DERLA |

VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Gymnasiumstraße 83, 1190 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich anhand der Gedenktafel an einer Wiener Schule, die an den unmittelbar nach dem „Anschluss“ erfolgten Ausschluss der jüdischen und nach den „Nürnberger Gesetzen“ als jüdisch geltenden SchülerInnen erinnert, mit diesem Ereignis und seinen Folgen für die ausgeschlossenen SchülerInnen auseinander. Durch verschiedene Quellen soll die Situation an den Schulen vermittelt und reflektiert werden.
Ort: 1190 Wien
Zeitbedarf: 50–100 Minuten (eignet sich auch für Supplierstunden)
Alter: 13–19 Jahre
Vermittlungsort: Klassenzimmer bzw. Gedenktafeln an Schulen




Textquellen

Textquellen zum Ausschluss jüdischer SchülerInnen aus Wiener Schulen

Harry Kaufmann und Georg Kreisler – „Erlebnisse“ beim Schulausschluss Für viele Kinder – vor allem für die jüngeren – bedeutet der Schulausschluss das erste bewusste Wahrnehmen von Ausgrenzung und Diskriminierung. „Ich weinte, weil mein neuer Atlas nun wertlos war – meine Eltern weinten auch, aus anderen Gründen“ , so der damals zehnjährige Harry Kaufmann. Auch Georg Kreisler – später erfolgreicher Kabarettist – erinnert sich an den Tag seines Schulausschlusses noch genau: „Als wir das Gymnasium in der Kandlgasse verließen, hatte sich am Ausgang ein Spalier von christlichen Mitschülern gebildet und wir wurden beim Hinausgehen beschimpft, bespuckt und geschlagen.“ Die rasche Umsetzung rassistischer Vorurteile Es besteht wohl kaum ein gesellschaftlicher Bereich, in dem sich die antisemitischen Vorurteile über die „minderwertige jüdische Rasse“ so leicht als falsch herausstellen wie in der Schule. Jeden Tag, ja jede Schulstunde, haben jüdische und nichtjüdische SchülerInnen die gleichen Anforderungen zu erfüllen, die gleichen Aufgaben zu lösen oder gemeinsam Sport zu betreiben. Nicht selten decken sie sich, wenn es darum geht, einen Streich, die Herkunft eines Schummelzettels oder die unerlaubte Abwesenheit vom Unterricht, das Schwänzen, vor den LehrerInnen geheim zu halten. Sie bilden eine Einheit, eine Klasse eben, und deren einzelne Mitglieder wissen oft Dinge voneinander, die sogar den Eltern – und erst recht den LehrerInnen – verborgen bleiben. Dass dieses „Zusammenleben“ in den einzelnen Schulklassen für die Nationalsozialisten natürlich ein unhaltbarer und inakzeptabler „Zustand“ ist, ist leider klar. Georg Auer – Nach dem Schulausschluss Nach dem erfolgten Abbruch ihrer Schulausbildung bestimmen Ausreise, Flucht, Behördenwege, eine mögliche Trennung von Eltern und Geschwistern, Angst vor weiterer Demütigung, Angst um Angehörige, die von NS-Behörden schikaniert oder sogar verhaftet werden, den Alltag so gut wie aller jüdischen Jugendlichen. Doch kaum ein Land will Flüchtlinge aufnehmen. Viele jüdische Jugendliche versuchen sich auf ihre angestrebte Ausreise aus Österreich vorzubereiten und zusätzliche Qualifikationen zu erwerben, so wie Georg Auer: „Ich habe damals festgestellt, dass ich entweder davon muss oder hier umkommen werde. Es ist besser, wenn ich mit Hammer und Zange umgehen lerne oder mit einem Glasschneider als mit Latein- und Griechischbüchern, wenn ich weiter leben will. Dann begann ich eben eine Glasschleiferlehre.“


Quellenzitat

Martin Krist, Vertreibungsschicksale. Jüdische Schüler eines Wiener Gymnasiums 1938 und ihre Lebenswege. Wien 1999, 29. Karin Cerha/Christopher Treiblmayer (Hg.), Weggewiesen 1938. Vom Gestern ins Heute geholte Schicksale jüdischer SchülerInnen am Realgymnasium Wien 7. Wien 2010, 196. Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien. Opfer – Täter – Gegner. Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 129f. Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien. Opfer – Täter – Gegner. Wien. Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 132.