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      <titleStmt>
        <title xml:lang="de">Die jüdische Familie Weil in Hohenems</title>
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          <resp>Erfassung der geografischen und historischen Daten</resp>
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            <forename>Lukas</forename>
            <surname>Nievoll</surname>
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          <resp>Daten- und Informationsmodellierung</resp>
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            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
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          <resp>Didaktische Aufarbeitung</resp>
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            <forename>Georg</forename>
            <surname>Marschnig</surname>
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          <persName>
            <forename>Grit</forename>
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                  Zukunftsfonds Steiermark</orgName>
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          <orgName ref="https://www.nationalfonds.org/startseite">Nationalfonds der Repuplik
                  Österreich für Opfer des Nationalsozialismus</orgName>
          <idno type="wikidata">Q27949109</idno>
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          <orgName ref="http://www.zukunftsfonds-austria.at/">Zukunftsfonds der Republik
                  Österreich</orgName>
          <idno type="wikidata">Q228721</idno>
        </funder>
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          <orgName ref="https://www.graz.at/">Stadt Graz</orgName>
          <idno type="wikidata">Q13298</idno>
        </funder>
        <funder ana="marcrelator:fnd">
          <orgName ref="https://vorarlberg.at/">Land Vorarlberg</orgName>
          <idno type="wikidata">Q38981</idno>
        </funder>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>
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          <orgName ref="https://d-nb.info/gnd/10034042-8">Centrum für Jüdische Studien,
                  Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
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        <authority>
          <link target="https://informationsmodellierung.uni-graz.at"/>
          <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/1137284463">Zentrum für Informationsmodellierung -
                  Austrian Centre for Digital Humanities, Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
        </authority>
        <distributor>
          <link target="https://gams.uni-graz.at"/>
          <orgName>GAMS - Geisteswissenschaftliches Asset Management System</orgName>
        </distributor>
        <date when="2021">2021</date>
        <pubPlace>Graz</pubPlace>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0">Creative Commons
                  BY-NC 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="PID">o:derla.fixvor67</idno>
      </publicationStmt>
      <seriesStmt>
        <title ref="https://gams.uni-graz.at/derla">DERLA: Digitale
               Erinnerungslandschaften</title>
        <respStmt ana="marcrelator:pdr">
          <resp>Projektleitung</resp>
          <persName>
            <forename>Gerald</forename>
            <surname>Lamprecht</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-9622-9269</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:rth">
          <resp>ZIM Forschungsleiter</resp>
          <persName>
            <forename>Georg</forename>
            <surname>Vogeler</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-1726-1712</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:res">
          <resp>ZIM Mitarbeiter</resp>
          <persName>
            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
          </persName>
        </respStmt>
      </seriesStmt>
      <sourceDesc>
        <p>Fixiertes Vermittlungsangebot, born digital</p>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <settingDesc>
        <place>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.vor67</idno>
        </place>
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          <place type="additional">
            <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.vor66</idno>
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    </profileDesc>
    <encodingDesc>
      <geoDecl datum="WGS84" xml:id="WGS">World Geodetic System</geoDecl>
      <editorialDecl>
        <p>Born digital TEI Dokument zur Beschreibung eines Erinnerungsortes bzw.
               Erinnerungszeichens.</p>
        <p>Erinnerungszeichen markieren Erinnerungsorte und machen sie in der Öffentlichkeit
               sichtbar. Sie sind ein sichtbarer Verweis auf Ereignisse, Erfahrungen und Verbrechen,
               die der Nationalsozialismus und Faschismus zu verantworten haben und sind
               intentionaler Ausdruck der Erinnerungskultur einer bestimmten Gruppe. Sie können
               physische oder virtuelle Manifestationen sein. Zur genaueren Bestimmung und Analyse
               werden die einzelnen Erinnerungsorte/Erinnerungszeichen durch spezifische Kriterien
               genauer klassifiziert und mit Information angereichert. Hierbei kann es zu
               Überlappungen und in manchen Fällen zu Unschärfen kommen, weshalb teils
               Mehrfachzuordnungen in den einzelnen Kategorien vorgenommen werden.</p>
      </editorialDecl>
      <projectDesc>
        <p>Die digitale Erinnerungslandkarte Österreichs (DERLA) ist ein Dokumentations- und
               Vermittlungsprojekt. Es dokumentiert die Erinnerungsorte und -zeichen an die Opfer
               sowie die Orte des Terrors des Nationalsozialismus in Österreich und setzt sich die
               kritische Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Faschismus und der
               Erinnerung daran zum Ziel. Die ständig neu zu stellenden Fragen, was, wann, wo und
               von wem wie erinnert wurde und wird, geben Einblicke in die Transformationen der
               Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und sind Ausdruck unseres
               politischen und gesellschaftlichen Selbstverständnisses in der Gegenwart.
               „Gedächtnisorte“, Denk- und Mahnmäler, Gedenktafeln, Gedenkstätten sowie
               Straßenbezeichnungen nach WiderstandskämpferInnen und Opfern des NS-Regimes sind die
               Materialisationen des Geschichtsbewusstseins im Alltag. Der Blick auf die
               Erinnerungslandschaft in der Gegenwart gibt daher zum einen Einblick in das
               kollektive Gedächtnis der österreichischen Gesellschaft und zum anderen legt die
               Beschäftigung mit ihrer Entstehungsgeschichte die Konjunkturen dieser Beschäftigung
               offen.</p>
      </projectDesc>
      <listPrefixDef>
        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
        </prefixDef>
      </listPrefixDef>
    </encodingDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <ab>
        <ref target="info:fedora/context:derla" type="context">DERLA</ref>
        <ref target="info:fedora/context:derladidactics" type="context">DERLA didactics</ref>
      </ab>
      <div type="factbox">
        <p rend="Beschreibung">Die SchülerInnen beschäftigen sich anhand des
               Beispiels der Hohenemser Familie Weil mit Antisemitismus vor und nach 1945 und setzen
               sich mit Verfolgung, Flucht und Vertreibung von Jüdinnen und Juden während des
               Nationalsozialismus auseinander. Sie arbeiten dabei mit verschiedenen Quellen und
               lernen den Jüdischen Friedhof in Hohenems kennen.</p>
        <p rend="Ort, Gemeinde EO/EZ">Hohenems (PLZ 6845)</p>
        <p rend="Zeitbedarf">60-90 Minuten</p>
        <p rend="Alter">13-18 Jahre</p>
        <p rend="Vermittlungsort">Klassenzimmer bzw. öffentlicher Raum</p>
      </div>
      <div type="mehrErfahren">

        <p>Der jüdische Friedhof in Hohenems ist die letzte noch bestehende Institution der
               ehemaligen Gemeinde und der einzige Ort in Vorarlberg, an dem noch jüdisches Ritual
               praktiziert wird. Im Eingangsbereich des 1617 am Südrand von Hohenems errichteten
               Friedhofs, auf dem sich mehr als 500 Gräber befinden, wurde 1992 eine <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.vor66">
            <emph style="cursive">Gedenktafel</emph>

          </ref> für die jüdischen NS-Opfer Vorarlbergs errichtet. Die
               ältesten noch erhalten gebliebenen Grabsteine sind in das 18. Jahrhundert zu
               datieren, einige Grabsteine und Lebensdaten der Verstorbenen verweisen auf die
               Verfolgungsgeschichte nach 1938. <lb/> 1938 lebten in Vorarlberg 45 Jüdinnen und
               Juden nach den Bestimmungen der <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss225">
            <emph style="cursive">Nürnberger Gesetze</emph>
          </ref>, rund 60 Menschen wurden von den
               NationalsozialistInnen als <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss226">
            <emph style="cursive">Mischlinge</emph>

          </ref> kategorisiert. Viele konnten in die Schweiz flüchten,
               vor allem Ältere wurden nach Wien zwangsumgesiedelt, von wo sie in der Folge in
               Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden. 1940 erfolgte die
               Zwangsauflösung der Gemeinde. Nach dem Krieg lebten noch einige Jahre jüdische <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss48">Displaced Persons</ref>
               in Hohenems, die Gemeinde vermochte sich jedoch nicht mehr zu rekonstituieren. <lb/>
               Das Grab der Familie Weil am Jüdischen Friedhof Hohenems ist die letzte Ruhestätte
               für Jakob und Rachel Weil, für den 1938 im KZ Dachau ermordeten <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.persvor#persvor127">Alois Weil</ref>, für
               den 1939 in die USA geflohenen <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.persvor#persvor133">Harry Weil</ref>,
               dessen Frau Angelika Weil und den zugeheirateten Moritz Guggenheim. Die Inschrift des
               Grabsteins lautet: <emph style="cursive">Ruhet in Frieden Jakob Weil 1853 – 1933
                  Träger des 40-Jährigen Dienstorden Rachel Weil 1855 – 1938 Louis Weil 1878 – 1938
                  Harry Weil 1898 – 1970 Träger des Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich
                  Angelika Weil 1910 M. Guggenheim 1876 – 1938</emph>
        </p>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Eva Grabherr (Hg.), „… eine ganz kleine jüdische Gemeinde, die nur von der
                  Erinnerung lebt!“ Juden in Hohenems, Katalog des Jüdischen Museums Hohenems,
                  Hohenems 1996.</item>
          <item>Eva Grabherr, Grabsteine als Zeichen. Zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in
                  Hohenems, in: Eva Grabherr/Arno Gisinger (Hg.): Beit HaChaim. Haus des Lebens. Der
                  jüdische Friedhof in Hohenems. Katalog zur Ausstellung im Jüdischen Museum
                  Hohenems, Hohenems 1992, 7–13.</item>
          <item>Johannes Inama, Harry Weil, Reisender. Ein Emigrantenschicksal zwischen
                  amerikanischem Traum und gescheiterter Rückkehr nach Hohenems, in: Thomas Albrich
                  (Hg.): „Wir lebten wie sie …“ Jüdische Lebensgeschichten aus Tirol und Vorarlberg,
                  Innsbruck 1999, 341-354.</item>
          <item>Meinrad Pichler, Nationalsozialismus in Vorarlberg. Opfer – Täter – Gegner,
                  Innsbruck/Wien/Bozen 2018, 159-190.</item>
        </list>
      </div>
      <div type="mehrMachen">
        <head>Die jüdische Familie Weil in Hohenems </head>
        <caption>Didaktischer Kommentar</caption>
        <p>Anhand unterschiedlicher Quellen lernen die SchülerInnen über die
               nationalsozialistische Verfolgung und Vertreibung von Jüdinnen und Juden. Durch die
               Thematisierung der Erfahrungen der Vertriebenen nach 1945 werden Kontinuitäten des
               Antisemitismus in Politik und Gesellschaft im nachkriegszeitlichen Österreich
               sichtbar. Die SchülerInnen lernen den selbständigen Umgang mit verschiedenen
               Quellentypen und Fragen an Quellen zu stellen.</p>
        <caption>Arbeitsaufträge</caption>
        <p>
          <list style="ordered">
            <item>Lies dir den Text Harry Weil 1938 ‚freiwillig abgereist‘ (siehe Textquellen) genau durch. Verfasse anschließend eine Kurzbiografie über Harry Weil (ca. eine halbe Seite).</item>
            <item>Betrachte die Bilder von Harry Weil (siehe Bildquellen). Notiere deine Gedanken und Fragen dazu. </item>
            <item>Lies dir den Auszug aus der Stellungnahme der Marktgemeinde Hohenems zum Rückstellungsantrag des Harry Weil aus dem Jahr 1949 durch (siehe Bildquellen). Erläutere, mit welchen Gründen die Marktgemeinde Hohenems Harry Weils Ansuchen abgelehnt hat. Erläutere, warum „freiwillig abgereist“ so zynisch ist.</item>
            <item>Harry Weil blieb Vorarlberg und Hohenems Zeit seines Lebens verbunden. Nenne Beispiele, wie sich diese Verbundenheit ausdrückte. </item>
            <item>Tausche dich zu deinen Antworten und Überlegungen mit einem/r Klassenkameraden/in aus. </item>
          </list>
        </p>
        <caption>Vermittlungshinweise</caption>
        <p>Die Beschäftigung mit diesem Erinnerungszeichen kann sowohl im öffentlichen Raum als
               auch im Klassenzimmer erfolgen. Der Besuch des Jüdischen Friedhof Hohenems ist
               besonders empfehlenswert, die Arbeit mit den Quellen wird überwiegend im
               Klassenzimmer stattfinden. Für die Auseinandersetzung sollten je nach zeitlichen
               Ressourcen 60 bis 90 Minuten eingeplant werden. <lb/>In der ersten und zweiten
               Aufgabe arbeiten die SchülerInnen mit Text- und Bildquellen zur Biografie Harry
               Weils. Danach beschäftigten sie sich anhand einer historischen Quelle mit der Zeit
               nach 1945 und interpretieren Harry Weils Entscheidung, seiner ehemaligen Heimat
               verbunden zu bleiben. Hintergrundinformationen zur Geschichte der Jüdischen Gemeinde
               Hohenems und zum Jüdischen Friedhof finden sich in den Literaturangaben. </p>
        <caption>Vermittlungsziele</caption>
        <list>
          <item>Die SchülerInnen setzen sich exemplarisch mit Verfolgung und Vertreibung von
                  Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus und antisemitischen
                  Grundhaltungen im Kontext der NS-Ideologie auseinander.</item>
          <item>Die SchülerInnen reflektieren kritisch über den Umgang mit vertriebenen
                  Jüdinnen und Juden nach 1945 in Österreich. </item>
          <item>Die SchülerInnen erproben den selbständigen Umgang mit verschiedenen
                  Quellentypen und erwerben historische Methodenkompetenzen. </item>
        </list>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Eva Grabherr (Hg.), „… eine ganz kleine jüdische Gemeinde, die nur von der
                  Erinnerung lebt!“ Juden in Hohenems, Katalog des Jüdischen Museums Hohenems,
                  Hohenems 1996.</item>
          <item>Eva Grabherr, Grabsteine als Zeichen. Zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in
                  Hohenems, in: Eva Grabherr/Arno Gisinger (Hg.): Beit HaChaim. Haus des Lebens. Der
                  jüdische Friedhof in Hohenems. Katalog zur Ausstellung im Jüdischen Museum
                  Hohenems, Hohenems 1992, 7–13.</item>
          <item>Johannes Inama, Harry Weil, Reisender. Ein Emigrantenschicksal zwischen
                  amerikanischem Traum und gescheiterter Rückkehr nach Hohenems, in: Thomas Albrich
                  (Hg.): „Wir lebten wie sie …“ Jüdische Lebensgeschichten aus Tirol und Vorarlberg,
                  Innsbruck 1999, 341-354.</item>
          <item>Meinrad Pichler, Nationalsozialismus in Vorarlberg. Opfer – Täter – Gegner,
                  Innsbruck/Wien/Bozen 2018, 159-190.</item>
        </list>
      </div>
      <div type="quellenText">
        <p>
          <emph style="cursive">„Am 18. August ist mein innigst geliebter Gatte verschieden.
                  Sein Wunsch, wie Ihr alle wisst, ist, in Hohenems beerdigt zu sein“, so schrieb
                  Angelina Weil aus Santa Monica in Kalifornien zwei Tage nach dem Ableben ihres
                  Ehemanns per Luftpost nach Europa. Der Kreis, der mit seiner Geburt im September
                  1898 in der Vorarlberger Ortschaft seinen Anfang genommen hat, sollte sich vor 50
                  Jahren wieder an derselben Stelle schließen. <lb/>Die Flucht eines talentierten
                  Musikers <lb/>Harry Romberg Weil kam als jüngstes der vier Kinder von Rachel,
                  geborene Dreyfuss, (1855–1938) und Jakob Weil (1853–1933) am 5. September 1898 in
                  Hohenems zur Welt. Sein Vater verdingte sich nicht nur als Schneider, Metzger und
                  Schächter, sondern übernahm neben seiner Aufgabe als Synagogendiener auch das Amt
                  des Kantors der nur mehr rund 70 Personen umfassenden jüdischen Gemeinde. Die
                  Familie bewohnte das Obergeschoß des direkt neben der Synagoge gelegenen
                  Rabbinerhauses und betrieb darin auch eine kleine Gemischtwarenhandlung. Im Ersten
                  Weltkrieg kämpfte Harry Weil ab 1916 als Tiroler Kaiserjäger in den Dolomiten und
                  kehrte – nach einer Schussverletzung – verwundet nach Hohenems zurück. <lb/>1918
                  übernahm er die Aufgabe des Organisten und Chorleiters in der Synagoge und war
                  auch, ohne der hebräischen Sprache wirklich mächtig zu sein, als Religionslehrer
                  tätig. Ab 1923 sollte er zudem als ständiges Mitglied den Kultusvorstand ergänzen
                  und darin verschiedene Funktionen bekleiden. Seinem Interesse für Musik konnte er
                  nun auch verstärkt nachgehen, so reichte etwa das Repertoire seiner Hohenemser
                  Schrammelkapelle von der Tanzmusik bis zur Stummfilmbegleitung. Gleiches
                  Engagement zeigte er auch für den 1924 von ihm mitbegründeten
                  Arbeitergesangsverein Nibelungenhort, der bis heute existiert. <lb/>Beruflich war
                  Weil als Versicherungsmakler tätig und zog wohl 1930 in die Landeshauptstadt
                  Bregenz, wo er zwei Jahre später Angelina Tavonatti (1910–2000) heiratete, die aus
                  einer katholischen Schweizer Familie stammte. Folglich fanden sowohl die
                  Eheschließung als auch die Taufe ihres Sohnes Harry Jr. (1931–2016) nach
                  römisch-katholischem Ritus in Bregenz statt. Nach dem Tod seines Vaters Ende 1933
                  übernahm Harry Weil dessen Geschäft und wohnte mit seiner jungen Familie auch
                  bald, zumindest teilweise, wieder in seinem Elternhaus. Neben der Musik galt sein
                  Interesse der Politik, und so engagierte er sich im Rahmen sozialdemokratischer
                  und kommunistischer Aktionen, was dazu führte, dass er 1934 wegen seiner
                  Beteiligung an einer antifaschistischen Flugblattaktion verhaftet und zu einer
                  zweiwöchigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. <lb/>Nachdem zu Beginn des Jahres
                  1938 auch seine Mutter verstorben war, überschlugen sich die Ereignisse: Die
                  gerade in Auflösung begriffene Wohnung in der Bregenzer Staudachgasse wurde,
                  wenige Tage nach dem "Anschluss," von SS-Männern durchsucht. Zu den geplanten und
                  bereits genehmigten Ausbauarbeiten des Geschäfts im elterlichen Wohnhaus sollte es
                  nicht mehr kommen, da Harry Weil Ende Juni 1938 über die schweizerische Grenze
                  nach St. Gallen flüchten musste. Zuvor half er selbst noch "vielen hunderten von
                  Juden ueber den Rhein in die nahe Schweiz", wie er in einem Brief 1949 berichten
                  sollte. Seinem Bruder Louis (1878–1938), zunächst ebenfalls Fluchthelfer, gelang
                  der rettende Grenzübertritt nicht. Er wurde noch im Juni 1938 verhaftet und in das
                  Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er bereits im August ermordet wurde.
                  <lb/>Vergebliche Rückkehrversuche <lb/>Harry Weils zweiter Bruder Jules
                  (1882–1977) konnte der geflüchteten Weil-Familie schließlich ein Visum vermitteln,
                  worauf diese an Bord der Île de France den Atlantik überquerte und am 19. April
                  1939 New York erreichte. Harry Weil und seine Familie lebten für kurze Zeit in
                  Pittsburgh, ehe sie sich in Chicago niederließen und von der Unterstützung durch
                  Jules abhängig waren. Ergänzend dazu verrichteten Harry und Angelina zunächst
                  einfache Hilfsarbeiten, bis es ihnen gelang, beruflich und finanziell Fuß zu
                  fassen. Gut fünfeinhalb Jahre nach ihrer Ankunft erhielt das Ehepaar im Dezember
                  1944 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
                  suchte Weil mehrfach die Verbindung nach Österreich. Er bemühte sich um den Export
                  österreichischer Erzeugnisse nach Amerika und übernahm dort bald die
                  Handelsvertretung für den Vorarlberger Käseproduzenten Rupp. <lb/>Aber nicht
                  ausschließlich die Geschäftsreisen nach Europa, sondern vor allem die intensive
                  Pflege langjähriger Freundschaften führten ihn immer wieder zurück in seine
                  Heimatgemeinde. Während sein Sohn Harry Jr. ab 1948 bei der US Navy Dienst versah,
                  versuchte Vater Harry ab 1949 den früheren Besitz der Familie sowie jenen der
                  Kultusgemeinde in Hohenems zurückzuerlangen. Die Gemeinde wurde schon 1940
                  zwangsaufgelöst, die letzten acht verbliebenen Mitglieder hatte man nach Wien
                  zwangsumgesiedelt und in Todeslager deportiert. Harry Weil richtete im Juni 1949
                  einen Antrag an die Marktgemeinde, in dem er die Rückstellung seiner Wohnung
                  verlangte und angab, dorthin zurückkehren zu wollen. Die Marktgemeinde lehnte das
                  Ansuchen jedoch vehement ab und stellte in einem zynischen Antwortschreiben fest,
                  dass die Familie "freiwillig abgereist" sei und "ihren Wohnsitz nach Amerika
                  verlegt" habe, weshalb es verständlich sei, dass "sie dabei keine alten Mobilien
                  mitgenommen haben". <lb/>Glaube, Liebe, Hoffnung <lb/>Das Ehepaar Weil blieb
                  also in den Vereinigten Staaten und übersiedelte 1963 nach Santa Monica in
                  Kalifornien. Zwei Jahre darauf, kurz vor Harry Weils 67. Geburtstag, verlieh ihm
                  der österreichische Generalkonsul das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich
                  für seine Verdienste um die Handelsbeziehungen. Die Verbundenheit mit seinem
                  Herkunftsort hatte trotz der negativen Ereignisse keinen Schaden genommen, und so
                  hielt er bis zu seinem Lebensende den engen Briefkontakt zu seinen alten Bekannten
                  in Hohenems aufrecht. Bereits 1947 drückte er etwa in einem Schreiben aus Chicago
                  mit einer von ihm handschriftlich harmonisierten Version des Liedes "Glaube –
                  Liebe – Hoffnung" (nach Alberik Zwyssig) dem Arbeitergesangsverein seine Treue
                  aus. Die regelmäßige Rückkehr nach Hohenems war Harry Weil zu einer lieben
                  Tradition geworden, wie etwa 1966 mit seiner Frau Angelina, doch die Hoffnung auf
                  eine weitere Reise blieb schließlich unerfüllt. <lb/>Im Alter von fast 72 Jahren
                  verstarb Harry Weil am 18. August 1970 im Krankenhaus von Santa Monica an einer
                  Lungenembolie. Die Beisetzung seiner Urne fand in Hohenems im Beisein des
                  Rabbiners von St. Gallen, Lothar Rothschild, und einer großen Zahl an Trauergästen
                  am 4. September statt. Anlässlich des ersten Treffens der Nachkommen jüdischer
                  Familien aus Hohenems, das im August 1998 vom 1991 eröffneten Jüdischen Museum
                  Hohenems durchgeführt wurde, stimmte der Gesangsverein "Nibelungenhort" in
                  Erinnerung an seinen Mitbegründer das Lied "Glaube – Liebe – Hoffnung" erneut an.
                  <lb/> -- <lb/>
                  
                  Beim Einmarsch der Deutschen in Österreich, am 12.3.1938 sei Harry
                  Weil etwa 14 Tage unbekannten Aufenthalts gewesen. Seine Frau und ihr Kind blieben
                  in der Wohnung. Nach dieser Zeit tauchte Harry Weil wieder auf. Man nahm allgemein
                  an, dass er sich heimlich über die Grenze begeben und etwa 2 Wochen in der Schweiz
                  bei Bekannten zugebracht habe. Es ist in Hohenems niemandem bekannt, dass Harry
                  Weil am 23.4.1938 in Haft gesetzt und dann außer Landes geführt worden wäre. Weder
                  die Gemeinde-Verwaltung, noch die Gendarmerie, oder die Hausgenossen haben von
                  einer solchen Maßnahme Kenntnis. Ebenso unwahr ist es, dass seine Frau gezwungen
                  wurde, alles versteigern zu lassen. Tatsache ist, dass Harry Weil und seine Frau
                  mit Kind freiwillig abgereist sind und ihren Wohnsitz nach Amerika verlegt haben.
                  Dass sie dabei keine alten Mobilien mitgenommen haben, ist verständlich. Die
                  Wohnungs-Einrichtung des Harry Weil sei von seiner Schwiegermutter, einer Frau
                  Tovanotti in Bregenz, freiwillig (vermutlich im Auftrage des Harry Weil)
                  stückweise unter der Hand verkauft worden. Die Geschäftseinrichtung war derart
                  veraltet und gering, dass von einer „Einrichtung“ wohl nicht die Rede sein kann.
                  Sie soll im Wesentlichen aus einer Mehltruhe, einem Tisch und einer Waage
                  bestanden haben. <lb/>Ebenso unwahr ist die Behauptung, dass dem Harry Weil die
                  Wohnung im Hause Sulzerstraße 2 „genommen und von der Marktgemeinde Hohenems
                  weiter vermietet wurde.“ Tastsache ist, dass Harry Weil zuletzt am 28.4.1938 als
                  von Bregenz zugezogen und am 25.6.1938 nach der Schweiz abgemeldet erscheint. Er
                  dürfte damals endgültig ausgewandert sein. […] </emph>
        </p>
        <caption>Biographischer Text Harry Weil 1938 ‚freiwillig abgereist‘. Wie die Flucht des
               jüdischen Vorarlbergers zum wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg
               beitragen sollte. -- Stellungnahme der Marktgemeinde Hohenems zum Rückstellungsantrag
               des Harry Weil, 1949 (Auszug) </caption>
        <p>Im 2020 veröffentlichten Text zeichnet Raphael Einetter, Mitarbeiter des Jüdischen
               Museum Hohenems, die Biografie des Harry Weil und dessen Familiengeschichte nach. --
               Im Juni 1949 richtete Harry Weil richtete einen Antrag an die Marktgemeinde Hohenems,
               in dem er die Rückstellung seiner Wohnung verlangte und angab, dorthin zurückkehren
               zu wollen. Dieses Ansuchen wurde vehement abgelehnt. </p>
        <caption>Quellenzitat</caption>
        <p>URL:
               https://www.derstandard.at/story/2000119310356/harry-weil-1938-freiwillig-abgereist
               (abgerufen am 25.7.2021). Eine längere Version des Artikels ist hier abrufbar: URL:
               https://www.oeaw.ac.at/acdh/oebl/biographien-des-monats/2020/biographie-des-monats-august-2020
               (abgerufen am 25.7.2021) -- © Jüdisches Museum Hohenems, Stadtarchiv Hohenems</p>
      </div>
      <div type="quellenText">
        <p>
          <emph style="cursive">Beim Einmarsch der Deutschen in Österreich, am 12.3.1938 sei Harry Weil etwa 14 Tage unbekannten Aufenthalts gewesen. Seine Frau und ihr Kind blieben in der Wohnung. Nach dieser Zeit tauchte Harry Weil wieder auf. Man nahm allgemein an, dass er sich heimlich über die Grenze begeben und etwa 2 Wochen in der Schweiz bei Bekannten zugebracht habe. Es ist in Hohenems niemandem bekannt, dass Harry Weil am 23.4.1938 in Haft gesetzt und dann außer Landes geführt worden wäre. Weder die Gemeinde-Verwaltung, noch die Gendarmerie, oder die Hausgenossen haben von einer solchen Maßnahme Kenntnis. Ebenso unwahr ist es, dass seine Frau gezwungen wurde, alles versteigern zu lassen. Tatsache ist, dass Harry Weil und seine Frau mit Kind freiwillig abgereist sind und ihren Wohnsitz nach Amerika verlegt haben. Dass sie dabei keine alten Mobilien mitgenommen haben, ist verständlich. Die Wohnungs-Einrichtung des Harry Weil sei von seiner Schwiegermutter, einer Frau Tovanotti in Bregenz, freiwillig (vermutlich im Auftrage des Harry Weil) stückweise unter der Hand verkauft worden. Die Geschäftseinrichtung war derart veraltet und gering, dass von einer „Einrichtung“ wohl nicht die Rede sein kann. Sie soll im Wesentlichen aus einer Mehltruhe, einem Tisch und einer Waage bestanden haben.
            Ebenso unwahr ist die Behauptung, dass dem Harry Weil die Wohnung im Hause Sulzerstraße 2 „genommen und von der Marktgemeinde Hohenems weiter vermietet wurde.“ Tastsache ist, dass Harry Weil zuletzt am 28.4.1938 als von Bregenz zugezogen und am 25.6.1938 nach der Schweiz abgemeldet erscheint. Er dürfte damals endgültig ausgewandert sein. […]
          </emph>
        </p>
        <caption>Stellungnahme der Marktgemeinde Hohenems zum Rückstellungsantrag des Harry Weil, 1949 (Auszug)</caption>
        <p>Im Juni 1949 richtete Harry Weil richtete einen Antrag an die Marktgemeinde Hohenems, in dem er die Rückstellung seiner Wohnung verlangte und angab, dorthin zurückkehren zu wollen. Dieses Ansuchen wurde vehement abgelehnt.</p>
        <caption>Quelle:</caption>
        <p>© Jüdisches Museum Hohenems, Stadtarchiv Hohenems</p>
      </div>
    </body>
  </text>
  <facsimile>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvor67" xml:id="IMAGE.1">
      <desc>Für seine Verdienste als Exportleiter der Firma Rupp Käsle wurde Harry Weil 1965 in
            Chicago das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
            verliehen.</desc>
      <desc type="title">Harry Weil anlässlich der Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens für
            Verdienste um die Republik Österreich, Chicago 1965 (© Jüdisches Museum Hohenems)</desc>
    </graphic>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvor67" xml:id="IMAGE.2">
      <desc>Das Bild zeigt die Hohenemser Schrammelkapelle zu Fasnacht 1919, Harry Weil spielt
            den Kontrabass</desc>
      <desc type="title">Harry Weil und die Hohenemser Schrammelkapelle, 1919 (© Jüdisches Museum
            Hohenems) </desc>
    </graphic>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvor67" xml:id="IMAGE.3">
      <desc>Angelina und Harry Weil auf Heimatreise in Vorarlberg, 1966 (© Jüdisches Museum
            Hohenems) </desc>
      <desc type="title">Das Bild zeigt Angelina und Harry Weil 1966 bei einer Reise in
            Vorarlberg. </desc>
    </graphic>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvor67" xml:id="IMAGE.4">
      <desc>Auszug aus der Stellungnahme der Marktgemeinde Hohenems zum Rückstellungsantrag des
            Harry Weil, 1949 (© Jüdisches Museum Hohenems, Stadtarchiv Hohenems) </desc>
      <desc type="title">Im Juni 1949 richtete Harry Weil richtete einen Antrag an die
            Marktgemeinde Hohenems, in dem er die Rückstellung seiner Wohnung verlangte und angab,
            dorthin zurückkehren zu wollen. Dieses Ansuchen wurde vehement abgelehnt. </desc>
    </graphic>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvor67" xml:id="IMAGE.5">
      <desc>-</desc>
    </graphic>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvor67" xml:id="IMAGE.6">
      <desc>-</desc>
    </graphic>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvor67" xml:id="IMAGE.7">
      <desc>-</desc>
    </graphic>
  </facsimile>
</TEI>
