so, fiel mir grade ein.
08: Klump: Du kannst einem vielleicht auf den Wecker fallen, aber ganz
09: gehörig! Laß jetzt den Blödsinn. – Noch mal von vorn, wir –
10: Katz: Ich höre.
11: Klump: – Wir müssen System reinbringen. (Kurze Pause, dann referierend:)
12: Unser einziger Anhaltspunkt ist, daß Groß, nachdem er aus Wien
13: verschwunden ist, im April in Bremerhaven auftaucht, und zwar
14: schleicht er sich dort in einen Arbeitskreis Rüstungswirtschaft
15: ein, der von Müll geleitet wird.
16: Katz: Müll. – Der Müll, bei dem mal die Klein – ? Unser Müll?
17: Klump: Genau der, der Industrie-Müll. Erst Krupp, dann Thyssen, später
18: zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Heer und Industrie ins
19: Ministerium berufen.
20: Klump: Verstehe.
21: Klump: Das Problem ist, daß in unserem Dossier der Name Groß nicht
22: aufscheint. Unsere Spur beruht einzig auf einer mündlichen
23: Information eines Kontaktmannes, Bundeswehroffizier, nicht eben
24: zuverlässig. Trotzd
25: Katz: Trotzdem, weiter.
26: Klump: Im Rahmen des Intensivierungsprogramms werden auch kurzfristige
27: Wehrübungen für Industriemang
28: werden an MP und MG ausgebildet. (Kurze Pause) In Bremerhaven [16] 01: nahm auch ein gewisser Hans Magnus Enzengruber an einer solchen
02: Übung teil.
03: Katz: Enzengruber? Enzensberger!
04: Klump: Enzengruber. Der Nachname tut übrigens nichts zur Sache.
05: Katz: Und?
06: Klump: Du kennst ihn, wir beide kennen ihn.
07: Katz: ?
08: Klump: HANS MAGNUS Enzengruber, überleg doch mal. Fällt dir nichts auf?
09: Katz: Ich werd verrückt. Johannes Groß!
10: Klump: Das hat aber gedauert. Groß, natürlich, von sich selbst besessen
11: bis in die Decknamen hinein..
12: Katz: Wollen uns wohl vorführen, was ‘ne Harke ist, aber vorher zeigen
13: wir Ihnen, wo der Bartel den Most holt – in der Steiermark nämlich.
14: Hab ich recht, Stephan?
15: Klump: Haarscharf getroffen. – Die Klein sollte bald darauf in der
16: Steiermark aktiv werden, Knittelfeld, Judenburg.… Aber das
17: nehmen wir uns später vor. Erst die Tagebücher , die sind wicht-
18: iger , und dann diesen Pichler
19: ((Klaviermusik))
20: Sprecherin: Der dramatisierte Schundroman. "Tagebuch". – Letzte Folge.
21: ((Zwischen den 'Eintragungen' ganz kurz angespielte Passagen aus
22: Klavierstücken von Schönberg))
23: F 1: 8. 3., Aschaffenburg. – Müde. Verbraucht. Leblos.
24: 10. 3., Aschaffenburg. – Ausgebrannt, wie gelähmt, am Abgrund. –
25: Banal geträumt. Später Pichler.
26: 11. 3., Nürnberg. – Ein ausgeleerter Kübel, ein Nichts. Draußen
27: Föhn. Finsternis. Kurzer, unruhiger Schlaf. Dann Pichler. [17] 01: ((Rotationsgeräusch))
02: 16. 3., Erlangen. – Nichts. Pichler.
03: 20. 3., Ingolstadt. – Wie gerädert von der Last meines Körpers.
04: Zwischenfälle, Verluste. Abendessen mit Rod. Michel mit seiner
05: behaarten Seemannsbrust. Pichler?
06: 22. 3., Minden. – Offene Verandafenster. Klaviermusik. Dann Pichler
07: ((Rotationsgeräusch))
08: Im Hunsrück. – Schüttelfrost. Hundegekläff. Alles vergessen, was
09: sein wird, Pichler vergessen.
10: 26. 3., Amras. – Verstörung. Vorbei am Kalkwerk.
11: 30. 3., Madonna di Campiglio. – Sehnsucht, fortschreitende Ver-
12: wirrung. Gewühl im Sonnengeflecht. Der Schoß in voller Bereit-
13: schaft, schmerzhaft die Schenkel durchströmendes Einverständnis.
14: Dann Attersee.
15: 2. 4., Ravenna. – Attersee.
16: 3. 4., – Die Hitze vor den zugezogenen Fensterläden. Rotwein aus
17: dem Zahnputzbecher. Nachmittägliches Entsetzen.
18: 7. 4. – Triest. – Husten, Erschöpfung. Alle Schrecknisse der
19: Nacht durchmessen, wie damals, in Bad Gastein. Niemand darf von
20: dieser Niederlage erfahren.
21: ((Rotationsgeräusch))
22: 10. 4., Warmbad Villach. – Traumrudimente: P.s Gesicht, von Salz-
23: säure verunstaltet. – Am Morgen im Foyer Mattschacker. Höflich
24: grüßend an ihm vorbei. Drecksack.
25: 12. 4., Baden Baden. – Wie ein erloschener Vulkan; ja, ein genaues
26: Bild. – Nachts die Todesschreie eines Vogels.
27: 20. 4. – Verfinsterung. Und Rüsselsheim, was habe ich hier verloren
28: – Ein letztes Mal Attersee.
29: 22. 4., Fulda. – Schmutziggrauer Vormittag, Frühstück. – Tod,
30: überall Tod. [18] 01: Plötzliches Bild: P.s feuchte Augen mit den langanhaltenden
02: Blicken.
03: 2. 5., Bebra. – Zwiebelgeruch. Erstickungsanfälle. Tremor.
04: ((Rotationsgeräusch))
05: 10. 5., Attersee. – Nichts. Nachts Pichler.
06: 11. 5.
07: 12. 5. – Pichler, schweigsam, von hinten. In der ländlichen Stille
08: wie begraben.
09: 14. 5. – Aufruhr. Der schöne Brief von H. aus Gars am Kamp – die
10: Kunst eine Sackgasse, welch ein Vergleich!
11: 16. 5. – Pichler, wie ein heißer gelber Sturm.
12: 11 Uhr nachts. – Wer ist Pichler wirklich?
13: 4. 6., Reicheneibach. – Der letzte Tag in Reicheneibach. Auf dem
14: Weg zurück in die Dorfwirtschaft plötzlich ein Gedanke, der Ent-
15: setzen auslöste: Pichler – kann er mir gefährlich werden?
16: 7./8. 6., im Flugzeug irgendwo über dem Mittelmeer. – Hier soll
17: es damals passiert sein.
18: ((Rotationsgeräusch))
19: ((Kennung einer Journalsendung, dann Moderator:))
20: "Guten Abend, meine Damen und Herren. – Stichwort, Tagesthema: Leibnitz,
21: die Geschehnisse in und um Leibnitz. Wir hoffen, daß die Verbindung
22: nach Leibnitz inzwischen zustande gekommen ist – Augenblick ((Telefon
23: summt,)) abheben)) – ja, hallo? – Leibnitz? – Mathias Walden, können Sie
24: mich hören? ((Aus dem Telefon nichts oder eine völlig unverständliche,
25: verzerrte Reportage)) – – Hallo? ((legt auf)) Tja, es hat leider noch
26: immer nicht geklappt, aber wir versuchen natürlich weiterhin, die Ver-
27: bindung mit Leibnitz herzustellen" (abblenden)." [19] 01: ((Aufblenden: Leere abendliche Straße, im Hintergrund aus offenen
02: Fenstern evtl. Fernsehgeräusche – Dallas, Dynasty oder Formel--
03: Reportagen. – Katz unterhält sich gehend mit Klump – entweder die
04: Schritte zweier Fußgeher, oder, besser noch, wenn im linken Kanal
05: Katz spricht, Schritte im rechten Kanal, wenn Klump im rechten Kanal
06: antwortet, Schritte im linken Kanal usf.))
07: Klump: Hast du bemerkt, wie vorsichtig dieser Pichler war? Weiß sicher
08: mehr, als er zugibt. Ein Sympathisant, wie er im Buch steht.
09: Katz: Ach komm, du siehst Gespenster… Nur weil er’s vor Jahren mit
10: der Klein getrieben hat?
11: Klump: Er war auch mit Groß zusammen.
12: Katz: Bisexuell?
13: Klump: Nein doch! Beruflich, wenn man's so nennen will. – Kurier der
14: Goldberg-Gruppe, was ihm aber nie nachzuweisen war, Trainings-
15: manager der Schober-Gruppe, internationale Einsätze, aber immer
16: ganz legal. Und und und…! (Kurze Pause) – Hätte gute Lust,
17: diesen Fall überhaupt hinzuschmeißen.
18: Katz: Kopf hoch, Stephan, man muß den Flüssen trauen! Warum versuchen
19: wir's nicht einfach am Markt, wir haben doch genügend alte Kunden
20: dort..?
21: Klump (skeptisch): Das wird doch wieder ein Schlag ins Wasser… Aber
22: gut, wenn du meinst… Wir treffen uns also vor der Marktwirt-
23: schaft, wie früher.…
24: ((Ausblenden.
25: Aufblenden: Akustische Kulisse etwa eines Obst- und Gemüsemarktes.
26: Im Vordergrund zwei Ausrufer, einer links, einer rechts, marktschrei-
27: erisch anpreisend:))
28: Links: Betriebsmittelfinanzierungen, Investitionsfinanzierungen!
29: Rechts Schnürsenkel, Putzlappen, Schwedenhölzer…! [20] 01: Links: Liquiditätssteuerung, Kreditgeb??ung!
02: ((Evtl. wiederholen, mehr und mehr im Hintergrund; gleichzeitig
03: Katz & Klump, der zwischen den Ausrufern hindurchgeht, halblaut:))
04: Katz: – Sieh mal an, der Blinde mit der Beinprothese....
05: Klump: Wo?
06: Katz: Da vorne, beim Lottostand
07: Klump: Tatsächlich. Wenn der blind ist, freß ich seine Prothese.
08: Katz: Jetzt geht er in die Wirtschaft! Los, hinterher..
09: Klump: Aber getrennt! Erst du, dann ich....
10: ((Ausblenden))
11: Weibliche Erzählstimme: In der Marktwirtschaft ging es hoch her.
12: Der Detektiv tat, als suche er einen Bekannten, und ging langsam
13: von Tisch zu Tisch...
14: ((Aufblenden: Gasthauskulisse, Kneipenlärm; Gesprächsfetzen, von
15: Tisch zu Tisch:))
16: – : Prostata, lieber Amerongen, Prösterchen!
17: – : Hoch die Tassen!
18: – : Er gab sich nämlich als Verkaufsrepräsentant für Desinfektions-
19: mittel aus ...
20: – (bewundernd): – und wie, eine unternehmerisch denkende Persönlich-
21: keit von absoluter Integrität! Ein Mann der alten Schule....
22: ((Im Hintergrund aufkommender Tumult. Betrunkenes, verächtliches
23: Grölen: "Arbeitsplätzchen, Arbeitsplätzchen" – evtl. von Händeklatschen
24: unterstützt – und "Arbeitsblödsinn, Arbeitsblödsinn".)) Vordergrund:
25: – (wie unter verfeindeten Nutten): Na, du Wirtschaftsförderungsinstitut
26: du kesses Stück Dreck..
27: – : – im Sinne von Arbeitsplatzsicherung völlig verfehlte Strategie...
28: – : Aber eines sage ich Ihnen, meiner Tochterfirma tritt niemand mehr
29: zu nahe! [21] 01: – : Nun produzier dich nicht so..!
02: – : Wer? Ich? – Nimm das zurück!
03: – : Ich denk nicht dran, du Kryptokommunist, du rote Sau du!
04: ((Der Tumult hat sich zur Schlägerei entwickelt, Stühle fallen um,
05: Gläser bersten, Geschrei etc. Dann ausblenden.))
06: Weibliche Erzählstimme: Das zunehmende Chaos in der Marktwirtschaft
07: nutzte der Blinde, um unauffällig zu entkommen. Auch Katz &
08: Klump zogen sich eilig aus der Wirtschaft zurück, aber es war
09: bereits zu spät.. (ganz kurze Pause)
10: Sprecherin: Sie hörten den dramatisierten Schundroman. – Da uns bis
11: zur nächsten Sendung noch etwas Zeit bleibt, einige Takte Musik
12: und Werbung.
13: (Werbestimmen: zwischendurch Musik)
14: – : Hausfriedensbruch? Besitzstörung? Ärger mit den Nachbarn ? –
15: Ein Granatwerfer von Junghans schafft Abhilfe.
16: Granatwerfer von Junghans – dem bißchen Frieden zuliebe..
17: – : Die beliebten Mehrzweckfregatten "Meko 360" – nur von Blohm und
18: Voss, Hamburg. – Blohm und Voss: Die Guten unter den Bösen!
19: – : Ihr Rüstungsberater – DIEHL, Nürnberg. Handgranaten, Panzerfäuste,
20: Panzerzugmaschinen und was sonst noch für den Frieden vonnöten
21: ist: bei Diehl, Nürnberg. Bei Diehl gibt’s viel!
22: ((Musik wird von einem Verkehrsmeldungssignal unterbrochen.))
23: Sprecherin: Eine Verkehrsmeldung. Die Verbindungsstraßen nach Leib-
24: nitz sind immer noch unterbrochen, da sich schon etliche Zwi-
25: schenfäller ereignet haben, ersuchen wir die Autofahrer, von
26: Fahrten nach Leibnitz Abstand zu nehmen. (Kurze Pause)
27: Sprecher: Unser Radiolehrgang. [22] 01: ((Arbeitslärm – Kakophonie, Preßluftbohrer, Fabrikhalle, Hämmern,
02: Sägen usf. Während des Titels Geräusche im Hintergrund.))
03: Sprecher (knallig, evtl. mit Hall): ARBEITSWELT.
04: Sprecherin: Der Schundroman zum Selbermachen. Letzte Folge "Nacht-
05: arbeit"
06: M 1 (eine Art Workshopleiter , 'Lehrstimme'): Problemstellung und
07: Ausgangssituation: Die Hauptperson macht sich auf den Weg zur
08: Schichtarbeit, seine Freundin geht ins Kino. Beginnen Sie.
09: M 4 (als lernender Autor): Johann Tobel fühlte sich elend. Seit er
10: vor einigen Tagen sein Auto zertrümmert hatte, war er nur noch
11: ein halber Mensch. Er mußte nun täglich mit Bus und Bahn in den
12: Betrieb fahren. Widerwillig packte er die Jausenbrote ein, die
13: Gerda ihm gestrichen hatte. Seine Verlobte wollte ins Kino gehen:
14: sie begleitete ihn bis zur Bushaltestelle.
15: M 1: Akzeptiert, das Adverb "widerwillig" sogar sehr gut. Auch die
16: Geschichte mit dem kaputten Auto ist einfallsreich. Nun Abschied
17: und Beschreibung des Weges zum Arbeitsplatz, Tristesse!
18: M 4: Tobel küßte Gerda zum Abschied flüchtig auf die Wange und stiegf
19: in den Bus. – Der Bus war nicht geheizt. Auch die Schnellbahn,
20: in die er später umstieg, war kalt und fast leer. In den Wirts-
21: stuben schäumte das Bier aus den Zapfhähnen. Von den Dächern der
22: Häuser blinkten Leuchtreklame, im Nebel nur als verschwommene
23: Konturen wahrnehmbar. Die Bahn fuhr an einem Autofriedhof vor-
24: über. Tobel fröstelte.
25: M 1: Gut gemacht. Folgt nun Einsetzen der Handlung.
26: M 4: Als er die Halle betrat , wunderte er sich und wußte dennoch
27: sofort Bescheid. Die Kollegen standen in kleinen Gruppen herum
28: und debattierten erregt, es herrschte dicke Luft. Pazifisten und
29: Naturschützer hatten also die Oberhand behalten , dachte Tobel [23] 01: bitter. Kurzarbeit, fuhr es ihm durch den Kopf, oder überhaupt
02: Arbeitslosigkeit, Elend, die noch nicht abgezahlte Wohnung, die
03: Raten für den neuen Audi Quatro –
04: M 1 (unterbricht): Keine Namen. Der Name des Produkts ist bedeutungs-
05: los. – Jetzt Nebenfiguren, Kampfstimmung.
06: M 4: Johann Tobel gesellte sich zu den Kollegen. Das können‘s mit
07: uns nicht machen, schrie der Birgel gerade, mit uns nicht! Eine
08: Sauerei ist das, sagte Rußwurm. – Grad jetzt, wo die Benzinpreise
09: steigen und steigen, ergänzte Maurer. – Umwelt hin oder her, hier
10: geht’s um Arbeitsplätze, schrie Kumpf dazwischen, erst kommt der
11: Mensch, dann der Wald, ver d ammt noch mal! Sein sonst so ruhiges
12: Gesicht war rot vor Zorn. Auch Tobel spürte Wut in sich aufsteigen,
13: und die Wut tat ihm gut, wirkte befreiend. Wir müssen was unter-
14: nehmen, schaltete er sich ins Gespräch ein, denn es ist doch so:
15: Ohne Arbeitsplatz kein Auto, und ohne Autos, wie kommen wir dann
16: an unsere Arbeitsplätze? – Genau, ganz richtig, so ist es, tönte
17: es von allen Seiten. Kein Zweifel, die Kollegen waren kampfbereit
18: bis zum äußersten.
19: M 1: Ausgezeichnet. Jetzt überraschende Wendung.
20: M 4: Plötzlich erschien der Meister in der Halle. Das Arschloch,
21: konnte Birgel noch knurren , bevor sie in alle Himmelsrichtungen
22: auseinanderstoben, um die Plätze an ihren Maschinen einzunehmen. –
23: Mechanisch vollführte Tobel die gewohnten Handgriffe. Er fühlte
24: sich ausgebrannt, doch tief in ihm schwelte ein Feuer..
25: M 1: In Ordnung. Der Held kehrt nach Hause zurück. – Bitte.
26: M 4: Tobel knallte die Wohnun g stür hinter sich zu und drehte das TRadio
27: an. Gerda sprang nackt aus dem Bett und schaltete es wieder aus.
28: Endlich bist du da, sagte sie, komm, schnell, ich bin so scharf..
29: Damit legte sie sich verführerisch aufs Bett. Nun wurde es Tobel [24] 01: zuviel. Verdammte Scheiße, brüllte er, wir kämpfen um unsere
02: Arbeitsplätze, und du hast nichts im Kopf als deine Votze! Leck
03: mich doch am Arsch!! Er schlug sich mehrmals mit der flachen
04: Hand gegen die Stirn. Die Digitaluhr auf dem Nachtkästchen zeigte
05: 5 Uhr 55.
06: ((Klaviermusik))
07: ((Aufblenden. Innenraum. Katz und Klump über eine Landkarte gebeugt.))
08: Klump: ... also, die Steiermark.... Die letzten Stationen der Klein
09: waren... – gib mir mal 'ne Stecknadel rüber – waren Knittel-
10: feld, hier... und Judenburg... da, Judenburg. Dann allerdings
11: reißt der Film. – Aber jetzt paß auf (nimmt ein Schriftstück
12: zur Hand), Auszug Dossier: (liest vor)) Die nächste Zusammen-
13: kunft – Strategie, Logistik – fand in einem Schloß in der Nähe
14: von Leibnitz statt. Diese Schloß gehört übrigens einem bedeuten-
15: den Hygiene-Artikel-Hersteller. Beobachtet wurden hauptsächlich
16: Top-Leute: Neben Aschenbrenner, dem nur wenig später ermordeten
17: Führer der Venediger-Gruppe, Rieche und Rubbers von der Handels-
18: bank, Zunz und von Hurwitz von der Goldberg-Gruppe sowie "Old
19: Schwurhand". Die Adamello-Gruppe war durch Negrelli vertreten,
20: die Silvretta-Gruppe durch O'Loughlin. Außerdem gesichtet: der
21: südafrikanische Botschafter usw. usf. (legt das Papier beiseite)
22: Hochkarätige Versammlung, erlesenes Buffet. Bedienung und Garde-
23: robenmädchen über eine Hostessen-Agentur engagiert. Hübsche
24: Mädchen, die sich ein Taschengeld verdienen. – Weißt du, worauf
25: ich hinauswill?
26: Katz: Längst schon, aber man soll ja den Erzählfluß nicht bremsen...
27: Klump: Du mit deinen verdammten Weisheiten! Weißt du's nun oder weißt
28: du's nicht? [25] 01: Katz: Ja doch, die Klein war im Schloß, hat dort serviert. Na und?,
02: hilft uns das weiter? Ist sie vielleicht noch dort?
03: Klump: Natürlich nicht. Worum es geht, ist: Was wollte sie dort?
04: Was weiß sie? Was hat sie vor? Hat sie am Ende einen dieser
05: Leute in ihr Bett gelockt? Immer neue Fragen, und dabei läuft uns
06: die Zeit davon...
07: ((Klaviermusik))
08: Sprecherin: Der moderne Beziehungsroman. – WALDHOF-VARIATIONEN –
09: Letzte Folge.
10: ((Zwischen den einzelnen Blöcken Klaviermusik))
11: F 4: – Die Stellenanzeige war auffällig plaziert – Import-Export,
12: internationale Gruppe. Ich war mir sicher –
13: M 3: – Aus der Art, wie sie mich ansah, wurde mir klar –
14: F 2: (Telefon): – Nein, bedaure, Frau Prokurist Waldhof ist im Augen-
15: blick besetzt.
16: M 2: (wie einen unterbrochen en Satz wieder aufnehmend): – oder um es mit
17: einem Ausdruck aus dem Eishockey zu benennen: konsequentes Fore-
18: checking der Konkurrenz gegenüber.
19: F 4: – bietet sich nicht alle Tage, die Möglichkeit, einem Spitzenmann
20: zu Diensten zu sein..
21: M 3: – außergewöhnlich, keineswegs alltäglich, ganz und gar außerge-
22: wöhnlich
23: F 4: – Er nahm mich mit zum Derby. Der Geruch der weiten Rasenflächen,
24: ein leichter Wind, schweißnasse Pferde –
25: M 3: – später Abendessen mit ihr. Sie trug pfingstrosenfarbene
26: Strümpfe und kurze Hosen. Und ihr perfektes Französisch, erstaun-
27: lich. [26] 01: M 2: Morgen abend,
02: M 3: sagte ich,
03: M 2: Tel Aviv?
04: F 2: Tel Aviv,
05: F 4: gab ich zurück,
06: F 2: morgen abend!
07: M 3: – Es hat ja was auf sich, sagte sie, es hat was auf sich, wenn
08: gesagt wird, der Faschismus spielt sich im Bett ab, aber ich
09: persönlich hab's gern, wenn –
10: F 4: – Auf einer Messe wie der kommenden, sagte er, werden Sie es nur
11: mit potenten Käufern zu tun haben –
12: F 2: Also Tel Aviv,
13: F 4: sagte ich,
14: F 2: morgen abend!
15: M 2: Morgen abend,
16: M 3: antwortete ich,
17: M 2: Tel Aviv, ja.
18: F 2: Mit einem Loser ins Bett?
19: M 3: Mit einem Loser ins Bett, niemals, sagte sie. Wie ich die Grenze
20: zwischen Privat- und Geschäftsleben ziehe, wollte sie wissen.
21: Und ich: –
22: F 4: Bin absoluter Winner, und so geistreich! Hemmungslos ungenau
23: ziehe er die Grenze zwischen Privat- und Geschäftsleben. Wovon
24: ich mich nachhaltig überzeugen konnten [27] 01: M 2: – Hemmungslos ungenau. Zu guter letzt (Eine Spur leiser, mühsam
02: ein Lachen unterdrückend) pinkelte ich ihr in die Votze..
03: M 2: Wir haben,
04: M 3: sagte ich, wieder im Hotel,
05: M 2: nämlich einen großen Anwendungsstau in der Büroelektronik
06: M 3: und sah sie bedeutungsvoll an..
07: F 2: Oh,
08: F 4: gab ich zurück,
09: F 2: oho, ließe sich dem nicht abhelfen..?
10: F 4: Er holte seinen Klepper aus dem Latz und sprach: –
11: M 3: Bevor es abermals soweit war, sagte oich:
12: M 2: Möge sich diese wunderbare Technologie flächendeckend über den gesam-
13: ten Verwaltungsbereich ergießen..
14: M 3: Dann kam ich über sie wie Honeywell Bull.
15: ((Klaviermusik, ausblenden))
16: ((Innenraum. Beide fassungslos.))
17: Klump: Also, was sagt man dazu!?
18: Katz: Ich werd' nicht mehr... Nicht zu fassen, und doch –
19: Klump: Das Radio, schnell..
20: ((Radio wird angestellt, Vordergrund::))
21: Journalstimme: – immer noch versucht wird, die Verbindung nach Leib-
22: nitz herzustellen, ist es uns gelungen, den Ersten Gemeindesekre-
23: tär von Leibnitz, Herrn Schmidt, ins Studio zu bekommen, –
24: Schmidt: Guten abend .
25: Journalstimme: Herr Schmidt, Sie waren indirekt ja auch Betroffener
26: Schmidt: Betroffener, ja. [28] 01: Journalstimme: Herr Schmidt, kurz zur Täterpersönlichkeit; wer war
02: eigentlich dieser Dietrich Wegener, der in der spektakulären
03: Kommandoaktion vom Sparverein Grün-Schwarz-Grün unschädlich ge-
04: macht wurde? Sie haben mir vorhin gesagt, ganz Leibnitz hat sich
05: vor ihm gefürchtet –
06: Schmidt: Gefürchtet ist das richtige Wort, ja.
07: Journalstimme: Wenn ich recht verstanden habe, waren die Straßen,
08: wenn Wegener auftauchte, wie leergefegt, niemand hat sich aus
09: dem Haus getraut –?
10: Schmidt: Jawohl, leergefegt.
11: Journalstimme: Nachforschungen haben ergeben, daß der Name Wegener
12: auf Wegelagerer zurückgeht, also auch die Vorfahren schon –
13: Schmidt: Damit hat es ja nun ein Ende.
14: Journalstimme: – auch die Vorfahren bereits Wegeners, Wegelagerer
15: waren.
16: Schmidt: Wegelagerer, ganz richtig.
17: Journalstimme: Und es ist immer wieder zu Zusammenstößen und Zwischen-
18: fällen gekommen in Leibnitz?
19: Schmidt: Das ist richtig, ja.
20: Journalstimme: Man kann also sagen, dieser Wegener war jener dTypus
21: des Kriminellen, der mit der Feigheit seiner Mitmenschen rech-
22: net?, ein Außenseiter, für den das Wort Freundschaft ein Fremd-
23: wort war und der sich völlig in seine Wahnideen verrannt hat?
24: Schmidt: Die Rechnung wurde ihm präsentiert.
25: Journalstimme: Herr Schmidt, Wegener hat von der Gemeinde freien
26: Abzug gefordert, und zwar in einem Auto, das von Ihrer Tochter
27: gelenkt wird. Ihre Tochter ist jetzt wie alt?
28: Schmidt: 23. [29] 01: Journalstimme: Es sind inzwischen Stimmen laut geworden, die das harte
02: Vorgehen der Gemeinde, insbesondere das Einbeziehen des Spar-
03: vereins, die Absperrungsmaßnahmen und schließlich die Liquidation
04: verurteilt haben. Stimmen , die meinen, man hätte Wegener das
05: Auto zur Verfügung stellen sollen, er hätte zweifellos Ihre
06: Tochter unversehrt freigelassen.
07: Schmidt: Absurd.
08: Journalstimme: Sie stehen also zur Vorgangsweise der Gemeinde.
09: Schmidt: Voll und ganz.
10: Journalstimme: Auf der anderen Seite sind aber auch Telegramme einge-
11: gangen, die die Aktion befürworten –?
12: Schmidt: Breiteste Zustimmung, ja.
13: Journalstimme: Herr Schmidt, könnten Sie uns eines dieser Telegramme
14: vielleicht kurz vorlesen?
15: Schmidt: Gern. (liest vor) "Dank an unsere Helden vom Sparverein
16: Grün-Schwarz-Grün. – Wir sind stolz auf sie: Sie haben eine
17: schwere Arbeit gut gemacht. – Sie sind keine Abenteurer, sondern
18: ernste Männer, die sich um unser Leibnitz verdient gemacht haben. –
19: Nochmals danke!" Ich denke, ein Kommentar erübrigt sich.
20: Journalstimme: Eine letzte Frage, Herr Schmidt: XXX
21: Besteht die Möglichkeit, daß Wegener Kontakte zur Schobergruppe
22: unterhielt?
23: Schmidt: Nach bisherigen Erkenntnissen ist eine solche Verbindung so
24: gut wie auszuschließen.
25: ((Radio wird abgedreht.))
26: Klump (düster, rätselhaft): Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt
27: schon der Tag. Groß ist nicht Groß, und Klein nicht die Kleine..
28: Sprecher: (aus 'Was bisher geschah', dritte Variante): Katz und Klump
29: verwickelte sich plötzlich in eine heftige Auseinandersetzung. [30] 01: Während Klump glaubte, in der Stimme des Gemeindesekretärs
02: jene von Johannes Groß erkannt zu haben, und Schmidts angebliche
03: Tochter folglich nur Barbara Klein sein konnte, versteifte sich
04: Katz auf das Telex des Informa n ten Fiebelkorn, wonach Groß und
05: Klein sich längst nach Bogota Kolumbien abgesetzt hätten und in Bogota
06: eine Kneipe betrieben..
07: Klump: – und ich sage dir, er ist es, es war seine Stimme, wir
08: müssen vor Tagesanbruch zugreifen –
09: Katz: – Völlig irrsinnige Vermutung, im Rundfunk ist eine Täuschung
10: nie auszuschließen. Die Schobergruppe ist in den Anden! Fiebel-
11: korn weiß, was er sagt – ein Mann, der sich nicht ins Bier spuk-
12: ken läßt!
13: ((Beide Stimmen nun gleichseitig, erregt aufeinander einredend:)) 01: Klump:
02: Fiebelkorn! Kneipe in Bogota!
03: Blödsinn. Ein übles Schwein ist
04: dieser Fiebelkorn, der weiß
05: doch nicht mehr, für wen er
06: arbeitet , wenn er nur arbeiten
07: kann. – Fiebelkorn, Zwiebel-
08: korn! Ich sage dir, wir müssen
09: hier zugreifen, im Scheißgau,
10: in Leibnitz, bevor der Tag an-
11: bricht,
12: müssen wir zugreifen. 01: Katz:
02: Groß und Klein sind in Bogota, das
03: liegt klar auf der Hand. Bis hin zum
04: Kneipennamen, wie heißt denn die
05: Kneipe? "Zum Hochschober" heißt sie,
06: oder heißt sie vielleicht nicht "Zum
07: Hochschober" – Schmidt ist nicht
08: Groß, und Klein nicht die Kleine..!
09: Alle Spuren waren falsch, wir müssen
10: nach Südamerika..
11: Südamerika! 01: ((Klaviermusik)) [31] 01: Sprecherin: Sie hörten den dramatisierten Schundroman –
02: M 1: Letzte Folge.
03: F 3: Nein.
04: M 1: Groß und Klein.
05: F 3: Nichts.
06: M 1: Waldhof-Variationen.
07: F 3: Nichts gehört.
08: M 1: Arbeitswelt.
09: F 3: Du hast nichts gehört.
10: M 1: Ich habe alles gehört. – Marktwirtschaft.
11: F 3: Nein.
12: M 1: Tagebuch.
13: F 3: Auch nicht.
14: M 1: Spur nach Bremerhaven.
15: F 3: Kein Wort.
16: M 1: Gars am Kamp.
17: F 3: Keinen Laut.
18: M 1: Schnee.
19: F 3: Da hast nichts gehört.
20: M 1: Ich habe alles gehört. Was bisher geschah.
21: F 3: Niemand hat etwas gehört.
22: M 1: Alle haben es gehört.
23: F 3: Nein.
24: Ende
Sprecherin: Der dramatisierte Schundroman.
Die folgernden Titel zunächst wie kurze ›reale‹ Ansagen (Klavier, Cello, Geräusche), die in Vorschläge (ohne Signation) übergehen. – M 2 im leeren Raum.
M 1: Angst.
Irres Laufen
M 2: Nein.
M 1: Atemnot.
M 2: Nein.
M 1: Tödlicher Husten.
M 2: Nein.
M 1: Sturm über Kreta.
M 2: Auch nicht.
M 1: Blut.
M 2: Nein.
M 1: Der stille Ozean.
M 2: Nicht gut.
M 1: Schreie aus der Hölle.
M 2: Nein.
M 1: Die Zukunft der Sinne.
M 2: Auf keinen Fall.
M 1: Finsternis.
M 2: Unter Umständen.
M 1: Die Erfindung der Wirklichkeit.
M 2: Eventuell.
M 1: Bild und Welt.
M 2: Auch.
M 1: Letzte Folge.
M 2: Ja.
M 1: [4] Was bisher geschah.
M 2: Was bisher geschah.
Evtl. Klaviermusik
Sprecherin 1: Was bisher geschah.
F 1: Begonnen hatte es auf dieser Reise, Europa, Nahost, angefangen hatte alles mit diesem Auftrag ... Nach Gesprächen in Oslo; Verhandlungen in Genf, neuerlichen Zerwürfnissen in Brüssel verlobten wir uns in Zürich. Aber in Krefeld schon wieder Szenen, Krawalle... Und Berlin! Ich hatte das Gefühl, gegen eine Mauer zu reden, so behandelte er mich. In Helsinki trafen wir ein Abkommen, an das er sich in Madrid schon nicht mehr hielt. Unterwegs nach Warmbad Villach beschloß ich, meine Forderungen deutlich zu machen, in Mürzzuschlag, in einem Gasthof der elendsten Sorte, führte ich dieses Vorhaben auch aus, aber er lachte bloß. Dann Linz! Ich appellierte an sein Gewissen, an was weiß ich, endlich Schluß zu machen damit – nichts ... Zugegeben, wir hatten eine wunderbare Zeit in Klagenfurt, während der Holzmesse, bei den Eichendorfer Dichtertagen, die gerade dort abgehalten wurden... Aber dann ging es Schlag auf Schlag: Sein Terror in Italien, seine Schönfärberei in Lissabon, die Auseinandersetzungen am Persischen Golf; schließlich, in einem Hotelzimmer in Beirut, brach der Konflikt offen aus ... – Himmel und Hölle so nah beisammen, und immer die Spuren verwischen –
Sprecher: Was bisher geschah. [5]
M 3: – Verdammter Auftrag, mit dem alles anfing, der uns zusammenführte, kreuz und quer durch Europa und wohin noch … Mutlangen, Esslingen, Rottweil, überall gewesen, Metz, Idolsberg, Gars am Kamp, nichts, das uns fremd blieb. Nie vergesse ich Zürich, mein Waterloo, wie sich leider erst in Berlin herausstellte. Oslo, Genf, Brüssel, Gespräche, Programmentwürfe, Friedenssicherung ... In Krefeld aber schon Krawalle, daß das Hotelpersonal zusammenlief, ähnlich in Helsinki, wo sie ein Abkommen vorschlug, dann Warmbad Villach, Heulszenen in Linz,
(nachäffend)
M 3: sie appelliere an mich – Ein Zwischenfall nach dem anderen, diese Reise schien nur aus Zwischenfällen zu bestehen. Und immer wieder: Du bist ja betrunken, du hast getrunken, unausgesetzt. ... Jawohl, gab ich zurück, seit jener Szene in Berlin trinke ich, und ich gedenke nicht, damit aufzuhören ... Ihr Mürzzuschlager Manifest, ihre Salzburger Humanismusgespräche! Wie es ihr begreiflich machen? In Italien griff ich hart durch, in Lissabon brannte ich ein Feuerwerk an Galanterien ab, alles umsonst; Zürich war ein tragischer Irrtum gewesen. – Dann die Libanon-Krise, diese schreckliche Nacht, eingesperrt in einem Hotelzimmer .... Ein Funke hatte genügt, um den Konflikt neu anzufachen.
M 3: – Aber was bisher geschah, sollte nichts sein gegen das Kommende ...
Klaviermusik
Sprecher und Sprecherin: [6] Was bisher geschah.
Sprecher: Ein Gespenst geht um in Europa und hinterläßt seine Spuren: die Schober-Gruppe. Alle Versuche dieses Gespenstes habhaft zu werden, sind bislang gescheitert – zu international agiert die Gruppe, zu raffiniert arbeitet sie mit anderen Grippen zusammen.
Sprecherin: Auf einen blutigen Sommer folgt der steirische Herbst. In Geheimkonferenzen, den später so genannten Schloßberg-Gesprächen, wird die »Grazer Dramaturgie« beschlossen, nämlich den schizophrenen Detektiv Katz & Klump auf das Phantom anzusetzen. Da Katz & Klump auf Grund seiner vielfältig gespaltenen Persönlichkeit ein ganzes Team von Kriminalisten ersetzen kann, erscheint diese Vorgangsweise ebenso kostensparend wie vielversprechend.
Sprecher: In Warmbad Villach verliert sich die Spur. Katz & Klump nimmt die Ermittlungen auf ...
Innenraum. Aus einem Radio ist gerade eine Verkehrsmeldung zu hören
Verkehrsmeldung: ich wiederhole: Alle Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind gesperrt, den Kraftfahrern wird dringend empfohlen großräumig auszuweichen.
Katz: Stell das ab.
Das Radio wird noch vor Ende der Meldung abgeschaltet.
Katz: – Und was sagst du dazu: Am 4. 5. übernachtet Frau Klein in Warmbad Villach, unter falschem Namen, sie nennt sich dort Bierbichler. Verläßt am nächsten Morgen überstürzt das Hotel, niemand weiß wohin ...
Klump: Gefällt mir nicht ... Die Grenzen so nahe, Italien, Jugoslawien, Rijeka, Triest, Camporosso –
Katz: Camporosso, natürlich! Die Schießerei, die Nacht von Camporosso!
Klump: Barbara Klein war damals nachweislich in London.
Katz: Bist du sicher?
Klump: Ganz sicher. Sie wurde in London mit einem Ramiro Villanueva, Soldat der Luftwaffe in Bogota, Kolumbien, beobachtet
Katz: Und Groß?
Klump: Ebenfalls. – In Warmbad Villach wurde Johannes Groß zuletzt gesehen, als der Parlamentsklub seine Tagung abhielt, Warmbader Beschlüsse , diese Geschichte ... Deckname Baumgartner. Fällt dir was auf? Der Parlamentsclub tagt, und rein zufällig ist auch Herr Groß zur selben Zeit in Warmbad ...
Katz: Ja, verdammt, du hast recht, wirklich merkwürdig ...
Pause
Katz: Und jetzt?
Klump: Wir warten
Katz: Wir warten?
Klump: Wir warten auf eine bestimmte Maschine aus Zürich ...
Ausblenden
Sprecher: Der dramatisierte Schundroman.
Landendes Flugzeug. Anschließend Halle, gedämpft, Durchsagen etc.Nach dem Titel Hintergrund ausblenden.
Sprecher: Schnee.
Sprecherin: Letzte Folge.
F 2: Hätte dir, Ramiro Villanueva, hätte dir nicht bei der Paßkontrolle schon zu denken geben sollen, wie rasch und selbstverständlich du abgefertigt wurdest? Gut, du warst selbst damit beschäftigt, als harmloser Tourist zu erscheinen, aber hätte dir nicht auffallen müssen, wie bevorzugt und scheinbar desinteressiert dein Gepäck kontrolliert wurde? Hättest du nicht, in die Ankunftshalle tretend, zumindest den Herrn mit dem Schlapphut bemerken müssen, der angestrengt die Tafel mit den Arrivals studierte, oder den anderen, der sich gerade eine Zeitung kaufte und dann einem dritten wie einem plötzlich entdeckten Bekannten zuwinkte? Als du erleichtert in sein Taxi stiegst, Ramiro Villanueva, und in die Stadt fuhrst, hättest du nicht prüfen sollen, ob dir auch niemand folgt? Und schließlich die Männer, die kurz nach dir die Hotelhalle betraten und sich, eben wurde dir der Zimmer [8] schlüssel ausgefolgt, wieder entfernten, wie konnten sie dir entgehen? Gewiß, du konntest nicht ahnen, daß du nicht nur von deinen Geschäftsfreunden erwartet wurdest, sondern auch von ganz anderen ... Sogar die Presse war längst eingeschaltet, eine große Tageszeitung hatte sich exklusiv den Bericht gesichert! Der Aufenthalt in dieser Stadt, Ramiro Villanueva, wird lange dauern ...
Rotationsgeräusch
M 1: 19 Uhr 20. Der Drogenkurier trifft im Hotel ein. Er nimmt ein Zimmer im dritten Stock. Über ein Funksignal erhalten wir das vereinbarte Zeichen.
Rotationsgeräusch
M 1: 19 Uhr 23. Der Kolumbier meldet ein Telefongespräch an. Wie erwartet, will er sich mit seinem Kontaktmann in Verbindung setzen. Mit »Lichtorgler« Rapp, in der Unterwelt auch als Tätowierer bekannt. 19 Uhr 25. Die Spannung nimmt zu. In der Wohnung des Tätowierers klingelt das Telefon …
Einige Sekunden nichts, allenfalls ein Rauschen
M 1: In der Wohnung des Tätowierers klingelt das Telefon.
Einige Sekunden nichts, dann zweimal Tuten eines Nebelhorns
M 1: Die Spannung steigt weiter.
Lange anhaltendes Telefonklingeln. Dann Telefonklingeln im Hintergrund, im Vordergrund junge Frauenstimme, kichernd.
junge Frauenstimme: Stellt euch vor, das Telefon klingelt, und keiner geht hin.
Telefon wieder im Vordergrund,
Männerstimme: Pronto?! [9]
Hörbare Stille, eventuell Knacken in der Leitung. Wieder die Frauenstimme.
junge Frauenstimme: Stell dir vor, du gehst hin, und keiner ist dran.
Noch etwas abwarten, dann auflegen. Sofort klingelt das Telefon wieder. Abheben
Männerstimme: Pronto?!
Am Telefon eine Journalstimme
Journalstimme: Hallo, Leibnitz? Ich rufe Leibnitz, Leib –
Hörer wird auf die Gabel geknallt. Rotationsgeräusch.
M 1: 19 Uhr 30. Auf dem Höhepunkt der Spannung kommt es zu Fehlschaltungen und Mißverständnissen. – Da aber summt in Villanuevas Hotelzimmer das Telefon. Villanueva hebt ab …
Männerstimme: Villanueva – Kältetechnik, Grüß Gott?
›Unheimliche‹ Telefonstimme: Die Wahrheit ist weiß wie Schnee. In zehn Minuten. Basta!
Besetztzeichen. Auflegen. Rotationsgeräusch.
M 1: Nun kommt Bewegung in die Geschichte. Zehn Minuten nach diesem mysteriösen Anruf - wahrscheinlich der vereinbarte Code – betritt Lichtorgler Rapp hastig das Hotel und erklärt, Senor Villanueva erwarte ihn in seinem Zimmer. Vor dem Hotel lagern zerlumpte Gestalten – als Bettler und Aussätzige getarnte Undercover-Agenten und Journalisten. Gleich wird der große Schlag geführt werden.
Drei mächtige Paukentöne
Frauenstimme: Auf das vereinbarte Klopfzeichen öffnete Villanueva die Tür seines Zimmers. Heroinspaziert, heroinspaziert (sic! CD), begrüßte er aufgeräumt seinen sauberen Freund. Dann verschloß er hinter dem Besucher die Türe.
Gefängnistüre fällt ins Schloß
M 1: 19 Uhr 46. Die Ereignisse überstürzen sich. Mit Panzerfäusten dringen die Detektive ins Zimmer und halten den verblüfften Männern, ihre Dienstmarken unter die Nase. Aus dem Gesicht des [10] Kolumbiers entweicht jede Farbe.
Geräusch entweichender Luft, etwa aus einem Reifen
M 1: Die Beamten ziehen rasch eine Probe des Giftes, um sich von Echtheit und Güte zu überzeugen; dann werden der Drogenkurier und sein Kontaktmann abgeführt. Beim Tätowierer wird außerdem ein brisantes Notizbuch mit bekannten Namen der Halbwelt sichergestellt …
Kurz anspielen: Georg Danzer, »Mondprinzessin« – »sei kein Tätowierer …«
Frauenstimme: Bei den Detektiven herrschte eine Stimmung, wie man sie vom Schmaus nach großen Jagden kennt, eine Feststimmung, die noch tagelang anhielt. – Nur einer mochte sich der geglückten Aktion nicht so recht freuen: der Detektiv Katz und Klump. Bis spät in die Nacht saß er über Aussagen und Protokollen und überlegte, ob dieser Erfolg nicht eine Ablenkung vom eigentlichen großen Coup gewesen sein könnte …
Klump: Erklär mir bitte mal, warum Groß nicht an Bord des Flugzeugs war?
Katz: Is’ doch gleichgültig, Hauptsache, wir haben den Stoff.
Klump: Gleichgültig, so. – Und wer garantiert, daß nicht die tausendfache Menge auf der Straße ins Land gebracht wurde? Daß nicht Villanueva geopfert wurde, damit Groß unbehelligt agieren kann?
Katz: Ziemlich ausgeschlossen, wenn du mich fragst.
Klump: Du kennst die Methoden der Schober-Gruppe, die machen sich förmlich unsichtbar. – Wo ist beispielsweise Frau Klein?
Katz: Hm … – Warmbad Villach?
Klump: Ach, Harry ... Warmbad Villach ... Ja, Warmbad Villach, Beirut, Stockholm, Attersee, wer weiß? Such mal eine Träne in Ozean ...
Frauenstimme: Aber auch, daß den Kleinverteilern und Endverbrauchern [11] nicht beizukommen war, bereitete dem Detektiv Kopfzerbrechen.
Klump: – Unerhört, wie die uns auf der Nase rumtanzen ... Da, hör dir das an: Falco, Ambros, behaupten, den Tätowierer persönlich gar nicht zu kennen, hätten rein beruflich mit seiner Firma zu tun ...
Katz: Freche Hunde.
Klump: Oder
blättert
Klump: hier, Herr Fendrich, droht gleich mit Anwalt! … Sein Lieblingssport wäre Schwimmen, nicht Schi fahren ... Erklärt, daß er Platinplatten nur an der Wand mag, nicht in der Nase ...
Katz: Arschloch. – Mir reicht‘s für heute. Dreh mal das Radio an.
Radio wird angeschaltet. Ende einer Journalsendung,
Journalstimme: die Verbindung nach Leibnitz ist leider nicht mehr zustandegekommen, wir werden es in unserer nächsten Sendung wieder versuchen, bis dahin guten Abend.
Journal Ende. Kurze Pause.
Dann Klaviermusik, bis zum Ende der folgenden Ansage.
Sprecherin: Der dramatisierte Schundroman. Gars am Kamp, mein Lieber! Letzte Folge.
Sprecher: Es war ein warmer Herbsttag. Pulvergeruch hing noch schwer in der Luft. Äpfel fielen raschelnd durch das Gezweig. Ernst und ohne einander anzublicken gingen sie den Schotterweg von der Kirche hinunter zum Wirtshaus.
Während der ganzen Szene im Hintergrund Schritte, langsames, gleichmäßiges Gehen. Die Sprecher unterhalten sich nicht, sondern sprechen vor sich hin.
F 3: Alles?
M 2: Ich bin mit dem Postautobus gefahren, vier Stunden ...
F 3: Vier Stunden? [12]
M 2: Vier Stunden, ja. Gleich, als ich ankam, sah ich ein frisch abgeerntetes Feld mit großen Flecken bleicher Maisfelder, dann umgepflügte Äcker, ockerfarbene Felder, schließlich –
F 3: Du hast nichts gesehen in Gars am Kamp.
M 2: – schließlich lang gedehnte Stoppeläcker. Das Maisfeld, aus dem der Hahn aufgeflogen war, lag übrigens an einem kleinen Bach. Plötzlich fielen Schüsse.
F 3: Schüsse?
M 2: Jawohl, Schüsse. Ich sah, wie der Nußhäher mitten im Flug ins Trudeln geriet und abstürzte. Er kam direkt Tor meinen Füßen zu liegen, und ich bemerkte genau sein schön gezeichnetes Gefieder.
F 3: Das hast du gesehen?
M 2: Nie konnte mir ein Tier entgehen. Du erinnerst dich, damals, als wir die Steiermark bereisten, du erinnerst dich an den Hirsch von Hartberg ...
F 3: Wie könnte ich ihn vergessen. Er stand reglos da, nur wenige Meter von uns entfernt, es sah aus, als wolle er gleich zu röhren beginnen. Aber dann: nichts ...
M 2: Gars am Kamp ist nicht Hartberg. Hier ist es anders, schlimmer. Vor der Tür beispielsweise lag ein toter Maulwurf mit rosa Pfoten.
F 3: Rosa Pfoten?
M 2: Rosa, ja. Die Frau hob ihn mit einem Blatt auf und warf ihn auf den Misthaufen. Dann –
F 3: Dann?
M 2: Aus dem Nebel hörte ich ein einzelnes Horn, ohne aber den dazugehörigen Jäger wahrnehmen zu können.
F 3: Du siehst, du hast nichts gesehen in Gars am Kamp.
M 2: Ich will dich schonen, nur deshalb erzähle ich dir nicht alles.
F 3: Mich schonen? Die ich Monate in Lend im Pongau zubrachte und in [13] Knittelfeld praktizierte, du mich, schonen? Du hast nichts gesehen in Gars am Knap, nichts!
M 2: Gut. Versprich mir, dich nicht aufzuregen. Es war so: nachdem die Frau den Maulwurf – du erinnerst dich?
F 3: Den Maulwurf alt den rosa Pfoten ...
M 2: – Eben den, nachdem sie ihn endlich auf den Misthaufen befördert hatte, sah ich, wie sie mit einem Hackmesser einen Kürbis zwischen ihren nackten Füßen –
F 3: Das willst du gesehen haben? Nichts hast du gesehen …
M 2: Ich habe es gesehen, hier, in Gars am Kamp, mit meinen eigenen Augen. Wie sie, auf einem Faß sitzend, den Kürbis zwischen ihre nackten Füße klemmte, mit dem Hackmesser auf schlug, die Kerne herausgriff und in einen grünen Metalltopf warf!
F 3: Du hast dich getäuscht, du hast nichts gesehen!
M 2: Es sollte noch schlimmer kommen. Ich sah, wie die Knechte die Maispflanzen knapp über dem Boden abhieben, sodaß gelbe Stümpfe stehenblieben, dann nahmen sie die Bündel in den Arm und streuten sie in die Ackerzelle. Einmal –
F 3: Nein!
M 2: – Einmal hob der Bauer seine HJacke am Feldrand auf und trank einen Schluck aus dem Mostkrug. Der Sohn des Bauern trug trotz der Hitze eine rot-weiße Wollmütze auf dem Kopf, eine Schisportlermütze, eine Riesentorlauf Spezialistenmütze. Auf der anderen Seite, neben einem Holzschuppen, neben zwei leeren Fässern, gackerten aufgeregt die Hühner ...
F 3: Es kann nicht sein, du hast nichts gesehen.
M 2: – alles gesehen in Gars am Kamp – ehe der Hahn ein drittes Mal krähte, hatte ich schon die Kirschbäume hinter dem Haus erblickt, die mit einem Schleier absterbender Blätter bedeckt waren; in [14] ihrer Buntheit sahen sie aus wie mit gelben und roten Federn eines Paradiesvogels geschmückt, hörst du mich?
F 3: Du hast es nicht ertragen. Du hast den Blick gesenkt und minutenlang den auf gegangenen Schnürsenkel an deinem linken Schuh betrachtet, gib es zu. – Niemand hätte es ertragen können.
M 2: Nichts dergleichen. Ich habe es gesehen. Ich habe alles gesehen in Gars am Kamp. ich habe die Spuren von Traktorreifen gesehen an einem Abend im Herbst, die sich tief ins feuchte Erdreich gruben. Und noch etwas habe ich gesehen: Eines anderen Tages, tiefer Frieden überall, kam ein lilafarbener Volkswagen nach Gars am Kamp und hielt unten an der Brücke. Einer Ohnmacht nahe, zwang ich mich hinzusehen. Aus dem Kraftfahrzeug stieg ein vielleicht vierzigjähriger Mann mit dunklen Haaren und einem Vollbart und kam die Straße herauf ...
Sie sind stehengeblieben
F 3: Du lügst! Du hast nichts gesehen in Gars am Kamp, nichts hast du – –
Sprecher: Mit einem erstickten Schrei stürzte sie zu seinen Füßen. Er sah sich um. Nur noch wenige Schritte waren sie vom Wirtshaus entfernt, und doch wußte er plötzlich, daß er niemals mehr seinen Fuß in die düstere Wirtsstube setzen würde, in der sie kurze Zeit so glücklich miteinander gewesen waren.
Sprecherin: Eine Verkehrsmeldung. Achtung, Autofahrer, im Großraum Leibnitz, alle Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind gesperrt, es wird dringend empfohlen, großräumig auszuweichen.
Signation à la ›Stahlnetz‹
Sprecher: Spur nach Bremerhaven.
Klump: Was bisher geschah? Nichts, überhaupt nichts! Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren.
Katz: Ich will noch einen ganzen Haufen leben.
Klump: Meinst du, ich nicht? Was soll denn der Quatsch?
Katz: Nichts, nur so, fiel mir grade ein.
Klump: Du kannst einem vielleicht auf den Wecker fallen, aber ganz gehörig! Laß jetzt den Blödsinn. – Noch mal von vorn, wir –
Katz: Ich höre.
Klump: – Wir müssen System reinbringen.
Kurze Pause, dann referierend:
Klump: Unser einziger Anhaltspunkt ist, daß Groß, nachdem er aus Wien verschwinden ist, im April in Bremerhaven auftaucht, und zwar schleicht er sich dort in einen Arbeitskreis Rüstungswirtschaft ein, der von Müll geleitet wird.
Katz: Müll. – Der Müll, bei dem mal die Klein – ? Unser Müll?
Klump: Genau der, der Industrie-Müll. Erst Krupp, dann Thyssen, später zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Heer und Industrie ins Ministerium berufen.
Klump: Verstehe.
Klump: Das Problem ist, daß in unserem Dossier der Name Groß nicht aufscheint. Unsere Spur beruht einzig auf einer mündlichen Information eines Kontaktmannes, Bundeswehroffizier, nicht eben zuverlässig.
Katz: Trotzdem, weiter.
Klump: Im Rahmen des Intensivierungsprogramms werden auch kurzfristige Wehrübungen für Industriemanager abgehalten, Führungskräfte werden an MP und MG ausgebildet.
Kurze Pause
Klump: In Bremerhaven [16] nahm auch ein gewisser Hans Magnus Enzengruber an einer solchen Übung teil.
Katz: Enzengruber? Enzensberger!
Klump: Enzengruber. Der Nachname tut übrigens nichts zur Sache.
Katz: Und?
Klump: Du kennst ihn, wir beide kennen ihn.
Katz: ?
Klump: Hans Magnus Enzengruber, überleg doch mal. Fällt dir nichts auf?
Katz: Ich werd verrückt. Johannes Groß!
Klump: Das hat aber gedauert. Groß, natürlich, von sich selbst besessen bis in die Decknamen hinein ...
Katz: Wollen uns wohl vorführen, was ‘ne Harke ist, aber vorher zeigen wir Ihnen, wo der Bartel den Most holt – in der Steiermark nämlich. Hab ich recht, Stephan?
Klump: Haarscharf getroffen. – Die Klein sollte bald darauf in der Steiermark aktiv werden, Knittelfeld, Judenburg ... Aber das nehmen wir uns später vor. Erst die Tagebücher, die sind wichtiger, und dann diesen Pichler.
Klaviermusik
Sprecherin: Der dramatisierte Schundroman. »Tagebuch.« – Letzte Folge.
Zwischen den ›Eintragungen‹ ganz kurz angespielte Passagen aus Klavierstücken von Schönberg
F 1: 8. 3., Aschaffenburg. – Müde. Verbraucht. Leblos. 10. 3., Aschaffenburg. – Ausgebrannt, wie gelähmt, am Abgrund. – Banal geträumt. Später Pichler. 11. 3., Nürnberg. – Ein ausgeleerter Kübel, ein Nichts. Draußen Föhn. Finsternis. Kurzer, unruhiger Schlaf. Dann Pichler. [17]
Rotationsgeräusch
F 1: 16. 3., Erlangen. – Nichts. Pichler. 20. 3., Ingolstadt. – Wie gerädert von der Last meines Körpers. Zwischenfälle, Verluste. Abendessen mit Rod. Michel mit seiner behaarten Seemannsbrust. Pichler? 22. 3., Minden. – Offene Verandafenster. Klaviermusik. Dann Pichler
Rotationsgeräusch
F 1: Im Hunsrück. – Schüttelfrost. Hundegekläff. Alles vergessen, was sein wird, Pichler vergessen. 26. 3., Amras. – Verstörung. Vorbei am Kalkwerk. 30. 3., Madonna di Campiglio. – Sehnsucht, fortschreitende Verwirrung, Gewühl im Sonnengeflecht. Der Schoß in voller Bereitschaft, schmerzhaft die Schenkel durchströmendes Einverständnis. Dann Attersee. 2. 4., Ravenna. – Attersee. 3. 4., – Die Hitze vor den zugezogenen Fensterläden. Rotwein aus dem Zahnputzbecher. Nachmittägliches Entsetzen. 7. 4. – Triest. – Husten, Erschöpfung. Alle Schrecknisse der Nacht durohmessen, wie damals, in Bad Gastein. Niemand darf von dieser Niederlage erfahren.
Rotationsgeräusch
F 1: 10. 4., Warmbad Villach. – Traumrudimente: P.s Gesicht, von Salzsäure verunstaltet. – Am Morgen im Foyer Mattschacker. Höflich grüßend an ihm vorbei. Drecksack. 12. 4., Baden Baden. – Wie ein erloschener Vulkan; ja, ein genaues Bild. – Nachts die Todesschreie eines Vogels. 20. 4. – Verfinsterung. Und Rüsselsheim, was habe ich hier verloren – Ein letztes Mal Attersee. 22. 4., Fulda. – Schmutziggrauer Vormittag, Frühstück. – Tod, überall Tod. [18] Plötzliches Bild: P.s feuchte Augen mit den lang anhaltenden Blicken. 2. 5., Bebra. – Zwiebelgeruch. Erstickungsanfälle. Tremor.
Rotationsgeräusch
F 1: 10. 5., Attersee. – Nichts. Nachts Pichler. 11. 5., – Leere. Abgestorben. Dann Pichler. 12. 5. – Pichler, schweigsam, von hinten. In der ländlichen Stille wie begraben. 14. 5. – Aufruhr. Der schöne Brief von H. aus Gars am Kamp – die Kunst eine Sackgasse, welch ein Vergleich! 16. 5. – Pichler, wie ein heißer gelber Sturm. 11 Uhr nachts. – Wer ist Pichler wirklich? 4. 6., Reicheneibach. – Der letzte Tag in Reicheneibach. Auf dem Weg zurück in die Dorfwirtschaft plötzlich ein Gedanke, der Entsetzen auslöste: Pichler – kann er mir gefährlich werden? 7./8. 6., im Flugzeug irgendwo über dem Mittelmeer. – Hier soll es damals passiert sein.
Rotationsgeräusch
Kennung einer Journalsendung, dann Moderator
Moderator: »Guten Abend, meine Damen und Herren. – Stichwort, Tagesthema Leibnitz, die Geschehnisse in und um Leibnitz. Wir hoffen, daß die Verbindung nach Leibnitz inzwischen zustande gekommen ist – Augenblick
Telefon summt, abheben
Moderator: – ja, hallo? – Leibnitz? – Mathias Waiden, können Sie mich hören?
Aus dem Telefon nichts oder eine völlig unverständliche, verzerrte Reportage
Moderator: – – Hallo?
legt auf
Moderator: Tja, es hat leider noch immer nicht geklappt, aber wir versuchen natürlich weiterhin, die Verbindung mit Leibnitz herzustellen.«
abblenden
Aufblenden: Leere abendliche Straße, im Hintergrund aus offenen Fenstern evtl. Fernsehgeräusche – Dallas, Dynasty oder Formel 1-Reportagen. – Katz unterhält sich gehend mit Klump – entweder die Schritte zweier Fußgeher, oder, besser noch, wenn im linken Kanal Katz spricht, Schritte im rechten Kanal, wenn Klump im rechten Kanal antwortet, Schritte im linken Kanal usf.
Klump: Hast du bemerkt, wie vorsichtig dieser Pichler war? Weiß sicher mehr, als er zugibt. Ein Sympathisant, wie er im Buch steht.
Katz: Ach komm, du siehst Gespenster … Nur weil er’s vor Jahren mit der Klein getrieben hat?
Klump: Er war auch mit Groß zusammen.
Katz: Bisexuell?
Klump: Nein doch! Beruflich, wenn man’s so nennen will. – Kurier der Goldberg-Gruppe, was ihm aber nie nachzuweisen war, Trainingsmanager der Schober-Gruppe, internationale Einsätze, aber immer ganz legal. Und und und ...!
Kurze Pause
Klump: – Hätte gute Lust, diesen Fall überhaupt hinzuschmeißen.
Katz: Kopf hoch, Stephan, man muß den Flüssen trauen! Warum versuchen wir's nicht einfach am Markt, wir haben doch genügend alte Kunden dort.. ?
Klump: Das wird doch wieder ein Schlag ins Wasser... Aber gut, wenn du meinst... Wir treffen uns also vor der Marktwirtschaft, wie früher ...
Ausblenden.
Aufblenden: Akustische Kulisse etwa eines Obst- und Gemüsemarktes.
Im Vordergrund zwei Ausrufer, einer links, einer rechts, marktschreierisch anpreisend
: Betriebsmittelfinanzierungen, Investitionsfinanzierungen!
: Schnürsenkel, Putzlappen, Schwedenhölzer...! [20]
: Liquiditätssteuerung, Kreditgebahrung!
Evtl. wiederholen, mehr und mehr im Hintergrund; gleichzeitig Katz & Klump, der zwischen den Ausrufern hindurchgeht, halblaut:
Katz: – Sieh mal an, der Blinde mit der Beinprothese…
Klump: Wo?
Katz: Da vorne, beim Lottostand
Klump: Tatsächlich. Wenn der blind ist, freß ich seine Prothese.
Katz: Jetzt geht er in die Wirtschaft! Los, hinterher ...
Klump: Aber getrennt! Erst du, dann ich ...
Ausblenden
Weibliche Erzählstimme: In der Marktwirtschaft ging es hoch her. Der Detektiv tat, als suche er einen Bekannten, und ging langsam von Tisch zu Tisch ...
Aufblenden: Gasthauskulisse, Kneipenlärm; Gesprächsfetzen, von Tisch zu Tisch:
Prostata, lieber Amerongen, Prösterchen!
Hoch die Tassen!
Er gab sich nämlich als Verkaufsrepräsentant für Desinfektionsmittel aus ...
: – und wie, eine unternehmerisch denkende Persönlichkeit von absoluter Integrität! Ein Mann der alten Schule ...
Im Hintergrund aufkommender Tumult.
: »Arbeitsplätzchen, Arbeitsplätzchen!« –
evtl. von Händeklatschen unterstützt – und
: »Arbeitsblödsinn, Arbeitsblödsinn«.
Vordergrund:
: Na, du Wirtschaftsförderungsinstitut, du kesses Stück Dreck …
im Sinne von Arbeitsplatzsicherung völlig verfehlte Strategie …
Aber eines sage ich Ihnen, meiner Tochterfirma tritt niemand mehr zu nahe! [21]
Nun produzier dich nicht so …
Wer? Ich? – Nimm das zurück!
Ich denk nicht dran, du Kryptokommunist, du rote Sau du!
Der Tumult hat sich zur Schlägerei entwickelt, Stühle fallen um, Gläser bersten, Geschrei etc. Dann ausblenden.
Weibliche Erzählstimme: Das zunehmende Chaos in der Marktwirtschaft nutzte der Blinde, um unauffällig zu entkommen. Auch Katz und Klump zogen sich eilig aus der Wirtschaft zurück, aber es war bereits zu spät …
ganz kurze Pause
Sprecherin: Sie hörten den dramatisierten Schundroman. – Da uns bis zur nächsten Sendung noch etwas Zeit bleibt, einige Takte Musik und Werbung.
Werbestimmen; zwischendurch Musik
Hausfriedensbruch? Besitzstörung? Ärger mit den Nachbarn? – Ein Granatwerfer von Junghans schafft Abhilfe. Granatwerfer von Junghans – dem bißchen Frieden zuliebe …
Die beliebten Mehrzweckfregatten »Meko 360« – nur von Blohm und Voss, Hamburg. – Blohm und Voss: Die Guten unter den Bösen!
Ihr Rüstungsberater m – Diehl, Nürnberg. Handgranaten, Panzerfäuste, Panzerzugmaschinen und was sonst noch für den Frieden vonnöten ist: bei Diehl, Nürnberg. Bei Diehl gibt’s viel!
Musik wird von einem Verkehrsmeldungssignal unterbrochen.
Sprecherin: Eine Verkehrsmeldung. Die Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind immer noch unterbrochen, da sich schon etliche Zwischenfälle ereignet haben, ersuchen wir die Autofahrer, von Fahrten nach Leibnitz Abstand zu nehmen.
Kurze Pause
Sprecher: Unser Radiolehrgang. [22]
Arbeitslärm – Kakophonie, Preßluftbohrer, Fabrikhalle, Hämmern, Sägen usf. Während des Titels Geräusche im Hintergrund.
Sprecher: Arbeitswelt.
Sprecherin: Der Schundroman zum Selbermachen. Letzte Folge »Nachtarbeit«
M 1: Problemstellung und Ausgangssituation: Die Hauptperson macht sich auf den Weg zur Schichtarbeit, seine Freundin geht ins Kino. Beginnen Sie.
M 4: Johann Tobel fühlte sich elend. Seit er vor einigen Tagen sein Auto zertrümmert hatte, war er nur noch ein halber Mensch. Er mußte nun täglich mit Bus und Bahn in den Betrieb fahren. Widerwillig packte er die Jausenbrote ein, die Gerda ihm gestrichen hatte. Seine Verlobte wollte ins Kino gehen, sie begleitete ihn bis zur Bushaltestelle.
M 1: Akzeptiert, das Adverb »widerwillig« sogar sehr gut. Auch die Geschichte mit dem kaputten Auto ist einfallsreich. Nun Abschied und Beschreibung des Weges zum Arbeitsplatz, Tristesse!
M 4: Tobel küßte Gerda zum Abschied flüchtig auf die Wange und stieg in den Bus. – Der Bus war nicht geheizt. Auch die Schnellbahn, in die er später umstieg, war kalt und fast leer. In den Wirtsstuben schäumte das Bier aus den Zapfhähnen. Von den Dächern der Häuser blinkten Leuchtreklame, im Nebel nur als verschwommene Konturen wahrnehmbar. Die Bahn fuhr an einem Autofriedhof vorüber. Tobel fröstelte.
M 1: Gut gemacht. Folgt nun Einsetzen der Handlung.
M 4: Als er die Halle betrat, wunderte er sich und wußte dennoch sofort Bescheid. Die Kollegen standen in kleinen Gruppen herum und debattierten erregt, es herrschte dicke Luft. Pazifisten und Naturschützer hatten also die Oberhand behalten, dachte Tobel [23] bitter. Kurzarbeit, fuhr es ihm durch den Kopf, oder überhaupt Arbeitslosigkeit, Elend, die noch nicht abgezahlte Wohnung, die Raten für den neuen Audi Quatro –
M 1: Keine Namen. Der Name des Produkts ist bedeutungslos. – Jetzt Nebenfiguren, Kampfstimmung.
M 4: Johann Tobel gesellte sich zu den Kollegen. Das können‘s mit uns nicht machen, schrie der Birgel gerade, mit uns nicht! Eine Sauerei ist das, sagte Rußwurm. – Grad jetzt, wo die Benzinpreise steigen und steigen, ergänzte Maurer. – Umwelt hin oder her, hier geht’s um Arbeitsplätze, schrie Kumpf dazwischen, erst kommt der Mensch, dann der Wald, verdammt noch mal! Sein sonst so ruhiges Gesicht war rot vor Zorn. Auch Tobel spürte Wut in sich auf steigen, und die Wut tat ihm gut, wirkte befreiend. Wir müssen was unternehmen, schaltete er sich ins Gespräch ein, denn es ist doch so: Ohne Arbeitsplatz kein Auto, und ohne Autos, wie kommen wir dann an unsere Arbeitsplätze? – Genau, ganz richtig, so ist es, tönte es von allen Seiten. Kein Zweifel, die Kollegen waren kampfbereit bis zum äußersten.
M 1: Ausgezeichnet. Jetzt überraschende Wendung.
M 4: Plötzlich erschien der Meister in der Halle. Das Arschloch, konnte Birgel noch knurren, bevor sie in alle Himmelsrichtungen auseinanderstoben, um die Plätze an ihren Maschinen einzunehmen. – Mechanisch vollführte Tobel die gewohnten Handgriffe. Er fühlte sich ausgebrannt, doch tief in ihm schwelte ein Feuer ...
M 1: In Ordnung. Der Hold kehrt nach Hause zurück. – Bitte.
M 4: Tobel knallte die Wohnungstür hinter sich zu und drehte das Radio an. Gerda sprang nackt aus dem Bett und schaltete es wieder aus. Endlich bist du da, sagte sie, komm, schnell, ich bin so scharf … Damit legte sie sich verführerisch aufs Bett. Nun wurde es Tobel [24] zuviel. Verdammte Scheiße, brüllte er, wir kämpfen am unsere Arbeitsplätze, und du hast nichts im Kopf als deine Votze! Leck mich doch am Arsch!! Er schlug sich mehrmals mit der flachen Hand gegen die Stirn. Die Digitaluhr auf dem Nachtkästchen zeigte 5 Uhr 55.
Klaviermusik
Aufblenden. Innenraum. Katz und Klump über eine Landkarte gebeugt.
Klump: ... also, die Steiermark.... Die letzten Stationen der Klein waren... – gib mir mal ‘ne Stecknadel rüber – waren Knittelfeld, hier ... und Judenburg ... da, Judenburg. Dann allerdings reißt der Film. – Aber jetzt paß auf,
nimmt ein Schriftstück zur Hand
Klump: Auszug Dossier:
liest vor
Klump: Die nächste Zusammenkunft – Strategie, Logistik – fand in einem Schloß in der Nähe von Leibnitz statt. Dieses Schloß gehört übrigens einem bedeutenden Hygieneartikel-Hersteller. Beobachtet wurden hauptsächlich Top-Leute: Neben Aschenbrenner, dem nur wenig später ermordeten Führer der Venediger-Gruppe, Rieche und Rubbers von der Handelsbank, Zunz und von Hurwitz von der Goldberg-Gruppe sowie »Old Schwurhand«. Die Adamello-Gruppe war durch Negrelli vertreten, die Silvretta-Gruppe durch O’Loughlin. Außerdem gesichtet: der südafrikanische Botschafter usw. usf.
legt das Papier beiseite
Klump: Hochkarätige Versammlung, erlesenes Buffet. Bedienung und Garderobenmädchen über eine Hostessen-Agentur engagiert. Hübsche Mädchen, die sich ein Taschengeld verdienen. – Weißt du, worauf ich hinauswill?
Katz: Längst schon, aber man soll ja den Erzählfluß nicht bremsen ...
Klump: Du mit deinen verdammten Weisheiten! Weißt du’s nun oder weißt du’s nicht? [25]
Katz: Ja doch, die Klein war im Schloß, hat dort serviert. Na und?, hilft uns das weiter? Ist sie vielleicht noch dort?
Klump: Natürlich nicht. Worum es geht, ist: Was wollte sie dort? Was weiß sie? Was hat sie vor? Hat sie am Ende einen dieser Leute in ihr Bett gelockt? Immer neue Fragen, und dabei läuft uns die Zeit davon ...
Klaviermusik
Sprecherin: Der moderne Beziehungsroman. – Waldhof-Variationen – Letzte Folge.
Zwischen den einzelnen Blöcken Klaviermusik
F 4: – Die Stellenanzeige war auffällig plaziert – Import-Export, internationale Gruppe. Ich war mir sicher –
M 3: – Aus der Art, wie sie mich ansah, wurde mir klar –
F 2: – Nein, bedaure, Frau Prokurist Waldhof ist im Augenblick besetzt.
M 2: – oder um es mit einem Ausdruck aus dem Eishockey zu benennen: konsequentes Forechecking der Konkurrenz gegenüber.
F 4: – bietet sich nicht alle Tage, die Möglichkeit, einem Spitzenmann zu Diensten zu sein ...
M 3: – außergewöhnlich, keineswegs alltäglich, ganz und gar außergewöhnlich
F 4: – Er nahm mich mit zum Derby. Der Geruch 4er weiten Rasenflächen, ein leichter Wind, schweißnasse Pferde –
M 3: – später Abendessen mit ihr. Sie trug pfingstrosenfarbene Strümpfe und kurze Hosen. Und ihr perfektes Französisch, erstaunlich. [26]
M 2: Morgen abend,
M 3: sagte ich,
M 2: Tel Aviv?
F 2: Tel Aviv,
F 4: gab ich zurück,
F 2: morgen abend!
M 3: – Es hat ja was auf sieh, sagte sie, es hat was auf sich, wenn gesagt wird, der Faschismus spielt sich im Bett ab, aber ich persönlich hab‘s gern, wenn –
F 4: – Auf einer Messe wie der kommenden, sagte er, werden Sie es nur mit potenten Käufern zu tun haben –
F 2: Also Tel Aviv,
F 4: sagte ich,
F 2: morgen abend!
M 2: Morgen abend,
M 3: antwortete ich,
M 2: Tel Aviv, ja.
F 2: Mit einem Loser ins Bett?
M 3: Mit einem Loser ins Bett, niemals, sagte sie. Wie ich die Grenze zwischen Privat- und Geschäftsleben ziehe, wollte sie wissen. Und ich: –
F 4: Bin absoluter Winner, und so geistreich! Hemmungslos ungenau ziehe er die Grenze zwischen Privat- und Geschäftsleben. Wovon ich mich nachhaltig überzeugen konnte. [27]
M 2: – Hemmungslos ungenau. Zu guter letzt
Eine Spur leiser, mühsam ein Lachen unterdrückend
M 2: pinkelte ich ihr in die Votze ...
M 2: Wir haben,
M 3: sagte ich, wieder im Hotel,
M 2: nämlich einen großen Anwendungsstau in der Büroelektronik
M 3: und sah sie bedeutungsvoll an ...
F 2: Oh,
F 4: gab ich zurück,
F 2: oho, ließe sich dem nicht abhelfen …?
F 4: Er holte seinen Klepper aus dem Latz und sprach: –
M 3: Bevor es abermals soweit war, sagte ich:
M 2: Möge sich diese wunderbare Technologie flächendeckend über den gesamten Verwaltungsbereich ergießen ...
M 3: Dann kam ich über sie wie Honeywell Bull.
Klaviermusik, ausblenden Innenraum. Beide fassungslos.
Klump: Also, was sagt man dazu!?
Katz: Ich wird’ nicht mehr ... Nicht zu fassen, und doch –
Klump: Das Radio, schnell …
Radio wird angestellt, Vordergrund:
Journalstimme: – immer noch versucht wird, die Verbindung nach Leibnitz herzustellen, ist es uns gelungen, den Ersten Gemeinde Sekretär von Leibnitz, Herrn Schmidt, ins Studio zu bekommen, –
Schmidt: Guten Abend.
Journalstimme: Herr Schmidt, Sie waren indirekt ja auch Betroffener
Schmidt: Betroffener, ja. [28]
Journalstimme: Herr Schmidt, kurz zur Täterpersönlichkeit| wer war eigentlich dieser Dietrich Wegener, der in der spektakulären Kommandoaktion vom Sparverein Grün-Schwarz-Grün unschädlich gemacht wurde? Sie haben mir vorhin gesagt, ganz Leibnitz hat sich vor ihm gefürchtet m –
Schmidt: Gefürchtet ist das richtige Wort, ja.
Journalstimme: Wenn ich recht verstanden habe, waren die Straßen, wenn Wegener auftauchte, wie leergefegt, niemand hat sich aus dem Haus getraut?
Schmidt: Jawohl, leergefegt.
Journalstimme: Nachforschungen haben ergeben, daß der Name Wegener auf Wegelagerer zurückgeht, also auch die Vorfahren schon –
Schmidt: Damit hat es ja nun ein Ende.
Journalstimme: – auch die Vorfahren bereits Wegeners, Wegelagerer waren.
Schmidt: Wegelagerer, ganz richtig.
Journalstimme: Und es ist immer wieder zu Zusammenstoßen und Zwischenfällen gekommen in Leibnitz?
Schmidt: Das ist richtig, ja.
Journal stimme:: Man kann also sagen, dieser Wegener war jener Typus des Kriminellen, der mit der Feigheit seiner Mitmenschen rechnet?, ein Außenseiter, für den das Wort Freundschaft ein Fremdwort war und der sich völlig in seine Wahnideen verrannt hat?
Schmidt: Die Rechnung wurde ihm präsentiert.
Journalstimme: Herr Schmidt, Wegener hat von der Gemeinde freien Abzug gefordert, und zwar in einem Auto, das von Ihrer Tochter gelenkt wird. Ihre Tochter ist jetzt wie alt?
Schmidt: 23 [29]
Journalstimme: So sind inzwischen Stimmen laut geworden, die das harte Vorgehen der Gemeinde, insbesondere das Einbeziehen des Sparvereins, die Absperrungsmaßnahmen und schließlich die Liquidation verurteilt haben. Stimmen, die meinen, man hätte Wegener das Auto zur Verfügung stellen sollen, er hätte zweifellos Ihre Tochter unversehrt freigelassen.
Schmidt: Absurd.
Journalstimme: Sie stehen also zur Vorgangsweise der Gemeinde.
Schmidt: Voll und ganz.
Journalstimme: Auf der anderen Seite sind aber auch Telegramme eingegangen, die die Aktion befürworten?
Schmidt: Breiteste Zustimmung, ja.
Journalstimme: Herr Schmidt, könnten Sie uns eines dieser Telegramme vielleicht kurz vorlesen?
Schmidt: Gern.
Schmidt: »Dank an unsere Helden vom Sparverein Grün-Schwarz-Grün. – Wir sind stolz auf sie: Sie haben eine schwere Arbeit gut gemacht. – Sie sind keine Abenteurer, sondern ernste Männer, die sich um unser Leibnitz verdient gemacht haben. – Nochmals danke!«Ich denke, ein Kommentar erübrigt sich.
Journalstimme: Eine letzte Frage, Herr Schmidt: Besteht die Möglichkeit, daß Wegener Kontakte zur Schobergruppe unterhielt?
Schmidt: Nach bisherigen Erkenntnissen ist eine solche Verbindung so gut wie auszuschließen.
Radio wird abgedreht.
Klump: Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag. Groß ist nicht Groß, und Klein nicht die Kleine …
Sprecher: Katz und Klump verwickelte sich plötzlich in eine heftige Auseinandersetzung. [30] Während Klump glaubte, in der Stimme des Gemeindesekretärs jene von Johannes Groß erkannt zu haben, und Schmidts angebliche Tochter folglich nur Barbara Klein sein konnte, versteifte sich Katz auf das Telex des Informanten Fiebelkorn, wonach Groß und Klein sich längst nach Kolumbien abgesetzt hätten und in Bogota eine Kneipe betrieben …
Klump: – und ich sage dir, er ist es, es war seine Stimme, wir müssen vor Tagesanbruch zugreifen –
Katz: – Völlig irrsinnige Vermutung, im Rundfunk ist eine Täuschung nie auszuschließen. Die Schobergruppe ist in den Anden! Fiebelkorn weiß, was er sagt – ein Mann, der sich nicht ins Bier spucken läßt!
Beide Stimmen nun gleichseitig, erregt aufeinander einredend:
Klump: Fiebelkorn! Kneipe in Bogota! Blödsinn. Ein übles Schwein ist dieser Fiebelkorn, der weiß doch nicht mehr, für wen er arbeitet, wenn er nur arbeiten kann. – Fiebelkorn, Zwiebelkorn! Ich sage dir, wir müssen hier zugreifen, im Scheißgau, in Leibnitz, bevor der Tag anbricht, müssen wir zugreifen.
Katz: Groß und Klein sind in Bogota, das liegt klar auf der Hand. Bis hin zum Kneipennamen, wie heißt denn die Kneipe? »Zum Hochschober« heißt sie, oder heißt sie vielleicht nicht »Zum Hochschober« – Schmidt ist nicht Groß, und Klein nicht die Kleine ...! Alle Spuren waren falsch, wir müssen nach Südamerika …
Klaviermusik
Sprecherin: Sie hörten den dramatisierten Schundroman –
M 1: Letzte Folge.
F 3: Nein.
M 1: Groß und Klein.
F 3: Nichts.
M 1: Waldhof-Variationen.
F 3: Nichts gehört.
M 1: Arbeitswelt.
F 3: Du hast nichts gehört.
M 1: Ich habe alles gehört. – Marktwirtschaft.
F 3: Nein.
M 1: Tagebuch.
F 3: Auch nicht.
M 1: Spur nach Bremerhaven.
F 3: Kein Wort.
M 1: Gars am Kamp.
F 3: Keinen Laut.
M 1: Schnee.
F 3: Da hast nichts gehört.
M 1: Ich habe alles gehört. Was bisher geschah.
F 3: Niemand hat etwas gehört.
M 1: Alle haben es gehört.
F 3: Nein.
Ende
SIL
SIL
Pause
sprecher1: Österrerich eins
SIL
musik
sprecher2: Welt der Literatur
SIL
Pause
sprecher1: der dramatisierte Schundroman
SIL
sprecher1: letzte Folge.
SIL
sprecher1: Hörspiel von Werner Kofler
SIL
sprecher1: und Antonio Fian,
SIL
sprecher1: mit Irene Budischowsky,
SIL
sprecher1: Cecile Cordon,
SIL
sprecher1: Barbara Lehner,
SIL
sprecher1: Ella Peneder,
SIL
sprecher1: Karl Dobrawsky,
SIL
sprecher1: Georg Mittendrein,
SIL
sprecher1: Hermut Müller,
SIL
sprecher1: Klaus Uhlich und Fritz Wickenhauser.
SIL
sprecher1: sowie Martha Wedral,
SIL
sprecher1: Rudolph Jenakowitsch,
SIL
sprecher1: Ortwin Reinisch und Franz Tschank.
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
[3]sprecherin: der dramatisierte Schundroman
SIL
musik
stimmeM1: angst .
SIL
Pause
musik
stimmeM2: nein
SIL
Pause
musik
stimmeM1: Atemnot.
Pause
SIL
stimmeM2: nein.
SIL
musik
stimmeM1: tödlicher Husten.
Pause
SIL
stimmeM2: nein.
SIL
musik
stimmeM1: Sturm über Kreta.
Pause
SIL
stimmeM2: auch nicht.
SIL
stimmeM1: Blut?
SIL
stimmeM2: nein.
SIL
stimmeM1: der stille Ozean?
SIL
stimmeM2: nicht gut.
SIL
stimmeM1: Schreie aus der Hölle.
SIL
stimmeM2: nein.
SIL
stimmeM1: die Zukunft der Sinne.
SIL
stimmeM2: auf keinen Fall.
SIL
stimmeM1: Finsternis?
SIL
stimmeM2: unter Umständen.
SIL
stimmeM1: die Erfindung
SIL
stimmeM1: der Wirklichkeit?
SIL
stimmeM2: eventuell.
SIL
stimmeM1: Bild und Welt?
SIL
stimmeM2: auch.
SIL
stimmeM1: letzte Folge.
SIL
stimmeM2: ja!
[4]stimmeM1: was bisher geschah.
SIL
SIL
stimmeM2: was bisher geschah.
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
musik
sprecherin: was bisher geschah.
SIL
stimmeF1: begonnen hatte es auf dieser Reise Europa Nahost
SIL
Pause
stimmeF1: angefangen hatte alles mit diesem Auftrag
SIL
stimmeF1: nach Gesprächen in Oslo,
SIL
stimmeF1: Verhandlungen in Genf,
SIL
stimmeF1: neurlichen Zerwürfnissen in Brüssel
SIL
stimmeF1: verlobten wir uns in Zürich
SIL
stimmeF1: aber in Krefeld schon wieder Szenen
SIL
stimmeF1: Krawalle
SIL
stimmeF1: und Berlin
SIL
stimmeF1: ich hatte das Gefühl, gegen eine Mauer zu reden, so behandelte er mich.
SIL
stimmeF1: in Helsinki trafen wir ein Abkommen
SIL
stimmeF1: an das er sich in Madrid schoön nicht mehr hielt .
SIL
stimmeF1: unterwegs nach Warmbad Villach beschloss ich
SIL
stimmeF1: meine Forderungen deutlich zu machen
SIL
stimmeF1: in Mürzzuschlag in einem Gasthof der elendsten Sorte führte ich dieses Vorhaben auch aus
SIL
stimmeF1: aber er lachte bloß.
SIL
stimmeF1: dann Linz!
SIL
stimmeF1: ich appellierte an sein Gewissen an was weiß ich, endlich Schluss zu machen damit!
SIL
stimmeF1: nichts.
SIL
stimmeF1: zugegeben, wir hatten wunderbare Zeit in Klagenfurt während der Holzmesse
SIL
stimmeF1: bei den Eichendorfer Dichtertagen, die gerade dort abgehalten wurden.
SIL
stimmeF1: aber dann ging es Schlag auf Schlag.
SIL
stimmeF1: sein Terror in Italien.
SIL
stimmeF1: seine Schönfärberei in Lissabon.
SIL
stimmeF1: die Auseinandersetzungen am Persischen Golf.
SIL
stimmeF1: schließlich
SIL
stimmeF1: in einem Hotelzimmer in Beirut
SIL
stimmeF1: brach der Konflikt offen aus.
SIL
stimmeF1: Himmel und Hölle so nah beisammen
SIL
stimmeF1: und immer die Spuren verwischen.
sprecher: was bisher geschah.
[5]SIL
SIL
stimmeM3: verdammter Auftrag, mit dem alles anfing.
SIL
stimmeM3: der uns zusammenführte
SIL
stimmeM3: kreuz und quer durch Europa
SIL
stimmeM3: und wohin noch?
SIL
stimmeM3: Mutlangen
SIL
stimmeM3: Esslingen
SIL
stimmeM3: Rottweil
SIL
stimmeM3: überall gewesen
SIL
stimmeM3: Metz, Idolsberg, Gars am Kamp
SIL
stimmeM3: nichts, das uns fremd blieb.
SIL
stimmeM3: nie vergesse ich Zürich
SIL
stimmeM3: mein Waterloo
SIL
stimmeM3: wie sich leider erst in Berlin herausstellte.
SIL
stimmeM3: Oslo, Genf, Brüssel
SIL
stimmeM3: Gespräche, Programmentwürfe, Friedenssicherung.
SIL
stimmeM3: in Krefeld aber schon Krawalle
SIL
stimmeM3: dass das Hotelpersonal zusammenlief
SIL
stimmeM3: ähnlich in Helsinki
SIL
stimmeM3: wo sie ein Abkommen vorschlug
SIL
stimmeM3: dann
SIL
stimmeM3: Warmbad Villach.
SIL
stimmeM3: Heulszenen in Linz.
SIL
stimmeM3: sie appelliere an mich
SIL
stimmeM3: ein Zwischenfall nach dem anderen
SIL
stimmeM3: diese Reise schien nur aus Zwischenfällen zu bestehen.
SIL
stimmeM3: und immer wieder
SIL
stimmeM3: du bist ja betrunken
SIL
stimmeM3: du hast getrunken unausgesetzt.
SIL
stimmeM3: jawohl, gab ich zurück.
SIL
stimmeM3: seit jener Szene in Berlin trinke ich
SIL
stimmeM3: und ich gedenke nicht damit aufzuhören.
SIL
stimmeM3: ihr Mürzzuschlager Manifest,
SIL
stimmeM3: ihre Salzburger Humanismusgespräche.
SIL
stimmeM3: wie es ihr begreiflich machen?
SIL
stimmeM3: in Italien griff ich hart durch
SIL
stimmeM3: Lissabon
SIL
stimmeM3: brannte ich
SIL
stimmeM3: ein Feuerwerk an Galanterien ab.
SIL
stimmeM3: alles umsonst.
SIL
stimmeM3: Zürich war ein tragischer Irrtum gewesen.
SIL
stimmeM3: Dann die Libanon-Krise.
SIL
stimmeM3: diese schreckliche Nacht, eingesperrt in einem Hotelzimmer.
SIL
stimmeM3: ein Funke hatte genügt, um den Konflikt neu anzufachen.
SIL
SIL
SIL
Pause
musik
stimmeM3: aber was bisher geschah, sollte nichts sein gegen das Kommende.
SIL
stimmeM3: was bisher geschah!
[6]stimmeF1: was bisher geschah
SIL
SIL
Pause
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
sprecher: ein Gespenst geht um in Europa und hinterlässt seine Spuren, die Schober-Gruppe.
SIL
sprecher: alle Versuche, dieses Gespenstes habhaft zu werden, sind bislang gescheitert
SIL
sprecher: zu international agiert die Gruppe, zu raffiniert arbeitet sie mit anderen Gruppen zusammen
SIL
sprecherin: auf einen blutigen Sommer folgt der steirische Herbst
SIL
sprecherin: in Geheimkonferenzen, den später so genannten Schlossberg-Gesprächen, wird die Grazer Dramaturgie beschlossenl
SIL
sprecherin: nämlich den schizophrenen Detektiv Katz und Klump auf das Phantom anzusetzen.
SIL
sprecherin: da Katz und Klump auf Grund seiner vielfältig gespaltenen Persönlichkeit ein ganzes Team von Kriminalisten ersetzen kann
SIL
sprecherin: erscheint diese Vorgangsweise ebenso kostensparend wie vielversprechend.
sprecher: in Warmbad Villach verliert sich die Spur. Katz und Klump nimmt die Ermittlungen auf.
SIL
SIL
stimmeradio: ich wiederhole, alle Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind gesperrt, den Kraftfahrern wird dringend empfohlen, großräumig auszuweichen.
katz: stell das ab
SIL
katz: und was sagst du dazu
SIL
SIL
katz: am vierten fünften übernachtet Frau Klein in Warmbad Villach unter falschem Namen
SIL
katz: sie nennt sich dort Bierbichler.
SIL
katz: verlässt am nächsten Morgen überstürzt das Hotel, niemand weiß wohin.
SIL
klump: gefällt mir nicht.
SIL
klump: die Grenzen so nahe, Italien, Jugoslawien, Rijeka, Triest, Camporosso.
katz: Camporosso, natürlich. die Schießerei, die Nacht von Camporosso.
SIL
SIL
klump: Barbara Klein war damals nachweislich in London,
katz: bist du sicher?
SIL
SIL
klump: ganz sicher.
SIL
klump: sie wurde in London mit einem Ramiro Villanueva, Soldat der Luftwaffe in Bogota, Kolumbien, beobachtet.
katz: und Groß?
SIL
SIL
klump: ebenfalls.
SIL
klump: in Warmbad Villach wurde Johannes Groß zuletzt gesehen, als der Parlamentsklub seine Tagung abhielt.
SIL
klump: Warmbader Beschlüsse, diese Geschichte Deckname Baumgartner.
[7]SIL
klump: fällt dir was auf? Der Parlamentsklub tagt und rein zufällig ist auch Herr Groß zur selben Zeit in Warmbad
katz: Ja, verdammt! Du hast recht. Wirklich merkwürdig.
SIL
SIL
katz: und jetzt?
SIL
klump: wir warten.
SIL
katz: wir warten?
SIL
klump: wir warten auf eine bestimmte Maschine aus Zürich.
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
flughafeneinstellung
sprecher: der dramatisierte Schundroman
SIL
sprecher: Schnee
SIL
sprecherin: letzte Folge
SIL
stimmeF2: hätte dir Ramiro Villanueva
SIL
stimmeF2: hätte dir nicht bei der Passkontrolle schon zu denken geben sollen
SIL
stimmeF2: wie rasch und selbstverständlich du abgefertigt wurdest?
SIL
stimmeF2: gut, du warst selbst damit beschäftigt, als harmloser Tourist zu erscheinen
SIL
stimmeF2: aber hätte dir nicht auffallen müssen
SIL
stimmeF2: wie bevorzugt und scheinbar desinteressiert dein Gepäck kontrolliert wurde?
SIL
stimmeF2: hättest du nicht in die Ankunftshalle tretend zumindest den Herrn mit dem Schlapphut bemerken müssen
SIL
stimmeF2: der angestrengt die Tafel mit den Arrivals studierte oder den anderen
SIL
stimmeF2: der sich gerade eine Zeitung kaufte und dann einem Dritten wie einem plötzlich entdeckten Bekannten zuwinkte?
SIL
stimmeF2: als du erleichtert in sein Taxi stiegst. Ramiro Villanueva, und in die Stadt fuhrst
SIL
stimmeF2: hättest du nicht prüfen sollen, ob dir auch niemand folgt?
SIL
stimmeF2: und schließlich die Männer, die kurz nach dir die Hotelhalle betraten und sich
SIL
[8]stimmeF2: eben wurde dir der Zimmerschlüssel ausgefolgt, wieder entfernten, wie konnten sie dir entgehen?
stimmeF2: gewiss, du konntest nicht ahnen, dass du nicht nur von deinen Geschäftsfreunden erwartet wurdest, sondern auch von ganz anderen
SIL
stimmeF2: sogar die Presse war längst eingeschaltet, eine große Tageszeitung hatte sich exklusiv den Bericht gesichert!
SIL
stimmeF2: der Aufenthalt in dieser Stadt, Ramiro Villanueva
SIL
stimmeF2: wird lange dauern.
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
rotationsgeräusch
stimmeM1: neunzehn Uhr zwanzig
Pause
SIL
stimmeM1: der Drogenkurier trifft im Hotel ein.
SIL
stimmeM1: er nimmt ein Zimmer im dritten Stock.
SIL
stimmeM1: über ein Funksignal erhalten wir das vereinbarte Zeichen.
SIL
Rotationsgeräusch
stimmeM1: neunzehn Uhr dreiundzwanzig
Pause
SIL
stimmeM1: der Kolumbier meldet ein Telefongespräch an.
SIL
stimmeM1: wie erwartet, will er sich mit seinem Kontaktmann in Verbindung setzen.
SIL
stimmeM1: mit Lichtorgler Rapp,
SIL
stimmeM1: in der Unterwelt auch als Tätowierer bekannt.
SIL
stimmeM1: neunzehn Uhr fünfundzwanzig
SIL
stimmeM1: die Spannung nimmt zu.
SIL
stimmeM1: in der Wohnung des Tätowierers klingelt das Telefon.
SIL
stimmeM1: in der Wohnung des Tätowierers klingelt das Telefon!
SIL
Nebelhorn
stimmeM1: die Spannung steigt weiter.
Pause
SIL
Telefonklingeln
Pause
Telefonklingeln
Pause
Telefonklingeln
frauenstimme: lachen stellt euch vor lachen das Telefon klingelt lachen und keiner geht hin
Telefonklingeln
Telefonklingeln
SIL
Telefonabheben
Pause
männerstimme: pronto
[9]SIL
frauenstimme: lachen stell dir vor du gehst hin lachen und keiner ist dran.
SIL
frauenstimme: lachen
frauenstimme: lachen
SIL
Telefonaufgelegen
Telefonklingeln
Telefonabheben
Pause
männerstimme: pronto
SIL
telefonstimme: hallo, Leibnitz? ich rufe Leibnitz, Leib
SIL
Telefonaufgelegen
Pause
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
Rotationsgeräusch
stimmeM1: neunzehn Uhr dreizig
Pause
SIL
stimmeM1: auf dem Höhepunkt der Spannung kommt es zu Fehlschaltungen und Missverständnissen
SIL
stimmeM1: da aber summt in Villanuevas Hotelzimmer das Telefon.
SIL
stimmeM1: Villanueva hebt ab.
Telefonabheben
SIL
stimmeM1: Villanueva Kältetechnik, Grüß Gott?
SIL
telefonstimme: Die Wahrheit ist weiß wie Schnee
SIL
telefonstimme: in zehn Minuten
SIL
telefonstimme: basta
SIL
Besetztzeichen
Telefonauflegen
Rotationsgeräusch
stimmeM1: nun kommt Bewegung in die Geschichte
Pause
SIL
stimmeM1: zehn Minuten nach diesem mysteriösen Anruf
SIL
stimmeM1: wahrscheinlich der vereinbarte Code
SIL
stimmeM1: betritt Lichtorgler Rapp hastig das Hotel und erklärt, Senor Villanueva erwarte ihn in seinem Zimmer.
SIL
SIL
SIL
stimmeM1: Gleich wird der große Schlag geführt werden.
SIL
Musik
sprecherin: auf das vereinbarte Klopfzeichen öffnete Villanueva die Tür seines Zimmers. »heroinspaziert, heroinspaziert,« begrüßte er aufgeräumt seinen sauberen Freund.
Pause
SIL
sprecherin: dann verschloss er hinter dem Besucher die Türe
SIL
Türschliessen
stimmeM1: neunzehn Uhr sechsundvierzig, die Ereignisse überstürzen sich. Mit Panzerfäusten dringen die Detektive ins Zimmer und halten den verblüfften Männern ihre Dienstmarken unter die Nase.
Pause
SIL
[10]stimmeM1: aus dem Gesicht des Kolumbiers entweicht jede Farbe .
SIL
entweichende Luft
stimmeM1: die Beamten ziehen rasch eine Probe des Giftes, um sich von Echtheit und Güte zu überzeugen, dann werden der Drogenkurier und sein Kontaktmann abgeführt.
Pause
SIL
stimmeM1: beim Tätowierer wird außerdem ein brisantes Notizbuch mit bekannten Namen der Halbwelt sichergestellt .
SIL
Musik mit Gesang: »sei kein Tätowierer, sondern suche nach der Mondprinzessin«
sprecherin: bei den Detektiven herrschte eine Stimmung wie man sie vom Schmaus nach großen Jagden kennt. Eine Feststimmung, die noch tagelang anhielt.
Pause
SIL
sprecherin: nur einer mochte sich der geglückten Aktion nicht so recht freuen, der Detektiv Katz und Klump.
SIL
sprecherin: bis spät in die Nacht saß er über Aussagen und Protokollen und überlegte,
SIL
sprecherin: ob dieser Erfolg nicht eine Ablenkung vom eigentlichen großen Coup gewesen sein könnte.
SIL
klump: erklär mir bitte mal, warum Groß nicht an Bord des Flugzeugs war?
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
klump: dass nicht Villanueva geopfert wurde, damit Groß unbehelligt agieren kann?
SIL
katz: hm ziemlich ausgeschlossen, wenn du mich fragst.
SIL
SIL
katz: mhm
SIL
SIL
katz: Warmbad Villach?
SIL
klump: ach Harry, Warmbad Villach
SIL
klump: ja, Warmbad Villach, Beirut, Stockholm, Attersee, wer weiß? Such mal eine Träne in Ozean.
[11]sprecherin: Aber auch, dass den Kleinverteilern und Endverbrauchern nicht beizukommen war, bereitete dem Detektiv Kopfzerbrechen .
SIL
SIL
SIL
SIL
klump: Falco, Ambros behaupten den Tätowierer persönlich gar nicht zu kennen, hätten rein beruflich mit seiner Firma zu tun.
katz: freche Hunde.
SIL
SIL
klump: oder, hier, Herr Fendrich, droht gleich mit Anwalt.
SIL
klump: sein Lieblingssport wäre Schwimmen, nicht Ski fahren. Erklärt, dass er Platinplatten nur an der Wand mag, nicht in der Nase .
katz: Arschloch.
SIL
SIL
katz: mir reichts für heute. einatmen dreh mal das Radio an.
SIL
radiostimme: die Verbindung nach Leibnitz ist leider nicht mehr zustandegekommen, wir werden es in unserer nächsten Sendung wieder versuchen, bis dahin guten Abend.
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
musik
sprecherin: der dramatisierte Schundroman. Gars am Kamp mein Lieber! Letzte Folge.
SIL
SIL
Pause
SIL
sprecher: ernst und ohne einander anzublicken gingen sie den Schotterweg von der Kirche hinunter zum Wirtshaus.
SIL
Spaziergangeinstellung
stimmeM2: ich habe alles gesehen, alles gesehen in Gars am Kamp.
SIL
stimmeF3: alles?
stimmeM2: ich bin mit dem Postautobus gefahren, vier Stunden.
SIL
SIL
stimmeF3: vier Stunden?
[12]SIL
stimmeM2: vier Stunden, ja.
SIL
SIL
SIL
stimmeM2: dann umgepflügte Äcker, ockerfarbene Felder, schließlich
SIL
stimmeF3: du hast nichts gesehen in Gars am Kamp.
SIL
SIL
SIL
stimmeF3: Schüsse?
stimmeM2: jawohl, Schüsse
SIL
SIL
stimmeM2: ich sah, wie der Nusshäher mitten im Flug ins Trudeln geriet und abstürzte.
SIL
SIL
SIL
stimmeF3: das hast du gesehen?
SIL
stimmeM2: nie konnte mir ein Tier entgehen.
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
stimmeF3: rosa Pfoten?
SIL
SIL
SIL
stimmeF3: dann?
SIL
SIL
SIL
SIL
Spaziergangeinstellung
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
[13]SIL
SIL
SIL
SIL
stimmeM2: nachdem die Frau den Maulwurf, du erinnerst dich?
SIL
stimmeF3: den Maulwurf mit den rosa Pfoten
SIL
SIL
SIL
stimmeM2: sah ich, wie sie mit einem Hackmesser einen Kürbis zwischen ihren nackten Füßen
SIL
stimmeF3: das willst du gesehen haben? Nichts hast du gesehen.
stimmeM2: ich habe
SIL
SIL
SIL
SIL
stimmeM2: wie sie, auf einem Fass sitzend, den Kürbis zwischen ihre nackten Füße klemmte
SIL
SIL
SIL
stimmeF3: du hast dich getäuscht, du hast nichts gesehen!
SIL
stimmeM2: es sollte noch schlimmer kommen. Ich sah, wie die Knechte die Maispflanzen knapp über dem Boden abhieben
SIL
stimmeM2: sodass gelbe Stümpfe stehenblieben, dann nahmen sie die Bündel in den Arm und streuten sie in die Ackerzelle
SIL
stimmeM2: einmal
SIL
stimmeF3: nein!
SIL
stimmeM2: einmal hob der Bauer seine Jacke am Feldrand auf und trank einen Schluck aus dem Mostkrug
SIL
stimmeM2: der Sohn des Bauern trug trotz der Hitze eine rot-weiße Wollmütze auf dem Kopf, eine Schisportlermütze
SIL
stimmeM2: eine Riesentorlauf-Spezialistenmütze. Auf der anderen Seite
SIL
stimmeM2: neben einem Holzschuppen, neben zwei leeren Fässern, gackerten aufgeregt die Hühner
SIL
stimmeF3: es kann nicht sein, du hast nichts gesehen.
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
[14]stimmeM2: in ihrer Buntheit sahen sie aus wie mit gelben und roten Federn eines Paradiesvogels geschmückt
SIL
stimmeM2: hörst du mich?
SIL
stimmeF3: du hast es nicht ertragen
SIL
stimmeF3: du hast den Blick gesenkt und minutenlang den aufgegangenen Schnürsenkel an deinem linken Schuh betrachtet
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
stimmeM2: eines anderen Tages, tiefer Frieden überall, kam ein lilafarbener Volkswagen nach Gars am Kamp und hielt unten an der Brücke
SIL
stimmeM2: einer Ohnmacht nahe, zwang ich mich hinzusehen
SIL
stimmeM2: aus dem Kraftfahrzeug stieg ein vielleicht vierzigjähriger Mann mit dunklen Haaren
SIL
stimmeM2: und einem Vollbart und kam die Straße herauf
SIL
SIL
SIL
sprecher: mit einem erstickten Schrei stürzte sie zu seinen Füßen. er sah sich um.
Pause
SIL
sprecher: nur noch wenige Schritte waren sie vom Wirtshaus entfernt
SIL
sprecher: und doch wusste er plötzlich, dass er niemals mehr seinen Fuß in die düstere Wirtsstube setzen würde
SIL
sprecher: in der sie kurze Zeit so glücklich miteinander gewesen waren.
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
sprecherin: es ist fünfzehn Uhr zehn. Eine Vekehrsmeldung.
sprecherin: Achtung, Autofahrer, im Großraum Leibnitz, alle Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind gesperrt
SIL
sprecherin: es wird dringend empfohlen, großräumig auszuweichen.
[15]SIL
Musik
sprecher: Spur nach Bremerhaven
SIL
klump: was bisher geschah?
Pause
katz: nichts, überhaupt nichts!
SIL
SIL
klump: es ist zum Aus-der-Haut-Fahren.
SIL
katz: ich will noch einen ganzen Haufen leben.
SIL
klump: meinst du, ich nicht? Was soll denn der Quatsch ?
katz: nichts, nur so, fiel mir grade ein.
SIL
SIL
klump: du kannst einem vielleicht auf den Wecker fallen, aber ganz gehörig! Lass jetzt den Blödsinn!
klump: noch mal von vorn, wir
katz: ich höre.
SIL
SIL
klump: wir müssen System reinbringen.
SIL
klump: unser einziger Anhaltspunkt ist, dass Groß, nachdem aus Wien verschwunden ist, im April in Bremerhaven auftaucht.
SIL
klump: und zwar schleicht er sich dort in einen Arbeitskreis Rüstungswirtschaft ein, der von Müll geleitet wird.
SIL
katz: Müll?
SIL
katz: der Müll, bei dem mal die Klein? Unser Müll?
SIL
klump: genau der, der Industrie-Müll
SIL
klump: erst Krupp, dann Thyssen, später zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Heer und Industrie ins Ministerium berufen.
SIL
katz: verstehe.
SIL
klump: das Problem ist, dass in unserem Dossier der Name Groß nicht aufscheint.
SIL
klump: unsere Spur beruht einzig auf einer mündlichen Information eines Kontaktmannes, Bundeswehroffizier, nicht eben zuverlässig.
SIL
katz: trotzdem, weiter.
SIL
klump: im Rahmen des Intensivierungsprogramms werden auch kurzfristige Wehrübungen für Industriemanager abgehalten.
SIL
klump: Führungskräfte werden an MP und MG ausgebildet .
SIL
[16]klump: in Bremerhaven nahm auch ein gewisser Hans Magnus Enzengruber an einer solchen Übung teil.
katz: Enzengruber? hm Enzensberger!
SIL
SIL
klump: Enzengruber. Der Nachname tut übrigens nichts zur Sache.
katz: und?
SIL
SIL
klump: du kennst ihn, wir beide kennen ihn.
katz: hm
SIL
SIL
klump: Hans Magnus Enzengruber, überleg doch mal. Fällt dir nichts auf?
katz: ich werd verrückt. Johannes Groß!
SIL
SIL
klump: das hat aber lange gedauert. Groß, natürlich, von sich selbst besessen bis in die Decknamen hinein.
katz: wollen uns wohl vorführen, was ne Harke ist, aber vorher zeigen wir ihnen, wo der Bartel den Most holt, in der Steiermark nämlich. Hab ich recht, Stephan?
SIL
SIL
klump: Haarscharf getroffen. die Klein sollte bald darauf in der Steiermark aktiv werden, Knittelfeld, Judenburg.
SIL
klump: aber das nehmen wir uns später vor. Erst die Tagebücher, die sind wichtiger, und dann diesen Pichler.
SIL
pause: Pause
Musik: Musik
sprecherin: der dramatisierte Schundroman. Tagebuch. letzte Folge.
pause: Pause
stimmeF1: achter dritter, Aschaffenburg, müde. verbraucht. leblos.
Musik: Musik
stimmeF1: zehnter dritter, Aschaffenburg, ausgebrannt, wie gelähmt, am Abgrund.
pause: Pause
stimmeF1: banal geträumt. Später Pichler.
Musik: Musik
pause: Pause
stimmeF1: elfter dritter, Nürnberg, ein ausgeleerter Kübel, ein Nichts.
stimmeF1: draußen Föhn. Finsternis. kurzer, unruhiger Schlaf, dann Pichler.
[17]Rotationsgeräusch: Rotationsgeräusch
stimmeF1: sechszehnter dritter, Erlangen. Nichts. Pichler.
Musik: Musik
pause: Pause
stimmeF1: zwanzigster dritter, Ingolstadt, wie gerädert von der Last meines Körpers. Zwischenfälle, Verluste.
stimmeF1: Abendessen mit Rod. Michel mit seiner behaarten Seemannsbrust. Pichler?
Musik: Musik
stimmeF1: zweiundzwanzigster dritter, Minden, offene Verandafenster. Klaviermusik, dann Pichler.
pause: Pause
Rotationsgeräusch: Rotationsgeräusch
stimmeF1: im Hunsrück. Schüttelfrost. Hundegekläff.
pause: Pause
stimmeF1: alles vergessen, was sein wird. Pichler vergessen.
Musik: Musik
stimmeF1: sechsundzwanzigster dritter, Amras. Verstörung.
pause: Pause
stimmeF1: vorbei am Kalkwerk.
Musik: Musik
pause: Pause
stimmeF1: dreißigster dritter, Madonna di Campiglio
stimmeF1: Sehnsucht. fortschreitende Verwirrung. Gewühl im Sonnengeflecht.
stimmeF1: der Schoß in voller Bereitschaft. Schmerzhaft die Schenkel durchströmendes Einverständnis. Dann Attersee.
Musik: Musik
stimmeF1: zweiter vierter, Ravenna. Attersee.
pause: Pause
Musik: Musik
stimmeF1: dritter vierter, die Hitze vor den zugezogenen Fensterläden. Rotwein aus dem Zahnputzbecher. Nachmittägliches Entsetzen.
pause: Pause
stimmeF1: Rotwein aus dem Zahnputzbecher. Nachmittägliches Entsetzen.
Musik: Musik
stimmeF1: siebenter vierter, Triest. Husten, Erschöpfung .
pause: Pause
stimmeF1: alle Schrecknisse der Nacht durchmessen wie damals, in Bad Gastein. Niemand darf von dieser Niederlage erfahren.
Rotationsgeräusch: Rotationsgeräusch
pause: Pause
stimmeF1: zehnter vierter, Warmbad Villach. Traumrudimente
stimmeF1: P.s Gesicht von Salzsäure verunstaltet. Am Morgen im Foyer
stimmeF1: Mattschacker. Höflich grüßend an ihm vorbei. Drecksack.
Musik: Musik
stimmeF1: zwölfter vierter, Baden Baden
pause: Pause
stimmeF1: wie ein erloschener Vulkan. ja, ein genaues Bild .
stimmeF1: Nachts die Todesschreie eines Vogels.
Musik: Musik
pause: Pause
stimmeF1: zwanzigster vierter, Verfinsterung. Und Rüsselsheim, was habe ich hier verloren.
stimmeF1: ein letztes Mal Attersee.
Musik: Musik
stimmeF1: dreiundzwanzigster vierter, Fulda
pause: Pause
stimmeF1: schmutziggrauer Vormittag. Frühstück. Tod, überall Tod.
[18]stimmeF1: plötzliches Bild. P.s feuchte Augen mit den lang anhaltenden Blicken.
Musik: Musik
stimmeF1: zweiter fünfter, Bebra. Zwiebelgeruch. Erstickungsanfälle. Tremor.
pause: Pause
Rotationsgeräusch: Rotationsgeräusch
stimmeF1: zehnter fünfter, Attersee. Nichts. Nachts Pichler.
pause: Pause
Musik: Musik
pause: Pause
stimmeF1: elfter fünfter, Leere. Abgestorben. Dann Pichler .
Musik: Musik
stimmeF1: zwölfter fünfter, Pichler, schweigsam, von hinten. In der ländlichen Stille wie begraben.
pause: Pause
Musik: Musik
stimmeF1: vierzehnter fünfter, Aufruhr. Der schöne Brief von H. aus Gars am Kamp.
pause: Pause
stimmeF1: die Kunst eine Sackgasse, welch ein Vergleich!
Musik: Musik
pause: Pause
stimmeF1: sechszehnter fünfter, Pichler, wie ein heißer gelber Sturm. Elf Uhr nachts. Wer ist Pichler wirklich?
Musik: Musik
stimmeF1: vierter sechster, Reicheneibach. Der letzte Tag in Reicheneibach.
pause: Pause
stimmeF1: auf dem Weg zurück in die Dorfwirtschaft plötzlich ein Gedanke, der Entsetzen auslöste. Pichler, kann er mir gefährlich werden?
Musik: Musik
stimmeF1: siebenter achter sechster, im Flugzeug irgendwo über dem Mittelmeer. Hier soll es damals passiert sein.
pause: Pause
Rotationsgeräusch: Rotationsgeräusch
pause: Pause
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
journalstimme: Guten Abend, meine Damen und Herren. Stichwort Tagesthema Leibnitz die Geschehnisse in und um Leibnitz.
Pause
SIL
journalstimme: Wir hoffen, dass die Verbindung nach Leibnitz inzwischen zustande gekommen ist. Augenblick. werden wir einmal schauen. a ja
Telefongeräusche
SIL
journalstimme: hallo, ja?
SIL
journalstimme: hallo, Leibnitz?
SIL
journalstimme: kaum zu verstehen.
SIL
journalstimme: hallo, Mathias Walden, können Sie mich hören?
SIL
journalstimme: hallo?
SIL
journalstimme: ja, es hat leider noch immer nicht geklappt, aber wir versuchen natürlich weiterhin die Verbindung mit Leibnitz herzustellen.
Pause
SIL
Spaziergangeinstellung, Fernsehgeräusche
klump: hast du bemerkt, wie vorsichtig dieser Pichler war? Weiß sicher mehr, als er zugibt. Ein Sympathisant, wie er im Buch steht.
Spaziergangeinstellung
[19]katz: ach komm, du siehst Gespenster. Nur weil er's vor Jahren mit der Klein getrieben hat?
SIL
SIL
klump: er war auch mit Groß zusammen.
katz: bisexuell?
SIL
SIL
klump: nein doch! Beruflich wenn man’s so nennen will. Kurier der Goldberg-Gruppe, was ihm aber nie nachzuweisen war.
klump: Trainingsmanager der Schober-Gruppe,
klump: internationale Einsätze, aber immer ganz legal. Und und und und und ach. Ich hätte gute Lust, diesen Fall überhaupt hinzuschmeißen.
katz: Kopf hoch, Stephan. Man muss den Flüssen trauen. Warum versuchen wir es nicht einfach am Markt, wir haben doch genügend alte Kunden dort?
SIL
klump: ach! Das wird doch wieder ein Schlag ins Wasser. Aber gut, wenn du meinst. Wir treffen uns also vor der Marktwirtschaft wie früher.
SIL
SIL
Pause
Obst- und Gemüsemarkteinstellung
marktstimme1: Betriebsmittelfinanzierungen Investitionsfinanzierungen Liquiditätssteuerung Kreditgebahrung
[20]marktstimme2: Schnürsenkel Putzlappen Schwedenhölzer
katz: sieh mal an der Blinde mit der Beinprothese
SIL
klump: wo?
katz: da vorne, beim Lottostand.
SIL
SIL
SIL
SIL
klump: tatsächlich. Wenn der blind ist, fress ich seine Prothese.
katz: jetzt geht er in die Wirtschaft. Los, hinterher.
SIL
SIL
klump: ja. Aber getrennt. Erst du, dann ich.
SIL
Pause
sprecherin: in der Marktwirtschaft ging es hoch her. Der Detektiv tat, als suche er einen Bekannten. und ging langsam von Tisch zu Tisch.
SIL
stimmegast1: Prostata, lieber Amerongen, Prösterchen!
Gasthauseinstellung
SIL
stimmegast2: hoch die Tassen!
stimmegast1: er gab sich nämlich als Verkaufsrepräsentant für Desinfektionsmittel aus!
SIL
SIL
stimmegast3: und wie eine unternehmerisch denkende Persönlichkeit von absoluter Integrität, ein Mann der alten Schule!
SIL
gaststimmen: Arbeitsplätzchen Arbeitsblödsinn
stimmegast4: na du Wirtschaftsförderungsinstitut, du kesses Stück Dreck!
SIL
stimmegast3: im Sinne von Arbeitsplatzsicherung völlig verfehlte Strategie
SIL
SIL
stimmegast4: aber eines sage ich ihnen, meiner Tochterfirma tritt niemand mehr zu nahe!
[21]stimmegast3: produzier dich nicht so!
SIL
SIL
stimmegast4: wer, ich? Nimm das zurück!
stimmegast3: ich denk nicht dran du, Kryptokommunist, du rote Sau du!
SIL
sprecherin: das zunehmende Chaos in der Marktwirtschaft nutzte der Blinde, um unauffällig zu entkommen.
SIL
Pause
sprecherin: auch Katz und Klump zogen sich eilig aus der Wirtschaft zurück, aber es war bereits zu spät.
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
sprecherin: sie hörten den dramatisierten Schundroman. Da uns bis zur nächsten Sendung noch etwas Zeit bleibt, einige Takte Musik und Werbung.
SIL
musik
werbungstimmeF: Hausfriedensbruch? Besitzstörung? Ärger mit den Nachbarn?
Pause
SIL
werbungstimmeF: ein Granatwerfer von Junghans schafft Abhilfe.
SIL
werbungstimmeF: Granatwerfer von Junghans, dem bisschen Frieden zuliebe.
SIL
musik
werbungstimmeF: die beliebten Mehrzweckfregatten Meko dreihundertsechzig
Pause
SIL
werbungstimmeF: nur von Blohm und Voss Hamburg. Blohm und Voss, die Guten unter den Bösen.
SIL
musik
werbungstimmeM: ihr Rüstungsberater. Diehl, Nürnberg.
Pause
SIL
werbungstimmeM: Handgranaten, Panzerfäuste, Panzerzugmaschinen und was sonst noch für den Frieden vonnöten ist
SIL
werbungstimmeM: bei Diehl Nürnberg. Bei Diehl gibt es viel.
SIL
Musik
Verkehrsmeldungsignal
Pause
sprecherin: eine Verkehrsmeldung.
SIL
sprecherin: die Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind immer noch unterbrochen, da sich schon etliche Zwischenfälle ereignet haben.
SIL
sprecherin: wir ersuchen die Autofahrer, von Fahrten nach Leibnitz Abstand zu nehmen.
SIL
Verkehrsmeldungsignal
Pause
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
sprecher: unser Radiolehrgang.
[22]SIL
Arbeitslärm
sprecher: Arbeitswelt
SIL
sprecherin: der Schundroman zum Selbermachen. Letzte Folge, Nachtarbeit.
Pause
SIL
stimmeM1: Problemstellung und Ausgangssituation. Die Hauptperson macht sich auf den Weg zur Schichtarbeit, seine Freundin geht ins Kino. Beginnen Sie.
SIL
Papier wird umgeblättert
stimmeM4: Johann Tobel fühlte sich elend.Seit er vor einigen Tagen sein Auto zertrümmert hatte, war er nur noch ein halber Mensch.
Pause
SIL
stimmeM4: er musste nun täglich mit Bus und Bahn in den Betrieb fahren. Widerwillig packte er die Jausenbrote ein
SIL
stimmeM4: die ihm Gerda gestrichen hatte. Seine Verlobte wollte ins Kino gehen,
SIL
stimmeM4: sie begleitete ihn bis zur Bushaltestelle.
stimmeM1: Akzeptiert. Das Adverb widerwillig sogar sehr gut.
SIL
SIL
stimmeM1: auch die Geschichte mit dem kaputten Auto ist einfallsreich.
SIL
stimmeM1: nun Abschied und Beschreibung des Weges zum Arbeitsplatz, Tristesse .
SIL
stimmeM4: Tobel küsste Gerda zum Abschied flüchtig auf die Wange und stieg in den Bus.
SIL
Papier wird umgeblättert
stimmeM4: der Bus war nicht geheizt.
Pause
SIL
stimmeM4: auch die Schnellbahn, in die er später umstieg, war kalt und fast leer.
SIL
stimmeM4: in den Wirtsstuben schäumte das Bier aus den Zapfhähnen.
SIL
stimmeM4: von den Dächern der Häuser blinkten Leuchtreklame
SIL
stimmeM4: im Nebel nur als verschwommene Konturen wahrnehmbar. Die Bahn fuhr an einem Autofriedhof vorüber.
SIL
stimmeM4: Tobel fröstelte.
stimmeM1: gut gemacht. Folgt nun Einsetzen der Handlung .
SIL
SIL
stimmeM4: als er die Halle betrat, wunderte er sich und wusste dennoch sofort Bescheid.
Türgerausch
Pause
SIL
stimmeM4: die Kollegen standen in kleinen Gruppen herum und debattierten erregt, es herrschte dicke Luft.
SIL
stimmeM4: Pazifisten und Naturschützer hatten also die Oberhand behalten, dachte Tobel bitter.
[23]Papier wird umgeblättert
SIL
Pause
stimmeM4: Kurzarbeit, fuhr es ihm durch den Kopf oder überhaupt Arbeitslosigkeit, elend
SIL
stimmeM4: die noch nicht abgezahlte Wohnung, die Raten für den neuen Audi Quatro
stimmeM1: keine Namen bitte. Der Name des Produkts ist bedeutungslos. Jetzt Nebenfiguren, Kampfstimmung.
SIL
SIL
stimmeM4: Johann Tobel gesellte sich zu den Kollegen.
SIL
stimmeM4: »Das können es mit uns nicht machen«, schrie der Birgel, »gerade mit uns nicht! Eine Sauerei ist das«, sagte Rußwurm
SIL
stimmeM4: »Grad jetzt, wo die Benzinpreise steigen und steigen«, ergänzte Maurer. »Umwelt hin oder her, hier geht es um Arbeitsplätze«, schrie Kumpf dazwischen.
SIL
stimmeM4: »Erst kommt der Mensch, dann der Wald, verdammt noch mal!«
SIL
Papier wird umgeblättert
stimmeM4: sein sonst so ruhiges Gesicht war rot vor Zorn.
Pause
SIL
stimmeM4: auch Tobel spürte Wut in sich aufsteigen und die Wut tat ihm gut, wirkte befreiend.
SIL
stimmeM4: »Wir müssen was unternehmen«, schaltete er sich ins Gespräch ein, »denn es ist doch so«
SIL
stimmeM4: »ohne Arbeitsplatz kein Auto und ohne Autos, wie kommen wir dann an unsere Arbeitsplätze?«
SIL
stimmeM4: »Genau, ganz richtig, so ist es«, tönte es von allen Seiten. Kein Zweifel, die Kollegen waren kampfbereit bis zum Äußersten.
stimmeM1: ausgezeichnet. jetzt überraschende Wendung.
SIL
SIL
Papier wird umgeblättert
Pause
stimmeM4: plötzlich erschien der Meister in der Halle. »Das Arschloch«, konnte Birgel noch knurren
SIL
stimmeM4: bevor sie in alle Himmelsrichtungen auseinanderstoben, um die Plätze an ihren Maschinen einzunehmen.
SIL
stimmeM4: mechanisch vollführte Tobel die gewohnten Handgriffe. Er fühlte sich ausgebrannt,
SIL
stimmeM4: doch tief in ihm schwelte ein Feuer!
stimmeM1: in Ordnung. Der Held kehrt nach Hause zurück. Bitte.
SIL
SIL
stimmeM4: Tobel knallte die Wohnungstür hinter sich zu und drehte das Radio an.
SIL
stimmeM4: Gerda sprang nackt aus dem Bett und schaltete es wieder aus.
SIL
stimmeM4: »Endlich bist du da«, sagte sie, »komm schnell, ich bin so scharf.«
SIL
stimmeM4: damit legte sie sich verführerisch aufs Bett. Nun wurde es Tobel
SIL
Papierumdrehen
[24]stimmeM4: zuviel.
Pause
SIL
stimmeM4: »Verdammte Scheiße«, brüllte er. »Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze und«
SIL
stimmeM4: »und du hast nichts im Kopf als deine Fotze! Leck mich doch am Arsch!«
SIL
stimmeM4: er schlug sich mehrmals mit der flachen Hand gegen die Stirn.
SIL
stimmeM4: die Digitaluhr auf dem Nachtkästchen zeigte fünf Uhr fünfundfünfzig.
SIL
SIL
SIL
Pause
Musik
Pause
Musik
klump: also die Steiermark. Die letzten Stationen der Klein, Warren, gib mir mal ne Stecknadel rüber
SIL
klump: waren Knittelfeld hier und Judenburg. Da Judenburg. Dann allerdings reißt der Film.
Pause
SIL
klump: aber jetzt pass auf. Auszug Dossier.
SIL
Papier wird umgeblättert
klump: die nächste Zusammenkunft Strategie-Logistik fand in einem Schloss in der Nähe von Leibnitz statt,
Pause
klump: dieses Schloss gehört übrigens einem bedeutenden Hygieneartikel-Hersteller.
SIL
klump: beobachtet wurden hauptsächlich Top-Leute neben Aschenbrenner, dem nur wenig später ermordeten Führer der Venediger-Gruppe
klump: Rieche und Rubbers von der Handelsbank, Zunz und von Hurwitz von der Goldberg-Gruppe sowie Old Schwurhand.
klump: die Adamello-Gruppe war durch Negrelli vertreten, die Silvretta-Gruppe durch O’Loughlin
klump: außerdem gesichtet der südafrikanische Botschafter und so weiter und so weiter und so fort.
SIL
Papier wird umgeblättert
klump: hochkarätige Versammlung, erlesenes Buffet, Bedienung und Garderobenmädchen über eine Hostessenagentur engagiert.
Pause
klump: huh, hübsche Mädchen, die sich ein Taschengeld verdienen. Weißt du, worauf ich hinauswill?
SIL
katz: längst schon. Aber man soll ja den Erzählfluss nicht bremsen.
SIL
klump: du mit deinen verdammten Weisheiten! Weißt du es nun oder weißt du es nicht?
[25]katz: ja doch, die Klein war im Schloss, hat dort serviert. Na und?
SIL
SIL
katz: hilft uns das weiter? Ist sie vielleicht noch dort?
SIL
klump: natürlich nicht. Worum es geht ist, was wollte sie dort, was weiß sie, was hat sie vor?
SIL
klump: hat sie am Ende einen dieser Leute in ihr Bett gelockt? Immer neue Fragen und dabei läuft uns die Zeit davon.
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
Musik
sprecherin: der moderne Beziehungsroman, Waldhof Variationen. Letzte Folge.
SIL
stimmeF4: die Stellenanzeige war auffällig platziert. Import Export, internationale Gruppe. Ich war mir sicher
SIL
stimmeM3: aus der Art, wie sie mich ansah, wurde mir klar
SIL
Musik Telefonklingeln
Musik
stimmeF2: nein bedaure, Frau Prokurist Waldhof ist im Augenblick besetzt.
SIL
stimmeM2: oder, um es mit einem Ausdruck aus dem Eishockey zu benennen, konsequentes Forechecking der Konkurrenz gegenüber.
SIL
stimmeF4: bietet sich nicht alle Tage die Möglichkeit, einem Spitzenmann zu Diensten zu sein.
SIL
stimmeM3: außergewöhnlich, keineswegs alltäglich, ganz und gar außergewöhnlich.
stimmeF4: er nahm mich mit zum Derby. Der Geruch der weiten Rasenflächen, ein leichter Wind einatmen schweißnasse Pferde.
SIL
SIL
stimmeM3: später Abendessen mit ihr, sie trug pfingstrosenfarbene Strümpfe und kurze Hosen, und ihr perfektes Französisch erstaunlich.
[26]SIL
stimmeM2: Morgen abend
stimmeM3: sagte ich
SIL
SIL
stimmeM2: Tel Aviv?
stimmeF2: Tel Aviv.
SIL
stimmeF4: gab ich zurück
SIL
SIL
stimmeF2: Morgen Abend
SIL
Pause
Musik
stimmeM3: es hat ja was auf sich, sagte sie, es hat was auf sich, wenn gesagt wird, der Faschismus spielt sich im Bett ab
SIL
stimmeM3: aber ich persönlich habe es gern, wenn
stimmeF4: »Auf einer Messe wie der kommenden«, sagte er, »werden sie es nur mit, potenten Käufern zu tun haben.«
SIL
SIL
stimmeF2: also Tel Aviv.
stimmeF4: sagte ich
SIL
SIL
stimmeF2: Morgen Abend.
SIL
stimmeM2: Morgen Abend
stimmeM3: antwortete ich.
SIL
SIL
stimmeM2: Tel Aviv, ja.
SIL
stimmeF2: mit einem Loser ins Bett?
stimmeM3: »Mit einem Loser ins Bett, niemals«, sagte sie. Wie ich die Grenze zwischen privat und Geschäftsleben ziehe, wollte sie wissen, und ich
SIL
stimmeF4: ein absoluter Winner und so geistreich!
SIL
SIL
stimmeF4: hemmungslos ungenau ziehe er die Grenze zwischen privat und Geschäftsleben. Wovon ich mich nachhaltig überzeugen konnte.
[27]SIL
stimmeM2: hemmungslos ungenau. zu guter Letzt pinkelte ich ihr in die Fotze
Pause
Musik
SIL
stimmeM2: wir haben
stimmeM3: sagte ich, wieder im Hotel
SIL
SIL
stimmeM2: nämlich einen großen Anwendungsstau in der Büroelektronik.
stimmeM3: und sah sie bedeutungsvoll an
SIL
stimmeF4: gab ich zurück
SIL
stimmeF2: oh
SIL
SIL
stimmeF2: oho, ließe sich dem nicht abhelfen?
SIL
stimmeF4: er holte seinen Klepper aus dem Latz und sprach
SIL
stimmeM3: bevor es abermals soweit war, sagte ich
SIL
stimmeM2: möge sich diese wunderbare Technologie flächendeckend über den gesamten Verwaltungsbereich ergießen
stimmeM3: dann kam ich über sie wie Honeywell Bull
SIL
SIL
klump: also was sagt man dazu?
Pause
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
katz: ich werd nicht mehr ausatmen nicht zu fassen und doch
SIL
klump: das Radio, schnell!
SIL
Radioanstellung
journalstimme: immer noch versucht wird die Verbindung nach Leibnitz herzustellen, ist es uns gelungen
Radiogeräusche
SIL
journalstimme: den ersten Gemeindesekretär von Leibnitz, Herrn Schmidt, an das Telefon für diese Sendung zu bekommen, guten Abend Herr Schmidt.
SIL
schmidt: guten Abend.
journalstimme: Herr Schmidt, Sie waren indirekt ja auch Betroffener.
SIL
SIL
schmidt: Betroffener, ja.
[28]journalstimme: Herr Schmidt, kurz zur Täterpersönlichkeit. Wer war eigentlich dieser Dietrich Wegener
SIL
journalstimme: der in der spektakulären Kommandoaktion vom Sparverein Grün-Schwarz-Grün
journalstimme: unschädlich gemacht wurde? Sie haben mir vorhin gesagt, ganz Leibnitz hat sich vor ihm gefürchtet.
SIL
schmidt: gefürchtet ist das richtige Wort ja.
journalstimme: wenn ich recht verstanden habe, waren die Straßen, wenn Wegener auftauchte, wie leergefegt, niemand hat sich aus dem Haus getraut?
SIL
SIL
schmidt: jawohl, leergefegt.
journalstimme: Nachforschungen haben ergeben, dass der Name Wegener auf Wegelagerer zurückgeht, also auch die Vorfahren schon
SIL
SIL
schmidt: damit hat es ja nun ein Ende.
journalstimme: auch die Vorfahren bereits Wegeners also Wegelagerer waren.
SIL
SIL
schmidt: Wegelagerer, ganz recht.
journalstimme: und es ist immer wieder zu Zusammenstößen und Zwischenfällen gekommen in Leibnitz?
SIL
SIL
schmidt: das ist richtig ja.
journalstimme: man kann also sagen dieser Wegener war jener Typus des Kriminellen der mit der Feigheit seiner Mitmenschen rechnet?
SIL
journalstimme: ein Außenseiter für den das Wort Freundschaft ein Fremdwort war und der sich völlig in seine Wahnideen verrannt?
SIL
schmidt: die Rechnung wurde mir präsentiert.
SIL
journalstimme: Herr Schmidt, Wegener hat von der Gemeinde freien Abzug gefordert und zwar in einem Auto, das von Ihrer Tochter gelenkt wird. Ihre Tochter ist jetzt wie alt?
SIL
schmidt: dreiundzwanzig
[29]journalstimme: es sind inzwischen Stimmen laut geworden, die das harte Vorgehen der Gemeinde insbesondere das Einbeziehen des Sparvereins
SIL
journalstimme: die Absperrungsmaßnahmen und schließlich die Liquidation verurteilt haben
journalstimme: Stimmen, die meinen, man hätte Wegener das Auto zur Verfügung stellen sollen, er hätte zweifellos Ihre Tochter unversehrt freigelassen.
schmidt: absurd
SIL
journalstimme: Sie stehen also zur Vorgangsweise der Gemeinde?
SIL
SIL
schmidt: voll und ganz.
journalstimme: auf der anderen Seite sind aber auch Telegramme eingegangen, die die Aktion befürworten?
SIL
SIL
schmidt: breiteste Zustimmung, ja.
journalstimme: Herr Schmidt, könnten Sie uns eines dieser Telegramme vielleicht kurz vorlesen?
SIL
SIL
schmidt: gern. dank an unsere Helden vom Sparverein Grün-Schwarz-Grün. Wir sind stolz auf Sie. Sie haben eine schwere Arbeit gut gemacht.
schmidt: Sie sind keine Abenteurer, sondern ernste Männer, die sich um unser Leibnitz verdient gemacht haben. Nochmals danke. ich denke, ein Kommentar erübrigt sich.
journalstimme: eine letzte Frage, Herr Schmidt. bBesteht die Möglichkeit, dass Wegener Kontakte zur Schober-Gruppe unterhielt?
SIL
SIL
schmidt: nach bisherigen Erkenntnissen ist eine solche Verbindung so gut wie auszuschließen.
SIL
radioabdrehen
klump: die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag. Groß ist nicht groß und Klein nicht die Kleine.
Pause
SIL
sprecher: Katz und Klump verwickelte sich plötzlich in eine heftige Auseinandersetzung.
[30]SIL
sprecher: während Klump glaubte in der Stimme des Gemeindesekretärs jene von Johannes Groß erkannt zu haben
SIL
sprecher: und Schmidts angebliche Tochter folglich nur Barbara Klein sein konnte, versteifte sich Katz auf das Telex des Informanten Fiebelkorn,
SIL
sprecher: wonach Groß und Klein sich längst nach Kolumbien abgesetzt hätten und in Bogota eine Kneipe betrieben.
SIL
klump: ich sage dir, der ist es, es war seine Stimme, wir müssen vor Tagesanbruch zugreifen.
katz: völlig irrsinnige Vermutung, im Rundfunk ist eine Täuschung nie auszuschließen.
SIL
SIL
katz: die Schober-Gruppe ist in den Anden. Fiebelkorn weiß, was er sagt.
SIL
katz: ein Mann, der sich nicht ins Bier spucken läßt.
SIL
katz: Fiebelkorn! Kneipe in Bogota! Blödsinn. Ein übles Schwein ist dieser Fiebelkorn
klump: Groß und Klein sind in Bogota, das liegt klar auf der Hand. Bis hin zum Kneipennamen,
SIL
klump: wie heißt denn die Kneipe? Zum Hochschober, heißt sie oder heißt sie vielleicht nicht zum Hochschober!
katz: der weiß doch nicht mehr, für wen er arbeitet, wenn er nur arbeiten kann. Fiebelkorn Zwiebelkorn
SIL
klump: Schmidt ist nicht Groß und Klein nicht die Kleine
katz: ich sag dir ,wir müssen hier zugreifen im Scheißgau.
klump: alle Spuren waren falsch, wir müssen nach Südamerika! Südamerika!
SIL
katz: in Leibnitz, bevor der Tag anbricht, müssen wir zugreifen!
SIL
SIL
[31]SIL
SIL
SIL
SIL
Pause
Musik
sprecherin: Sie hörten den dramatisierten Schundroman.
SIL
stimmeM1: letzte Folge.
SIL
Pause
stimmeF3: nein.
SIL
stimmeM1: Groß und Klein.
SIL
stimmeF3: nichts.
SIL
stimmeM1: Waldhof Variationen.
SIL
stimmeF3: nichts gehört.
SIL
stimmeM1: Arbeitswelt.
SIL
stimmeF3: du hast nichts gehört.
SIL
SIL
SIL
stimmeF3: nein.
SIL
stimmeM1: Tagebuch.
SIL
stimmeF3: auch nicht.
SIL
stimmeM1: Spur nach Bremerhaven.
SIL
stimmeF3: kein Wort.
stimmeM1: Gars am Kamp.
SIL
SIL
stimmeF3: keinen Laut.
stimmeM1: Schnee.
SIL
SIL
stimmeF3: du hast nichts gehört.
SIL
SIL
SIL
stimmeF3: niemand hat etwas gehört.
stimmeM1: alle haben es gehört.
SIL
SIL
stimmeF3: nein.
SIL
sprecher: in der Reihe »Welt der Literatur« in Programm Österreich eins brachte das Landesstudio Burgenland ein Hörspiel
sprecher: von Werner Kofler und Antonio Fian.
SIL
sprecher: der dramatisierte Schundroman, letzte Folge
SIL
sprecher: mit Irene Budischowsky, Cecile Cordon, Barbara Lehner, Ella Peneder,
SIL
sprecher: Karl Dobrawsky, Georg Mittendrein, Hermut Müller, Klaus Uhlich und Fritz Wickenhauser.
SIL
sprecher: sowie Martha Wedral, Rudolph Jenakowitsch, Ortwin Reinisch und Franz Tschank.
SIL
sprecher: Tontechnik Andreas Bablicki, Regieassistenz Reinhard Handl, Regie Hans Krogmann.
SIL
SIL
Pause
musik
Pause
sprecher2: in der Reihe »Welt der Literatur« im Programm Österreich eins hören sie morgen um zwanzig Uhr die Sendung
sprecher2: oben zu bleiben ist Pflicht
sprecher2: Heiteres und Satirisches von Fritz Mauthner, Anton Kuh, Helmut Qualtinger, Manfred Chobot und anderen.
SIL
Lemmata:
Sturm über KretaDer stille OzeanBild und Weltverlobten wir uns in ZürichAber in Krefeld schon wieder Szenen,KrawalleIn Helsinki trafen wir ein AbkommenDann Linz!Ich appellierte an sein GewissenEichendorfer Dichtertagenmein WaterlooMürzzuschlager ManifestSalzburger HumanismusgesprächeSchloßbergDie Schießerei, die Nacht von Camporosso Warmbader Beschlüsse Die Wahrheit ist weiß wie SchneeGeorg Danzer, »Mondprinzessin«Ich habe alles gesehen, alles gesehen in Gars am KampVerstörungGoldberg-GruppeGranatwerfer von JunghansGranatwerfer von JunghansMehrzweckfregatten »Meko 360«Blohm und Voss, HamburgDiehl, NürnbergGoldberg-GruppeHoneywell BullDie Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tagim Scheißgau
