DERLA |

VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Simmeringer Hauptstraße 232, 1110 Wien
Beschreibung: Anhand filmischen Materials, Ausschnitten aus Erinnerungs- und Sachtexten sowie eines Denkmals setzen sich SchülerInnen mit der NS-„Euthanasie“- auseinander. Im Fokus steht dabei die Lebensgeschichte von Alois Kaufmann. Auch die Folgen für TäterInnen der Kinder-„Euthanasieanstalt“ „Am Spiegelgrund“ werden thematisiert.
Ort: 1110 Wien
Zeitbedarf: je nach Intensität der Bearbeitung 100–150 Minuten
Alter: 13–19 Jahre
Vermittlungsort: Klassenzimmer, Arbeitsauftrag 6 kann aber auch vor Ort bearbeitet werden


Verbundene Orte:




Mehr Machen



Titel des Angebotes



Arbeitsaufträge



Didaktischer Kommentar



Vermittlungshinweise



Vermittlungsziele



Literatur





Alois Kaufmann, Überlebender der NS-„Euthanasie“



Didaktischer Kommentar

Durch die Beschäftigung mit dem (Über-)Leben von Alois Kaufmann und dessen Lebenserinnerungen setzen sich die SchülerInnen mit der NS-„Euthanasie“ auseinander, wobei nicht nur die Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch der Umgang mit der Thematik innerhalb der österreichischen Erinnerungskultur betrachtet wird, nicht zuletzt anhand eines Erinnerungszeichens. Empfohlen wird eine Bearbeitung in der Oberstufe.



Arbeitsaufträge

  1. Lies die Informationen im Bereich „Mehr Erfahren“ und fasse stichwortartig zusammen, welche Menschen aus welchen Gründen von den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ eingestuft wurden. Nutze auch die Verlinkungen in das didaktische Glossar, um dein Wissen zu vertiefen. Tausche dich im Anschluss daran mit einer Mitschülerin/einem Mitschüler darüber aus, was ihr schon zuvor über die NS-„Euthanasie“ wusstet und ob ihr entsprechende Denkmäler oder Gedenkstätten kennt. Ergänze dann deine Notizen von vorhin.
  2. Alois Kaufmann (1934-2018) war als Kind drei Jahre lang in der Kinder-„Euthanasieanstalt“ „Am Spiegelgrund“ eingesperrt und hat nur knapp überlebt. Schau dir sein Videoporträt an (siehe „Videos und Audios“) und erstelle einen Überblick über sein Leben in Form einer PowerPoint-Präsentation. Achte darauf, beim Erstellen sein Leben vor, während und nach seinem Aufenthalt am „Spiegelgrund“ zu berücksichtigen. Vergiss nicht, passende (Unter-)Überschriften einzufügen. Du kannst auch Screenshots – etwa von eingeblendeten Fotos – machen, um die Biografie anschaulicher zu gestalten. Je nachdem, wie viel Zeit du für die Ausarbeitung hast, kannst du dir noch zusätzlich Ausschnitte aus dem ganzen Interview von 2015 ansehen (ebenfalls unter „Videos und Audios“ zu finden). Unter dem Interview findest du Abschnitte, die du anklicken kannst, um zu den einzelnen Sequenzen zu gelangen.
  3. Alois Kaufmann hat durch das Schreiben von Büchern, Theaterstücken und Gedichten versucht, seine schrecklichen Kindheitserinnerungen zu verarbeiten. Lies seinen Text (siehe „Textquellen“). Beschreibe die Situation, die er darin schildert und wen er mit „du“ meinen könnte. Benenne auch die im Text geschilderten Gefühle und erkläre deine Eindrücke mit Wörtern oder Passagen aus dem Text.
  4. In Interviews und in seinen Büchern erzählt Alois Kaufmann von Begegnungen mit Heinrich Gross, dem Oberarzt und späteren Leiter der Kinder-„Euthanasieanstalt“ „Am Spiegelgrund“. Unter „Textquellen“ findest du drei kurze Texte, in denen Alois Kaufmann auf solche Begegnungen eingeht. Formuliere jeweils ein bis zwei Sätze, die diese Begegnungen beschreiben.
  5. Heinrich Gross gehörte zu den HaupttäterInnen der Kinder-„Euthanasieanstalt“ „Am Spiegelgrund“. Informiere dich über die Folgen für TäterInnen aus der NS „Euthanasie“ in Wien, insbesondere über jene für Heinrich Gross (siehe Textquellen). Wie ging ihr Leben nach 1945 weiter? Wurden sie zur Rechenschaft gezogen? Schreibe dir acht bis zehn Fakten heraus und beende deine Ausarbeitung damit, zwei bis drei Fragen zu formulieren, die dich dazu beschäftigen.
  6. Du siehst Bilder vom Denkmal für ermordete Kinder der NS-Euthanasieanstalt „Am Spiegelgrund“, das es seit 2002 gibt (siehe Bildquellen). Vielleicht stehst du sogar davor. Beschreibe die einzelnen Elemente des Denkmals, die dir auffallen. Wie wirkt es auf dich? Welche Informationen bekommen BesucherInnen des Denkmals? Was wird ihnen vorenthalten? Das Denkmal gilt auch als Ehrengrab. Ist das offensichtlich oder überrascht das? Diskutiere deine Eindrücke mit deinen MitschülerInnen und deiner Lehrperson.



Vermittlungshinweise

In Arbeitsauftrag 1 beschäftigen sich die SchülerInnen mit den historischen Hintergrundinformationen zur NS-„Euthanasie“, insbesondere mit der Kinder-„Euthanasieanstalt“ „Am Steinhof“. Arbeitsaufträge 2 bis 4 nehmen die Lebensgeschichte und die Erinnerungen von Alois Kaufmann in den Fokus, wobei sowohl ein Überblick über seine Leben, auch nach 1945, als auch sein Umgang mit den grauenhaften Kindheitserinnerungen gegeben werden. Arbeitsauftrag 4 beschäftigt sich zudem, genauso wie Arbeitsauftrag 5, mit den TäterInnen der NS- „Euthanasie“ „Am Steinhof“, wobei die Folgen der Taten von Heinrich Gross im Zentrum der Auseinandersetzung stehen. Arbeitsauftrag 6 hat das Erinnerungszeichen selbst zum Thema, wobei ein Beispiel öffentlicher Formen des Gedenkens betrachtet und diskutiert wird.



Vermittlungsziele

  • Anhand der Beschäftigung mit Alois Kaufmann lernen die SchülerInnen die Lebensgeschichte eines Überlebenden der NS-„Euthanasie kennen.
  • Die SchülerInnen bekommen einen Einblick in den gesellschaftlichen und politischen Umgang Österreichs mit Opfern/Überlebenden sowie TäterInnen der NS- „Euthanasie“ sowie die Folgen für diese.
  • Die SchülerInnen diskutieren das offizielle Gedenken an eine NS-Opfergruppe.


  • Literatur

  • Herwig Czech, Der Spiegelgrund-Komplex: Kinderheilkunde, Heilpädagogik, Psychiatrie und Jugendfürsorge im Nationalsozialismus, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, 25 (1-2), Wien 2014, 194–219.
  • Waltraud Häupl, Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund. Gedenkdokumentation für die Opfer der NS-Euthanasie in Wien. Wien/Köln/Weimar 2006.
  • Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien. Opfer-Täter-Gegner, Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 189-216.
  • Peter Malina, Dem Vergessen überlassen? Die Welt der Kinder vom Spiegelgrund. Historische Nachbetrachtung, in: Alois Kaufmann, Totenwagen. Kindheit am Spiegelgrund. Bearbeitet von Mechthild Podzeit-Lütjen. Mit einer historischen Nachbetrachtung von Peter Malina. Wien 2007, 100-124.