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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Forststraße 111, 6890 Lustenau
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich anhand der Kunstintervention Fluchtpunkt Alter Rhein mit Vertreibung und Flucht während des Nationalsozialismus auseinander und nehmen dabei besonders die Grenzregion zwischen Vorarlberg und der Schweiz in den Blick. Durch verschiedene Quellen lernen sie Handlungsspielräume von Verfolgten und FluchthelferInnen kennen. Was es für Menschen heute bedeutet, auf der Flucht zu sein, wird ebenfalls reflektiert.
Ort: Lustenau (PLZ 6890)
Zeitbedarf: 120 Minuten
Alter: 13-18 Jahre
Vermittlungsort: Klassenzimmer bzw. öffentlicher Raum


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Titel des Angebotes



Arbeitsaufträge



Didaktischer Kommentar



Vermittlungshinweise



Vermittlungsziele



Literatur





Fluchtpunkt Alter Rhein



Didaktischer Kommentar

Durch die Beschäftigung mit Biografien von Verfolgten und FluchthelferInnen setzen sich die SchülerInnen mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und individuellen Handlungsspielräumen während der NS-Zeit auseinander. Durch die Kombination unterschiedlicher Quellenformate werden historische Kompetenzen wie die Methoden- und Orientierungskompetenz gefördert.



Arbeitsaufträge

  1. Die Familie Frei lebte in Hohenems in der Nähe des Alten Rhein. Während des Krieges half sie jüdischen Flüchtlingen über die Grenze und gewährte ihnen Unterschlupf. Auch die Tochter Hildegard war an der Fluchthilfe beteiligt. Sieh dir das Videointerview mit Hildegard Schinnerl an (siehe Videos und Audios) und lies das dazugehörige Interviewtranskript (siehe Textquellen). Rekonstruiere, wie die Familie Schinnerl auf die Flüchtlinge aufmerksam wurde und wo sie diese versteckte. Lies dir die Amtliche Verlautbarung Ausreise von Juden im Gemeindeblatt Hohenems vom 11.12.1938 durch (siehe Bildquellen, eine Passage ist auch Teil der Kunstintervention Fluchtpunkt Alter Rhein) und fasse sie in eigenen Worten zusammen. Erläutere, was der Familie Schinnerl passiert wäre, wenn ihre Hilfsaktion aufgefallen wäre.
  2. Jakob Spirig (1919-2004) lebte in Diepoldsau in unmittelbarer Nähe zur österreichischen Grenze und verhalf ab 1938 vielen jüdischen Flüchtlingen von Hohenems in die Schweiz. Sieh dir das Videointerview mit Jakob Spirig an (siehe Videos und Audios) und lies das Interviewtranskript dazu (siehe Textquellen). Erkläre, aus welchen Gründen sich einige Grenzwächter für Geflüchtete einsetzten und wie die deutschen Zollbeamten sowie die Schweizer Wachen auf Flüchtlinge reagierten.
  3. Der Textilarbeiter Josef Hagen, geb. 1919 in Lustenau, wurde am 30. Mai 1944 als Deserteur auf der Flucht in die Schweiz beim Rohr am Alten Rhein erschossen. Seine FluchthelferInnen wurden vom Landesgericht Feldkirch zu Haftstrafen verurteilt. Lies dir die Quelle „Begründung des Urteils gegen Regina Hagen, Hermann Hofer und Johann König“ durch (siehe Textquellen) und rekonstruiere den Fluchtversuch von Josef Hagen über das Rohr in Lustenau. Fasse das Urteil schriftlich zusammen und notiere, welche Fragen du noch hast.
  4. Lies dir die Texte der Kunstintervention Fluchtpunkt Alter Rhein genau durch (siehe Bildquellen). Diskutiert gemeinsam Parallelen und Kontinuitäten von Flucht und Vertreibung damals und heute. Grenze die Begriffe Fluchthilfe und Schlepperei von einander ab.



Vermittlungshinweise

Die Beschäftigung mit diesem Erinnerungszeichen kann sowohl im öffentlichen Raum als auch im Klassenzimmer erfolgen. Aufgrund der Bedeutung des Ortes als Fluchtweg ist ein Klassenausflug an den Alten Rhein bzw. zum Lustenauer Rohr empfehlenswert, die Arbeit mit den Quellen wird überwiegend im Klassenzimmer stattfinden. Für die Auseinandersetzung sollten 120 Minuten eingeplant werden. Wenn weniger Zeit verfügbar ist, können einzelne Arbeitsaufgaben übersprungen werden (z.B. die Arbeit mit den Videointerviews). In der ersten und zweiten Aufgabe arbeiten die SchülerInnen mit Videointerviews und Transkripten, in der dritten mit einer historischen Quelle, in der vierten widmen sie sich speziell dem Erinnerungszeichen. Beim Lernen über Flucht und Fluchthilfe ist wichtig, einen Gegenwartsbezug herzustellen und auch heutige Flucht- und Migrationsbewegungen zu thematisieren. Hintergrundinformationen zum Thema Flucht und Fluchthilfe während des Nationalsozialismus in Vorarlberg finden sich in den Literaturangaben.



Vermittlungsziele

  • Die SchülerInnen erschließen sich ausgewählte Aspekte der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vertreibungspolitik, speziell Flucht und Fluchthilfe über die Schweizer Grenze.
  • Die SchülerInnen setzen sich anhand der künstlerischen Intervention Fluchtpunkt Alter Rhein mit Kunstwerken als Erinnerungszeichen für Vertreibung und Flucht während des Nationalsozialismus auseinander.
  • Durch die Kombination unterschiedlicher Quellenformate werden historische Kompetenzen wie die Methoden- und Orientierungskompetenz gefördert.
  • Die SchülerInnen prüfen Parallelen und Kontinuitäten von Fluchtbewegungen in Vergangenheit und Gegenwart (ohne diese gleichzusetzen) und Handlungsspielräume von Verfolgten und FluchthelferInnen.
  • Die SchülerInnen hinterfragen gesellschaftspolitische Situationen und gewinnen Orientierung für Gegenwart und Zukunft.


  • Literatur

  • Oliver Heinzle, Lustenau in der NS-Zeit, in: Neujahrsblätter des Historischen Archivs der Marktgemeinde Lustenau. 4. Jg., 2013/14, 133-158.
  • Oliver Heinzle/ Wolfgang Schiffknecht/ Vanessa Waibel, Lustenau – eine Gemeinde im Nationalsozialismus. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, Lustenau 2018.
  • Johann-August-Malin-Gesellschaft (Hg.): Von Herren und Menschen. Verfolgung und Widerstand in Vorarlberg 1933-1945 (= Beiträge zu Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs 5), Bregenz 1985.
  • Meinrad Pichler, Nationalsozialismus in Vorarlberg. Opfer – Täter – Gegner, Innsbruck/Wien/Bozen 2018, 267-293
  • Hanno Platzgummer/Karin Bitschnau/ Werner Bundschuh: „Ich kann einem Staat nicht dienen, der schuldig ist …“ Vorarlberger vor den Gerichten der Wehrmacht, Dornbirn 2011.
  • Gerhard Wanner, Flüchtlinge und Grenzverhältnisse in Vorarlberg 1938-1944. Einreise- und Transitland Schweiz, Vierteljahresschrift der Rheticus-Gesellschaft 1998, Heft 3/4, 227-271.