DERLA |

VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Installation für jüdische Opfer des Nationalsozialismus

Erinnerungsort detailiert betrachten | Forschungsdaten downloaden

| Personen, Metadaten und Bilder ansehen

Wien - Herminengasse, 1020 Wien
Wien / Künstlerische InterventionJüdische Opfer - Israelitische KultusgemeindeJüdische Opfer - KZÖffentlich zugänglich


Am 19. Oktober 2017 wurde in der U-Bahn-Station Schottenring im Ausgang "Herminengasse", der in den Bezirk Leopoldstadt führt, die Gedenkinstallation "Herminengasse" präsentiert. Sie erinnert an jene rund 800 jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, die zuletzt in der Herminengasse gelebt haben. Der Entwurf für die Installation stammt von der Künstlerin Michaela Melián und wurde in Zusammenarbeit mit Kunst im öffentlichen Raum Wien (KÖR) und den Wiener Linien realisiert. Die Basis für die Installation bildet eine wissenschaftliche Recherche, mit der die Historikerin Tina Walzer beauftragt wurde. Im Rahmen der Installation führen Linien, die für die Einzelschicksale stehen, von den Wohnhäusern der Herminengasse zu den Konzentrationslagern und zeichnen die Wege der Deportation und der Ermordung nach. Der gewählte Termin für die Eröffnung der Installation hat symbolische Bedeutung – am 19. Oktober 1941 erfolgte die neunte Deportation mit rund 1.000 Menschen vom Aspangbahnhof ins Ghetto Litzmannstadt.





  • Hauptbild des Ortes
  • Sekundäres Bild des Ortes
Foto: porem




Transkription

Michaela Melián Herminengasse 2017-10-28 Michaela Melián widmet ihre Arbeit Herminengasse am nördlichen Ausgang der U-Bahn-Station Schottenring den jüdischen Opfern des Nationalsozialismus aus dem gleichnamigen Straßenzug im 2. Wiener Gemeindebezirk. Ein Forschungsauftrag für das Projekt ergab, dass von 1938 bis 1945 nachweislich 800 Jüdinnen und Juden, die in der Herminengasse lebten oder dort zwischenzeitlich einquartiert waren, von den Nazis deportiert wurden. Melián zeichnet diese Einzelschicksale in Linien nach, die von den Wohnhäusern in der Herminengasse zu den verschiedenen Konzentrationslagern führen. An den Rändern der Wandbilder sind die Namen der Konzentrationslager in alphabetischer und nicht in geografischer Ordnung gelistet. Die Häuser der Herminengasse sind nicht realistisch dargestellt, sondern als diagrammatische Informationsbalken, die sich auf die Gesamtbewohnerzahl von 1322 jüdischen Menschen der Gasse in diesen sieben Jahren beziehen. Darunter liegt eine Struktur aus grauen Linien, die das damalige Eisenbahnnetz sichtbar macht. Auf dem Weg zum Ausgang läuft man buchstäblich zwischen den beiden Seiten der Herminengasse hindurch – mit den Häusern der linken Straßenseite auf dem linken Wandbild und den Häusern der rechten Straßenseite auf dem rechten Wandbild. Auf der Basis von Daten und Fakten entstand ein Geflecht von Linien, das die Dimensionen der Deportationen visualisiert. Michaela Melián, geboren 1956 in München, lebt und arbeitet in München und Hamburg. Die Installation ist ein Kooperationsprojekt von KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien und WIENER LINIEN.



Weiteres