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    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title xml:lang="de">Deserteure als Verfolgte der NS-Militärjustiz</title>
        <respStmt ana="marcrelator:mrk">
          <resp>Erfassung der geografischen und historischen Daten</resp>
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            <forename>Lukas</forename>
            <surname>Nievoll</surname>
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            <forename>Victoria</forename>
            <surname>Kumar</surname>
          </persName>
          <persName>
            <forename>Heimo</forename>
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          <resp>Daten- und Informationsmodellierung</resp>
          <persName>
            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
          </persName>
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          <resp>Didaktische Aufarbeitung</resp>
          <persName>
            <forename>Georg</forename>
            <surname>Marschnig</surname>
          </persName>
          <persName>
            <forename>Grit</forename>
            <surname>Oelschlegel</surname>
          </persName>
        </respStmt>
        <funder ana="marcrelator:fnd">
          <orgName ref="https://www.zukunftsfonds.steiermark.at/">Land Steiermark:
                        Zukunftsfonds Steiermark</orgName>
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            <addName>Friedrichgasse 9 8010 Graz</addName>
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          <orgName ref="https://www.nationalfonds.org/startseite">Nationalfonds der
                        Repuplik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus</orgName>
          <idno type="wikidata">Q27949109</idno>
        </funder>
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          <orgName ref="http://www.zukunftsfonds-austria.at/">Zukunftsfonds der Republik
                        Österreich</orgName>
          <idno type="wikidata">Q228721</idno>
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          <orgName ref="https://www.graz.at/">Stadt Graz</orgName>
          <idno type="wikidata">Q13298</idno>
        </funder>
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          <orgName ref="https://vorarlberg.at/">Land Vorarlberg</orgName>
          <idno type="wikidata">Q38981</idno>
        </funder>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>
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          <orgName ref="https://d-nb.info/gnd/10034042-8">Centrum für Jüdische Studien,
                        Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
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        <authority>
          <link target="https://informationsmodellierung.uni-graz.at"/>
          <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/1137284463">Zentrum für
                        Informationsmodellierung - Austrian Centre for Digital Humanities,
                        Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
        </authority>
        <distributor>
          <link target="https://gams.uni-graz.at"/>
          <orgName>GAMS - Geisteswissenschaftliches Asset Management System</orgName>
        </distributor>
        <date when="2019">2019</date>
        <pubPlace>Graz</pubPlace>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0">Creative
                        Commons BY-NC 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="PID">o:derla.fixvie33</idno>
      </publicationStmt>
      <seriesStmt>
        <title ref="https://gams.uni-graz.at/derla">DERLA: Digitale
                    Erinnerungslandschaften</title>
        <respStmt ana="marcrelator:pdr">
          <resp>Projektleitung</resp>
          <persName>
            <forename>Gerald</forename>
            <surname>Lamprecht</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-9622-9269</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:rth">
          <resp>ZIM Forschungsleiter</resp>
          <persName>
            <forename>Georg</forename>
            <surname>Vogeler</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-1726-1712</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:res">
          <resp>ZIM Mitarbeiter</resp>
          <persName>
            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
          </persName>
        </respStmt>
      </seriesStmt>
      <sourceDesc>
        <p>Fixiertes Vermittlungsangebot, born digital</p>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <settingDesc>
        <place>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.vie33</idno>
        </place>
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          <place type="additional">
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          </place>
        </listPlace>
      </settingDesc>
    </profileDesc>
    <encodingDesc>
      <geoDecl datum="WGS84" xml:id="WGS">World Geodetic System</geoDecl>
      <editorialDecl>
        <p>Born digital TEI Dokument zur Beschreibung eines Erinnerungsortes bzw.
                    Erinnerungszeichens.</p>
        <p>Erinnerungszeichen markieren Erinnerungsorte und machen sie in der Öffentlichkeit
                    sichtbar. Sie sind ein sichtbarer Verweis auf Ereignisse, Erfahrungen und
                    Verbrechen, die der Nationalsozialismus und Faschismus zu verantworten haben und
                    sind intentionaler Ausdruck der Erinnerungskultur einer bestimmten Gruppe. Sie
                    können physische oder virtuelle Manifestationen sein. Zur genaueren Bestimmung
                    und Analyse werden die einzelnen Erinnerungsorte/Erinnerungszeichen durch
                    spezifische Kriterien genauer klassifiziert und mit Information angereichert.
                    Hierbei kann es zu Überlappungen und in manchen Fällen zu Unschärfen kommen,
                    weshalb teils Mehrfachzuordnungen in den einzelnen Kategorien vorgenommen
                    werden.</p>
      </editorialDecl>
      <projectDesc>
        <p>Die digitale Erinnerungslandkarte Österreichs (DERLA) ist ein Dokumentations- und
                    Vermittlungsprojekt. Es dokumentiert die Erinnerungsorte und -zeichen an die
                    Opfer sowie die Orte des Terrors des Nationalsozialismus in Österreich und setzt
                    sich die kritische Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Faschismus und
                    der Erinnerung daran zum Ziel. Die ständig neu zu stellenden Fragen, was, wann,
                    wo und von wem wie erinnert wurde und wird, geben Einblicke in die
                    Transformationen der Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und sind
                    Ausdruck unseres politischen und gesellschaftlichen Selbstverständnisses in der
                    Gegenwart. „Gedächtnisorte“, Denk- und Mahnmäler, Gedenktafeln, Gedenkstätten
                    sowie Straßenbezeichnungen nach WiderstandskämpferInnen und Opfern des
                    NS-Regimes sind die Materialisationen des Geschichtsbewusstseins im Alltag. Der
                    Blick auf die Erinnerungslandschaft in der Gegenwart gibt daher zum einen
                    Einblick in das kollektive Gedächtnis der österreichischen Gesellschaft und zum
                    anderen legt die Beschäftigung mit ihrer Entstehungsgeschichte die Konjunkturen
                    dieser Beschäftigung offen.</p>
      </projectDesc>
      <listPrefixDef>
        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
        </prefixDef>
      </listPrefixDef>
    </encodingDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <ab>
        <ref target="context:derla" type="context">DERLA</ref>
        <ref target="context:derladidactics" type="context">DERLA didactics</ref>
      </ab>
      <div type="factbox">
        <p rend="Beschreibung">Durch den Besuch und die Beschäftigung mit dem Denkmal für
                    die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Ballhausplatz setzen sich die
                    SchülerInnen mit dem komplexen Erinnern an Deserteure und andere Opfer der
                    NS-Militärjustiz auseinander. Die biografische und gestalterische
                    Auseinandersetzung mit der Geschichte von David Holzer steht stellvertretend für
                    das Schicksal vieler Menschen, die verfolgt, vergessen und erst spät gewürdigt
                    wurden.</p>
        <p rend="Ort, Gemeinde EO/EZ">1010 Wien, Ballhausplatz 2</p>
        <p rend="Zeitbedarf">ca. 3 Doppelstunden</p>
        <p rend="Alter">14–19 Jahre</p>
        <p rend="Vermittlungsort">Außerschulischer Lernort und Klassenraum</p>
      </div>
      <div type="mehrErfahren">

        <p> Das Denkmal, das oft „Deserteursdenkmal“ genannt wird, erinnert an Menschen, die
                    von der nationalsozialistischen Militärjustiz verfolgt wurden. Dazu gehörten
                    Soldaten, die sich weigerten zu kämpfen <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss218">(Deserteure)</ref>, sowie andere, die als „<ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss364">Wehrkraftzersetzer</ref>“ galten. Während des Zweiten Weltkriegs verhängte
                    die NS-Militärjustiz mehr als 30.000 Todesurteile – gegen eigene Soldaten,
                    Kriegsgefangene und ZivilistInnen. Viele weitere wurden zu Strafbataillonen
                    geschickt, wo sie unter extrem gefährlichen Bedingungen kämpfen mussten und
                    dabei oft starben. <lb/> Lange Zeit glaubten viele Menschen in Österreich, das
                    Land sei 1938 das <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss242">„erste
                        Opfer“</ref> der NationalsozialistInnnen gewesen. Doch viele Österreicher
                    kämpften in der <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss283">Wehrmacht</ref> mit, und ihr Dienst wurde oft als Pflicht oder sogar als
                    heldenhaft angesehen. <lb/> Die Gründe, warum Menschen verfolgt wurden, waren
                    unterschiedlich. Manche waren überzeugte GegnerInnen des Nationalsozialismus.
                    Andere suchten einfach nach Wegen, sich den strengen Regeln zu entziehen. Auch
                    Menschen, die Deserteuren halfen, wurden bestraft. Jede Form von Widerstand
                    konnte als Verbrechen gewertet und hart bestraft werden. <lb/> Nach dem Krieg
                    wurden die Überlebenden dieser Verfolgung lange Zeit ausgegrenzt. Erst um das
                    Jahr 2000 begann sich die Gesellschaft stärker mit dem Thema
                    auseinanderzusetzen. 2009 erkannte der österreichische Nationalrat offiziell an,
                    dass Desertion ein Akt des Widerstands gegen das nationalsozialistische
                    Unrechtsregime war. <lb/> Das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am
                    Ballhausplatz wurde vom deutschen Künstler Olaf Nicolai (*1962 in Halle/Saale)
                    entworfen und ist so gestaltet, dass es verschiedene Wahrnehmungs- und
                    Interpretationsmöglichkeiten eröffnet, die stark von der Entfernung beim
                    Betrachten abhängen. Es besteht aus einer Betonskulptur in Form eines liegenden
                    „X“. Das „X“ kann als Symbol für das Unbekannte stehen – beispielsweise für die
                    vielen vergessenen Opfer. Von Weitem wirkt es wie ein leerer Sockel, als würde
                    etwas fehlen. Das kann darauf hinweisen, dass die Verfolgten lange nicht
                    anerkannt wurden. Erst wenn man näherkommt, erkennt man die Form des „X“. <lb/>
                    Auf der obersten Ebene des Denkmals steht die Inschrift „all alone“ („ganz
                    allein“). Diese Worte stammen vom schottischen Dichter Ian Hamilton Finlay (1925
                    – 2006). Man kann sie einzeln oder zusammen lesen, wodurch verschiedene
                    Bedeutungen entstehen. Das Denkmal erinnert also nicht an eine einzelne Person,
                    sondern an das Schicksal vieler Menschen, die verfolgt, vergessen und lange
                    nicht gewürdigt wurden.</p>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Juliane Alton/Thomas Geldmacher/Magnus Koch/Hannes Metzler (Hg.),
                        "Verliehen für die Flucht vor den Fahnen...". Das Denkmal für die Verfolgten
                        der NS-Militärjustiz in Wien, Göttingen 2016.</item>
          <item>Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz, URL:
                        https://www.koer.or.at/projekte/denkmal-fuer-die-verfolgten-der-ns-militaerjustiz/
                        (abgerufen 1.4.2025).</item>
          <item>Kunst im öffentlichen Raum GmbH (Hg.), Kunst im öffentlichen Raum Wien 4.
                        2014-2016, Wien 2017, 202-207.</item>
          <item>Peter Pirker/Johannes Kramer, From Traitors to Role Models? Rehabilitation
                        and Memorialization of Wehrmacht Deserters in Austria, in: Eleonora
                        Narvselius/Gelinada Grinchenko (Hg.), Formulas for Betrayal: Traitors,
                        Collaborators and Deserters in Contemporary European Politics of Memory,
                        Basingstoke 2017, 59-85.</item>
        </list>
      </div>
      <div type="mehrMachen">
        <head>Deserteure als Verfolgte der NS-Militärjustiz</head>
        <caption>Didaktischer Kommentar</caption>
        <p> Die Unterrichtseinheit fördert historisches Bewusstsein und regt zur kritischen
                    Auseinandersetzung mit der NS-Militärjustiz an. Durch Recherche, Denkmalbesuch
                    und eigene Denkmalentwürfe reflektieren die Lernenden die Bedeutung
                    individueller Schicksale im kollektiven Gedächtnis und vertiefen ihr Verständnis
                    für Gedenken im öffentlichen Raum. Das Angebot richtet sich an die Sekundarstufe
                    II und umfasst drei aufeinanderfolgende Doppelstunden, die sowohl räumlich als
                    auch zeitlich aufeinander abgestimmt sind. </p>
        <caption>Arbeitsaufträge</caption>
        <p>
          <emph style="bold">Erste Doppelstunde: Erinnerung und Geschichte des Deserteurs
                        David Holzer</emph>
          <lb/>
          <list style="ordered">
            <item>
              <emph
                style="bold">Einstieg:</emph> Informiere dich über die
                            Geschichte des Deserteurs David Holzer, indem du das <ref target="http://www.aegide.at/de/69/Videos/">Video</ref> auf DERLA
                            ansiehst (siehe Videos und Audios).</item>
            <item>
              <emph style="bold"> Gruppenarbeit:</emph> Bearbeitet in Kleingruppen
                            (max. fünf Personen) die folgenden Aufgaben und bereitet Argumente vor:
                            Fasst die Informationen über David Holzer zusammen und stellt seine
                            wichtigsten Lebensstationen geordnet dar. Beschreibt die Wirkung seiner
                            Geschichte auf euch. Nennt drei Punkte, die euch im Zusammenhang mit
                            Deserteuren in der NS-Terrorzeit wichtig erscheinen. &gt;Nennt verschiedene
                            Formen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. </item>
            <item>
              <emph style="bold">Plenumsdiskussion:</emph> Präsentiert eure
                            Ergebnisse und diskutiert sie gemeinsam in der Klasse.</item>
            <item>
              <emph style="bold">Vorbereitung auf den Besuch des Denkmals für die
                                Verfolgten der NS-Militärjustiz:</emph> Lies auf DERLA unter "Mehr
                            Erfahren" den Text über das Denkmal für die Verfolgten der
                            NS-Militärjustiz und optional den Text „Ein Denkmal für den unbekannten
                            Deserteur“ von Corinna Tomberger (unter Textquellen). Markiere bzw.
                            notiere dir unbekannte Begriffe und erarbeite dir ihre Bedeutung.
                            Dokumentiere auch deine persönlichen Eindrücke zu den Texten. Welche
                            Gedanken oder Emotionen lösen sie bei dir aus? </item>
          </list>
          <lb/>
          <lb/>
          <emph style="bold">Zweite Doppelstunde: Besuch und Analyse des Denkmals für die
                        Verfolgten der NS-Militärjustiz</emph>
          <lb/> Besucht gemeinsam das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am
                    Ballhausplatz. Betrachtet das Denkmal aufmerksam und bearbeitet die folgenden
                    Aufgaben. <lb/>
          <emph
            style="bold">Gruppenarbeit:</emph> Bildet Kleingruppen von maximal fünf
                    Personen und dokumentiert eure Erkenntnisse zu den folgenden Aspekten und
                    Arbeitsaufträgen: <list style="ordered">
            <item>
              <emph style="bold">Erster Eindruck und Wirkung des Denkmals:</emph>
                            Beschreibt die Wirkung des Denkmals auf euch. Was nehmt ihr wahr, was
                            fällt euch spontan auf? <lb/> Analysiert den Standort des Denkmals:
                            Warum könnte er gewählt worden sein, und welche historische oder
                            gesellschaftliche Bedeutung hat er (für euch, für Österreich)? <lb/>
                            Untersucht die gestalterischen Merkmale des Denkmals (z. B. Material,
                            Form, Farbe, Komposition) und deren mögliche Wirkung. <lb/> Reflektiert
                            die Emotionen, die das Denkmal bei euch auslöst, wenn ihr daran
                            vorbeigeht oder davorsteht: Welche Fragen kommen euch dabei in den Sinn? </item>
            <item>
              <emph style="bold">Aussageabsicht und Wahrnehmung im öffentlichen
                                Raum:</emph> Recherchiert, an welches historische Ereignis oder an
                            welche Person(en) das Denkmal erinnert. Interpretiert, welche Botschaft
                            das Denkmal den Vorbeigehenden vermitteln möchte. Erkundet, wie das
                            Denkmal von PassantInnen wahrgenommen wird (z. B. durch kurze Interviews
                            oder Beobachtungen). Dokumentiert die Informationen zum Denkmal die
                            direkt vor Ort zugänglich sind (z. B. Tafeln, QR-Codes,
                            Textelemente).</item>
            <item>
              <emph style="bold">Analyse des Denkmals</emph>
              <emph style="bold">Standort:</emph> Findet mögliche Gründe für die
                            Platzierung des Denkmals an diesem Ort und überlegt, welche Wirkung der
                            Standort im Zusammenspiel mit der Umgebung entfaltet. <lb/>
              <emph style="bold">Gestaltung:</emph> Analysiert die verwendeten Formen,
                            Symbole und künstlerischen Mittel sowie deren Wirkung. <lb/>
              <emph style="bold">Material:</emph> Beschreibt das verwendete Material
                            und interpretiert, welche symbolische Bedeutung es haben könnte. <lb/>
              <emph style="bold">Inschrift:</emph> Interpretiert die Inschrift: Welche
                            Aussage wird getroffen, welche Bedeutungen sind möglich und welche
                            Wirkung geht davon aus?</item>
            <item>
              <emph style="bold">Gesellschaftliche Bedeutung</emph> Deutet, welche
                            Werte oder Erinnerungen durch das Denkmal vermittelt werden sollen.
                            Reflektiert, welche Auswirkungen das Denkmal auf das
                            Geschichtsverständnis der Gesellschaft haben kann – und diskutiert, wo
                            mögliche Grenzen liegen könnten. Erläutert, warum ihr euch im Vorfeld
                            mit der Biografie von David Holzer beschäftigt habt und wie dieses
                            Wissen euren Blick auf das Denkmal beeinflusst.</item>
          </list>
          <emph style="bold">Plenumsdiskussion:</emph> Nach der Gruppenarbeit stellt jede
                    Gruppe ihre Ergebnisse vor. Diskutiert gemeinsam die Wirkung und Bedeutung des
                    Denkmals im öffentlichen Raum. <lb/>
          <lb/>
          <emph
            style="bold">Dritte Doppelstunde:</emph> Entwurf eines Denkmals für David
                    Holzer <list style="ordered">
            <item>
              <emph style="bold">Einstieg:</emph> Stell dir vor, ein Denkmal soll
                            errichtet werden, um David Holzer zu ehren. Doch was macht ein Denkmal
                            eigentlich besonders? Was drückt es aus? Überlege, welche Geschichte
                            dein Denkmal erzählen soll und wie es daher gestaltet sein soll. </item>
            <item>
              <emph style="bold">Gestaltungsaufgabe:</emph> Entwirf ein Denkmal, das
                            an David Holzer erinnert. Nutze eine oder mehrere der folgenden
                            Zeichentechniken: Bleistiftzeichnung (detaillierte Darstellung mit
                            Schattierungen und präzise Linienführung) <lb/> Buntstiftzeichnung
                            (ausdrucksstarke Farben, die Stimmungen und Emotionen vermitteln) <lb/>
                            Tuschezeichnung (Klarheit und starke Kontraste, die das Denkmal
                            monumental wirken lassen)<lb/> Kohlezeichnung (grobe Darstellung mit
                            starken Hell-Dunkel-Kontrasten) </item>
            <item>
              <emph style="bold">Gedanken zu deinem Denkmal:</emph> Überlege dir,
                            welche Symbolik du in deinem Denkmal einbauen möchtest. Welche Formen
                            und Farben passen zur Bedeutung von David Holzer? Soll das Denkmal groß
                            und monumental wirken oder eher schlicht und nachdenklich? Welche
                            Materialien würdest du, wenn du es bauen würdest, verwenden?</item>
            <item>
              <emph style="bold">Präsentation/Ausstellung:</emph> Wenn du mit deinem
                            Entwurf fertig bist, stelle deine Zeichnung an einem geeigneten Platz im
                            Klassenraum aus. Bereite eine kurze Präsentation vor, in der du dein
                            selbst gestaltetes Denkmal vorstellst und deine Überlegungen dazu
                            begründest. Gehe dabei möglichst auf folgende Punkte ein: Erläutere, was
                            dein Denkmal darstellt und welchen historischen oder persönlichen Bezug
                            es hat. Begründe, welche Symbolik und Materialien du gewählt hast bzw.
                            für eine Umsetzung des Entwurfs wählen würdest – und warum. Beschreibe,
                            welche Emotionen und Gedanken du bei BetrachterInnen auslösen möchtest.
                            Reflektiere die Bedeutung von David Holzer für dich und dein
                            Denkmalsentwurf hat. </item>
            <item>
              <emph style="bold">Analyse und Diskussion:</emph> Betrachte die
                            Entwürfe deiner MitschülerInnen und überlege, wie deren Entwürfe die
                            Erinnerung an David Holzer interpretieren. Diskutiere mit der Klasse,
                            welche Denkmäler besonders gelungen oder aussagekräftig sind und warum.
                            Was könnte man an den Entwürfen verbessern, um die Aussageabsicht oder
                            Wirkung noch stärker zu machen?</item>
            <item>
              <emph style="bold">Abschluss:</emph> Am Ende der Stunde sollst du dir
                            selbst noch einmal die Frage stellen: Was macht ein Denkmal für mich
                            aus? Welche Bedeutung und Symbolik kann Kunst in unserer
                            Erinnerungskultur haben? </item>
          </list>
        </p>
        <caption>Vermittlungshinweise</caption>
        <p>In der <emph
            style="bold">ersten Doppelstunde</emph> erhalten die Lernenden
                    wichtige Informationen zum Arbeitsauftrag und werden in der Gruppenarbeit
                    unterstützt. Die Arbeitsphase (ca. 80 Minuten) ist auf die Person Holzer
                    fokussiert, der stellvertretend für die Opfergruppe der Verfolgten der
                    NS-Militärjustiz steht. Während der Arbeit in den Kleingruppen unterstützen Sie
                    die Lernenden durch gezielte Aufgabenstellungen. Nach der Arbeitsphase folgt
                    eine Plenumsdiskussion, in der die Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren und
                    diskutieren. Zudem bereiten Sie mit den SchülerInnen den Denkmalsbesuch vor und
                    besprechen mit Ihnen den vorbereitenden Arbeitsauftrag dafür. Die Textquelle
                    „Ein Denkmal für den unbekannten Deserteur“ von Corinna Tomberger (unter
                    Textquellen) ist etwas umfangreicher, relativ komplex und eignet sich nur für
                    ältere SchülerInnen. <lb/> In der <emph
            style="bold">zweiten Doppelstunde</emph>
                    setzen sich die Lernenden intensiv mit dem Denkmal vor Ort auseinander. Sie
                    werden beim Besuch des Denkmals und der Dokumentation ihrer Eindrücke,
                    Beobachtungen, Analysen und Überlegungen unterstützt. Für die eigentliche
                    Arbeitsphase sind ca. 50 Minuten eingeplant, in denen die SchülerInnen in
                    Kleingruppen von max. fünf Personen arbeiten. Planen Sie genügend Zeit für den
                    Besuch mit Gruppenarbeit und Diskussion. <lb/> In der <emph style="bold">dritten
                        Doppelstunde</emph> unterstützen Sie die Lernenden bei der Erstellung eines
                    Entwurfs für ein Denkmal. Zeigen Sie ihnen dazu beispielsweise
                    Architekturzeichnungen mit unterschiedlichen Ausdruckswirkungen. Die Stunde
                    findet im Klassenraum statt, wobei ca. 50 Minuten für die Entwurfszeichnungen
                    vorgesehen sind. In der verbleibenden Zeit präsentieren die SchülerInnen ihre
                    Skizzen, analysieren sie gegenseitig und diskutieren ihre Ergebnisse. Die
                    Arbeitsdynamik wechselt zwischen Einzelarbeit für die Zeichnungen und
                    Gruppenarbeit für die Analyse und Diskussion der Skizzen. Benötigt werden
                    Zeichenpapiere in unterschiedlichen Formaten und Qualitäten, Bleistifte,
                    Buntstifte, Pastell- und Ölkreiden, Kohlestifte sowie Tusche, Federn und Pinsel.
                    <lb/> Zusätzlich könnte auch noch eine Präsentation/Ausstellung in der Schule
                    stattfinden/angedacht werden. Da die Beschäftigung der SchülerInnen mit der
                    Wehrmachtsjustiz über mehrere Stunden geht, wäre es sicher angebracht, dies über
                    den Klassenraum hinaus zu verbreiten. </p>
        <caption>Vermittlungsziele</caption>
        <list>
          <item>Die SchülerInnen recherchieren biografische Informationen zu David Holzer
                        und analysieren seine historische Bedeutung im Spannungsfeld von
                        Gesellschaft und Erinnerungskultur.</item>
          <item>Die SchülerInnen setzen sich kritisch mit dem Denkmal für die Verfolgten
                        der NS-Militärjustiz auseinander. Sie hinterfragen dessen Symbolik,
                        Intention und Wirkung sowie die Art und Weise, wie historische Ereignisse in
                        Denkmälern verarbeitet werden.</item>
          <item>Die SchülerInnen entwerfen auf der Grundlage historischer Kenntnisse
                        Entwürfe für ein Denkmal zur Erinnerung an David Holzer und analysieren die
                        Skizzen ihrer MitschülerInnen hinsichtlich gestalterischer und historischer
                        Aspekte.</item>
        </list>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Aleida Assmann, Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine
                        Intervention, München 2013.</item>
          <item>Peter Gautschi, Vom Nutzen des Biografischen für das historische Lernen,
                        in: Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern (Hg.), Menschen mit
                        Zivilcourage. Mut, Widerstand und verantwortliches Handeln in Geschichte und
                        Gegenwart, Luzern 2015, 171-191.</item>
          <item>Gisela Hormayr, Der Widerstand gegen das NS-Regime, in: Wilfried Beimrohr
                        (Hg.), Zeitgeschichtliche Streiflichter: Tirol in der Ersten Republik, unter
                        dem Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. Ein Unterrichtsbehelf für
                        Lehrerinnen und Lehrer, Innsbruck 2010, 217-251.</item>
          <item>Dietmar von Reeken, Historisches Lernen im Sachunterricht. Eine Einführung
                        mit Tipps für den Unterricht (Dimensionen des Sachunterrichts 2), 6. erw. u.
                        akt. Aufl., Baltmannsweiler 2020</item>
          <item>Dirk Witt, Lernen vor Ort. Ideen und Materialien für Unterrichtsgänge in
                        Geschichte und Politik, Mühlheim an der Ruhr 2013, 67f.</item>
        </list>
      </div>
      <div type="quellenText">
        <p>
          <emph style="bold">Text von Corinna Tomberger über "Das künstlerische Konzept
                        von Olaf Nicolai im Kontext von Erinnerungskultur und Geschichtspolitik" </emph>
          <space/>
          <emph style="cursive"> Seit dem 24. Oktober 2014 steht am Wiener Ballhausplatz
                        gegenüber von Bundeskanzleramt und Präsidentschaftskanzlei das Denkmal für
                        die Verfolgten der NS-Militärjustiz nach einem Entwurf des deutschen
                        Künstlers Olaf Nicolai. Das Denkmal der Stadt Wien befindet sich auf einem
                        Areal von etwa 14 mal 36 Metern, das an zwei Seiten die Umzäunung des
                        Volksgartens begrenzt. Zur Straße hin grenzt die Längsseite des Areals an
                        den Ballhausplatz, die schmale Seite an den benachbarten Heldenplatz. Ein
                        heller Bodenbelag lässt das verwaschene Graublau der Skulptur deutlich
                        hervortreten und hebt die Fläche optisch von ihrer Umgebung ab. Während die
                        Skulptur dichter am Heldenplatz gelegen ist, steht nahe der umzäunten Ecke
                        zum Volksgarten eine schmale, dunkelgraue Begleittafel mit weißem Text. Die
                        1,65 Meter hohe Betonskulptur mit einer Fläche von etwa 9 mal 10 Metern
                        kann, als überdimensionales, liegendes, dreistufiges „X" beschrieben werden.
                        Serifen an den schmalen Seiten der Form geben die Skulptur als Buchstaben zu
                        erkennen. <lb/> Das künstlerische Konzept von Olaf Nicolai betrachte ich im
                        Folgenden aus unterschiedlichen, einander ergänzenden Perspektiven. Zunächst
                        gilt meine Aufmerksamkeit dem, was das Denkmal vor Ort im Detail zu sehen
                        gibt, und den Bedeutungen, die sich daraus ableiten lassen. In einem zweiten
                        Schritt nehme ich die Gedächtnistopografie in den Blick, in der das Denkmal
                        lokalisiert ist, und arbeite dessen ästhetische und diskursive Bezüge zur
                        umgebenden Erinnerungskultur heraus. In einem dritten Schritt diskutiere ich
                        die Sichtweise auf die Widmungsgruppe, die das künstlerische Konzept
                        anbietet, im geschichtspolitischen Kontext. Abschließend kontrastiere ich
                        die Umgangsweise mit Standort und Widmungsgruppe mit Denkmälern
                        vergleichbarer Widmung, um die Spezifika des Wiener Denkmals zu
                        verdeutlichen. </emph>
          <lb/>
          <lb/>
          <emph style="bold">Das künstlerische Konzept</emph>
          <space/>
          <emph style="cursive">Aus der Entfernung ist am Standort des Denkmals lediglich
                        eine geometrisch geformte, von treppenartigen Absätzen umgebene Plattform
                        auszumachen. Deren beträchtliche Ausmaße, angelehnt an Maßstäbe des
                        traditionellen Denkmals, legen ein Sujet von erheblicher Bedeutung nahe.
                        Allerdings konterkariert die für ein Denkmal geringe Höhe die Vorstellung
                        symbolischer Größe. Die räumliche Dimension weckt, so gesehen,
                        widersprüchliche Assoziationen. Mehr noch, die Plattform kann den Eindruck
                        eines wenn auch ungewöhnlich geformten Sockels hervorrufen, dem die
                        üblicherweise darauf platzierte Figur fehlt. <lb/> Die widersprüchlichen
                        Assoziationen, die das Erscheinungsbild des Denkmals zunächst hervorruft,
                        können als Kommentar zum gesellschaftlichen Umgang mit der Widmungsgruppe
                        seit 1945 aufgefasst werden. Das ,,lange Zeit bewusst ausgeblendete Thema
                        der österreichischen Zeitgeschichte", dem das Denkmal gewidmet ist, erhält
                        einerseits sichtbare räumliche Präsenz. Andererseits bleibt vorerst unklar,
                        welchem Sujet hier eigentlich Raum gegeben wird: Der vermeintliche Sockel
                        erscheint auf den ersten Blick leer. Dieses scheinbare Fehlen eines
                        gewürdigten Subjekts ist auch als Verweis auf die lange ausgebliebene
                        rechtliche Rehabilitierung der Widmungsgruppe lesbar. <lb/> Indes verändert
                        sich die Wahrnehmung der Skulptur beim Näherkommen. Was wie eine leere
                        Plattform erschien, ist bei näherer Betrachtung als skulpturales
                        Schriftzeichen identifizierbar. Mit der Letter X hat Nicolai dem Denkmal
                        eine in sich bedeutsame formale Gestalt verliehen. In der Mathematik
                        fungiert das Schriftzeichen kleingeschrieben als Platzhalter für eine
                        unbekannte Größe. In diesem Sinne wird es auch in sprachlichen
                        Formulierungen wie „x-mal" oder x-fach verwendet. Eine vergleichbare
                        Bedeutung kommt dem Schriftzeichen als Großbuchstabe zu, um nicht näher
                        bestimmte oder anonymisierte Individuen zu bezeichnen, etwa Mister X".
                        Darauf rekurriert die Begleittafel des Denkmals vor Ort, indem sie auf den
                        Einzelnen verweist, bedroht von Anonymisierung und Auslöschung, die ihn zum
                        X' in einer Akte werden lassen". Die Gestaltung des skulpturalen Buchstabens
                        in Serifenschrift, die an Schreibmaschinentypen erinnert, verstärkt diese
                        Assoziationen. Nicolais Skulptur ruft durch ihre formale Gestalt demnach den
                        Topos des Unbekannten auf. Auch diese Bedeutungsebene verweist auf den
                        gesellschaftlichen Umgang mit der Widmungsgruppe: Eine Folge der mangelnden
                        kollektiven Erinnerung an die Verfolgten der NS-Militärjustiz, der lange
                        ausgebliebenen öffentlichen Aufmerksamkeit, ist unzureichendes Wissen über
                        die Widmungsgruppe und deren Geschichten. So gesehen, fungiert das
                        skulpturale X als Platzhalter für eine nicht hinreichend bekannte
                        Widmungsgruppe. Die unterschiedlichen Bedeutungsebenen, die erst die
                        räumliche Annäherung an das Denkmal erfahrbar macht, können als Sinnbild
                        einer notwendigen gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Sujet
                        verstanden werden: Nur durch eine nähere Beschäftigung der Betrachtenden mit
                        den Verfolgten kann das Denkmal seine Aufgabe erfüllen: „Die Leiden ebenso
                        wie die Leistungen derer [zu würdigen, CT], die auf je eigene Weise dazu
                        beitrugen, NS-Herrschaft und Krieg ein Ende zu setzen." Um das Denkmal zur
                        Gänze zu erschließen, ist jedoch mehr als nur eine Annäherung erforderlich.
                        Erst von den umlaufenden Absätzen aus ist die Inschrift auf der 1,65 Meter
                        hohen Denkmalsoberfläche gut zu überblicken. Da die Inschrift bei einer
                        durchschnittlichen erwachsenen Körpergröße von einem ebenerdigen Standort
                        aus sichtbar ist, lädt sie dazu ein, die Skulptur hinaufzusteigen. Der Text
                        auf der Oberfläche ist dann rasch zu erfassen, weil die Inschrift nur aus
                        zwei unterschiedlichen Worten besteht: , „al“ und „alone“. Während Ersteres
                        30-mal in verzinkten Stahllettern eingeschrieben ist, kommt Letzteres nur
                        einmal vor. Semantisch ist die Inschrift doppeldeutig. Getrennt übersetzt,
                        kombiniert die Inschrift „alle" bzw. „alles" und „allein“, d.h.
                        Signifikanten für eine Gesamtheit und ein einzelnes Individuum. Verbunden
                        bedeutet „all alone“ hingegen ganz allein". Die vielfache Wiederholung von
                        „all“ betont das Ausmaß des Zustands, „allein“. Der englischsprachige Text
                        legt nahe, dass die Botschaft des Denkmals über das historische
                        Bezugsereignis hinaus Gültigkeit beansprucht. <lb/> In üblicher Leserichtung
                        liest sich die Inschrift: ,,all all/all all/all all/all all/all all/all
                        all/all all/ alone/all all/all all/all all/all all/all all/all all/all
                        all/all all". Dieses Zitat gibt zwar den Wortlaut, aufgrund der Anordnung
                        aber nur unzureichend die Wirkung auf die Betrachtenden wieder. Da die
                        Inschrift symmetrisch auf der x-förmigen Grundfläche angeordnet ist, läuft
                        sie aus vier Richtungen auf deren Zentrum zu. Die so entstehenden schrägen
                        Textspalten enthalten untereinander in versetzter Anordnung sieben- bzw.
                        achtmal das Wort „all". 6 Im Mittelpunkt der X-Form steht das Wort „alone";
                        analog zu seiner Wortbedeutung befindet es sich solitär in der mittleren
                        Zeile. Diese Anordnung läuft den üblichen Lesegewohnheiten zuwider. Auch
                        wenn die Inschrift theoretisch von links nach rechts lesbar wäre, wandert
                        der betrachtende Blick jeweils von den äußeren Enden zum Mittelpunkt. Das
                        symmetrische Satzbild lässt schnell erkennen, dass die Inschrift mit
                        Ausnahme der Mittelzeile ausschließlich aus Wortwiederholungen besteht. Die
                        Aufmerksamkeit wird dadurch auf die solitäre Mittelzeile gelenkt. Das Wort
                        „alone" bildet somit aus formaler wie auch rezeptionsästhetischer
                        Perspektive das Zentrum der Arbeit. <lb/> Ein weiteres gestalterisches
                        Element verstärkt diese Betonung der Mittelzeile. Pfeilförmige Aussparungen
                        an den schmalen Seiten sind auf den Mittelpunkt der skulpturalen Letter „X“
                        gerichtet und somit auf den Buchstaben „o“ im Wort „alone". Die imaginären
                        Pfeile heben die Scharnierfunktion hervor, die dieser Buchstabe für das
                        Satzbild innehat. Er verbindet die linken und rechten Textspalten. Das
                        Individualität markierende Wort „alone“ fungiert somit als zentrale
                        Verbindung zwischen den zahlreichen Wiederholungen jenes Wortes, das eine
                        Gesamtheit repräsentieren kann: „all". So gesehen, betont die Inschrift die
                        grundlegende Bedeutung des Individuums für die Gesamtheit: Ohne das
                        Individuum ist keine Gesamtheit möglich. Diese Gegenüberstellung wird durch
                        die weitere Bedeutungsebene ganz allein" zusätzlich verstärkt. Zugleich
                        evoziert die Inschrift eine Dialektik von Übereinstimmung und Abweichung.
                        Während die Zeilen identisch mit den Buchstaben „al“ beginnen, weicht bei
                        den Zeilenabschlüssen die Mittelzeile von den übrigen Zeilen ab. Formal
                        stehen „alone" und „all", Signifikanten für Individuum und Gesamtheit, somit
                        im Spannungsfeld von Übereinstimmung und Abweichung. Im historischen Kontext
                        von Nationalsozialismus und NS-Militärjustiz kommt dieser Gegenüberstellung
                        ein eminent politischer Charakter zu. In diesem Sinne will Nicolai seine
                        Arbeit ausdrücklich verstanden wissen: „Das Zusammenspiel von Sockel und
                        Inschrift inszeniert die Situation des Einzelnen in und gegenüber
                        gesellschaftlichen Ordnungs- und Machtverhältnis- sen. [...] Die Skulptur
                        erweist denjenigen Respekt, die eine eigene Entscheidung treffen, sich der
                        Fremdbestimmung widersetzen und sich durch ihr eigenständiges Handeln gegen
                        das geltende System stellen." Demnach steht „all" für das
                        nationalsozialistische System oder auch für jene, die an seiner
                        Aufrechterhaltung beteiligt waren, während „alone" das nonkonforme
                        Individuum repräsentiert. <lb/> Olaf Nicolai hat diese Inschrift dem Werk
                        eines anderen Künstlers entlehnt, dem Gedicht „all / alone" (1964) von Ian
                        Hamilton Finlay. Die Arbeit des schottischen Künstlers ist der Konkreten
                        Poesie zuzurechnen, einem Genre, in dem Wörter nicht allein qua Semantik
                        Bedeutung erzeugen, sondern auch durch ihre visuelle Gestaltung. Nicolai
                        greift Finlays lyrischen Text in Wortlaut wie formaler Gestalt auf und
                        wandelt ihn ab. Aufgrund unterschiedlicher Zeichenabstände kommt das
                        Satzbild bei Finlay einem Schrägkreuz nahe, bei Nicolai hingegen einer
                        X-Form. Nicolais veränderte Form geht mit vervielfachten Wortwiederholungen
                        gegen- über dem Gedicht einher. Da diese Veränderung keine abweichende
                        semantische Bedeutung hervorbringt, liegt es nahe, dass Nicolai damit vor
                        allem auf eine spezifische Textgestalt abzielte. Die Unterschiede zwischen
                        Gedicht und Inschrift weisen auf den Stellenwert der X-Form für Nicolais
                        Entwurf hin." Anders als es der Künstler nahelegt, ergibt sich diese Form
                        keineswegs unmittelbar aus der literarischen Vorlage. Tatsächlich
                        interpretiert Nicolai Finlays Gedicht im Kontext der Aufgabenstellung des
                        Denkmals neu. Zwar ist das Spannungsverhältnis von Individuum und Gesamtheit
                        in Finlays literarischer Vorlage angelegt. Die Einbettung in eine X-Form,
                        die den Verfolgten der NS-Militärjustiz gewidmet ist, begünstigt jedoch eine
                        politische Lesart des Textes und reichert diese mit Assoziationen von
                        Eigensinn und Verweigerung innerhalb eines totalitären Systems an. Die
                        X-Form wird in diesem Zusammenhang als Repräsentantin jenes nonkonformen
                        Individuums lesbar, welches das Wort „alone" in ihrem Zentrum aufruft. So
                        gesehen, handelt es sich bei Nicolais Entwurf nicht allein um ein
                        ,,Zusammenspiel von Sockel und Inschrift", sondern darüber hinaus um ein
                        abstraktes Persönlichkeitsdenkmal. Allerdings ist es nicht einer
                        spezifischen Persönlichkeit gewidmet, sondern einem spezifischen Typus: Die
                        X-Form repräsentiert prototypisch jenes Individuum, das sich
                        gesellschaftlichen Machtansprüchen widersetzt oder entzieht. <lb/> Neben der
                        formalen Gestaltung setzte Nicolai auch Farbe ein, um diese Bedeutung zu
                        verstärken. Ursprünglich hatte er für die Betonskulptur einen tiefen Blauton
                        vorgesehen, der auf Blue Jeans als Zeichen von Dissidenz anspielen sollte,
                        eine Bedeutung, die insbesondere für die DDR galt. Der Künstler rekurrierte
                        damit auf eine Symbolik, die sich historisch nach dem Nationalsozialismus
                        herausbildete und für ein sozialistisches Gesellschaftssystem in Konkurrenz
                        zum kapitalistischen Westen Gültigkeit besaß. Allerdings erwies sich der
                        intensive Farbton als technisch nicht realisierbar. Letztlich kam eine
                        unauffällige Färbung zur Ausführung, die Nicolai als „verwaschenes
                        Jeansblau" beschreibt. Die mangelnde historisch-politische Passung dieser
                        Referenz mag Grund dafür sein, dass die Blaufärbung des Denkmals in die
                        erläuternde Begleittafel vor Ort keinen Eingang gefunden hat. Da die Färbung
                        optisch kaum wahrnehmbar ist, kann diese Anspielung letztlich nur mithilfe
                        zusätzlicher Informationen über das Denkmal erschlossen werden.
                        Zusammenfassend lässt sich Nicolais Konzept als Skulptur beschreiben, die
                        abhängig von der Entfernung der Betrachtenden unterschiedliche
                        Wahrnehmungsebenen ermöglicht. Aus größerer Entfernung regt ein Sockel -
                        scheinbar ohne Figur - dazu an, die lange fehlende gesellschaftliche
                        Anerkennung und rechtliche Rehabilitierung der Widmungsgruppe zu
                        reflektieren. Die X-Form, die beim Näherkommen erkennbar wird, verweist auf
                        das mangelnde Wissen über die Verfolgten. Die Inschrift auf der
                        Denkmalsoberfläche schließlich macht die Skulptur als abstraktes
                        Persönlichkeitsdenkmal für das nonkonforme Individuum lesbar. </emph>
        </p>
        <caption>Titel / Beschreibung</caption>
        <p>Textquellen </p>
        <caption>Quellenzitat</caption>
        <p>Corinna Tomberger, Ein Denkmal für den unbekannten Deserteur. Das künstlerische
                    Konzept von Olaf Nicolai im Kontext von Erinnerungskultur und Geschichtspolitik,
                    in: Juliane Alton/Thomas Geldmacher/Magnus Koch/ Hannes Metzler (Hg.),
                    „Verliehen für die Flucht vor den Fahnen". Das Denkmal für die Verfolgten der
                    NS-Militärjustiz in Wien, Göttingen 2016, 48-53.</p>
      </div>
      <linkGrp>
        <ptr ref="http://www.aegide.at/de/69/Videos/ "
          rend="„… Ich stell´ mich auf die richtige Seite“. Der Wehrmachtsdeserteur David Holzer im Interview (© Peter Pirker/Peter Liska, ORF)" rendition="Interview mit dem Wehrmachtsdeserteur David Holzer"/>
      </linkGrp>
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  </text>
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</TEI>
