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Adele Stürzl schildert in der KP-Zeitung „Rote Fahne“ den Kampf um Lohnerhöhung in der Kufsteiner Fabrik für Handgranatenherstellung als den Beginn ihrer politischen Arbeit: „Dort arbeiteten ausschließlich Frauen im Akkord um einen Hungerslohn. Als die Arbeiterinnen erfuhren, daß ich eine Wienerin sei, wurde ich sofort als ihre Führerin gewählt und wir beschlossen eine Lohnforderung. Ich wurde in die Kanzlei zu Verhandlungen gerufen. Hier bot mir der Unternehmer pro 100 Stück eine Krone mehr, weil ich besser arbeitete als die anderen. Als ich dies Ansinnen ablehnte, erklärte die Unternehmersfrau, ich sei eine hergelaufene Aufwieglerin. Ich teilte meinen Kolleginnen alles mit und wir traten in den Streik, welcher zirka fünf Stunden dauerte. Man bewilligte schließlich unsere Forderungen.“ Eine Mitgefangene, Carmela Flöck, die einer Widerstandsgruppe der christlich-sozialen Arbeiterbewegung angehörte, erinnert sich an Adele Stürzl: „Adele Stürzl, führende Kommunistin in Kufstein, war ein paar Jahre älter als ich, von kleiner, robuster Statur, mit graumeliertem Haar und sehr blaß Sie war schon mehr als sieben Monate in Haft. Adele nahm sich sofort meiner an. Sie war die Zellenälteste, d.h. am längsten in Haft, und das war zu respektieren. (…) Ich denke so oft dankbaren Herzens an Adele. Sie war mir in diesen Tagen eine große Stütze und eine gute Lehrmeisterin. Sie stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite, denn sie war kein Neuling in diesem Haus.“ Ein Überlebender des Prozesses gegen die linke Unterländer Widerstandsgruppe (wegen ihrer Kontakte zu Robert Uhrig, dem Chef der illegalen Berliner KP, auch „Gruppe Roby“ genannt) erinnert sich: „Der Vorsitzende warf ihr (Stürzl) vor, sie sei eine alte, fanatische Kommunistin mit dem einzigen Bestreben, die Arbeiter aufzuhetzen und unzufrieden zu machen. Das Motiv ihrer politischen Tätigkeit sei der Hass gegen Ordnung und Eigentum. Adele Stürzl wies diese Angriffe zurück und schilderte ihr Leben und Schicksal. Ihre Kindheit und Jugend sei furchtbar traurig gewesen. Hunger und Not waren di ständigen Begleiter. Dieses Elend brachte ihre Mutter ins Irrenhaus, wo sie auch starb. Nun kam Adele Stürzl zu fremden Leuten und musste schon vor der Schulentlassung ihr karges Brot selbst verdienen. Sie kam dann zur Sozialdemokratie und war lange Zeit Mitglied und Funktionärin dieser Partei. Ihre Mitgliedschaft gründete sich in erster Linie auf ihre soziale Einstellung, denn ihr ganzes Trachten ging dahin, den Armen und Ärmsten zu helfen. Also die Partei 1934 aufgelöst wurde, setzte sie ihre Tätigkeit und Hilfsbereitschaft fort. – Hier wurde sie vom Vorsitzenden unterbrochen: ‚Wir wissen über Sie besser Bescheid.' Er zog aus den Akten eine Zeitung, es war eine Nummer der ‚Roten Fahne', und fragte: ‚Kennen Sie dieses Bild? Das sind doch Sie selber! Sie waren eine führende Kommunistin, das genügt uns!' Damit schnitt er jedes weitere Wort ab.“ (Sämtliche Zitate stammen aus dem Artikel von Martin Achrainer, Adele Stürzl (1892-1944). Die Rosa Luxemburg von Kufstein, in: Horst Schreiber, Ingrid Tschugg, Alexandra Weiss (Hg.), Frauen in Tirol. Pionierinnen in Politik, Wirtschaft, Literatur, Musik, Kunst und Wissenschaft, Innsbruck 2003, 38-45.)
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