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      <titleStmt>
        <title xml:lang="de">Ceija Stojka, Überlebende des nationalsozialistischen Genozids
                    an den Romnija und Roma und Sintize und Sinti</title>
        <respStmt ana="marcrelator:mrk">
          <resp>Erfassung der geografischen und historischen Daten</resp>
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            <forename>Lukas</forename>
            <surname>Nievoll</surname>
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            <forename>Victoria</forename>
            <surname>Kumar</surname>
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          <resp>Daten- und Informationsmodellierung</resp>
          <persName>
            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt>
          <resp>Didaktische Aufarbeitung</resp>
          <persName>
            <forename>Georg</forename>
            <surname>Marschnig</surname>
          </persName>
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            <forename>Grit</forename>
            <surname>Oelschlegel</surname>
          </persName>
        </respStmt>
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          <orgName ref="https://www.zukunftsfonds.steiermark.at/">Land Steiermark:
                        Zukunftsfonds Steiermark</orgName>
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          <orgName ref="https://www.nationalfonds.org/startseite">Nationalfonds der
                        Repuplik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus</orgName>
          <idno type="wikidata">Q27949109</idno>
        </funder>
        <funder ana="marcrelator:fnd">
          <orgName ref="http://www.zukunftsfonds-austria.at/">Zukunftsfonds der Republik
                        Österreich</orgName>
          <idno type="wikidata">Q228721</idno>
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          <orgName ref="https://www.graz.at/">Stadt Graz</orgName>
          <idno type="wikidata">Q13298</idno>
        </funder>
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          <orgName ref="https://vorarlberg.at/">Land Vorarlberg</orgName>
          <idno type="wikidata">Q38981</idno>
        </funder>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>
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          <orgName ref="https://d-nb.info/gnd/10034042-8">Centrum für Jüdische Studien,
                        Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
        </publisher>
        <authority>
          <link target="https://informationsmodellierung.uni-graz.at"/>
          <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/1137284463">Zentrum für
                        Informationsmodellierung - Austrian Centre for Digital Humanities,
                        Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
        </authority>
        <distributor>
          <link target="https://gams.uni-graz.at"/>
          <orgName>GAMS - Geisteswissenschaftliches Asset Management System</orgName>
        </distributor>
        <date when="2019">2019</date>
        <pubPlace>Graz</pubPlace>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0">Creative
                        Commons BY-NC 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="PID">o:derla.fixvie78</idno>
      </publicationStmt>
      <seriesStmt>
        <title ref="https://gams.uni-graz.at/derla">DERLA: Digitale
                    Erinnerungslandschaften</title>
        <respStmt ana="marcrelator:pdr">
          <resp>Projektleitung</resp>
          <persName>
            <forename>Gerald</forename>
            <surname>Lamprecht</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-9622-9269</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:rth">
          <resp>ZIM Forschungsleiter</resp>
          <persName>
            <forename>Georg</forename>
            <surname>Vogeler</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-1726-1712</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:res">
          <resp>ZIM Mitarbeiter</resp>
          <persName>
            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
          </persName>
        </respStmt>
      </seriesStmt>
      <sourceDesc>
        <p>Fixiertes Vermittlungsangebot, born digital</p>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <settingDesc>
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          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.vie78</idno>
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    </profileDesc>
    <encodingDesc>
      <geoDecl datum="WGS84" xml:id="WGS">World Geodetic System</geoDecl>
      <editorialDecl>
        <p>Born digital TEI Dokument zur Beschreibung eines Erinnerungsortes bzw.
                    Erinnerungszeichens.</p>
        <p>Erinnerungszeichen markieren Erinnerungsorte und machen sie in der Öffentlichkeit
                    sichtbar. Sie sind ein sichtbarer Verweis auf Ereignisse, Erfahrungen und
                    Verbrechen, die der Nationalsozialismus und Faschismus zu verantworten haben und
                    sind intentionaler Ausdruck der Erinnerungskultur einer bestimmten Gruppe. Sie
                    können physische oder virtuelle Manifestationen sein. Zur genaueren Bestimmung
                    und Analyse werden die einzelnen Erinnerungsorte/Erinnerungszeichen durch
                    spezifische Kriterien genauer klassifiziert und mit Information angereichert.
                    Hierbei kann es zu Überlappungen und in manchen Fällen zu Unschärfen kommen,
                    weshalb teils Mehrfachzuordnungen in den einzelnen Kategorien vorgenommen
                    werden.</p>
      </editorialDecl>
      <projectDesc>
        <p>Die digitale Erinnerungslandkarte Österreichs (DERLA) ist ein Dokumentations- und
                    Vermittlungsprojekt. Es dokumentiert die Erinnerungsorte und -zeichen an die
                    Opfer sowie die Orte des Terrors des Nationalsozialismus in Österreich und setzt
                    sich die kritische Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Faschismus und
                    der Erinnerung daran zum Ziel. Die ständig neu zu stellenden Fragen, was, wann,
                    wo und von wem wie erinnert wurde und wird, geben Einblicke in die
                    Transformationen der Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und sind
                    Ausdruck unseres politischen und gesellschaftlichen Selbstverständnisses in der
                    Gegenwart. „Gedächtnisorte“, Denk- und Mahnmäler, Gedenktafeln, Gedenkstätten
                    sowie Straßenbezeichnungen nach WiderstandskämpferInnen und Opfern des
                    NS-Regimes sind die Materialisationen des Geschichtsbewusstseins im Alltag. Der
                    Blick auf die Erinnerungslandschaft in der Gegenwart gibt daher zum einen
                    Einblick in das kollektive Gedächtnis der österreichischen Gesellschaft und zum
                    anderen legt die Beschäftigung mit ihrer Entstehungsgeschichte die Konjunkturen
                    dieser Beschäftigung offen.</p>
      </projectDesc>
      <listPrefixDef>
        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
        </prefixDef>
      </listPrefixDef>
    </encodingDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <ab>
        <ref target="context:derla" type="context">DERLA</ref>
        <ref target="context:derladidactics" type="context">DERLA didactics</ref>
      </ab>
      <div type="factbox">
        <p rend="Beschreibung">Die Lernenden setzen sich anhand der Biografie von Ceija
                    Stojka und dem ihr gewidmeten Platz in Wien Neubau mit dem Genozid an den
                    Romnija und Roma und Sintize und Sinti auseinander. Durch verschiedene
                    Textquellen soll den SchülerInnen die rassistische Verfolgungspolitik der
                    Nationalsozialisten an den Romnija und Roma und Sintize und Sinti anschaulich
                    dargelegt werden, wobei sie sich auch mit verschiedenen Häftlingskategorien in
                    Konzentrationslagern auseinandersetzen sollen. Ein weiteres Augenmerk wird auf
                    die Gestaltung von Gedenkveranstaltungen durch Jugendliche bzw. junge Erwachsene
                    gelegt.</p>
        <p rend="Ort, Gemeinde EO/EZ">1070 Wien</p>
        <p rend="Zeitbedarf">100 Minuten</p>
        <p rend="Alter">13–19 Jahre</p>
        <p rend="Vermittlungsort">Klassenzimmer</p>
      </div>
      <div type="mehrErfahren">
        <p>
          <emph style="bold">Ceija Stojka (1933-2013)</emph>

          <space/> Ceija Stojka ist eines von insgesamt sechs Kindern der Familie Stojka.
                    Die Familie gehört zu der Roma-Untergruppe der <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss274">Lovara</ref> .
                    Ein Jahr nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird die Familie wie
                    andere Romnija und Roma und Sintize und Sinti zur Sesshaftwerdung gezwungen.
                    1941 wird der Vater der Familie, Karl Wakar Horvath, ins KZ Dachau deportiert,
                    später noch in andere KZ und im Jahr 1943 auf <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss227">Schloss
                        Hartheim</ref> bei Linz ermordet. Der Rest der Familie wird 1943 in
                    verschiedene KZ deportiert. Ceija, sie ist knapp zehn Jahre alt, kommt ins KZ
                    Auschwitz-Birkenau, später nach Ravensbrück und Bergen-Belsen. Ceija Stojka
                    überlebt wie durch ein Wunder gemeinsam mit ihren Geschwistern Karl, Mitzi,
                    Johann, Kathi sowie ihrer Mutter Sidonie. Sie veröffentlicht 1988 ihre
                    Lebenserinnerungen mit dem Titel „Wir leben im Verborgenen“. Darin erzählt sie
                    über die Geschichte ihrer Familie vor, während und nach der NS-Zeit, und sorgt
                    damit auch dafür, dass eine große Öffentlichkeit auf den <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss305">Antiziganismus</ref> und die Versäumnisse in der österreichischen
                    Erinnerungskultur aufmerksam gemacht wird. <lb/>
          <emph style="bold">Diskriminierung der Romnija und Roma und Sintize und Sinti
                        vor dem Nationalsozialismus</emph>
          <space/> Die Lebensweise der Romnija und Roma und Sintize und Sinti wurde schon
                    lange vor der Zeit des Nationalsozialismus als „fremd“ und bedrohlich angesehen,
                    die Romnija und Roma wurden mit Kriminellen, Landstreichern und EmpfängerInnen
                    von Almosen verglichen. 1888 gab das Innenministerium einen Erlass heraus, mit
                    dem Romnija und Roma und Sintize und Sinti unter den Generalverdacht der
                    Kriminalität gestellt wurden. Dies ging einher mit verstärktem Ausschluss aus
                    der Gesellschaft – dieser wurde immer mehr rassistisch begründet und den Romnija
                    und Roma und Sintize und Sinti eine Anpassungsfähigkeit an die moderne
                    Zivilisation abgesprochen. <space/> Als im Jahr 1921 das Burgenland Teil
                    Österreichs wurde und die Zahl der sesshaften Romnija und Roma und Sintize und
                    Sinti stieg, wurde der Ruf nach weiteren diskriminierenden Maßnahmen gegen sie
                    immer lauter. Die Deutschnationale Volkspartei forderte Zwangsarbeit und
                    separate Schulen für „Zigeuner“. <space/> Im Jahr 1933 wurde im Burgenland sogar
                    über eine mögliche Vertreibung der „Zigeuner“ auf die Insel Madagaskar
                    diskutiert. <space/> 1936, als bereits alle Romnija und Roma und Sintize und
                    Sinti behördlich erfasst waren, kam es in Wien zur Gründung der „Zentralstelle
                    zur Bekämpfung des Zigeunerwesens“. Die Verfolgung der Romnija und Roma und
                    Sintize und Sinti begann also nicht erst mit den Nationalsozialisten. <lb/>
          <emph style="bold">Verfolgung durch die Nationalsozialisten und Genozid</emph>

          <space/> 1938 und 1939 wurden bereits tausende Romnija und Roma und Sintize und
                    Sinti als „Zigeuner“ und „Asoziale“ verfolgt und für „rassisch minderwertig“
                    erklärt, verhaftet und in KZ wie Dachau, Mauthausen, Buchenwald und Ravensbrück
                    deportiert. <space/> Ab 1939 wurden noch nicht verhaftete Romnija und Roma und
                    Sintize und Sinti in für sie errichtete Zwangsarbeitslager überstellt. Der
                    nächste Schritt waren „Osttransporte“ Ende 1941/Anfang 1942 in Verbindung mit
                    einer „Ausrottungsaktion“ im <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss99">Ghetto
                        Litzmannstadt</ref> (heute Łódź). Der „Auschwitz-Erlass“ vom Dezember 1942,
                    in dem <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss76">Heinrich
                        Himmler</ref> die „Ausrottung“ aller „Zigeuner“ sowie „Zigeunermischlinge“
                    befahl, stellte den Höhepunkt der Verfolgung durch die Nationalsozialisten dar.
                    Insgesamt wurden etwa 500.000 Romnija und Roma und Sintize und Sinti durch die
                    Nationalsozialisten ermordet. <lb/>
          <emph style="bold">Kampf um Anerkennung als NS-Opfergruppe</emph>

          <space/> Von den rund 11.000 Romnija und Roma, Sintize und Sinti, die vor 1938
                    in Österreich gelebt hatten, überlebten nur etwa 1.000 die NS-Herrschaft.
                    Trotzdem wurde der Holocaust an den Roma und Sinti in der österreichischen
                    Erinnerungskultur jahrzehntelang stark vernachlässigt. Diskriminierung von
                    Romnija und Roma und Sintize und Sinti war noch lange weit verbreitet, ist es
                    auch teilweise heute noch, eine Anerkennung als NS-Opfergruppe blieb lange
                    verwehrt. Einen großen Beitrag für die Anerkennung der rassistischen
                    NS-Verfolgung, aber auch im Kampf gegen Antiziganismus leistete und leistet in
                    Österreich immer noch die Bürgerrechtsbewegung der Roma selbst, die sich in
                    zahlreichen aktiven Vereinen wie etwa dem Romano Centro zeigt. <space/> Erst im
                    Jahr 1984 kam es im Burgenländischen Lackenbach, wo während der NS-Zeit Romnija
                    und Roma und Sintize und Sinti in einem KZ-ähnlichen <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss249">Anhaltelager</ref> inhaftiert waren, zur Errichtung eines ersten Mahnmals
                    für die Roma-NS-Opfer in Österreich. Vier Jahre später wies Bundeskanzler Franz
                    Vranitzky vor diesem Mahnmal auf die Mitschuld Österreichs an NS-Verbrechen hin.
                    <lb/> Bis heute fehlt allerdings in Wien ein Mahnmal, das an die im
                    Nationalsozialismus ermordeten Romnija und Roma und Sintize und Sinti Europas
                    erinnert. </p>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Gerhard Baumgartner, Der Genozid an den österreichischen Roma und Sinti,
                        in: Andrea Härle/Cornelia Kogoj/Werner Michael Schwarz/Michael Weese/Susanne
                        Winkler (Hg.), Romane Thana. Orte der Roma und Sinti (Ausstellungskatalog
                        zur gleichnamigen Ausstellung, Kooperation Wien Museum/Landesmuseum
                        Burgenland/Initiative Burgenland/Romano Centro), Wien 2015, 86–93.</item>
          <item>Karin Berger, Ceija Stojka – Lebensorte. Zum Leben und Schreiben Ceija
                        Stojkas (1933–2013), in: Gerhard Baumgartner, Der Genozid an den
                        österreichischen Roma und Sinti, in: Andrea Härle/Cornelia Kogoj/Werner
                        Michael Schwarz/Michael Weese/Susanne Winkler (Hg.), Romane Thana. Orte der
                        Roma und Sinti (Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung,
                        Kooperation Wien Museum/Landesmuseum Burgenland/Initiative Burgenland/Romano
                        Centro), Wien 2015, 99–117</item>
          <item>Mirjam-Angela Karoly, Dikh He Na Bister! Schau hin und vergiss nicht! Der
                        Kampf um Anerkennung des Holocaust an Rom:nja – ein Prozess um Teilhabe und
                        Selbstermächtigung, in: Sabine Apostolo/Gabriele Kohlbauer-Fritz/Agnes
                        Maisinger im Auftrag des Jüdischen Museums Wien (Hg.), Die Dritte
                        Generation. Der Holocaust im familiären Gedächtnis (Ausstellungskatalog zur
                        gleichnamigen Ausstellung), Wien/München 2024, 134–141.</item>
          <item>Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien.
                        Opfer-Täter-Gegner, Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 217–238.</item>
          <item>Marius Weigl, Fremdmachung und Entrechtung, Der polizeiliche
                        Ordnungsbegriff „Zigeuner“ in Österreich 1918–1938, in: Andrea
                        Härle/Cornelia Kogoj/Werner Michael Schwarz/Michael Weese/Susanne Winkler
                        (Hg.), Romane Thana. Orte der Roma und Sinti (Ausstellungskatalog zur
                        gleichnamigen Ausstellung, Kooperation Wien Museum/Landesmuseum
                        Burgenland/Initiative Burgenland/Romano Centro), Wien 2015, 56–60.</item>
        </list>
      </div>
      <div type="mehrMachen">
        <head>Ceija Stojka, Überlebende des nationalsozialistischen Genozids an den Romnija
                    und Roma und Sintize und Sinti</head>
        <caption>Didaktischer Kommentar</caption>
        <p>Durch die Beschäftigung mit verschiedenen Quellen setzen sich die Lernenden mit
                    dem rassistischen Gesellschaftsbild der Nationalsozialisten und dessen Folgen
                    für die Romnija und Roma und Sintize und Sinti, speziell für Ceija Stojka und
                    deren Familie auseinander. Da mit verschiedenen Quellen wie einem
                    Zeitungsbericht von 1938 und lebensgeschichtlichen Texten von Ceija Stojka
                    gearbeitet wird, ist ein differenzierter und reflektierter Zugang förderlich.
                    Wünschenswert sind Grundkenntnisse über den NS-Terror und die
                    nationalsozialistische Ideologie.</p>
        <caption>Arbeitsaufträge</caption>
        <p>
          <list style="ordered">

            <item> Das Gesellschaftsbild der Nationalsozialisten, in dem Menschen in
                                <ref
                target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss128">„Rassen“</ref> eingeteilt wurden, wird auch klar in den damaligen
                            Medien verbreitet. So etwa in der Tageszeitung „Reichspost“, die vor dem
                            „Anschluss“ im Sinne des <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss5">austrofaschistischen Regimes</ref> berichtet hatte und mit Ende
                            September 1938 auf Druck der Nationalsozialisten eingestellt wurde.
                            <space/> Lies den Zeitungsausschnitt aus der „Reichspost“ vom 10. Juli
                            1938 aufmerksam. Beschreibe die Art und Weise, wie Romnija und Roma und
                            Sintize und Sinti dargestellt werden und welche Wörter und Wortfelder
                            neben der diskriminierenden Bezeichnung „Zigeuner“ dabei verwendet
                            werden. <space/>
            </item>
            <item> Arbeite heraus, welche Eigenschaften Romnija und Roma und Sintize und
                            Sinti in der „Reichspost“ zugeschrieben werden. Stelle sie den
                            Zuschreibungen für andere Bevölkerungsgruppen gegenüber. Versuche nun
                            festzumachen, welche Unterscheidungen die Nationalsozialisten zwischen
                            diesen machten. Beurteile abschließend kritisch! <space/>
            </item>
            <item> In ihren Erinnerungen „Wir leben im Verborgenen“, die 1988 erschienen
                            sind, erzählt Ceija Stojka unter anderem von ihrer Zeit in verschiedenen
                            KZ. Im vorliegenden Ausschnitt (siehe Textquellen) berichtet sie über
                            ihre Ankunft im KZ Auschwitz-Birkenau im Jahr 1943, bei der sie knapp
                            zehn Jahre alt war. <lb/> Wie schildert sie Ablauf und
                            Häftlingsregistrierung nach ihrer Ankunft im KZ? Nenne drei Aspekte, die
                            dir dabei auffallen. Ergänze die darin erhaltenen Informationen über die
                            Häftlingsregistrierung, indem du auch die beiden nächsten Textquellen
                            zur Hilfe nimmst. <space/>
            </item>
            <item> Ceija Stojka beschreibt in dem Ausschnitt aus „Wir leben im
                            Verborgenen“ auch ausführlich ihre Eindrücke von den SS-Aufseherinnen.
                            Gib diese Eindrücke wieder und setze dich mit der Frage auseinander, was
                            man anhand ihrer Schilderungen vielleicht auch über die Persönlichkeit
                            von Ceija Stojka erfahren kann. <space/>
            </item>
            <item> Lies Ceija Stojkas Gedicht „auschwitz ist mein mantel“, in dem sie
                            sich mit dem Gefühl der Angst und ihrer Zeit in KZ auseinandersetzt.
                            Notiere jeweils mindestens zwei Empfindungen, Assoziationen und Fragen.
                            Tausche dich danach mit einer Mitschülerin/einem Mitschüler aus und
                            vergleicht eure Eindrücke. <space/>
            </item>
            <item> Ceija Stojka wurde im Jahr 2014 der Platz neben der Altlerchenfelder
                            Kirche im Bezirk Neubau gewidmet (siehe Bildquellen). Seit 2015 findet
                            dort alljährlich am 2. August eine Gedenkveranstaltung statt, die an den
                            Genozid an Romnija und Roma und Sintize und Sinti während der Zeit des
                            Nationalsozialismus erinnert. Sie wird von Jugendlichen sowie jungen
                            Erwachsenen aus der Roma-Community organisiert. <space/> Begründe, warum
                            du den Ceija-Stojka-Platz (nicht) für den passenden Ort für diese
                            Gedenkveranstaltung hältst. Entwirf dann ein kurzes Konzept dazu, wen du
                            dir als MitorganisatorInnen wünschen würdest und welche Programmpunkte
                            deiner Ansicht nach passend wären. Solltest du einen passenderen Ort für
                            diese Gedenkveranstaltungen wissen, erarbeite eine Gedenkveranstaltung
                            für diesen. </item>
          </list>
        </p>
        <caption>Vermittlungshinweise</caption>
        <p> Die Beschäftigung mit diesem Erinnerungszeichen ist für den Klassenraum gedacht,
                    für Arbeitsaufgabe sechs kann aber auch der Ceija-Stojka-Platz aufgesucht
                    werden. <lb/> Die beiden ersten Arbeitsaufgaben beschäftigen sich mit dem
                    rassistischen NS-Gesellschaftsbild, wobei hier der Fokus auf Sprachgebrauch und
                    Zuschreibungen gewisser Eigenschaften gegenüber vom NS-Terrorregime verfolgten
                    Gruppen liegt. Bei den Arbeitsaufgaben drei bis fünf sind die
                    lebensgeschichtlichen Erfahrungen von Ceija Stojka im Zentrum, wobei Aufgabe
                    fünf sehr individuell bearbeitet werden kann. <lb/> Aufgabe sechs beschäftigt
                    sich mit dem Ceija-Stojka-Platz im 7. Bezirk und lädt Lernende ein, sich
                    Gedanken über die Gestaltung einer Gedenkveranstaltung zu machen. </p>
        <caption>Vermittlungsziele</caption>
        <list>
          <item>Die SchülerInnen setzen sich kritisch mit der „Rassentheorie“ und deren
                        Einfluss auf die NS-Verfolgungspolitik auseinander.</item>
          <item>Anhand der Beschäftigung mit Texten einer Überlebenden des Genozids an
                        Romnija und Roma und Sintize und Sinti soll auch ein lebensgeschichtlicher,
                        subjektiver Zugang ermöglicht werden.</item>
          <item>Darüber hinaus sollen die Lernenden durch die Gestaltung eines Konzepts
                        für eine Gedenkveranstaltung eine Möglichkeit des sich aktiv Einbringens in
                        die Gedenkarbeit kennenlernen.</item>
        </list>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Gerhard Baumgartner, Der Genozid an den österreichischen Roma und Sinti,
                        in: Andrea Härle/Cornelia Kogoj/Werner Michael Schwarz/Michael Weese/Susanne
                        Winkler (Hg.), Romane Thana. Orte der Roma und Sinti (Ausstellungskatalog
                        zur gleichnamigen Ausstellung, Kooperation Wien Museum/Landesmuseum
                        Burgenland/Initiative Burgenland/Romano Centro), Wien 2015, 86–93.</item>
          <item>Karin Berger, Ceija Stojka – Lebensorte. Zum Leben und Schreiben Ceija
                        Stojkas (1933–2013), in: Gerhard Baumgartner, Der Genozid an den
                        österreichischen Roma und Sinti, in: Andrea Härle/Cornelia Kogoj/Werner
                        Michael Schwarz/Michael Weese/Susanne Winkler (Hg.), Romane Thana. Orte der
                        Roma und Sinti (Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung,
                        Kooperation Wien Museum/Landesmuseum Burgenland/Initiative Burgenland/Romano
                        Centro), Wien 2015, 99–117</item>
          <item>Mirjam-Angela Karoly, Dikh He Na Bister! Schau hin und vergiss nicht! Der
                        Kampf um Anerkennung des Holocaust an Rom:nja – ein Prozess um Teilhabe und
                        Selbstermächtigung, in: Sabine Apostolo/Gabriele Kohlbauer-Fritz/Agnes
                        Maisinger im Auftrag des Jüdischen Museums Wien (Hg.), Die Dritte
                        Generation. Der Holocaust im familiären Gedächtnis (Ausstellungskatalog zur
                        gleichnamigen Ausstellung), Wien/München 2024, 134–141.</item>
          <item>Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien.
                        Opfer-Täter-Gegner, Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 217–238.</item>
          <item>Marius Weigl, Fremdmachung und Entrechtung, Der polizeiliche
                        Ordnungsbegriff „Zigeuner“ in Österreich 1918–1938, in: Andrea
                        Härle/Cornelia Kogoj/Werner Michael Schwarz/Michael Weese/Susanne Winkler
                        (Hg.), Romane Thana. Orte der Roma und Sinti (Ausstellungskatalog zur
                        gleichnamigen Ausstellung, Kooperation Wien Museum/Landesmuseum
                        Burgenland/Initiative Burgenland/Romano Centro), Wien 2015, 56–60.</item>
        </list>
      </div>
      <div type="quellenText">
        <p>
          <emph style="bold"> Zeitungsausschnitt „Reichspost“ - <emph style="cursive">Das
                            Zigeunertum im Lichte der Rassengesetze.</emph>
          </emph>
          <space/> Von deutschen <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss225">Rassengesetzen</ref> werden außer den Juden, den asiatischen und
                    afrikanischen <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss128">Rassen</ref> und den Ureinwohnern Australiens und Amerikas noch die <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss284">Z i g e u n e
                        r</ref> betroffen; sie sind dem Blute nach fremd und <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss335">n i c h t a r i
                        s c h</ref> und dürfen mit deutschen <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss357">Volksgenossen</ref> eine Ehegemeinschaft nicht eingehen. Die Zigeuner
                    bewahren wie die Juden einen innigen Zusammenhang untereinander, obwohl sie kein
                    eigenes Land besitzen. Das <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss337">parasitische</ref> land- und staatslose Zigeunertum [hier wird auf die
                    umherziehende Lebensweise von Roma und Sinti bezuggenommen, die auch teils auf
                    Diskriminierung und Vertreibung beruhte] unterscheidet sich aber von dem
                    Judentum dadurch, dass es durch eine lebende Sprache, durch gewisse Bräuche und
                    auffallende Standesgewohnheiten [=Verhaltensweisen, Normen und Bräuche, die mit
                    einer bestimmten sozialen Schicht oder einem bestimmten Stand verbunden sind]
                    zusammengefügt wird. Aus diesem Grunde sind auch eheliche Verbindungen der
                    Zigeunerinnen, deren jugendliche, aber rasch verblühende Schönheit geradezu
                    sprichwörtlich ist, mit Angehörigen des <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss358">Wirtsvolkes</ref> äußerst selten. Dazu kommen noch ihre arteigenen Sitten,
                    abstoßende Unreinlichkeit, Mangel an Körperpflege und der damit verbundene
                    Körpergeruch. [...] <lb/> Gerade die <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss116">Ostmark</ref> ,
                    die durch ihren östlichsten <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss223">Gau</ref> , das
                    Burgenland, gegen Sonnenaufgang offen ist, war über den Durchschnitt der
                    anderen deutschen Länder von diesem lichtscheuen Volke heimgesucht. Dort zählt
                    man noch heute über tausend Zigeuner, die sich vorwiegend, soweit sie sesshaft
                    gemacht worden sind, auf die Bezirke Oberpullendorf und Jennersdorf verteilen
                    [...] Freilich das Betteln und stehlen konnte man ihnen trotz den gutgemeinten
                    Vorschriften und aller weiterer Erziehung zur Arbeit nicht abgewöhnen. [...]
                    <lb/> Die Zigeuner haben sich so weit angepasst, dass sie am Rande unserer
                    Zivilisation ein schmarotzerhaftes Dasein führen. Wie ja auch die Juden von
                    außen in unseren Kultur- und Lebenskreis eingedrungen sind. Trotz dieser
                    Gemeinsamkeit besteht ein grundlegender Unterschied zwischen den beiden.
                    Während der Jude in Übersteigerung seines Rassenhasses die Führerstellungen
                    [=dominierende Positionen] der Wirtsvölker zu erobern sucht, wobei er zur
                    Erleichterung seines Vorgehens jede rassische Höhe und kulturelle Haltung
                    nivelliert [=auf ein niedrigeres Niveau bringen] , verkehrt, lächerlich macht,
                    also innerlich anfrisst, hat der Zigeuner keine weitere Absicht als sein
                    Naturdasein am Rande unserer Kultur fristen zu können [...] Die <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss303">abendländischen</ref> Völker haben in den Zigeunern einen Fremdkörper,
                    wie in den Juden, zu sehen und müssen klare und eindeutige Vorkehrungen
                    treffen, um sich gegen die von der Zigeunergefahr drohende Ansteckung zu feien. <lb/>
          <lb/>
          <emph style="bold">Ceija Stojka in „Leben im Verborgenen“ über ihre Ankunft im
                        KZ Auschwitz-Birkenau</emph>
          <space/> Am nächsten Tag bekam jede von uns ein Kleid hingeworfen, die <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss354">Stubenälteste</ref> sagte: „Zieh das an und die anderen Kleider gebt ihr
                    vorne ab.“ Die Kleider hatten vorne und hinten ein langes Kreuz, meines war blau
                    mit einem gelben Kreuz. Es war schrecklich. Unsere Mama lachte und Tränen
                    standen in ihren blauen Augen. Dann schrie eine andere: „Los, los, alles Betten
                    machen. Ich komme dann nachschauen, es darf keine Falte in den Decken sein. Und
                    dann stellt ihr euch alle neben euren Buchsen hin. Es kommt gleich die
                    Aufseherin, die euch zählen wird. Und das heißt, ihr müsst auf zack sein.“ Nach
                    langem Stehen kam die Aufseherin. Sie war eine große, vollschlanke, blonde, sehr
                    elegante Frau, sehr streng und eisig kalt. Ihre Haare waren kunstvoll zu einem
                    Knoten hochgesteckt, sie hatte wunderschöne Lackstiefel an, ihre Mütze saß zu
                    perfekt, es fehlte nichts an ihr. Sie hatte auch ein schönes Gesicht, ihr Name
                    war Binz. Sie zählte uns, ohne eine Miene zu verziehen und ging aus der <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss310">Baracke</ref> .
                    Wir konnten uns nicht vorstellen, dass eine so schöne Frau kein Herz haben
                    konnte. <lb/> Anschließend bekamen wir alle eine <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss323">Registriernummer</ref> : ein weißer, länglicher Stoffstreifen mit einem
                    schwarzen Winkel, das hieß arbeitsscheu. (Aber wie konnte ich arbeitsscheu sein,
                    ich war ja noch ein Kind!). Den Streifen mussten wir uns auf die linke Seite
                    nähen. Nun waren wir alle gekennzeichnet: der letzte Abschaum der Menschheit.
                    <lb/> Vorne bei der Barackentür war ein langer Tisch, an dem eine <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss312">Blockführerin</ref> saß, und hinter ihr war ein Fenster, nicht sehr groß.
                    Die Frau hatte einen grünen Winkel [siehe nächste Textquelle], sie war eine
                    sogenannte kriminelle Gefangene. Sie war eine kleine, zierliche Person, hatte
                    schöne, glatte, zurückfrisierte Haare, ihr Name war Ria. Man sah, dass sie ein
                    guter Mensch sein musste. Sie war noch ziemlich jung, vielleicht dreißig Jahre.
                    Sie nahm uns die alten Kleider ab und gab jeder von uns eine Schüssel. Neben ihr
                    stand eine andere Frau, die war groß und blond mit ganz kurzen Haaren. Sie war
                    Russin und hatte einen <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss348">roten
                        Winkel</ref> . Ihr Name war Schura. Sie schenkte uns schwarzen Tee in die
                    Schüssel und gab uns ein Stück Brot dazu. Unser Blick streifte am Fenster
                    vorbei, draußen auf dem Hauptplatz waren viele Menschen zu sehen, sie standen
                    Appell, gruppenweise. Viele SS-Frauen mit Hunden. [...] Nun waren wir alle
                    registriert und nummeriert. Am nächsten Tag standen wir mit den anderen im
                    Freien <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss309">Appell</ref> . Die Aufseherinnen Rabl und Binz zählten uns. Wir mussten
                    einen Meter Abstand voneinander halten, sodass der Wind überall durchblasen
                    konnte. Nach dem Appell schrien sie: „Alles abtreten!“ Wir waren wieder in
                    unserer <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss310">Baracke</ref> .“ <lb/>
          <lb/>
          <emph style="bold">Zur Deportation und Ankunft von Roma und Sinti in
                        Auschwitz-Birkenau</emph>
          <space/> Am 16. Dezember 1942 ordnet Heinrich Himmler die <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss192">Deportation</ref> von „Zigeunermischlingen, Rom-Zigeunern und nicht
                    deutschblütigen Angehörigen zigeunerischer <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss353">Sippen</ref>
                    balkanischer Herkunft“ an. Im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wird ein
                    eigenes „Zigeunerlager“ eingerichtet. Wie viele Roma aus dem Gebiet des
                    ehemaligen Österreich nach Auschwitz-Birkenau genau deportiert wurden, kann
                    bislang nicht exakt festgestellt werden, es wird von 2.700 bis 2.900 Personen
                    ausgegangen. Gleich den jüdischen Häftlingen in Auschwitz wird den Roma nach
                    ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau eine Nummer eintätowiert, von der Nummer ein
                    „Z“ für „Zigeuner“. Sie müssen den <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss351">„Schwarzen
                        Winkel“</ref> tragen, der sie als „Asoziale“ denunziert und kenntlich macht.
                    „Wir waren ja keine Menschen mehr“, beschreibt Karl Stojka seine Erfahrung in
                    Auschwitz-Birkenau. „Wir waren auch keine Tiere. Wir waren eine Nummer.“ Karl
                    Stojka hat im Lager keinen Namen, der ihm eine Identität als Mensch verleiht, er
                    heißt nur noch Z 5742. <lb/>
          <lb/>
          <emph style="bold">Häftlingskategorien</emph>

          <space/> Die Nationalsozialisten teilten die Häftlinge der Konzentrationslager
                    in Kategorien ein. Anfangs erkannte man die Gruppen an verschiedenfarbigen
                    Streifen und Punkten auf ihrer Kleidung oder an unterschiedlichen Uniformen. Ab
                    1937/1938 nutzten die Lagerverwaltungen einheitlich farbige Winkel, die die
                    Häftlinge sichtbar auf ihren Jacken und Hosen anbringen mussten. Die farbigen
                    Winkel sind auch auf den Dokumenten der Lagerverwaltung zu finden. Je länger die
                    Konzentrationslager existierten, umso mehr Häftlingskategorien kamen hinzu.
                    <lb/> Generell unterschied man in den Konzentrationslagern zwischen Schutzhaft
                    und Vorbeugehaft – zwei sehr verharmlosend wirkende Begriffe. Maßgeblich für die
                    Kategorie war die einliefernde Behörde. Als „Schutzhäftlinge“ verbrachte die
                    Gestapo ab Februar 1933 Menschen in Konzentrationslager, von denen aus Sicht der
                    Nationalsozialisten eine vermeintliche Gefahr für „Volk und Staat“ ausging, so
                    der Titel der sogenannten <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss345">Reichstagsbrandverordnung</ref> . Dazu zählten vor allem politische
                    Häftlinge, Homosexuelle, Juden und Zeugen Jehovas. Die Haftdauer war zeitlich
                    unbefristet und es gab kein Gerichtsverfahren. <lb/> Häftlinge, die von der
                    Kriminalpolizei (Kripo) wegen vermeintlichem oder tatsächlichem sozial
                    abweichenden Verhalten als „kriminell“ oder „asozial“ verhaftet wurden, fielen
                    hingegen in die Kategorie der „Vorbeugehäftlinge“. Hierunter fassten die
                    Nationalsozialisten auch viele inhaftierte Sinti und Roma. Sie ging entweder
                    gegen soziale AußenseiterInnen vor oder die Haft schloss direkt an die
                    Entlassung aus einem Gefängnis an, obwohl die zu verbüßende Haftzeit abgeleistet
                    worden war. Ein erster Vorbeugehafterlass gegen sogenannte „Berufsverbrecher“
                    erging schon im November 1933. Eine reichsweit einheitliche Regelung der
                    „polizeilichen Vorbeugehaft“ gab es ab Dezember 1937. <lb/>
          <lb/>
          <emph style="bold">Gedicht „Auschwitz ist mein Mantel“ von Ceija Stoika</emph>
          <space/> auschwitz ist mein mantel <space/> du hast angst vor der finsternis?
                    <space/> ich sage dir, wo der weg menschenleer ist, <space/> brauchst du dich
                    nicht zu fürchten. <space/> ich habe keine angst. <space/> meine angst ist in
                    auschwitz geblieben <space/> und in den lagern. <space/> auschwitz ist mein
                    mantel <space/> bergen-belsen mein kleid <space/> und ravensbrück mein
                    unterhemd. <space/> wovor soll ich mich fürchten?</p>
        <caption>Titel / Beschreibung</caption>
        <p>Textquellen zum Genozid an den Romnija und Roma und Sintize und Sinti durch das
                    NS-Regime</p>
        <caption>Quellenzitat</caption>
        <p>
          <list>
            <item>Das Zigeunertum im Lichte der Rassengesetze, Reichspost,
                            10.7.1938/Folge 179, 17.</item>
            <item>Ceija Stojka, Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer
                            Rom-Zigeunerin, Wien 1988, 40-42.</item>
            <item>Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien.
                            Opfer-Täter-Gegner, Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 228.</item>
            <item>e-Guide Arolsen Archives, <ref target="https://eguide.arolsen-archives.org/fileadmin/eguide-website/downloads/Haftarten_dt.pdf">Artikel zu Häftlingskategorien und ihren Abkürzungen</ref>
            </item>
            <item>Ceija Stojka, auschwitz ist mein mantel. bilder und texte, Wien 2008,
                            5.</item>
          </list>
        </p>
      </div>
    </body>
  </text>
  <facsimile>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvie78" xml:id="IMAGE.1">
      <desc type="title">Ceija Stojka bei einem ZeitzeugInnenbesuch in einer Schule (Foto:
                Martin Krist)</desc>
    </graphic>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvie78" xml:id="IMAGE.2">
      <desc>Der Ceija-Stojka-Platz befindet sich direkt zwischen der Altlerchenfelder Kirche
                und der Lerchenfelder Straße. Unter dem Straßenschild ist eine Erklärungstafel
                angebracht. Eine weitere Erklärungstafel befindet sich in einem Grünstreifen am
                Platz.</desc>
      <desc type="title">Ceija-Stojka-Platz, 1070 Wien (Fotos Antonia Winsauer)</desc>
    </graphic>
  </facsimile>
</TEI>
