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Diod. 11,37,3

TitelBiblioteke
AutorDiodorus Siculus
Zeitangabe1. Jh.v.Chr.
Originaltext ἱ δ’ Ἀθηναῖοι μετανοήσαντες εἰς τοὐναν-τίον πάλιν μένειν συνεβούλευον, λέγοντες ὅτι κἂν μηδεὶς αὐτοῖς τῶν ἄλλων Ἑλλήνων βοηθῇ, μόνοι Ἀθηναῖοι συγγενεῖς ὄντες βοηθήσουσιν· ὑπελάμβανον δὲ ὅτι κοινῇ κατοικισθέντες ὑπὸ τῶν Ἑλλήνων οἱ Ἴωνες οὐκέτι μητρόπολιν ἡγήσονται τὰς Ἀθήνας. διόπερ συνέβη μετανοῆσαι τοὺς Ἴωνας καὶ κρῖναι μένειν ἐπὶ τῆς Ἀσίας.
Quelle F. Vogel (nach I. Bekker, L. Dindorf), Diodori bibliotheca historica, Bd. 2, Buch V-XII.
Übersetzung Die Athener jedoch bekehrten sich zu einer gegenteiligen Auffassung und rieten ihnen [den Ioniern Kleinasiens], an Ort und Stelle zu bleiben, wobei sie betonten, daß, selbst wenn keiner von den sonstigen Griechen ihnen Hilfe leisten wolle, die Athener unabhängig von diesen als ihre Blutsverwandten sie unterstützten würden. Sie waren nämlich der Auffassung, daß die Ionier, falls sie gemeinsam durch die Griechen neue Wohnsitze erhielten, Athen nicht mehr als ihre Mutterstadt betrachten würden. So kam es denn, daß sich die Ionier anders besannen und für einen Verbleib in Asien entschieden.
Quelle der ÜbersetzungO. Veh, Diodoros: Griechische Weltgeschichte, Bd. 3, Buch XI-XIII.
Kommentar Diodor berichtet in diesem Absschnitt des elften Buches seiner Bibliotheke über die Geschehnise nach dem Sieg der Hellenen bei Plataiai 479 v.Chr. Leotychidas und Xanthippos raten den Ioniern Kleinasiens, nach Europa überzusiedlen, die Athener jedoch sprechen sich dagegen aus. Letztere versprechen den Ioniern unter Verweis auf ihre Blutsverwandtschaft ihre Hilfe, sollten sie in Kleinasien bleiben. Gingen die Ionier aber durch Intervention und dank Unterstützung der Griechen im Allgemeinen und nicht der Athener im Speziellen woandershin, so befürchten die Athener, würden sie nicht mehr als Mutterstadt angesehen. Athener und kleinasiatische Ionier werden in der Überlieferung immer wieder als blutsverwandt bezeichnet, so auch in Diod. 11,41,4, wo dies in den Überlegungen des Themistokles 477 v.Chr. eine Rolle spielt. Herodot (8,22,1-3) bezeichnet die Ionier Kleinasiens als Nachkommen der Athener und auch Thukydides (1,95,1-2) meint, dass Athener und Ionier verwandt sind. Die Ionier gehen laut den ursprünglichen Sagenversionen nach ihrer Vertreibung aus Pylos bzw. Achaia Richtung Kleinasien, der späteren, unter athenischem Einfluss stehenden nach finden sie zuerst Aufnahme in Athen (so rekonstruiert F. Prinz, Gründungsmythen und Sagenchronologie, 347 den Mythos). Durch eine Neuansiedelung der kleinasiatischen Ionier fürchten die Athener ihren durch die letztere Sagenversion legitimierten Einfluss zu verlieren.
BelegstellenDiod. 11,41,4; Hdt. 8,22,1-3; Thuk. 1,95,1-2
SchlagwortSiedlungsgeschichte
Geographische ZuordnungAthen, Ionien
Ethnische GruppenIonier
BearbeiterInAnna Trattner-Handy
Permalinkhttps://gams.uni-graz.at/o:ethnos.108