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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Vermittlungsangebot

Zu: Mahnmal Aspangbahnhof

Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Leon-Zelman-Park, 1030 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich anhand des Mahnmals Aspangbahnhof mit der Deportation der jüdischen Bevölkerung Wiens in die Vernichtungslager auseinander. Diese verlief nicht geheim, sondern bei Tag mitten in der Großstadt Wien. Durch verschiedene Quellen soll dies und die Situation der deportierten Menschen vermittelt werden.
Ort: 1030 Wien
Zeitbedarf: 100 Minuten
Alter: 13–19 Jahre
Vermittlungsort: Klassenzimmer bzw. öffentlicher Raum


Verbundene Orte:




Textquellen

Textquellen zur Deportation der Wiener Jüdinnen und Juden vom Aspangbahnhof

Rudi Gelbard erinnert sich an die Fahrt zum Aspangbahnhof: Und dann sind wir mit Lastautos zum Aspangbahnhof geführt worden. Und da gab es eine fürchterliche Szene, an die ich mich heute noch erinnere: Dort wo der Eissalon (am Schwedenplatz) heute ist, da war ja eine Straße. Und plötzlich ist der Wagen stehen geblieben, es haben ihn Menschen umringt – auch nicht alle, dass kein Missverständnis entsteht – und haben gesagt: „Ah, die Jüdelach! Jetzt führen´s es.“ Ja, also hämisch. Und da waren darauf alte Leute, Kinder und so – ohne Mitleid. „Ja, da führen´s es jetzt!“ (…) Das war im Oktober 1942. Rudi Gelbard wird gemeinsam mit seinen Eltern als 11-Jähriger vom Aspangbahnhof ins KZ Theresienstadt deportiert. Alle drei erleben die Befreiung, doch seine Eltern sterben bald danach an den Folgen der KZ-Haft. Herbert Schrott: … bei der Haltestelle Ungargasse-Rennweg Dort (im Sammellager) war man ja nicht lange. Dort wurde man ja hingebracht, oder eingewiesen, und ist nach ein, zwei, drei Tagen „abgereist“. Unter Anführungszeichen abgereist (…) abgereist worden. Ich hab Ihnen ja erzählt, wie wir mit den LKW-Zügen hinaufgefahren sind, die Ungargasse, und die Leute … Wir mussten also verkehrsbedingt anhalten, und die Leute bei der Haltestelle Ungargasse-Rennweg, das ist eine Straßenbahnhaltestelle, haben heraufgerufen: „Schau dir an, die Juden. Na ja, schleicht´s euch, san wir froh, dass ihr wegfahrts. (…).“ Ja, ja, das goldene Wiener Herz! Wir sind aufgereiht am LKW gestanden, jeder mit dem gelben Stern . Also es hat jeder gewusst, was los ist. Und wo wir hinfahren – hinauf zum Aspangbahnhof. Herbert Schrott wird 1942 als 16-Jähriger gemeinsam mit seinen Eltern ins KZ Theresienstadt , zwei Jahre später ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Danach wird er gemeinsam mit seinem Vater ins KZ Landsberg-Kaufering, einem Außenlager des KZ Dachau , verschleppt. Auf dem Todesmarsch nach der Auflösung dieses KZ gelingt ihm die Flucht. Sein Vater wird in der Shoah ermordet, seine Mutter erlebt die Befreiung. Edith de Zeeuw-Klaber: Erinnerungen an den Deportationstransport vom Aspangbahnhof ins Ghetto Riga Aspangbahnhof (…) Schon der Name allein löst in mir ein Schauern aus, obwohl es bereits mehr als 70 Jahre her ist. (…) Mit Lastautos ging es dann zum Aspangbahnhof, wo wir von der jüdischen Kultusgemeinde ein Esspaket bekamen. Unsere Henkersmahlzeit , wie wir Ahnungslosen es damals – gottseidank! – noch nicht so richtig begriffen. Das Wenige an Gepäck ging im letzten Waggon mit, so wurde uns versichert, wurde aber direkt außerhalb von Wien abgekuppelt. Die Reise ins Ungewisse dauerte fast fünf Tage, soweit ich mich erinnere. Der Zug stand vor allem nachts stundenlang still oder wurde umrangiert. Je weiter wir fuhren, desto kälter wurde es. Der Zug war ungeheizt und nach zweitägiger Fahrt war unsere Ration an Brot aufgegessen. Der Durst jedoch war noch ärger, wir leckten schließlich das Kondenswasser von den Scheiben. Edith de Zeeuw-Klabers Mutter wird unmittelbar nach der Ankunft in Riga in einem Gaswagen ermordet. Edith überlebt das Ghetto Riga und andere Lager. Sie erlebt die Befreiung im KZ Bergen-Belsen .


Quellenzitat

Interview mit Rudolf Gelbard, 14.09.2016. In: Dieter J. Hecht, Michaela Raggam-Blesch, Heidemarie Uhl (Hg.), Letzte Orte. Die Wiener Sammellager und die Deportationen 1941/42. Wien/Berlin 2019, 68. Interview mit Herbert Schrott, 16.09.2016. In: Dieter J. Hecht, Michaela Raggam-Blesch, Heidemarie Uhl (Hg.), Letzte Orte. Die Wiener Sammellager und die Deportationen 1941/42. Wien/Berlin 2019, 68. Edith de Zeeuw-Klaber, Brief an Peter Eppel vom 05.03.2006. In: Wolfgang Kos/Günter Dinhobl (Hg.), Großer Bahnhof. Wien und die weite Welt, Katalog Wien Museum. Wien 2006, 141.