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Plat. Menex. 245c-d

TitelMenexenos
AutorPlaton
Zeitangabe4. Jh.v.Chr.
Originaltext οὕτω δή τοι τό γε τῆς πόλεως γενναῖον καὶ ἐλεύθερον βέβαιόν τε καὶ ὑγιές ἐστιν καὶ φύσει μισοβάρβαρον, διὰ τὸ εἰλικρινῶς εἶναι Ἕλληνας καὶ ἀμιγεῖς βαρβάρων. οὐ γὰρ Πέλοπες οὐδὲ Κάδμοι οὐδὲ Αἴγυπτοί τε καὶ Δαναοὶ οὐδὲ ἄλλοι πολλοὶ φύσει μὲν βάρβαροι ὄντες, νόμῳ δὲ Ἕλληνες, συνοικοῦσιν ἡμῖν, ἀλλ’ αὐτοὶ Ἕλληνες, οὐ μειξοβάρβαροι οἰκοῦμεν, ὅθεν καθαρὸν τὸ μῖσος ἐντέτηκε τῇ πόλει τῆς ἀλλοτρίας φύσεως.
Quelle J. Burnet, Platonis opera, Bd. 3.
Übersetzung So edel und frei ist der Sinn dieser Stadt, und so kräftig und gesund und von Natur die Barbaren hassend, weil wir ganz rein hellenisch sind und unvermischt mit Barbaren. Denn kein Pelops und Kadmos oder Aigyptos und Danaos, oder sonst andere die von Natur Barbaren und nur durch das Gesetz Hellenen sind, wohnen mit uns, sondern als reine Hellenen nicht als Mietlinge wohnen wir hier. Daher ist der Stadt ein ganz reiner Haß eingegossen gegen fremde Natur.
Quelle der ÜbersetzungF. Schleiermacher, Platon: Werke, Bd. 2.
Kommentar In diesem Dialog spricht Sokrates mit Menexenos, einem seiner Schüler, wobei erstgenannter hier eine Leichenrede der Aspasia zitiert, die jener des Perikles (Thuk. 2,60-64) gleicht. Nach dem Zweck und der Disposition der Rede, dem Preis der Vorzüge Attikas, einer Erläuterung der Verfassung Athens, den Schilderungen der Kämpfe in mythischer Zeit und den Beschreibungen der Kriege gegen Barbaren kommt Aspasia auf die von den Athenern gegen Hellenen geführte Kriege zu sprechen. Aspasia/Sokrates/Platon betont hier die „Reinheit des Blutes“ der Athener, das unvermischt geblieben sei. Mit der Verneinung solcher Einflüsse auf die Vorfahren der Athener wird vermutlich zugleich ein Führungsanspruch legitimiert, wie es auch durch die in der antiken Literatur häufige Behauptung, die Athener seien Autochthone (Vgl. Isokr. 4,24; 8,49; 12,124-125. Hdt. 1,56,2-3; Thuk. 1,2,3-6. Plat. Menex. 237b-c; 239a), geschieht. Diese „Reinheit des Blutes“ können nach Herodot nur jene Ionier für sich beanspruchen, die das Fest der Apaturien feiern (1,147-148,1).
BelegstellenHdt. 1,147-148,1
SchlagwortAutochthonie, Mentalität
Geographische ZuordnungAthen
BearbeiterInAnna Trattner-Handy
Permalinkhttps://gams.uni-graz.at/o:ethnos.274