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      <titleStmt>
        <title xml:lang="de">Alois Kaufmann, Überlebender der NS-„Euthanasie“</title>
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          <resp>Erfassung der geografischen und historischen Daten</resp>
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            <forename>Lukas</forename>
            <surname>Nievoll</surname>
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            <forename>Victoria</forename>
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          <resp>Daten- und Informationsmodellierung</resp>
          <persName>
            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
          </persName>
        </respStmt>
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          <resp>Didaktische Aufarbeitung</resp>
          <persName>
            <forename>Georg</forename>
            <surname>Marschnig</surname>
          </persName>
          <persName>
            <forename>Grit</forename>
            <surname>Oelschlegel</surname>
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        </respStmt>
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          <orgName ref="https://www.zukunftsfonds.steiermark.at/">Land Steiermark:
                        Zukunftsfonds Steiermark</orgName>
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          <orgName ref="https://www.nationalfonds.org/startseite">Nationalfonds der
                        Repuplik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus</orgName>
          <idno type="wikidata">Q27949109</idno>
        </funder>
        <funder ana="marcrelator:fnd">
          <orgName ref="http://www.zukunftsfonds-austria.at/">Zukunftsfonds der Republik
                        Österreich</orgName>
          <idno type="wikidata">Q228721</idno>
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          <orgName ref="https://www.graz.at/">Stadt Graz</orgName>
          <idno type="wikidata">Q13298</idno>
        </funder>
        <funder ana="marcrelator:fnd">
          <orgName ref="https://vorarlberg.at/">Land Vorarlberg</orgName>
          <idno type="wikidata">Q38981</idno>
        </funder>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>
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          <orgName ref="https://d-nb.info/gnd/10034042-8">Centrum für Jüdische Studien,
                        Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
        </publisher>
        <authority>
          <link target="https://informationsmodellierung.uni-graz.at"/>
          <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/1137284463">Zentrum für
                        Informationsmodellierung - Austrian Centre for Digital Humanities,
                        Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
        </authority>
        <distributor>
          <link target="https://gams.uni-graz.at"/>
          <orgName>GAMS - Geisteswissenschaftliches Asset Management System</orgName>
        </distributor>
        <date when="2019">2019</date>
        <pubPlace>Graz</pubPlace>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0">Creative
                        Commons BY-NC 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="PID">o:derla.fixvie35</idno>
      </publicationStmt>
      <seriesStmt>
        <title ref="https://gams.uni-graz.at/derla">DERLA: Digitale
                    Erinnerungslandschaften</title>
        <respStmt ana="marcrelator:pdr">
          <resp>Projektleitung</resp>
          <persName>
            <forename>Gerald</forename>
            <surname>Lamprecht</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-9622-9269</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:rth">
          <resp>ZIM Forschungsleiter</resp>
          <persName>
            <forename>Georg</forename>
            <surname>Vogeler</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-1726-1712</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:res">
          <resp>ZIM Mitarbeiter</resp>
          <persName>
            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
          </persName>
        </respStmt>
      </seriesStmt>
      <sourceDesc>
        <p>Fixiertes Vermittlungsangebot, born digital</p>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <settingDesc>
        <place>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.vie35</idno>
        </place>
        <listPlace>
          <place type="additional">
            <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.vie590</idno>
          </place>
        </listPlace>
      </settingDesc>
    </profileDesc>
    <encodingDesc>
      <geoDecl datum="WGS84" xml:id="WGS">World Geodetic System</geoDecl>
      <editorialDecl>
        <p>Born digital TEI Dokument zur Beschreibung eines Erinnerungsortes bzw.
                    Erinnerungszeichens.</p>
        <p>Erinnerungszeichen markieren Erinnerungsorte und machen sie in der Öffentlichkeit
                    sichtbar. Sie sind ein sichtbarer Verweis auf Ereignisse, Erfahrungen und
                    Verbrechen, die der Nationalsozialismus und Faschismus zu verantworten haben und
                    sind intentionaler Ausdruck der Erinnerungskultur einer bestimmten Gruppe. Sie
                    können physische oder virtuelle Manifestationen sein. Zur genaueren Bestimmung
                    und Analyse werden die einzelnen Erinnerungsorte/Erinnerungszeichen durch
                    spezifische Kriterien genauer klassifiziert und mit Information angereichert.
                    Hierbei kann es zu Überlappungen und in manchen Fällen zu Unschärfen kommen,
                    weshalb teils Mehrfachzuordnungen in den einzelnen Kategorien vorgenommen
                    werden.</p>
      </editorialDecl>
      <projectDesc>
        <p>Die digitale Erinnerungslandkarte Österreichs (DERLA) ist ein Dokumentations- und
                    Vermittlungsprojekt. Es dokumentiert die Erinnerungsorte und -zeichen an die
                    Opfer sowie die Orte des Terrors des Nationalsozialismus in Österreich und setzt
                    sich die kritische Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Faschismus und
                    der Erinnerung daran zum Ziel. Die ständig neu zu stellenden Fragen, was, wann,
                    wo und von wem wie erinnert wurde und wird, geben Einblicke in die
                    Transformationen der Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und sind
                    Ausdruck unseres politischen und gesellschaftlichen Selbstverständnisses in der
                    Gegenwart. „Gedächtnisorte“, Denk- und Mahnmäler, Gedenktafeln, Gedenkstätten
                    sowie Straßenbezeichnungen nach WiderstandskämpferInnen und Opfern des
                    NS-Regimes sind die Materialisationen des Geschichtsbewusstseins im Alltag. Der
                    Blick auf die Erinnerungslandschaft in der Gegenwart gibt daher zum einen
                    Einblick in das kollektive Gedächtnis der österreichischen Gesellschaft und zum
                    anderen legt die Beschäftigung mit ihrer Entstehungsgeschichte die Konjunkturen
                    dieser Beschäftigung offen.</p>
      </projectDesc>
      <listPrefixDef>
        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
        </prefixDef>
      </listPrefixDef>
    </encodingDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <ab>
        <ref target="context:derla" type="context">DERLA</ref>
        <ref target="context:derladidactics" type="context">DERLA didactics</ref>
      </ab>
      <div type="factbox">
        <p rend="Beschreibung">Anhand filmischen Materials, Ausschnitten aus Erinnerungs-
                    und Sachtexten sowie eines Denkmals setzen sich SchülerInnen mit der
                    NS-„Euthanasie“- auseinander. Im Fokus steht dabei die Lebensgeschichte von
                    Alois Kaufmann. Auch die Folgen für TäterInnen der Kinder-„Euthanasieanstalt“
                    „Am Spiegelgrund“ werden thematisiert. </p>
        <p rend="Ort, Gemeinde EO/EZ">1110 Wien</p>
        <p rend="Zeitbedarf">je nach Intensität der Bearbeitung 100–150 Minuten</p>
        <p rend="Alter">13–19 Jahre</p>
        <p rend="Vermittlungsort">Klassenzimmer, Arbeitsauftrag 6 kann aber auch vor Ort
                    bearbeitet werden</p>
      </div>
      <div type="mehrErfahren">
        <p>
          <emph style="bold">Die „Aktion T4“ – erster staatlich organisierter Massenmord
                        durch die Nationalsozialisten</emph>

          <space/> Unmittelbar nach Beginn des Zweiten Weltkriegs im Herbst 1939 begannen
                    die Nationalsozialisten mit der sogenannten <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss217">„Aktion
                        T4“</ref> , dem ersten geplanten, staatlich organisierten Massenmord des
                    NS-Terrorregimes. Er richtete sich gegen Menschen, die gemäß der NS-Ideologie
                    nicht in die <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss281">„Deutsche Volksgemeinschaft“</ref> passten. Personen, die geistig oder
                    körperlich beeinträchtigt waren, an einer psychischen Krankheit litten,
                    unangepasst lebten oder aus anderen Gründen als minderwertig angesehen wurden,
                    betrachteten die Nationalsozialisten als „lebensunwert“. Sie stuften diese
                    Menschen als finanzielle sowie genetische „Belastung“ ein und ermordeten sie in
                    sechs <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss53">„Euthanasie“</ref> -Anstalten. <lb/> Bis August 1941 wurden etwa 70 000
                    Menschen in NS-„Euthanasieanstalten“ getötet. Obwohl die „Aktion T4“ offiziell
                    für beendet erklärt wurde, mordeten die Nationalsozialisten weiter, so auf <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss227">Schloss
                        Hartheim</ref> bei Linz. Opfer der NS-„Euthanasie“ wurden nun auch Häftlinge
                    aus Konzentrationslagern, etwa aus dem KZ Mauthausen und dessen <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss331">Außenlagern</ref> , sowie nicht mehr arbeitsfähige <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss220">„Ostarbeiter“</ref> . <lb/> Die Morde der Nationalsozialisten gingen vor
                    allem in Pflegeanstalten bis 1945 weiter – etwa durch Überdosierung von
                    Medikamenten, Stromstößen oder Nahrungsentzug. Insgesamt wurden rund 250.000
                    Menschen im Rahmen der NS-„Euthanasie“ getötet. <space/>
          <emph style="bold">NS-„Euthanasie“ an Kindern und Jugendlichen</emph>

          <space/> Auch Kinder und Jugendliche wurden Opfer der „Euthanasie“-Morde: Ab
                    August 1939 waren ÄrztInnen und Hebammen dazu verpflichtet, Kinder bis zu drei
                    Jahren den Gesundheitsämtern zu melden, wenn sie Missbildungen hatten. Daraufhin
                    wurde ohne eine Untersuchung der Säuglinge und Kinder über Leben und Tod
                    entschieden und die Betroffenen in eine „Kinderfachabteilung“ eingeliefert. Ab
                    dem offiziellen Stopp der <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss217">„T4“-Aktion</ref> Ende August 1941 gingen die „Euthanasie“-Morde an Kindern
                    nicht nur weiter, die Altersgrenze der Opfer wurde sogar auf 17 Jahre angehoben.
                    <lb/> An etwa 30 Orten wurden betroffene Kinder und Jugendliche gequält und in
                    sehr vielen Fällen mittels Überdosierung von Medikamenten getötet. Das
                    medizinische Fachpersonal führte den Tod auch durch Mangelernährung, Zuführung
                    von starken Beruhigungs- oder Schlafmitteln und/oder im Winter durch das Stellen
                    des Bettes ans offene Fenster herbei. <space/> In Wien fanden die Morde ab Juli
                    1940 in der „Kinderfachabteilung Am Spiegelgrund“ am Steinhof (heute:
                    Otto-Wagner-Spital) statt. <lb/> Kinder und Jugendliche, die von den
                    Nationalsozialisten für nicht leistungsbereit oder „bildungsfähig“ gehalten
                    wurden, aus einem schwierigen familiären oder sozialen Umfeld kamen, wurden über
                    die <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss329">„Kinderübernahmestelle Lustkandlgasse“</ref> dorthin gebracht. Betroffene
                    mit einer geistigen Behinderung oder einer anderen Beeinträchtigung, die als
                    unheilbar galten, waren besonders gefährdet. <lb/> Bis 1945 wurden am
                    „Spiegelgrund“ über 800 Kinder und Jugendliche ermordet. </p>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Herwig Czech, Der Spiegelgrund-Komplex: Kinderheilkunde, Heilpädagogik,
                        Psychiatrie und Jugendfürsorge im Nationalsozialismus, in: Österreichische
                        Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, 25 (1-2), Wien 2014,
                        194–219.</item>
          <item>Waltraud Häupl, Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund.
                        Gedenkdokumentation für die Opfer der NS-Euthanasie in Wien.
                        Wien/Köln/Weimar 2006.</item>
          <item>Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien.
                        Opfer-Täter-Gegner, Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 189-216.</item>
          <item>Peter Malina, Dem Vergessen überlassen? Die Welt der Kinder vom
                        Spiegelgrund. Historische Nachbetrachtung, in: Alois Kaufmann, Totenwagen.
                        Kindheit am Spiegelgrund. Bearbeitet von Mechthild Podzeit-Lütjen. Mit
                        einer historischen Nachbetrachtung von Peter Malina. Wien 2007,
                        100-124.</item>
        </list>
      </div>
      <div type="mehrMachen">
        <head>Alois Kaufmann, Überlebender der NS-„Euthanasie“</head>
        <caption>Didaktischer Kommentar</caption>
        <p> Durch die Beschäftigung mit dem (Über-)Leben von Alois Kaufmann und dessen
                    Lebenserinnerungen setzen sich die SchülerInnen mit der NS-„Euthanasie“
                    auseinander, wobei nicht nur die Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch der
                    Umgang mit der Thematik innerhalb der österreichischen Erinnerungskultur
                    betrachtet wird, nicht zuletzt anhand eines Erinnerungszeichens. <lb/> Empfohlen
                    wird eine Bearbeitung in der Oberstufe. </p>
        <caption>Arbeitsaufträge</caption>
        <p>
          <list style="ordered">
            <item>Lies die Informationen im Bereich „Mehr Erfahren“ und fasse
                            stichwortartig zusammen, welche Menschen aus welchen Gründen von den
                            Nationalsozialisten als „lebensunwert“ eingestuft wurden. Nutze auch die
                            Verlinkungen in das didaktische Glossar, um dein Wissen zu vertiefen.
                            Tausche dich im Anschluss daran mit einer Mitschülerin/einem Mitschüler
                            darüber aus, was ihr schon zuvor über die NS-„Euthanasie“ wusstet und ob
                            ihr entsprechende Denkmäler oder Gedenkstätten kennt. Ergänze dann deine
                            Notizen von vorhin.</item>
            <item> Alois Kaufmann (1934-2018) war als Kind drei Jahre lang in der
                            Kinder-„Euthanasieanstalt“ „Am Spiegelgrund“ eingesperrt und hat nur
                            knapp überlebt. <lb/> Schau dir sein Videoporträt an (siehe „Videos und
                            Audios“) und erstelle einen Überblick über sein Leben in Form einer
                            PowerPoint-Präsentation. Achte darauf, beim Erstellen sein Leben vor,
                            während und nach seinem Aufenthalt am „Spiegelgrund“ zu berücksichtigen.
                            Vergiss nicht, passende (Unter-)Überschriften einzufügen. Du kannst auch
                            Screenshots – etwa von eingeblendeten Fotos – machen, um die Biografie
                            anschaulicher zu gestalten. <lb/> Je nachdem, wie viel Zeit du für die
                            Ausarbeitung hast, kannst du dir noch zusätzlich Ausschnitte aus dem
                            ganzen Interview von 2015 ansehen (ebenfalls unter „Videos und Audios“
                            zu finden). Unter dem Interview findest du Abschnitte, die du anklicken
                            kannst, um zu den einzelnen Sequenzen zu gelangen. </item>
            <item>Alois Kaufmann hat durch das Schreiben von Büchern, Theaterstücken und
                            Gedichten versucht, seine schrecklichen Kindheitserinnerungen zu
                            verarbeiten. Lies seinen Text (siehe „Textquellen“). Beschreibe die
                            Situation, die er darin schildert und wen er mit „du“ meinen könnte.
                            Benenne auch die im Text geschilderten Gefühle und erkläre deine
                            Eindrücke mit Wörtern oder Passagen aus dem Text.</item>
            <item>In Interviews und in seinen Büchern erzählt Alois Kaufmann von
                            Begegnungen mit Heinrich Gross, dem Oberarzt und späteren Leiter der
                            Kinder-„Euthanasieanstalt“ „Am Spiegelgrund“. Unter „Textquellen“
                            findest du drei kurze Texte, in denen Alois Kaufmann auf solche
                            Begegnungen eingeht. Formuliere jeweils ein bis zwei Sätze, die diese
                            Begegnungen beschreiben.</item>
            <item> Heinrich Gross gehörte zu den HaupttäterInnen der
                            Kinder-„Euthanasieanstalt“ „Am Spiegelgrund“. Informiere dich über die
                            Folgen für TäterInnen aus der NS „Euthanasie“ in Wien, insbesondere über
                            jene für Heinrich Gross (siehe Textquellen). <lb/> Wie ging ihr Leben
                            nach 1945 weiter? Wurden sie zur Rechenschaft gezogen? Schreibe dir acht
                            bis zehn Fakten heraus und beende deine Ausarbeitung damit, zwei bis
                            drei Fragen zu formulieren, die dich dazu beschäftigen. </item>
            <item> Du siehst Bilder vom Denkmal für ermordete Kinder der
                            NS-Euthanasieanstalt „Am Spiegelgrund“, das es seit 2002 gibt (siehe
                            Bildquellen). Vielleicht stehst du sogar davor. <lb/> Beschreibe die
                            einzelnen Elemente des Denkmals, die dir auffallen. Wie wirkt es auf
                            dich? Welche Informationen bekommen BesucherInnen des Denkmals? Was wird
                            ihnen vorenthalten? Das Denkmal gilt auch als Ehrengrab. Ist das
                            offensichtlich oder überrascht das? Diskutiere deine Eindrücke mit
                            deinen MitschülerInnen und deiner Lehrperson. </item>
          </list>
        </p>
        <caption>Vermittlungshinweise</caption>
        <p> In Arbeitsauftrag 1 beschäftigen sich die SchülerInnen mit den historischen
                    Hintergrundinformationen zur NS-„Euthanasie“, insbesondere mit der
                    Kinder-„Euthanasieanstalt“ „Am Steinhof“. <lb/> Arbeitsaufträge 2 bis 4 nehmen
                    die Lebensgeschichte und die Erinnerungen von Alois Kaufmann in den Fokus, wobei
                    sowohl ein Überblick über seine Leben, auch nach 1945, als auch sein Umgang mit
                    den grauenhaften Kindheitserinnerungen gegeben werden. <lb/> Arbeitsauftrag 4
                    beschäftigt sich zudem, genauso wie Arbeitsauftrag 5, mit den TäterInnen der NS-
                    „Euthanasie“ „Am Steinhof“, wobei die Folgen der Taten von Heinrich Gross im
                    Zentrum der Auseinandersetzung stehen. <lb/> Arbeitsauftrag 6 hat das
                    Erinnerungszeichen selbst zum Thema, wobei ein Beispiel öffentlicher Formen des
                    Gedenkens betrachtet und diskutiert wird. </p>
        <caption>Vermittlungsziele</caption>
        <list>
          <item>Anhand der Beschäftigung mit Alois Kaufmann lernen die SchülerInnen die
                        Lebensgeschichte eines Überlebenden der NS-„Euthanasie kennen.</item>
          <item>Die SchülerInnen bekommen einen Einblick in den gesellschaftlichen und
                        politischen Umgang Österreichs mit Opfern/Überlebenden sowie TäterInnen der
                        NS- „Euthanasie“ sowie die Folgen für diese.</item>
          <item>Die SchülerInnen diskutieren das offizielle Gedenken an eine
                        NS-Opfergruppe.</item>
        </list>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Herwig Czech, Der Spiegelgrund-Komplex: Kinderheilkunde, Heilpädagogik,
                        Psychiatrie und Jugendfürsorge im Nationalsozialismus, in: Österreichische
                        Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, 25 (1-2), Wien 2014,
                        194–219.</item>
          <item>Waltraud Häupl, Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund.
                        Gedenkdokumentation für die Opfer der NS-Euthanasie in Wien.
                        Wien/Köln/Weimar 2006.</item>
          <item>Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien.
                        Opfer-Täter-Gegner, Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 189-216.</item>
          <item>Peter Malina, Dem Vergessen überlassen? Die Welt der Kinder vom
                        Spiegelgrund. Historische Nachbetrachtung, in: Alois Kaufmann, Totenwagen.
                        Kindheit am Spiegelgrund. Bearbeitet von Mechthild Podzeit-Lütjen. Mit
                        einer historischen Nachbetrachtung von Peter Malina. Wien 2007,
                        100-124.</item>
        </list>
      </div>
      <div type="quellenText">
        <p>
          <emph style="bold">Text von Alois Kaufmann (ohne Titel)</emph>
          <space/>
          <emph style="cursive"> Kaum hörbar ist dein Atem. Ruhig und entspannt liegst du
                        neben mir. Nichts, aber schon gar nichts stört deine Träume. Ich dagegen
                        starre zur dunklen Decke. Und tausend Gedanken halten mich wach.
                        Erinnerungen, die erst weit weg von mir sich in anderen Perspektiven, wie
                        hinter dickem Panzerglas abspielen. Dann zerbricht das Glas, und die
                        Erinnerungen überfluten meine Seele, erdrücken mein Herz, und ich schreie.
                        <space/> Doch du hörst nichts, absolut nichts. Tief ist dein Schlaf. Deine
                        Träume entfernen dich von der Realität. Nur einmal zucken deine Mundwinkel.
                        Ich drehe mich links, drehe mich rechts. Alles vergebens, der erwünschte
                        Schlaf kommt nicht. Erlöst mich nicht, aus den Armen einer Zeit, die mich
                        hinabzieht in Abgründe, die nur ich erschaue. Nicht deine Augen, nein, nur
                        meine Augen erschauen die Hölle meiner Tage, die sich Kindheit nannte.
                        Irgendwo schlägt eine Kirchenuhr. Es ist drei Uhr morgens. Die Vögel
                        beginnen zu singen. Und ich schlafe nicht. Der Wind rauscht in den Bäumen
                        vor den Fenstern. Und eine Stimme flüstert mir zu: „Weißt du noch, damals…“. </emph>
          <lb/>
          <lb/>
          <emph style="bold">Aussage Alois Kaufmanns über eine seiner Begegnungen mit
                        Heinrich Gross, dem Leiter der Kinder-„Euthanasieanstalt“</emph>
          <space/>
          <emph
              style="cursive"> Nachdem er sich die Karteikarten mit der Erzieherin
                        besprochen hat, das hat ca. 10, 15 Minuten gedauert, hat er Zuckerln
                        rausgenommen aus der Tasche und Zuckerln waren für uns nichts, das haben wir
                        nicht gekannt, das war sozusagen eine „Himmelsga¬be“, wenn ich das so
                        übertrieben sagen darf und hat 2, 3 Kindern diese Zuckerl geben. „Danke,
                        Herr Doktor“, die haben aber nicht gewusst, warum sie diese Zuckerl kriegen.
                        Nach ca. 3, 4 Tagen sind die Kinder, die die Zuckerl bekommen haben, bei uns
                        weggekommen. Einfach weggekommen. Und irgendwer hat sich getraut zu fragen,
                        was mit den Kindern ... Die Erzieherin hat ganz kalt und kühl und lächelnd
                        gesagt „Zum <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss307">Aufpäppeln</ref> “. Später haben wir gewusst, die sind in den
                        15er-Pavillon gekommen, auf den Mord-Pavillon, das war der Pavillon, wo ...
                        drinnen war. </emph>
          <lb/>
          <lb/>
          <emph style="bold">Alois Kaufmann erinnert sich an Heinrich Gross</emph>
          <space/>
          <emph
              style="cursive"> Ich schämte mich und erzählte niemandem etwas von meinen
                        grausamen Erlebnissen – wie wir zum Beispiel auf dem Spiegelgrund in
                        Abständen von zwei bis drei Wochen, bei sogenannten <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss356">Visiten</ref> unter der Leitung von Dr. Heinrich Gross, selektiert
                        wurden. Meistens waren es zwei bis vier Knaben, die aus unserem Pavillon
                        weggebracht wurden. Es gingen Gerüchte um, dass diese Kinder zu
                        Versuchszwecken zu Tode gebracht wurden. <space/> Dementsprechend meine
                        Angst. Der Spiegelgrund trat in den Schatten des Vergessens – auch bei mir,
                        das Leben nach dem Krieg war hart und voller Entbehrungen. </emph>
          <lb/>
          <emph
              style="cursive"> Dr. Heinrich Gross war ein guter Arzt, ein wahrer
                        „Kinderfreund“. So stellte er sich nach dem Krieg den österreichischen
                        Gerichten dar. Bei einer <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss313">„Club
                            2“-Sendung</ref> über die Wirkung von Elektroschocks bei geistig
                        Behinderten, erkannte ich Dr. Heinrich Gross. Entsetzt sprang ich von meinem
                        Sessel und rief voller Wut zu meiner Frau: Da ist das Schwein! </emph>
          <lb/>
          <lb/>
          <emph style="bold">Folgen für die TäterInnen der NS-„Euthanasie“</emph>

          <space/> Nach 1945 erfolgt die gerichtliche Verfolgung der Euthanasiemorde
                    gleich wie die Ahndung anderer NS-Verbrechen. Ein Großteil der TäterInnen, die
                    behinderte und „missliebige“, den NS-Normen nicht entsprechende Menschen in Wien
                    töten, zur Ermordung ausliefern oder zwangssterilisieren, werden nach 1945 nicht
                    zur Rechenschaft gezogen. […] <lb/> Die meisten TäterInnen können nach 1945
                    weiter in ihren Berufen als PflegerInnen und ÄrztInnen bleiben und ihre
                    Karrieren fast ununterbrochen fortsetzen, so auch der <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss342">Rassenhygieniker</ref> und Rechtsmediziner Dr. Anton Rolleder, Richter am
                    Wiener Erbgesundheitsgericht. Er ist für hunderte <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss285">Zwangssterilisierungen</ref> verantwortlich. Von Mai 1945 bis Jänner 1947
                    befindet er sich in Untersuchungshaft in einem Pavillon „Am Steinhof“. Rolleder
                    beschwert sich mehrmals über die Haftbedingungen und deren Folgen für seine
                    Gesundheit. So erreicht er auch seine Enthaftung. Sein <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss177">Volksgerichtsverfahren</ref> wird im August 1948 eingestellt. Am 20. Jänner
                    1962 verleiht ihm der österreichische Bundespräsident Dr. Adolf Schärf für seine
                    „erbbiologischen Verdienste“ das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und
                    Kunst. Da ihm auch seine Jahre als Richter am <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss315">Erbgesundheitsgericht</ref> angerechnet werden, kann Anton Rolleder seine
                    volle Pension genießen. Er stirbt 1972 im Alter von 92 Jahren. Ein weiterer
                    bekannter Fall ist der Leiter der „Kinderfachabteilung“ „Am Spiegelgrund“, Dr.
                    Heinrich Gross. Er kann seine Karriere nach 1945 als hochdekorierter
                    Wissenschaftler und als einer der bestbezahlten österreichischen
                    Gerichtsgutachter fortsetzen. <lb/>
          <lb/>
          <emph style="bold">Die strafrechtliche Verfolgung des Heinrich Gross</emph>
          <space/> Ende 1997 haben die Zuständigen in der österreichischen Justiz ihren
                    bisherigen Rechtsstandpunkt geändert; nach Gesprächen im Justizministerium
                    stellte die Staatsanwaltschaft Wien den Antrag, Vorerhebungen wegen Mordes (nach
                    § 211 RStG bzw. § 75 österreichisches Strafgesetzbuch) gegen Heinrich Gross
                    einzuleiten. Die von einer jungen engagierten Untersuchungsrichterin geführte
                    Voruntersuchung erbrachte erdrückende Beweise, insbesondere den Nachweis von
                    Giftspuren in den noch vorhandenen Präparaten der Opfer, so dass 1999 eine
                    Anklage wegen Mordes in neun Fällen erhoben wurde. Wie befürchtet, wurde die im
                    März 2000 eröffnete Hauptverhandlung wegen angeblicher
                    Nichtverhandlungsfähigkeit des Angeklagten unterbrochen, der Tod von Gross Ende
                    2005 beendete dieses unrühmliche Kapitel österreichischer Justizgeschichte
                    endgültig. Auch wenn es zu keinem Urteil kam, so zeigte sich doch auch an
                    diesem Prozess die enorme symbolische und politische Bedeutung einer
                    strafrechtlichen Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Berücksichtigt man den
                    Rückhalt, über den Gross offenbar noch Mitte und Ende der neunziger Jahre
                    unter seinen ärztlichen Kollegen, in der Politik und in Kreisen der Justiz (der
                    er jahrzehntelang als psychiatrischer Gutachter zu Diensten gewesen war)
                    verfügte, so muss wohl bereits die Tatsache als Erfolg verbucht werden, dass er
                    überhaupt angeklagt wurde. Für das Selbstbewusstsein der überlebenden Opfer
                    war es jedenfalls von entscheidender Bedeutung, ihren ehemaligen Peiniger vor
                    Gericht zu sehen.</p>
        <caption>Titel / Beschreibung</caption>
        <p>Textquellen zu Alois Kaufmann, Überlebender der NS-„Euthanasie“ </p>
        <caption>Quellenzitat</caption>
        <p>
          <list>
            <item>Alois Kaufmann, Totenwagen. Kindheit am Spiegelgrund. Bearbeitet von
                            Mechthild Podzeit-Lütjen. Mit einer historischen Nachbetrachtung von
                            Peter Malina. Wien 2007, 7.</item>
            <item>
              <ref target="https://www.ueber-leben.at/downloads/aussagen-alois-kaufmann">Interview von Martin Krist mit Alois Kaufmann aus dem Jahr
                                2015</ref>
            </item>
            <item>Alois Kaufmann, Totenwagen. Kindheit am Spiegelgrund. Bearbeitet von
                            Mechthild Podzeit-Lütjen. Mit einer historischen Nachbetrachtung von
                            Peter Malina. Wien 2007, 97.</item>
            <item>Alois Kaufmann, Totenwagen. Kindheit am Spiegelgrund. Bearbeitet von
                            Mechthild Podzeit-Lütjen. Mit einer historischen Nachbetrachtung von
                            Peter Malina. Wien 2007, 95.</item>
            <item>Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien.
                            Opfer-Täter-Gegner, Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 206f.</item>
            <item>Wolfgang Neugebauer/Herwig Czech/Peter Schwarz: Die Aufarbeitung der
                            NS-Medizinverbrechen und der Beitrag des DÖW, in: Bewahren – Erforschen
                            – Vermitteln. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen
                            Widerstandes, Wien 2008, 119f.</item>
          </list>
        </p>
      </div>
      <linkGrp>
        <ptr ref="https://vimeo.com/257874815"
          rend="Videoporträt von Alois Kaufmann, erstellt von Markus Barnay, mit Ausschnitten aus dem Interview von 2015, geführt von Martin Krist (©ueber_leben)" rendition="Das Videoporträt gibt einen Einblick in die Biografie von Alois Kaufmann und beinhaltet auch Fotos."/>
        <ptr ref="https://www.weitererzaehlen.at/interviews/alois-kaufmann"
          rend="Interview mit Alois Kaufmann aus dem Jahr 2015, geführt von Martin Krist (©weitererzaehlen.at)" rendition="In dem Interview erzählt Alois Kaufmann von seinem Leben vor, während und nach seiner Zeit in der Kinder-„Euthanasieanstalt“ „Am Spiegelgrund“. Das Interview kann zur individuellen Erweiterung der Bearbeitung des Arbeitsauftrags herangezogen werden."/>
      </linkGrp>
    </body>
  </text>
  <facsimile>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvie35" xml:id="IMAGE.1">
      <desc>Das Denkmal für ermordete Kinder der NS-Euthanasieanstalt „Am Spiegelgrund“
                befindet sich innerhalb der Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof.</desc>
      <desc type="title">Denkmal für ermordete Kinder der NS-Euthanasieanstalt „Am
                Spiegelgrund“ (Foto: Antonia Winsauer)</desc>
    </graphic>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixvie35" xml:id="IMAGE.2">
      <desc>Erklärungstafel, die sich am unteren Ende des Denkmals befindet, und eine der
                insgesamt acht Steintafeln mit Namen von Kindern, die im Rahmen der NS-„Euthanasie“
                „Am Spiegelgrund“ ermordet wurden.</desc>
      <desc type="title">Erklärungstafel (oben) und eine der acht Steintafeln (unten) mit
                Namen (Fotos: Antonia Winsauer)</desc>
    </graphic>
  </facsimile>
</TEI>
