DERLA |

VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Judenplatz, 1010 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen beschäftigen sich mit dem Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah von Rachel Whiteread am Judenplatz in Wien. Dabei entwickeln sie ein Verständnis für die historische Bedeutung sowie die künstlerische Gestaltung des Denkmals. Sie vertiefen ihre Fähigkeiten zur kritischen Analyse, Interpretation und Reflexion. Im Anschluss gestalten die SchülerInnen eigene künstlerische Arbeiten, die sich – inspiriert von Whitereads Herangehensweise und Ausdrucksformen – mit zentralen Themen wie Leere, Vergänglichkeit und dem Erinnern an persönliche und kollektive Geschichte(n) auseinandersetzen.
Ort: 1010 Wien, Judenplatz
Zeitbedarf: ca. 2 Doppelstunden
Alter: 15–19 Jahre
Vermittlungsort: Außerschulischer Lernort und Klassenraum


Verbundene Orte:




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Titel des Angebotes



Arbeitsaufträge



Didaktischer Kommentar



Vermittlungshinweise



Vermittlungsziele



Literatur





Verschwundenes, Leere darstellen – Erinnern mit künstlerischen Mitteln



Didaktischer Kommentar

Das Vermittlungsangebot „Verschwundenes, Leere darstellen – Erinnern mit künstlerischen Mitteln“ rückt das eigenständige künstlerische Gestalten der SchülerInnen in den Mittelpunkt und versteht dieses als aktive Form von Erinnerungsarbeit. Ausgangs- und Impulspunkt für den gesamten Projektverlauf ist der Besuch des Mahnmals für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah von Rachel Whiteread am Judenplatz in Wien. Dieser Besuch dient nicht nur der informativen Begegnung mit einem historischen (Erinnerungs-)Ort, sondern gezielt der Sammlung individueller, ästhetischer und emotionaler Eindrücke. Die SchülerInnen setzen sich dabei insbesondere mit der Materialität, der Formensprache und der räumlichen Wirkung des Mahnmals sowie dem Spannungsverhältnis zwischen Leere und Anwesenheit auseinander. In der darauffolgenden gestalterischen Phase entwickeln die SchülerInnen eigene künstlerische Arbeiten, in denen sie sich mit den Themen Leere, Verlust und Erinnerung unter dem Fokus der NS-Erinnerungsarbeit beschäftigen. Sie nutzen dazu vor allem bildnerische Ausdrucksformen wie Zeichnung und Objektherstellung durch Abformung und Negativabgüsse. Der Text unter „Mehr Erfahren“ bietet einen Einblick in das künstlerische Schaffen Whitereads und dient den SchülerInnen als Inspirationsquelle für eigene künstlerische Arbeiten, deren inhaltliche und formale Gestaltung sie anschließend begründen. Abbildungen von Kunstwerken Whitereads können aus urheberrechtlichen Gründen nicht auf DERLA gezeigt werden. Eine eigenständige Recherche über vertrauenswürdige Online-Quellen (z. B. Museumsseiten oder Bildarchive) wird daher dafür vorgeschlagen. Um eine vertiefte Auseinandersetzung zu ermöglichen, wird außerdem empfohlen, bereits im Vorfeld Grundlagenwissen zur Geschichte des Nationalsozialismus, insbesondere zur Verfolgung und Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, im Unterricht zu erarbeiten. Durch die bewusste Verbindung von Ortserfahrung, künstlerischer Analyse und gestalterischer Eigenarbeit entsteht ein mehrschichtiger Lernprozess. Dieser fördert nicht nur historisches Lernen und ästhetische Urteilskraft, sondern ermöglicht den SchülerInnen eine persönliche(re) Auseinandersetzung mit (ihren) Fragen zur Erinnerungskultur, von Vergänglichkeit und ihrer eigenen Haltung zur Geschichte.



Arbeitsaufträge

Teil 1: Erinnerung erkunden: Besuch des Mahnmals für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah

  • Sucht euch einzeln oder als Gruppe einen Platz rund um das Mahnmal.
  • Überlegt, aus welchen Elementen dieses Denkmal besteht. Was seht ihr, welche gestalterischen, bildlichen und schriftlichen Elemente könnt ihr erkennen?
  • 3. Fertigt von eurem Standpunkt aus zunächst eine Übersichtszeichnung des Mahnmals an. Ergänzt diese anschließend um 3 bis 5 Detailzeichnungen von Elementen, die ihr für besonders wichtig oder interessant haltet.
  • Reflektiert eure Wahrnehmung und Empfindungen an diesem Ort und visualisiert eure Gedanken sowie Assoziationen zum Denkmal. Dokumentiert diese in Form von schriftlichen Notizen und gestalterischen Elementen neben oder innerhalb eurer Zeichnung.
  • Was ist ein Mahnmal? Versucht eine Definition zu finden. Notiert diese ebenfalls auf eurem Zeichenblatt
  • Präsentiert eure Ergebnisse im Plenum. Vergleicht untereinander eure zeichnerischen und gedanklichen Zugänge zum Denkmal. Tauscht euch dabei auch zu folgenden Aufgaben aus: Bezieht Stellung zur Bedeutung des Mahnmals für diesen Ort. Recherchiert gegebenenfalls Zeichen der Erinnerungskultur an eurer Schule und erläutert deren Zusammenhang mit der NS-Zeit. Ermittelt, ob ehemalige SchülerInnen eurer Schule während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden und stellt evtl. Bezüge zu möglichen Formen künstlerischer Erinnerung her.
  • Teil 2: Erinnerung bewahren: Unsichtbares, Fehlendes, Verschwindendes sichtbar machen
  • Analysiert gemeinsam mit der Lehrperson ausgewählte Kunstwerke von Rachel Whiteread. Führt dazu eigenständig eine Online-Recherche zu Werken der Künstlerin durch. Achtet dabei auf die Qualität und Seriosität eurer Quellen. Diskutiert im Plenum die folgenden Aufgaben: Beschreibt die Wirkung von Negativabdrücken und stellt Unterschiede zwischen Abformung und Originalgegenstand heraus. Erörtert, welche ästhetischen oder gedanklichen Erfahrungen durch diesen künstlerischen Prozess ermöglicht werden.
  • Bringt von zuhause Alltagsgegenstände mit. Diese Gegenstände sollen bestimmte Kriterien erfüllen: Wählt Gegenstände aus, die stark mit euch verbunden sind. Sie sollen euch etwas bedeuten und mit euerer Persönlichkeit, eurem Leben oder eurer bisherigen Geschichte zu tun haben. Es sollen Gegenstände sein, mit denen ihr schon eine Weile gelebt habt, die euch begleitet haben oder derzeit begleiten.
  • Bildet Dreiergruppen und stellt euch gegenseitig eure Gegenstände vor. Besprecht, welche praktische und welche emotionale Funktion diese Gegenstände für euch haben.
  • Zeichnet eure Gegenstände (unterschiedliche Perspektiven und Ansichten) und schreibt dazu, warum sie für euch von Bedeutung sind.
  • Drückt eure Gegenstände einzeln, in der zur Verfügung gestellten Abformmasse, ab, so dass eine Negativform entsteht. Fertigt dafür vorbereitend aus der Abformmasse rechteckige Grundplatten in einer passenden Größe für eure Gegenstände an (etwas größer als der Gegenstand selbst). Für jeden Gegenstand soll eine eigene kleine Skulptur entstehen.
  • Zeichnet im Anschluss die entstanden Negativformen eurer Gegenstände, also den unsichtbaren Umgebungsraum eurer vertrauten Gegenstände.
  • Formuliert einen kurzen Text, der euer Erinnerungszeichen begleitet und seine persönliche Bedeutung für euch erläutert.
  • Präsentiert eure Ergebnisse im Plenum. Tauscht euch über die gestalterische Wirkung und die persönliche Bedeutung eurer Erinnerungszeichen aus. Stellt Bezüge zur Arbeitsweise von Rachel Whiteread her und vergleicht eure Ansätze.
  • Reflektiert gemeinsam die Bedeutung des Holocausts als historische Zäsur sowie die Intention des Mahnmals von Rachel Whiteread. Diskutiert anschließend argumentativ in der Klasse, ob und inwiefern es ethisch und künstlerisch vertretbar ist, die Arbeitsweise von Whiteread als Inspiration für die Gestaltung eines persönlichen Erinnerungszeichens zu nutzen.
  • Optionale Zusatzangebote
  • Denkt gemeinsam darüber nach, welche Arten von Erinnerungszeichen an Opfer und Verfolgte des Nationalsozialismus ihr sonst noch kennt und legt eine entsprechende Liste bzw. Sammlung an. Nutzt für eure Recherche beispielsweise die Filterfunktion der „Karte der Erinnerung“ auf DERLA. Besprecht, an wen, wie und warum erinnert wird. Kennt ihr insbesondere Erinnerungszeichen, die an Frauen und Jugendliche erinnern sollen? Wenn ja, welche?
  • Besucht das „Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“ von Alfred Hrdlicka und die „Gedenkstätte für die in der Shoah ermordeten Jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus Österreich“ (Shoah-Namensmauer) in Wien. Nutzt die Einträge auf DERLA als Informationsquelle. Vergleicht diese beiden Erinnerungsorte mit dem Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah von Rachel Whiteread am Wiener Judenplatz. Nutzt dafür geeignete Vergleichskriterien wie z. B.: Gestaltung und Formensprache (z. B. figürlich, abstrakt, Materialwahl und -wirkung); Zugänglichkeit und Standort im öffentlichen Raum Art des Gedenkens (individuelles Gedenken vs. kollektives Gedenken); Thematischer Fokus (z. B. Opfergruppen, historische Ereignisse); Emotionale Wirkung und Atmosphäre
  • Untersucht, welche Aspekte des Erinnerns jeweils dargestellt oder bewusst ausgelassen werden. Bewertet, inwiefern die gestalterischen Mittel zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit beitragen.


  • Vermittlungshinweise

    Teil 1 des Angebotes

  • Schwerpunkt: Erkundung | Rezeption
  • Inhaltliche Orientierung: Herausarbeiten der Verkörperung von Verschwundenem, Leere, Fehlendem, „nicht mehr Zugänglichem“ im Werk Rachel Whitereads
  • ca. 100 Minuten einplanen
  • örtlich gebunden an das Erinnerungszeichen
  • Arbeitsweise: einzeln oder mit anderen (Gruppen- oder PartnerInnenarbeit)
  • die notierten Fragen usw. unbedingt im Plenum besprechen bzw. bearbeiten
  • Material: Zeichenpapier (verschiedene Formate und Qualitäten), Stifte (verschiedene Arten und Farben), Radiergummis, Zeichenkohle, evtl. Fixierspray, feste Unterlagen zum Zeichnen und Schreiben
  • Teil 2 des Angebotes
  • Schwerpunkt: Reflexion | Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk von Rachel Whiteread und mit der Skulptur als verkörperte Erinnerung
  • Inhaltliche Orientierung: vergessene oder vergängliche Gegenstände in etwas Dauerhaftes verwandeln; thematischer Zusammenhang zu Tod, Vergänglichkeit, herstellen; Gips als Material der Mumifizierung, Totenmasken
  • ca. 100 Minuten einplanen
  • auch mit zeitlichem Abstand zum ersten Teil des Vermittlungsangebotes möglich
  • ortsungebunden (beispielsweise in der folgenden Unterrichtsstunde)
  • Arbeitsweise: zuerst in Gruppen, anschließend kann auch unabhängig voneinander gearbeitet werden.
  • die abschließende Frage unbedingt im Plenum besprechen bzw. bearbeiten.
  • Material: Zeichenpapier, Stifte (z. B. Bleistifte, Kugelschreiber, Buntstifte, Filzstifte - für die Zeichnungen der Gegenstände), Radiergummis, Zeichenkohle, evtl. Fixierspray, Abformmasse (z.B. „Keramiplast“ lufttrocknende Modelliermasse von Gerstaecker), Unterlagen zum Bearbeiten der Abformmasse, Messers bzw. Tonabschneider zum Portionieren und der Modelliermasse, Tücher um Reinigen der abgeformten Gegenstände


  • Vermittlungsziele

  • Die SchülerInnen beschäftigen sich mit Erinnerungszeichen wie dem Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah und verstehen, warum solche Zeichen wichtig für unsere Geschichte und Gesellschaft sind.
  • Die SchülerInnen verstehen, wie persönliche Eindrücke Teil eines gemeinsamen Erinnerns werden können, und setzen dies in ihrer eigenen künstlerischen Arbeit um.
  • Die SchülerInnen setzen sich damit auseinander, wie persönliche Erinnerungen und gesellschaftliche Geschichten sichtbar gemacht und festgehalten werden können.
  • Das Angebot möchte eine Sensibilisierung für Themen wie Antisemitismus, Verlust von Kultur und Identität sowie die Notwendigkeit einer aktiven Erinnerungskultur fördern.
  • Die SchülerInnen erproben die Verbindung von künstlerischem Schaffen und historischem Lernen.
  • Das Angebot möchte Perspektivität erfahrbar machen und lädt die SchülerInnen ein, verschiedene Zugänge und Sichtweisen auf Geschichte und Erinnerung zu diskutieren.


  • Literatur

  • Mayer, Stefan, Leerstellen. Räumliche Qualitäten von Lücken, in: Kunst + Unterricht 421/422 (2018), 11-14.
  • Karina Pauls, Erlebte Räume - im Alltag und in der Kunst: Rachel Whiteread und Gregor Schneider, Oberhausen 2009.