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Der dramatisierte Schundroman - Letzte Folge

Editionsrichtlinien

Stimmen und Regie

TEI version

Typoskript

Lesetext

Renotat/Audio

[1] 01: Werner Kofler
02: Hetzgasse 8/24
03: A-030 Wien 3
04: Tel. 75 57 76

05: Antonio Fian
06: Kalvarienberggasse 35/19
07: A-170 Wien
08: Tel. 42 86 124

09: DER DRAMATISIERTE SCHUNDROMAN
10: LETZTE FOLGE
11: Ein Hörspiel von Werner Kofler und Antonio Fian
12: 1984 [2] 01: Stimmen:
02: weiblich:
03: F 1
04: F 2
05: F 3
06: F 4
07: Sprecherinnen, Erzähl-
08: stimmen etc.

09: männlich:
10: M 1
11: M 2
12: M 3
13: M 4
14: Journalstimme
15: Schmidt, Gemeindesekretär
16: Sprecher, Erzählstimmen etc. sowie,
17: als special guest
18: Katz & Klump

19: (Der SCHIZOPHRENE DEDEKTIV Katz & Klump: Die beiden Persönlichkeits-
20: hälften 'Katz' und 'Klump' führen miteinander Gespräche, wie sie
21: von deutschen Kriminalistendarstellern im Fernsehen gerne geführt
22: werden. Katz & Klump ist eine Person mit zwei Stimmen bzw. eine Stimme
23: mit zwei Personen – ein und derselbe Sprecher , getrennte Aufnahme.)
24: Klaviermusik:
25: Wo nicht anders angegeben, empfehlen sich Klavierwerke von Erik Satie. [3] 01: Sprecherin: DER DRAMATISIERTE SCHUNDROMAN.
02: (Die folgenden Titel zunächst wie kurze 'reale' Ansagen (Klavier,
03: Cello, Geräusche), die in Vorschläge (ohne Signation) übergehen. –
04: M 2 im leeren Raum.
05: M 1: Angst.
06: ((Irres Laufen))
07: M 2: Nein.
08: M 1: Atemnot.
09: M 2: Nein.
10: M 1: Tödlicher Husten.
11: M 2: Nein.
12: M 1: Sturm über Kreta.
13: M 2: Auch nicht.
14: M 1: Blut.
15: M 2: Nein.
16: M 1: Der stille Ozean.
17: M 2: Nicht gut.
18: M 1: Schreie aus der Hölle.
19: M 2: Nein.
20: M 1: Die Zukunft der Sinne.
21: M 2: Auf keinen Fall.
22: M 1: Finsternis.
23: M 2: Unter Umständen.
24: M 1: Die Erfindung der Wirklichkeit.
25: M 2: Eventuell.
26: M 1: Bild und Welt.
27: M 2: Auch.
28: M 1: Letzte Folge.
29: M 2: Ja. [4] 01: M 1: Was bisher geschah.
02: M 2: Was bisher geschah.
03: Evtl. Klaviermusik
04: Sprecherin 1: Was bisher geschah.
05: F 1 (›tonlos, zügig‹): – Begonnen hatte es auf dieser Reise, Europa,
06: Nahost, angefangen hatte alles mit diesem Auftrag.. Nach Gesprächen
07: in Oslo, Verhandlungen in Genf, neuerlichen Zerwürfnissen in Brüssel
08: verlobten wir uns in Zürich. Aber in Krefeld schon wieder Szenen,
09: Krawalle.. Und Berlin! Ich hatte das Gefühl, gegen eine Mauer zu
10: reden, so behandelte er mich. In Helsinki trafen wir ein Abkommen,
11: an das er sich in Madrid schon nicht mehr hielt. Unterwegs nach
12: Warmbad Villach beschloß ich, meine Forderungen deutlich zu machen,
13: in Mürzzuschlag, in einem Gasthof der elendsten Sorte, führte ich
14: dieses Vorhaben auch aus, aber er lachte bloß. Dann Linz! Ich ap-
15: pellierte an sein Gewissen, an was weiß ich, endlich Schluß zu ma-
16: chen damit – nichts... Zugegeben, wir hatten eine wunderbare Zeit
17: in Klagenfurt, während der Holzmesse, bei den Eichendorfer Dichter-
18: tagen, die gerade dort abgehalten wurden... Aber dann ging es
19: Schlag auf Schlag: Sein Terror in Italien, seine Schönfärberei in
20: Lissabon, die Auseinandersetzungen am Persischen Golf; schließlich,
21: in einem Hotelzimmer in Beirut, brach der Konflikt offen aus.. –
22: Himmel und Hölle so nah beisammen, und immer die Spuren verwischen –
23: Sprecher: Was bisher geschah. [5] 01: M 3: – Verdammter Auftrag, mit dem alles anfing, der uns zusammenführte,
02: kreuz und quer durch Europa und wohin noch.. Mutlangen, Esslingen,
03: Rottweil, überall gewesen, Metz, Idolsberg, Gars am Kamp, nichts,
04: das uns fremd blieb. Nie vergesse ich Zürich, mein Waterloo, wie
05: sich leider erst in Berlin herausstellte. Oslo, Genf, Brüssel,
06: Gespräche, Programmentwürfe, Friedenssicherung... In Krefeld aber
07: schon Krawalle, daß das Hotelpersonal zusammenlief, ähnlich in
08: Helsinki, wo sie ein Abkommen vorschlug, dann Warmbad Villach,
09: Heulszenen in Linz, (NACHÄFFEND) sie appelliere an mich –
10: Ein Zwischenfall nach dem anderen, diese Reise schien nur aus
11: Zwischenfällen zu bestehen. Und immer wieder: Du bist ja betrunken,
12: du hast getrunken, unausgesetzt.… Jawohl, gab ich zurück, seit
13: jener Szene in Berlin trinke ich, und ich gedenke nicht, damit
14: aufzuhören... Ihr Mürzzuschlager Manifest, ihre Salzburger Huma-
15: nismusgespräche! Wie es ihr begreiflich machen? In Italien griff
16: ich hart durch, in Lissabon brannte ich ein Feuerwerk an Galante-
17: rien ab, alles umsonst; Zürich war ein tragischer Irrtum gewesen. –
18: Dann die Libanon-Krise, diese schreckliche Nacht, eingesperrt in
19: einem Hotelzimmer…. Ein Funke hatte genügt, um den Konflikt neu
20: anzufachen. – Aber was bisher geschah, sollte nichts sein gegen
21: das Kommende..
22: ((Klaviermusik))
23: Sprecher und Sprecherin: Was bisher geschah.
24: Sprecher (konventionelle Erzählstimme): Ein Gespenst geht um in Europa
25: und hinterläßt seine Spuren: die Schober-Gruppe. Alle Versuche
26: dieses Gespenstes habhaft zu werden, sind bislang gescheitert –
27: zu international agiert die Gruppe, zu raffiniert arbeitet sie mit
28: anderen Gruppen zusammen. [6] 01: Sprecherin: Auf einen blutigen Sommer folgt der steirische Herbst.
02: In Geheimkonferenzen, den später so genannten Schloßberg-Gesprächen,
03: wird die "Grazer Dramaturgie" beschlossen, nämlich den schizo-
04: phrenenDetektiv Katz & Klump auf das Phantom anzusetzen. Da Katz
05: & Klump auf Grund seiner vielfältig gespaltenen Persönlichkeit
06: ein ganzes Team von Kriminalisten ersetzen kann, erscheint diese
07: Vorgangsweise ebenso kostensparend wie vielversprechend.
08: Sprecher: In Warmbad Villach verliert sich die Spur. Katz & Klump nimmt
09: die Ermittlungen auf...
10: ((Innenraum. Aus einem Radio ist gerade eine Verkehrsmeldung zu hören:
11: " – ich wiederhole: Alle Verbindungsstraßen nach Untermarkersdorf Leibnitz sind
12: gesperrt, den Kraftfahrern wird dringend empfohlen großräumig auszu-
13: weichen."))
14: Katz: Stell das ab.
15: ((Das Radio wird noch vor Ende der Meldung abgeschaltet.))
16: Katz: – Und was sagst du dazu: Am 4. 5. übernachtet Frau Klein in
17: Warmbad Villach, unter falschem Namen, sie nennt sich dort Bier-
18: bichler. Verläßt am nächsten Morgen überstürzt das Hotel, niemand
19: weiß wohin..
20: Klump: Gefällt mir nicht... Die Grenzen so nahe, Italien, Jugoslawien,
21: Ri j ejka, Triest, Camporosso –
22: Katz: Camporosso, natürlich! Die Schießerei, die Nacht von Camporosso!
23: Klump: Barbara Klein war damals nachweislich in London.
24: Katz: Bist du sicher?
25: Klump: Ganz sicher. Sie wurde in London mit einem Ramiro Villanueva,
26: Soldat der Luftwaffe in Bogota, Kolumbien, beobachtet.
27: Katz: Und Groß?
28: Klump: Ebenfalls. – In Warmbad Villach wurde Johannes Groß zuletzt ge-
29: sehen,, als der Parlamentsklub seine Tagung abhielt, Warmbader Be- [7] 01: schlüsse, diese Geschichte... Deckname Baumgartner. Fällt dir was auf?
02: Der Parlamentsclub tagt, und rein zufällig ist auch Herr Groß zur
03: selben Zeit in Warmbad...
04: Katz: Ja, verdammt, du hast recht, wirklich merkwürdig... (Pause)
05: Und jetzt?
06: Klump: Wir warten
07: Katz: Wir warten?
08: Klump: Wir warten auf eine bestimmte Maschine aus Zürich... (Ausblenden)
09: Sprecher: Der dramatisierte Schundroman.
10: ((Landendes Flugzeug. Anschließend Halle, gedämpft, Durchsagen etc.
11: Nach dem Titel Hintergrund ausblenden.))
12: Sprecher (knallig): Schnee.
13: Sprecherin: Letzte Folge.
14: F 2 (halblaut, leicht beschwörend): Hätte dir, Ramiro Villanueva, hätte
15: dir nicht bei der Paßkontrolle schon zu denken geben sollen, wie
16: rasch und selbstverständlich du abgefertigt wurdest? Gut, du warst
17: selbst damit beschäftigt, als harmloser Tourist zu erscheinen,
18: aber hätte dir nicht auffallen müssen, wie bevorzugt und scheinbar
19: desinteressiert dein Gepäck kontrolliert wurde? Hättest du nicht,
20: in die Ankunftshalle tretend, zumindest den Herrn mit dem Schlapp-
21: hut bemerken müssen, der angestrengt die Tafel mit den Arrivals
22: studierte, oder den anderen, der sich gerade eine Zeitung kaufte
23: und dann einem dritten wie einem plötzlich entdeckten Bekannten
24: zuwinkte? Als du erleichtert insein Taxi stiegst, Ramiro Villa-
25: nueva, und in die Stadt fuhrst, hättest du nicht prüfen sollen, ob
26: dir auch niemand folgt? Und schließlich die Männer, die kurz nach
27: dir die Hotelhalle betraten und sich, eben wurde dir der Zimmer- [8] 01: schlüssel ausgefolgt, wieder entfernten, wie konnten sie dir ent-
02: gehen? Gewiß, du konntest nicht ahnen, daß du nicht nur von deinen
03: Geschäftsfreunden erwartet wurdest, sondern auch von ganz anderen..
04: Sogar die Presse war längst eingeschaltet, eine große Tageszeitung
05: hatte sich exklusiv den Bericht gesichert!
06: Der Aufenthalt in dieser Stadt, Ramiro Villanueva, wird lange
07: dauern...
08: ((Rotationsgeräusch))
09: M 1: (Sensationsprotokoll): 19 Uhr 20. Der Drogenkurier trifft im Hotel
10: ein. Er nimmt ein Zimmer im dritten Stock. Über ein Funksignal
11: erhalten wir das vereinbarte Zeichen.
12: ((Rotationsgeräusch))
13: M 1: 19 Uhr 23. Der Kolumbier meldet ein Telefongespräch an. Wie er-
14: wartet, will er sich mit seinem Kontaktmann in Verbindung setzen :
15: Mit "Lichtorgler"Rapp , in der Unterwelt auch als Tätowierer be-
16: kannt.
17: 19 Uhr 25. Die Spannung nimmt zu. In der Wohnung des Tätowierers
18: klingelt das Telefon..
19: ((Einige Sekunden nichts, allenfalls ein Rauschen ))
20: M 1: (etwas akzentuierter, wie nach einer Panne, Spur von unterdrücktem
21: Ärger, als könne er durch die deutlichere Wiederholung das Geräusch
22: herbeirufen): In der Wohnung des Tätowierers klingelt das Telefon.
23: ((Einige Sekunden nichts, dann zweimal Tuten eines Nebelhorns))
24: M 1: Die Spannung steigt weiter.
25: ((Lange anhaltendes Telefonklingeln. Dann Telefonklingeln im Hintergrund,
26: im Vordergrund junge Frauenstimme, kichernd. "Stellt euch vor, das
27: Telefon klingelt, und keiner geht hin."
28: Telefon wieder im Vordergrund, Männerstimme, wütend: "Pronto?!" [9] 01: Hörbare Stille, eventuell Knacken in der Leitung. Wieder die Frauen-
02: stimme. "Stell dir vor, du gehst hin, und keiner ist dran." – Noch
03: etwas abwarten, dann auflegen. Sofort klingelt das Telefon wieder.
04: Abheben, Männerstimme: "Pronto?!"
05: Am Telefon eine 'Journalstimme': "Hallo, Untermarkersdorf Leibnitz ? Ich rufe
06: Untermarkersdorf Leibnitz , Und Leib– ". Hörer wird auf die Gabel geknallt.
07: Rotationsgeräusch.))
08: M 1: 19 Uhr 30. Auf dem Höhepunkt der Spannung kommt es zu Fehlschal-
09: tungen und Mißverständnissen. – Da aber summt in Villanuevas
10: Hotelzimmer das Telefon. Villanueva hebt ab..
11: Männerstimme: Villanueva – Kältetechnik, Grüß Gott?
12: 'Unheimliche# Telefonstimme (nach einer Pause): Die Wahrheit ist weiß
13: wie Schnee. In zehn Minuten. Basta!
14: ((Besetztzeichen. Auflegen. Rotationsgeräusch.))
15: M 1: Nun kommt Bewegung in die Geschichte. Zehn Minuten nach diesem
16: mysteriösen Anruf – wahrscheinlich der vereinbarte Code – betritt
17: Lichtorgler Rapp hastig das Hotel und erklärt, Senor Villanueva
18: erwarte ihn in seinem Zimmer. Vor dem Hotel lagern zerlumpte Ge-
19: stalten – als Bettler und Aussätzige getarnte Undercover-Agenten
20: und Journalisten. Gleich wird der große Schlag geführt werden.
21: ((Drei mächtige Paukentöne))
22: Frauenstimme (konventionelle Erzählhaltung): Auf das vereinbarte Klopf-
23: zeichen öffnete Villanueva die Tür seines Zimmers. Heroinspaziert,
24: heroinspaziert, begrüßte er aufgeräumt seinen sauberen Freund.
25: Dann verschloß er hinter dem Besucher die Türe.
26: ((Gefängnistüre fällt ins Schloß))
27: M 1: 19 Uhr 46. Die Ereignisse überstürzen sich. Mit Panzerfäusten
28: dringen die Detektive ins Zimmer und halten den verblüfften
29: Männern, ihre Dienstmarken unter die Nase. Aus dem Gesicht des [10] 01: Kolumbiers entweicht jede Farbe.
02: ((Geräusch entweichender Luft, etwa aus einem Reifen))
03: M 1: Die Beamten ziehen rasch eine Probe des Giftes, um sich von
04: Echtheit und Güte zu überzeugen; dann werden der Drogenkurier und
05: sein Kontaktmann abgeführt. Beim Tätowierer wird außerdem ein
06: brisantes Notizbuch mit bekannten Namen der Halbwelt sicherge-
07: stellt..
08: ((Kurz anspielen: Georg Danzer, "Mondprinzessin" – "sei kein
09: Tätowierer..."))
10: Frauenstimme: Bei den Detektiven herrschte eine Stimmung, wie man sie
11: vom Schmaus nach großen Jagden kennt, eine Feststimmung, die noch
12: tagelang anhielt. – Nur einer mochte sich der geglückten Aktion
13: nicht so recht freuen: der Detektiv Katz und Klump. Bis spät in
14: die Nacht saß er über Aussagen und Protokollen und überlegte, ob
15: dieser Erfolg nicht eine Ablenkung vom eigentlichen großen Coup
16: gewesen sein könnte...
17: Klump (verärgert) Erklär mir bitte mal, warum Groß nicht an Bord des
18: Flugzeugs war?
19: Katz: Is’ doch gleichgültig, Hauptsache, wir haben den Stoff.
20: Klump: Gleichgültig, so. – Und wer garantiert, daß nicht die tausend-
21: fache Menge auf der Straße ins Land gebracht wurde? Daß nicht Villa-
22: nueva geopfert wurde, damit Groß unbehelligt agieren kann?
23: Katz: Ziemlich ausgeschlossen, wenn du mich fragst.
24: Klump: Du kennst die Methoden der Schober-Gruppe, die machen sich förm-
25: lich unsichtbar. - Wo ist beispielsweise Frau Klein?
26: Katz: Hm..… – Warmbad Villach?
27: Klump: Ach, Harry.… Warmbad Villach... Ja, Warmbad Villach, Beirut,
28: Stockholm, Attersee, wer weiß? Such mal eine Träne in Ozean...
29: Frauenstimme: Aber auch, daß den Kleinverteilern und Endverbrauchern [11] 01: nicht beizukommen war, bereitete dem Detektiv Kopfzerbrechen.
02: Klump: – Unerhört, wie die uns auf der Nase rumtanzen... Da, hör dir
03: das an: Falco, Ambros, behaupten, den Tätowierer persönlich gar
04: nicht zu kennen, hätten rein beruflich mit seiner Firma zu tun...
05: Katz: Freche Hunde.
06: Klump: Oder ((blättert)) hier, Herr Fendrich, droht gleich mit Anwalt!..
07: Sein Lieblingssport wäre Schwimmen, nicht Schifahren... Erklärt,
08: daß er Platinplatten nur an der Wand mag, nicht in der Nase...
09: Katz: Arschloch. – Mir reicht’s für heute. Dreh mal das Radio an.
10: ((Radio ? wird angeschaltet. Ende einer Journalsendung, Journalstimme:))
11: : – die Verbindung nach Untermarkersdorf Leibnitz ist leider nicht mehr zustande-
12: gekommen, wir werden es in unserer nächsten Sendung wieder versuchen,
13: bis dahin guten Abend.
14: ((Journal Ende. Kurze Pause. Dann Klaviermusik, bis zum Ende der
15: folgenden Ansage.))
16: Sprecherin: Der dramatisierte Schundroman.
17: GARS AM KAMP, MEIN LIEBER!
18: – Letzte Folge.
19: Sprecher: Es war ein warmer Herbsttag. Pulvergeruch hing noch schwer in
20: der Luft. Äpfel fielen raschelnd durch das Gezweig. Ernst und ohne
21: einander anzublicken gingen sie den Schotterweg von der LKirche
22: hinunter zum Wirtshaus..
23: ((Während der ganzen Szene im Hintergrund Schritte, langsames, gleich-
24: mäßiges Gehen))
25: (Die Sprecher UNTERHALTEN sich nicht, sondern sprechen vor sich hin.)=
26: M 2: Ich habe alles gesehen, alles gesehen in Gars am Kamp.
27: F 3: Alles?
28: M 2: Ich bin mit dem Postautobus gefahren, vier Stunden..
29: F 3: Vier Stunden? [12] 01: M 2: Vier Stunden, ja. Gleich, als ich ankam, sah ich ein frisch abge-
02: erntetes Feld mit großen Flecken bleicher Maisfedern, dann umge-
03: pflügte Äcker, ockerfarbene Felder, schließlich –
04: F 3: Du hast nichts gesehen in Gars am Kamp.
05: M 2: – schließlich lang gedehnte Stoppeläcker. Das Maisfeld, aus dem
06: der Hahn aufgeflogen war, lag übrigens an einem kleinen Bach.
07: Plötzlich fielen Schüsse.
08: F 3: Schüsse?
09: M 2: Jawohl, Schüsse. Ich sah, wie der Nußhäher mitten im Flug ins
10: Trudeln geriet und abstürzte. Er kam direkt Tor meinen Füßen zu
11: liegen, und ich bemerkte genau sein schön gezeichnetes FGefieder.
12: F 3: Das hast du gesehen?
13: M 2: Nie konnte mir ein Tier entgehen. Du erinnerst dich, damals, als
14: wir die Steiermark bereisten, du erinnerst dich an den Hirsch von
15: Hartberg..
16: F 3 (spöttisch): Wie könnte ich ihn vergessen. Er stand reglos da, nur
17: wenige Meter von uns entfernt, es sah aus, als wolle er gleich zu
18: röhren beginnen. Aber dann:,nichts..
19: M 2: Gars am Kamp ist nicht Hartberg. Hier ist es anders, schlimmer.
20: Vor der Tür beispielsweise lag ein toter Maulwurf mit rosa Pfoten.
21: F 3: Rosa Pfoten?
22: M 2: Rosa, ja. Die Frau hob ihn mit einem Blatt auf und warf ihn auf
23: den Misthaufen. Dann –
24: F 3: Dann?
25: M 2: Aus dem Nebel hörte ich ein einzelnes Horn, ohne aber den dazu-
26: gehörigen Jäger wahrnehmen zu können.
27: F 3: Du siehst, du hast nichts gesehen in Gars am Kamp.
28: M 2: Ich will dich schonen, nur deshalb erzähle ich dir nicht alles.
29: F 3: Mich schonen? Die ich Monate in Lend im Pongau zubrachte und in [13] 01: Knittelfeld praktizierte, du mich schonen? Du hast nichts gesehen
02: in Gars am Kamp nichts!
03: M 2: Gut. Versprich mir, dich nicht aufzuregen. Es war so: nachdem die
04: Frau den Maulwurf – du erinnerst dich?
05: F 3: Den Maulwurf mit den rosa Pfote..
06: M 2: – Eben den, nachdem sie ihn endlich auf den Misthaufen befördert
07: hatte, sah ich, wie sie mit einem Hackmesser einen Kürbis zwischen
08: ihren nackten Füßen –
09: F 3: Das willst du gesehen haben? Nichts hast du gesehen...
10: M 2: Ich habe es gesehen, hier, in Gars am Kamp, mit meinen eigenen
11: Augen. Wie sie, auf einem Faß sitzend, den Kürbis zwischen ihre
12: nackten Füße klemmte, mit dem Hackmesser aufschlug, die Kerne
13: herausgriff und in einen grünen Metalltopf warf!
14: F 3: Du hast dich getäuscht, du hast nichts gesehen!
15: M 2: Es sollte noch schlimmer kommen. Ich sah, wie die Knechte die
16: Maispflanzen knapp über dem Boden abhieben, sodaß gelbe Stümpfe
17: stehenblieben, dann nahmen sie die Bündel in den Arm und streuten
18: sie in die Ackerzelle. Einmal –
19: F 3: Nein!
20: M 2: – Einmal hob der Bauer seine HJacke am Feldrand auf und trank
21: einen Schluck aus dem Mostkrug. Der Sohn des Bauern trug trotz
22: der Hitze eine rot-weiße Wollmütze auf dem Kopf, eine Schisportler-
23: mütze, eine Riesentorlaufspezialistenmütze. Auf der anderen Seite,
24: neben einem Holzschuppen, neben zwei leeren Fässern, gackerten auf-
25: geregt die Hühner..
26: F 3: Es kann nicht sein, du hast nichts gesehen.
27: M 2: – alles gesehen in Gars am Kampf – Ehe der Hahn ein drittes Mal
28: krähte, hatte ich schon die Kirschbäume hinter dem Haus erblickt,
29: die mit einem Schleier absterbender Blätter bedeckt waren; in [14] 01: ihrer Buntheit sahen sie aus wie mit gelben und roten Federn eines
02: Paradiesvogels geschmückt, hörst du mich?
03: F 3: Du hast es nicht ertragen. Du hast den Blick gesenkt und minuten-
04: lang den aufgegangenen Schnürsenkel an deinem linken Schuh be-
05: trachtet, gib es zu. – Niemand hätte es ertragen können.
06: M 2: Nichts dergleichen. Ich habe es gesehen. Ich habe alles gesehen
07: in Gars am Kamp. lch habe die Spuren von Traktorreifen gesehen
08: an einem Abend im Herbst, die sich tief ins feuchte Erdreich
09: gruben. Und noch etwas habe ich gesehen: Eines anderen Tages,
10: tiefer Frieden überall, kam ein lilafarbener Volkswagen nach Gars
11: am Kamp und hielt unten an der Brücke. Einer Ohnmacht nahe, zwang
12: ich mich hinzusehen: Aus dem Kraftfahrzeug stieg ein vielleicht
13: vierzigjähriger Mann mit dunklen Haaren und einem Vollbart und
14: kam die Straße herauf..
15: ((Sie sind stehengeblieben))
16: F 3 (außer sich): Du lügst! Du hast nichts gesehen in Gars am Kamp,
17: nichts hast du – –
18: Sprecher: Mit einem erstickten Schrei stürzte sie zu seinen Füßen.
19: Er sah sich um. Nur noch wenige Schritte waren sie vom Wirtshaus
20: entfernt, und doch wußte er plötzlich, daß er niemals mehr seinen
21: Fuß in die düstere Wirtsstube setzen würde, in der sie kurze Zeit
22: so glücklich miteinander gewesen waren.
23: Sprecherin (gibt Uhrzeit bekannt, dann): Eine Verkehrsmeldung. Achtung,
24: Autofahrer, im Großraum Untermarkersdorf Leibnitz , alle Verbindungsstraßen
25: nach Untermarkersdorf Leibnitz sind gesperrt, es wird dringend empfohlen,
26: großräumig auszuweichen. [15] 01: ((Signation à la 'Stahlnetz'))
02: Sprecher: Spur nach Bremerhaven.
03: Klump: (aufgebracht) – Was bisher geschah? Nichts, überhaupt nichts!
04: Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren.
05: Katz: Ich will nocheeinen ganzen Haufen leben.
06: Klump (verständnislos): Meinst du, ich nicht? Was soll denn der Quatsch?
07: Katz: Nichts, nur so, fiel mir grade ein.
08: Klump: Du kannst einem vielleicht auf den Wecker fallen, aber ganz
09: gehörig! Laß jetzt den Blödsinn. – Noch mal von vorn, wir –
10: Katz: Ich höre.
11: Klump: – Wir müssen System reinbringen. (Kurze Pause, dann referierend:)
12: Unser einziger Anhaltspunkt ist, daß Groß, nachdem er aus Wien
13: verschwunden ist, im April in Bremerhaven auftaucht, und zwar
14: schleicht er sich dort in einen Arbeitskreis Rüstungswirtschaft
15: ein, der von Müll geleitet wird.
16: Katz: Müll. – Der Müll, bei dem mal die Klein – ? Unser Müll?
17: Klump: Genau der, der Industrie-Müll. Erst Krupp, dann Thyssen, später
18: zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Heer und Industrie ins
19: Ministerium berufen.
20: Klump: Verstehe.
21: Klump: Das Problem ist, daß in unserem Dossier der Name Groß nicht
22: aufscheint. Unsere Spur beruht einzig auf einer mündlichen
23: Information eines Kontaktmannes, Bundeswehroffizier, nicht eben
24: zuverlässig. Trotzd
25: Katz: Trotzdem, weiter.
26: Klump: Im Rahmen des Intensivierungsprogramms werden auch kurzfristige
27: Wehrübungen für Industriemang a er abgehalten, Führungskräfte
28: werden an MP und MG ausgebildet. (Kurze Pause) In Bremerhaven [16] 01: nahm auch ein gewisser Hans Magnus Enzengruber an einer solchen
02: Übung teil.
03: Katz: Enzengruber? Enzensberger!
04: Klump: Enzengruber. Der Nachname tut übrigens nichts zur Sache.
05: Katz: Und?
06: Klump: Du kennst ihn, wir beide kennen ihn.
07: Katz: ?
08: Klump: HANS MAGNUS Enzengruber, überleg doch mal. Fällt dir nichts auf?
09: Katz: Ich werd verrückt. Johannes Groß!
10: Klump: Das hat aber gedauert. Groß, natürlich, von sich selbst besessen
11: bis in die Decknamen hinein..
12: Katz: Wollen uns wohl vorführen, was ‘ne Harke ist, aber vorher zeigen
13: wir Ihnen, wo der Bartel den Most holt – in der Steiermark nämlich.
14: Hab ich recht, Stephan?
15: Klump: Haarscharf getroffen. – Die Klein sollte bald darauf in der
16: Steiermark aktiv werden, Knittelfeld, Judenburg.… Aber das
17: nehmen wir uns später vor. Erst die Tagebücher , die sind wicht-
18: iger , und dann diesen Pichler
19: ((Klaviermusik))
20: Sprecherin: Der dramatisierte Schundroman. "Tagebuch". – Letzte Folge.
21: ((Zwischen den 'Eintragungen' ganz kurz angespielte Passagen aus
22: Klavierstücken von Schönberg))
23: F 1: 8. 3., Aschaffenburg. – Müde. Verbraucht. Leblos.
24: 10. 3., Aschaffenburg. – Ausgebrannt, wie gelähmt, am Abgrund. –
25: Banal geträumt. Später Pichler.
26: 11. 3., Nürnberg. – Ein ausgeleerter Kübel, ein Nichts. Draußen
27: Föhn. Finsternis. Kurzer, unruhiger Schlaf. Dann Pichler. [17] 01: ((Rotationsgeräusch))
02: 16. 3., Erlangen. – Nichts. Pichler.
03: 20. 3., Ingolstadt. – Wie gerädert von der Last meines Körpers.
04: Zwischenfälle, Verluste. Abendessen mit Rod. Michel mit seiner
05: behaarten Seemannsbrust. Pichler?
06: 22. 3., Minden. – Offene Verandafenster. Klaviermusik. Dann Pichler
07: ((Rotationsgeräusch))
08: Im Hunsrück. – Schüttelfrost. Hundegekläff. Alles vergessen, was
09: sein wird, Pichler vergessen.
10: 26. 3., Amras. – Verstörung. Vorbei am Kalkwerk.
11: 30. 3., Madonna di Campiglio. – Sehnsucht, fortschreitende Ver-
12: wirrung. Gewühl im Sonnengeflecht. Der Schoß in voller Bereit-
13: schaft, schmerzhaft die Schenkel durchströmendes Einverständnis.
14: Dann Attersee.
15: 2. 4., Ravenna. – Attersee.
16: 3. 4., – Die Hitze vor den zugezogenen Fensterläden. Rotwein aus
17: dem Zahnputzbecher. Nachmittägliches Entsetzen.
18: 7. 4. – Triest. – Husten, Erschöpfung. Alle Schrecknisse der
19: Nacht durchmessen, wie damals, in Bad Gastein. Niemand darf von
20: dieser Niederlage erfahren.
21: ((Rotationsgeräusch))
22: 10. 4., Warmbad Villach. – Traumrudimente: P.s Gesicht, von Salz-
23: säure verunstaltet. – Am Morgen im Foyer Mattschacker. Höflich
24: grüßend an ihm vorbei. Drecksack.
25: 12. 4., Baden Baden. – Wie ein erloschener Vulkan; ja, ein genaues
26: Bild. – Nachts die Todesschreie eines Vogels.
27: 20. 4. – Verfinsterung. Und Rüsselsheim, was habe ich hier verloren
28: – Ein letztes Mal Attersee.
29: 22. 4., Fulda. – Schmutziggrauer Vormittag, Frühstück. – Tod,
30: überall Tod. [18] 01: Plötzliches Bild: P.s feuchte Augen mit den langanhaltenden
02: Blicken.
03: 2. 5., Bebra. – Zwiebelgeruch. Erstickungsanfälle. Tremor.
04: ((Rotationsgeräusch))
05: 10. 5., Attersee. – Nichts. Nachts Pichler.
06: 11. 5. L Leere. Abgestorben. Dann Pichler.
07: 12. 5. – Pichler, schweigsam, von hinten. In der ländlichen Stille
08: wie begraben.
09: 14. 5. – Aufruhr. Der schöne Brief von H. aus Gars am Kamp – die
10: Kunst eine Sackgasse, welch ein Vergleich!
11: 16. 5. – Pichler, wie ein heißer gelber Sturm.
12: 11 Uhr nachts. – Wer ist Pichler wirklich?
13: 4. 6., Reicheneibach. – Der letzte Tag in Reicheneibach. Auf dem
14: Weg zurück in die Dorfwirtschaft plötzlich ein Gedanke, der Ent-
15: setzen auslöste: Pichler – kann er mir gefährlich werden?
16: 7./8. 6., im Flugzeug irgendwo über dem Mittelmeer. – Hier soll
17: es damals passiert sein.
18: ((Rotationsgeräusch))
19: ((Kennung einer Journalsendung, dann Moderator:))
20: "Guten Abend, meine Damen und Herren. – Stichwort, Tagesthema: Leibnitz,
21: die Geschehnisse in und um Leibnitz. Wir hoffen, daß die Verbindung
22: nach Leibnitz inzwischen zustande gekommen ist – Augenblick ((Telefon
23: summt,)) abheben)) – ja, hallo? – Leibnitz? – Mathias Walden, können Sie
24: mich hören? ((Aus dem Telefon nichts oder eine völlig unverständliche,
25: verzerrte Reportage)) – – Hallo? ((legt auf)) Tja, es hat leider noch
26: immer nicht geklappt, aber wir versuchen natürlich weiterhin, die Ver-
27: bindung mit Leibnitz herzustellen" (abblenden)." [19] 01: ((Aufblenden: Leere abendliche Straße, im Hintergrund aus offenen
02: Fenstern evtl. Fernsehgeräusche – Dallas, Dynasty oder Formel--
03: Reportagen. – Katz unterhält sich gehend mit Klump – entweder die
04: Schritte zweier Fußgeher, oder, besser noch, wenn im linken Kanal
05: Katz spricht, Schritte im rechten Kanal, wenn Klump im rechten Kanal
06: antwortet, Schritte im linken Kanal usf.))
07: Klump: Hast du bemerkt, wie vorsichtig dieser Pichler war? Weiß sicher
08: mehr, als er zugibt. Ein Sympathisant, wie er im Buch steht.
09: Katz: Ach komm, du siehst Gespenster… Nur weil er’s vor Jahren mit
10: der Klein getrieben hat?
11: Klump: Er war auch mit Groß zusammen.
12: Katz: Bisexuell?
13: Klump: Nein doch! Beruflich, wenn man's so nennen will. – Kurier der
14: Goldberg-Gruppe, was ihm aber nie nachzuweisen war, Trainings-
15: manager der Schober-Gruppe, internationale Einsätze, aber immer
16: ganz legal. Und und und…! (Kurze Pause) – Hätte gute Lust,
17: diesen Fall überhaupt hinzuschmeißen.
18: Katz: Kopf hoch, Stephan, man muß den Flüssen trauen! Warum versuchen
19: wir's nicht einfach am Markt, wir haben doch genügend alte Kunden
20: dort..?
21: Klump (skeptisch): Das wird doch wieder ein Schlag ins Wasser… Aber
22: gut, wenn du meinst… Wir treffen uns also vor der Marktwirt-
23: schaft, wie früher.…
24: ((Ausblenden.
25: Aufblenden: Akustische Kulisse etwa eines Obst- und Gemüsemarktes.
26: Im Vordergrund zwei Ausrufer, einer links, einer rechts, marktschrei-
27: erisch anpreisend:))
28: Links: Betriebsmittelfinanzierungen, Investitionsfinanzierungen!
29: Rechts Schnürsenkel, Putzlappen, Schwedenhölzer…! [20] 01: Links: Liquiditätssteuerung, Kreditgeb??ung!
02: ((Evtl. wiederholen, mehr und mehr im Hintergrund; gleichzeitig
03: Katz & Klump, der zwischen den Ausrufern hindurchgeht, halblaut:))
04: Katz: – Sieh mal an, der Blinde mit der Beinprothese....
05: Klump: Wo?
06: Katz: Da vorne, beim Lottostand
07: Klump: Tatsächlich. Wenn der blind ist, freß ich seine Prothese.
08: Katz: Jetzt geht er in die Wirtschaft! Los, hinterher..
09: Klump: Aber getrennt! Erst du, dann ich....
10: ((Ausblenden))
11: Weibliche Erzählstimme: In der Marktwirtschaft ging es hoch her.
12: Der Detektiv tat, als suche er einen Bekannten, und ging langsam
13: von Tisch zu Tisch...
14: ((Aufblenden: Gasthauskulisse, Kneipenlärm; Gesprächsfetzen, von
15: Tisch zu Tisch:))
16: – : Prostata, lieber Amerongen, Prösterchen!
17: – : Hoch die Tassen!
18: – : Er gab sich nämlich als Verkaufsrepräsentant für Desinfektions-
19: mittel aus ...
20: – (bewundernd): – und wie, eine unternehmerisch denkende Persönlich-
21: keit von absoluter Integrität! Ein Mann der alten Schule....
22: ((Im Hintergrund aufkommender Tumult. Betrunkenes, verächtliches
23: Grölen: "Arbeitsplätzchen, Arbeitsplätzchen" – evtl. von Händeklatschen
24: unterstützt – und "Arbeitsblödsinn, Arbeitsblödsinn".)) Vordergrund:
25: – (wie unter verfeindeten Nutten): Na, du Wirtschaftsförderungsinstitut
26: du kesses Stück Dreck..
27: – : – im Sinne von Arbeitsplatzsicherung völlig verfehlte Strategie...
28: – : Aber eines sage ich Ihnen, meiner Tochterfirma tritt niemand mehr
29: zu nahe! [21] 01: – : Nun produzier dich nicht so..!
02: – : Wer? Ich? – Nimm das zurück!
03: – : Ich denk nicht dran, du Kryptokommunist, du rote Sau du!
04: ((Der Tumult hat sich zur Schlägerei entwickelt, Stühle fallen um,
05: Gläser bersten, Geschrei etc. Dann ausblenden.))
06: Weibliche Erzählstimme: Das zunehmende Chaos in der Marktwirtschaft
07: nutzte der Blinde, um unauffällig zu entkommen. Auch Katz &
08: Klump zogen sich eilig aus der Wirtschaft zurück, aber es war
09: bereits zu spät.. (ganz kurze Pause)
10: Sprecherin: Sie hörten den dramatisierten Schundroman. – Da uns bis
11: zur nächsten Sendung noch etwas Zeit bleibt, einige Takte Musik
12: und Werbung.
13: (Werbestimmen: zwischendurch Musik)
14: – : Hausfriedensbruch? Besitzstörung? Ärger mit den Nachbarn ? –
15: Ein Granatwerfer von Junghans schafft Abhilfe.
16: Granatwerfer von Junghans – dem bißchen Frieden zuliebe..
17: – : Die beliebten Mehrzweckfregatten "Meko 360" – nur von Blohm und
18: Voss, Hamburg. – Blohm und Voss: Die Guten unter den Bösen!
19: – : Ihr Rüstungsberater – DIEHL, Nürnberg. Handgranaten, Panzerfäuste,
20: Panzerzugmaschinen und was sonst noch für den Frieden vonnöten
21: ist: bei Diehl, Nürnberg. Bei Diehl gibt’s viel!
22: ((Musik wird von einem Verkehrsmeldungssignal unterbrochen.))
23: Sprecherin: Eine Verkehrsmeldung. Die Verbindungsstraßen nach Leib-
24: nitz sind immer noch unterbrochen, da sich schon etliche Zwi-
25: schenfäller ereignet haben, ersuchen wir die Autofahrer, von
26: Fahrten nach Leibnitz Abstand zu nehmen. (Kurze Pause)
27: Sprecher: Unser Radiolehrgang. [22] 01: ((Arbeitslärm – Kakophonie, Preßluftbohrer, Fabrikhalle, Hämmern,
02: Sägen usf. Während des Titels Geräusche im Hintergrund.))
03: Sprecher (knallig, evtl. mit Hall): ARBEITSWELT.
04: Sprecherin: Der Schundroman zum Selbermachen. Letzte Folge "Nacht-
05: arbeit"
06: M 1 (eine Art Workshopleiter , 'Lehrstimme'): Problemstellung und
07: Ausgangssituation: Die Hauptperson macht sich auf den Weg zur
08: Schichtarbeit, seine Freundin geht ins Kino. Beginnen Sie.
09: M 4 (als lernender Autor): Johann Tobel fühlte sich elend. Seit er
10: vor einigen Tagen sein Auto zertrümmert hatte, war er nur noch
11: ein halber Mensch. Er mußte nun täglich mit Bus und Bahn in den
12: Betrieb fahren. Widerwillig packte er die Jausenbrote ein, die
13: Gerda ihm gestrichen hatte. Seine Verlobte wollte ins Kino gehen:
14: sie begleitete ihn bis zur Bushaltestelle.
15: M 1: Akzeptiert, das Adverb "widerwillig" sogar sehr gut. Auch die
16: Geschichte mit dem kaputten Auto ist einfallsreich. Nun Abschied
17: und Beschreibung des Weges zum Arbeitsplatz, Tristesse!
18: M 4: Tobel küßte Gerda zum Abschied flüchtig auf die Wange und stiegf
19: in den Bus. – Der Bus war nicht geheizt. Auch die Schnellbahn,
20: in die er später umstieg, war kalt und fast leer. In den Wirts-
21: stuben schäumte das Bier aus den Zapfhähnen. Von den Dächern der
22: Häuser blinkten Leuchtreklame, im Nebel nur als verschwommene
23: Konturen wahrnehmbar. Die Bahn fuhr an einem Autofriedhof vor-
24: über. Tobel fröstelte.
25: M 1: Gut gemacht. Folgt nun Einsetzen der Handlung.
26: M 4: Als er die Halle betrat , wunderte er sich und wußte dennoch
27: sofort Bescheid. Die Kollegen standen in kleinen Gruppen herum
28: und debattierten erregt, es herrschte dicke Luft. Pazifisten und
29: Naturschützer hatten also die Oberhand behalten , dachte Tobel [23] 01: bitter. Kurzarbeit, fuhr es ihm durch den Kopf, oder überhaupt
02: Arbeitslosigkeit, Elend, die noch nicht abgezahlte Wohnung, die
03: Raten für den neuen Audi Quatro –
04: M 1 (unterbricht): Keine Namen. Der Name des Produkts ist bedeutungs-
05: los. – Jetzt Nebenfiguren, Kampfstimmung.
06: M 4: Johann Tobel gesellte sich zu den Kollegen. Das können‘s mit
07: uns nicht machen, schrie der Birgel gerade, mit uns nicht! Eine
08: Sauerei ist das, sagte Rußwurm. – Grad jetzt, wo die Benzinpreise
09: steigen und steigen, ergänzte Maurer. – Umwelt hin oder her, hier
10: geht’s um Arbeitsplätze, schrie Kumpf dazwischen, erst kommt der
11: Mensch, dann der Wald, ver d ammt noch mal! Sein sonst so ruhiges
12: Gesicht war rot vor Zorn. Auch Tobel spürte Wut in sich aufsteigen,
13: und die Wut tat ihm gut, wirkte befreiend. Wir müssen was unter-
14: nehmen, schaltete er sich ins Gespräch ein, denn es ist doch so:
15: Ohne Arbeitsplatz kein Auto, und ohne Autos, wie kommen wir dann
16: an unsere Arbeitsplätze? – Genau, ganz richtig, so ist es, tönte
17: es von allen Seiten. Kein Zweifel, die Kollegen waren kampfbereit
18: bis zum äußersten.
19: M 1: Ausgezeichnet. Jetzt überraschende Wendung.
20: M 4: Plötzlich erschien der Meister in der Halle. Das Arschloch,
21: konnte Birgel noch knurren , bevor sie in alle Himmelsrichtungen
22: auseinanderstoben, um die Plätze an ihren Maschinen einzunehmen. –
23: Mechanisch vollführte Tobel die gewohnten Handgriffe. Er fühlte
24: sich ausgebrannt, doch tief in ihm schwelte ein Feuer..
25: M 1: In Ordnung. Der Held kehrt nach Hause zurück. – Bitte.
26: M 4: Tobel knallte die Wohnun g stür hinter sich zu und drehte das TRadio
27: an. Gerda sprang nackt aus dem Bett und schaltete es wieder aus.
28: Endlich bist du da, sagte sie, komm, schnell, ich bin so scharf..
29: Damit legte sie sich verführerisch aufs Bett. Nun wurde es Tobel [24] 01: zuviel. Verdammte Scheiße, brüllte er, wir kämpfen um unsere
02: Arbeitsplätze, und du hast nichts im Kopf als deine Votze! Leck
03: mich doch am Arsch!! Er schlug sich mehrmals mit der flachen
04: Hand gegen die Stirn. Die Digitaluhr auf dem Nachtkästchen zeigte
05: 5 Uhr 55.
06: ((Klaviermusik))
07: ((Aufblenden. Innenraum. Katz und Klump über eine Landkarte gebeugt.))
08: Klump: ... also, die Steiermark.... Die letzten Stationen der Klein
09: waren... – gib mir mal 'ne Stecknadel rüber – waren Knittel-
10: feld, hier... und Judenburg... da, Judenburg. Dann allerdings
11: reißt der Film. – Aber jetzt paß auf (nimmt ein Schriftstück
12: zur Hand), Auszug Dossier: (liest vor)) Die nächste Zusammen-
13: kunft – Strategie, Logistik – fand in einem Schloß in der Nähe
14: von Leibnitz statt. Diese Schloß gehört übrigens einem bedeuten-
15: den Hygiene-Artikel-Hersteller. Beobachtet wurden hauptsächlich
16: Top-Leute: Neben Aschenbrenner, dem nur wenig später ermordeten
17: Führer der Venediger-Gruppe, Rieche und Rubbers von der Handels-
18: bank, Zunz und von Hurwitz von der Goldberg-Gruppe sowie "Old
19: Schwurhand". Die Adamello-Gruppe war durch Negrelli vertreten,
20: die Silvretta-Gruppe durch O'Loughlin. Außerdem gesichtet: der
21: südafrikanische Botschafter usw. usf. (legt das Papier beiseite)
22: Hochkarätige Versammlung, erlesenes Buffet. Bedienung und Garde-
23: robenmädchen über eine Hostessen-Agentur engagiert. Hübsche
24: Mädchen, die sich ein Taschengeld verdienen. – Weißt du, worauf
25: ich hinauswill?
26: Katz: Längst schon, aber man soll ja den Erzählfluß nicht bremsen...
27: Klump: Du mit deinen verdammten Weisheiten! Weißt du's nun oder weißt
28: du's nicht? [25] 01: Katz: Ja doch, die Klein war im Schloß, hat dort serviert. Na und?,
02: hilft uns das weiter? Ist sie vielleicht noch dort?
03: Klump: Natürlich nicht. Worum es geht, ist: Was wollte sie dort?
04: Was weiß sie? Was hat sie vor? Hat sie am Ende einen dieser
05: Leute in ihr Bett gelockt? Immer neue Fragen, und dabei läuft uns
06: die Zeit davon...
07: ((Klaviermusik))
08: Sprecherin: Der moderne Beziehungsroman. – WALDHOF-VARIATIONEN –
09: Letzte Folge.
10: ((Zwischen den einzelnen Blöcken Klaviermusik))
11: F 4: – Die Stellenanzeige war auffällig plaziert – Import-Export,
12: internationale Gruppe. Ich war mir sicher –
13: M 3: – Aus der Art, wie sie mich ansah, wurde mir klar –
14: F 2: (Telefon): – Nein, bedaure, Frau Prokurist Waldhof ist im Augen-
15: blick besetzt.
16: M 2: (wie einen unterbrochen en Satz wieder aufnehmend): – oder um es mit
17: einem Ausdruck aus dem Eishockey zu benennen: konsequentes Fore-
18: checking der Konkurrenz gegenüber.
19: F 4: – bietet sich nicht alle Tage, die Möglichkeit, einem Spitzenmann
20: zu Diensten zu sein..
21: M 3: – außergewöhnlich, keineswegs alltäglich, ganz und gar außerge-
22: wöhnlich
23: F 4: – Er nahm mich mit zum Derby. Der Geruch der weiten Rasenflächen,
24: ein leichter Wind, schweißnasse Pferde –
25: M 3: – später Abendessen mit ihr. Sie trug pfingstrosenfarbene
26: Strümpfe und kurze Hosen. Und ihr perfektes Französisch, erstaun-
27: lich. [26] 01: M 2: Morgen abend,
02: M 3: sagte ich,
03: M 2: Tel Aviv?
04: F 2: Tel Aviv,
05: F 4: gab ich zurück,
06: F 2: morgen abend!
07: M 3: – Es hat ja was auf sich, sagte sie, es hat was auf sich, wenn
08: gesagt wird, der Faschismus spielt sich im Bett ab, aber ich
09: persönlich hab's gern, wenn –
10: F 4: – Auf einer Messe wie der kommenden, sagte er, werden Sie es nur
11: mit potenten Käufern zu tun haben –
12: F 2: Also Tel Aviv,
13: F 4: sagte ich,
14: F 2: morgen abend!
15: M 2: Morgen abend,
16: M 3: antwortete ich,
17: M 2: Tel Aviv, ja.
18: F 2: Mit einem Loser ins Bett?
19: M 3: Mit einem Loser ins Bett, niemals, sagte sie. Wie ich die Grenze
20: zwischen Privat- und Geschäftsleben ziehe, wollte sie wissen.
21: Und ich: –
22: F 4: Bin absoluter Winner, und so geistreich! Hemmungslos ungenau
23: ziehe er die Grenze zwischen Privat- und Geschäftsleben. Wovon
24: ich mich nachhaltig überzeugen konnten [27] 01: M 2: – Hemmungslos ungenau. Zu guter letzt (Eine Spur leiser, mühsam
02: ein Lachen unterdrückend) pinkelte ich ihr in die Votze..
03: M 2: Wir haben,
04: M 3: sagte ich, wieder im Hotel,
05: M 2: nämlich einen großen Anwendungsstau in der Büroelektronik
06: M 3: und sah sie bedeutungsvoll an..
07: F 2: Oh,
08: F 4: gab ich zurück,
09: F 2: oho, ließe sich dem nicht abhelfen..?
10: F 4: Er holte seinen Klepper aus dem Latz und sprach: –
11: M 3: Bevor es abermals soweit war, sagte oich:
12: M 2: Möge sich diese wunderbare Technologie flächendeckend über den gesam-
13: ten Verwaltungsbereich ergießen..
14: M 3: Dann kam ich über sie wie Honeywell Bull.
15: ((Klaviermusik, ausblenden))
16: ((Innenraum. Beide fassungslos.))
17: Klump: Also, was sagt man dazu!?
18: Katz: Ich werd' nicht mehr... Nicht zu fassen, und doch –
19: Klump: Das Radio, schnell..
20: ((Radio wird angestellt, Vordergrund::))
21: Journalstimme: – immer noch versucht wird, die Verbindung nach Leib-
22: nitz herzustellen, ist es uns gelungen, den Ersten Gemeindesekre-
23: tär von Leibnitz, Herrn Schmidt, ins Studio zu bekommen, –
24: Schmidt: Guten abend .
25: Journalstimme: Herr Schmidt, Sie waren indirekt ja auch Betroffener
26: Schmidt: Betroffener, ja. [28] 01: Journalstimme: Herr Schmidt, kurz zur Täterpersönlichkeit; wer war
02: eigentlich dieser Dietrich Wegener, der in der spektakulären
03: Kommandoaktion vom Sparverein Grün-Schwarz-Grün unschädlich ge-
04: macht wurde? Sie haben mir vorhin gesagt, ganz Leibnitz hat sich
05: vor ihm gefürchtet –
06: Schmidt: Gefürchtet ist das richtige Wort, ja.
07: Journalstimme: Wenn ich recht verstanden habe, waren die Straßen,
08: wenn Wegener auftauchte, wie leergefegt, niemand hat sich aus
09: dem Haus getraut –?
10: Schmidt: Jawohl, leergefegt.
11: Journalstimme: Nachforschungen haben ergeben, daß der Name Wegener
12: auf Wegelagerer zurückgeht, also auch die Vorfahren schon –
13: Schmidt: Damit hat es ja nun ein Ende.
14: Journalstimme: – auch die Vorfahren bereits Wegeners, Wegelagerer
15: waren.
16: Schmidt: Wegelagerer, ganz richtig.
17: Journalstimme: Und es ist immer wieder zu Zusammenstößen und Zwischen-
18: fällen gekommen in Leibnitz?
19: Schmidt: Das ist richtig, ja.
20: Journalstimme: Man kann also sagen, dieser Wegener war jener dTypus
21: des Kriminellen, der mit der Feigheit seiner Mitmenschen rech-
22: net?, ein Außenseiter, für den das Wort Freundschaft ein Fremd-
23: wort war und der sich völlig in seine Wahnideen verrannt hat?
24: Schmidt: Die Rechnung wurde ihm präsentiert.
25: Journalstimme: Herr Schmidt, Wegener hat von der Gemeinde freien
26: Abzug gefordert, und zwar in einem Auto, das von Ihrer Tochter
27: gelenkt wird. Ihre Tochter ist jetzt wie alt?
28: Schmidt: 23. [29] 01: Journalstimme: Es sind inzwischen Stimmen laut geworden, die das harte
02: Vorgehen der Gemeinde, insbesondere das Einbeziehen des Spar-
03: vereins, die Absperrungsmaßnahmen und schließlich die Liquidation
04: verurteilt haben. Stimmen , die meinen, man hätte Wegener das
05: Auto zur Verfügung stellen sollen, er hätte zweifellos Ihre
06: Tochter unversehrt freigelassen.
07: Schmidt: Absurd.
08: Journalstimme: Sie stehen also zur Vorgangsweise der Gemeinde.
09: Schmidt: Voll und ganz.
10: Journalstimme: Auf der anderen Seite sind aber auch Telegramme einge-
11: gangen, die die Aktion befürworten –?
12: Schmidt: Breiteste Zustimmung, ja.
13: Journalstimme: Herr Schmidt, könnten Sie uns eines dieser Telegramme
14: vielleicht kurz vorlesen?
15: Schmidt: Gern. (liest vor) "Dank an unsere Helden vom Sparverein
16: Grün-Schwarz-Grün. – Wir sind stolz auf sie: Sie haben eine
17: schwere Arbeit gut gemacht. – Sie sind keine Abenteurer, sondern
18: ernste Männer, die sich um unser Leibnitz verdient gemacht haben. –
19: Nochmals danke!" Ich denke, ein Kommentar erübrigt sich.
20: Journalstimme: Eine letzte Frage, Herr Schmidt: XXX
21: Besteht die Möglichkeit, daß Wegener Kontakte zur Schobergruppe
22: unterhielt?
23: Schmidt: Nach bisherigen Erkenntnissen ist eine solche Verbindung so
24: gut wie auszuschließen.
25: ((Radio wird abgedreht.))
26: Klump (düster, rätselhaft): Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt
27: schon der Tag. Groß ist nicht Groß, und Klein nicht die Kleine..
28: Sprecher: (aus 'Was bisher geschah', dritte Variante): Katz und Klump
29: verwickelte sich plötzlich in eine heftige Auseinandersetzung. [30] 01: Während Klump glaubte, in der Stimme des Gemeindesekretärs
02: jene von Johannes Groß erkannt zu haben, und Schmidts angebliche
03: Tochter folglich nur Barbara Klein sein konnte, versteifte sich
04: Katz auf das Telex des Informa n ten Fiebelkorn, wonach Groß und
05: Klein sich längst nach Bogota Kolumbien abgesetzt hätten und in Bogota
06: eine Kneipe betrieben..
07: Klump: – und ich sage dir, er ist es, es war seine Stimme, wir
08: müssen vor Tagesanbruch zugreifen –
09: Katz: – Völlig irrsinnige Vermutung, im Rundfunk ist eine Täuschung
10: nie auszuschließen. Die Schobergruppe ist in den Anden! Fiebel-
11: korn weiß, was er sagt – ein Mann, der sich nicht ins Bier spuk-
12: ken läßt!
13: ((Beide Stimmen nun gleichseitig, erregt aufeinander einredend:)) 01: Klump:
02: Fiebelkorn! Kneipe in Bogota!
03: Blödsinn. Ein übles Schwein ist
04: dieser Fiebelkorn, der weiß
05: doch nicht mehr, für wen er
06: arbeitet , wenn er nur arbeiten
07: kann. – Fiebelkorn, Zwiebel-
08: korn! Ich sage dir, wir müssen
09: hier zugreifen, im Scheißgau,
10: in Leibnitz, bevor der Tag an-
11: bricht,
12: müssen wir zugreifen. 01: Katz:
02: Groß und Klein sind in Bogota, das
03: liegt klar auf der Hand. Bis hin zum
04: Kneipennamen, wie heißt denn die
05: Kneipe? "Zum Hochschober" heißt sie,
06: oder heißt sie vielleicht nicht "Zum
07: Hochschober" – Schmidt ist nicht
08: Groß, und Klein nicht die Kleine..!
09: Alle Spuren waren falsch, wir müssen
10: nach Südamerika..
11: Südamerika! 01: ((Klaviermusik)) [31] 01: Sprecherin: Sie hörten den dramatisierten Schundroman –
02: M 1: Letzte Folge.
03: F 3: Nein.
04: M 1: Groß und Klein.
05: F 3: Nichts.
06: M 1: Waldhof-Variationen.
07: F 3: Nichts gehört.
08: M 1: Arbeitswelt.
09: F 3: Du hast nichts gehört.
10: M 1: Ich habe alles gehört. – Marktwirtschaft.
11: F 3: Nein.
12: M 1: Tagebuch.
13: F 3: Auch nicht.
14: M 1: Spur nach Bremerhaven.
15: F 3: Kein Wort.
16: M 1: Gars am Kamp.
17: F 3: Keinen Laut.
18: M 1: Schnee.
19: F 3: Da hast nichts gehört.
20: M 1: Ich habe alles gehört. Was bisher geschah.
21: F 3: Niemand hat etwas gehört.
22: M 1: Alle haben es gehört.
23: F 3: Nein.
24: Ende
[1][2] [3]

Sprecherin: Der dramatisierte Schundroman.

Die folgernden Titel zunächst wie kurze ›reale‹ Ansagen (Klavier, Cello, Geräusche), die in Vorschläge (ohne Signation) übergehen. – M 2 im leeren Raum.

M 1: Angst.

Irres Laufen

M 2: Nein.

M 1: Atemnot.

M 2: Nein.

M 1: Tödlicher Husten.

M 2: Nein.

M 2: Auch nicht.

M 1: Blut.

M 2: Nein.

M 2: Nicht gut.

M 1: Schreie aus der Hölle.

M 2: Nein.

M 1: Die Zukunft der Sinne.

M 2: Auf keinen Fall.

M 1: Finsternis.

M 2: Unter Umständen.

M 1: Die Erfindung der Wirklichkeit.

M 2: Eventuell.

M 2: Auch.

M 1: Letzte Folge.

M 2: Ja.

M 1: [4] Was bisher geschah.

M 2: Was bisher geschah.

Evtl. Klaviermusik

Sprecherin 1: Was bisher geschah.

F 1: Begonnen hatte es auf dieser Reise, Europa, Nahost, angefangen hatte alles mit diesem Auftrag ... Nach Gesprächen in Oslo; Verhandlungen in Genf, neuerlichen Zerwürfnissen in Brüssel verlobten wir uns in Zürich. Aber in Krefeld schon wieder Szenen, Krawalle... Und Berlin! Ich hatte das Gefühl, gegen eine Mauer zu reden, so behandelte er mich. In Helsinki trafen wir ein Abkommen, an das er sich in Madrid schon nicht mehr hielt. Unterwegs nach Warmbad Villach beschloß ich, meine Forderungen deutlich zu machen, in Mürzzuschlag, in einem Gasthof der elendsten Sorte, führte ich dieses Vorhaben auch aus, aber er lachte bloß. Dann Linz! Ich appellierte an sein Gewissen, an was weiß ich, endlich Schluß zu machen damit – nichts ... Zugegeben, wir hatten eine wunderbare Zeit in Klagenfurt, während der Holzmesse, bei den Eichendorfer Dichtertagen, die gerade dort abgehalten wurden... Aber dann ging es Schlag auf Schlag: Sein Terror in Italien, seine Schönfärberei in Lissabon, die Auseinandersetzungen am Persischen Golf; schließlich, in einem Hotelzimmer in Beirut, brach der Konflikt offen aus ... – Himmel und Hölle so nah beisammen, und immer die Spuren verwischen –

Sprecher: Was bisher geschah. [5]

M 3: – Verdammter Auftrag, mit dem alles anfing, der uns zusammenführte, kreuz und quer durch Europa und wohin noch … Mutlangen, Esslingen, Rottweil, überall gewesen, Metz, Idolsberg, Gars am Kamp, nichts, das uns fremd blieb. Nie vergesse ich Zürich, mein Waterloo, wie sich leider erst in Berlin herausstellte. Oslo, Genf, Brüssel, Gespräche, Programmentwürfe, Friedenssicherung ... In Krefeld aber schon Krawalle, daß das Hotelpersonal zusammenlief, ähnlich in Helsinki, wo sie ein Abkommen vorschlug, dann Warmbad Villach, Heulszenen in Linz,

(nachäffend)

M 3: sie appelliere an mich – Ein Zwischenfall nach dem anderen, diese Reise schien nur aus Zwischenfällen zu bestehen. Und immer wieder: Du bist ja betrunken, du hast getrunken, unausgesetzt. ... Jawohl, gab ich zurück, seit jener Szene in Berlin trinke ich, und ich gedenke nicht, damit aufzuhören ... Ihr Mürzzuschlager Manifest, ihre Salzburger Humanismusgespräche! Wie es ihr begreiflich machen? In Italien griff ich hart durch, in Lissabon brannte ich ein Feuerwerk an Galanterien ab, alles umsonst; Zürich war ein tragischer Irrtum gewesen. – Dann die Libanon-Krise, diese schreckliche Nacht, eingesperrt in einem Hotelzimmer .... Ein Funke hatte genügt, um den Konflikt neu anzufachen.

M 3: – Aber was bisher geschah, sollte nichts sein gegen das Kommende ...

Klaviermusik

Sprecher und Sprecherin: [6] Was bisher geschah.

Sprecher: Ein Gespenst geht um in Europa und hinterläßt seine Spuren: die Schober-Gruppe. Alle Versuche dieses Gespenstes habhaft zu werden, sind bislang gescheitert – zu international agiert die Gruppe, zu raffiniert arbeitet sie mit anderen Grippen zusammen.

Sprecherin: Auf einen blutigen Sommer folgt der steirische Herbst. In Geheimkonferenzen, den später so genannten Schloßberg-Gesprächen, wird die »Grazer Dramaturgie« beschlossen, nämlich den schizophrenen Detektiv Katz & Klump auf das Phantom anzusetzen. Da Katz & Klump auf Grund seiner vielfältig gespaltenen Persönlichkeit ein ganzes Team von Kriminalisten ersetzen kann, erscheint diese Vorgangsweise ebenso kostensparend wie vielversprechend.

Sprecher: In Warmbad Villach verliert sich die Spur. Katz & Klump nimmt die Ermittlungen auf ...

Innenraum. Aus einem Radio ist gerade eine Verkehrsmeldung zu hören

Verkehrsmeldung: ich wiederhole: Alle Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind gesperrt, den Kraftfahrern wird dringend empfohlen großräumig auszuweichen.

Katz: Stell das ab.

Das Radio wird noch vor Ende der Meldung abgeschaltet.

Katz: – Und was sagst du dazu: Am 4. 5. übernachtet Frau Klein in Warmbad Villach, unter falschem Namen, sie nennt sich dort Bierbichler. Verläßt am nächsten Morgen überstürzt das Hotel, niemand weiß wohin ...

Klump: Gefällt mir nicht ... Die Grenzen so nahe, Italien, Jugoslawien, Rijeka, Triest, Camporosso –

Katz: Camporosso, natürlich! Die Schießerei, die Nacht von Camporosso!

Klump: Barbara Klein war damals nachweislich in London.

Katz: Bist du sicher?

Klump: Ganz sicher. Sie wurde in London mit einem Ramiro Villanueva, Soldat der Luftwaffe in Bogota, Kolumbien, beobachtet

Katz: Und Groß?

Klump: Ebenfalls. – In Warmbad Villach wurde Johannes Groß zuletzt gesehen, als der Parlamentsklub seine Tagung abhielt, Warmbader Beschlüsse , diese Geschichte ... Deckname Baumgartner. Fällt dir was auf? Der Parlamentsclub tagt, und rein zufällig ist auch Herr Groß zur selben Zeit in Warmbad ...

Katz: Ja, verdammt, du hast recht, wirklich merkwürdig ...

Pause

Katz: Und jetzt?

Klump: Wir warten

Katz: Wir warten?

Klump: Wir warten auf eine bestimmte Maschine aus Zürich ...

Ausblenden

Sprecher: Der dramatisierte Schundroman.

Landendes Flugzeug. Anschließend Halle, gedämpft, Durchsagen etc.Nach dem Titel Hintergrund ausblenden.

Sprecher: Schnee.

Sprecherin: Letzte Folge.

F 2: Hätte dir, Ramiro Villanueva, hätte dir nicht bei der Paßkontrolle schon zu denken geben sollen, wie rasch und selbstverständlich du abgefertigt wurdest? Gut, du warst selbst damit beschäftigt, als harmloser Tourist zu erscheinen, aber hätte dir nicht auffallen müssen, wie bevorzugt und scheinbar desinteressiert dein Gepäck kontrolliert wurde? Hättest du nicht, in die Ankunftshalle tretend, zumindest den Herrn mit dem Schlapphut bemerken müssen, der angestrengt die Tafel mit den Arrivals studierte, oder den anderen, der sich gerade eine Zeitung kaufte und dann einem dritten wie einem plötzlich entdeckten Bekannten zuwinkte? Als du erleichtert in sein Taxi stiegst, Ramiro Villanueva, und in die Stadt fuhrst, hättest du nicht prüfen sollen, ob dir auch niemand folgt? Und schließlich die Männer, die kurz nach dir die Hotelhalle betraten und sich, eben wurde dir der Zimmer [8] schlüssel ausgefolgt, wieder entfernten, wie konnten sie dir entgehen? Gewiß, du konntest nicht ahnen, daß du nicht nur von deinen Geschäftsfreunden erwartet wurdest, sondern auch von ganz anderen ... Sogar die Presse war längst eingeschaltet, eine große Tageszeitung hatte sich exklusiv den Bericht gesichert! Der Aufenthalt in dieser Stadt, Ramiro Villanueva, wird lange dauern ...

Rotationsgeräusch

M 1: 19 Uhr 20. Der Drogenkurier trifft im Hotel ein. Er nimmt ein Zimmer im dritten Stock. Über ein Funksignal erhalten wir das vereinbarte Zeichen.

Rotationsgeräusch

M 1: 19 Uhr 23. Der Kolumbier meldet ein Telefongespräch an. Wie erwartet, will er sich mit seinem Kontaktmann in Verbindung setzen. Mit »Lichtorgler« Rapp, in der Unterwelt auch als Tätowierer bekannt. 19 Uhr 25. Die Spannung nimmt zu. In der Wohnung des Tätowierers klingelt das Telefon …

Einige Sekunden nichts, allenfalls ein Rauschen

M 1: In der Wohnung des Tätowierers klingelt das Telefon.

Einige Sekunden nichts, dann zweimal Tuten eines Nebelhorns

M 1: Die Spannung steigt weiter.

Lange anhaltendes Telefonklingeln. Dann Telefonklingeln im Hintergrund, im Vordergrund junge Frauenstimme, kichernd.

junge Frauenstimme: Stellt euch vor, das Telefon klingelt, und keiner geht hin.

Telefon wieder im Vordergrund,

Männerstimme: Pronto?! [9]

Hörbare Stille, eventuell Knacken in der Leitung. Wieder die Frauenstimme.

junge Frauenstimme: Stell dir vor, du gehst hin, und keiner ist dran.

Noch etwas abwarten, dann auflegen. Sofort klingelt das Telefon wieder. Abheben

Männerstimme: Pronto?!

Am Telefon eine Journalstimme

Journalstimme: Hallo, Leibnitz? Ich rufe Leibnitz, Leib –

Hörer wird auf die Gabel geknallt. Rotationsgeräusch.

M 1: 19 Uhr 30. Auf dem Höhepunkt der Spannung kommt es zu Fehlschaltungen und Mißverständnissen. – Da aber summt in Villanuevas Hotelzimmer das Telefon. Villanueva hebt ab …

Männerstimme: Villanueva – Kältetechnik, Grüß Gott?

›Unheimliche‹ Telefonstimme: Die Wahrheit ist weiß wie Schnee. In zehn Minuten. Basta!

Besetztzeichen. Auflegen. Rotationsgeräusch.

M 1: Nun kommt Bewegung in die Geschichte. Zehn Minuten nach diesem mysteriösen Anruf - wahrscheinlich der vereinbarte Code – betritt Lichtorgler Rapp hastig das Hotel und erklärt, Senor Villanueva erwarte ihn in seinem Zimmer. Vor dem Hotel lagern zerlumpte Gestalten – als Bettler und Aussätzige getarnte Undercover-Agenten und Journalisten. Gleich wird der große Schlag geführt werden.

Drei mächtige Paukentöne

Frauenstimme: Auf das vereinbarte Klopfzeichen öffnete Villanueva die Tür seines Zimmers. Heroinspaziert, heroinspaziert (sic! CD), begrüßte er aufgeräumt seinen sauberen Freund. Dann verschloß er hinter dem Besucher die Türe.

Gefängnistüre fällt ins Schloß

M 1: 19 Uhr 46. Die Ereignisse überstürzen sich. Mit Panzerfäusten dringen die Detektive ins Zimmer und halten den verblüfften Männern, ihre Dienstmarken unter die Nase. Aus dem Gesicht des [10] Kolumbiers entweicht jede Farbe.

Geräusch entweichender Luft, etwa aus einem Reifen

M 1: Die Beamten ziehen rasch eine Probe des Giftes, um sich von Echtheit und Güte zu überzeugen; dann werden der Drogenkurier und sein Kontaktmann abgeführt. Beim Tätowierer wird außerdem ein brisantes Notizbuch mit bekannten Namen der Halbwelt sichergestellt …

Kurz anspielen: Georg Danzer, »Mondprinzessin« – »sei kein Tätowierer …«

Frauenstimme: Bei den Detektiven herrschte eine Stimmung, wie man sie vom Schmaus nach großen Jagden kennt, eine Feststimmung, die noch tagelang anhielt. – Nur einer mochte sich der geglückten Aktion nicht so recht freuen: der Detektiv Katz und Klump. Bis spät in die Nacht saß er über Aussagen und Protokollen und überlegte, ob dieser Erfolg nicht eine Ablenkung vom eigentlichen großen Coup gewesen sein könnte …

Klump: Erklär mir bitte mal, warum Groß nicht an Bord des Flugzeugs war?

Katz: Is’ doch gleichgültig, Hauptsache, wir haben den Stoff.

Klump: Gleichgültig, so. – Und wer garantiert, daß nicht die tausendfache Menge auf der Straße ins Land gebracht wurde? Daß nicht Villanueva geopfert wurde, damit Groß unbehelligt agieren kann?

Katz: Ziemlich ausgeschlossen, wenn du mich fragst.

Klump: Du kennst die Methoden der Schober-Gruppe, die machen sich förmlich unsichtbar. – Wo ist beispielsweise Frau Klein?

Katz: Hm … – Warmbad Villach?

Klump: Ach, Harry ... Warmbad Villach ... Ja, Warmbad Villach, Beirut, Stockholm, Attersee, wer weiß? Such mal eine Träne in Ozean ...

Frauenstimme: Aber auch, daß den Kleinverteilern und Endverbrauchern [11] nicht beizukommen war, bereitete dem Detektiv Kopfzerbrechen.

Klump: – Unerhört, wie die uns auf der Nase rumtanzen ... Da, hör dir das an: Falco, Ambros, behaupten, den Tätowierer persönlich gar nicht zu kennen, hätten rein beruflich mit seiner Firma zu tun ...

Katz: Freche Hunde.

Klump: Oder

blättert

Klump: hier, Herr Fendrich, droht gleich mit Anwalt! … Sein Lieblingssport wäre Schwimmen, nicht Schi fahren ... Erklärt, daß er Platinplatten nur an der Wand mag, nicht in der Nase ...

Katz: Arschloch. – Mir reicht‘s für heute. Dreh mal das Radio an.

Radio wird angeschaltet. Ende einer Journalsendung,

Journalstimme: die Verbindung nach Leibnitz ist leider nicht mehr zustandegekommen, wir werden es in unserer nächsten Sendung wieder versuchen, bis dahin guten Abend.

Journal Ende. Kurze Pause.

Dann Klaviermusik, bis zum Ende der folgenden Ansage.

Sprecherin: Der dramatisierte Schundroman. Gars am Kamp, mein Lieber! Letzte Folge.

Sprecher: Es war ein warmer Herbsttag. Pulvergeruch hing noch schwer in der Luft. Äpfel fielen raschelnd durch das Gezweig. Ernst und ohne einander anzublicken gingen sie den Schotterweg von der Kirche hinunter zum Wirtshaus.

Während der ganzen Szene im Hintergrund Schritte, langsames, gleichmäßiges Gehen. Die Sprecher unterhalten sich nicht, sondern sprechen vor sich hin.

F 3: Alles?

M 2: Ich bin mit dem Postautobus gefahren, vier Stunden ...

F 3: Vier Stunden? [12]

M 2: Vier Stunden, ja. Gleich, als ich ankam, sah ich ein frisch abgeerntetes Feld mit großen Flecken bleicher Maisfelder, dann umgepflügte Äcker, ockerfarbene Felder, schließlich –

F 3: Du hast nichts gesehen in Gars am Kamp.

M 2: – schließlich lang gedehnte Stoppeläcker. Das Maisfeld, aus dem der Hahn aufgeflogen war, lag übrigens an einem kleinen Bach. Plötzlich fielen Schüsse.

F 3: Schüsse?

M 2: Jawohl, Schüsse. Ich sah, wie der Nußhäher mitten im Flug ins Trudeln geriet und abstürzte. Er kam direkt Tor meinen Füßen zu liegen, und ich bemerkte genau sein schön gezeichnetes Gefieder.

F 3: Das hast du gesehen?

M 2: Nie konnte mir ein Tier entgehen. Du erinnerst dich, damals, als wir die Steiermark bereisten, du erinnerst dich an den Hirsch von Hartberg ...

F 3: Wie könnte ich ihn vergessen. Er stand reglos da, nur wenige Meter von uns entfernt, es sah aus, als wolle er gleich zu röhren beginnen. Aber dann: nichts ...

M 2: Gars am Kamp ist nicht Hartberg. Hier ist es anders, schlimmer. Vor der Tür beispielsweise lag ein toter Maulwurf mit rosa Pfoten.

F 3: Rosa Pfoten?

M 2: Rosa, ja. Die Frau hob ihn mit einem Blatt auf und warf ihn auf den Misthaufen. Dann –

F 3: Dann?

M 2: Aus dem Nebel hörte ich ein einzelnes Horn, ohne aber den dazugehörigen Jäger wahrnehmen zu können.

F 3: Du siehst, du hast nichts gesehen in Gars am Kamp.

M 2: Ich will dich schonen, nur deshalb erzähle ich dir nicht alles.

F 3: Mich schonen? Die ich Monate in Lend im Pongau zubrachte und in [13] Knittelfeld praktizierte, du mich, schonen? Du hast nichts gesehen in Gars am Knap, nichts!

M 2: Gut. Versprich mir, dich nicht aufzuregen. Es war so: nachdem die Frau den Maulwurf – du erinnerst dich?

F 3: Den Maulwurf alt den rosa Pfoten ...

M 2: – Eben den, nachdem sie ihn endlich auf den Misthaufen befördert hatte, sah ich, wie sie mit einem Hackmesser einen Kürbis zwischen ihren nackten Füßen –

F 3: Das willst du gesehen haben? Nichts hast du gesehen …

M 2: Ich habe es gesehen, hier, in Gars am Kamp, mit meinen eigenen Augen. Wie sie, auf einem Faß sitzend, den Kürbis zwischen ihre nackten Füße klemmte, mit dem Hackmesser auf schlug, die Kerne herausgriff und in einen grünen Metalltopf warf!

F 3: Du hast dich getäuscht, du hast nichts gesehen!

M 2: Es sollte noch schlimmer kommen. Ich sah, wie die Knechte die Maispflanzen knapp über dem Boden abhieben, sodaß gelbe Stümpfe stehenblieben, dann nahmen sie die Bündel in den Arm und streuten sie in die Ackerzelle. Einmal –

F 3: Nein!

M 2: – Einmal hob der Bauer seine HJacke am Feldrand auf und trank einen Schluck aus dem Mostkrug. Der Sohn des Bauern trug trotz der Hitze eine rot-weiße Wollmütze auf dem Kopf, eine Schisportlermütze, eine Riesentorlauf Spezialistenmütze. Auf der anderen Seite, neben einem Holzschuppen, neben zwei leeren Fässern, gackerten aufgeregt die Hühner ...

F 3: Es kann nicht sein, du hast nichts gesehen.

M 2: – alles gesehen in Gars am Kamp – ehe der Hahn ein drittes Mal krähte, hatte ich schon die Kirschbäume hinter dem Haus erblickt, die mit einem Schleier absterbender Blätter bedeckt waren; in [14] ihrer Buntheit sahen sie aus wie mit gelben und roten Federn eines Paradiesvogels geschmückt, hörst du mich?

F 3: Du hast es nicht ertragen. Du hast den Blick gesenkt und minutenlang den auf gegangenen Schnürsenkel an deinem linken Schuh betrachtet, gib es zu. – Niemand hätte es ertragen können.

M 2: Nichts dergleichen. Ich habe es gesehen. Ich habe alles gesehen in Gars am Kamp. ich habe die Spuren von Traktorreifen gesehen an einem Abend im Herbst, die sich tief ins feuchte Erdreich gruben. Und noch etwas habe ich gesehen: Eines anderen Tages, tiefer Frieden überall, kam ein lilafarbener Volkswagen nach Gars am Kamp und hielt unten an der Brücke. Einer Ohnmacht nahe, zwang ich mich hinzusehen. Aus dem Kraftfahrzeug stieg ein vielleicht vierzigjähriger Mann mit dunklen Haaren und einem Vollbart und kam die Straße herauf ...

Sie sind stehengeblieben

F 3: Du lügst! Du hast nichts gesehen in Gars am Kamp, nichts hast du – –

Sprecher: Mit einem erstickten Schrei stürzte sie zu seinen Füßen. Er sah sich um. Nur noch wenige Schritte waren sie vom Wirtshaus entfernt, und doch wußte er plötzlich, daß er niemals mehr seinen Fuß in die düstere Wirtsstube setzen würde, in der sie kurze Zeit so glücklich miteinander gewesen waren.

Sprecherin: Eine Verkehrsmeldung. Achtung, Autofahrer, im Großraum Leibnitz, alle Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind gesperrt, es wird dringend empfohlen, großräumig auszuweichen.

[15]

Signation à la ›Stahlnetz‹

Sprecher: Spur nach Bremerhaven.

Klump: Was bisher geschah? Nichts, überhaupt nichts! Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren.

Katz: Ich will noch einen ganzen Haufen leben.

Klump: Meinst du, ich nicht? Was soll denn der Quatsch?

Katz: Nichts, nur so, fiel mir grade ein.

Klump: Du kannst einem vielleicht auf den Wecker fallen, aber ganz gehörig! Laß jetzt den Blödsinn. – Noch mal von vorn, wir –

Katz: Ich höre.

Klump: – Wir müssen System reinbringen.

Kurze Pause, dann referierend:

Klump: Unser einziger Anhaltspunkt ist, daß Groß, nachdem er aus Wien verschwinden ist, im April in Bremerhaven auftaucht, und zwar schleicht er sich dort in einen Arbeitskreis Rüstungswirtschaft ein, der von Müll geleitet wird.

Katz: Müll. – Der Müll, bei dem mal die Klein – ? Unser Müll?

Klump: Genau der, der Industrie-Müll. Erst Krupp, dann Thyssen, später zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Heer und Industrie ins Ministerium berufen.

Klump: Verstehe.

Klump: Das Problem ist, daß in unserem Dossier der Name Groß nicht aufscheint. Unsere Spur beruht einzig auf einer mündlichen Information eines Kontaktmannes, Bundeswehroffizier, nicht eben zuverlässig.

Katz: Trotzdem, weiter.

Klump: Im Rahmen des Intensivierungsprogramms werden auch kurzfristige Wehrübungen für Industriemanager abgehalten, Führungskräfte werden an MP und MG ausgebildet.

Kurze Pause

Klump: In Bremerhaven [16] nahm auch ein gewisser Hans Magnus Enzengruber an einer solchen Übung teil.

Katz: Enzengruber? Enzensberger!

Klump: Enzengruber. Der Nachname tut übrigens nichts zur Sache.

Katz: Und?

Klump: Du kennst ihn, wir beide kennen ihn.

Katz: ?

Klump: Hans Magnus Enzengruber, überleg doch mal. Fällt dir nichts auf?

Katz: Ich werd verrückt. Johannes Groß!

Klump: Das hat aber gedauert. Groß, natürlich, von sich selbst besessen bis in die Decknamen hinein ...

Katz: Wollen uns wohl vorführen, was ‘ne Harke ist, aber vorher zeigen wir Ihnen, wo der Bartel den Most holt – in der Steiermark nämlich. Hab ich recht, Stephan?

Klump: Haarscharf getroffen. – Die Klein sollte bald darauf in der Steiermark aktiv werden, Knittelfeld, Judenburg ... Aber das nehmen wir uns später vor. Erst die Tagebücher, die sind wichtiger, und dann diesen Pichler.

Klaviermusik

Sprecherin: Der dramatisierte Schundroman. »Tagebuch.« – Letzte Folge.

Zwischen den ›Eintragungen‹ ganz kurz angespielte Passagen aus Klavierstücken von Schönberg

F 1: 8. 3., Aschaffenburg. – Müde. Verbraucht. Leblos. 10. 3., Aschaffenburg. – Ausgebrannt, wie gelähmt, am Abgrund. – Banal geträumt. Später Pichler. 11. 3., Nürnberg. – Ein ausgeleerter Kübel, ein Nichts. Draußen Föhn. Finsternis. Kurzer, unruhiger Schlaf. Dann Pichler. [17]

Rotationsgeräusch

F 1: 16. 3., Erlangen. – Nichts. Pichler. 20. 3., Ingolstadt. – Wie gerädert von der Last meines Körpers. Zwischenfälle, Verluste. Abendessen mit Rod. Michel mit seiner behaarten Seemannsbrust. Pichler? 22. 3., Minden. – Offene Verandafenster. Klaviermusik. Dann Pichler

Rotationsgeräusch

F 1: Im Hunsrück. – Schüttelfrost. Hundegekläff. Alles vergessen, was sein wird, Pichler vergessen. 26. 3., Amras. – Verstörung. Vorbei am Kalkwerk. 30. 3., Madonna di Campiglio. – Sehnsucht, fortschreitende Verwirrung, Gewühl im Sonnengeflecht. Der Schoß in voller Bereitschaft, schmerzhaft die Schenkel durchströmendes Einverständnis. Dann Attersee. 2. 4., Ravenna. – Attersee. 3. 4., – Die Hitze vor den zugezogenen Fensterläden. Rotwein aus dem Zahnputzbecher. Nachmittägliches Entsetzen. 7. 4. – Triest. – Husten, Erschöpfung. Alle Schrecknisse der Nacht durohmessen, wie damals, in Bad Gastein. Niemand darf von dieser Niederlage erfahren.

Rotationsgeräusch

F 1: 10. 4., Warmbad Villach. – Traumrudimente: P.s Gesicht, von Salzsäure verunstaltet. – Am Morgen im Foyer Mattschacker. Höflich grüßend an ihm vorbei. Drecksack. 12. 4., Baden Baden. – Wie ein erloschener Vulkan; ja, ein genaues Bild. – Nachts die Todesschreie eines Vogels. 20. 4. – Verfinsterung. Und Rüsselsheim, was habe ich hier verloren – Ein letztes Mal Attersee. 22. 4., Fulda. – Schmutziggrauer Vormittag, Frühstück. – Tod, überall Tod. [18] Plötzliches Bild: P.s feuchte Augen mit den lang anhaltenden Blicken. 2. 5., Bebra. – Zwiebelgeruch. Erstickungsanfälle. Tremor.

Rotationsgeräusch

F 1: 10. 5., Attersee. – Nichts. Nachts Pichler. 11. 5., – Leere. Abgestorben. Dann Pichler. 12. 5. – Pichler, schweigsam, von hinten. In der ländlichen Stille wie begraben. 14. 5. – Aufruhr. Der schöne Brief von H. aus Gars am Kamp – die Kunst eine Sackgasse, welch ein Vergleich! 16. 5. – Pichler, wie ein heißer gelber Sturm. 11 Uhr nachts. – Wer ist Pichler wirklich? 4. 6., Reicheneibach. – Der letzte Tag in Reicheneibach. Auf dem Weg zurück in die Dorfwirtschaft plötzlich ein Gedanke, der Entsetzen auslöste: Pichler – kann er mir gefährlich werden? 7./8. 6., im Flugzeug irgendwo über dem Mittelmeer. – Hier soll es damals passiert sein.

Rotationsgeräusch

Kennung einer Journalsendung, dann Moderator

Moderator: »Guten Abend, meine Damen und Herren. – Stichwort, Tagesthema Leibnitz, die Geschehnisse in und um Leibnitz. Wir hoffen, daß die Verbindung nach Leibnitz inzwischen zustande gekommen ist – Augenblick

Telefon summt, abheben

Moderator: – ja, hallo? – Leibnitz? – Mathias Waiden, können Sie mich hören?

Aus dem Telefon nichts oder eine völlig unverständliche, verzerrte Reportage

Moderator: – – Hallo?

legt auf

Moderator: Tja, es hat leider noch immer nicht geklappt, aber wir versuchen natürlich weiterhin, die Verbindung mit Leibnitz herzustellen.«

abblenden

[19]

Aufblenden: Leere abendliche Straße, im Hintergrund aus offenen Fenstern evtl. Fernsehgeräusche – Dallas, Dynasty oder Formel 1-Reportagen. – Katz unterhält sich gehend mit Klump – entweder die Schritte zweier Fußgeher, oder, besser noch, wenn im linken Kanal Katz spricht, Schritte im rechten Kanal, wenn Klump im rechten Kanal antwortet, Schritte im linken Kanal usf.

Klump: Hast du bemerkt, wie vorsichtig dieser Pichler war? Weiß sicher mehr, als er zugibt. Ein Sympathisant, wie er im Buch steht.

Katz: Ach komm, du siehst Gespenster … Nur weil er’s vor Jahren mit der Klein getrieben hat?

Klump: Er war auch mit Groß zusammen.

Katz: Bisexuell?

Klump: Nein doch! Beruflich, wenn man’s so nennen will. – Kurier der Goldberg-Gruppe, was ihm aber nie nachzuweisen war, Trainingsmanager der Schober-Gruppe, internationale Einsätze, aber immer ganz legal. Und und und ...!

Kurze Pause

Klump: – Hätte gute Lust, diesen Fall überhaupt hinzuschmeißen.

Katz: Kopf hoch, Stephan, man muß den Flüssen trauen! Warum versuchen wir's nicht einfach am Markt, wir haben doch genügend alte Kunden dort.. ?

Klump: Das wird doch wieder ein Schlag ins Wasser... Aber gut, wenn du meinst... Wir treffen uns also vor der Marktwirtschaft, wie früher ...

Ausblenden.

Aufblenden: Akustische Kulisse etwa eines Obst- und Gemüsemarktes.

Im Vordergrund zwei Ausrufer, einer links, einer rechts, marktschreierisch anpreisend

: Betriebsmittelfinanzierungen, Investitionsfinanzierungen!

: Schnürsenkel, Putzlappen, Schwedenhölzer...! [20]

: Liquiditätssteuerung, Kreditgebahrung!

Evtl. wiederholen, mehr und mehr im Hintergrund; gleichzeitig Katz & Klump, der zwischen den Ausrufern hindurchgeht, halblaut:

Katz: – Sieh mal an, der Blinde mit der Beinprothese…

Klump: Wo?

Katz: Da vorne, beim Lottostand

Klump: Tatsächlich. Wenn der blind ist, freß ich seine Prothese.

Katz: Jetzt geht er in die Wirtschaft! Los, hinterher ...

Klump: Aber getrennt! Erst du, dann ich ...

Ausblenden

Weibliche Erzählstimme: In der Marktwirtschaft ging es hoch her. Der Detektiv tat, als suche er einen Bekannten, und ging langsam von Tisch zu Tisch ...

Aufblenden: Gasthauskulisse, Kneipenlärm; Gesprächsfetzen, von Tisch zu Tisch:

Prostata, lieber Amerongen, Prösterchen!

Hoch die Tassen!

Er gab sich nämlich als Verkaufsrepräsentant für Desinfektionsmittel aus ...

: – und wie, eine unternehmerisch denkende Persönlichkeit von absoluter Integrität! Ein Mann der alten Schule ...

Im Hintergrund aufkommender Tumult.

: »Arbeitsplätzchen, Arbeitsplätzchen!« –

evtl. von Händeklatschen unterstützt – und

: »Arbeitsblödsinn, Arbeitsblödsinn«.

Vordergrund:

: Na, du Wirtschaftsförderungsinstitut, du kesses Stück Dreck …

im Sinne von Arbeitsplatzsicherung völlig verfehlte Strategie …

Aber eines sage ich Ihnen, meiner Tochterfirma tritt niemand mehr zu nahe! [21]

Nun produzier dich nicht so …

Wer? Ich? – Nimm das zurück!

Ich denk nicht dran, du Kryptokommunist, du rote Sau du!

Der Tumult hat sich zur Schlägerei entwickelt, Stühle fallen um, Gläser bersten, Geschrei etc. Dann ausblenden.

Weibliche Erzählstimme: Das zunehmende Chaos in der Marktwirtschaft nutzte der Blinde, um unauffällig zu entkommen. Auch Katz und Klump zogen sich eilig aus der Wirtschaft zurück, aber es war bereits zu spät …

ganz kurze Pause

Sprecherin: Sie hörten den dramatisierten Schundroman. – Da uns bis zur nächsten Sendung noch etwas Zeit bleibt, einige Takte Musik und Werbung.

Werbestimmen; zwischendurch Musik

Hausfriedensbruch? Besitzstörung? Ärger mit den Nachbarn? – Ein Granatwerfer von Junghans schafft Abhilfe. Granatwerfer von Junghans – dem bißchen Frieden zuliebe …

Die beliebten Mehrzweckfregatten »Meko 360« – nur von Blohm und Voss, Hamburg. – Blohm und Voss: Die Guten unter den Bösen!

Ihr Rüstungsberater m – Diehl, Nürnberg. Handgranaten, Panzerfäuste, Panzerzugmaschinen und was sonst noch für den Frieden vonnöten ist: bei Diehl, Nürnberg. Bei Diehl gibt’s viel!

Musik wird von einem Verkehrsmeldungssignal unterbrochen.

Sprecherin: Eine Verkehrsmeldung. Die Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind immer noch unterbrochen, da sich schon etliche Zwischenfälle ereignet haben, ersuchen wir die Autofahrer, von Fahrten nach Leibnitz Abstand zu nehmen.

Kurze Pause

Sprecher: Unser Radiolehrgang. [22]

Arbeitslärm – Kakophonie, Preßluftbohrer, Fabrikhalle, Hämmern, Sägen usf. Während des Titels Geräusche im Hintergrund.

Sprecher: Arbeitswelt.

Sprecherin: Der Schundroman zum Selbermachen. Letzte Folge »Nachtarbeit«

M 1: Problemstellung und Ausgangssituation: Die Hauptperson macht sich auf den Weg zur Schichtarbeit, seine Freundin geht ins Kino. Beginnen Sie.

M 4: Johann Tobel fühlte sich elend. Seit er vor einigen Tagen sein Auto zertrümmert hatte, war er nur noch ein halber Mensch. Er mußte nun täglich mit Bus und Bahn in den Betrieb fahren. Widerwillig packte er die Jausenbrote ein, die Gerda ihm gestrichen hatte. Seine Verlobte wollte ins Kino gehen, sie begleitete ihn bis zur Bushaltestelle.

M 1: Akzeptiert, das Adverb »widerwillig« sogar sehr gut. Auch die Geschichte mit dem kaputten Auto ist einfallsreich. Nun Abschied und Beschreibung des Weges zum Arbeitsplatz, Tristesse!

M 4: Tobel küßte Gerda zum Abschied flüchtig auf die Wange und stieg in den Bus. – Der Bus war nicht geheizt. Auch die Schnellbahn, in die er später umstieg, war kalt und fast leer. In den Wirtsstuben schäumte das Bier aus den Zapfhähnen. Von den Dächern der Häuser blinkten Leuchtreklame, im Nebel nur als verschwommene Konturen wahrnehmbar. Die Bahn fuhr an einem Autofriedhof vorüber. Tobel fröstelte.

M 1: Gut gemacht. Folgt nun Einsetzen der Handlung.

M 4: Als er die Halle betrat, wunderte er sich und wußte dennoch sofort Bescheid. Die Kollegen standen in kleinen Gruppen herum und debattierten erregt, es herrschte dicke Luft. Pazifisten und Naturschützer hatten also die Oberhand behalten, dachte Tobel [23] bitter. Kurzarbeit, fuhr es ihm durch den Kopf, oder überhaupt Arbeitslosigkeit, Elend, die noch nicht abgezahlte Wohnung, die Raten für den neuen Audi Quatro –

M 1: Keine Namen. Der Name des Produkts ist bedeutungslos. – Jetzt Nebenfiguren, Kampfstimmung.

M 4: Johann Tobel gesellte sich zu den Kollegen. Das können‘s mit uns nicht machen, schrie der Birgel gerade, mit uns nicht! Eine Sauerei ist das, sagte Rußwurm. – Grad jetzt, wo die Benzinpreise steigen und steigen, ergänzte Maurer. – Umwelt hin oder her, hier geht’s um Arbeitsplätze, schrie Kumpf dazwischen, erst kommt der Mensch, dann der Wald, verdammt noch mal! Sein sonst so ruhiges Gesicht war rot vor Zorn. Auch Tobel spürte Wut in sich auf steigen, und die Wut tat ihm gut, wirkte befreiend. Wir müssen was unternehmen, schaltete er sich ins Gespräch ein, denn es ist doch so: Ohne Arbeitsplatz kein Auto, und ohne Autos, wie kommen wir dann an unsere Arbeitsplätze? – Genau, ganz richtig, so ist es, tönte es von allen Seiten. Kein Zweifel, die Kollegen waren kampfbereit bis zum äußersten.

M 1: Ausgezeichnet. Jetzt überraschende Wendung.

M 4: Plötzlich erschien der Meister in der Halle. Das Arschloch, konnte Birgel noch knurren, bevor sie in alle Himmelsrichtungen auseinanderstoben, um die Plätze an ihren Maschinen einzunehmen. – Mechanisch vollführte Tobel die gewohnten Handgriffe. Er fühlte sich ausgebrannt, doch tief in ihm schwelte ein Feuer ...

M 1: In Ordnung. Der Hold kehrt nach Hause zurück. – Bitte.

M 4: Tobel knallte die Wohnungstür hinter sich zu und drehte das Radio an. Gerda sprang nackt aus dem Bett und schaltete es wieder aus. Endlich bist du da, sagte sie, komm, schnell, ich bin so scharf … Damit legte sie sich verführerisch aufs Bett. Nun wurde es Tobel [24] zuviel. Verdammte Scheiße, brüllte er, wir kämpfen am unsere Arbeitsplätze, und du hast nichts im Kopf als deine Votze! Leck mich doch am Arsch!! Er schlug sich mehrmals mit der flachen Hand gegen die Stirn. Die Digitaluhr auf dem Nachtkästchen zeigte 5 Uhr 55.

Klaviermusik

Aufblenden. Innenraum. Katz und Klump über eine Landkarte gebeugt.

Klump: ... also, die Steiermark.... Die letzten Stationen der Klein waren... – gib mir mal ‘ne Stecknadel rüber – waren Knittelfeld, hier ... und Judenburg ... da, Judenburg. Dann allerdings reißt der Film. – Aber jetzt paß auf,

nimmt ein Schriftstück zur Hand

Klump: Auszug Dossier:

liest vor

Klump: Die nächste Zusammenkunft – Strategie, Logistik – fand in einem Schloß in der Nähe von Leibnitz statt. Dieses Schloß gehört übrigens einem bedeutenden Hygieneartikel-Hersteller. Beobachtet wurden hauptsächlich Top-Leute: Neben Aschenbrenner, dem nur wenig später ermordeten Führer der Venediger-Gruppe, Rieche und Rubbers von der Handelsbank, Zunz und von Hurwitz von der Goldberg-Gruppe sowie »Old Schwurhand«. Die Adamello-Gruppe war durch Negrelli vertreten, die Silvretta-Gruppe durch O’Loughlin. Außerdem gesichtet: der südafrikanische Botschafter usw. usf.

legt das Papier beiseite

Klump: Hochkarätige Versammlung, erlesenes Buffet. Bedienung und Garderobenmädchen über eine Hostessen-Agentur engagiert. Hübsche Mädchen, die sich ein Taschengeld verdienen. – Weißt du, worauf ich hinauswill?

Katz: Längst schon, aber man soll ja den Erzählfluß nicht bremsen ...

Klump: Du mit deinen verdammten Weisheiten! Weißt du’s nun oder weißt du’s nicht? [25]

Katz: Ja doch, die Klein war im Schloß, hat dort serviert. Na und?, hilft uns das weiter? Ist sie vielleicht noch dort?

Klump: Natürlich nicht. Worum es geht, ist: Was wollte sie dort? Was weiß sie? Was hat sie vor? Hat sie am Ende einen dieser Leute in ihr Bett gelockt? Immer neue Fragen, und dabei läuft uns die Zeit davon ...

Klaviermusik

Sprecherin: Der moderne Beziehungsroman. – Waldhof-Variationen – Letzte Folge.

Zwischen den einzelnen Blöcken Klaviermusik

F 4: – Die Stellenanzeige war auffällig plaziert – Import-Export, internationale Gruppe. Ich war mir sicher –

M 3: – Aus der Art, wie sie mich ansah, wurde mir klar –

F 2: – Nein, bedaure, Frau Prokurist Waldhof ist im Augenblick besetzt.

M 2: – oder um es mit einem Ausdruck aus dem Eishockey zu benennen: konsequentes Forechecking der Konkurrenz gegenüber.

F 4: – bietet sich nicht alle Tage, die Möglichkeit, einem Spitzenmann zu Diensten zu sein ...

M 3: – außergewöhnlich, keineswegs alltäglich, ganz und gar außergewöhnlich

F 4: – Er nahm mich mit zum Derby. Der Geruch 4er weiten Rasenflächen, ein leichter Wind, schweißnasse Pferde –

M 3: – später Abendessen mit ihr. Sie trug pfingstrosenfarbene Strümpfe und kurze Hosen. Und ihr perfektes Französisch, erstaunlich. [26]

M 2: Morgen abend,

M 3: sagte ich,

M 2: Tel Aviv?

F 2: Tel Aviv,

F 4: gab ich zurück,

F 2: morgen abend!

M 3: – Es hat ja was auf sieh, sagte sie, es hat was auf sich, wenn gesagt wird, der Faschismus spielt sich im Bett ab, aber ich persönlich hab‘s gern, wenn –

F 4: – Auf einer Messe wie der kommenden, sagte er, werden Sie es nur mit potenten Käufern zu tun haben –

F 2: Also Tel Aviv,

F 4: sagte ich,

F 2: morgen abend!

M 2: Morgen abend,

M 3: antwortete ich,

M 2: Tel Aviv, ja.

F 2: Mit einem Loser ins Bett?

M 3: Mit einem Loser ins Bett, niemals, sagte sie. Wie ich die Grenze zwischen Privat- und Geschäftsleben ziehe, wollte sie wissen. Und ich: –

F 4: Bin absoluter Winner, und so geistreich! Hemmungslos ungenau ziehe er die Grenze zwischen Privat- und Geschäftsleben. Wovon ich mich nachhaltig überzeugen konnte. [27]

M 2: – Hemmungslos ungenau. Zu guter letzt

Eine Spur leiser, mühsam ein Lachen unterdrückend

M 2: pinkelte ich ihr in die Votze ...

M 2: Wir haben,

M 3: sagte ich, wieder im Hotel,

M 2: nämlich einen großen Anwendungsstau in der Büroelektronik

M 3: und sah sie bedeutungsvoll an ...

F 2: Oh,

F 4: gab ich zurück,

F 2: oho, ließe sich dem nicht abhelfen …?

F 4: Er holte seinen Klepper aus dem Latz und sprach: –

M 3: Bevor es abermals soweit war, sagte ich:

M 2: Möge sich diese wunderbare Technologie flächendeckend über den gesamten Verwaltungsbereich ergießen ...

M 3: Dann kam ich über sie wie Honeywell Bull.

Klaviermusik, ausblenden Innenraum. Beide fassungslos.

Klump: Also, was sagt man dazu!?

Katz: Ich wird’ nicht mehr ... Nicht zu fassen, und doch –

Klump: Das Radio, schnell …

Radio wird angestellt, Vordergrund:

Journalstimme: – immer noch versucht wird, die Verbindung nach Leibnitz herzustellen, ist es uns gelungen, den Ersten Gemeinde Sekretär von Leibnitz, Herrn Schmidt, ins Studio zu bekommen, –

Schmidt: Guten Abend.

Journalstimme: Herr Schmidt, Sie waren indirekt ja auch Betroffener

Schmidt: Betroffener, ja. [28]

Journalstimme: Herr Schmidt, kurz zur Täterpersönlichkeit| wer war eigentlich dieser Dietrich Wegener, der in der spektakulären Kommandoaktion vom Sparverein Grün-Schwarz-Grün unschädlich gemacht wurde? Sie haben mir vorhin gesagt, ganz Leibnitz hat sich vor ihm gefürchtet m –

Schmidt: Gefürchtet ist das richtige Wort, ja.

Journalstimme: Wenn ich recht verstanden habe, waren die Straßen, wenn Wegener auftauchte, wie leergefegt, niemand hat sich aus dem Haus getraut?

Schmidt: Jawohl, leergefegt.

Journalstimme: Nachforschungen haben ergeben, daß der Name Wegener auf Wegelagerer zurückgeht, also auch die Vorfahren schon –

Schmidt: Damit hat es ja nun ein Ende.

Journalstimme: – auch die Vorfahren bereits Wegeners, Wegelagerer waren.

Schmidt: Wegelagerer, ganz richtig.

Journalstimme: Und es ist immer wieder zu Zusammenstoßen und Zwischenfällen gekommen in Leibnitz?

Schmidt: Das ist richtig, ja.

Journal stimme:: Man kann also sagen, dieser Wegener war jener Typus des Kriminellen, der mit der Feigheit seiner Mitmenschen rechnet?, ein Außenseiter, für den das Wort Freundschaft ein Fremdwort war und der sich völlig in seine Wahnideen verrannt hat?

Schmidt: Die Rechnung wurde ihm präsentiert.

Journalstimme: Herr Schmidt, Wegener hat von der Gemeinde freien Abzug gefordert, und zwar in einem Auto, das von Ihrer Tochter gelenkt wird. Ihre Tochter ist jetzt wie alt?

Schmidt: 23 [29]

Journalstimme: So sind inzwischen Stimmen laut geworden, die das harte Vorgehen der Gemeinde, insbesondere das Einbeziehen des Sparvereins, die Absperrungsmaßnahmen und schließlich die Liquidation verurteilt haben. Stimmen, die meinen, man hätte Wegener das Auto zur Verfügung stellen sollen, er hätte zweifellos Ihre Tochter unversehrt freigelassen.

Schmidt: Absurd.

Journalstimme: Sie stehen also zur Vorgangsweise der Gemeinde.

Schmidt: Voll und ganz.

Journalstimme: Auf der anderen Seite sind aber auch Telegramme eingegangen, die die Aktion befürworten?

Schmidt: Breiteste Zustimmung, ja.

Journalstimme: Herr Schmidt, könnten Sie uns eines dieser Telegramme vielleicht kurz vorlesen?

Schmidt: Gern.

Schmidt: »Dank an unsere Helden vom Sparverein Grün-Schwarz-Grün. – Wir sind stolz auf sie: Sie haben eine schwere Arbeit gut gemacht. – Sie sind keine Abenteurer, sondern ernste Männer, die sich um unser Leibnitz verdient gemacht haben. – Nochmals danke!«Ich denke, ein Kommentar erübrigt sich.

Journalstimme: Eine letzte Frage, Herr Schmidt: Besteht die Möglichkeit, daß Wegener Kontakte zur Schobergruppe unterhielt?

Schmidt: Nach bisherigen Erkenntnissen ist eine solche Verbindung so gut wie auszuschließen.

Radio wird abgedreht.

Klump: Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag. Groß ist nicht Groß, und Klein nicht die Kleine …

Sprecher: Katz und Klump verwickelte sich plötzlich in eine heftige Auseinandersetzung. [30] Während Klump glaubte, in der Stimme des Gemeindesekretärs jene von Johannes Groß erkannt zu haben, und Schmidts angebliche Tochter folglich nur Barbara Klein sein konnte, versteifte sich Katz auf das Telex des Informanten Fiebelkorn, wonach Groß und Klein sich längst nach Kolumbien abgesetzt hätten und in Bogota eine Kneipe betrieben …

Klump: – und ich sage dir, er ist es, es war seine Stimme, wir müssen vor Tagesanbruch zugreifen –

Katz: – Völlig irrsinnige Vermutung, im Rundfunk ist eine Täuschung nie auszuschließen. Die Schobergruppe ist in den Anden! Fiebelkorn weiß, was er sagt – ein Mann, der sich nicht ins Bier spucken läßt!

Beide Stimmen nun gleichseitig, erregt aufeinander einredend:

Klump: Fiebelkorn! Kneipe in Bogota! Blödsinn. Ein übles Schwein ist dieser Fiebelkorn, der weiß doch nicht mehr, für wen er arbeitet, wenn er nur arbeiten kann. – Fiebelkorn, Zwiebelkorn! Ich sage dir, wir müssen hier zugreifen, im Scheißgau, in Leibnitz, bevor der Tag anbricht, müssen wir zugreifen.

Katz: Groß und Klein sind in Bogota, das liegt klar auf der Hand. Bis hin zum Kneipennamen, wie heißt denn die Kneipe? »Zum Hochschober« heißt sie, oder heißt sie vielleicht nicht »Zum Hochschober« – Schmidt ist nicht Groß, und Klein nicht die Kleine ...! Alle Spuren waren falsch, wir müssen nach Südamerika …

Klaviermusik

[31]

Sprecherin: Sie hörten den dramatisierten Schundroman –

M 1: Letzte Folge.

F 3: Nein.

M 1: Groß und Klein.

F 3: Nichts.

M 1: Waldhof-Variationen.

F 3: Nichts gehört.

M 1: Arbeitswelt.

F 3: Du hast nichts gehört.

M 1: Ich habe alles gehört. – Marktwirtschaft.

F 3: Nein.

M 1: Tagebuch.

F 3: Auch nicht.

M 1: Spur nach Bremerhaven.

F 3: Kein Wort.

M 1: Gars am Kamp.

F 3: Keinen Laut.

M 1: Schnee.

F 3: Da hast nichts gehört.

M 1: Ich habe alles gehört. Was bisher geschah.

F 3: Niemand hat etwas gehört.

M 1: Alle haben es gehört.

F 3: Nein.

Ende

[1][2]

SIL

SIL

Pause

sprecher1: Österrerich eins

SIL

musik

sprecher2: Welt der Literatur

SIL

Pause

sprecher1: der dramatisierte Schundroman

SIL

sprecher1: letzte Folge.

SIL

sprecher1: Hörspiel von Werner Kofler

SIL

sprecher1: und Antonio Fian,

SIL

sprecher1: mit Irene Budischowsky,

SIL

sprecher1: Cecile Cordon,

SIL

sprecher1: Barbara Lehner,

SIL

sprecher1: Ella Peneder,

SIL

sprecher1: Karl Dobrawsky,

SIL

sprecher1: Georg Mittendrein,

SIL

sprecher1: Hermut Müller,

SIL

sprecher1: Klaus Uhlich und Fritz Wickenhauser.

SIL

sprecher1: sowie Martha Wedral,

SIL

sprecher1: Rudolph Jenakowitsch,

SIL

sprecher1: Ortwin Reinisch und Franz Tschank.

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

[3]

sprecherin: der dramatisierte Schundroman

SIL

musik

stimmeM1: angst .

SIL

Pause

musik

stimmeM2: nein

SIL

Pause

musik

stimmeM1: Atemnot.

Pause

SIL

stimmeM2: nein.

SIL

musik

stimmeM1: tödlicher Husten.

Pause

SIL

stimmeM2: nein.

SIL

musik

stimmeM1: Sturm über Kreta.

Pause

SIL

stimmeM2: auch nicht.

SIL

stimmeM1: Blut?

SIL

stimmeM2: nein.

SIL

stimmeM1: der stille Ozean?

SIL

stimmeM2: nicht gut.

SIL

stimmeM1: Schreie aus der Hölle.

SIL

stimmeM2: nein.

SIL

stimmeM1: die Zukunft der Sinne.

SIL

stimmeM2: auf keinen Fall.

SIL

stimmeM1: Finsternis?

SIL

stimmeM2: unter Umständen.

SIL

stimmeM1: die Erfindung

SIL

stimmeM1: der Wirklichkeit?

SIL

stimmeM2: eventuell.

SIL

stimmeM1: Bild und Welt?

SIL

stimmeM2: auch.

SIL

stimmeM1: letzte Folge.

SIL

stimmeM2: ja!

[4]

stimmeM1: was bisher geschah.

SIL

SIL

stimmeM2: was bisher geschah.

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

musik

sprecherin: was bisher geschah.

SIL

stimmeF1: begonnen hatte es auf dieser Reise Europa Nahost

SIL

Pause

stimmeF1: angefangen hatte alles mit diesem Auftrag

SIL

stimmeF1: nach Gesprächen in Oslo,

SIL

stimmeF1: Verhandlungen in Genf,

SIL

stimmeF1: neurlichen Zerwürfnissen in Brüssel

SIL

stimmeF1: verlobten wir uns in Zürich

SIL

stimmeF1: aber in Krefeld schon wieder Szenen

SIL

stimmeF1: Krawalle

SIL

stimmeF1: und Berlin

SIL

stimmeF1: ich hatte das Gefühl, gegen eine Mauer zu reden, so behandelte er mich.

SIL

stimmeF1: in Helsinki trafen wir ein Abkommen

SIL

stimmeF1: an das er sich in Madrid schoön nicht mehr hielt .

SIL

stimmeF1: unterwegs nach Warmbad Villach beschloss ich

SIL

stimmeF1: meine Forderungen deutlich zu machen

SIL

stimmeF1: in Mürzzuschlag in einem Gasthof der elendsten Sorte führte ich dieses Vorhaben auch aus

SIL

stimmeF1: aber er lachte bloß.

SIL

stimmeF1: dann Linz!

SIL

stimmeF1: ich appellierte an sein Gewissen an was weiß ich, endlich Schluss zu machen damit!

SIL

stimmeF1: nichts.

SIL

stimmeF1: zugegeben, wir hatten wunderbare Zeit in Klagenfurt während der Holzmesse

SIL

stimmeF1: bei den Eichendorfer Dichtertagen, die gerade dort abgehalten wurden.

SIL

stimmeF1: aber dann ging es Schlag auf Schlag.

SIL

stimmeF1: sein Terror in Italien.

SIL

stimmeF1: seine Schönfärberei in Lissabon.

SIL

stimmeF1: die Auseinandersetzungen am Persischen Golf.

SIL

stimmeF1: schließlich

SIL

stimmeF1: in einem Hotelzimmer in Beirut

SIL

stimmeF1: brach der Konflikt offen aus.

SIL

stimmeF1: Himmel und Hölle so nah beisammen

SIL

stimmeF1: und immer die Spuren verwischen.

sprecher: was bisher geschah.

[5]

SIL

SIL

stimmeM3: verdammter Auftrag, mit dem alles anfing.

SIL

stimmeM3: der uns zusammenführte

SIL

stimmeM3: kreuz und quer durch Europa

SIL

stimmeM3: und wohin noch?

SIL

stimmeM3: Mutlangen

SIL

stimmeM3: Esslingen

SIL

stimmeM3: Rottweil

SIL

stimmeM3: überall gewesen

SIL

stimmeM3: Metz, Idolsberg, Gars am Kamp

SIL

stimmeM3: nichts, das uns fremd blieb.

SIL

stimmeM3: nie vergesse ich Zürich

SIL

stimmeM3: mein Waterloo

SIL

stimmeM3: wie sich leider erst in Berlin herausstellte.

SIL

stimmeM3: Oslo, Genf, Brüssel

SIL

stimmeM3: Gespräche, Programmentwürfe, Friedenssicherung.

SIL

stimmeM3: in Krefeld aber schon Krawalle

SIL

stimmeM3: dass das Hotelpersonal zusammenlief

SIL

stimmeM3: ähnlich in Helsinki

SIL

stimmeM3: wo sie ein Abkommen vorschlug

SIL

stimmeM3: dann

SIL

stimmeM3: Warmbad Villach.

SIL

stimmeM3: Heulszenen in Linz.

SIL

stimmeM3: sie appelliere an mich

SIL

stimmeM3: ein Zwischenfall nach dem anderen

SIL

stimmeM3: diese Reise schien nur aus Zwischenfällen zu bestehen.

SIL

stimmeM3: und immer wieder

SIL

stimmeM3: du bist ja betrunken

SIL

stimmeM3: du hast getrunken unausgesetzt.

SIL

stimmeM3: jawohl, gab ich zurück.

SIL

stimmeM3: seit jener Szene in Berlin trinke ich

SIL

stimmeM3: und ich gedenke nicht damit aufzuhören.

SIL

stimmeM3: ihr Mürzzuschlager Manifest,

SIL

stimmeM3: ihre Salzburger Humanismusgespräche.

SIL

stimmeM3: wie es ihr begreiflich machen?

SIL

stimmeM3: in Italien griff ich hart durch

SIL

stimmeM3: Lissabon

SIL

stimmeM3: brannte ich

SIL

stimmeM3: ein Feuerwerk an Galanterien ab.

SIL

stimmeM3: alles umsonst.

SIL

stimmeM3: Zürich war ein tragischer Irrtum gewesen.

SIL

stimmeM3: Dann die Libanon-Krise.

SIL

stimmeM3: diese schreckliche Nacht, eingesperrt in einem Hotelzimmer.

SIL

stimmeM3: ein Funke hatte genügt, um den Konflikt neu anzufachen.

SIL

SIL

SIL

Pause

musik

stimmeM3: aber was bisher geschah, sollte nichts sein gegen das Kommende.

SIL

stimmeM3: was bisher geschah!

[6]

stimmeF1: was bisher geschah

SIL

SIL

Pause

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

sprecher: ein Gespenst geht um in Europa und hinterlässt seine Spuren, die Schober-Gruppe.

SIL

sprecher: alle Versuche, dieses Gespenstes habhaft zu werden, sind bislang gescheitert

SIL

sprecher: zu international agiert die Gruppe, zu raffiniert arbeitet sie mit anderen Gruppen zusammen

SIL

sprecherin: auf einen blutigen Sommer folgt der steirische Herbst

SIL

sprecherin: in Geheimkonferenzen, den später so genannten Schlossberg-Gesprächen, wird die Grazer Dramaturgie beschlossenl

SIL

sprecherin: nämlich den schizophrenen Detektiv Katz und Klump auf das Phantom anzusetzen.

SIL

sprecherin: da Katz und Klump auf Grund seiner vielfältig gespaltenen Persönlichkeit ein ganzes Team von Kriminalisten ersetzen kann

SIL

sprecherin: erscheint diese Vorgangsweise ebenso kostensparend wie vielversprechend.

sprecher: in Warmbad Villach verliert sich die Spur. Katz und Klump nimmt die Ermittlungen auf.

SIL

SIL

stimmeradio: ich wiederhole, alle Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind gesperrt, den Kraftfahrern wird dringend empfohlen, großräumig auszuweichen.

katz: stell das ab

SIL

katz: und was sagst du dazu

SIL

SIL

katz: am vierten fünften übernachtet Frau Klein in Warmbad Villach unter falschem Namen

SIL

katz: sie nennt sich dort Bierbichler.

SIL

katz: verlässt am nächsten Morgen überstürzt das Hotel, niemand weiß wohin.

SIL

klump: gefällt mir nicht.

SIL

klump: die Grenzen so nahe, Italien, Jugoslawien, Rijeka, Triest, Camporosso.

katz: Camporosso, natürlich. die Schießerei, die Nacht von Camporosso.

SIL

SIL

klump: Barbara Klein war damals nachweislich in London,

katz: bist du sicher?

SIL

SIL

klump: ganz sicher.

SIL

klump: sie wurde in London mit einem Ramiro Villanueva, Soldat der Luftwaffe in Bogota, Kolumbien, beobachtet.

katz: und Groß?

SIL

SIL

klump: ebenfalls.

SIL

klump: in Warmbad Villach wurde Johannes Groß zuletzt gesehen, als der Parlamentsklub seine Tagung abhielt.

SIL

klump: Warmbader Beschlüsse, diese Geschichte Deckname Baumgartner.

[7]

SIL

klump: fällt dir was auf? Der Parlamentsklub tagt und rein zufällig ist auch Herr Groß zur selben Zeit in Warmbad

katz: Ja, verdammt! Du hast recht. Wirklich merkwürdig.

SIL

SIL

katz: und jetzt?

SIL

klump: wir warten.

SIL

katz: wir warten?

SIL

klump: wir warten auf eine bestimmte Maschine aus Zürich.

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

flughafeneinstellung

sprecher: der dramatisierte Schundroman

SIL

sprecher: Schnee

SIL

sprecherin: letzte Folge

SIL

stimmeF2: hätte dir Ramiro Villanueva

SIL

stimmeF2: hätte dir nicht bei der Passkontrolle schon zu denken geben sollen

SIL

stimmeF2: wie rasch und selbstverständlich du abgefertigt wurdest?

SIL

stimmeF2: gut, du warst selbst damit beschäftigt, als harmloser Tourist zu erscheinen

SIL

stimmeF2: aber hätte dir nicht auffallen müssen

SIL

stimmeF2: wie bevorzugt und scheinbar desinteressiert dein Gepäck kontrolliert wurde?

SIL

stimmeF2: hättest du nicht in die Ankunftshalle tretend zumindest den Herrn mit dem Schlapphut bemerken müssen

SIL

stimmeF2: der angestrengt die Tafel mit den Arrivals studierte oder den anderen

SIL

stimmeF2: der sich gerade eine Zeitung kaufte und dann einem Dritten wie einem plötzlich entdeckten Bekannten zuwinkte?

SIL

stimmeF2: als du erleichtert in sein Taxi stiegst. Ramiro Villanueva, und in die Stadt fuhrst

SIL

stimmeF2: hättest du nicht prüfen sollen, ob dir auch niemand folgt?

SIL

stimmeF2: und schließlich die Männer, die kurz nach dir die Hotelhalle betraten und sich

SIL

[8]

stimmeF2: eben wurde dir der Zimmerschlüssel ausgefolgt, wieder entfernten, wie konnten sie dir entgehen?

stimmeF2: gewiss, du konntest nicht ahnen, dass du nicht nur von deinen Geschäftsfreunden erwartet wurdest, sondern auch von ganz anderen

SIL

stimmeF2: sogar die Presse war längst eingeschaltet, eine große Tageszeitung hatte sich exklusiv den Bericht gesichert!

SIL

stimmeF2: der Aufenthalt in dieser Stadt, Ramiro Villanueva

SIL

stimmeF2: wird lange dauern.

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

rotationsgeräusch

stimmeM1: neunzehn Uhr zwanzig

Pause

SIL

stimmeM1: der Drogenkurier trifft im Hotel ein.

SIL

stimmeM1: er nimmt ein Zimmer im dritten Stock.

SIL

stimmeM1: über ein Funksignal erhalten wir das vereinbarte Zeichen.

SIL

Rotationsgeräusch

stimmeM1: neunzehn Uhr dreiundzwanzig

Pause

SIL

stimmeM1: der Kolumbier meldet ein Telefongespräch an.

SIL

stimmeM1: wie erwartet, will er sich mit seinem Kontaktmann in Verbindung setzen.

SIL

stimmeM1: mit Lichtorgler Rapp,

SIL

stimmeM1: in der Unterwelt auch als Tätowierer bekannt.

SIL

stimmeM1: neunzehn Uhr fünfundzwanzig

SIL

stimmeM1: die Spannung nimmt zu.

SIL

stimmeM1: in der Wohnung des Tätowierers klingelt das Telefon.

SIL

stimmeM1: in der Wohnung des Tätowierers klingelt das Telefon!

SIL

Nebelhorn

stimmeM1: die Spannung steigt weiter.

Pause

SIL

Telefonklingeln

Pause

Telefonklingeln

Pause

Telefonklingeln

frauenstimme: lachen stellt euch vor lachen das Telefon klingelt lachen und keiner geht hin

Telefonklingeln

Telefonklingeln

SIL

Telefonabheben

Pause

männerstimme: pronto

[9]

SIL

frauenstimme: lachen stell dir vor du gehst hin lachen und keiner ist dran.

SIL

frauenstimme: lachen

frauenstimme: lachen

SIL

Telefonaufgelegen

Telefonklingeln

Telefonabheben

Pause

männerstimme: pronto

SIL

telefonstimme: hallo, Leibnitz? ich rufe Leibnitz, Leib

SIL

Telefonaufgelegen

Pause

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

Rotationsgeräusch

stimmeM1: neunzehn Uhr dreizig

Pause

SIL

stimmeM1: auf dem Höhepunkt der Spannung kommt es zu Fehlschaltungen und Missverständnissen

SIL

stimmeM1: da aber summt in Villanuevas Hotelzimmer das Telefon.

SIL

stimmeM1: Villanueva hebt ab.

Telefonabheben

SIL

stimmeM1: Villanueva Kältetechnik, Grüß Gott?

SIL

telefonstimme: Die Wahrheit ist weiß wie Schnee

SIL

telefonstimme: in zehn Minuten

SIL

telefonstimme: basta

SIL

Besetztzeichen

Telefonauflegen

Rotationsgeräusch

stimmeM1: nun kommt Bewegung in die Geschichte

Pause

SIL

stimmeM1: zehn Minuten nach diesem mysteriösen Anruf

SIL

stimmeM1: wahrscheinlich der vereinbarte Code

SIL

stimmeM1: betritt Lichtorgler Rapp hastig das Hotel und erklärt, Senor Villanueva erwarte ihn in seinem Zimmer.

SIL

SIL

SIL

stimmeM1: Gleich wird der große Schlag geführt werden.

SIL

Musik

sprecherin: auf das vereinbarte Klopfzeichen öffnete Villanueva die Tür seines Zimmers. »heroinspaziert, heroinspaziert,« begrüßte er aufgeräumt seinen sauberen Freund.

Pause

SIL

sprecherin: dann verschloss er hinter dem Besucher die Türe

SIL

Türschliessen

stimmeM1: neunzehn Uhr sechsundvierzig, die Ereignisse überstürzen sich. Mit Panzerfäusten dringen die Detektive ins Zimmer und halten den verblüfften Männern ihre Dienstmarken unter die Nase.

Pause

SIL

[10]

stimmeM1: aus dem Gesicht des Kolumbiers entweicht jede Farbe .

SIL

entweichende Luft

stimmeM1: die Beamten ziehen rasch eine Probe des Giftes, um sich von Echtheit und Güte zu überzeugen, dann werden der Drogenkurier und sein Kontaktmann abgeführt.

Pause

SIL

stimmeM1: beim Tätowierer wird außerdem ein brisantes Notizbuch mit bekannten Namen der Halbwelt sichergestellt .

SIL

Musik mit Gesang: »sei kein Tätowierer, sondern suche nach der Mondprinzessin«

sprecherin: bei den Detektiven herrschte eine Stimmung wie man sie vom Schmaus nach großen Jagden kennt. Eine Feststimmung, die noch tagelang anhielt.

Pause

SIL

sprecherin: nur einer mochte sich der geglückten Aktion nicht so recht freuen, der Detektiv Katz und Klump.

SIL

sprecherin: bis spät in die Nacht saß er über Aussagen und Protokollen und überlegte,

SIL

sprecherin: ob dieser Erfolg nicht eine Ablenkung vom eigentlichen großen Coup gewesen sein könnte.

SIL

klump: erklär mir bitte mal, warum Groß nicht an Bord des Flugzeugs war?

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

klump: dass nicht Villanueva geopfert wurde, damit Groß unbehelligt agieren kann?

SIL

katz: hm ziemlich ausgeschlossen, wenn du mich fragst.

SIL

SIL

katz: mhm

SIL

SIL

katz: Warmbad Villach?

SIL

klump: ach Harry, Warmbad Villach

SIL

klump: ja, Warmbad Villach, Beirut, Stockholm, Attersee, wer weiß? Such mal eine Träne in Ozean.

[11]

sprecherin: Aber auch, dass den Kleinverteilern und Endverbrauchern nicht beizukommen war, bereitete dem Detektiv Kopfzerbrechen .

SIL

SIL

SIL

SIL

klump: Falco, Ambros behaupten den Tätowierer persönlich gar nicht zu kennen, hätten rein beruflich mit seiner Firma zu tun.

katz: freche Hunde.

SIL

SIL

klump: oder, hier, Herr Fendrich, droht gleich mit Anwalt.

SIL

klump: sein Lieblingssport wäre Schwimmen, nicht Ski fahren. Erklärt, dass er Platinplatten nur an der Wand mag, nicht in der Nase .

katz: Arschloch.

SIL

SIL

katz: mir reichts für heute. einatmen dreh mal das Radio an.

SIL

radiostimme: die Verbindung nach Leibnitz ist leider nicht mehr zustandegekommen, wir werden es in unserer nächsten Sendung wieder versuchen, bis dahin guten Abend.

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

musik

sprecherin: der dramatisierte Schundroman. Gars am Kamp mein Lieber! Letzte Folge.

SIL

SIL

Pause

SIL

sprecher: ernst und ohne einander anzublicken gingen sie den Schotterweg von der Kirche hinunter zum Wirtshaus.

SIL

Spaziergangeinstellung

stimmeM2: ich habe alles gesehen, alles gesehen in Gars am Kamp.

SIL

stimmeF3: alles?

stimmeM2: ich bin mit dem Postautobus gefahren, vier Stunden.

SIL

SIL

stimmeF3: vier Stunden?

[12]

SIL

stimmeM2: vier Stunden, ja.

SIL

SIL

SIL

stimmeM2: dann umgepflügte Äcker, ockerfarbene Felder, schließlich

SIL

stimmeF3: du hast nichts gesehen in Gars am Kamp.

SIL

SIL

SIL

stimmeF3: Schüsse?

stimmeM2: jawohl, Schüsse

SIL

SIL

stimmeM2: ich sah, wie der Nusshäher mitten im Flug ins Trudeln geriet und abstürzte.

SIL

SIL

SIL

stimmeF3: das hast du gesehen?

SIL

stimmeM2: nie konnte mir ein Tier entgehen.

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

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SIL

stimmeF3: rosa Pfoten?

SIL

SIL

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stimmeF3: dann?

SIL

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SIL

Spaziergangeinstellung

SIL

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[13]

SIL

SIL

SIL

SIL

stimmeM2: nachdem die Frau den Maulwurf, du erinnerst dich?

SIL

stimmeF3: den Maulwurf mit den rosa Pfoten

SIL

SIL

SIL

stimmeM2: sah ich, wie sie mit einem Hackmesser einen Kürbis zwischen ihren nackten Füßen

SIL

stimmeF3: das willst du gesehen haben? Nichts hast du gesehen.

stimmeM2: ich habe

SIL

SIL

SIL

SIL

stimmeM2: wie sie, auf einem Fass sitzend, den Kürbis zwischen ihre nackten Füße klemmte

SIL

SIL

SIL

stimmeF3: du hast dich getäuscht, du hast nichts gesehen!

SIL

stimmeM2: es sollte noch schlimmer kommen. Ich sah, wie die Knechte die Maispflanzen knapp über dem Boden abhieben

SIL

stimmeM2: sodass gelbe Stümpfe stehenblieben, dann nahmen sie die Bündel in den Arm und streuten sie in die Ackerzelle

SIL

stimmeM2: einmal

SIL

stimmeF3: nein!

SIL

stimmeM2: einmal hob der Bauer seine Jacke am Feldrand auf und trank einen Schluck aus dem Mostkrug

SIL

stimmeM2: der Sohn des Bauern trug trotz der Hitze eine rot-weiße Wollmütze auf dem Kopf, eine Schisportlermütze

SIL

stimmeM2: eine Riesentorlauf-Spezialistenmütze. Auf der anderen Seite

SIL

stimmeM2: neben einem Holzschuppen, neben zwei leeren Fässern, gackerten aufgeregt die Hühner

SIL

stimmeF3: es kann nicht sein, du hast nichts gesehen.

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

[14]

stimmeM2: in ihrer Buntheit sahen sie aus wie mit gelben und roten Federn eines Paradiesvogels geschmückt

SIL

stimmeM2: hörst du mich?

SIL

stimmeF3: du hast es nicht ertragen

SIL

stimmeF3: du hast den Blick gesenkt und minutenlang den aufgegangenen Schnürsenkel an deinem linken Schuh betrachtet

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

stimmeM2: eines anderen Tages, tiefer Frieden überall, kam ein lilafarbener Volkswagen nach Gars am Kamp und hielt unten an der Brücke

SIL

stimmeM2: einer Ohnmacht nahe, zwang ich mich hinzusehen

SIL

stimmeM2: aus dem Kraftfahrzeug stieg ein vielleicht vierzigjähriger Mann mit dunklen Haaren

SIL

stimmeM2: und einem Vollbart und kam die Straße herauf

SIL

SIL

SIL

sprecher: mit einem erstickten Schrei stürzte sie zu seinen Füßen. er sah sich um.

Pause

SIL

sprecher: nur noch wenige Schritte waren sie vom Wirtshaus entfernt

SIL

sprecher: und doch wusste er plötzlich, dass er niemals mehr seinen Fuß in die düstere Wirtsstube setzen würde

SIL

sprecher: in der sie kurze Zeit so glücklich miteinander gewesen waren.

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

sprecherin: es ist fünfzehn Uhr zehn. Eine Vekehrsmeldung.

sprecherin: Achtung, Autofahrer, im Großraum Leibnitz, alle Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind gesperrt

SIL

sprecherin: es wird dringend empfohlen, großräumig auszuweichen.

[15]

SIL

Musik

sprecher: Spur nach Bremerhaven

SIL

klump: was bisher geschah?

Pause

katz: nichts, überhaupt nichts!

SIL

SIL

klump: es ist zum Aus-der-Haut-Fahren.

SIL

katz: ich will noch einen ganzen Haufen leben.

SIL

klump: meinst du, ich nicht? Was soll denn der Quatsch ?

katz: nichts, nur so, fiel mir grade ein.

SIL

SIL

klump: du kannst einem vielleicht auf den Wecker fallen, aber ganz gehörig! Lass jetzt den Blödsinn!

klump: noch mal von vorn, wir

katz: ich höre.

SIL

SIL

klump: wir müssen System reinbringen.

SIL

klump: unser einziger Anhaltspunkt ist, dass Groß, nachdem aus Wien verschwunden ist, im April in Bremerhaven auftaucht.

SIL

klump: und zwar schleicht er sich dort in einen Arbeitskreis Rüstungswirtschaft ein, der von Müll geleitet wird.

SIL

katz: Müll?

SIL

katz: der Müll, bei dem mal die Klein? Unser Müll?

SIL

klump: genau der, der Industrie-Müll

SIL

klump: erst Krupp, dann Thyssen, später zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Heer und Industrie ins Ministerium berufen.

SIL

katz: verstehe.

SIL

klump: das Problem ist, dass in unserem Dossier der Name Groß nicht aufscheint.

SIL

klump: unsere Spur beruht einzig auf einer mündlichen Information eines Kontaktmannes, Bundeswehroffizier, nicht eben zuverlässig.

SIL

katz: trotzdem, weiter.

SIL

klump: im Rahmen des Intensivierungsprogramms werden auch kurzfristige Wehrübungen für Industriemanager abgehalten.

SIL

klump: Führungskräfte werden an MP und MG ausgebildet .

SIL

[16]

klump: in Bremerhaven nahm auch ein gewisser Hans Magnus Enzengruber an einer solchen Übung teil.

katz: Enzengruber? hm Enzensberger!

SIL

SIL

klump: Enzengruber. Der Nachname tut übrigens nichts zur Sache.

katz: und?

SIL

SIL

klump: du kennst ihn, wir beide kennen ihn.

katz: hm

SIL

SIL

klump: Hans Magnus Enzengruber, überleg doch mal. Fällt dir nichts auf?

katz: ich werd verrückt. Johannes Groß!

SIL

SIL

klump: das hat aber lange gedauert. Groß, natürlich, von sich selbst besessen bis in die Decknamen hinein.

katz: wollen uns wohl vorführen, was ne Harke ist, aber vorher zeigen wir ihnen, wo der Bartel den Most holt, in der Steiermark nämlich. Hab ich recht, Stephan?

SIL

SIL

klump: Haarscharf getroffen. die Klein sollte bald darauf in der Steiermark aktiv werden, Knittelfeld, Judenburg.

SIL

klump: aber das nehmen wir uns später vor. Erst die Tagebücher, die sind wichtiger, und dann diesen Pichler.

SIL

pause: Pause

Musik: Musik

sprecherin: der dramatisierte Schundroman. Tagebuch. letzte Folge.

pause: Pause

stimmeF1: achter dritter, Aschaffenburg, müde. verbraucht. leblos.

Musik: Musik

stimmeF1: zehnter dritter, Aschaffenburg, ausgebrannt, wie gelähmt, am Abgrund.

pause: Pause

stimmeF1: banal geträumt. Später Pichler.

Musik: Musik

pause: Pause

stimmeF1: elfter dritter, Nürnberg, ein ausgeleerter Kübel, ein Nichts.

stimmeF1: draußen Föhn. Finsternis. kurzer, unruhiger Schlaf, dann Pichler.

[17]

Rotationsgeräusch: Rotationsgeräusch

stimmeF1: sechszehnter dritter, Erlangen. Nichts. Pichler.

Musik: Musik

pause: Pause

stimmeF1: zwanzigster dritter, Ingolstadt, wie gerädert von der Last meines Körpers. Zwischenfälle, Verluste.

stimmeF1: Abendessen mit Rod. Michel mit seiner behaarten Seemannsbrust. Pichler?

Musik: Musik

stimmeF1: zweiundzwanzigster dritter, Minden, offene Verandafenster. Klaviermusik, dann Pichler.

pause: Pause

Rotationsgeräusch: Rotationsgeräusch

stimmeF1: im Hunsrück. Schüttelfrost. Hundegekläff.

pause: Pause

stimmeF1: alles vergessen, was sein wird. Pichler vergessen.

Musik: Musik

stimmeF1: sechsundzwanzigster dritter, Amras. Verstörung.

pause: Pause

stimmeF1: vorbei am Kalkwerk.

Musik: Musik

pause: Pause

stimmeF1: dreißigster dritter, Madonna di Campiglio

stimmeF1: Sehnsucht. fortschreitende Verwirrung. Gewühl im Sonnengeflecht.

stimmeF1: der Schoß in voller Bereitschaft. Schmerzhaft die Schenkel durchströmendes Einverständnis. Dann Attersee.

Musik: Musik

stimmeF1: zweiter vierter, Ravenna. Attersee.

pause: Pause

Musik: Musik

stimmeF1: dritter vierter, die Hitze vor den zugezogenen Fensterläden. Rotwein aus dem Zahnputzbecher. Nachmittägliches Entsetzen.

pause: Pause

stimmeF1: Rotwein aus dem Zahnputzbecher. Nachmittägliches Entsetzen.

Musik: Musik

stimmeF1: siebenter vierter, Triest. Husten, Erschöpfung .

pause: Pause

stimmeF1: alle Schrecknisse der Nacht durchmessen wie damals, in Bad Gastein. Niemand darf von dieser Niederlage erfahren.

Rotationsgeräusch: Rotationsgeräusch

pause: Pause

stimmeF1: zehnter vierter, Warmbad Villach. Traumrudimente

stimmeF1: P.s Gesicht von Salzsäure verunstaltet. Am Morgen im Foyer

stimmeF1: Mattschacker. Höflich grüßend an ihm vorbei. Drecksack.

Musik: Musik

stimmeF1: zwölfter vierter, Baden Baden

pause: Pause

stimmeF1: wie ein erloschener Vulkan. ja, ein genaues Bild .

stimmeF1: Nachts die Todesschreie eines Vogels.

Musik: Musik

pause: Pause

stimmeF1: zwanzigster vierter, Verfinsterung. Und Rüsselsheim, was habe ich hier verloren.

stimmeF1: ein letztes Mal Attersee.

Musik: Musik

stimmeF1: dreiundzwanzigster vierter, Fulda

pause: Pause

stimmeF1: schmutziggrauer Vormittag. Frühstück. Tod, überall Tod.

[18]

stimmeF1: plötzliches Bild. P.s feuchte Augen mit den lang anhaltenden Blicken.

Musik: Musik

stimmeF1: zweiter fünfter, Bebra. Zwiebelgeruch. Erstickungsanfälle. Tremor.

pause: Pause

Rotationsgeräusch: Rotationsgeräusch

stimmeF1: zehnter fünfter, Attersee. Nichts. Nachts Pichler.

pause: Pause

Musik: Musik

pause: Pause

stimmeF1: elfter fünfter, Leere. Abgestorben. Dann Pichler .

Musik: Musik

stimmeF1: zwölfter fünfter, Pichler, schweigsam, von hinten. In der ländlichen Stille wie begraben.

pause: Pause

Musik: Musik

stimmeF1: vierzehnter fünfter, Aufruhr. Der schöne Brief von H. aus Gars am Kamp.

pause: Pause

stimmeF1: die Kunst eine Sackgasse, welch ein Vergleich!

Musik: Musik

pause: Pause

stimmeF1: sechszehnter fünfter, Pichler, wie ein heißer gelber Sturm. Elf Uhr nachts. Wer ist Pichler wirklich?

Musik: Musik

stimmeF1: vierter sechster, Reicheneibach. Der letzte Tag in Reicheneibach.

pause: Pause

stimmeF1: auf dem Weg zurück in die Dorfwirtschaft plötzlich ein Gedanke, der Entsetzen auslöste. Pichler, kann er mir gefährlich werden?

Musik: Musik

stimmeF1: siebenter achter sechster, im Flugzeug irgendwo über dem Mittelmeer. Hier soll es damals passiert sein.

pause: Pause

Rotationsgeräusch: Rotationsgeräusch

pause: Pause

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

journalstimme: Guten Abend, meine Damen und Herren. Stichwort Tagesthema Leibnitz die Geschehnisse in und um Leibnitz.

Pause

SIL

journalstimme: Wir hoffen, dass die Verbindung nach Leibnitz inzwischen zustande gekommen ist. Augenblick. werden wir einmal schauen. a ja

Telefongeräusche

SIL

journalstimme: hallo, ja?

SIL

journalstimme: hallo, Leibnitz?

SIL

journalstimme: kaum zu verstehen.

SIL

journalstimme: hallo, Mathias Walden, können Sie mich hören?

SIL

journalstimme: hallo?

SIL

journalstimme: ja, es hat leider noch immer nicht geklappt, aber wir versuchen natürlich weiterhin die Verbindung mit Leibnitz herzustellen.

Pause

SIL

Spaziergangeinstellung, Fernsehgeräusche

klump: hast du bemerkt, wie vorsichtig dieser Pichler war? Weiß sicher mehr, als er zugibt. Ein Sympathisant, wie er im Buch steht.

Spaziergangeinstellung

[19]

katz: ach komm, du siehst Gespenster. Nur weil er's vor Jahren mit der Klein getrieben hat?

SIL

SIL

klump: er war auch mit Groß zusammen.

katz: bisexuell?

SIL

SIL

klump: nein doch! Beruflich wenn man’s so nennen will. Kurier der Goldberg-Gruppe, was ihm aber nie nachzuweisen war.

klump: Trainingsmanager der Schober-Gruppe,

klump: internationale Einsätze, aber immer ganz legal. Und und und und und ach. Ich hätte gute Lust, diesen Fall überhaupt hinzuschmeißen.

katz: Kopf hoch, Stephan. Man muss den Flüssen trauen. Warum versuchen wir es nicht einfach am Markt, wir haben doch genügend alte Kunden dort?

SIL

klump: ach! Das wird doch wieder ein Schlag ins Wasser. Aber gut, wenn du meinst. Wir treffen uns also vor der Marktwirtschaft wie früher.

SIL

SIL

Pause

Obst- und Gemüsemarkteinstellung

marktstimme1: Betriebsmittelfinanzierungen Investitionsfinanzierungen Liquiditätssteuerung Kreditgebahrung

[20]

marktstimme2: Schnürsenkel Putzlappen Schwedenhölzer

katz: sieh mal an der Blinde mit der Beinprothese

SIL

klump: wo?

katz: da vorne, beim Lottostand.

SIL

SIL

SIL

SIL

klump: tatsächlich. Wenn der blind ist, fress ich seine Prothese.

katz: jetzt geht er in die Wirtschaft. Los, hinterher.

SIL

SIL

klump: ja. Aber getrennt. Erst du, dann ich.

SIL

Pause

sprecherin: in der Marktwirtschaft ging es hoch her. Der Detektiv tat, als suche er einen Bekannten. und ging langsam von Tisch zu Tisch.

SIL

stimmegast1: Prostata, lieber Amerongen, Prösterchen!

Gasthauseinstellung

SIL

stimmegast2: hoch die Tassen!

stimmegast1: er gab sich nämlich als Verkaufsrepräsentant für Desinfektionsmittel aus!

SIL

SIL

stimmegast3: und wie eine unternehmerisch denkende Persönlichkeit von absoluter Integrität, ein Mann der alten Schule!

SIL

gaststimmen: Arbeitsplätzchen Arbeitsblödsinn

stimmegast4: na du Wirtschaftsförderungsinstitut, du kesses Stück Dreck!

SIL

stimmegast3: im Sinne von Arbeitsplatzsicherung völlig verfehlte Strategie

SIL

SIL

stimmegast4: aber eines sage ich ihnen, meiner Tochterfirma tritt niemand mehr zu nahe!

[21]

stimmegast3: produzier dich nicht so!

SIL

SIL

stimmegast4: wer, ich? Nimm das zurück!

stimmegast3: ich denk nicht dran du, Kryptokommunist, du rote Sau du!

SIL

sprecherin: das zunehmende Chaos in der Marktwirtschaft nutzte der Blinde, um unauffällig zu entkommen.

SIL

Pause

sprecherin: auch Katz und Klump zogen sich eilig aus der Wirtschaft zurück, aber es war bereits zu spät.

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

sprecherin: sie hörten den dramatisierten Schundroman. Da uns bis zur nächsten Sendung noch etwas Zeit bleibt, einige Takte Musik und Werbung.

SIL

musik

werbungstimmeF: Hausfriedensbruch? Besitzstörung? Ärger mit den Nachbarn?

Pause

SIL

werbungstimmeF: ein Granatwerfer von Junghans schafft Abhilfe.

SIL

werbungstimmeF: Granatwerfer von Junghans, dem bisschen Frieden zuliebe.

SIL

musik

werbungstimmeF: die beliebten Mehrzweckfregatten Meko dreihundertsechzig

Pause

SIL

werbungstimmeF: nur von Blohm und Voss Hamburg. Blohm und Voss, die Guten unter den Bösen.

SIL

musik

werbungstimmeM: ihr Rüstungsberater. Diehl, Nürnberg.

Pause

SIL

werbungstimmeM: Handgranaten, Panzerfäuste, Panzerzugmaschinen und was sonst noch für den Frieden vonnöten ist

SIL

werbungstimmeM: bei Diehl Nürnberg. Bei Diehl gibt es viel.

SIL

Musik

Verkehrsmeldungsignal

Pause

sprecherin: eine Verkehrsmeldung.

SIL

sprecherin: die Verbindungsstraßen nach Leibnitz sind immer noch unterbrochen, da sich schon etliche Zwischenfälle ereignet haben.

SIL

sprecherin: wir ersuchen die Autofahrer, von Fahrten nach Leibnitz Abstand zu nehmen.

SIL

Verkehrsmeldungsignal

Pause

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

sprecher: unser Radiolehrgang.

[22]

SIL

Arbeitslärm

sprecher: Arbeitswelt

SIL

sprecherin: der Schundroman zum Selbermachen. Letzte Folge, Nachtarbeit.

Pause

SIL

stimmeM1: Problemstellung und Ausgangssituation. Die Hauptperson macht sich auf den Weg zur Schichtarbeit, seine Freundin geht ins Kino. Beginnen Sie.

SIL

Papier wird umgeblättert

stimmeM4: Johann Tobel fühlte sich elend.Seit er vor einigen Tagen sein Auto zertrümmert hatte, war er nur noch ein halber Mensch.

Pause

SIL

stimmeM4: er musste nun täglich mit Bus und Bahn in den Betrieb fahren. Widerwillig packte er die Jausenbrote ein

SIL

stimmeM4: die ihm Gerda gestrichen hatte. Seine Verlobte wollte ins Kino gehen,

SIL

stimmeM4: sie begleitete ihn bis zur Bushaltestelle.

stimmeM1: Akzeptiert. Das Adverb widerwillig sogar sehr gut.

SIL

SIL

stimmeM1: auch die Geschichte mit dem kaputten Auto ist einfallsreich.

SIL

stimmeM1: nun Abschied und Beschreibung des Weges zum Arbeitsplatz, Tristesse .

SIL

stimmeM4: Tobel küsste Gerda zum Abschied flüchtig auf die Wange und stieg in den Bus.

SIL

Papier wird umgeblättert

stimmeM4: der Bus war nicht geheizt.

Pause

SIL

stimmeM4: auch die Schnellbahn, in die er später umstieg, war kalt und fast leer.

SIL

stimmeM4: in den Wirtsstuben schäumte das Bier aus den Zapfhähnen.

SIL

stimmeM4: von den Dächern der Häuser blinkten Leuchtreklame

SIL

stimmeM4: im Nebel nur als verschwommene Konturen wahrnehmbar. Die Bahn fuhr an einem Autofriedhof vorüber.

SIL

stimmeM4: Tobel fröstelte.

stimmeM1: gut gemacht. Folgt nun Einsetzen der Handlung .

SIL

SIL

stimmeM4: als er die Halle betrat, wunderte er sich und wusste dennoch sofort Bescheid.

Türgerausch

Pause

SIL

stimmeM4: die Kollegen standen in kleinen Gruppen herum und debattierten erregt, es herrschte dicke Luft.

SIL

stimmeM4: Pazifisten und Naturschützer hatten also die Oberhand behalten, dachte Tobel bitter.

[23]

Papier wird umgeblättert

SIL

Pause

stimmeM4: Kurzarbeit, fuhr es ihm durch den Kopf oder überhaupt Arbeitslosigkeit, elend

SIL

stimmeM4: die noch nicht abgezahlte Wohnung, die Raten für den neuen Audi Quatro

stimmeM1: keine Namen bitte. Der Name des Produkts ist bedeutungslos. Jetzt Nebenfiguren, Kampfstimmung.

SIL

SIL

stimmeM4: Johann Tobel gesellte sich zu den Kollegen.

SIL

stimmeM4: »Das können es mit uns nicht machen«, schrie der Birgel, »gerade mit uns nicht! Eine Sauerei ist das«, sagte Rußwurm

SIL

stimmeM4: »Grad jetzt, wo die Benzinpreise steigen und steigen«, ergänzte Maurer. »Umwelt hin oder her, hier geht es um Arbeitsplätze«, schrie Kumpf dazwischen.

SIL

stimmeM4: »Erst kommt der Mensch, dann der Wald, verdammt noch mal!«

SIL

Papier wird umgeblättert

stimmeM4: sein sonst so ruhiges Gesicht war rot vor Zorn.

Pause

SIL

stimmeM4: auch Tobel spürte Wut in sich aufsteigen und die Wut tat ihm gut, wirkte befreiend.

SIL

stimmeM4: »Wir müssen was unternehmen«, schaltete er sich ins Gespräch ein, »denn es ist doch so«

SIL

stimmeM4: »ohne Arbeitsplatz kein Auto und ohne Autos, wie kommen wir dann an unsere Arbeitsplätze?«

SIL

stimmeM4: »Genau, ganz richtig, so ist es«, tönte es von allen Seiten. Kein Zweifel, die Kollegen waren kampfbereit bis zum Äußersten.

stimmeM1: ausgezeichnet. jetzt überraschende Wendung.

SIL

SIL

Papier wird umgeblättert

Pause

stimmeM4: plötzlich erschien der Meister in der Halle. »Das Arschloch«, konnte Birgel noch knurren

SIL

stimmeM4: bevor sie in alle Himmelsrichtungen auseinanderstoben, um die Plätze an ihren Maschinen einzunehmen.

SIL

stimmeM4: mechanisch vollführte Tobel die gewohnten Handgriffe. Er fühlte sich ausgebrannt,

SIL

stimmeM4: doch tief in ihm schwelte ein Feuer!

stimmeM1: in Ordnung. Der Held kehrt nach Hause zurück. Bitte.

SIL

SIL

stimmeM4: Tobel knallte die Wohnungstür hinter sich zu und drehte das Radio an.

SIL

stimmeM4: Gerda sprang nackt aus dem Bett und schaltete es wieder aus.

SIL

stimmeM4: »Endlich bist du da«, sagte sie, »komm schnell, ich bin so scharf.«

SIL

stimmeM4: damit legte sie sich verführerisch aufs Bett. Nun wurde es Tobel

SIL

Papierumdrehen

[24]

stimmeM4: zuviel.

Pause

SIL

stimmeM4: »Verdammte Scheiße«, brüllte er. »Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze und«

SIL

stimmeM4: »und du hast nichts im Kopf als deine Fotze! Leck mich doch am Arsch!«

SIL

stimmeM4: er schlug sich mehrmals mit der flachen Hand gegen die Stirn.

SIL

stimmeM4: die Digitaluhr auf dem Nachtkästchen zeigte fünf Uhr fünfundfünfzig.

SIL

SIL

SIL

Pause

Musik

Pause

Musik

klump: also die Steiermark. Die letzten Stationen der Klein, Warren, gib mir mal ne Stecknadel rüber

SIL

klump: waren Knittelfeld hier und Judenburg. Da Judenburg. Dann allerdings reißt der Film.

Pause

SIL

klump: aber jetzt pass auf. Auszug Dossier.

SIL

Papier wird umgeblättert

klump: die nächste Zusammenkunft Strategie-Logistik fand in einem Schloss in der Nähe von Leibnitz statt,

Pause

klump: dieses Schloss gehört übrigens einem bedeutenden Hygieneartikel-Hersteller.

SIL

klump: beobachtet wurden hauptsächlich Top-Leute neben Aschenbrenner, dem nur wenig später ermordeten Führer der Venediger-Gruppe

klump: Rieche und Rubbers von der Handelsbank, Zunz und von Hurwitz von der Goldberg-Gruppe sowie Old Schwurhand.

klump: die Adamello-Gruppe war durch Negrelli vertreten, die Silvretta-Gruppe durch O’Loughlin

klump: außerdem gesichtet der südafrikanische Botschafter und so weiter und so weiter und so fort.

SIL

Papier wird umgeblättert

klump: hochkarätige Versammlung, erlesenes Buffet, Bedienung und Garderobenmädchen über eine Hostessenagentur engagiert.

Pause

klump: huh, hübsche Mädchen, die sich ein Taschengeld verdienen. Weißt du, worauf ich hinauswill?

SIL

katz: längst schon. Aber man soll ja den Erzählfluss nicht bremsen.

SIL

klump: du mit deinen verdammten Weisheiten! Weißt du es nun oder weißt du es nicht?

[25]

katz: ja doch, die Klein war im Schloss, hat dort serviert. Na und?

SIL

SIL

katz: hilft uns das weiter? Ist sie vielleicht noch dort?

SIL

klump: natürlich nicht. Worum es geht ist, was wollte sie dort, was weiß sie, was hat sie vor?

SIL

klump: hat sie am Ende einen dieser Leute in ihr Bett gelockt? Immer neue Fragen und dabei läuft uns die Zeit davon.

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

Musik

sprecherin: der moderne Beziehungsroman, Waldhof Variationen. Letzte Folge.

SIL

stimmeF4: die Stellenanzeige war auffällig platziert. Import Export, internationale Gruppe. Ich war mir sicher

SIL

stimmeM3: aus der Art, wie sie mich ansah, wurde mir klar

SIL

Musik Telefonklingeln

Musik

stimmeF2: nein bedaure, Frau Prokurist Waldhof ist im Augenblick besetzt.

SIL

stimmeM2: oder, um es mit einem Ausdruck aus dem Eishockey zu benennen, konsequentes Forechecking der Konkurrenz gegenüber.

SIL

stimmeF4: bietet sich nicht alle Tage die Möglichkeit, einem Spitzenmann zu Diensten zu sein.

SIL

stimmeM3: außergewöhnlich, keineswegs alltäglich, ganz und gar außergewöhnlich.

stimmeF4: er nahm mich mit zum Derby. Der Geruch der weiten Rasenflächen, ein leichter Wind einatmen schweißnasse Pferde.

SIL

SIL

stimmeM3: später Abendessen mit ihr, sie trug pfingstrosenfarbene Strümpfe und kurze Hosen, und ihr perfektes Französisch erstaunlich.

[26]

SIL

stimmeM2: Morgen abend

stimmeM3: sagte ich

SIL

SIL

stimmeM2: Tel Aviv?

stimmeF2: Tel Aviv.

SIL

stimmeF4: gab ich zurück

SIL

SIL

stimmeF2: Morgen Abend

SIL

Pause

Musik

stimmeM3: es hat ja was auf sich, sagte sie, es hat was auf sich, wenn gesagt wird, der Faschismus spielt sich im Bett ab

SIL

stimmeM3: aber ich persönlich habe es gern, wenn

stimmeF4: »Auf einer Messe wie der kommenden«, sagte er, »werden sie es nur mit, potenten Käufern zu tun haben.«

SIL

SIL

stimmeF2: also Tel Aviv.

stimmeF4: sagte ich

SIL

SIL

stimmeF2: Morgen Abend.

SIL

stimmeM2: Morgen Abend

stimmeM3: antwortete ich.

SIL

SIL

stimmeM2: Tel Aviv, ja.

SIL

stimmeF2: mit einem Loser ins Bett?

stimmeM3: »Mit einem Loser ins Bett, niemals«, sagte sie. Wie ich die Grenze zwischen privat und Geschäftsleben ziehe, wollte sie wissen, und ich

SIL

stimmeF4: ein absoluter Winner und so geistreich!

SIL

SIL

stimmeF4: hemmungslos ungenau ziehe er die Grenze zwischen privat und Geschäftsleben. Wovon ich mich nachhaltig überzeugen konnte.

[27]

SIL

stimmeM2: hemmungslos ungenau. zu guter Letzt pinkelte ich ihr in die Fotze

Pause

Musik

SIL

stimmeM2: wir haben

stimmeM3: sagte ich, wieder im Hotel

SIL

SIL

stimmeM2: nämlich einen großen Anwendungsstau in der Büroelektronik.

stimmeM3: und sah sie bedeutungsvoll an

SIL

stimmeF4: gab ich zurück

SIL

stimmeF2: oh

SIL

SIL

stimmeF2: oho, ließe sich dem nicht abhelfen?

SIL

stimmeF4: er holte seinen Klepper aus dem Latz und sprach

SIL

stimmeM3: bevor es abermals soweit war, sagte ich

SIL

stimmeM2: möge sich diese wunderbare Technologie flächendeckend über den gesamten Verwaltungsbereich ergießen

stimmeM3: dann kam ich über sie wie Honeywell Bull

SIL

SIL

klump: also was sagt man dazu?

Pause

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

katz: ich werd nicht mehr ausatmen nicht zu fassen und doch

SIL

klump: das Radio, schnell!

SIL

Radioanstellung

journalstimme: immer noch versucht wird die Verbindung nach Leibnitz herzustellen, ist es uns gelungen

Radiogeräusche

SIL

journalstimme: den ersten Gemeindesekretär von Leibnitz, Herrn Schmidt, an das Telefon für diese Sendung zu bekommen, guten Abend Herr Schmidt.

SIL

schmidt: guten Abend.

journalstimme: Herr Schmidt, Sie waren indirekt ja auch Betroffener.

SIL

SIL

schmidt: Betroffener, ja.

[28]

journalstimme: Herr Schmidt, kurz zur Täterpersönlichkeit. Wer war eigentlich dieser Dietrich Wegener

SIL

journalstimme: der in der spektakulären Kommandoaktion vom Sparverein Grün-Schwarz-Grün

journalstimme: unschädlich gemacht wurde? Sie haben mir vorhin gesagt, ganz Leibnitz hat sich vor ihm gefürchtet.

SIL

schmidt: gefürchtet ist das richtige Wort ja.

journalstimme: wenn ich recht verstanden habe, waren die Straßen, wenn Wegener auftauchte, wie leergefegt, niemand hat sich aus dem Haus getraut?

SIL

SIL

schmidt: jawohl, leergefegt.

journalstimme: Nachforschungen haben ergeben, dass der Name Wegener auf Wegelagerer zurückgeht, also auch die Vorfahren schon

SIL

SIL

schmidt: damit hat es ja nun ein Ende.

journalstimme: auch die Vorfahren bereits Wegeners also Wegelagerer waren.

SIL

SIL

schmidt: Wegelagerer, ganz recht.

journalstimme: und es ist immer wieder zu Zusammenstößen und Zwischenfällen gekommen in Leibnitz?

SIL

SIL

schmidt: das ist richtig ja.

journalstimme: man kann also sagen dieser Wegener war jener Typus des Kriminellen der mit der Feigheit seiner Mitmenschen rechnet?

SIL

journalstimme: ein Außenseiter für den das Wort Freundschaft ein Fremdwort war und der sich völlig in seine Wahnideen verrannt?

SIL

schmidt: die Rechnung wurde mir präsentiert.

SIL

journalstimme: Herr Schmidt, Wegener hat von der Gemeinde freien Abzug gefordert und zwar in einem Auto, das von Ihrer Tochter gelenkt wird. Ihre Tochter ist jetzt wie alt?

SIL

schmidt: dreiundzwanzig

[29]

journalstimme: es sind inzwischen Stimmen laut geworden, die das harte Vorgehen der Gemeinde insbesondere das Einbeziehen des Sparvereins

SIL

journalstimme: die Absperrungsmaßnahmen und schließlich die Liquidation verurteilt haben

journalstimme: Stimmen, die meinen, man hätte Wegener das Auto zur Verfügung stellen sollen, er hätte zweifellos Ihre Tochter unversehrt freigelassen.

schmidt: absurd

SIL

journalstimme: Sie stehen also zur Vorgangsweise der Gemeinde?

SIL

SIL

schmidt: voll und ganz.

journalstimme: auf der anderen Seite sind aber auch Telegramme eingegangen, die die Aktion befürworten?

SIL

SIL

schmidt: breiteste Zustimmung, ja.

journalstimme: Herr Schmidt, könnten Sie uns eines dieser Telegramme vielleicht kurz vorlesen?

SIL

SIL

schmidt: gern. dank an unsere Helden vom Sparverein Grün-Schwarz-Grün. Wir sind stolz auf Sie. Sie haben eine schwere Arbeit gut gemacht.

schmidt: Sie sind keine Abenteurer, sondern ernste Männer, die sich um unser Leibnitz verdient gemacht haben. Nochmals danke. ich denke, ein Kommentar erübrigt sich.

journalstimme: eine letzte Frage, Herr Schmidt. bBesteht die Möglichkeit, dass Wegener Kontakte zur Schober-Gruppe unterhielt?

SIL

SIL

schmidt: nach bisherigen Erkenntnissen ist eine solche Verbindung so gut wie auszuschließen.

SIL

radioabdrehen

klump: die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag. Groß ist nicht groß und Klein nicht die Kleine.

Pause

SIL

sprecher: Katz und Klump verwickelte sich plötzlich in eine heftige Auseinandersetzung.

[30]

SIL

sprecher: während Klump glaubte in der Stimme des Gemeindesekretärs jene von Johannes Groß erkannt zu haben

SIL

sprecher: und Schmidts angebliche Tochter folglich nur Barbara Klein sein konnte, versteifte sich Katz auf das Telex des Informanten Fiebelkorn,

SIL

sprecher: wonach Groß und Klein sich längst nach Kolumbien abgesetzt hätten und in Bogota eine Kneipe betrieben.

SIL

klump: ich sage dir, der ist es, es war seine Stimme, wir müssen vor Tagesanbruch zugreifen.

katz: völlig irrsinnige Vermutung, im Rundfunk ist eine Täuschung nie auszuschließen.

SIL

SIL

katz: die Schober-Gruppe ist in den Anden. Fiebelkorn weiß, was er sagt.

SIL

katz: ein Mann, der sich nicht ins Bier spucken läßt.

SIL

katz: Fiebelkorn! Kneipe in Bogota! Blödsinn. Ein übles Schwein ist dieser Fiebelkorn

klump: Groß und Klein sind in Bogota, das liegt klar auf der Hand. Bis hin zum Kneipennamen,

SIL

klump: wie heißt denn die Kneipe? Zum Hochschober, heißt sie oder heißt sie vielleicht nicht zum Hochschober!

katz: der weiß doch nicht mehr, für wen er arbeitet, wenn er nur arbeiten kann. Fiebelkorn Zwiebelkorn

SIL

klump: Schmidt ist nicht Groß und Klein nicht die Kleine

katz: ich sag dir ,wir müssen hier zugreifen im Scheißgau.

klump: alle Spuren waren falsch, wir müssen nach Südamerika! Südamerika!

SIL

katz: in Leibnitz, bevor der Tag anbricht, müssen wir zugreifen!

SIL

SIL

[31]

SIL

SIL

SIL

SIL

Pause

Musik

sprecherin: Sie hörten den dramatisierten Schundroman.

SIL

stimmeM1: letzte Folge.

SIL

Pause

stimmeF3: nein.

SIL

stimmeM1: Groß und Klein.

SIL

stimmeF3: nichts.

SIL

stimmeM1: Waldhof Variationen.

SIL

stimmeF3: nichts gehört.

SIL

stimmeM1: Arbeitswelt.

SIL

stimmeF3: du hast nichts gehört.

SIL

SIL

SIL

stimmeF3: nein.

SIL

stimmeM1: Tagebuch.

SIL

stimmeF3: auch nicht.

SIL

stimmeM1: Spur nach Bremerhaven.

SIL

stimmeF3: kein Wort.

stimmeM1: Gars am Kamp.

SIL

SIL

stimmeF3: keinen Laut.

stimmeM1: Schnee.

SIL

SIL

stimmeF3: du hast nichts gehört.

SIL

SIL

SIL

stimmeF3: niemand hat etwas gehört.

stimmeM1: alle haben es gehört.

SIL

SIL

stimmeF3: nein.

SIL

sprecher: in der Reihe »Welt der Literatur« in Programm Österreich eins brachte das Landesstudio Burgenland ein Hörspiel

sprecher: von Werner Kofler und Antonio Fian.

SIL

sprecher: der dramatisierte Schundroman, letzte Folge

SIL

sprecher: mit Irene Budischowsky, Cecile Cordon, Barbara Lehner, Ella Peneder,

SIL

sprecher: Karl Dobrawsky, Georg Mittendrein, Hermut Müller, Klaus Uhlich und Fritz Wickenhauser.

SIL

sprecher: sowie Martha Wedral, Rudolph Jenakowitsch, Ortwin Reinisch und Franz Tschank.

SIL

sprecher: Tontechnik Andreas Bablicki, Regieassistenz Reinhard Handl, Regie Hans Krogmann.

SIL

SIL

Pause

musik

Pause

sprecher2: in der Reihe »Welt der Literatur« im Programm Österreich eins hören sie morgen um zwanzig Uhr die Sendung

sprecher2: oben zu bleiben ist Pflicht

sprecher2: Heiteres und Satirisches von Fritz Mauthner, Anton Kuh, Helmut Qualtinger, Manfred Chobot und anderen.

SIL