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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Vermittlungsangebot

Zu: Heinz-Heger-Park

Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Heinz-Heger-Park, 1090 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen arbeiten historisch und künstlerisch zum Heinz-Heger-Park, der Person Josef Kohout und weiteren queeren Personen aus Wien, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden.
Ort: 1090 Wien, Heinz-Heger-Park
Zeitbedarf: 3 bis 4 Doppelstunden, geeignet für fächerübergreifenden Unterricht
Alter: ab 16 Jahre
Vermittlungsort: Außerschulischer Lernort und Klassenraum (Heinz-Heger-Park)


Verbundene Orte:




Mehr Machen



Titel des Angebotes



Arbeitsaufträge



Didaktischer Kommentar



Vermittlungshinweise



Vermittlungsziele



Literatur





Queere Geschichte(n) in der NS-Zeit – Sichtbarkeit erkämpfen



Didaktischer Kommentar

Das folgende Vermittlungsangebot ermöglicht SchülerInnen die Auseinandersetzung mit queeren Personen im Nationalsozialismus, einer Opfergruppe die auch nach 1945 und bis in die 1970er Jahre diskriminiert wurde und in der öffentlichen Erinnerung eine marginale Position einnimmt. Die SchülerInnen setzen sich inhaltlich sowie grafisch-gestalterisch mit Biografien von queeren Personen auseinander und präsentieren ihre Arbeiten als künstlerische Intervention im öffentlichen Raum.



Arbeitsaufträge

Teil 1: Recherche und Vorüberlegungen

  • Betrachtet das „Erinnerungszeichen Heinz-Heger-Park“ und lest den Informationstext unter „Mehr Erfahren“.
  • Bearbeitet zuerst in Kleingruppen und anschließend in der Klasse die folgenden Arbeitsaufträge: Recherchiert die auf dem Erinnerungszeichen enthaltenen Informationen. Erörtert mögliche Gründe dafür, warum es in Wien bislang nur zwei Erinnerungszeichen für während des Nationalsozialismus als homosexuell verfolgte Personen gibt. Untersucht, ob während des Nationalsozialismus ausschließlich Personen verfolgt wurden, die sich selbst als homosexuell identifiziert haben, oder ob auch andere Betroffene unter diesen Verfolgungen litten. Positioniert euch zu der Frage, ob auch jene Personen in das öffentliche Gedenken aufgenommen werden sollen, die nicht homosexuell waren, aber aufgrund einer entsprechenden Zuschreibung verfolgt wurden. Begründet eure Position.
  • Beschäftigt euch zu zweit jeweils mit einer Person aus dem Buch „Als homosexuell verfolgt: Wiener Biografien aus der NS-Zeit“ von Andreas Brunner und macht euch Notizen. Stellt der Klasse die Person und ihre Geschichte vor.
  • Besprecht in der Klasse, welche grafischen Entscheidungen die GestalterInnen des Buchs getroffen haben.
  • Teil 2: Künstlerische Umsetzung Gestaltet zu der Person, mit der ihr euch beschäftigt habt, ein digitales Plakat, welches am Projektende gedruckt und im Heinz-Heger-Park ausgestellt werden kann. Bedenkt dabei im Vorfeld Folgendes: Wer wird das Plakat sehen? Wie könnt ihr die Person und ihre Geschichte am besten darstellen? Welche Informationen sind dafür wichtig? Welche grafische Gestaltung passt zum Inhalt des Plakats? Teil 3: Künstlerische Intervention: Erweiterung des Gedenkens im Heinz-Heger-Park
  • Schaut euch im Heinz-Heger-Park genau um und sucht passende Stellen aus, an denen ihr eure Plakate vorübergehend aufstellen könnt. Wenn ihr die Ausstellung länger zeigen möchtet, müsst ihr dafür eine Genehmigung bei der MA 22 und MA 46 einholen – oder ihr entscheidet euch dafür, die Plakate in der Schule auszustellen.
  • Macht auf eure künstlerische Intervention aufmerksam.
  • Kommt in der Gruppe zusammen und stellt eure Plakate vor.


  • Vermittlungshinweise

    Vorbereitung: Eine allgemeine thematische Einführung zu queeren Opfern des Nationalsozialismus ist empfehlenswert. Optionale Quellen:

  • Dokumentarfilm „Verbotene Liebe: Queere Opfer der NS-Diktatur
  • QWIEN – Zentrum für queere Geschichte (Angebote: Unterrichtsmaterialien, queere Stadtführungen)
  • Website „Queer Identities “ (von Historiker*in Kai* Brust)
  • Website „TO BE SEEN “ des NS-Dokumentationszentrums München
  • Teil 1 des Angebotes: Recherche und Vorüberlegungen
  • Ort: Klassenraum
  • Dauer: ca. 90 Minuten
  • Das Buch „Als homosexuell verfolgt: Wiener Biografien aus der NS-Zeit“ von Andreas Brunner kann beispielsweise in den Büchereien der Stadt Wien entlehnt oder für die Schulbibliothek angeschafft werden. Online sind kaum Biografien zu queeren Opfern aus der NS-Terrorzeit zugänglich, dies verdeutlicht einmal mehr die fehlende Sichtbarkeit der Opfergruppe.
  • Im Buch wird mit Quellen der NationalsozialistInnen (TäterInnenquellen) gearbeitet, daher kommen in allen Texten queerfeindliche Aussagen vor. Dies im Vorhinein mit den SchülerInnen zu besprechen, ist empfehlenswert, ebenso content notes zu verwenden und die SchülerInnen entscheiden zu lassen, mit welcher Biografie sie sich auseinandersetzen wollen. Falls SchülerInnen sich nicht wohl mit der biografischen Arbeit fühlen, können sie auch ein Plakat gestalten, welches allgemein in die Thematik oder das Projekt einführt.
  • Bei der Besprechung der gestalterischen Entscheidungen des Buches „Als homosexuell verfolgt: Wiener Biografien aus der NS-Zeit“ ist es wichtig, den Umgang mit Symboliken der queeren Community zu besprechen, wie zum Beispiel das rosa Dreieck, die Farben des Regenbogens, die Auswahl der Fotografien etc. Von Interesse ist es auch, wie im Buch mit Zitaten aus Gerichtsprozessen und Polizeiakten umgegangen wird.
  • Die folgenden Biografien sind für die Bearbeitung durch die SchülerInnen zu empfehlen:
  • Bernhard Weinberger (content note: Antisemitismus)
  • Dorothea Neff und Lilli Wolf
  • Alexander Bella Pree (content note: Inter*feindlichkeit; Hinweis: Bella Pree ist eine inter* Person, die sich als Frau identifiziert und den Namen Bella verwendet hat. Im Buch wird sie mit dem dead name benannt und er/ihm Pronomen für sie benutzt. Inter* Personen sind in der Erinnerung an den Nationalsozialismus kaum vorhanden. Daher ist die Bearbeitung der Biografie von Bella Pree empfehlenswert. Ein sprachsensibler Umgang mit der Quelle ist notwendig, um die im Buch enthaltene Diskriminierung nicht zu reproduzieren. Im Abschnitt Bilder gibt es ein Plakat zu Bella Pree als Beispiel für eine gestalterische Ausarbeitung einer Biografie. Dieses Plakat kann besprochen und mit den Arbeiten der SchülerInnen ausgestellt werden.)
  • Leopoldine B. und Annemarie Z. (content note: Antisemitismus)
  • Franz Doms
  • Heinrich Schrefel (content note: Antisemitismus)
  • Berthold Windisch
  • Erika Kellner / Erica Anderson (content note: Antisemitismus)
  • Alfred Fritschka
  • Han(n)s Adolf Beer
  • Anton Steinbrunner
  • Franz Maurer (content note: Trans*feindlichkeit, Ableismus)
  • Engelbert Sedlatschek
  • Josef Weisseneder
  • Leopold Ruf (content note: Beschreibungen von Misshandlung, Suizid)
  • Alfred Grünewald
  • Gustav Halbritter (content note: Ableismus)
  • Dr. Karl Ernst Reichel
  • Friedrich Guzmann*Rosa Goldmann (content note: Trans*feindlichkeit, Hinweis: Der Text geht nicht sensibel mit dem gender von Friedrich Guzmann*Rosa Goldmann um und verwendet er/ihm Pronomen. Empfehlenswert ist eine genderneutrale Nennung von Friedrich Guzmann*Rosa Goldmann, da aus den Quellen nicht hervorgeht, wie die Person deren eigenes gender beschrieben hätte.)
  • Robert Blaschek und Rudolf Hrdlička
  • Erika H. und Frieda/Friedel K. (content note: Suizidversuch)
  • Teil 2 des Angebotes: Künstlerische Umsetzung
  • Ort: Klassenraum
  • Dauer: 90-180 Minuten
  • Falls die SchülerInnen noch nie digital grafisch gestaltet haben, ist eine entsprechende Einführung zu empfehlen. Die kostenlose Software Canva bietet sich beispielsweise zur grafischen Gestaltung an.
  • Als Beispiel Plakat kann das Plakat zu Bella Pree dienen, welches unter Bildquellen zu finden ist. Anhand des Plakates kann über gestalterische Entscheidungen, die Verwendung von Text und Symboliken wie der Inter*Pride Flag gesprochen werden. Die SchülerInnen sollten ermutigt werden, sich nicht zu stark am Aufbau des Beispielplakates zu orientieren, sondern eigene gestalterische Ideen zu entwickeln.
  • Falls das digitale grafische Arbeiten nicht möglich ist, können die Plakate auch mit analogen Mitteln gestaltet werden.
  • Bitte beachten: SchülerInnen können unsicher sein, wie sie gendersensibel über Personen schreiben und benötigen hier Unterstützung. Ebenso ist es wichtig mit den SchülerInnen über die Bezeichnungen und Sprache von TäterInnen zu sprechen und wie sensibel mit dieser umgegangen werden kann.
  • Teil 3 des Angebotes: Künstlerische Intervention: Erweiterung des Gedenkens im Heinz-Heger-Park
  • Exkursion zum Heinz-Heger-Park
  • Dauer: 90 Minuten vor Ort
  • Zusätzlich zu den individuellen Plakaten der SchülerInnen kann optional ein Plakat gestaltet werden, welches die BetrachterInnen über das Projekt informiert.
  • Da die temporäre Ausstellung im öffentlichen Raum wie eine künstlerische Intervention zu verstehen ist, können zur Vorbereitung mit den SchülerInnnen andere künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum besprochen werden, wie zum Beispiel die „Schandwache“ am Lueger Denkmal (Dr.-Karl-Lueger-Platz, 1010 Wien).
  • Die Anbringen von Plakaten im öffentlichen Raum ist genehmigungspflichtig (MA 22, MA 46).
  • Empfehlenswert ist es, die Plakate auch in der Schule auszustellen. Somit wird die Erinnerung an queere Opfer des Nationalsozialismus auch für andere SchülerInnen und Lehrpersonen zugänglich.
  • Die SchülerInnen sollten währende der Präsentation ihrer Plakate Wertschätzung erfahren, beispielsweise durch Feedback oder Applaus.
  • Falls Zeit für eine längere oder eine zusätzliche Exkursion ist, bietet sich beispielsweise ein Stadtspaziergang zu den ehemaligen Wohnorten der verfolgten Personen an. Die Adressen finden sich im Buch „Als homosexuell verfolgt: Wiener Biografien aus der NS-Zeit“ von Andreas Brunner.


  • Vermittlungsziele

  • Die SchülerInnen lernen über die Verfolgung von queeren Personen im Nationalsozialismus.
  • Die SchülerInnen entwickeln ein bzw. vertiefen ihr Bewusstsein für die fortlaufende Diskriminierung von Queers.
  • Die SchülerInnen entwickeln ein Bewusstsein zu inter*, trans* und gendernonkonformen Identitäten.
  • Die SchülerInnen können argumentieren, warum die Erinnerung an queere Verfolgte und deren geschichtliche und gesellschaftliche Anerkennung wichtig ist.
  • Die SchülerInnen können historisch informiert ästhetische Entscheidungen treffen.
  • Die SchülerInnen sind sich bewusst, dass ihr Eingreifen in den öffentlichen Raum ein wichtiger Beitrag zur öffentlichen Wahrnehmung der heterogenen Verfolgtengruppe queerer Personen ist.


  • Literatur

  • Anna Hájková, Menschen ohne Geschichte sind Staub: Homophobie und Holocaust. Göttingen 2021.
  • Ansgar Schnurr/Sabine Dengel/Julia Hagenberg/Linda Kelch (Hg.), Mehrdeutigkeit gestalten: Ambiguität und die Bildung demokratischer Haltungen in Kunst und Pädagogik, Bielefeld 2021.